Das etwas andere Blog über das Tauchen.

Kategorie: Indoor-Tauchen (Seite 2 von 2)

Halloween 2012: Kürbisschnitzen unter Wasser

Das “Tennessee Aquarium” in Chattanooga bringt dieses Jahr zu Halloween einige besondere Attraktionen. Den ganzen Oktober über gibt es unter dem Motto “Thrills, Gills and Chills” verschiedene Sonderausstellungen. Ein Höhepunkt ist unbestreitbar das “Kürbisschnitzen unter Wasser”, bei dem zwei Taucher in einem der Becken des Aquariums die Halloween-Dekoration gestalten. Die Werke werden auf der Facebook-Seite des Aquariums gezeigt, wo die Benutzer für ihren Favoriten abstimmen können.

Dieses Video verschafft einen kleinen Eindruck:

(aus dem dapd-Videokanal)

Ein bisschen mehr zu “Thrills, Gills and Chills” und auch zum Kürbisschnitzen zeigt dieses Video (auf Englisch):

Die Webseite des Tennessee Aquarium erreicht man hier: klick! Die Facebook-Webseite findet sich hier: klick!

RESCUE DIVER: Die Poollektionen

Wenn man sich mit der Geschichte der Tauchorganisation PADI ein wenig auseinander setzt, stolpert man früher oder später über die Anekdote, wie der Grundstein für das PADI-Ausbildungssystem gelegt wurde. Es gab da einen Mann, der das OWD-Brevet gemacht hatte und bei Ralph Erickson (einem der beiden Gründer von PADI) vorstellig wurde. Er hatte zwar den Kurs absolviert, aber nie Freiwassertauchgänge gemacht und wollte das nun nachholen. Nachdem er es gemacht hatte, fragte er: “Und was kommt als nächstes?” Erickson musste einige Tauchgänge für den AOWD improvisieren. Doch wieder fragte der Mann: “Und was kommt als nächstes?” Zweifellos gehörte er zu der Sorte Mensch, die immer wieder Neues erkunden und ausprobieren wollen. Die mehr wissen wollten.

Als Annette und ich mit dem Tauchen angefangen haben, hatten wir keine Vorstellung, was da alles möglich ist. Warum auch? Wir hatten ja den Vorsatz gehabt, auf ewig “Scuba Diver” zu bleiben und ein bisschen Urlaubstauchen zu betreiben. Doch als uns das “Tauchfieber” gepackt hatte, gab es für uns kein Halten mehr. Auch wir fragten nun “Und was kommt als nächstes?”

Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück und hatten den AOWD-Kurs erfolgreich absolviert. Und nun standen wir vor der Ausbildungsstufe, die die letzte “normale” Sporttaucherausbildung bei PADI sein würde, dem RESCUE DIVER. Danach würde es schon in den professionellen Bereich gehen. Wie immer hatte es mal ganz andere Pläne gegeben, die wir aber – wieder mal – über den Haufen warfen. Eigentlich wollten wir den Rescue Diver zu dritt machen, mit einer Kollegin von Annette zusammen. Dazu wollten wir die Pooltauchgänge den Winter über erledigen und im Frühjahr tagesweise die Freiwassertauchgänge machen, sobald das Wetter dies zuließ. Doch bei Annettes Kollegin kamen leider ein paar Unwägbarkeiten dazwischen, so dass sie den Kurs nicht machen konnte. Außerdem empfahl uns Majki dringend, die Freiwassertauchgänge “am Stück” zu erledigen. Zum Beispiel bei einem Aufenthalt in Horka. Also machten wir, was wir so gut können, nämlich Pläne über den Haufen zu werfen und neue zu machen. Wir würden nun die Pooltauchgänge trotzdem über den Winter hinweg erledigen, um den Kurs dann im April 2010 in Horka abzuschließen. Wir hofften, dass bis dahin das Wetter gut genug sein würde, um Freiwassertauchgänge zu machen.

Vom RESCUE-DIVER-Kurs hatte man uns erzählt, dass es der körperlich anstrengendste sein würde, aber auch der, der am meisten Spaß macht und von dem man viel mitnehmen kann. Bei uns kam noch dazu, dass es eine Verbindung von zwei Dingen war, die wir gern machten: Menschen retten und tauchen. Die Poollektionen fanden im Hallenbad in Zürich-Leimbach statt, das wir schon vom “Tarieren in Perfektion”-Kurs kannten. Grob gesagt unterteilt man die Übungen in zwei Arten: Unter Wasser und über Wasser. Sinnig, was?

Annette: Wie? Was lese ich da? ZWEI Dinge, die wir gerne machen? Tauchen ja, aber retten wir auch gerne Leben? Wirklich?

Sie nun wieder… ich wollte uns nur in einem positiven Licht darstellen. Die Wahrheit muss doch nun wirklich nicht jeder wissen, oder?

Die Übung, die wir komplett erst im Freiwasser machen sollten, war die, wie man einem Taucher von außerhalb des Wassers hilft. Es hatte wenig Sinn, Schwimmkörper mit Seilen dran durch die Schwimmhalle zu schleudern und möglicherweise einen harmlosen Schwimmer zu versenken, der mit den ganzen Übungen nichts zu tun hatte. Also ging wir gleich ins Wasser und begannen mit den ersten Übungen:

Taucher in PANIK an der Oberfläche

“Der Umschlag gefällt mir”, sagte er. “Keine Panik. Das ist das erste hilfreiche oder vernünftige Wort, das ich heute gesagt bekomme.”

“Ja. Deswegen verkauft es sich so gut”, sagte Ford.

Arthur Dent und Ford Prefect in “Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams

Das Wort “Panik” kommt von dem griechischen Gott Pan, von dem die Sage zu berichten weiß, dass er gerne arme, grasende Schafe erschreckte, so dass eine ganze Herde in kopfloser Flucht davonstürmen konnte.

Wieso kommen mir ausgerechnet jetzt unsere gemeinsamen Abendessen im Hotel in den Sinn? 🙂 Du hattest doch gar keine Panflöte dabei.

Und wer schon mal von Panflöten-Spielern terrorisiert wurde, kann es den armen Schafen durchaus nachempfinden. Und schon haben wir einen der Punkte, der bei einem Taucher Panik auslösen kann: etwas oder eine Situation, die für gefährlich gehalten wird, obwohl sie es nicht ist (zum Beispiel ein kleiner, fliegender griechischer Gott mit Panflöte)(die Vorstellung, von einer Tauchbootplattform springen zu müssen, ein Wrack, eine Niesattacke unter Wasser… es gibt X Beispiele…) , oder eine tatsächliche Gefahr. In beiden Fällen ist die Reaktion irrational, der Taucher fängt an, wild um sich zu schlagen und sich irgendwie in Sicherheit zu bringen. Das Problem für einen Retter ist, dass der Taucher in Panik so schnell wie möglich aus dem Wasser raus will und dabei auf alles klettert, was sich ihm bietet, egal wie unratsam das ist, eine Eisscholle, der Rücken eines weißen Hais, eine Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg – oder auch der Rücken des netten Tauchers von nebenan, der nur helfen wollte. Und Schwupps! Schon gerät der Helfer selbst in Gefahr. Das hat man nun davon. Blöde Wohltäter!

Doch nicht verzagen! Es gibt eine Lösung, indem man sich dem Taucher nähert und dabei die Beine vorstreckt, so dass man sich im Ernstfall mit ein paar Flossenschlägen wieder von dem Opfer entfernen kann, falls es den Retter als Kletterboje missbrauchen möchte. Und wenn man sich schließlich nähert, greift man den Arm des Opfers, dreht es um und klemmt die Pressluftflasche zwischen den Knien ein. Damit hat man das Opfer sozusagen festgenagelt, während man sich um alles weitere kümmern kann. Und irgendwann ist das Opfer müde und gibt sein sinnloses Gestrampel auf. Dann kann man es gemütlich abschleppen und an Land bringen.

“Oh, FlatFluteDiver, Du hast mich gerettet! Danke!”, sagte die junge und überaus attraktive Blondine, als sie matt ins Gras der Uferbegrünung sank, noch völlig außer Atem von dem Abenteuer, das sie eben erlebt hatte.

“Aber nicht doch!”, erwiderte Thorsten mit einer Stimme, deren Klang zu sagen schien: “Ich bin so cool, wenn ich aufs Klo gehe, kommen unten Eiswürfel raus.” Er schob die rechte Augenbraue um anderthalb Zentimeter nach oben, während er hinzufügte: “Das ist nichts besonderes für einen FlatFluteDiver. Gefahr ist mein Geschäft. Und jetzt gehe ich los und halte den Klimawandel auf.”

Offenbar hast du dir bei dem Kurs “Tarieren in Perfektion” im Züricher Hallenbad nicht nur die Nase, sondern auch die Birne am Grund angeschlagen. Mit nachhaltiger Wirkung! Zudem spielt Pamela Anderson bei Baywatch, und nicht in einer Tauchdoku!

Äh, naja, soweit die Theorie. Die Praxis sah mal wieder ganz anders aus. Zum einen ist es verdammt anstrengend, Opfer zu sein. Das Problem ist, sobald man anfängt, wie blöd um sein Leben zu strampeln, verausgabt man sich derart, dass schon vor Eintreffen des Retters zu müde ist, um noch nennenswerte Gegenwehr zu leisten. Richtige Opfer halten das nur deswegen so lange durch, weil sie aufgrund ihrer Panik unter Adrenalin stehen. Und es steht schon in der Bibel: “Adrenalin versetzt Berge.” Bei der Übung sah das letztlich so aus, dass man sagte: “Ich bin jetzt in Panik.”, und nur ein bisschen strampelte. Erst wenn der Retter näher gekommen war, fing man an, ganz aufzudrehen.

Entsprechend ist die Rolle des Retters auch nicht ohne. In einer der ersten Übungen näherte ich mich Annette, die sich vorstellte, ein Wrack zu sehen und dann die Panik kaum noch spielen musste.

Ich verbitte mir derartige Unterstellungen! Ich hab DICH auf mich zukommen sehen, das hat völlig als Grund ausgereicht in Panik zu geraten!

Pah! Und das, wo ich so heldenhaft war! Ich umging sämtliche Obstakel mit der Schläue eines Fuches, der Gewandtheit eines Nutrias und hatte die Situation stets im Blick, wie ein Adler seine Beute. Ja, die Situation rief förmlich nach einem komplizierten Satz mit ein paar Fremdwörtern. Dann packte ich beherzt zu! Ich griff Annettes Arm und drehte sie, so dass sie mir den Rücken zuwandte und ich ihre Flasche zwischen meine Knie klemmen konnte. Um sie drehen zu können, versuchte ich, mit meinen Flossen eine Gegenbewegung zu machen, und mitten in der Drehung…

…bekam ich einen Krampf in der Wade…

Nicht schon wieder! Doch es half nichts, auf Hälfte der Drehung ließ ich Annettes Arm los und kreuzte meine Unterarme, um anzuzeigen, dass ich die Übung abbrach. Reden konnte ich nicht viel, bei der Annäherung nimmt man zur Sicherheit den Regulator in den Mund, auf dessen Mundstück ich nun vor Schmerz biss. Und der Schmerzensschrei, der mir in dem Moment entfuhr, verlor sich zwischen Mundstück und Blasenabweiser irgendwo im Innern der Zweiten Stufe. So wurde ich vom Retter zum Geretteten, der sich seinen Wadenkrampf behandeln lassen musste.

“Danke”, stöhnte der Flat Flute Diver und sank völlig erschöpft am Beckenrand zusammen, nachdem endlich der Schmerz in der Wade nachließ.

“Gerne geschehen”, sagte ein engelsgleiches schwarzhaariges Wesen mit sanfter Stimme, ” Ich bin zwar überaus attraktiv und jung, aber nicht blond! Ich bin es, die zu danken hat, dass ich Dir großen Flat Flute Diver überhaupt helfen durfte! Deine stählernde Wade zu massieren bereitete mir überaus großes Vergnügen!”

Manchmal, Nachts, wenn ich ganz allein bin, möchte ich nur noch weinen. Und in diesen schweren Stunden denke ich dann an Annette und… möchte noch mehr weinen. Aber der Doktor sagt, wenn ich weiterhin die kleinen, gelben Pillen nehme, wird das bald wieder gut sein. Jedenfalls, im zweiten Anlauf klappte es dann. Hurra.

Aber warum denn… wer wird denn gleich weinen? Wenn Du Dich ein klein wenig anstrengst, kannst Du doch genauso engelsgleich und großherzig wie ich werden!

Das sagst Du doch jetzt nur, um mich zum Lachen zu bringen, oder? Egal, weiter geht’s…

Bewusstlosen Taucher an die Oberfläche holen

Diese Lektion hatten wir schon beim Nitrox-Kurs in Horka gemacht. Majki hatte sie uns damals gegönnt, weil es besser ist, schon hier Bescheid zu wissen, was man mit einem bewusstlosen Buddy macht. Nun wurde es also Ernst, sie für den Rescue Diver zu wiederholen. Nun denn, ist ja kein Problem. Annette legte sich bäuchlings auf den Grund und ich näherte mich ihr von der linken Seite.

Man darf gespannt sein. Die Rolle des Opfers ist interessant. Wie stellt sich der Retter denn an? Geschickt? Zügig? Tölpelhaft? Unsittlich? Bekommt er vielleicht gar einen Wadenkrampf?

In dem Moment kamen ein paar Taucher des Wegs, die zu einer anderen Gruppe gehörten und uns passierten. Höflich, wie ich nun mal bin, ließ ich sie zuerst vorüberziehen. Außerdem wusste ich nicht, wieviel Platz ich brauchen würde, wenn ich Annette vom Grund aufhob. Also, erstmal abwarten… ja, Hallo, Tag auch. Alles okay? Alles okay.

WIEVIEL PLATZ DU BRAUCHEN WÜRDEST, UM MICH AUFZUHEBEN???  WAS soll DAS denn heißen? Ich hab doch keinen Wendekreis eines Panzers! Hast du ein Maßband in der Tasche? Mir fehlen die Worte. Und zudem warte ich immer noch auf meinen Retter. Und zwar auf denjenigen, dem mein Wendekreis egal ist. So!

He, das ist Rettung unter Berücksichtigung der Umgebung! Wie würde es Dir gefallen, wenn ich Dich im Rahmen der Rettung gegen die Wand klopfen würde oder so?

Also, das wäre ja in der Tat mal was ganz Neues. Üblicherweise verletzt Du Dich gerne selber beim Tauchen, das wäre Premiere gewesen, wenn Du mich verletzt hättest. Insofern seh ich das nach. Soweit käm es ja noch….

Okay, neuer Versuch… ärgs, was ist DAS denn? Da schwimmt ja ein Kaugummi! Ist ja e-kel-haft! Was spucken die Leute nur alle ins Becken? Da will ich mich aber nicht hinknien! Ich erzeugte eine Strömung mit den Händen, wodurch das Teil davongetragen wurde.

Ich fasse es nicht. WIE BITTE? Kann das sein, dass Du vielleicht ein KLEIN WENIG leicht ablenkbar bist? Ich könnte bereits TOT sein, und Du machst Dir Gedanken um einen Kaugummi?? ICH bin schließlich todesmutig an dich herangetaucht durch ein Meer von Haarknäuln, Rotz, undefinierbarer andere Sachen, von denen ich lieber nicht wissen will was das war, und DU??!

Nein, äh, das verstehst Du ganz miss. Ich wollte… ich dachte… ich hatte… als ich diesen Kaugummi sah… die Idee… damit eine Luftblase zu erzeugen, um Dich zu retten, so war’s, genau! Weil ich bin nämlich genauso gewieft wie dieser Herr hier:

Ich konnte meinen Plan nur leider nicht ausführen, weil… weil… weil ich kein Gummiband und keine Kugelschreibermine zur Hand hatte, um eine Rettungsboje zu basteln.

Okay, nächster Versuch… nähern, schütteln, Regulator kontrollieren. Alles gut. Jetzt den Taucher vom Grund aufnehmen. Dazu musste ich bei Annette etwas Auftrieb herstellen. Wo war nochmal der Tarierschlauch? Ah, linke Schulter, ich hab ihn. Jetzt ziehe ich ihn vorsichtig hoch… das fühlt sich aber komisch an… ach je. Annette, willst Du mal lachen? Jetzt hätt ich den Schlauch fast ausgefädelt.

Wundert mich gar nicht. Wirklich nicht. Wenn ich das oben lese, bin ich erstaunt, dass Du das überhaupt hingekriegt hast und nicht in Panik wegen eines vorbeischwimmenden Haares ausgebrochen bist.

Was, da schwimmen Haare rum??? Wo sind wir denn da gelandet, um Himmels Willen? Also, nichts wie hoch an die Oberfläche! Ist es ein Delfin? Ein Tümmler? Oder ein besonders eleganter Zackenbarsch? Nein, es ist der FlatFluteDiver! Ta-dah! Sicher wieder nach oben gebracht! Bin ich gut? Ich bin gut!

“Ich muss Ihnen meine Bewunderung ausdrücken”, sagte der Bundespräsident, während er sich von einem Mitarbeiter einen kleinen, schwarzen Kasten reichen ließ. “Ihr Heldentum ist Vorbild und Inspiration für uns alle. Ich wünsche mir, dass es mehr Menschen gibt wie Sie. Lassen Sie mich Ihnen diesen Orden anheften!”

Doch Thorsten winkte dankend ab: “Nicht nötig, Herr Präsident. Das ist doch die tägliche Arbeit der FlatFluteDivers. Das Lächeln dieser Holden, die ich erretten durfte, ist mir Belohnung genug…”

Da hätte ich noch eine Kleinigkeit anzubringen. Hier habe ich eine kleine Szene in meinem Repertoire, die zeigt, wie sowas aussehen könnte! Also, wie Du, lieber stolzer Flatflutediver, an mir vorbeistolzierst, mich links liegen läßt, um mir Deine Verachtung zu zeigen, denn schließlich hast DU den Orden bekommen… nicht ich. Schauen wir doch mal zu, was passiert!

He, wo hast Du denn das her?? Das kann doch alles nicht wahr sein. Herr Bundespräsident, jetzt sagen Sie doch auch mal was!

Auch das noch! Hier bleibt einem aber auch nichts erspart. Wie war das mit dem, der den Schaden hat und für den Spott nicht zu sorgen braucht? Doch beachten wir diese vollkommen uninteressanten Einwände der Dame nicht weiter, denn  mit dem an die Oberfläche bringen war es nicht getan. Mehr Heldentaten standen an! Fast nahtlos fuhren wir fort:

Beatmen eines Tauchers an der Oberfläche und ans Ufer bringen

Gut, in Ermangelung eines Ufers mussten wir den Beckenrand nehmen, aber das ging auch. Bei dieser Übung öffnet man sowohl die Tarierweste des Opfers als auch die eigene, noch während man das Opfer zum Ufer schleppt und gleichzeitig beatmet. Das Ablegen der Weste während des Schleppens soll Zeit sparen, denn spätestens am Ufer muss man diese ausziehen. Und abschleppen, alle 5 Sekunden über eine Maske beatmen und gleichzeitig die Weste ablegen, das kann schon anstrengend sein. Hab ich gelesen. Für mich natürlich nicht. Es klappte alles reibungslos, schleppen, beatmen, die Schnallen vom Jacket öffnen, beatmen, noch mehr Schnallen öffnen – und so weiter. Schließlich konnte ich mein Jacket ablegen und treiben lassen.

Doch während ich mich dem Beckenrand näherte, beschlich mich ein komisches Gefühl. So als ob ich verfolgt würde… ja, in der Tat wurde ich verfolgt! Von meinem eigenen Jacket! Es schwamm quasi hinter mir her. Wie sich herausstellte, hatte sich mein Lungenautomat bei Annette verfangen, und so zog ich die Tarierweste hinter uns her.

Da ich, als kameraerfahrene Schauspielerin, meine Rolle als Opfer sehr ernst nahm, entging mir natürlich die Dramatik der aufkeimenden Situation. Ich kann von Glück sagen, dass es nur Dein Jacket war, was dich verfolgt hat. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn es ein lästiges fremdes Haar gewesen wäre. Ich als Opfer wäre sicher als Kletterboje missbraucht worden!

Dann der letzte Akt! Am Beckenrand angekommen legte ich Annette mit dem Oberkörper dort ab, kletterte gewandt aus dem Wasser (war das da, als du dir das Knie am Beckenrand angeschlagen hast? 🙂 ) und zog sie ganz heraus. Ja-ha, wieder mal geschafft! Komm ich jetzt im Fernseh’n?

Nein! Zurück zu den FlatFluteDivern!

Du immer! Dann erzähl doch mal, wie Du Dich angestellt hast, na?

Ich weiß gar nicht, was Du meinst. Bei mir hat alles reibungslos geklappt.

Ach ja? Wie war das denn, als Du mich bei der einen Übung vom Grund an die Oberläche bringen solltest, und Probleme mit meinem Tarierhebel hattest?

Also, über Deinen… Tarierhebel reden wir ein andermal. Es gab ja noch andere Probleme zu überwinden, bevor wir uns auf den Weg nach Horka machen konnten. Zum Beispiel, dass wir im April gehen würden, es kalt sein könnte und wir einen Trockentauchanzug brauchen würden. Aber davon berichte ICH das nächste Mal.

DIVER’S Indoor, Tag 2 – Eine erneute Wendung der Ereignisse

Am Abend unseres ersten Tages beim DIVER’S Indoor Tauchsportzentrum hatten wir das “Special” gebucht, das dort jeden Freitag und Samstag geboten wir: das “Dinner unter Wasser”. Den Namen hat es, weil das Restaurant von seiner Austattung her der “Nautilus” von Käpt’n Nemo (aus Jules Vernes’ “20.000 Meilen unter dem Meer”) nachempfunden ist, und bei diesem Dinner Unterwasserfilme aus der ganzen Welt im Restaurant auf Leinwände projiziert werden. Ein Teil des Restaurants hat große Scheiben, durch die man auf die Becken des Tauchsportzentrums blicken kann.

In diesem stimmungsvollen Ambiente gibt es ein reichhaltiges Buffet-Abendessen, das uns sehr an Ägypten erinnert hat – selbst die Tatsache, dass beinahe ein Tisch wegen einer Kerze abgebrannt war (es war diesmal nur nicht unser Tisch, und ein freundlicher Feuerwehrmann vom Nachbartisch griff ein, bevor etwas passieren konnte).

Annette: jaja… ein Revival sozusagen. Wobei mir eigentlich nicht nach Feiern zumute war. Zwar war ich hochzufrieden mit meiner Ausrüstung, aber mir machte die Übelkeit Sorgen… hoffentlich blieb das nicht so!

Lobende Worte muss ich an dieser Stelle auch für das Frühstück im  Mercure Airport Hotel München loswerden, sehr gut und sehr reichhaltig. Genau das Richtige, um sich in einen neuen Tag mit einem Tauchabenteuer zu stürzen. Das begann erstmal mit Hindernissen: der bestellte Tauchlehrer kam etwas zu spät. Es war nicht jener vom Vortag. Dieser hatte außer uns niemanden zu “betreuen” und konnte ganz auf unsere Wünsche eingehen. Wir wollten ein paar Dinge üben, die für den Kurs des “Open Water Diver” beherrscht werden sollten. Auf seine Frage, warum wir denn nur den “Scuba Diver” gemacht hätten, erzählten wir, dass das alles ja eigentlich ganz anders geplant war (ich werde das an dieser Stelle nicht mehr wiedergeben – falls Sie es schon wieder vergessen haben sollten oder es noch nicht getan haben, dann lesen Sie die vergangenen Artikel dieses Blogs, da wird alles schön erklärt). Dann ging es wieder an die Ausstattung. Wir erzählten dem TL von den Problemen mit dem Tarieren vom Tag zuvor und er machte die Ursache aus: das Blei. Acht Kilo waren offenbar zu viel, so dass wir auf sechs Kilo reduzierten.

Stimmt gar nicht! Ich hatte nur 4 kg. Bäh!

Okay, vier Kilo. Jedenfalls, das Resultat konnten wir gleich beim ersten Tauchgang sehen: Es funktionierte tatsächlich besser. Auch die Übungen, die wir machten. So gehört es zum Beispiel beim OWD dazu, 15 Meter mit Tauchgerät, aber ohne Taucherbrille zu schwimmen. Annette machte hier den Anfang. Der TL führte sie, denn sie musste um die Kurve schwimmen, weil die Becken nicht ganz die richtige Länge hatten. Und das sah richtig gut aus bei ihr. Auch das anschließende Maske aufsetzen und ausblasen funktionierte reibungslos.

Hey! Ich bin schließlich  ein Naturtalent! Aber komisch… schon wieder dieses blöde Übelkeitgefühl… nicht schon wieder bitte…

Dann war ich an der Reihe, und ich war voll konzentriert. Tatsächlich musste ich mich in den ersten Momenten daran erinnern, nicht durch die Nase einzuatmen, aber dann ging es wie von selbst. Auch ich schwamm meine Runde in Begleitung des TL, setzte die Maske wieder auf und blies das Wasser raus.

Wir schwammen dann mal “eine Raum weiter”, denn eigentlich wollten wir das Tarieren üben. Tauchen durch ein Fenster! Hm..ich hatte mal was gelesen, dass die Wracktaucher sich dazu auf den Rücken drehen. Professionellerweise probierte ich das gleich mal aus – nur um mit dem Flaschenventil gleich am unteren Fensterrahmen hängen zu bleiben. Ok. Das war`s dann mit dem Naturtalent. Zudem war mir jetzt wirklich RICHTIG schlecht. Und das nach noch nicht mal 20 Minuten.

Leider stellte sich bei Annettte der Schwindel vom Vortag wieder ein, so dass sie den nächsten Tauchgang nicht mehr mitmachen wollte.

Was heißt hier NICHT WOLLTE ? Natülich wollte ich! Aber… es ging einfach nicht. Ich war todunglücklich! Selbstmordgefährdet!

In der Pause dazwischen kam es zu einem Gespräch zwischen uns und dem TL. Dabei kam die Frage auf, ob wir vielleicht doch trotz aller Vorbehalte mal in Deutschland ins Freiwasser gehen sollten. Schwimmbecken, Indoor-Tauchen, alles schön und gut, aber nur in einem “richtigen” Gewässer würde man auch Übung bekommen.

DIVER'S Indoor-Tauchsportzentrum AufkirchenDen letzten Tauchgang an diesem Wochenende machte ich dann mit dem Tauchlehrer allein. Er zeigte mir weitere Übungen, zum Beispiel wie man die Tarierweste unter Wasser aus- und wieder anzieht. Bei einer dieser Übungen trug ich einen Bleigurt – und da passierte mir das Malheur, von dem ich an anderer Stelle schon berichtet habe: der Gurt löste sich, ohne dass ich das bemerkte, und fiel herunter. Da wusste ich, was ich an meinem integrierten Blei hatte.

…intrigantes Blei, was? Macht sich selbstständig! 🙂

Am Ende des Tauchgangs waren wir in dem Becken, das mit Fenstern ausgestattet war, so dass man von der Bar aus hineinsehen konnte. Und hier, auf der trockenen Seite, stand Annette. Es tat mir leid, sie da zu sehen und ich konnte ihren Frust verstehen, immerhin war nicht ganz klar, woher ihr Schwindel kam. Aber immerhin machte sie ein Bild mit ihrem Handy, damit es doch noch ein Souvenir von dem Wochenende gab.

Frust? Das ist ja wohl gelinde ausgedrückt. Ich schüttete mir eine Cola hinter die Binde und taumelte schwindelig von einem Fenster zum anderen. Man hatte mir versprochen, die Übung mit dem Jacket ablegen vor einem Fenster abzuhalten, aber ich konnte die Beiden nirgendwo entdecken. Also setzte ich mich erst mal und versuchte, mein sich drehendes Hirn in den Griff zu kriegen. Nach geraumer Zeit kamen die beiden dann wirklich vorbei. Und legten ihr Jacket vor meinen Augen ab. Wie versprochen. Man, hat mich das vielleicht geärgert. Ich konnte mir nicht erklären, was jetzt los war. Ich hatte zwar gelesen, dass es Schwindel gäbe, wenn das Wasser sehr klar ist. Das war es in Ägypten auch gewesen und da war mir das nicht passiert. Ich nahm an, dass die Übelkeit von mehreren Faktoren herrührte. Die Kacheln an der Wand, die durch meine Brille verzogen waren, das Geflimmere auf den Kacheln von den Lichtreflexen, die Wärme, die schlechte Luft… aber ich gab noch nicht alle Hoffnung auf. Der TL tröstete eine unglückliche Schülerin (mich!) und ermutigte mich, trotzdem weiter zu machen. Klar doch! Ich hatte auch nicht vor, die Flinte gleich ins Korn zu werfen.

Dann bekamen wir die Rechnung für das Wochenende präsentiert und mussten ganz schön schlucken: dadurch, dass wir für vier Tauchgänge den TL gebraucht hatten, war ein recht ansehnliches Sümmchen zustande gekommen. Auf dem Parkplatz vor dem DIVER’S unterhielten wir uns noch mit dem TL, der uns nochmal ans Herz legte, ins Freiwasser zu gehen, und zwar möglichst bald. Er nannte auch ein Ziel: den “Echinger Weiher”, der sei auch für Anfänger geeignet.

Jupp! Da bin ich direkt mal über meinen Schatten gesprungen! Ich bin nämlich sonst nicht gerade der Mut in Person, wenn es darum geht, einen fremden Mann um was zu bitten! Aber da… ging es. Ich fragte den TL, ob er mit uns ins Freiwasser gehen würde. Und er hat noch nicht mal NEIN gesagt! Er hatte einen sehr guten Eindruck unter Wasser auf mich gemacht, und das braucht man nunmal als Anfänger. Man geht ja nicht mit jedem tauchen 🙂 Da muss man schon Vertrauen haben!

Auf der Heimfahrt diskutierten wir: Sollten wir das tun? Oder sagen wir so: Innerlich hatten wir die Entscheidung vermutlich schon getroffen, aber wir sprachen trotzdem noch darüber, so wie wir das immer tun. Ja, entgegen allen anderslautenden Ansagen seit Ägypten nahmen wir uns vor, tatsächlich ins Freiwasser zu gehen. Das wäre sicherlich eine gute Ergänzung zu unseren Schwimmbadtauchgängen. Doch zunächst würde Annette in Urlaub fliegen.

bäbäbääbäääääääbäääääääää

Damit würde es Ende Mai oder Anfang Juni werden, bevor wir den nächsten Tauchgang antreten könnten. Noch immer stand so eine Zahl im Raum, ein bis zwei Mal pro Monat, damit wir fit für den OWD in Ägypten wären. Aber es sollte nochmal anders kommen…

Ja! Ich wollte schließlich unbedingt ausprobieren, ob es mir im Freiwasser auch schlecht werden würde. Da wir ja in Ägypten den OWD fertig machen wollten um anschließend gleich mal 12 Tage tauchen zu gehen, sollte man das schließlich vorher wissen. Daher war bei mir der Entschluss, nun doch ins Freiwasser zu gehen, sehr schnell gefasst. Das musste getestet werden. Insofern könnte ja ein Freiwassertauchgang nicht schaden. Aber erst NACH meinem Urlaub…. 🙂

DIVER’S Indoor Tauchsportzentrum – das Abenteuer geht weiter…

Als wir unsere Geschichte das letzte Mal unterbrachen, war gerade unsere Trainingsmöglichkeit in Form eines Hallenbades abgebrannt, was dazu führte, dass wir in Folge anfingen, unsere eigene Ausrüstung zusammen zu stellen. Und nun die Fortsetzung. Bevor ich jedoch weitermache, ein kurzes Wort der Erklärung. Bisher haben Annette und ich immer separate Beiträge geschrieben, was recht interessant war, da man die Geschichte damit aus zwei Perspektiven sah. Auf der anderen Seite war es aber auch – die gleiche Geschichte. Es gab etliche Überschneidungen, deswegen haben wir beschlossen, die Sache in Zukunft zusammen anzugehen. Sie können unsere Absätze in den einzelnen Beiträgen dadurch unterscheiden, dass derjenige, der als Artikel-Autor genannt ist, in “normaler” Schrift schreibt, der andere aber kursiv. Also, in dem Beitrag, den Sie gerade lesen, bin ich – Thorsten – es, der in normaler Schrift zu Ihnen spricht. Und wenn es kursiv wird, meldet sich Annette zu Wort. Sag mal “Hallo”, Annette!

Annette: ha-halloooooooooo?!!

Haben alle das Prinzip verstanden? Wenn nicht, dann lesen Sie den ersten Absatz nochmal. Ansonsten weiter im Text… nun war uns also unser “Trainingshallenbad” abgebrannt und es sah so aus, als würden wir vor Mai keine Möglichkeit haben, ins Wasser zu kommen. Dann jedoch schickte mir eine gute Freundin und ehemalige Kollegin einen Webseitenlink. Sie war auf der Suche nach Hotels in und um München gewesen und hatte dabei etwas entdeckt, das vielleicht etwas für Annette und mich sein würde: das Mercure Airport Hotel München, an dem das “DIVER’S Indoor Tauchsportzentrum” angeschlossen war. Wenn Sie sich kurz über das Hotel und das Tauchsportzentrum informieren wollen, möchte ich Ihnen diesen Artikel hier im EP-Blog ans Herz legen. Sie erfahren dort alles nötige, das Sie wissen müssen und können Ihren Aufenthalt auch direkt buchen.

Ich hatte mich informiert und festgestellt, dass es bei den ganzen Preislisten beim DIVER’S für uns einen kleinen Pferdefuss gab: nirgendwo war die Rede von einem Tauchlehrer. Und ohne den durften wir nun mal nicht. Nicht mal Indoor. Ansonsten war alles sehr verlockend, bis zu fünf Meter tiefe Becken, gewärmtes Wasser und eine Ausstattung, mit der man das Tarieren, das bei uns beiden noch im Argen lag, üben konnte. Also schrieb ich das DIVER’S an und fragte nach. Ich erhielt prompt Antwort, dass man uns sehr wohl einen Tauchlehrer stellen könnte, der würde aber (natürlich) extra kosten. Wir suchten uns ein Wochenende heraus, zwei Tage tauchen mit einer Übernachtung, zwei Tauchgänge pro Tag. Und wir konnten es kaum erwarten.

Aus der Richtung, aus der wir nach Aufkirchen kamen (von der Autobahn), fährt man zuerst am Mercure Airport Hotel vorbei. Man muss das Gebäude entlang und kommt dann zu einem Parkplatz auf dessen Rückseite. Und dort befindet sich das DIVER’S, respektive der Zugang zu selbigem. Man muss eine Treppe hinab, dann kommt man zur Kasse und zum Tauchshop. An der Kasse bekommt man einen Schrank in der Umkleide zugewiesen. Die Nummer des Schranks dient zugleich als eine Art “Kreditkarte”. Im DIVER’S gibt es eine Bar, wo man Getränke und Snacks zu sich nehmen kann, damit man nicht ständig Geld mit sich herumtragen kann, wird alles, was man trinkt und verzehrt, auf die Schranknummer geschrieben. Bezahlt wird am Schluss. Das ist ungemein praktisch, denn in der Bar darf man sich auch im Neoprenanzug aufhalten.

Als wir ankamen, war unser Tauchlehrer schon da. Wir erfuhren, dass wir nicht allein mit ihm tauchen würden, es würde noch eine Dame für das PADI “Scuba Review” mitkommen. Selbiges ist ein Auffrischkurs für Taucher, die länger nicht mehr getaucht sind. Urlaubstaucher eben. Es werden verschiedene Lektionen und Übungen wiederholt. Der Tauchlehrer (TL) erklärte uns, dass er sich hauptsächlich um diese Schülerin kümmern würde, wir sollten bei ihm in der Nähe bleiben.

Sehr gut! Perfekt! Ich wollte es ja nicht glauben, aber unser Tauchlehrer in Ägypten deutete ja schon sowas an… es würde uns schnell nerven, immer einen Babysitter dabei haben zu müssen… wer hätte gedacht, dass das doch sooo schnell auf  uns zutraf. Zudem hatten wir beide unsere eigene Ausrüstung komplett und waren natürlich scharf drauf, diese in Ruhe ausprobieren zu können…

Zuerst mal: Umziehen in Badekleidung. Dafür gibt es wie im Schwimmbad getrennte Umkleiden, wo sich der zugewiesene abschließbare Schrank befindet. Dann geht man in die große Taucherumkleide, wo man nach dem Tauchgang sich auch um die Ausrüstung kümmern und diese aufhängen kann.

Dann ging es an die Ausrüstung. Nicht nur die Flaschen – leider hatten wir doch noch nicht alles, was man so braucht. Blei zum Beispiel fehlte uns noch. Aber da waren wir von einer einfachen Überlegung ausgegangen: Wir gehen in Deutschland sowieso nicht ins Freiwasser; nach Ägypten würden wir eigenes Blei nicht mitnehmen (viel zu schwer fürs Gepäck), also warum anschaffen? Man konnte es sich ja ganz einfach leihen. Leider hatten wir keine Erfahrung, wieviel Blei man so braucht. In Ägypten, im erhöhten Salzgehalt des Roten Meeres hatten wir 12 Kilo. Der dortige TL meinte aber am Ende des Tauchtages, dass wir das nächste Mal bestimmt nur noch 10 Kilo brauchen würden. Also wieviel in einem Becken mit Süßwasser? Wir einigten uns letztlich auf 8 Kilo.

Ja. Nicht zu vergessen, dass man uns einen Bleigurt andrehen wollte! Denn das Blei würde uns die Taschen ausreißen! Unverständliche Blicke zwischen uns wurden gewechselt. Thorsten sagte noch diplomatisch: “Das höre ich zum ersten Mal!” Aber zum Glück stellte es sich als Missverständnis heraus, man hatte überhört, dass wir intrigantes – Verzeihung – integriertes Blei haben wollten…

Dann ging’s los: Zum ersten Mal die eigene Ausrüstung anziehen. Nicht nur zum Probieren, sondern für den “Ernstfall”. Ziehen und zerren war wieder angesagt, doch letztlich standen wir im Neo in den Taucherumkleiden und richteten die Flaschen. Unnötig zu sagen, dass die Handgriffe noch nicht so saßen, noch dazu, da bei Annette die Flasche zischte, als sie die Erste Stufe angeschlossen hatte und aufdrehte. Das Problem erkannte unser TL sofort: der O-Ring, der das Gewinde der Ersten Stufe abdichten soll, war herausgefallen. Aber er fand sich wieder.

Dann Jacket mit Flasche anziehen – und ich musste lernen, dass “Galanterie” unter Tauchern anders aussieht. Normalerweise würde man sagen, der Mann hilft selbstverständlich der Frau zuerst (zum Beispiel in den Mantel). So tat ich es auch. Dummerweise war es dann so: Annette trug bereits ihre schwere Ausrüstung und musste meine noch dazu hochheben, um mir reinzuhelfen. Besser wäre es umgekehrt gewesen. Aber das sind so die Kleinigkeiten, die man eben als Anfänger noch lernen muss. Beim zweiten Tauchgang machten wir es anders: Wir setzten die Flaschen auf die Bank ab und schlüpften so rein.

Naja… so schlimm ist das ja nicht. Selbst ist die Frau! *ächz… mein Kreuz!

Nachdem man also vollbepackt ist, geht es nun zu den Tauchbecken. Die Umkleide befindet sich im Untergeschoss. Hier kann man über Fenster in die Becken schauen und den Tauchern, die schon drin sind, zusehen.

Kleine Anmerkung: Überlegen Sie sich, was sie zum “Schwimmen” tragen, wenn Sie dem Instructor vorschwimmen müssen! (10 min). Warum? Gucken Sie doch vorher mal durch die Fensterscheibe und betrachten Sie die Schwimmer von unten… 🙂

Um selbst in das Becken zu kommen, musste man nach oben, über eine Treppe. Wenn man das nicht gewohnt ist, ist das ganz schön anstrengend. Noch dazu, da oben an den Becken eine gewisse feuchte Schwüle herrschte, bedingt durch das warme Wasser dort. Die Tatsache, dass man im Neoprenanzug dasteht, tut ihr übriges. Wir waren froh, als wir endlich ins Wasser kamen.

Dann passierten zwei Dinge, die nicht so schön waren. Erstens, mein Fotoapparat, den ich dabei und für den ich extra eine bis 40 Meter wasserdichte Hülle gekauft hatte, soff ab. Zweitens, das Tarieren funktionierte nicht.

ups….äh…wo ist denn…ah..der Inflatorschlauch! Mensch, ich kleb am Boden! So viel Atmen kann ich gar nicht um wieder hochzukommen. Also – Luft rein ins Jacket. Jawoll! Und ab zur Oberfläche…….och nöööööööööööööööö!

Der erste Punkt ist schnell abgehandelt: Meine extra fürs Tauchen angeschaffte Kamera stand schon beim ersten Abtauchen im Wasser. Die Hülle war undicht geworden, obwohl ich sie nie zuvor benutzt hatte. Die Kamera ging damit den Weg allen Irdischen. Immerhin blieb der Speicherchip ganz. Deswegen kann ich leider nicht mit Unterwasser-Bildern dienen.

Der zweite Punkt war eine merkwürdige Sache: Wir versuchten das Tarieren, aber es klappte nicht so wie gedacht. Entweder sanken wir zum Grund oder stiegen in Richtung Oberfläche auf. Zudem hatte bei mir die Flasche die Tendenz, nach einer Seite wegzukippen. Eine grade Lage im Wasser bekam ich nur mit Mühe hin und musste mit Muskelkraft gegen die Flasche spannen, was sich dadurch rächte, dass ich nach diesem Wochenende einen fiesen Muskelkater an Rückenmuskeln hatte, die ich vorher noch nie gespürt hatte. Wie wir aber herausfinden durften, hatte das mal wieder mit einem Anfängerfehler zu tun. Zwar saßen unsere Jackets richtig, wir hatten es aber versäumt, die Schultergurte richtig festzuzurren. Die Flasche konnte deswegen zur Seite kippen, weil das Jacket an den Schultern zu viel Spiel hatte und nicht gehalten wurde. Bei späteren Tauchgängen kam das dann nicht mehr vor. Das Tarieren… dazu kommen wir noch.

…irgendwie ist mir komisch.

Die Becken des DIVER’S sind in einer Hufeisenform angelegt. Sie sind mit Wänden abgetrennt, so dass man durch Öffnungen oder Gänge tauchen muss, um von einem zum anderen zu kommen. Wenn es funktioniert, ist das eine gute Übung fürs Tarieren und dafür, ein Gefühl für die Ausrüstung zu kriegen (und zum Beispiel dran zu denken, dass man ja noch die Flasche auf dem Rücken hat, die auch durch die Öffnung passen sollte). In einem Becken dudelt ein Unterwasser-Radio, aber genau gehört habe ich zumindest nicht wirklich was.

Hier ist “Antenne Bayern” mit den Nachrichten… hääääh?!

Es war mehr eine zusätzliche Geräuschkulisse zu den ganzen anderen Geräuschen. Ein Becken hat Düsen, in denen man das Strömungstauchen trainieren oder auch mal ausprobieren kann, wie sinnlos der Kampf ist, frontal in eine Strömung zu schwimmen. Außerdem gibt es verschiedene Sportgeräte (ja!), so ein “Papierflieger” aus Metall und eine Frisbeescheibe, die man sich zuwerfen kann, und einen Ball, der mit einem Gewicht beschwert ist. Nachdem das mit dem Tarieren nicht so recht klappen wollte, nahmen Annette und ich uns den Ball – am Grund blieben wir sowieso. Es war ein völlig neues Gefühl, denn durch den Wasserwiderstand musste man die Würfe ganz anders kalkulieren und die eigenen Bewegungen wurden verlangsamt. Ballsport, wie er mir gefällt, muss ich sagen.

…mir ist sogar ganz komisch. Um nicht zu sagen schlecht. KOTZschlecht. Und zwar nicht vom Magen her. Ich weiß jetzt gar nicht, was das soll. Vielleicht war das doch alles ein bisschen viel heute? Ich glaube, ich werde de Tauchgang vorzeitig abbrechen müssen. Vielleicht sollte ich mal was essen… durchhalten, durchhalten, durchhalten…

Schließlich war unser Tauchgang beendet und es ging wieder raus.

GOTT SEI DANK!

Das DIVER’S verfügt im Umkleidebereich über mehrere Becken, in denen man die Ausrüstung säubern kann. Das ist auch hier tatsächlich notwendig, da Chlorwasser nicht eben schonend mit den Sachen umgeht und ab- bzw. ausgespült werden sollte.

Wir hatten dann eine Pause, in der wir (natürlich) über den Tauchgang sprachen und darüber, dass das mit dem Tarieren nicht so recht wollte. Woran mochte das wohl liegen? Und Annette erzählte, dass ihr schwindlig geworden war. In der Tat merkte sie es immer noch, obwohl wir nicht mehr im Wasser waren. Aber wir waren rundum zufrieden mit unserer Ausrüstung. Sie saß gut und funktionierte tadellos. Wenigstens das. Jetzt mussten wir das nur noch richtig hinbekommen.

…mir ist immer noch schlecht. Obwohl ich inzwischen an Land bin und mich sogar hingelegt habe. Und was gegessen hab. Was soll das denn bitte jetzt? Jetzt hab ich eine Ausrüstung, und dann wird mir unter Wasser schlecht? In Ägypten ist mir doch auch nicht schlecht geworden…Das hat mich schon schwer getroffen liebe Leute!

Schließlich machten wir uns bereit, holten neue Flaschen und warteten auf unseren TL. Der kam und verkündete, dass nun ein paar Schnuppertaucher mitkommen würden, denen müsste er erst eine Einführung geben. Wie lange die gehen würde? So etwa dreißig Minuten. Nun sitzen Sie mal dreißig Minuten im Neopren-Anzug in dämpfiger Wärme. Kennen Sie den “Zauberer von Oz”? “Ich schmelze, ich schmelze…”, das sagen Sie dann auch. Also machten wir die Neos wieder auf und warteten ab, bis der TL mit seiner Einführung fertig war.

Der zweite Tauchgang brachte leider nur eine kleine Verbesserung. Hin und wieder gelang es mir, mich auszutarieren, aber dann geschah irgendwas, sei es, dass ich plötzlich an den Flossen Auftrieb kriegte oder die Flasche wieder zur Seite kippte, und vorbei war’s mit der guten Lage. Und Annette hatte wieder das Schwindelgefühl.

Klasse. Und dieses Mal musste ich vorzeitig raus. Es ging nicht mehr. Sonst hätte ich zum ersten Mal probieren dürfen, wie es ist, durch den Regulator zu ko… Das muss ja auch nicht sein. Wieso immer ich? Ich musste doch schon unpassenderweise unter Wasser niesen….

Nachdem wir den zweiten Tauchgang beendet hatten, zogen wir uns um und bezogen unser Zimmer im “Mercure”, das klein aber fein war. Gut, das Badezimmer war mit Tauchausrüstung belagert, aber als Taucher muss man gewisse Abstriche machen. Wir hatten indessen andere Probleme: Woran lag es, dass das Tarieren nicht klappte? Warum mussten wir immer mit der Flasche kämpfen? Und was ist mit Annettes Schwindelgefühl?

SEEHR gute Frage! Nächste Frage. Ich hoffe, dass das am nächsten Tag vorbei ist und es sich hierbei einfach nur um ein temporäres Problem handelt. Ach, und übrigens: Ich höre mal wieder kaum was. Das Problem hatte ich nach Ägypten schon. Gute 3 Monate ist mir mein rechtes Ohr ständig zugefallen. Keiner konnt mir sagen, was das ist. Aber durch aggressives Zuwarten löste sich das Problem von selbst. Aber jetzt ist es wieder da. Kann das sein, dass da jemand nicht will, dass ich tauche? Tzzzzzz… als ob mich solche Kleinigkeiten davon abhalten würden. Thorsten? Rate mal… ich hab…? (Wasser im Ohr!)

Diesen Abend jedoch wollten wir uns nicht von unguten Gedanken verderben lassen. Wir hatten ein “Special” gebucht, das das Hotel anbot, das “Dinner unter Wasser”, das im Restaurant oberhalb der Becken des DIVER’S stattfinden sollte. Davon und von unserem zweiten Tauchtag wird im nächsten Kapitel berichtet.

Ja! Und ich hatte einen BÄRENhunger. So!

Scuba Diver: Was danach kam

Irgendwie könnte die Geschichte damit zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Zu Ende war lediglich unser Urlaub in Ägypten. Oder sie könnte langweilig werden. Tut sie aber nicht. Auf dem Rückflug von Hurghada gab es für uns hauptsächlich ein Gesprächsthema: Tauchen. Wir wollten uns um Trainingstauchgänge im Schwimmbad bemühen, um wenigstens “drin” zu bleiben.

Zurück in Deutschland geschahen zwei Dinge: Zum einen stand bei mir sofort die Urlaubsplanung für das kommende Jahr an, zum anderen bekam ich einen Hinweis auf einen Kollegen, der selber Taucher war und uns möglicherweise bei unseren Schwimmbadtauchgängen würde helfen können.

Dann geschahen nochmal zwei Dinge: Ich konnte mich bei der Urlaubsplanung nicht mit Annette absprechen und nahm auf gut Glück den gleichen Zeitraum wie im Vorjahr für einen Urlaub. Bei einem Treffen stellte sich heraus, dass sie das gleiche gemacht hatte – für den gleichen Zeitraum. Hier entstand eine neue Idee: Wir würden weitermachen – die nächste Stufe auf der Leiter, den “Open Water Diver” (OWD). In Ägypten, im November. Wieder waren wir elektrisiert, so wie an dem Tag, als wir die Entscheidung fällten, den Tauchkurs zu machen. Allerdings wussten wir diesmal, dass wir nicht ganz so nervös werden würden. Hoffentlich!

Mein Kollege entpuppte sich als Instructor, genau das, was wir brauchten, um uns auf den “Open Water Diver” vorzubereiten. Er hatte sogar die Möglichkeit, uns Leihausrüstungen zu besorgen, da er bei einem Rettungstaucherzug war. Und er würde es organisieren, dass wir mit ihm zum Training in ein Hallenbad kommen könnten.

Gleichzeitig überlegten Annette und ich, ob es nicht gut wäre, den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand doch anzuschaffen. Also begannen wir, verschiedene Tauchshops aufzusuchen und ließen uns beraten. Umfassend. Obwohl es eigentlich nicht nötig war. Schließlich wollten wir nur das eine oder andere. Oder? Also zum Beispiel einen eigenen Tauchcomputer… vielleicht Regulatoren…

In der Folgezeit ging ich meinem Umfeld auf die Nerven mit meiner doch sehr stark vorhandenen Begeisterung für das im Urlaub begonnene Tauchabenteuer. Ich begann, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten, bestellte Kataloge und suchte mein Arbeitsmaterial von der Rettungsdienstschule wieder zusammen. Das war allerdings nicht hilfreich, da es mittlerweile hoffnungslos veraltet war. Und dann war da Weihnachten. Von meiner Familie bekam ich ein Tauch-Diorama geschenkt, das als Dekoration für ein Geldgeschenk diente (das in einen Ausrüstungsgegenstand investiert werden sollte). Und von Annette ein Buch über die Fische des Roten Meeres. Das hat mich sehr überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut.

Tauch-Diorama

Und dann passierte eine von den Merkwürdigkeiten, die das Leben manchmal bereithält: das Hallenbad, in dem wir unser “Training” abhalten sollten, brannte im Januar ab, nur Tage bevor wir dort sein wollten. Damit fiel das Training erstmal flach, eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Ab Mai würde das Freibad öffnen und es sah so aus, als würden wir uns bis dahin vertrösten müssen. Mittlerweile waren unsere Gedanken über die eigene Ausrüstung weiter gediehen. Weiter als gedacht. Ein Neoprenanzug war mit “auf die Liste” gekommen, außerdem war ich entfacht für eine spezielle Tarierweste, die ich in einem Tauchladen gesehen hatte. Unser Plan war nun, bis November Stück für Stück anzuschaffen, damit wir für den Ägypten-Urlaub die Sachen beisammen haben würden.

Doch wieder wurde alles über den Haufen geworfen, respektive, ich warf meine Ideen über den Haufen. Unablässig sagte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf: “Wenn Du es willst, dann tu es doch!” Warum auch nicht? Ich informierte mich weiter, besonders über die Tarierweste, die ich ins Auge gefasst hatte. Die war teuer, aber andererseits genau das, was einer ganz speziellen Eigenart von mir entgegen kam. Der erste wirkliche “Ausrüstungsgegenstand”, den ich mir dann anschaffte, war jedoch ein Neoprenanzug. Das hatte recht pragmatische Gründe, er gefiel mir, er passte und ich sah gut drin aus. 😉 Aber damit fing es an. Einen Monat später hatte ich den Großteil meiner Ausrüstung zusammen, einschließlich der Tarierweste, die mir ins Auge gefallen war. So viel zum Thema “bis zum November”.

Ein Problem bestand aber weiter: Was würde aus unseren Trainingstauchgängen werden? Ich hatte mich mittlerweile weiter erkundigt nach Tauchschulen und lernte etwas kennen, das ich die “Drei-Minuten-Regel” nannte – wann immer ich unsere Situation erklärte und nach Schwimmbadtauchgängen fragte, wurde ich nach spätestens drei Minuten gefragt, ob wir nicht gleich hier in Deutschland den OWD fertig machen wollen. Zu dem gewünschten Training kamen wir nicht. Dann kam mir eine Kollegin und gute Freundin zu Hilfe, aber eigentlich unfreiwillig – was wieder eine jener Geschichten war, die von Zeit zu Zeit passieren. Besagte Freundin war eigentlich auf der Suche nach Hotels in und um München. Dabei war sie auf ein Hotel gestoßen, an dem ein so genanntes Indoor-Tauchcenter angeschlossen war. Ich hatte einige Dinge zu klären, denn immerhin brauchten wir immer noch einen Instructor als Begleitung, aber schließlich war es so weit – wir sollten endlich zu unserem ersten Tauchgang machen nach unserem Kurs. Mittlerweile war es April. Annette hatte leider nicht ganz so viel Glück gehabt wie ich, denn zum Teil scheiterte der Erwerb ihrer Ausrüstung daran, dass sie einfach nichts passendes fand. Aber sie machte einen Laden in der Nähe von München ausfindig und wir sollten unseren Tauchausflug gleich mit einem “Kaufausflug” verbinden. Aber das soll sie selbst berichten.

Die Situation hatte sich nun völlig verändert – mal wieder. Bevor wir überhaupt einen einzigen Tauchgang in Deutschland hinter uns hatten, hatten wir tatsächlich unsere Ausrüstung soweit zusammen. Kleinigkeiten fehlten nur noch, aber dem Tauchen stand nichts mehr im Weg. Unsere Überlegung war nun, falls uns das Indoor-Tauchcenter zusagen sollte und das mit den Tauchlehrern dort reibungslos funktionieren, dass wir bis November ein paar Mal dort hinfahren und unser geplantes Training doch noch durchziehen. Ja. Gute Idee. Aber vielleicht kennt jemand noch dieses Sprichwort:

“Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…”

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