Archiv für den Monat: Mai 2010

Unterwasserfotografie: Schnorchelkameras

„Unterwasserkameras“ im eigentlichen Sinn gibt es nur sehr wenige. Die meisten dieser Kameras sind „normale“ Kameras, die man in einem wasserdichten Gehäuse platziert und auf den Tauch- oder Schnorchelausflug mitnimmt. Allerdings gibt es tatsächlich auch Kameras, die „von Haus aus“ wasserdicht sind. Da diese aber zumeist sehr eingeschränkt sind von der Tauchtiefe her, sind sie eher fürs Schnorcheln geeignet und werden deswegen auch unter dem Überbegriff „Schnorchelkameras“ geführt.

Die meisten dieser Kameras sind zudem nicht als „reine“ Unterwasserkameras konzipiert, sondern als „Sportkameras“ allgemein. Da ihr Gehäuse wasserdicht ist, können auch andere Dinge wie Sand oder Schnee nicht eindringen, was sie zum Beispiel auch für Skifahrer oder Snowboarder interessant macht, oder für Strand- und Wassersportarten allgemein. Am einfachsten sind hier die Einmal-Kameras, deswegen möchte ich auch nur kurz darauf eingehen. Es handelt sich hierbei um einfach konstruierte Kleinbild-Fotoapparate, die fest in ein wasserdichtes Gehäuse geklebt wurden. Möchte man den Film entwickeln lassen, muss das Gehäuse und die Kamera zerstört werden. Der Nachteil liegt hier in der geringen Bilderzahl, auf einen Kleinbild-Film kann man zwischen 27 und 36 Bilder aufnehmen, bevor er voll ist. Man weiß nicht, wie die Bilder „rauskommen“ , bevor nicht der Film entwickelt ist, und zumeist die Qualität der Bilder recht einfach. Aber für jemanden, der gerade einmal einen Schnorchelurlaub macht und danach auf lange Sicht vermutlich nicht mehr, ist es eine günstige Alternative. Die Einmalkameras kosten um die 10,00 Euros.

Kommen wir damit zu den digitalen Unterwasser-Kameras. Eine wasserdichte Kamera muss immer eine Reihe von Kompromissen eingehen zwischen Zweck und Machbarkeit. Nummer eins, der Zoom ist eingeschränkt. Das liegt daran, dass die Kameras kein ausfahrbares Objektiv haben können. Ein solches Objektiv würde beim Einfahren Wasser ins Gehäuse ziehen. Deswegen haben die meisten dieser Kameras nur einen Digitalzoom, der leider mit einem optischen Zoom nicht vergleichbar ist.

Nummer zwei, die maximale Tiefe ist sehr eingeschränkt. Sie geht von 1,50 m (beispielsweise bei der oben abgebildeten, aber mittlerweile nicht mehr verkauften Sony Cybershot U) bis zu 15 m. Nun ist es natürlich nicht so, dass eine Kamera, die etwa bis 5 m wasserdicht ist, kommentarlos implodiert, sobald sie in 5 m und 1 cm Wassertiefe ist. Alle Kameras haben da eine „Sicherheit“ eingeplant. Aber es ist trotzdem ein Problem, gerade beim Schnorcheln, wo man in der Regel keinen Tauchcomputer dabei hat und die genaue Tiefe nicht weiß. Wenn man ein geübter Schnorchler ist, sind 3 m Tiefe da schnell mal überschritten. Außerdem lassen sich die Auslöser schlechter bedienen, je tiefer man kommt.

Nummer drei, eine Rettung der Kamera bei Wassereinbruch ist fast aussichtslos. Während man bei einer Kamera in einem Gehäuse das Wasser im Gehäuse selbst sehen und sie eventuell noch rechtzeitig genug an die Oberfläche bringen kann, bevor die Elektronik Schaden nimmt, ist das Leben einer Schnorchelkamera, in die Wasser eindringt, beinahe augenblicklich an seinem natürlichen Ende angekommen. Wenn man den Wassereinbruch bemerkt (zum Beispiel durch Beschlagen des Objektivs von Innen), ist es meistens schon zu spät. Der Knackpunkt ist hier – wie bei allen wasserdichten Gehäusen – der Punkt, an dem das Gehäuse zu öffnen ist. Die Stelle wird mit einem flexiblen Ring, dem so genannten „O-Ring“ abgedichtet. Dieser O-Ring bedarf einer speziellen Pflege, gerade bei wasserdichten Kameras ist es extrem wichtig, darauf zu achten, dass er schmutzfrei, unbeschädigt und geschmeidig ist. Denn wie gesagt, dringt Wasser ein, ist es vorbei.

Nummer vier, gegen Kondenswasser kann man leider nicht allzu viel machen. Wasserdichte Gehäuse für „normale“ Kameras sind groß genug, um einen kleinen Beutel mit Trockensalz (Silica) aufzunehmen. Meistens haben diese Gehäuse sogar ein spezielles Fach dafür. Bei wasserdichten Kameras geht das nicht, da ihr Gehäuse mit Elektronik voll ist.

Allerdings sind die Kameras für ihr spezielles Gebiet auch besonders vorbereitet. So verfügen die meisten über eine automatische Bildeinstellung, bei der dem Effekt, dass Wasser Farben filtert, entgegen gewirkt wird. Dabei werden die Farbwerte in Richtung „rot“ verschoben. Und da das Objektiv quasi direkt ins Wasser reicht, kommt es zu weniger Spiegeleffekten, wie bei Kameras in wasserdichten Gehäusen (da das Objektiv der Kamera hier nochmal hinter einer Scheibe sitzt, kann es bei entsprechendem Lichteinfall dazu kommen, dass sich selbiges in der Scheibe spiegelt und das Bild damit ruiniert). Und natürlich sind die Kameras handlicher als die großen Gehäuse. Des weiteren kommt es gerade dem Schnorchler zu Gute, dass das Gehäuse mit Elektronik voll ist, dadurch befindet sich darin kaum Luft und es hat weniger bis gar keinen Auftrieb.

Wie kommen die Bilder denn raus? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Zum einen hat die Unterwasserfotografie mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen, die auch die Schnorchelkameras nicht ausgleichen können. Fotografiert man beispielsweise mit Blitz, können reflektierende Schwebeteilchen im Wasser das Bild unbrauchbar machen. Außerdem ist die Qualität natürlich von der Bildauflösung und der Empfindlichkeit der Kamera abhängig. Am schwersten haben es hier die Einmal-Kleinbildkameras, deren Bilder bei schlechten Lichtverhältnissen gerade unter Wasser gerne mal dunkel werden. Dem kann man hier nur mit der Wahl einer Kamera mit ISO-800-Film entgegen wirken. Bei den Schnorchelkameras können 2 Megapixel Auflösung bereits ausreichen (das Bild vor diesem Absatz ist mit dieser Auflösung fotografiert), wer seine Bilder aber gerne vergrößert an die Wand hängen möchte, sollte eine höhere Auflösung wählen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschwindigkeit – wie lange braucht die Kamera, bis sie nach dem Einschalten einsatzklar ist, und wie lang braucht sie, um nach einem Fotografiervorgang für das nächste Bild bereit zu sein? Da gibt es sehr große Unterschiede, da einige Kameras teilweise mehrere Sekunden brauchen, um ein Bild abzuspeichern. Hat die Kamera verschiedene Unterwasser-Modi, zum Beispiel für bewegte Motive? Gerade beim Schnorcheln ist es schwierig, die Kamera bei einer längeren Verschlusszeit ruhig zu halten, so dass das Bild nicht verwackelt. Im Modus für bewegte Motive ist die Verschlusszeit in der Regel kürzer.

Kurzer Test der Filmfunktion – hier klicken zum Ansehen

Wem die Filmfunktion wichtig ist, der sollte auch hier auf die Qualität achten. Kameras mit niedriger Auflösung liefern leider nur sehr bescheidene Ergebnisse, wenn man Pech hat, sogar ohne Ton.

Für wen sind dann die wasserdichten Kameras geeignet? Am ehesten für Sportler und Menschen, die die Kamera im Urlaub bei den verschiedenen Aktivitäten dabei haben wollen. Sie sind gut als speziell geschützte „Landkameras“ zu verwenden, da ihr Gehäuse nicht größer ist, als bei anderen Kompaktkameras. Ihren großen Vorteil spielen sie natürlich am, auf und im Wasser aus, allerdings muss man beim Kauf genau wissen, was man mit der Kamera vorhat und die maximale Tiefe entsprechend wählen. Während für allgemeine Wassersportarten wie etwa Segeln die Kamera bis 1,5 m Tiefe ausreicht, sollten Kameras für Schnorchler mindestens 5 m aushalten können. „Urlaubstaucher“ sollten eine Kamera mit 15 m Maximaltiefe wählen, aber beim Kauf auch sehr genau abwägen, ob es nicht sinniger wäre, ein Gehäuse für die eigene Digitalkamera zu kaufen. 15 m schön und gut, aber damit ist das Ende der Fahnenstange wirklich erreicht. Sollte man irgendwann weitermachen und tiefer gehen wollen (zum Beispiel, weil man einen neuen Kurs gemacht hat), ist eine neue Kamera bzw. ein Gehäuse für die eigene Kamera fällig.

Der Name „Schnorchelkamera“ für diese Art Kameras ist daher nicht zufällig gewählt. Wassersportler und Schnorchler finden bei den wasserdichten Kameras sicher etwas, das ihren Ansprüchen genügt. Taucher geraten hierbei allerdings schnell an eine Grenze.

Hier noch eine kleine Auflistung verschiedener wasserdichter Kameras, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Auflistung sieht folgendermaßen aus: „Name der Kamera / maximale Wassertiefe / Auflösung in Megapixel“. Werte laut Herstellerangaben (sofern zu ermitteln), ohne Gewähr! Die einzelnen Kameras können Sie sich unten bei AMAZON.de ansehen und auch bestellen.

  • Fujifilm Quicksnap Marine 800 Film / 10 m / keine (Kleinbild-Film)
  • Kodak Sport wasserdichte Einwegkamera ISO 800 / 15 m / keine (Kleinbild-Film)
  • Digitale Unterwasserkamera Mayhem Precision / 3 m / 2 MP
  • AgfaPhoto DC-600 UW Ocean Digitalkamera / 10 m / 6 MP
  • Rollei X-8 Sports / 10 m / 8 MP
  • Fujifilm FinePix Z33WP / 3 m / 10 MP
  • Olympus Mju-550WP Digitalkamera / 3 m / 10 MP
  • Easypix W508 Starfish Unterwasserkamera* / 15 m / 5 MP

* = bei dieser Kamera handelt es sich genau genommen nicht um eine Unterwasserkamera, sondern um ein Komplettset, die Kamera wird mit einem wasserdichten Spezialgehäuse verkauft.

Ägypten 2009 und der AOWD – Abschluss

Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück, gerade rechtzeitig, um in die erste strenge Kältephase dieses Winters zu geraten und den Weg vom Flughafen zurück durch einen Schneesturm zu machen. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass dieser Schneesturm nur der Anfang von etwas sein sollte, das uns noch ein bisschen Kopfzerbrechen machen würde.

Erstmal galt für uns: Der „Advanced Open Water Diver“ war abgeschlossen. Und wir hatten ein paar wichtige Erfahrungen gemacht und natürlich ein paar schöne Erinnerungen mitgenommen. Bevor die Geschichte weitergeht, deswegen an dieser Stelle ein kurzer Videofilm mit einigen Eindrücken aus dem Roten Meer. Viel Vergnügen!

Umm Gamar – Ägypten – Rotes Meer – und der Tauchgang mit Hindernissen

Umm Gamar ist eine kleine Insel in der Nähe von Hurghada, leicht zu erkennen, denn auf ihr steht ein kleiner Leuchtturm. Es handelt sich um ein langestrecktes Riff, welches an der Ostseite in einen Steilhang übergeht. Die Tauchboote ankern in der Regel südlich, denn dort ist ein kleines Plateau und man kann dann über eine Art Riffrücken zu der Steilwand gelangen. Dort geht es bis zu 60 m tief hinab. Diese Steilwand ist wunderschön, unzählige Fische sieht man hier sowie kleinere und größere Höhlen, in denen Muränen leben. Hans Hass hat hier auch schon Filme gedreht.

Wir wurden in den Tauchplatz eingewiesen. Als ich hörte, dass es sich um eine Steilwand handelt, war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mit Thorsten das alleine angereifen wollte. Wir waren zwar bis dorthin schon mehrfach alleine im Roten Meer unterwegs gewesen, aber ein Steilhang bereitete mir Sorgen. So ganz ohne was unter sich…

Aber Thorsten wischte meine Bedenken weg. Er war sich sicher, dass wir das auch ohne Guide schaffen würden. Also ließ ich mich überzeugen aber wir machten aus, besonders vorsichtig zu sein und der Tauchgang sollte nicht tiefer als 20 m sein.

Der Leuchtturm von Umm Gammar

Der Leuchtturm von Umm Gammar

Also tauchten wir ab. Unter dem Boot war das besagte Plateau bis eine Tiefe von 18 m. Hier passierte es zum ersten Mal, dass ich beim Abstieg ansatzweise eine Art Vertigo verspürte. Obwohl Füße voran und nichts besonderes anlag, wurde mir schwindelig. Ich drehte mich in „Tauchposition“ und tauchte nicht im freien Fall ab. Damit war auch der Vertigo verschwunden.

Wir näherten uns dem Riffrücken, mit Korallen bewachsen. In der „Ferne“ konnten wir bereits den Beginn des Steilhangs erkennen. Ich war plötzlich aufgeregt. Bereits aus der Entfernung konnte man den Fischreichtum erkennen. Das könnte ja richtig spannend werden. Einziger Pferdefuß war, dass an dem Tag einige Tauchboote zu Besuch bei Umm Gamar waren, und es wimmelte nur so vor Tauchern. Ständig wurde man überholt oder Taucher bummelten vor einem her, es war gar nicht so leicht, bei seinem eigenen Buddy zu bleiben.

Der "Dropoff" bei Umm Gammar

Der "Dropoff" bei Umm Gammar

Am Steilhang wurde es noch schlimmer. Da selbstverständlich auch noch alle dicht an der Wand blieben, gab es schon mal Gedränge. Im Kuddelmuddel entdeckte ich unseren Guide und ich nahm mir vor, ihn immer im Auge zu behalten. Das gab mir ein etwas beruhigenderes Gefühl.

Thorsten: Hmja, ganz schön schön hier. Aber… was ist denn das? Äh, Annette, da ist etwas, das Du wissen solltest. *auf die Schulter tipp

Gerade hatte ich mich an den Rummel gewöhnt und ich genoß den Anblick der Steilwand, da klopfte mir Thorsten auf die Schulter. Ich drehte mich zu ihm. Er zeigte auf seinen Tauchcomputer, ohne ihn mir direkt zu zeigen. Mir war nicht ganz klar, was er wollte, aber er zeigte immer vehementer drauf.

Sind wir heute etwas schwer von Begriff? Was mag das wohl bedeuten, wenn ich auf das Ding deute?

(kann das sein, dass du mich nicht so ganz ernst nimmst?)

Also warf ich selber mal einen Blick auf meinen Computer und traute meinen Augen nicht. Wir waren auf 23,5 m.

Sie hat’s gemerkt!

Hatten wir nicht ausgemacht, dass der Tauchgang nicht tiefer als 20 m gehen sollte?

Hatten wir, aber Du weißt ja, Theorie und Praxis…

Es wäre mir auch bewußt nicht aufgefallen, dass wir abgesunken wären, aber genau das war es auch, wovor ich mich an der Steilwand fürchtete. Das unbemerkte Absinken. Und da wir auch noch Nitrox dabei hatten, war unser Tiefenlimit eh geringer als mit Pressluft.

Ich gab Thorsten zu verstehen, dass ich kapiert hatte, was er meinte (Gott sei Dank!) und hielt von jetzt an meinen eigenen Computer im Auge. Noch weiter wollte ich nicht absinken. Zwar hatte sich hier noch keine „Kurzatmigkeit“ eingestellt, aber die 23 m sollten für den Anfang doch ausreichen.

Umm Gammar

Wir tauchten weiter. Inzwischen war unser Guide schon nicht mehr zu sehen, so dass ich mich grob an den anderen vor uns orientierte. Wir bogen um eine Art „Kurve“ am Steilhang und der Riffrücken war nun aus der Sichtweite.

Ups – was ist das denn? Oh nein… äh, Annette, wenn ich nochmal ganz kurz stören darf… *auf die Schulter tipp

In dem Moment klopfte mir Thorsten wieder auf die Schulter. Ich erschrak. Schon wieder abgesunken? Ich warf schnell einen Blick auf meinen Computer. Nein. Wir waren auf 21 m. Ich sah ihn an. Er schwebte neben mir und deutete auf seinen Regulator im Mund. Was war das heute? Ich zeig dir meine Ausrüstung? Ich verstand nicht, was er wollte. Offenbar atmete er doch, aber… mir fiel ehrlich gesagt nicht auf, was er meinte.

Ja, ich atme noch, was für ein Glück! Aber schau doch mal genauer hin! Was ist falsch an diesem Bild, hä?

Ich nickte höflich und wollter gerade weitertauchen, da hielt er mich zurück und deutete wieder auf seinen Regulator. Schön! Ich hab auch einen! Ich zuckte die Schultern um ihm zu sagen, dass ich nicht verstand, aber er machte keine Anstalten weiter zu tauchen. Also löste ich meinen Oktopus und reichte ihm den mal für alle Fälle (ich wußte wirklich nicht, was er will) aber er schüttelte den Kopf.

Jetzt komme ich mir langsam vor, wie in einem Sketch von Loriot: (und ich hege doch langsam den Verdacht, dass du mich nicht ernst nimmst!!!)

Annette: Möchtest Du meinen Oktopus haben?

Thorsten: Nein, ich möchte Deinen Oktopus nicht haben.

Annette: Aber eben wolltest Du doch noch?

Thorsten: Nein, ich wollte nicht, Du wolltest, dass ich Deinen Oktopus nehme!

Annette: Ich? Mir ist doch völlig egal, woher Du Deine Luft kriegst!

Thorsten: Ich habe aber eigene Luft, das ist nicht das Problem!

Annette: Will der Herr sich vielleicht bedienen lassen?

Okay, Annette, dann schau doch einfach mal her…

Dann hob er die andere Hand… und darin war etwas schwarzes, aus Plastik…

Ich traute meinen Augen nicht. Thorsten hielt den Blasenabweiser seines Regulators in der Hand.

Hurra, jetzt hat sie’s! Und jetzt alle zusammen: „Freude schöner Götterfunken…

Beim genauen Hinsehen verstand ich auch sein Problem. Die ganze Plastikverkleidung des Regulators war weg, und so stiegen die Blasen natürlich direkt vor seiner Brille auf und er konnte nicht mehr gut sehen. Ich sah die Membran des Regulators und fing mir an, wirklich Sorgen zu machen. Wie war denn das jetzt bitte passiert?

Ein paar Tage zuvor, beim Tauchgang in der Passage hatte ich einen Tritt ins Gesicht bekommen, bei dem es den Blasenabweiser verdreht hatte. Ich hatte ihn damals wieder in Position gedreht, aber offenbar hatte er sich in den vergangenen Tagen immer mehr gelöst. Jetzt, ausgerechnet bei diesem Tauchgang, hatte ich gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Ich tastete meinen Regulator ab – und auf einmal hielt ich den Blasenabweiser in der Hand.

(Geschieht dir nach den obigen Frechheiten völlig recht, so!)

Thorsten wechstelte auf seinen Oktopus. Dann hatte der Kerl doch die Nerven und versuchte in inzwischen 24 m Tiefe seinen Hauptregulator zu reparieren.

Wie heißt es so schön? „Hast Du unter Wasser ein Problem, versuch, es unter Wasser in den Griff zu kriegen.“ Äh, hast Du mir mal ’n Schraubenzieher und einen 17er-Ringgabelschlüssel? Ein Hammer tut’s zu Not auch.

Das ging mir dann doch zu weit. Erstens klappte es nicht auf Anhieb, dann stellte ich fest, dass wir in dieser kurzen „Pause“ schon wieder 3 m abgesunken waren. Ich deutete ihm an, dass wir jetzt erst mal langsam höher gehen sollten. Das taten wir auch. Als wir die 20 m Marke gut unterschritten hatten, versuchte Thorsten erneut, das Plastikgehäuse wieder auf den Regulator zu kriegen. Es klappte nicht.

Hagel und Granaten! @#$§!

So leid es uns tat, aber damit war der Tauchgang am Steilhang für uns nach wenigen Metern schon zu Ende. Es war mir einfach zu gefährlich. Wenn Thorsten schon seinen Oktopus verwenden musste, dann hätte er keinen Ersatz mehr. Ich war mir nicht im Klaren darüber, was das bedeutet, wenn die Plastikverkleidung des Hauptregulators weg ist. Wäre das nur lästig, wenn dann die Blasen direkt vor einem aufsteigen oder könnte das auch gefährlich werden? An dem Steilhang herrschte buntes Treiben, und wenn wir uns noch verlieren würden, was jederzeit hätte passieren können, dann hätte er für den Rückweg noch nicht mal einen Ersatz.

Umm Gammar

Also drehten wir um und tauchten zurück über den Riffrücken in den Plateaubereich. Wir blieben in der Nähe des Bootes für den Fall, dass doch noch etwas schief laufen würde. Auch wenn wir den Steilhang nicht weiter verfolgen konnten, so haben wir im Plateaubereich auch viel gesehen und Spaß gehabt. Wir bleiben da lieber auf der sicheren Seite.

Es war ja eigentlich auch nicht geplant, so tief runter zu gehen. Aber da zudem noch ziemlicher Wellengang war, war die Entscheidung sicher besser. Wir konnten sehen, wie die Boote an den Seilen zerrten, die an diesem Riff an versenkten Betonblöcken hingen.

Oben auf dem Boot konnte dann ein holländischer Tauchlehrer den Regulator reparieren, so dass wir beim nächsten Tauchgang wieder bedenkenlos ins Wasser hüpfen konnten.

Ja, und der nächste Tauchgang war schon der letzte für diesen Urlaub. Bei der Revision, zu der wir unsere Regulatoren im Anschluss an den Urlaub brachten, wurde mein Blasenabweiser übrigens nicht beanstandet, der Tauchlehrer hat also gute Arbeit geleistet.

Wir haben in diesem Urlaub wirklich ein paar interessante und aufregende Erfahrungen gemacht und sind in manchen Dingen (hoffentlich) klüger geworden. Nach der Rückkehr nach Deutschland sollte nun fast nahtlos die nächste Ausbildung folgen – der „Rescue Diver“.


Tauchgebiete auf einer größeren Karte anzeigen

Gota Abu Kalawa – Ägypten – Rotes Meer und die Navigation im offenen Wasser

Gota Abu Kalawa gehört zu einer Riffgruppe, die allgemein „Abu Kalawa“ heißt. Es gibt eine größere Riffformation, an denen es die Ankerplätze „Ras Abu Kalawa“, „Shaab Abu Galawa“ und „Marsa Abu Kalawa“ gibt. Westlich dieser Formation liegt ein einzelnes Korallenriff, das „Gota Abu Kalawa“ genannt wird.

Bisher waren unsere Tauchgänge im Roten Meer stets so gewesen, dass wir irgendetwas zur Orientierung hatten, ein Riff oder eine Riffkante, an der man entlang tauchen konnte (einzige Ausnahme bildete der Drifttauchgang, doch hier brauchte man keine Orientierung, da uns das Schiff hinterher wieder abholte). Bei Gota Abu Kalawa allerdings bot das Riff an der Stelle, an der wir ankerten, selbst nicht so viel Sehenswürdigkeiten. Man machte die Taucher daher aufmerksam auf zwei größe Korallenblöcke, die sich ein Stück vom Ankerplatz weg im offenen Wasser befanden. Diese Korallenblöcke befanden sich sozusagen „im freien Feld“, sie ragten nicht aus dem Wasser und es gab in ihrer Nähe keine Struktur, der man hätte folgen können. Einer der Instructors meinte, es sei ganz einfach, man müsse nur vom Boot aus „geradeaus“ schwimmen, und dann von den Blöcken aus genauso „geradeaus“ wieder zurück. Das hinterließ bei mir ein mulmiges Gefühl, denn die Blöcke waren weiter weg vom Boot, als das Rote Meer an Sichtweite hergab, selbst bei weitester Sicht. Man würde sie also beim Boot nicht sehen, und genausowenig würde man das Boot von den Blöcken aus sehen. Insofern war „geradeaus“ eine ziemlich relative Angabe, ohne Punkt, den man ansteuern und an dem man sich orientieren konnte. Ich beschloss, mich darauf nicht zu verlassen, nahm meinen Kompass zur Hand und peilte die Blöcke von der Plattform des Bootes aus an.

Gotta Abu Kalawa: Einer der Blöcke, umschwärmt von unzähligen Fischen

Gotta Abu Kalawa: Einer der Blöcke, umschwärmt von unzähligen Fischen

Wir tauchten in die Richtung, in der die Blöcke lagen und tatsächlich stießen wir genau drauf. Die Blöcke liegen direkt am Anfang eines Korallengartens, man könnte von dort aus auch noch weiter tauchen und einen Korallengarten erkunden, hatte man uns auf dem Boot gesagt. Uns jedoch reichten die Blöcke, die schon einen großen Fisch- und Korallenreichtum aufwiesen. Außerdem wollten wir es nicht riskieren, uns im völlig offenen Wasser, das hinter den Blöcken immer tiefer wurde, total zu verfransen. Also tauchten wir mehrmals um die beiden Blöcke und sahen uns alles genau an, bevor wir beschlossen, den Rückweg anzutreten.

Arabischer Kaiserfisch

Arabischer Kaiserfisch

Ich nahm also erneut meinen Kompass zur Hand und stellte den Umkehrkurs ein. Und dem versuchte ich zu folgen. Das war nicht ganz einfach, denn wir hatten eine leichte Strömung. Ich musste meine Strecke mehrfach korrigieren, da ich immer wieder von der Linie abwich. Gleichzeitig achtete ich darauf, Annette nicht abzuhängen. Noch dazu war die Sicht relativ schlecht. Bald schon verschwanden die Blöcke hinter uns in einem Nebel und es gab nichts, an dem man sich hätte orientieren können. Ich wurde ein wenig unruhig. Irgendwann war ich der Meinung, dass wir eigentlich schon am Ziel sein müssten, aber das Boot war nicht zu sehen. Wir schwammen weiter – und hatten auf einmal die Riffwand vor uns.

Gotta Abu Kalawa: Koralle

Gotta Abu Kalawa: Koralle

Das konnte doch nicht wahr sein! Ich war dem Kurs doch so gut gefolgt, wie es ging, das @#$!-Boot musste doch da irgendwo sein! Aber es war nichts zu sehen. Damit hatten wir ein Problem. Zwar hätten wir nur der Riffwand folgen müssen, um schließlich irgendwann zum Boot zu kommen, aber in welche Richtung? Wenn ich uns am Boot vorbei navigiert hatte, konnte dies rechts oder links von uns liegen. Ich nahm den Kompass nochmal her. Die Peillinie stimmte doch, also wo lag der Fehler? Annette wollte schon auftauchen und sich an der Oberfläche einen Überblick verschaffen. Ich blickte nach oben und endlich entdeckte ich ein Seil, das am Riff befestigt war. Die Tauchboote machten an solchen Seilen fest, damit sie nicht Anker werfen mussten. Ich folgte dem Seil mit den Augen. Es ging genau in unsere Richtung an der Wasseroberfläche, dann verlor es sich aufgrund der schlechten Sicht. Ich sah angestrengt nach oben…

…und auf einmal konnte ich senkrecht über uns schemenhaft den Bug der ABYDOS 2 ausmachen. Wir waren genau darunter!! Offenbar hatte der Weg, den ich getaucht war, uns in einem leichten Bogen an das Boot herangeführt, so dass wir nicht an dessen Heck herausgekommen waren (wo wir das Seil mit der Notfall-Pressluftflasche hätten sehen müssen), sondern weiter vorne. Und die Sicht war so schlecht, dass man aus unserer momentanen Tiefe von etwa 5 m das Boot nicht ohne weiteres erkennen konnte. Ich machte Handzeichen zu Annette, dass sich das Boot direkt über uns befand, aber sie verstand mich zunächst nicht. Oder sie wollte es nicht glauben. Um sie zu überzeugen, deutete ich ihr an, dass sie mir folgen sollte und schwamm in Richtung des Hecks. Und tatsächlich, da waren plötzlich die Seile zu sehen, die dort befestigt waren. Nachdem wir nun wussten, dass wir richtig waren, erkundeten wir noch das Riff und bekamen unter anderem eine weiße Baby-Muräne zu sehen.

Ein Shrimp, der vor seiner Höhle sitzt

Ein Shrimp, der vor seiner Höhle sitzt

Annette: Die Schwierigkeit der Navigation lag darin: Ansonsten hat man immer das Riff als Orientierung gehabt, entweder Riff Schulter rechts auf dem Hinweg und links auf dem Rückweg oder umgekehrt. Dieses Mal tauchten wir allerdings über „freies Land“. Alles sah gleich aus. Und die Strömung war nicht zu unterschätzen. Hinzu kam die schlechte Sicht. Da ich selber schon schlechte Erfahrungen mit Kurs und Umkehrkurs gemacht hatte war ich mir nicht mehr sicher. Wir hätten zumindest die Bootsleinen oder den Anker sehen müssen. Auf die Idee, dass wir einen Bogen schwimmen, bin ich nicht gekommen. Und plötzlich war so eine Art „Kante“ zu sehen, danach war es deutlich tiefer. Die Stelle kannte ich nicht. Deshalb schwammen wir zur Riffwand.

Thorsten deutete zwar nach oben, aber das einzige, was ich sah, war ein Stück abgerissenes Tau, was auf der Wasseroberfläche am Riff trieb. Sah aus wie ein Stück Leine, von dem sich ein Boot mal losgerissen hat. Die lange Leine neben dran sah ich nicht. Ich war wirklich nervös, denn ich wollte nicht unbedingt im offenen Meer verloren gehen. Gut, wir haben ne Boje, aber das muss nun wirklich nicht sein.

Thorsten aber blieb vehement bei der Ansicht, dass er richtig war. Er deutete nach oben und mir fuhr der Schreck in die Knochen. Direkt über uns war ja das Boot! Man konnte die Umrisse sehen. Und dabei waren wir noch nicht mal tief, maximal 7 Meter würde ich sagen. Die Dekoflasche baumelte fast über dem Grund. Das war ja der Hammer! Aber die Sicht war wirklich schlecht. Ziemlich diesig.

Weiße Baby-Muräne

Weiße Baby-Muräne

Zurück an Bord sahen wir uns die Strecke zu den Blöcken nochmal an. Man konnte sie von der Oberfläche aus erkennen und nichts deutete darauf hin, dass die Sicht unter Wasser so schlecht war. Eines jedoch hatte ich beim Navigieren festgestellt: Mein Kompass hatte ein Armband, mit dem man ihn am Handgelenk befestigte. Da man ihn zum Navigieren vor dem Gesicht in einer bewegungslosen Position halten musste, musste ich mit angewinkelten linken Arm schwimmen, was auf die Dauer unangenehm war. Daran wollte ich etwas ändern – gleich nach der Rückkehr von Ägypten.

Memm doch jetzt wegen dem Arm nicht so rum! Dieser Arm war wahrscheinlich unsere Rettung. Der Nachteil der Konsole ist, dass man sie ständig grade halten muss. Und wenn man nicht ständig drauf achtet, könnte ja vielleicht da mein Kursproblem herrühren.

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