Archiv für die Kategorie „Trainingstauchgang“
Schnuppertauchen am Wochenende in Waldshut und Tiengen
Die Tauchschule AQUAplus Wehr veranstaltet am kommenden Wochenende wieder ein kostenloses Schnuppertauchen, und zwar in den Freibädern in Waldshut und Tiengen. Die Termine sind:
Samstag, 30. Juli 2011
Poolparty mit Schnuppertauchen
Wo: Freibad Tiengen, Badstraße 36, 79761 Waldshut-Tiengen
Wann: ab 14.00 Uhr
Sonntag, 31. Juli 2011
Schnuppertauchen
Wo: Freibad Waldshut, Jahnweg 9, Waldshut-Tiengen
Wann: 11.00 bis 18.00 Uhr
Mindestens 50% der FlatFluteDivers werden auch anwesend sein!
Schnuppertauchen im Freibad Wehr am 7. und 8. August 2010
Auf Initiative der Stadt Wehr / Baden veranstaltet die Tauchschule AQUAplus Wehr im August im Freibad Wehr ein Schnuppertauchen für Interessierte.
Das Schnuppertauchen findet statt am:
Samstag, 7. August 2010 von 11.00 Uhr bis 13.30 Uhr
Sonntag, 8. August 2010 von 11.00 Uhr bis 13.30 Uhr
Die Adresse ist:
Freibad Wehr
Frankenmatt 10
79664 Wehr
Und wen’s interessiert – die FlatFluteDivers sind ebenfalls da.
RESCUE DIVER: Die Poollektionen
Wenn man sich mit der Geschichte der Tauchorganisation PADI ein wenig auseinander setzt, stolpert man früher oder später über die Anekdote, wie der Grundstein für das PADI-Ausbildungssystem gelegt wurde. Es gab da einen Mann, der das OWD-Brevet gemacht hatte und bei Ralph Erickson (einem der beiden Gründer von PADI) vorstellig wurde. Er hatte zwar den Kurs absolviert, aber nie Freiwassertauchgänge gemacht und wollte das nun nachholen. Nachdem er es gemacht hatte, fragte er: “Und was kommt als nächstes?” Erickson musste einige Tauchgänge für den AOWD improvisieren. Doch wieder fragte der Mann: “Und was kommt als nächstes?” Zweifellos gehörte er zu der Sorte Mensch, die immer wieder Neues erkunden und ausprobieren wollen. Die mehr wissen wollten.
Als Annette und ich mit dem Tauchen angefangen haben, hatten wir keine Vorstellung, was da alles möglich ist. Warum auch? Wir hatten ja den Vorsatz gehabt, auf ewig “Scuba Diver” zu bleiben und ein bisschen Urlaubstauchen zu betreiben. Doch als uns das “Tauchfieber” gepackt hatte, gab es für uns kein Halten mehr. Auch wir fragten nun “Und was kommt als nächstes?”
Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück und hatten den AOWD-Kurs erfolgreich absolviert. Und nun standen wir vor der Ausbildungsstufe, die die letzte “normale” Sporttaucherausbildung bei PADI sein würde, dem RESCUE DIVER. Danach würde es schon in den professionellen Bereich gehen. Wie immer hatte es mal ganz andere Pläne gegeben, die wir aber – wieder mal – über den Haufen warfen. Eigentlich wollten wir den Rescue Diver zu dritt machen, mit einer Kollegin von Annette zusammen. Dazu wollten wir die Pooltauchgänge den Winter über erledigen und im Frühjahr tagesweise die Freiwassertauchgänge machen, sobald das Wetter dies zuließ. Doch bei Annettes Kollegin kamen leider ein paar Unwägbarkeiten dazwischen, so dass sie den Kurs nicht machen konnte. Außerdem empfahl uns Majki dringend, die Freiwassertauchgänge “am Stück” zu erledigen. Zum Beispiel bei einem Aufenthalt in Horka. Also machten wir, was wir so gut können, nämlich Pläne über den Haufen zu werfen und neue zu machen. Wir würden nun die Pooltauchgänge trotzdem über den Winter hinweg erledigen, um den Kurs dann im April 2010 in Horka abzuschließen. Wir hofften, dass bis dahin das Wetter gut genug sein würde, um Freiwassertauchgänge zu machen.
Vom RESCUE-DIVER-Kurs hatte man uns erzählt, dass es der körperlich anstrengendste sein würde, aber auch der, der am meisten Spaß macht und von dem man viel mitnehmen kann. Bei uns kam noch dazu, dass es eine Verbindung von zwei Dingen war, die wir gern machten: Menschen retten und tauchen. Die Poollektionen fanden im Hallenbad in Zürich-Leimbach statt, das wir schon vom “Tarieren in Perfektion”-Kurs kannten. Grob gesagt unterteilt man die Übungen in zwei Arten: Unter Wasser und über Wasser. Sinnig, was?
Annette: Wie? Was lese ich da? ZWEI Dinge, die wir gerne machen? Tauchen ja, aber retten wir auch gerne Leben? Wirklich?
Sie nun wieder… ich wollte uns nur in einem positiven Licht darstellen. Die Wahrheit muss doch nun wirklich nicht jeder wissen, oder?
Die Übung, die wir komplett erst im Freiwasser machen sollten, war die, wie man einem Taucher von außerhalb des Wassers hilft. Es hatte wenig Sinn, Schwimmkörper mit Seilen dran durch die Schwimmhalle zu schleudern und möglicherweise einen harmlosen Schwimmer zu versenken, der mit den ganzen Übungen nichts zu tun hatte. Also ging wir gleich ins Wasser und begannen mit den ersten Übungen:
Taucher in PANIK an der Oberfläche
“Der Umschlag gefällt mir”, sagte er. “Keine Panik. Das ist das erste hilfreiche oder vernünftige Wort, das ich heute gesagt bekomme.”
“Ja. Deswegen verkauft es sich so gut”, sagte Ford.
Arthur Dent und Ford Prefect in “Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams
Das Wort “Panik” kommt von dem griechischen Gott Pan, von dem die Sage zu berichten weiß, dass er gerne arme, grasende Schafe erschreckte, so dass eine ganze Herde in kopfloser Flucht davonstürmen konnte.
Wieso kommen mir ausgerechnet jetzt unsere gemeinsamen Abendessen im Hotel in den Sinn?
Du hattest doch gar keine Panflöte dabei.
Und wer schon mal von Panflöten-Spielern terrorisiert wurde, kann es den armen Schafen durchaus nachempfinden. Und schon haben wir einen der Punkte, der bei einem Taucher Panik auslösen kann: etwas oder eine Situation, die für gefährlich gehalten wird, obwohl sie es nicht ist (zum Beispiel ein kleiner, fliegender griechischer Gott mit Panflöte)(die Vorstellung, von einer Tauchbootplattform springen zu müssen, ein Wrack, eine Niesattacke unter Wasser… es gibt X Beispiele…) , oder eine tatsächliche Gefahr. In beiden Fällen ist die Reaktion irrational, der Taucher fängt an, wild um sich zu schlagen und sich irgendwie in Sicherheit zu bringen. Das Problem für einen Retter ist, dass der Taucher in Panik so schnell wie möglich aus dem Wasser raus will und dabei auf alles klettert, was sich ihm bietet, egal wie unratsam das ist, eine Eisscholle, der Rücken eines weißen Hais, eine Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg – oder auch der Rücken des netten Tauchers von nebenan, der nur helfen wollte. Und Schwupps! Schon gerät der Helfer selbst in Gefahr. Das hat man nun davon. Blöde Wohltäter!
Doch nicht verzagen! Es gibt eine Lösung, indem man sich dem Taucher nähert und dabei die Beine vorstreckt, so dass man sich im Ernstfall mit ein paar Flossenschlägen wieder von dem Opfer entfernen kann, falls es den Retter als Kletterboje missbrauchen möchte. Und wenn man sich schließlich nähert, greift man den Arm des Opfers, dreht es um und klemmt die Pressluftflasche zwischen den Knien ein. Damit hat man das Opfer sozusagen festgenagelt, während man sich um alles weitere kümmern kann. Und irgendwann ist das Opfer müde und gibt sein sinnloses Gestrampel auf. Dann kann man es gemütlich abschleppen und an Land bringen.
“Oh, FlatFluteDiver, Du hast mich gerettet! Danke!”, sagte die junge und überaus attraktive Blondine, als sie matt ins Gras der Uferbegrünung sank, noch völlig außer Atem von dem Abenteuer, das sie eben erlebt hatte.
“Aber nicht doch!”, erwiderte Thorsten mit einer Stimme, deren Klang zu sagen schien: “Ich bin so cool, wenn ich aufs Klo gehe, kommen unten Eiswürfel raus.” Er schob die rechte Augenbraue um anderthalb Zentimeter nach oben, während er hinzufügte: “Das ist nichts besonderes für einen FlatFluteDiver. Gefahr ist mein Geschäft. Und jetzt gehe ich los und halte den Klimawandel auf.”
Offenbar hast du dir bei dem Kurs “Tarieren in Perfektion” im Züricher Hallenbad nicht nur die Nase, sondern auch die Birne am Grund angeschlagen. Mit nachhaltiger Wirkung! Zudem spielt Pamela Anderson bei Baywatch, und nicht in einer Tauchdoku!
Äh, naja, soweit die Theorie. Die Praxis sah mal wieder ganz anders aus. Zum einen ist es verdammt anstrengend, Opfer zu sein. Das Problem ist, sobald man anfängt, wie blöd um sein Leben zu strampeln, verausgabt man sich derart, dass schon vor Eintreffen des Retters zu müde ist, um noch nennenswerte Gegenwehr zu leisten. Richtige Opfer halten das nur deswegen so lange durch, weil sie aufgrund ihrer Panik unter Adrenalin stehen. Und es steht schon in der Bibel: “Adrenalin versetzt Berge.” Bei der Übung sah das letztlich so aus, dass man sagte: “Ich bin jetzt in Panik.”, und nur ein bisschen strampelte. Erst wenn der Retter näher gekommen war, fing man an, ganz aufzudrehen.
Entsprechend ist die Rolle des Retters auch nicht ohne. In einer der ersten Übungen näherte ich mich Annette, die sich vorstellte, ein Wrack zu sehen und dann die Panik kaum noch spielen musste.
Ich verbitte mir derartige Unterstellungen! Ich hab DICH auf mich zukommen sehen, das hat völlig als Grund ausgereicht in Panik zu geraten!
Pah! Und das, wo ich so heldenhaft war! Ich umging sämtliche Obstakel mit der Schläue eines Fuches, der Gewandtheit eines Nutrias und hatte die Situation stets im Blick, wie ein Adler seine Beute. Ja, die Situation rief förmlich nach einem komplizierten Satz mit ein paar Fremdwörtern. Dann packte ich beherzt zu! Ich griff Annettes Arm und drehte sie, so dass sie mir den Rücken zuwandte und ich ihre Flasche zwischen meine Knie klemmen konnte. Um sie drehen zu können, versuchte ich, mit meinen Flossen eine Gegenbewegung zu machen, und mitten in der Drehung…
…bekam ich einen Krampf in der Wade…
Nicht schon wieder! Doch es half nichts, auf Hälfte der Drehung ließ ich Annettes Arm los und kreuzte meine Unterarme, um anzuzeigen, dass ich die Übung abbrach. Reden konnte ich nicht viel, bei der Annäherung nimmt man zur Sicherheit den Regulator in den Mund, auf dessen Mundstück ich nun vor Schmerz biss. Und der Schmerzensschrei, der mir in dem Moment entfuhr, verlor sich zwischen Mundstück und Blasenabweiser irgendwo im Innern der Zweiten Stufe. So wurde ich vom Retter zum Geretteten, der sich seinen Wadenkrampf behandeln lassen musste.
“Danke”, stöhnte der Flat Flute Diver und sank völlig erschöpft am Beckenrand zusammen, nachdem endlich der Schmerz in der Wade nachließ.
“Gerne geschehen”, sagte ein engelsgleiches schwarzhaariges Wesen mit sanfter Stimme, ” Ich bin zwar überaus attraktiv und jung, aber nicht blond! Ich bin es, die zu danken hat, dass ich Dir großen Flat Flute Diver überhaupt helfen durfte! Deine stählernde Wade zu massieren bereitete mir überaus großes Vergnügen!”
Manchmal, Nachts, wenn ich ganz allein bin, möchte ich nur noch weinen. Und in diesen schweren Stunden denke ich dann an Annette und… möchte noch mehr weinen. Aber der Doktor sagt, wenn ich weiterhin die kleinen, gelben Pillen nehme, wird das bald wieder gut sein. Jedenfalls, im zweiten Anlauf klappte es dann. Hurra.
Aber warum denn… wer wird denn gleich weinen? Wenn Du Dich ein klein wenig anstrengst, kannst Du doch genauso engelsgleich und großherzig wie ich werden!
Das sagst Du doch jetzt nur, um mich zum Lachen zu bringen, oder? Egal, weiter geht’s…
Bewusstlosen Taucher an die Oberfläche holen
Diese Lektion hatten wir schon beim Nitrox-Kurs in Horka gemacht. Majki hatte sie uns damals gegönnt, weil es besser ist, schon hier Bescheid zu wissen, was man mit einem bewusstlosen Buddy macht. Nun wurde es also Ernst, sie für den Rescue Diver zu wiederholen. Nun denn, ist ja kein Problem. Annette legte sich bäuchlings auf den Grund und ich näherte mich ihr von der linken Seite.
Man darf gespannt sein. Die Rolle des Opfers ist interessant. Wie stellt sich der Retter denn an? Geschickt? Zügig? Tölpelhaft? Unsittlich? Bekommt er vielleicht gar einen Wadenkrampf?
In dem Moment kamen ein paar Taucher des Wegs, die zu einer anderen Gruppe gehörten und uns passierten. Höflich, wie ich nun mal bin, ließ ich sie zuerst vorüberziehen. Außerdem wusste ich nicht, wieviel Platz ich brauchen würde, wenn ich Annette vom Grund aufhob. Also, erstmal abwarten… ja, Hallo, Tag auch. Alles okay? Alles okay.
WIEVIEL PLATZ DU BRAUCHEN WÜRDEST, UM MICH AUFZUHEBEN??? WAS soll DAS denn heißen? Ich hab doch keinen Wendekreis eines Panzers! Hast du ein Maßband in der Tasche? Mir fehlen die Worte. Und zudem warte ich immer noch auf meinen Retter. Und zwar auf denjenigen, dem mein Wendekreis egal ist. So!
He, das ist Rettung unter Berücksichtigung der Umgebung! Wie würde es Dir gefallen, wenn ich Dich im Rahmen der Rettung gegen die Wand klopfen würde oder so?
Also, das wäre ja in der Tat mal was ganz Neues. Üblicherweise verletzt Du Dich gerne selber beim Tauchen, das wäre Premiere gewesen, wenn Du mich verletzt hättest. Insofern seh ich das nach. Soweit käm es ja noch….
Okay, neuer Versuch… ärgs, was ist DAS denn? Da schwimmt ja ein Kaugummi! Ist ja e-kel-haft! Was spucken die Leute nur alle ins Becken? Da will ich mich aber nicht hinknien! Ich erzeugte eine Strömung mit den Händen, wodurch das Teil davongetragen wurde.
Ich fasse es nicht. WIE BITTE? Kann das sein, dass Du vielleicht ein KLEIN WENIG leicht ablenkbar bist? Ich könnte bereits TOT sein, und Du machst Dir Gedanken um einen Kaugummi?? ICH bin schließlich todesmutig an dich herangetaucht durch ein Meer von Haarknäuln, Rotz, undefinierbarer andere Sachen, von denen ich lieber nicht wissen will was das war, und DU??!
Nein, äh, das verstehst Du ganz miss. Ich wollte… ich dachte… ich hatte… als ich diesen Kaugummi sah… die Idee… damit eine Luftblase zu erzeugen, um Dich zu retten, so war’s, genau! Weil ich bin nämlich genauso gewieft wie dieser Herr hier:
Ich konnte meinen Plan nur leider nicht ausführen, weil… weil… weil ich kein Gummiband und keine Kugelschreibermine zur Hand hatte, um eine Rettungsboje zu basteln.
Okay, nächster Versuch… nähern, schütteln, Regulator kontrollieren. Alles gut. Jetzt den Taucher vom Grund aufnehmen. Dazu musste ich bei Annette etwas Auftrieb herstellen. Wo war nochmal der Tarierschlauch? Ah, linke Schulter, ich hab ihn. Jetzt ziehe ich ihn vorsichtig hoch… das fühlt sich aber komisch an… ach je. Annette, willst Du mal lachen? Jetzt hätt ich den Schlauch fast ausgefädelt.
Wundert mich gar nicht. Wirklich nicht. Wenn ich das oben lese, bin ich erstaunt, dass Du das überhaupt hingekriegt hast und nicht in Panik wegen eines vorbeischwimmenden Haares ausgebrochen bist.
Was, da schwimmen Haare rum??? Wo sind wir denn da gelandet, um Himmels Willen? Also, nichts wie hoch an die Oberfläche! Ist es ein Delfin? Ein Tümmler? Oder ein besonders eleganter Zackenbarsch? Nein, es ist der FlatFluteDiver! Ta-dah! Sicher wieder nach oben gebracht! Bin ich gut? Ich bin gut!
“Ich muss Ihnen meine Bewunderung ausdrücken”, sagte der Bundespräsident, während er sich von einem Mitarbeiter einen kleinen, schwarzen Kasten reichen ließ. “Ihr Heldentum ist Vorbild und Inspiration für uns alle. Ich wünsche mir, dass es mehr Menschen gibt wie Sie. Lassen Sie mich Ihnen diesen Orden anheften!”
Doch Thorsten winkte dankend ab: “Nicht nötig, Herr Präsident. Das ist doch die tägliche Arbeit der FlatFluteDivers. Das Lächeln dieser Holden, die ich erretten durfte, ist mir Belohnung genug…”
Da hätte ich noch eine Kleinigkeit anzubringen. Hier habe ich eine kleine Szene in meinem Repertoire, die zeigt, wie sowas aussehen könnte! Also, wie Du, lieber stolzer Flatflutediver, an mir vorbeistolzierst, mich links liegen läßt, um mir Deine Verachtung zu zeigen, denn schließlich hast DU den Orden bekommen… nicht ich. Schauen wir doch mal zu, was passiert!
He, wo hast Du denn das her?? Das kann doch alles nicht wahr sein. Herr Bundespräsident, jetzt sagen Sie doch auch mal was!
Auch das noch! Hier bleibt einem aber auch nichts erspart. Wie war das mit dem, der den Schaden hat und für den Spott nicht zu sorgen braucht? Doch beachten wir diese vollkommen uninteressanten Einwände der Dame nicht weiter, denn mit dem an die Oberfläche bringen war es nicht getan. Mehr Heldentaten standen an! Fast nahtlos fuhren wir fort:
Beatmen eines Tauchers an der Oberfläche und ans Ufer bringen
Gut, in Ermangelung eines Ufers mussten wir den Beckenrand nehmen, aber das ging auch. Bei dieser Übung öffnet man sowohl die Tarierweste des Opfers als auch die eigene, noch während man das Opfer zum Ufer schleppt und gleichzeitig beatmet. Das Ablegen der Weste während des Schleppens soll Zeit sparen, denn spätestens am Ufer muss man diese ausziehen. Und abschleppen, alle 5 Sekunden über eine Maske beatmen und gleichzeitig die Weste ablegen, das kann schon anstrengend sein. Hab ich gelesen. Für mich natürlich nicht. Es klappte alles reibungslos, schleppen, beatmen, die Schnallen vom Jacket öffnen, beatmen, noch mehr Schnallen öffnen – und so weiter. Schließlich konnte ich mein Jacket ablegen und treiben lassen.
Doch während ich mich dem Beckenrand näherte, beschlich mich ein komisches Gefühl. So als ob ich verfolgt würde… ja, in der Tat wurde ich verfolgt! Von meinem eigenen Jacket! Es schwamm quasi hinter mir her. Wie sich herausstellte, hatte sich mein Lungenautomat bei Annette verfangen, und so zog ich die Tarierweste hinter uns her.
Da ich, als kameraerfahrene Schauspielerin, meine Rolle als Opfer sehr ernst nahm, entging mir natürlich die Dramatik der aufkeimenden Situation. Ich kann von Glück sagen, dass es nur Dein Jacket war, was dich verfolgt hat. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn es ein lästiges fremdes Haar gewesen wäre. Ich als Opfer wäre sicher als Kletterboje missbraucht worden!
Dann der letzte Akt! Am Beckenrand angekommen legte ich Annette mit dem Oberkörper dort ab, kletterte gewandt aus dem Wasser (war das da, als du dir das Knie am Beckenrand angeschlagen hast?
) und zog sie ganz heraus. Ja-ha, wieder mal geschafft! Komm ich jetzt im Fernseh’n?
Nein! Zurück zu den FlatFluteDivern!
Du immer! Dann erzähl doch mal, wie Du Dich angestellt hast, na?
Ich weiß gar nicht, was Du meinst. Bei mir hat alles reibungslos geklappt.
Ach ja? Wie war das denn, als Du mich bei der einen Übung vom Grund an die Oberläche bringen solltest, und Probleme mit meinem Tarierhebel hattest?
Also, über Deinen… Tarierhebel reden wir ein andermal. Es gab ja noch andere Probleme zu überwinden, bevor wir uns auf den Weg nach Horka machen konnten. Zum Beispiel, dass wir im April gehen würden, es kalt sein könnte und wir einen Trockentauchanzug brauchen würden. Aber davon berichte ICH das nächste Mal.
Der OWD – Freiwassertauchgang 4
Wir hatten also die Theorie und den einen Freiwassertauchgang erledigt. Einen Tag später stand der nächste an – der letzte. Danach würden wir es geschafft haben. Aber zwischen uns und das “Open-Water-Diver”-Brevet hatten die Götter des Tauchens eine besondere Prüfung gestellt.
Die bekannten Übungen liefen eigentlich recht gut, Tarieren, schweben, Maske ausblasen. Dann die Kompassnavigation unter Wassser. Die Idee war, dass Annette bei Majki bleibt, während ich mit Babsi so weit weg schwimme, dass man gerade noch das Licht der Taucherlampe sehen konnte. Dann sollten Annette und ich abwechselnd das Licht mit dem Kompass anvisieren und ohne aufzusehen hinschwimmen. Die Idee war wie gesagt nicht schlecht, allein die Technik spielte nicht mit. Kaum hatten Babsi und ich den Punkt erreicht, da wir von Majki und Annette nichts mehr sahen, sondern nur noch das Licht von seiner Lampe erkannten, da meinte Babsis Lampe, dass nun der geeignete Moment sei, den Jahresurlaub einzureichen. Zack – und sie war aus. Drehen, klopfen, Voodoozauber, alles half nichts, sie wollte nicht mehr. Also mussten wir wieder zurück. Aus den Gesten, die Babsi machte, schloss ich, dass sie den gleichen Gedanken hatte wie ich: Wenn wir schon zurück zu den anderen müssen, dann könnte ich ja gleich die Navigationsübung machen. Majkis Licht sah ich ja. Und Annette hatte nichts zum Anvisieren. Gesagt (bzw. gedeutet) – getan. Ich visierte das Licht an und schwamm los. Und schon wieder musste ich davor bewahrt werden, mir den Kopf anzustoßen. Zwar kann man sich im Schluchsee fast nicht visuell orientieren, aber ich wollte trotzdem nicht schummeln und hielt daher den Kompass (geliehen!) fest im Blick, als plötzlich eine Metallstange vor mir auftauchte. Das war das Gestänge der Galerie, die dort versenkt war. Ich hatte also wieder eine Punktlandung hingelegt, aber dummerweise waren Majki und Annette nicht mehr dort. Wir hatten uns also verloren. Daher machten wir das, was Taucher in so einem Fall machen, kurz umsehen, suchen, auftauchen. An der Wasseroberfläche trafen wir uns dann wieder. Wie sich herausstellte, waren Annette und Majki uns entgegen gekommen und wir hatten uns knapp verfehlt. Aber was hatte Annette eigentlich anvisiert?
Annette: Eben, eben. Ich tauchte nämlich mit Majki los, und da ich nicht wußte, was ich anpeilen sollte, hab ich einfach mal geradeaus gepeilt. Unsicher, ob das jetzt so richtig ist, blickte ich hoch und da sah ich Euch uns entgegenkommen. Heee! Wohin bitte soll ich denn jetzt… Majki tauchte hinter mir her, ohne irgendwelche Anstalten zu machen… ich war irritiert. Jetzt kam aber noch ein Problem dazu. Meine rechte Flosse drohte abhanden zu kommen. Also wenn ich schon keine Möglichkeit habe, selber abzuhauen, dann wohl meine Flosse. Ich setzte mich auf die Uferböschung und zog die Flosse fest. Majki gab mir das Zeichen zum Auftauchen. Oben angekommen meinte er, dass seine Frau wohl zu weit weg geschwommen sei, denn er könne ihre Lampe nicht mehr sehen. Ich sagte ihm, dass Babsi und Thorsten uns doch entgegen gekommen seien. Er wollte es nicht glauben, aber so war es. Das hatte mich nämlich komplett verwirrt. Wie soll ich peilen wenn mein Ziel auf mich zu kommt. Nun ja… Kurze Zeit später tauchten die beiden dann auf und wir hatten uns alle wieder.
Nun standen noch Notfallmanöver auf dem Plan. Das eine war die so genannte “Wechselatmung”, diesmal allerdings mit Aufstieg. Die Wechselatmung braucht man in dem seltenen Fall, wenn ein Taucher keine Luft mehr hat und aus irgendeinem Grund die alternative Luftversorgung seines Buddys ausfällt. Zwei Taucher teilen sich einen Hauptregulator und müssen währendessen natürlich auch noch an die Oberfläche kommen.
Ich sollte der “Geber” sein. Wir platzierten uns auf der im See versenkten Plattform und Annette gab mir das Zeichen, keine Luft mehr zu haben. Dann fingen wir mit der Wechselatmung an, und wir hatten recht schnell unseren Rhythmus gefunden, zwei Atemzüge ich, Regulator an Annette abgeben, zwei Atemzüge sie, Regulator an mich zurück… und so weiter. Dann das Zeichen: “Auftauchen!” Wir hielten uns an einander fest und stießen uns von der Plattform ab. Ich fing sofort mit Flossenschlag an, hatte allerdings ein Problem: da mein Jacket keinen herkömmlichen Inflatorschlauch hatte, der über die linke Schulter hängt, hätte ich zum Luft einlassen Annette länger loslassen müssen. Ich musste ja an den Hebel an meiner linken Seite kommen. Da ich nicht wusste, ob sie mir gleich abstürzt, wenn ich sie loslasse, verzichtete ich aufs Tarieren. Damit hatte ich leider kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu.
Bei der Wechselatmung ist man so dicht bei einander, dass man nichts weiter sieht, nur das Gesicht des Partners. Und man konzentriert sich natürlich auf den Regulator. Deswegen konnte ich nicht erkennen, was schief lief, als Annette plötzlich immer mehr in Rückenlage geriet. Ich fing noch mehr an zu strampeln, was aber die Lage nicht verbesserte, im Gegenteil. Es wurde immer schwieriger, Balance zu halten und gleichzeitig den Regulator weiter zu geben. Auf einmal gab es einen Ruck und reflexartig machte ich eine Ausgleichsbewegung. Dabei riss ich Annette den Regulator aus dem Mund. Sie reagierte, in dem sie auf Abstand von mir ging und nach ihrem eigenen Regulator angelte. Erst als ich sah, dass sie ihn hatte, nahm ich meinen wieder in den Mund. Aber ich hätte ihr den sowieso nicht zurückgeben können. (In der Tat. Ich hab mir schon vorher den Hals verrenkt, um überhaupt noch an deinen Regulator dranzukommen.) Ich hing nämlich fest. Erst jetzt konnte ich die ganze Lage überblicken: Wir waren in einen Torfballen gestürzt. Und mein linker Fuß war unter der Umrandung der Plattform eingeklemmt. Mit Mühe bekam ich ihn frei. Aber was war passiert?
Nun, die Optik hatte mir einen Streich gespielt. Da man im Schluchsee nicht sonderlich weit sieht, hatte ich keine Ahnung, wie weit hoch wir von der Plattform waren, als wir uns abgestoßen hatten. Ich hätte schwören können, dass wir mindestens zwei Meter hoch gekommen waren. Waren wir aber nicht, meine Flossenschläge hatten uns nicht nach oben, sondern zur Seite bewegt, kaum einen halben Meter über der Plattform. ( Tja… Orientierung ist halt nicht Jedermanns Sache, was…?) Annette kam deswegen in Rückenlage, weil ich sie auf den Torfballen, der neben der Plattform lag, schob. (Wüstling!) (Ach komm, Du wolltest es doch auch!) Dadurch sind wir offenbar wieder abgesunken und dabei hatte ich mir den Fuß eingeklemmt.
Nicht dass ich explizit darauf hinweisen wollte… aber fällt dir auf, dass du etwas unfall-lastig bist? Man könnte es fast schon als “ungeschickt” bezeichnen…
Na, da bin ich ja mal gespannt, was du in Zukunft noch alles so für Hämmer bringst…
Ich sagte es ja schon beim Schwimmbadtauchgang – irgendwas muss wohl sein. Aber es heißt doch, dass man nur dann ein wirklich “erfahrener” Taucher wird, wenn man auch ein paar unangenehme Situationen mitmacht. Insofern werde ich wohl irgendwann ein “verdammt erfahrener” Taucher sein. Immerhin gab uns beiden der Vorfall eine Lektion und da war ein besonderer Punkt – wir haben uns selbst geholfen und waren nicht in Panik geraten.
Tja. Pech gehabt. Die Chance, mich unter Wasser mit Hilfe eines als Unfall getarnten Manövers abzuhängen hat wohl nicht geklappt was?
Nein, im Ernst. Das war eine Situation, die gar nicht mal ungefährlich war. Ich würde durch Analyse dazu tendieren zu behaupten, dass der Wurm von Anfang an drin war. Ich glaube zwar, dass wir beide mit Flossenschlag an die Oberfläche gekommen wären, also auch ohne Luft im Jacket, aber ich denke, du hättest Luft ins Jacket lassen müssen, als wir noch auf der Plattform waren. So hatte ich es gemacht. Und zudem halte ich mich ja auch noch an dir fest, insofern kann ich nicht abstürzen.
Ja, es zeigt mal wieder eins: Solche Dinge muss man sich vorher im Kopf durchspielen, weil wenn es passiert, hat man nicht die Zeit, das Für und Wieder einzelner Maßnahmen abzuwägen. Ich musste eine Entscheidung treffen und hab mich leider falsch entschieden. Aber dafür sind solche Übungen da – um sowas herauszufinden und (hoffentlich) daraus zu lernen.
Ich war wohl etwas irritiert über die zunehmende horizontale Lage (aufdringlicher Kerl!), aber man ist ja flexibel. Ich erkannte gar nicht, dass hier ein Problem vorliegt. Erst als du mir den Regulator aus dem Mund gerissen hast bevor ich den 2. Atemzug machen konnte vermutete ich, dass hier etwas nicht stimmt. Denn bei allem gebührenden Hass füreinander (
), aber das würdest du nicht tun. Mir die Luft abschneiden. Oder? Oder? ODER???
Ach, mit wem würde ich mich denn dann streiten? My Life would suck without you…
Nachdem das passiert war, merkte sogar die helle Leuchte Annette, dass hier etwas gründlich daneben ging. Da Thorsten mich aber immer noch festhielt, der Gute, musste ich ihn etwas rabiat wegstoßen um ihm zu sagen: ” Hör auf mit der Übung”. Ich kruschtelte nach meinem Regulator, (Fehler! , denn der Oktopus wäre mit einem Griff in meiner Hand gewesen, zudem hielt mir offenbar Majki seinen Oktopus auch noch hin, den ich glatt übersah (sowohl den Oktopus wie auch Majki selber…)), versuchte gleichzeitig einen Druckausgleich, denn wir waren abgestürzt und meine Ohren zogen ziemlich und ich versuchte krampfhaft dran zu denken, wenn ich den Regulator im Mund habe, die Luftdusche zu drücken. Ich hatte nämlich auch noch wirklich “keine Luft” mehr. Und natürlich auch noch den Inflatorschlauch, um meinen Fall zu bremsen. Etwas kompliziert, aber ich schaffte es. Dann sah ich Thorsten abgestürzt weiter unten hängen, Majki war bei ihm. Gut, wir hatten zumindest beide keinen Schaden genommen. Und wir waren Majki im Nachhinein unendlich dankbar, dass wir diese Situation durchspielen konnten ohne dass er eingriff. Tätlich eingriff. So konnten wir eine Notsituation unter geordneten Bedingungen üben.
Nachdem die Situation geklärt war, wiederholten wir das ganze, diesmal unfallfrei. Die letzte Übung sollte dann der Notaufstieg sein. Notaufstieg bedeutet, ein Taucher hat keine Luft mehr und ist aus irgendeinem Grund zu weit vom Buddy weg, um von dem Luft zu holen. Das sollte nicht passieren, aber wenn es passiert, macht man einen Notaufstieg: durchgehend Luft aus dem Mund lassend strampelt man sich bis an die Oberfläche. Im Lehrbuch heißt es sogar: “Sing ein Lied bis an die Oberfläche.”
Ich wollte soeben den “Kammerton A” anstimmen, da fiel mir ein, dass meine Stimme nicht gerade für die Öffentlichkeit tauglich ist. Es gibt bessere. Ich war in Sorge um Majkis Brillengläser. Der machte nämlich den Notaufstieg mit mir zusammen. Zur Sicherheit, falls was schief laufen sollte. Wie hätte das denn ausgesehen, wenn sie Risse bekommen hätten um schließlich in 1000 Scherben zu zerspringen…
Na dann… “*In a world of illusion and mystery there’s a secret between you and me, let me be your Oxygen… let me feel your breath again… Oxygen!*(1)”
Da ich den Regulator im Mund behielt, hatte ich ein kleines Problem: Ich konnte die Luft aus meiner Lunge nicht so ganz kontrolliert ablassen, da mein Mund ja sperrangelweit offen stand. Ich kriegte das erst nach ein, zwei Sekunden hin, und da war schon ein ansehnlicher Anteil meines Lungeninhalts ausgeströmt. Die Oberfläche erreichte ich gerade eben noch so (es bestand natürlich keine Gefahr, ich hätte jederzeit wieder einatmen können), und dann musste ich das Jacket auch noch mit dem Mund aufblasen. Etwas *hüstel außer Atem machte ich mich daran und kriegte es auch hin.
Eigentlich müssten deine Lungen ja gut trainiert sein so wie Du immer die Kanne leerschnüffelst…
Schade dass du nicht gesungen hast. Da wären die Fische sicher im hohen Bogen freiwillig aus dem Wasser gesprungen.
Und dann, dann war es geschafft. Als “Scuba Diver” waren wir in den See gestiegen, als “Open Water Diver” kamen wir wieder heraus. Sinnbildlich gesprochen, denn erst musste die Bürokratie noch erledigt werden. Formulare, Formulare. Aber dann hielten wir das vorläufige Brevet in den Händen, das uns bestätigte, dass wir die Ausbildung bestanden hatten. Von jetzt an brauchten wir nicht mehr unbedingt mit einem TL einen Termin absprechen, wenn wir tauchen gehen wollten – wir konnten selbst tauchen gehen! Wir waren unheimlich stolz, aber dennoch war es nicht so, dass wir gleich ins nächste Gewässer hüpften, um möglichst schnell auf 18 Meter Tiefe zu gehen. Wir sind vernünftig genug zu wissen, dass es nicht nur auf den Schein ankommt, sondern auch auf das, was man sich zutraut. Und an die Tiefe wollten wir uns Stück für Stück und möglichst unter Anleitung herantasten.
He! Du hast vergessen zu sagen, dass wir eine LAOLA-Welle bekommen haben!
Richtig! Die Ein-Personen-LAOLA-Welle! Die hatten wir uns aber auch verdient, oder?
Das nächste Abenteuer sollte also heißen: Tauchgang ohne TL. Wow!
(1) = DJ Vertigo: “Oxygen”
Der OWD – Freiwassertauchgang 3
Endlich war der Tag gekommen. Die Tage des Scuba Divers waren nun endgültig gezählt. Wir fuhren zum Schluchsee – Freiwassertauchgang 3 und Theorie.
Dort angekommen wartete unser Majki schon auf uns. Er hatte seine Frau mitgebracht, die gerade in der Divemasterausbildung war und uns mit begleiten sollte. Uns war das nur recht. Je mehr Augen unter Wasser, umso besser. Doch zuerst hatte Majki noch eine kleine Überraschung für uns parat. Da in dem OWD Kurs die Kompassnavigation zu erlernen ist, sollten wir das erst mal an Land üben. Dazu ließ er uns einen beliebigen Punkt anpeilen, hängte uns ein Handtuch über den Kopf und wir mussten mittels Kompass den Punkt finden. Grob gesehen fanden wir die Punkte auch, nur möchte ich nicht wissen, was die vielen Spaziergänger so dachten, als sie eine mit einem Handtuch auf dem Kopf behängte Person sahen, die von zwei anderen in die Mitte genommen wurde. Hinrichtungen sind in unserem Zeitalter ja eigentlich passé.
Einige Übungen später ging es dann endlich ins Wasser. Hier passierte mir der erste faux-pas. Majki war schon im Wasser (Gott sei gedankt!) , ich war als nächste dran. Ich ließ etwas Luft in mein Jacket (endlich war es wieder da!!) und wollte elegant ins Wasser gleiten, – fupp, und weg war ich. Mit Flossenkraft strampelte ich mich an die Oberfläche zurück, drückte meinen Inflatorknopf , aber nichts tat sich. Ich konnte gerade noch hören, wie Majki sagte: “Laß doch mal Luft in dein Jacket”, und schon war ich wieder unter Wasser. Ich kam wieder hoch und erwiderte: “hab ich doch”, aber das Sprechen ist mit Luftverlust in der Lunge verbunden, so dass mein einziger “Tarierkörper” wieder leer war und ich wieder auf dem Weg nach unten war. Strampelnd hielt ich mich an der Oberfläche, ich wußte gar nicht, was los war, da kam Majki zu mir und hielt mich fest. “Nimm mal den Automaten in den Mund”, sagte er ruhig, (sehr gute Idee!!!!), dann bemerkte er, dass es aus dem Inflatorschlauch massiv abblies. Ich sah mein Jacket gedanklich schon wieder in München, da bemerkte Thorsten – das Adlerauge – Reimnitz, dass es nicht aus dem Schlauch, sondern aus dem Ventil abblies. Und hier war der Fehler schnell behoben. Miss “besonders schnell” hatte den Schlauch nicht richtig draufgeschraubt.
Thorsten: Nun, ich habe das Verhalten von Luft im kompakten Medium – wie Wasser – eingängig studiert. Die Form der Luftblasen, die aus dem Jacket kamen, hatten Tropfenform, das heißt, sie wurden eindeutig durch ein Gewinde, das nicht richtig verschlossen war, herausgedrückt. Aus diesen Beobachtungen schloss ich rasiermesserscharf…
ZACK!
Aua! Nicht immer auf den Oberarm. Ja, ich geb’s ja zu, die Wahrheit ist wesentlich unspektakulärer – mir ist mal das Gleiche passiert. Da man das Jacket ja von Zeit zu Zeit auch von Innen ausspülen soll, hatte ich den Inflatorschlauch von meinem abgeschraubt und nach dem Trocknen wieder festgeschraubt – zumindest glaubte ich das. Als ich dann im Wasser war, zeigte sich das Gleiche wie bei Annette. Na ja, freut mich, dass ich helfen konnte.
Nach diesem kleinen Vorfall verlief der restliche Tauchgang störungsfrei. Da wir Aufsichtspersonal vor sowie hinter uns hatten, verzichteten wir auf die üblichen Rangeleien unter Wasser und sogar ich kam das allererste Mal in meinem Leben nicht abhanden. Was rede ich da? Ich betrieb das allererste Mal keine botanischen Studien. *hust hust.
(Nicht lachen… nicht lachen… NICHT LACHEN… pfffffffffmmmmhahahahahahahahahahahahahahahaha *hust *hust) Genau. Wir viel zu beschäftigt mit den Übungen für *hust botanische Studien.
Wir tauchten ein Weilchen, dann übten wir Tarieren. Dieses Mal klappte es bei mir wesentlich besser. Thorsten kippte etwas nach rechts ab. Offenbar wollte er noch eleganter wirken als ich. Alter Angeber!
He, das war nur der Ausgleich für den nicht gemachten “Fernsehsessel” vom Schwimmbadtauchgang. Hurra, ich schwebe…
Ja, wohin schweben wir denn? Ziemlich zügig und ohne Unterbrechung Richtung Oberfläche…wa?
Wäwäwääää!
Wir übten sowohl die “alten Sachen” vom Scuba Diver wie auch die neuen. Beim Kompassschwimmen passierte mir dann der 2. faux-pas, denn ich schwamm 180° in die falsche Richtung. Es stellte sich aber heraus, dass mein Kompass hängen geblieben war. Gar nicht meine Schuld. Thorsten brachte den Oberhammer, indem er gleich mal seinen geliehenen (ich wiederhole: g e l i e h e n e n) Kompass verlor.
Ich hab ihn gar nicht verloren. Kaum waren wir an Land, da kam auch schon ein anderer Taucher und brachte ihn wieder zurück. Ich habe den Kompass nur kurzfristig auf dem Seegrund deponiert. Ich wusste *hust, dass ihn jemand anderes wiederbringen wird. Überhaupt wäre das alles nicht passiert, wenn ich endlich meine Konsole mit eigenem Kompass hätte. Gar nicht meine Schuld, so! Aber na ja, so muss ich schon nicht navigieren.
Wird auch besser so sein. Dass du nicht navigierst meine ich. Wer weiß, wo wir sonst gelandet wären. Bei deinem Orientierungssinn… und dann noch ohne Brille und Kontaktlinsen…
Also, während Du eine 180°-Kehre aufs Ufer zu gemacht hast beim Navigieren – anstatt zu den Bojen von der Plattform – , musste man bei mir aufpassen, dass ich mir nicht den Kopf am angepeilten Ziel anstoße – so exakt habe ich es bei der Übung getroffen. Ja-ha, das hab ich wohl!
Offenbar HAST du dir den Kopf angeschlagen und es wieder vergessen… kann vorkommen. Aber ob das an der Boje war…
Tz! Den Kopf angestoßen, ich doch nicht… was denkst Du eigentlich, Anna… Amalie? Anja? Antje? Verdammt, es war irgendwas mit “A”. Andrea… Anastasia… Andromeda…
Aus dem Wasser raus brauchten wir erst mal eine Pause. Dann begaben wir uns in den Unterrichtsraum, wiederholten noch einmal die Theorie und mussten dann die Prüfung schreiben. Majkis Frau Babsi schrieb mit uns, wenn auch nicht die OWD-Prüfung natürlich, sondern Tauchphysik. Darum hab ich sie nicht beneidet. Ich als natürliches Physikgenie, das Physik in der Schule gleich mal nach der 10. Klasse abgewählt hat (wer braucht schon Physik…) werde mir in Zukunft an dieser Prüfung wohl auch die Zähne ausbeißen.
…hmmm, also, das wird mir nicht passieren.
…natürlich nicht. Weil ich wieder nächtelang durchpauke und du alles von mir abschreibst…
He – mein mittleres Initial ist “P”. “P” wie “Physik”, Du verstehst?
Nö. Ist mir bisher noch nicht aufgefallen. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Dann kann ich ja mal bei dir abschreiben
Jedenfalls haben wir es alle geschafft! Juchuuu. Der OWD war nur noch ein Tauchgang von uns entfernt!
Ja! Hurra! Und wir waren gar nicht mal schlecht. Aber uns standen noch ein paar Abenteuer bevor… der zweite Freiwasser-Tauchgang der OWD-Ausbildung und… der erste Tauchgang ohne Aufpasser.



