Let's Wasser!

Kategorie: See (Seite 4 von 5)

RESCUE DIVER: Uuuund… ACTION!

Schon am ersten Tag der Rescue-Diver-Freiwasser-Übungen konnten wir die Annehmlichkeiten des Trockentauchanzugs am eigenen Leib erfahren. Es war zwar Mitte April, aber das Wetter war nicht so überragend, und das Wasser des Tauchsees hatte um die 6 ° C. Während des Tauchgangs hielt der Trocki wärmer als sein Nass-Kollege, und für den zweiten Tauchgang mussten wir nicht in die nassen Sachen steigen. Und es mussten mindestens zwei Tauchgänge pro Tag sein, denn wir hatten ein straffes Programm mit den verschiedenen Notfall-Szenarien, die wir zu bestehen hatten. Teilweise war es zwar eine Wiederholung dessen, was wir schon im Pool gemacht hatten, aber es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug üben. Außerdem war es schon ein wenig anders, im Pool war das Wasser angenehm warm – hier nicht. Und so retteten wir Taucher in Panik an der Oberfläche, beatmeten an der Oberfläche, schleppten, halfen und schoben. Da wurde einem auch warm. Kommen wir zu den Rettungsaktionen, die wir im Pool noch nicht gemacht hatten…

  • Der vermisste Taucher

Das Szenario “der vermisste Taucher” ist im Pool deswegen sinnlos, weil der Ort zum einen von seiner Größe her recht überschaubar ist, zum anderen, weil man im Pool so gut sehen kann, dass man den Taucher bald wiedergefunden hat. Bei dem Szenario im Freiwasser tauchen die Rescue-Diver-Anwärter los, meistens mit der Ansage, dass sie sich eine Zeit lang nicht zu dem hinter ihnen tauchenden Instructor umdrehen dürfen. Dieser trennt sich irgendwann von der Gruppe. Ist die angegebene Zeit um, liegt es an den Rescue Divern, ihren verschwundenen Kameraden plangemäß zu suchen.

Wir hatten vorher ausgemacht, dass wir eine Boje an die Oberfläche starten würden. Babsi würde dann nach oben gehen und nach Luftblasen Ausschau halten, während Annette und ich am Ende der Leine in etwa 5 m Tiefe warten. Als nächstes würde Babsi dann in Richtung der gesichteten Blasen schwimmen, wobei es an mir lag, Seil zu geben, bis sie stehenblieb. Dann würden wir das Seil wieder aufrollen und ihr somit folgen, bis wir wieder direkt unter ihr wären. Auf diese Weise sollten wir uns Stück für Stück dem vermissten Taucher nähern. Hätten wir ihn gefunden, sollten wir mit dem Seil Signal geben und Babsi käme wieder zu uns. So ähnlich jedenfalls.

Guter Plan! Aber Moment mal… Boje schießen? Da war doch was, da war doch was… ach ja, ich erinnere mich! Oje. Mir war klar, dass ich mich vorher mit meiner Boje auseinander setzen musste. Also nahm ich sie zur Seite und meinte zu ihr: “Boje, wir hatten in der Vergangenheit so unsere Schwierigkeiten. Vielleicht hast Du ab und zu das Gefühl, dass ich Dich an der kurzen Leine lasse. Aber Du musst auch mal meine Perspektive sehen. Mir kommt es so vor, dass Du ausgerechnet dann, wenn’s drauf ankommst, Dich aufplusterst und abhaust. Und dann kann nichts Dich halten. Aber diesmal ist es wirklich wichtig. Tu mir den Gefallen und halt Dich an die Abmachungen, okay?” Damit war alles gesprochen.

Annette: Du führst Gespräche mit einer Boje?  Es reicht ja schon, dass du MICH ständig vollschwallst, aber die Boje kann sich ja nicht mal wehren!

Eine Boje widerspricht mir auch nicht dauernd, so!

Warum auch immer Majki auf die Idee gekommen ist, dass mir die Luft nicht reichen könnte, (*räusper) ist mir ein totales Mysterium, jedenfalls bekam ich für das Füllen meiner Boje noch eine kleine Pressluftflasche mit, eine so genannte “Pony Bottle”. Behängt mit Boje, Reel (Seilwinde) und Flasche sah ich aus wie ein halber Tec Diver… na gut, vielleicht kein halber, ein viertel vielleicht… auch nicht wirklich. Sagen wir, ich hatte auf der Tec-Diver-Bewertungsskala einen Wert von 0,1 Nil. Das heißt, “sieht zwar cool aus, bricht aber auf dem Weg zum Wasser unter dem Gewicht schier zusammen”. Immerhin konnte ich auf diese Weise nicht plötzlich weggeweht werden, falls Wind aufgekommen wäre.

Ich unterbreche nur ungern, wenn du dich selber anschwärzt, was die Luftknappheit bei dir angeht, aber ich muss dir leider widersprechen. Du bekamst die Pony Flasche nicht aus Gründen deines fragwürdigen Luftverbrauchs sondern weil sich Majki wegen der Wassertemperatur Sorgen machte und befürchtete, dass dein Automat abblasen könnte wenn du gleichzeitig atmest und die Boje füllst.

Da, schon wieder! Hast Du gesehen, Boje, sie widerspricht mir schon wieder! Und da wundert sie sich, dass ich mich mit Dir unterhalte.

Boje: —-

Was sagst Du, Boje? Ich soll einfach weitererzählen? Schön, wenigstens eine, die sich für meine Heldentaten interessiert. Also, wie gesagt, ich hatte an der Pony Bottle ganz schön zu schleppen.

Wirklich? Wieviel wiegt die? 800 Gramm? Oder doch ein ganzes Kilo?

Da geht sie flöten, meine Reputation. Jetzt wollte ich den “Coolness-Faktor” nur etwas erhöhen, aber nein… Jedenfalls war ich froh, als ich endlich im Wasser war. Kein Gewicht mehr und… aaaah, diese angenehme Kühle…

Dass du auf der Treppe unter dem Gewicht fast kollabiert wärst und wir ungefähr eine dreiviertel Stunde Oberflächenpause nach dem Einstieg einlegen mussten, damit du wieder anständig atmen konntest ist dir wohl geflissentlich entfallen, was? 😛

Ich habe beim Einstieg lediglich mit Absicht etwas schneller geatmet, um… meine Lungen zu reinigen. Damit ich den Luftvorrat besser ausnutzen kann. Als ich fertig war, ging’s los. Wir tauchten die Strecke, die uns links vom Einstieg an den Felswänden entlang führte. Dort kamen wir zu dem Felsvorsprung, wo wir eigentlich erwartet hätten, die Biertischgarnitur vom September zuvor zu finden. Doch da war nichts mehr. Nur noch einzelne Teile, die daran erinnerten, was sich hier einmal befunden hatte.

Richtig ärgerlich war es allerdings, weil wir Babsi den Ort eigentlich zeigen wollten. Sie hatte ihn noch nie gesehen und wir erzählten ihr im Vorfeld, wie nett sie den Ort hergerichtet hatten. Um so seltsamer war es für sie, als sie die Überreste eines rostigen Grills fand und eine Figur sah. Vermutlich dachte sie, wir wollten sie veräppeln.

Ein großes Rätsel Aber gut, wir hatten die Aufgabe, Majki zu finden, nicht die Biertischgarnitur. Obwohl… vielleicht hätten wir für das Finden der Biertischgarnitur eine Auszeichnung wegen Originellität bekommen. Egal, jedenfalls begaben wir uns auf den Vorsprung und ich versuchte, mich hinzuknien. Dummerweise zog die Pony Bottle mich an der rechten Seite immer nach unten. Erst als ich mich hinstellte, war ich stabil genug, um weiterzumachen.

*räusper räusper!!!!

VETO!

Wie war das bitte? Du hast dich hingestellt???! In deiner Fantasie vielleicht, die Realität war allerdings ein klein bisschen anders. Nachdem du derart viel Dreck aufgewirbelt hattest, weil du ständig drohtest, von dem Felsvorsprung abzurutschen habe ICH mich schließlich deiner erbarmt und dir die entscheidende Hilfestellung geleistet. ICH habe dich festgehalten!

Ach, deswegen hast Du das gemacht? Ich habe mich schon gefragt, warum Du auf einmal anfängst, an mir rumzugrabschen. Ich fand es eigentlich ganz… angenehm, deswegen wollte ich Dich nicht davon abbringen. Ich musste mich dann schon ziemlich auf die Aufgabe konzentrieren. Babsi half mir freundlicherweise, und es war wieder das gleiche Prozedere wie beim letzten Mal: Boje entfalten und ein bisschen Luft reinblasen. Diesmal ging es einfacher, da ich nicht meinen Oktopus nehmen musste, denn die Pony Bottle hatte natürlich ihren eigenen Regulator. Ich gab etwas Seil und Babsi füllte etwas mehr Luft nach…

…und SCHWUPPS! Kam Zug auf die Boje und sie rauschte davon. HE! SO HABEN WIR NICHT GEWETTET! KOMM SOFORT ZURÜCK!

Dann bemerkte ich Babsis Blick, der zu sagen schien: Was hat er denn? Ach, das war okay so? Äh, ich meine, natürlich war das okay so! Genau, wie wir es zuvor besprochen hatten, hurra. Oder um es mit Hannibal vom A-Team zu sagen:

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Nun stieg Babsi auf, während Annette und ich warteten. Irgendwann kam Zug aufs Seil und ich gab die Winde frei. Irgendwann kam das Seil zum Stillstand. Dann fing ich an, das Seil mit der Winde wieder aufzuwickeln, so dass wir Babsi folgen konnten. Mit andern Worten: Ich drehte mir den Wolf, während Annette an mir dranhing und sich ziehen ließ.

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W-Wa-Waaaas?? Also da hört sich doch alles auf! Ich habe mich ziehen lassen, dass ich nicht lache. Ich hatte die überaus wichtigere Rolle als du mein Freund. Statt einfach simpel einem Seil hinterherzutauchen trug ich die VERANTWORTUNG! Ich war diejenige, die dich immer wieder aus der Tiefe reißen musste, da du nur auf das Seil fixiert warst und dabei gar nicht gemerkt hast, dass du ständig tiefer kamst. So ist das mit euch Kerlen. Ihr seid einfach nicht in der Lage, zwei Dinge parallel zu machen.

Ich hab doch zwei Dinge gleichzeitig gemacht: Ich musste kurbeln und auf das Seil achten, dass es sich nirgends verfängt. Der hochdramatische Moment, als das Seil über eine scharfe Felsenkante ging und ich zusehen musste, dass es dort nicht versehentlich durchtrennt wird, ist Dir nicht mehr in Erinnerung, oder? Und überhaupt:  Noch am nächsten Tag merkte ich meinen rechten Arm, aber habe ich mich beschwert? Nein. Nein, das habe ich nicht.

Zur Genüge. Ich erinnere nur an den Artikel, als du im Schluchsee mal die Lampe halten musstest. Ein GANZER Artikel nur über deine Schmerzen im Arm!

Nein, ich habe lediglich auf den leichten Schmerzzustand meines Musculus Biceps Brachii hingewiesen. Und das auch nur deswegen, damit die anderen sich keine Sorgen um meinen Zustand machen.

Sehr heldenhaft von dir. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich selbstverständlich mit meinen bissigen Kommentaren zurückgehalten. Hätte ich? Hm….. 🙂

Schritt für Schritt folgten wir so der Spur der Blasen, die Babsi herausfand, (weibliche Intuition!) obwohl mittlerweile auch noch andere Taucher ins Wasser gekommen waren. Schließlich hatten wir Majki erreicht. Nun war es an mir, einen Ruck nach oben zu geben, so dass Babsi wieder zu uns stoßen konnte. Der Vermisste war gefunden und gerettet. Ähm… könnte ich bitte eine Fanfare haben?

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Vielen Dank!

Mit der bravurösen Lösung dieses Szenarios waren wir frohgemut. Die anderen Aufgaben konnten nun kommen, aber davon berichte ich das nächste Mal. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mir mein rechter Arm fast nicht wehtut?

Zustand…das Wort gefällt mir irgendwie nicht. Zumutung find ich passender…du bist eine Zumutung! 😛

Mir bleibt auch nichts erspart!

Der erste Tauchgang im Trocki

Wir hatten uns also entschieden und der Trilaminat-Trocki war gekauft. Gott sei Dank rechtzeitig vor dem Horkaaufenthalt, denn wir hatten im Rahmen des Resue Divers noch einige Tauchgänge vor uns.

Für unter den Trocki hatte man uns einen mittleren Unterzieher sowie Skiunterwäsche empfohlen. Die Wassertemperatur war noch ziemlich kühl, denn erst drei Wochen zuvor war das Eis vom See weggetaut.

Wie schon das letzte Mal beluden wir unser Auto und machten uns auf den Weg nach Ostdeutschland. Kaum hatten wir Überlingen hinter uns gelassen, fing es an zu regnen. Was sage ich? Es regnete nicht, es schüttete. Na klasse. Und kalt war es auch.

Hinter Ulm hörte es wieder auf und etwas Hoffnung keimte in uns, dass es in Ostdeutschland vielleicht ein bisschen wärmer war als bei uns, aber leider fing es wieder an zu schütten, nachdem wir Dresden erreicht hatten.

Wir erreichten als erste die Basis in Horka. Man ließ uns schon mal hinein, doch da wir die ersten Basisbewohner in dem Jahr waren, war sie noch nicht richtig beheizt. Wir froren ziemlich, trauten uns nicht, die Jacken auszuziehen, und warteten auf Majki. Knapp eine Stunde später kam er, mit Babsi nebst Hunden. Wir liefen zum See, aber so richtig einladend war es ehrlich gesagt nicht. Wir dachten mit Grauen daran, in das kalte Wasser zu steigen und waren doppelt froh, dass es dieses Mal trocken sein sollte.

Thorsten: Ja, da war uns das Glück wirklich hold. Im Nass-Tauchanzug wäre das eine verdammt ungemütliche Angelegenheit geworden.

An dem Abend machten wir nicht mehr viel. Wir gingen essen, dann schlafen. Die Zimmer waren immerhin schön warm und es gab keine Mücken. 🙂

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Nach einer Einweisung in die Anzüge zogen wir uns das erste Mal komplett trocken an. Bis dahin ging soweit erst mal alles problemlos. Sich ins Jacket zu zwingen erforderte bei mir zumindest etwas Geschick, dann ging es los.

Ich werde nie dieses komische Gefühl vergessen, wenn man den Anzug angelegt hat und in die Knie geht, um sämtliche Luft herauszupressen. Der Trocki saugt sich dann quasi an einem fest. Das fühlt sich an wie… äh… ja, mir fällt gerade kein Vergleich ein. Ich sag Bescheid, falls sich das ändert.

Eitler Fatzke! Du bist auch mit nix zufrieden. Mal saugt sich der Trocki an, dann ist man wieder nicht fotogen weil der Reißverschluss am Rücken einen Buckel vortäuscht… und da heißt es immer Frauen seien so eitel…

Hallo?? Ich werde dieses Jahr 40. Ich kriege Falten und verliere meine Haare. Da muss ich doch schauen, dass ich anderweitig gut aussehe.

Wir liefen in Richtung Seeeinstieg. Auf dem Weg fiel mir auf, dass ich irgendwie seltsam lief. Man hatte einem zwar beigebracht, aufrecht zu laufen, Schultern zurück, Brust raus, Bauch rein, aber für meinen Geschmack hatte ich die Schultern zu weit hinten. Dieser Verdacht bestätigte sich, als ich versuchte, meine Flossen anzuziehen. Hier machte sich der erste Haken des Trilaminat Trockis bemerkbar. Er ist nicht elastisch! Und da die Stiefel direkt an den Hosenbeinen angebracht sind, gestaltete es sich etwas schwierig, im Stehen an die Flossen zu kommen. Knie anziehen ging nur bis zu einem gewissen Grad. Erschwerend kam bei mir die ungewöhnliche “Schulterzurückposition”, die es mir gar nicht ermöglichte, an die Clipverschlüsse der Flossen zu kommen. Nerv! Schließlich gab ich auf und ließ mir helfen.

Dann: Blei in die Taschen. Bei dem Gedanken an die Bleimenge wurde ich schon kurzluftig. Im Naßtauchanzug brauche ich mit meiner 12 l Flasche maximal 2 kg, hier packte ich schon 8 Kilo ein. Inclusive Fußblei, denn die Füße sollen im Trocki unten bleiben. Völlig geschafft vom Anziehen begab ich mich auf die letzte Stufe.

Neben dem Fußblei hatten wir kurz vor der Fahrt nach Horka noch den Tipp bekommen, uns Flossen mit weniger Auftrieb zu besorgen, was wir brav getan hatten.

(Korrektur: DEINE Flossen hatten zu viel Auftrieb, meine nicht! Ich hab mir dekanterweise Splitfins geleistet, die weniger Wasserwiderstand haben. Haben sie auch. Wenn man flosselt spürt man sie fast nicht. Hach, das geht ja richtig leicht. Angenehm leicht. Sehr leicht. ZU leicht!!!!! Ich hab meine Flosse verloren!!!!!!!!!!!)

Ehrlich gesagt war ich mehr als nervös. Man hört Geschichten über Taucher, die Luft vom Trocki in die Beine bekommen und so unter Wasser einen Kopfstand machen und ungebremst an die Oberfläche schießen. Da ich aus leidlicher Erfahrung weiß, dass ich zu solch blöden Zwischenfällen besonders am Anfang neige, sah ich es schon kommen, dass ich von der letzten Stufe ins Wasser glitt um sofort Kopf zu stehen.

Es half aber nichts. Den Mutigen gehört die Welt. Also wagte ich den Schritt ins Wasser. Hier fiel mir zweierlei auf:

Erstens: Aaaaah….kalt. Sehr kaltes Wasser. Igitt!!! Nein, nicht was Sie jetzt denken. Der Anzug war dicht. Aber trotzdem spürte ich die umgebende Kälte sehr deutlich. UUhhh! (Memo an mich: für solche Aktionen in Zukunft dickere Unterzieher!!!!)

Okay, an dieser Stelle schalten wir mal schnell um in die Sendezentrale zum Zentralsender, und zwar zur…

Hobbythek

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der “Hobbythek”, liebe Bastelfreunde! Für diejeningen unter unseren Lesern, die noch nie einen Trockentauchanzug im Wasser anhatten: Da hab ich mal was vorbereitet! Falls Sie das Gefühl mal nachvollziehen wollen, dann nehmen Sie einen Einmal-Gummihandschuh (zum Beispiel aus dem Verbandskasten),

Gute Idee! Nächste Verkehrskontrolle: “Zeigen Sie mal Ihren Verbandskasten! Wo sind denn die Handschuhe?” – “Äh… ich habe da ein Flat Flute Diver Experiment gemacht…” – “WAS haben Sie gemacht???”

… nehmen Sie einen Einmal-Gummihandschuh, zur Not tut’s auch ein Haushaltshandschuh, füllen Sie ein Waschbecken mit 10 ° C kalten Wasser (zur Not tut’s auch 10 ° warmes Wasser) und halten Sie die Hand rein, und zwar so, dass kein Wasser in den Handschuh läuft. Genau so ist das Gefühl im Trockentauchanzug am ganzen Körper. Danke für die Aufmerksamkeit, zurück zu meiner liebreizenden Kollegin.

Zweitens: Die praktische Anwendung der Tauchphysik in Bezug auf den Wasserdruck. Wenn wir also im Naßtauchanzug tauchen, merken wir vom Druck außer an den Ohren nicht wirklich etwas. Auch ein Schwimmer würde den Wasserdruck an den Beinen im Wasser nicht merken. Aber! Der Trilaminat-Trockentaucher merkt ihn bereits an der Oberfläche! Ich trieb wie ein Korken an der Wasseroberfläche und wartete noch auf Thorsten, da merkte ich bereits, dass der Trockentauchanzug an meinen Beinen  klebte wie ein lästiger Duschvorhang, der elektrostatisch aufgeladen ist und den arglosen Duscher nervt. Na, das konnte ja heiter werden. Denn bereits an der Oberfläche bewirkte der klebende Trocki, dass die Bewegungsfreiheit der Beine zum flosseln eingeschränkt ist.

Wir tauchten ab. Das erste Mal. Leider war die Sicht sehr milchig, was daran lag, dass es in Horka auch tagelang vorher geregnet hatte. Wir wollten erst mal auf 7 m bleiben und ein bisschen rumtauchen, um erst mal ein Gefühl für den Trocki zu kriegen. Ich tauchte mit Majki, Thorsten mit Babsi. Los gings.

Es war, wie ich befürchtet hatte. Je tiefer wir kamen, desto mehr klebte dieser Trocki an den Beinen und desto steifer wurde er. Ich ließ zwar Luft hinein, aber die drang nicht bis zu den Beinen vor. Sollte sie nach Möglichkeit auch nicht. Sie erinnern sich? Kopfstand! Ich ertrug es und tauchte weiter. Inzwischen war ich allerdings tiefer, als ich eigentlich wollte, ein Blick auf meinen Tauchcomputer zeigte mir 16 m an. Das merkte ich daran, dass ich den Eindruck hatte, dass es mir die Schuhsohlen in die Zehenzwischenräume ziehen würde.

Das Gesetz von Boyle besagt, dass das Volumen eines Gases sich umgekehrt proportinal zum Druck verhält.

Sabbel doch nicht so geschwollen rum. Man könnte ja meinen, du hättest Physik studiert. Außerdem heißt der Typ Boyle-Mariotte nur zur Information!

Okay, irgendso ein physikalischer Grundsatz sagt, dass sich irgendwas irgendwie verhält, wenn irgendwas passiert. Was genau, das diskutieren wir dann noch aus. In unserer Situation beim Tauchen jedoch galt: je mehr Druck, desto weniger Volumen. Das bekommt man im Trocki sehr deutlich mit. Und ich war sowieso noch sehr vorsichtig, da das Ablassen der Luft aus dem Anzug über das Ventil im Oberarm eine sehr ungewohnte Sache war. Es galt nicht nur zu vermeiden, dass Luft in den Beinen dafür sorgte, dass man sich auf dem Kopf stellte, sondern auch dass die sich beim Aufstieg wieder ausdehnende Luft einen aufpumpte wie ein Michelin-Männchen und man mit Impulsgeschwindigkeit gen Oberfläche schoss. Also lieber nicht zu viel Luft reinlassen und oft ablassen.

Insgesamt war es eine interessante Erfahrung, aber ich merkte schnell, dass das Trockentauchen noch sehr viel Übung braucht. Alleine das Tarieren mit dem Anzug ist nicht so leicht, wie man sich das vorstellt. Arm hoch, um Luft aus dem Anzug zu lassen? In der Theorie vielleicht… Das wollte nicht klappen, und schon stieg ich ungewollt auf. Mit der Zeit lernte ich, dass ich nicht nur den Arm hochnehmen muss, sondern auch den Arm anwinkeln sollte, dann klappt es schon viel besser.

Dabei zeigte sich ein Nachteil meines Jackets: es hat keinen Tarierschlauch, sondern einen an der linken Seite angebrachten Tarierhebel.  Um Luft sowohl aus dem Jacket als auch aus dem Anzug abzulassen, musste ich zwei gegenläufige Bewegungen machen: Nach oben, um Luft aus dem Anzug zu lassen, nach unten, um an den Tarierhebel zu kommen.

Verstehe. Zwei gegenläufige Bewegungen überfordern Dich. Du bist wohl nicht belastbar was? 🙂

Es ist nur geringfügig schwierig, den Arm gleichzeitig hochzunehmen und nach unten an den Tarierhebel zu greifen. Das eine schließt das andere aus. Das ist fast wie in diesem Gedicht: “…drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft…”

Länger als 30 Minuten war bei dem Tauchgang nicht drin. Es war einfach zu kalt. Wir tauchten wieder auf. Offenbar zog ich ne Schnute, denn Majki merkte gleich, dass ich mit der ersten Trockierfahrung nicht zufrieden war. Er meinte, ich solle mich nicht aufregen, die ersten Male seien nun mal gewöhnungsbedürftig und nach ein paar Tauchgängen würde man das Engegefühl an den Beinen gar nicht mehr merken. Er behielt Recht. Also, nicht dass man es nicht merken würde, aber man gewöhnt sich dran.

Außerdem würde man sich daran gewöhnen, dass man am Anfang immer so eine gewisse Unsicherheit hat: Warum ist es gerade kalt? Ist es einfach nur kalt – oder hat der Anzug ein Loch, und es ist deswegen kalt, weil man gerade geflutet wird, wie die Tauchzelle eines U-Boots?

Was sich bei mir noch als Problem herausstellte: Ich hatte halbtrockene Handschuhe an. Der Größe S, jedoch stellte sich heraus, dass ich trotzdem noch einen Überstand von 2 cm an den Fingerkuppen hatte. Somit gestaltete es sich ziemlich schwierig, das Lufteinlaßventil des Trockis zu bedienen. Auch hier müsste ich in Kürze Abhilfe schaffen, also kam das Problem auf die “to do Liste for diving”.

Jetzt hatten wir noch eine Herausforderung vor uns: Der Ausstieg. Dazu in der kompletten, nassen Ausrüstung knapp 100 Treppen hoch. Ich schnaufte aus dem Wasser, und *Trommelwirbel… schon stand ich wieder da wie das Topmodel* persönlich. Schultern zurück, Brust raus, Bauch raus rein. 😎   Da stimmte doch was nicht. Am Abend merkte ich auch sehr deutlich meine Schultergelenke. Inzwischen weiß ich auch, woran das liegt. Mein Jacket ist mir zu groß und sagen wir eher mal: zu breit. Ich musste künftig die Brustschnalle zuerst zumachen und maximal anziehen, bevor ich den Rest schließen konnte, dann klappte es auch mit dem Flossenanziehen…

* = GNTTM, oder wie? “Germany’s Next Tauch-Topmodel” Ich stell mir das schon vor, wir ächzen die Treppen hinauf, und oben steht Heidi Klum und kritisiert unsere Gangart. Die war natürlich nicht sonderlich elegant, aber: Alles Gewohnheitssache. Hoffe ich jedenfalls. Denn es stand uns ja noch was bevor: den Abschluss des RESCUE DIVER – Prüfung und Freiwassertauchgänge.

Unterwasserfotografie – Eine Einführung

Als der Tauchsport anfing, für breitere Massen interessant zu werden, gab es bereits Souvenirjäger, die an ihre Tauchgänge unbedingt Andenken haben wollten und dies damit erreichten, dass sie Fische fingen oder harpunierten oder Korallen, Steine, Muscheln, ja, ganze Wrackteile mit sich nahmen. Im Laufe der Zeit wurde dieser Trend durch die Unterwasserfotografie verdrängt, zum Glück, muss man sagen, denn wie wir heute wissen, sind Fischbestände gefährdet und Korallen brauchen eine sehr lange Zeit, um nachzuwachsen, nachdem jemand etwas abgebrochen hat. Doch die Unterwasserfotografie musste – genauso wie das Tauchen selbst – erst einmal “Massetauglich” werden. Die erste Zeit gab es nur sehr teure und sehr schwere, hinderliche Ausrüstung. Allein die Tatsache, dass moderne Kameras nur noch einen Bruchteil der Größe alter Kameras haben und trotzdem sehr gute Bilder liefern, hat hier sehr geholfen. Und auch die Hersteller haben mittlerweile das Potential erkannt, das hier steckt. Doch bevor man drauflos geht (bzw. im Internet drauflos surft) und sich eine Ausrüstung zulegt, sollte man gewisse Überlegungen anstellen. Hier im FFD-Blog wollen wir mit diesem Artikel eine Reihe über die Unterwasserfotografie beginnen und mit eigenen Erfahrungen anreichern. Zuerst aber ein paar allgemeine Dinge.

Unterwasserfotografie

Unterwasserfotografie

Das Fotografieren unter Wasser bringt ein paar Tücken mit sich, die man an Land nicht unbedingt hat. Tücke Nummer 1: Man ist unter Wasser. Fotoapparate mögen das nicht. Stumm leidend hauchen sie ihr elektronisches Leben aus, wenn Wasser in sie eindringt. Daher braucht man entweder eine wasserdichte Kamera oder aber eine wasserdichte Hülle für den Apparat. Tücke Nummer 2: Um ein ruhiges Bild zu bekommen, kann man sich nicht immer einfach mal irgendwo abstützen, etwa wenn das zu fotografierende Objekt mitten in einem Korallenriff sitzt. Tücke Nummer 3: Das Wasser ändert Licht- und Farbverhältnisse, worauf man sich einstellen muss.

  • Unter Wasser

Wasser bringt für den Fotograf gleich mehrere Probleme mit sich: Nicht nur, dass das Wasser selbst seiner Kamera schaden kann, wenn man sich darin aufhält, es selbiges sogar noch im Nachhinein tun. Besonders Salzwasser ist hier zu nennen. Es kann auch Teile, die nicht mit ihm direkt in Kontakt kamen, zum Korrodieren bringen. Daher bedarf die Kameraausrüstung gerade nach Salzwassertauchgängen einer besonderen Pflege. Außerdem ist es wichtig, einen kleinen Beutel mit Trockensalz (Silica) während des Tauchgangs im Gehäuse zu haben. Das Trockensalz nimmt Feuchtigkeit auf, die durch Temperaturunterschiede entstehen kann (Kondenswasser). Der Beutel sollte regelmäßig gewechselt werden, da das Salz irgendwann “gesättigt” ist und keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann.

  • Mit ruhiger Hand fotografieren

Wie an Land auch wird ein Bild, das man nicht mit ruhiger Hand fotografiert, unscharf – es verwackelt. Und das ganz unabhängig davon, ob man Blende und Verschlusszeit selbst einstellt, oder die Einstellung der Kameraautomatik überlässt. Da es in manchen Fällen sogar notwendig sein kann, möglichst nah an ein Objekt heranzukommen, ohne damit zusammen zu stoßen, ist Tarierungskontrolle sehr wichtig. Und auch, damit die Umgebung beim Fotografieren durch den Fotografen keinen Schaden nimmt. Hier sollte man in “ungefährlichen” Umgebungen den Umgang mit der Kamera üben oder vielleicht auch einen Kurs belegen (wie z. B. “Peak Performance Buoyancy” von PADI).

  • Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten

Was die Optik betrifft, so sind es zwei Faktoren, die das Wasser beeinflusst. Zum einen filtert das Wasser das Licht, so dass mit zunehmender Tiefe die Farben verloren gehen, zum anderen befinden sich in natürlichen Gewässern zumeist Schwebeteilchen. Das Problem mit der Farbe fängt schon bei wenigen Metern an, rot geht als erstes verloren, so dass die anderen Farben überhand zu nehmen scheinen. Rote Muster zum Beispiel auf der Haut von Fischen erscheinen blass oder gar nicht mehr. Dem kann man nur durch eine eigene Lichtquelle, eine Unterwasserlampe oder einen Blitz, entgegen wirken. Doch dann bekommt man es mit den Schwebeteilchen zu tun, gerade im Licht von Blitzen leuchten diese kleinen Teilchen hell auf und sind auf dem Bild deutlich zu sehen. Außerdem irritieren sie den Autofokus der Kamera, wenn man zu weit vom zu fotografierenden Objekt weg ist.

  • Beherrscher der Technik

Zuletzt ist es noch wichtig, dass man die Technik der Fotoausrüstung beherrscht. An Land ist es weniger das Problem, hier kann man jederzeit im Handbuch nachsehen, wenn etwas unklar ist. Unter Wasser wird auch das Handbuch seinen Dienst versagen und sich in seine Bestandteile auflösen, mal ganz davon abgesehen, dass man häufiger mit Situationen konfrontiert ist, wo man einfach keine Zeit hat, irgendwas nachzuschlagen. Fische, die man selten zu sehen bekommt, bekommt man in den meisten Fällen deswegen so selten zu sehen, weil sie so scheu sind. Da heißt es: schnell sein! Ein kleiner Kniff, den Fotografen gerne mal verwenden, wenn sie in tieferen Gewässern ab etwa 18 bis 20 Meter fotografieren: Sie verwenden “Enriched Air” bzw Nitrox, weil der niedrigere Stickstoffgehalt den Kopf in diesen Tiefen klarer bleiben lässt. Allerdings muss man den Umgang mit der mit Sauerstoff angereicherten Luft in einem Spezialkurs lernen.

Die folgenden Artikel dieser Reihe behandeln die unterschiedliche Ausrüstung einschließlich Zubehör, die es für Unterwasser-Fotografen so gibt, und persönliche Erfahrungen. Dabei geht es nicht nur um Unterwasserausrüstung direkt, sondern auch um sonstiges nützliches Zubehör. Wenn Sie am rechten Rand auf “Kategorien” gehen, finden Sie alle Artikel zu dem Thema unter “Unterwasser-Fotografie“.

Dreikönigstauchen am Bodensee in Überlingen

Deutsche Gewässer haben im Sommer aus tauchtechnischer Sicht gesehen mithin ein Problem: Das warme Wetter regt das Algenwachstum an. Das äußert sich zum einen darin, dass man im Sommer sehr viel mehr Grundbewuchs hat. Teilweise wachsen regelrechte Wälder aus dem Grund, in denen sich ausgewachsene Taucher verstecken können. Aber auch das Wachstum von Kleinalgen wird verstärkt, was dazu führt, dass die Schwebeteile stark zunehmen. Die Sichtweite wird stark eingeschränkt und Bilder gelingen nicht immer so ganz gut, wie uns dieses in einem deutschen See gemachte Symbolbild verdeutlichen soll:

Schwebeteilchen verhindern die klare Sicht im Sommer

Schwebeteilchen verhindern die klare Sicht im Sommer

Danke, Rosi. Äh… das bist doch Du, Rosi? Nun ja, ich denke, das Problem wird deutlich. Im Winter hingegen ändert sich die Situation schlagartig, die Algenwälder sterben ab und die Schwebeteile verschwinden. Viele Taucher schätzen diese Komponente des Winters, auch wenn das Wasser wesentlich kälter ist als im Sommer. Auf der anderen Seite kann es jedoch sein, dass das Wasser wiederum eine höhere Temperatur hat als die Luft draußen. Wasser kann nämlich – zumindest in den Tiefen, in denen sich Sporttaucher rumtreiben* – niemals Minusgrade haben, sonst würde es gefrieren.

Mitten im Winter nun, einmal im Jahr am 6. Januar, dem Drei-Königs-Tag, treffen sich Taucher aus Deutschland und ganz Europa am Bodensee, genauer gesagt, in Überlingen, um das mittlerweile zur Tradition gewordene “Dreikönigstauchen” zu veranstalten. Ursprünglich war das ganze eine einmalige Aktion im Jahr 1970, die sich 1971 wiederholte, dann 1972… und so weiter. Geblieben ist es bis heute, organisiert wird es seit jeher von der Tauchgruppe Überlingen. 2010 ist damit ein rundes Jubiläum, es handelt sich um das 40. Treffen dieser Art.

Parkhaus Post - Zur Tauchbasis umfunktioniert

Parkhaus Post - Zur Tauchbasis umfunktioniert

Als ich an diesem Morgen in das Parkhaus “Post” in Überlingen einfahre, sehe ich schon die ersten Taucher. An den meisten Fahrzeugen, die auf der ersten Ebene abgestellt sind, stehen Frauen und Männer, die gerade dabei sind, ihre Ausrüstungen anzulegen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich ein Dreikönigstauchen besuche, doch diesmal habe ich ein komisches Gefühl dabei. Noch bis vor einem Jahr erschien es mir völlig abwegig, überhaupt in Deutschland tauchen zu gehen, egal zu welcher Jahreszeit. Nun, nachdem ich eine aufregende Sommersaison hinter mich gebracht habe, steht fest: der Sommer ist nicht genug. “Sieh sie Dir nur gut an”, scheint eine leise Stimme in meinem Kopf zu sagen, “irgendwann stehst Du auch mal so da.” Aber dieses Jahr noch nicht. Für das Tauchen im Winter braucht man spezielle Ausrüstung, mit der man umgehen können sollte – beides ist bei mir nicht der Fall. Noch nicht.

Direkt beim Parkhaus “Post” befindet sich einer der Überlinger Tauchplätze. Man überquert die Straße und geht am Minigolfplatz an den See. Dort befindet sich eine Treppe, die hinab ins Wasser führt. Ein Schild mahnt: “Tauchen nur nach links”. Und für den Fall, dass einer nicht weiß, wo “links” ist, ist das Wort auch noch mit einem Pfeil eingerahmt, der in die entsprechende Richtung zeigt. Das hat einen Grund, rechts von dem Einstieg befindet sich der Mantelhafen, und damit eine Schifffahrtsrinne. Das Tauchen ist hier viel zu gefährlich. Zumindest sonst. Aber an Dreikönig ist alles ein wenig anders.

Warnschild am Tauchplatz "Parkhaus Post" in Überlingen.

Warnschild am Tauchplatz "Parkhaus Post" in Überlingen.

Der 6. Januar ist der einzige Tag im Jahr, an denen es den Tauchern erlaubt ist, an dieser Stelle nach rechts abzubiegen. Im restlichen Jahr ist der gesamte Uferbereich in Überlingen zwischen dem Mantelhafen und dem Hafen beim Westbad absolute Sperrzone für Taucher. Und hier befindet sich auch einer der beiden Stände, bei denen sich die Taucher beim Einstieg in eine Liste eintragen, und bei der Rückkehr wieder austragen lassen können. Das dient der Sicherheit, damit gewährleistet ist, dass auch alle wieder an die Oberfläche kommen. Außerdem gibt es eine Regel, die besagt, dass der Tauchgang nicht länger als 60 Minuten gehen darf. Meldet man sich nach spätestens 60 Minuten nicht zurück, rücken die Rettungstaucher der DLRG aus, die schon vor Ort Stellung bezogen haben.

Sicher ist sicher: Die DLRG in Stellung.

Sicher ist sicher: Die DLRG in Stellung.

Die meisten Taucher, die sich im Meldebuch des Postens am Einstieg “Parkhaus Post” eintragen lassen, versichern, dass sie auf keinen Fall länger als 60 Minuten im Wasser bleiben wollen. Ich kann es ihnen nachempfinden, da es auch außerhalb des Wassers extrem kalt ist. Eine Gruppe von drei Tauchern geht an mir vorbei. Wieder erfolgt die Mahnung: Nicht länger als eine Stunde! “Auf gar keinen Fall!”, versichert einer der Taucher und deutet auf seine beiden Kameraden: “Höchstens dreißig Minuten. In Eurer Ausrüstung eher zwanzig.” Der Taucher, der das sagt, trägt einen Trockentauchanzug, seine beiden Kameraden sind “halbtrocken” unterwegs. Das Wasser des Sees hat 5 ° Celsius. Ich versuche, mir das vorzustellen. Die kälteste Temperatur, die ich bei meinen Tauchgängen bisher hatte, war 8 ° beim Tieftauchgang in Horka. Ich war zwar auch im Halbtrocken-Anzug unterwegs, aber wir sind aus der wärmeren Oberflächenschicht in die Tiefe gegangen. In der Tiefe selbst haben wir uns nur kurz aufgehalten, bevor wir wieder ins Wärmere sind. Das war schon nicht gerade angenehm. Nein, bei solchen Temperaturen werde ich wohl eher ein “Trockentaucher” sein. Früher oder später.

Tauchplatz "Parkhaus Post"

Tauchplatz "Parkhaus Post"

Solche Begegnungen zeigen auch, dass es gemeinhin doch mehr vernünftige Taucher gibt, als man vielleicht glauben mag. Leider finden hauptsächlich die Geschichten ihren Weg in die Medien, in denen sich Taucher unvorsichtig, ja verantwortungslos verhalten haben. Die Tauchgänge, bei denen dann irgendetwas schief gegangen ist. Die vielen Tauchgänge, bei denen gar nichts passiert, sind dazu nicht spektakulär genug.

Meine Finger werden klamm, und das trotz Handschuhen. Die Luft hat Minusgrade, die Wetterstationen sind sich nicht einig, zwischen – 4 ° und – 7° C schwanken die Angaben. Egal, es ist kalt. Um mich ein wenig zu bewegen, gehe ich zum zweiten Einstiegspunkt direkt am Mantelhafen. Dazu muss ich das Hafenbecken umrunden. Auf meinem Weg kommen mir zwei Taucher in Ausrüstung entgegen. Einer vom beiden atmet ob der  Ausrüstung auf seinem Rücken schwer und setzt sich auf die Betonhalterung einer Sitzbank, um zu verschnaufen. Die Bank selbst wurde für den Winter abmontiert. Ich bin erleichtert, dass es nicht nur mir so geht mit der Ausrüstung, vor allem, nachdem ich auf eine 15-Liter-Flasche umgestiegen bin.

Einstieg "Mantelhafen"

Einstieg "Mantelhafen"

Auf der anderen Seite des Hafens wurde ein zweiter Stand errichtet, an dem sich Taucher ins Meldebuch eintragen lassen können. Ursprünglich gab es nur diesen Einstiegsplatz, aber nachdem die Zahl der Taucher zugenommen hatte, wurde beschlossen, einen zweiten “offiziellen” Einstieg zu ermöglichen. In früheren Jahren gab es hier auch so eine Art Wettbewerb, von dem ich allerdings in den letzten Jahren nichts mehr mitbekommen habe: Besonders draufgängerische Schwimmer konnten hier ins Wasser einsteigen – und zwar in Badekleidung. Wer es trotz der Kälte schaffte, eine Runde im Hafenbecken zu schwimmen, bekam einen Preis und eine heiße Dusche. Aber a propros “Preis”: Einer der Höhepunkte des Dreikönigstauchen ist die “Schatzsuche”. Irgendwo in dem Bereich, der an diesem Tag betaucht wird, wird eine Schatztruhe versteckt. In ihr befinden sich neben Edelmetall und Säcken mit Goldsand auch zwei Flaschen mit “Taucherwasser”, wie es auf der Webseite vom Dreikönigstauchen charmant umschrieben wird. Das Edelmetall und die Goldsäcke sind natürlich nur Zierde, es geht dabei rein um den Spaß – und natürlich das “Taucherwasser”. 🙂 Natürlich haben die “alten Hasen” da einen gewissen Vorteil, da sie das Gebiet und alle möglichen Verstecke schon kennen. Und jene, die früh dran sind. Das Tauchen beginnt offiziell um 7.00 Uhr in der Früh, und tatsächlich finden sich auch schon vorher Taucher ein.

"Mein... Schatzzzzzzz! Gollum!"

"Mein... Schatzzzzzzz! Gollum!"

Direkt neben dem Mantelhafen-Einstieg ist ein Bratwurststand aufgebaut, wo auch Glühwein ausgeschenkt wird. Natürlich dient diese Wegzehrung auch der Versorgung der Taucher, aber ebenso für die Neugierigen, die dem Spektakel beiwohnen wollen, und die Vertreter der Presse, die man heutzutage “Medien” nennt. Es werden Bilder für die Lokalzeitung geschossen und Leute fürs Radio interviewt. Nach all den Jahren ist das Dreikönigstauchen doch immer noch ein Ereignis. Das spiegelt sich auch in den Nummernschildern der Autos wieder, die auf dem Parkplatz am Mantelhafen und im Parkhaus Post stehen. Selbst der Norden der Republik ist vertreten.

Und auch als Zuschauer bekommt man ein bisschen was mit. So kann man zum Beispiel die Taucher tatsächlich durch die Wasseroberfläche sehen. Das Wasser ist extrem klar, im Uferbereich sieht man den Grund auch in mehr als zwei Metern Tiefe sehr deutlich, etwas, das etwa im Sommer ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Gute Sicht in kaltem Wasser.

Gute Sicht in kaltem Wasser.

Mir wird immer kälter. Das Wetter ist doch nicht so angenehm. Ich werde darum gebeten, eine Gruppe Taucher zu fotografieren, die ein Souvenir an diesen Tag haben wollen. Das erledige ich natürlich gern. Wie ich gelesen habe, gibt es von der Tauchgruppe Überlingen für jeden teilnehmenden Taucher an Dreikönig einen speziellen Stempel fürs Logbuch. Ein weiteres nettes Souvenir. Ich trage mich mit dem Gedanken, langsam aufzubrechen, als ein Taucher zum Meldestand zurückkehrt, der berichtet, dass er wegen eines technischen Defekts einen unkontrollierten Aufstieg aus 40 Metern Tiefe gemacht hat. Er wird den Leuten von der DLRG übergeben, die ihn durchchecken und überwachen.

Dann mache ich mich endgültig auf den Weg. Im Parkhaus komme ich wieder an vielen Tauchern vorbei, die meisten davon haben jetzt allerdings ihren Tauchgang schon beendet und ziehen ihre Anzüge aus. Wieder überkommt mich ein komisches Gefühl, als ich im Geiste das vergangene Jahr Revue passieren lasse. Es hat sich verdammt viel getan (die regelmäßigen Leser dieses Blogs wissen, wovon ich rede), und 2010 wird wohl genau so weitergehen. Und möglicherweise werde auch ich in einem Jahr dastehen und mich meiner nassen Sachen entledigen, wer weiß? Noch ein Jahr zuvor erschien mir der Gedanke abwegig. Ich werde mich einfach überraschen lassen, was in den nächsten 365 Tagen so alles passiert. Und wenn es so sein soll, dann möchte ich aber auch so einen Stempel für mein Logbuch. Und dann gibt es an dieser Stelle einen Bericht aus der Sicht eines Teilnehmenden, nicht nur eines Zuschauers.

“Die Taucher sind schon ein eigenes Volk.”
(Kommentar eines Tauchers auf die Frage eines Journalisten)

Mehr Informationen gibt es unter www.dreikoenigstauchen.de.

* = Für das kurze Klugscheißen zwischendurch: Es ist sehr wohl möglich, dass Wasser Minusgrade hat, ohne zu gefrieren. Das findet aber nur in extremen Tiefen statt. Dort gefriert das Wasser wegen des hohen Drucks nicht, allerdings treiben sich in diesen Tiefen in den allerseltensten Fällen Sporttaucher rum.

HORKA – Das Tauchparadies in Sachsen Teil 2

50 % der Flat Flute Divers hatte die erste Nacht in Horka damit verbracht, Mücken zu jagen. Die anderen 50 % hatten geringfügige Einschlafschwierigkeiten aus Gründen, die wie immer nicht ausreichend genug erforscht wurden. Wahrscheinlich, weil es so ruhig war im Zimmer.

Annette: 50% der Flat Flute Divers schlugen am nächsten Morgen die Augen auf und sahen auf die unzähligen Leichen an den Wänden. Erschreckend, dass ein Flat Flute Diver zu so etwas überhaupt fähig ist. Das schlechte Gewissen kroch in mir hoch, dass ich so viele Leben in nur einer Nacht auslöschen musste. Mit dem Vorsatz, meinen Weg nicht mit noch mehr Leichen zu pflastern, stand ich auf und beschloss als Zeichen meines guten Willens nicht auch noch Majki umzubringen für sein Geschnarche, sondern ausnahmsweise mal Gnade vor Recht walten zu lassen…

Doch am nächsten Tag ging es los! Gestärkt durch ein Selbstversorgerfrühstück machten wir uns an die erste praktische Einweisung des “Enriched Air Diver”-Kurs. Muss ich erwähnen, dass wir beide die Kursunterlagen in den Wochen vor dem Kurs förmlich aufgesogen hatten (das Resultat davon sollte sich am gleichen Abend zeigen 🙂 )? “Nitrox” oder “enriched Air” ist Luft, deren Sauerstoffanteil erhöht wurde, wodurch der Stickstoffanteil verringert wird. Da es sehr wichtig ist, genau zu wissen, mit was für einer Mischung man taucht, ist das erste, was der Taucher macht, die Luft in seiner Flasche zu analysieren. Zwar kann man sich bei einem guten Gasmischer darauf verlassen, dass er keinen Pfusch baut, Kontrolle ist aber trotz allem besser. Und sogleich bekamen wir demonstriert, warum es wichtig ist, ein eigenes Analysegerät zu haben. Majki hatte eine 32%-Mischung bestellt und es sollte eigentlich auch eine sein. Nachdem das Gerät auf 21 % kalibriert war, konnte man sehen, wie die Anzeige, sobald es an die Flasche angeschlossen war, stieg: 25 %… 30 %… 32 %… 33 %… okay, noch innerhalb der Toleranz… 34%… hä? In der Tat blieb die Messung erst bei 37 % stehen. Wie sich bei einem Vergleich herausstellte, funktionierte das Gerät nicht richtig.

Dann machten wir uns daran, unsere Ausrüstung anzulegen. Dabei stellte sich heraus, dass an Annettes Anzug ein Faden hing; eine Naht an der Schulter war aufgegangen. Aus der Spurenlage kombinierte ich folgerichtig, dass der Faden wohl nicht so fest saß und vom Klett des Nackenverschlusses aufgerissen worden war.

(Also wenn ich dich nicht hätte… Sherlock… dann wüßte ich wirklich nicht, was ich tun sollte. Deine detektivischen Fähigkeiten sind unglaublich. Es wäre jedoch praktischer, wenn du dir mal handwerkliche Fähigkeiten aneignen würdest. Dann hättest du den Faden gleich mal wieder annähen können.)

Frauen! Mit nichts zufrieden. Immerhin habe ich mich eingebracht.

Dann aber stand die erste Herausforderung an: in voller Montur (die über 20 kg wiegt) die Treppe am Steinbruch heruntergehen, um zum Wasser zu gelangen.

Auf dem Weg von der Basis Horka zum Tauchsee

Auf dem Weg von der Basis Horka zum Tauchsee

Ein Frühsport der besonderen Art, eine Kombination aus Gewichtheben und Hindernis-Gehen. Schließlich aber kamen wir unten an. Die Treppe führt bis ins Wasser und dort sogar noch weiter bis in drei Meter Tiefe. Neben der Treppe befindet sich eine Schwimmplattform, die… äh… ja… ganz nett ist, um Sachen drauf abzulegen (bei Bedarf auch fotografierende Schweizer). Und für andere nützliche Zwecke.

Wir richteten uns, um die Ausrüstung in Position zu bringen und…

“Geh doch da rein je-hetzt!”

Okay, Madame hatte ihr Blei noch nicht gerichtet. So wurde es zu meiner Aufgabe, mit HANDSCHUHEN (!!!!) (und zwei linken Händen, hast du vergessen zu erwähnen) ihr Trimmblei in die entsprechenden Taschen im Jacket zu stecken. Nun, nicht dass nicht gern an ihr rumfummle, wenn man mich schon dazu auffordert, aber die Tatsache, dass ich Handschuhe trug und sie in einem Neoprenanzug steckte, dämpfte die erotische Komponente erheblich.* Noch dazu, da dieses Hagel-und-Granaten-Blei einfach nicht in die Tasche reinwollte!! Mit Eidgenössischer Hilfe in Form des AOWD-Schülers Jonathan, der mit an die Plattform gekommen war, schafften wir es aber dann doch, die Gewichte in sämtlichen Taschen zu verstauen.

"$*#@! Blödes Blei, gehst Du jetzt da rein?"

"$*#@! Blödes Blei, gehst Du jetzt da rein?"

*Ich wußte ja schon immer, dass Du anders bist als alle anderen Menschen. Aber wie man doch auf diesem Bild erkennt, (danke übrigens, ich liebe es, mit dieser bekloppten Kopphaube abgelichtet zu werden) befindet sich das Trimmblei hinten in meinem Jacket. Insofern würde ich gerne mal wissen, was daran EROTISCH sein soll! Dein heißer Atem in meinem Genick? 🙂

Nicht mal das funktioniert ja, wenn man die ganze Ausrüstung anhat. Ich sagte es ja. Jedenfalls, dann ging es ab ins Wasser. Beim Abtauchen hörte ich das Surren eines Motors – es waren Aquascooter-Fahrer unterwegs. Sowas. Und wir mussten uns mit Muskelkraft fortbewegen.

Der “Enriched Air Diver” ist eigentlich – zumindest für den Lehrer – ein relativ undankbarer Kurs. Wenn man mit Nitrox richtig umgeht, merkt man nämlich eigentlich keinen Unterschied zu einem anderen Tauchgang. Es ist die Vorbereitung, auf die es ankommt und die aufwändiger ist, außerdem muss man auf die für die eigene Mischung geltende Tiefe achten. Aber während des Tauchens ist eigentlich nichts anders. Den “Effekt” von Nitrox kann man nicht vorführen, und mal einfach so die Sicherheitstiefe unterschreiten, um dem Schüler zu zeigen, wie sich so ein Krampfanfall anfühlt, ist keine gute Idee. Andererseits ist es auch entspannt, weil man sich auf den Tauchgang konzentrieren kann. Und so erforschten wir den Tauchsee von Horka.

Die Sicht war an diesem Tag gut, aber nicht ganz gut. Nachdem wir ein paar Meter getaucht waren, nahm ich in der Ferne einen Schatten war. Und dann brach er durch die Diese und kam auf uns zu: der König der Meere, Carcharadon carcharias, der “große weiße Hai”, das Maul halb geöffnet und seine gewaltigen Zähne präsentierent. Zur Sicherheit bewegte ich mich in eine aufrechte Position, um diesen schnellen Jäger nicht zu provozieren und legte meine linke Hand an mein Tauchermesser, wohlwissend, dass ich diesem Giganten damit nichts entgegenzusetzen hatte, aber es gab mir ein beruhigendes Gefühl. Ich hatte Glück, es war ein kleines Exemplar, nur ungefähr zwei bis zweieinhalb Meter lang; sollte es zu einer gefährlichen Situation kommen, würde ich vielleicht doch eine Chance haben.  Ich positionierte mich vor Annette, um ihr im Notfall Schutz zu geben. Dann achtete ich darauf, ob der Hai Zeichen zeigte, dass er uns aus seinem Revier haben wollte.

Auge in Auge mit dem "Räuber der Meere"

Auge in Auge mit dem "Räuber der Meere"

Bereits vor dem Tauchgang erklärte uns Majki, dass in dem Tauchsee Haipuppen installiert worden waren, und bei schlechterer Sicht kann man erschrecken, denn sie tauchen urplötzlich aus der Dunkelheit auf. Wir tauchten ein Weilchen, bis wir sie erreichten. Aus der Entfernung sahen sie richtig echt aus. Ich ließ mich absinken und begab mich auf Augenhöhe, um die Attrappen zu fotografieren, da schoss plötzlich Thorsten mit einem Messer bewaffnet an mir vorbei und schlug mir fast die Kamera aus der Hand. Mir war nicht klar, was ihn in diesem Moment gebissen hatte, der Hai konnte es nicht sein, Attrappen beißen ja nicht. Leider trug sein merkwürdiges Verhalten dazu bei, dass mir die Bilder verwackelten.

He, ich bin ein Held! Bisse von Plastikhaien können ganz schön gefährlich sein, weil… weil… darum eben! Zur Deiner gepflegten Information, ich habe Dich unter Einsatz meines eigenen Lebens und meiner Gesundheit gerettet! Ich habe die Haie in Schach gehalten, damit Du sie fotografieren konntest. Und weil Du dabei vor Aufregung so gezittert hast, deswegen sind die Bilder verwackelt!

Ich habe höchstens vor Wut gezittert weil die Bilder nichts geworden sind!

Dieser Tauchgang war jedenfalls eine ziemliche Abwechslung zum Schluchsee, nicht nur wegen der völlig anderen Unter-Wasser-Landschaft, auch wegen der Sichtweiten. Nachdem wir unsere erste Erkundungsrunde beendet hatten, durften wir die Stufen wieder nach oben steigen und uns an der Basis unserer Ausrüstung entledigen. Danach wurde der Tauchgang nachbesprochen. Wir legten eine Pause ein, während Majki sich um seinen AOWD-Schüler kümmerte.

Dann brachen wir zu einem “normalen” Tauchgang auf. Die erste Überraschung brachten unsere beiden Tauchcomputer, die sich weigerten, von Nitrox auf Luft zurückgestellt zu werden. Wir mussten sie auf “Nitrox 21 %” einstellen (21 % = normaler Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft), wie wir erfuhren, ist das Absicht. Dann erkundeten wir den See auf eigene Faust. Es gibt einige Installationen für Taucher, die Haie sind nur eine davon. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber es gibt diverse Figuren, in größerer Tiefe auch ein Fahrrad und ein Motorrad. Mal ganz davon abgesehen ist die Umgebung faszinierend, die steil abfallenden Wände, die gebrochenen Steine, die so daliegen, als hätte man die Arbeit an dem Steinbruch einfach eingestellt – und bei genauerer Betrachtung ist ja genau das passiert. Und natürlich jede Menge echte Fische, die sich wiederum als sehr geduldig für Taucher herausstellten.

Da ich nun endlich meinen Kompass hatte, fiel mir die ehrenhafte Aufgabe zu, die Führung zu übernehmen und zu navigieren. Auf der Basis unseres Nitrox-Tauchgangs hatte ich einen Bogenkurs (WAS? Das ist mir ja das Neueste!) berechnet und geplant, der uns ein Stück in den See hinein-, und dann wieder in Richtung der Basis zurückführen sollte. Punktgenau wie ich es berechnet hatte, landeten wir eine Bucht links neben dem Ein- und Ausstieg, ungefähr fünfzehn Meter von der Treppe weg.* Das war eine kleine Herausforderung, die ich in meine Kursberechnung mit aufgenommen hatte. Zurück zum Ausgangspunkt zu navigieren, das wäre ja einfach gewesen. Ich wollte es etwas schwieriger haben und hab es auch geschafft. Ja-ha, das hab ich wohl.

Tauschee Horka: Einstieg und Schwimmplattform vom Wasser aus gesehen

Tauschee Horka: Einstieg und Schwimmplattform vom Wasser aus gesehen

*So. Dann darf der werte Herr heute mal navigieren. Der Mann, der Bauchkrämpfe vor Lachen hatte, weil ich im Schluchsee Schwierigkeiten hatte. Der Mann, der keine Gelegenheit ausläßt, mich mit meinen Schwächen aufzuziehen. Na dann… ICH hab Navigationspause! ER hat ja jetzt einen eigenen Kompass. Und kann ja eh alles besser als ich!  Ich schwimme nur deinen Flossen hinterher! Jaja. Öhm… wo sind wir denn jetzt? Das hier kenn ich noch nicht! Aha, und jetzt kommt das Auftauchzeichen. Kenn ich. Hab ich auch immer so gemacht, wenn ich nicht mehr wusste, wo wir waren. Aber, aber… Herr Supernavigator, was machen wir denn hier in der Bucht NEBEN dem  Ausstieg! Sind wir vom Kurs abgekommen? Und das in einem so begrenzten Gewässer wie der Tauchsee Horka? Ach nein, oben schriebst du ja was von einem “Bogenkurs”. Punktgenaue Berechnung… ist klar.

Sabotage! Ich habe alles genau berechnet! Es muss sich um technisches Versagen handeln! Ja genau, das Eisen in der Treppe am Ein- und Ausstieg hat die Kompassnadel abgelenkt!

Bestimmt sogar. Aber es könnte auch ein Tauchkollege gewesen sein, der sich zufällig in deiner Nähe aufhielt und auch noch ein stark eisenhaltiges Mittagessen zu sich genommen hatte. Erbseneintopf zum Beispiel… Das Leben ist ja richtig gemein zu dir!

Ja. *Schluchz!

Am Abend war die Theorie dran. Sie erinnern sich, dass ich was davon schrieb, dass wir die Theorie schon vorher aufgesogen hatten? Wir bekamen einen Vortrag, rechneten Beispiele durch – und dann machten wir die Prüfung, die wir mit Bravour bestanden. Hat mich nur ein paar Nerven gekostet, aber mein Gott, jeder Mensch hat 760.000 Kilometer Nervenfasern in seinem Körper, was bedeuten da schon ein paar weniger? Aber sie war geschafft. Nun mussten wir die Theorie mit Praxis so weit wie möglich unterfüttern. Und dazu sollten die nächsten Tage dienen. Da man uns einen Tauchgang mehr als eigentlich für den Kurs vorgesehen war angedeihen lassen wollte, würde wir auch Notfallmanöver üben.

Kurzbericht des Notfallmanövers 1: Flat Flute Diver (männlich) in Panik (die größte Anzahl an Tauchunfällen erfolgt ÜBER Wasser, Lehrbuch “Rescue Diver” Seite sowieso)

Am Abend diskutierten wir die Theorie. Ich habe gerne Prüfungen hinter mir, deshalb bestand ich drauf, die Prüfung sofort zu machen. Der Tag war lang gewesen und anstrengend, und leider war es auf der Basis auch laut. Das lenkte zugegebenermaßen ab, aber ICH, das Konzentrationsgenie, hatte damit keine Probleme. Im Gegensatz zu Thorsten. Von Minute zu Minute sah man seine Stirnadern anschwellen, weil er sich “verzettelt” hatte. Leider hatte er den kritischen Punkt bereits überschritten, in dem er sich durch einen Moment Ruhe hätte wieder fangen können. Bei den Diskussionen hallte seine Stimme immer lauter von den Wänden wider, und inwischen sah ich sogar das Mobiliar in Gefahr. Zusammengeballte Fäuste, pochende Stirngefäße, wutverzerrtes Gesicht! GEFAHR! STOPPEN, DENKEN, HANDELN! / Lehrbuch PADI Rescue Diver Seite sowieso).  Da hilft nur eins: Bergen aus der Gefahrenzone, Unterbringung in einer Isozelle (Tür zu!) und Ablenkung. Beruhigende Stimme. Sanfte Worte. Bei Bedarf auch Psychopharmaka, bereits in der Fertigspritze aufgezogen in meiner Hosentasche. Mit Notfallsituationen kenn ich mich aus! Aber dank meiner psychologischen Fähigkeiten konnte ich die Situation ohne medikamentöse Hilfe in den Griff bekommen. Die Tür wurde wieder geöffnet und die Prüfung war bestanden!

Sie erwarten nicht allen Ernstes, dass ich dazu was sage? Nö. Tu ich nicht. Ich bin die Ruhe selbst…. grrrrrrrrrrrrrrrrr… *Zähneknirsch

Notfallmanöver 2: Flat Flute Diver (weiblich) NICHT in Panik (oder: vorbildliches Verhalten in einer kritischen Situation)(Lehrbuch: Rescue Diver für Flat Flute Diver, Seite sowieso)

Die Situation: Ein Mädchen geht nach erfolgreicher Prüfung in ihre Schlafunterkunft und wird mit einer Spinne konfrontiert. Gelassen klopft sie an die Türen der männlichen Mittaucher und bittet einen, die Spinne zu entfernen. Ach, Jonathan… mein Held! *schmacht

An dieser Stelle könnte ich mich lang und breit darüber echauffieren, dass “Madame Ungeduld” es nicht abwarten konnte, bis ich das Problem gelöst hätte (6 Wochen später bei deiner “ausgeprägten Ruhe….”, bis dahin wäre die Spinne längst von selbst verstorben und ich hätte eine weitere Leiche in meinem Zimmer gehabt!) , sondern gleich Rotalarm auf der ganzen Basis ausgelöst hat. Ich tu’s aber nicht, denn ich bin die Ruhe selbst. Denn wissen Sie, wenn Madame dann beim Schreiben aus Versehen ein Bild aus einem Artikel unserer Webseite löscht (oder so), dann bin ich wieder der Held, der es richten darf. Ja, bin ich. Ich hab ja schließlich auch Narben (man beachte die Mehrzahl: Narben). (von Plastikhaien wohlgemerkt…)

Immerhin, so weit waren wir den Kurs mit Erfolg angegangen. Und zwei Tauchtage warteten noch auf uns. 🙂

HORKA – Das Tauchparadies in Sachsen Teil 1

Die erste Tauchausfahrt unseres Taucherlebens…

Ja, so war es wirklich. Gerade war ich von Ägypten wiedergekommen, kaum zwei Tage zu Hause, und schon durfte ich wieder tauchen gehen. Doch dieses Mal war es etwas Besonderes, denn wir übernachteten auf einer Tauchbasis und durften das erste mal den “Lifestyle des Tauchens” hautnah miterleben. Wir waren richtig gespannt.

Da wir eh vor hatten, den Nitrox-Kurs noch vor unserem Tauchurlaub im November zu machen, bot es sich an, ihn in Horka zu machen. Doch bevor es soweit war, galt es erst einmal einige andere kleineren Hindernisse zu nehmen.

Zuerst einmal – Horka liegt um die 700 km von uns entfernt. Das heißt, Koffer packen, Tauchausrüstung samt Flaschen, und natürlich Verpflegung, denn die Basis ist für Selbstversorger ausgerichtet.

Thorsten fährt einen Lupo, in den zwar erstaunlich viel hereingeht, aber indiskutabel für eine Fahrt mitsamt dem halben Hausrat ist. Ich fahre einen Audi, schon besser, aber dank des Stufenhecks brauchte ich auch nicht einmal im Traum dran zu denken, die Gegenstände alle unterzubringen. Höchstens mit offenem Dach. Und Thorsten hätte auch noch auf Koffern sitzen müssen. Thorsten? Äh… Thooorsten! Das mit dem offenen Dach war wohl doch keine so gute Idee…

Da war guter Rat teuer. Aber… wie es der Zufall so will, sprach mich mein Vater an. Er fährt noch einen uralten Passat Kombi. Und den wollte er wegtun, da er selber nicht mehr fahren kann. Wegtun? Ja, war er von allen guten Geistern verlassen? Das PERFEKTE Flat Flute Diver Auto wurde an diesem denkwürdigen Tag geboren!

Thorsten: Auf zum Flat Flute Diver Mobil! Nanana nanana – Flate Flute!

Und Leute, lacht nicht, selbst der Passat Kombi war genagelt voll. Alles nur wegen Thorsten. Ihr macht Euch kein Bild, was der alles mitgeschleppt hat. Mein Gepäck war dezent…aber Mr. “Ich-muß-immer-übertreiben” hatte an (fast) alles gedacht. Und da heißt es immer, Frauen würden so viel Zeug mitschleppen – weit gefehlt! Meine Augen wurden umgekehrt proportional immer größer zum Platz im Kofferraum…

…so, jetzt mal schauen, Abendgarderobe für Galaempfänge, Taschenlampe, Ersatztaschenlampe, Taschenlampe als Ersatz, falls die Ersatztaschenlampe ausfällt, Neoprenreparaturset, Nähmaschine, Dampfbügelstation, Kuckucksuhr (des Heimatgefühls wegen; ich wohne zwar nicht im Schwarzwald, aber ist halt ein Stück Stüddeutschland), Notfallapotheke, Werkzeugkasten, um die Notfallapotheke aufzukriegen, 200 Liter Wasser, falls der See Niederigstand hat…

(du hattest ein Neoprenreparaturset dabei? Und ne Nähmaschine? Wieso sagst du nichts? Dabei hast DU doch festgestellt, dass an meinem Neopren ein Faden aufgegangen ist!)

(Dabei ja – aber leider kenn ich mich mit dem Zeugs nicht aus. Hätte ja sein können, dass uns ein Schneider über den Weg läuft.)

Aber immerhin. Innerhalb kurzer Zeit waren wir startklar (nachdem Herr Reimnitz selbstverständlich 15 Minuten zu spät kam…) und konnten abfahren. Über Ravensburg Richtung Ulm, weiter Richtung Hof, Dresden, so war die grobe Route vorgesehen. Glücklicherweise gibt es heutzutage Navigationssysteme.

Bij de rotonde links afslage… wie bitte?

(Wer bitte hat das Navigationssystem auf holländisch eingestellt??)

(Das war ich. Noch nie was vom “fliegenden Holländer” gehört? Ich dachte, so kommen wir schneller ans Ziel.)

Die Fahrt verlief soweit störungsfrei. Thorsten entpuppte sich als schlechter Beifahrer, da er bei jeder Gelegenheit nervös zusammenzuckte, entweder mitbremste oder schon die Hand an der Tür zum Aussteigen hatte. Dummerweise vergaß er, den Sicherheitsgurt vorher zu lösen, so konnte er nicht abspringen. Hähä.

He, würden Sie einer Frau trauen, die mit einem völlig überladenen Auto durch die Gegend fährt? Und dass ich nicht abgesprungen bin, hat nur einen Grund: Weil Du die Kindersicherung in der Tür aktiviert hattest!

Überladen? Sag mal gehts noch? Was kann ich dafür wenn DU den halben Hausrat einpackst?? Ich hätte doch den Audi nehmen und das Dach offen lassen sollen…

Nachdem wir ungefähr dreiviertel der Strecke zurückgelegt hatten, erreichte uns ein haarsträubender Anruf von Majki. Stolz, pünktlich weggekommen zu sein, wähnten wir uns kilometerweise vor ihm, doch es stellte sich heraus, dass ER kilometerweise uns voraus war. Ich konnte mir das nicht erklären. Kann nur an der Zeitverzögerung wegen dem Beladen des Autos gelegen haben… tzzzz…

Frauen! “Männer sind doch alle gleich”, heißt es immer. Und wenn mal einer nicht gleich ist, ist es auch nicht recht. Ha! Dafür dafür benutz ich mein Hochleistungsmückenradar jetzt allein! So!

Kurz vor dem Ziel mussten wir leider nochmal tanken, denn mein Tank ließ uns netterweise 20 km vor Horka im Stich. Dadurch verzögerte sich unsere Ankunft nochmal, was Mr “Ungeduld-Majki” veranlasste, sich noch einmal telefonisch zu erkundigen, ob wir noch leben würden. Ich schon… Thorsten auch, denn er hatte es ja nicht geschafft, aus dem fahrenden Auto zu springen (die Kindersicherung, Sie erinnern sich?). Aber ich will nicht schimpfen, er hat sich auch nützlich gemacht. Als ich getankt habe, reinigte er vorbildlich meine Scheiben. 😀

Reiner Selbstschutz! So viele Mücken und Fliegen und sonstige Insekten, die da von draufklebten… kein Wunder, dass Du die letzten paar Kilometer schon Schlangenlinien gefahren bist.

Endlich da!

Wir begrüßten uns erst einmal herzlich, dann lernten wir “Knoppers” kennen, (zu dem Zeitpunkt hieß er noch Jonathan), der vor lauter Hunger schon fast vom Fleisch gefallen war. Nach einer kurzen Essenspause begannen wir mit dem gemütlichen Teil des Abends. Schwätzen, trinken, spielen. Und zwar Karten. Man nennt das Spiel auch “Arschloch”. Die Rollen waren bald klar verteilt. ICH war natürlich Dauerkönig, Thorsten und Majki abwechselnd Dauerarschloch (zensiert) die ewigen Verlierer. Der Abend war wirklich lustig, auch wenn wir unseren schweizer Eidgenossen erst mal kaum verstanden haben.

“WIR”? Ich höre immer “wir”… DU hast den Eidgenossen nicht verstanden! Ich bin familiär vorbelastet, was Schwyzerdüütsch betrifft, mir war jedes Wort so klar wie… Fischsuppe!

Moment mal! Du hast gesagt, du seiest ein Preuße? Und jetzt dann noch Schweizer? Ich glaub ich spinne! Was bist du denn für ein Mischling hä? Hast du ne Steuermarke am Halsband? 😀

Ich hab nicht gesagt, dass ICH Preuße bin, meine Familie kommt aus dem Eck. Aber das ist schon lang her. Und Schweizer eigentlich auch nicht – Grenzgebiet Deutschland-Schweiz, aber deutsche Seite. Und außerdem, wenn Du ein bisschen mehr Interesse für unsere südlichen Nachbarn zeigen würdest, hättest Du die Sprache auch lernen können. Nimm Dir ein Beispiel an mir! Ich bin nämlich in Rheinland-Pfalz geboren und hab ihn trotzdem verstanden! Bäh!

Tu ich doch! Hab ich doch! Hyvää päivää! Puhutko saksaa? 😀

🙂 Kyllä, mutta valitettavasti puhun vain vähän suomea. Wij spreken juist van het Zwitserse Duits!

Dann bezogen wir unsere “Zimmer”. Spartanisch eingerichtet, aber nett und sauber. Nachdem ich erst mal 17   Mücken totgeschlagen hatte, begab ich mich zur Nachtruhe. Wohlig kuschelte ich mich unter die Decke und wollte gerade den Lichtschalter ausmachen, da hörte ich ein dezentes Sägen in meinem Ohr. WER SCHNARCHT HIER? Das darf echt nicht wahr sein! Thorsten ist das nicht, das weiß ich von good old egypt her, das kann ja nur… EINER sein. MAJKI! Ich überlegte. Was tun? Wüste Handzeichen würden hier nicht weiterhelfen, aber ich wußte auch nicht, an welche Tür ich hämmern sollte. Das Schnarchen schwoll crescendomäßig an, dann wurde es wieder leiser. So kann ich nicht schlafen. *grummelgrummel. Ich versuchte es mit “Tauchflaschenzählen”. Nutzte nix. Zudem, welche Flasche springt schon über einen Zaun…dann kam mir die rettende Idee. Ich bezog die leere Bettdecke neben mir, zog sie hoch, so, dass sie über meinem Ohr lag. Das Sägen wurde augenblicklich leiser. Sehr gut. So schlief ich dann ein, gespannt auf den nächsten Tag und mit dem Vorsatz, Majki erst mal am nächsten Morgen ordentlich den Rost runter zu machen… 😉

Dann bezogen wir unsere “Zimmer”. Spartanisch eingerichtet, aber nett und sauber. Nachdem ich keine Mücken erledigen musste, begab ich mich sofort zur Nachtruhe. Wohlig kuschelte ich mich unter die Decke und löschte das Licht. Dann schlief ich ein, ich hatte einen tiefen, gesunden Schlaf. ÄTSCH!

WER will das wissen??? WO ist der Bus mit den Leuten, die das interessiert? Und zudem konntest du nicht sofort einschlafen, das ist gelogen. Du hast ja immerhin gedacht, dass du auf ner Baustelle mit Presslufthammer schläfst, weil ich dauernd gegen die Wand geschlagen hab (Mücken…). Seliger Schlaf… dass ich nicht lache…

Du gönnst einem aber auch gar nichts. Ich möchte wetten, Du hattest gar keine Mücken im Zimmer, Du hast einfach so an die Wand gehauen, weil Du mir den ruhigen Schlaf nicht gegönnt hast. Deswegen ist auch bei jedem Rumpler ein Stück Putz von der Wand gefallen. Na, die nächsten Tage können ja lustig werden.

Erfahrungen: Noch mehr Freiwassertauchgänge

Unser erster Tauchgang “ohne Aufpasser” hatte uns (mal wieder) eins vor Augen geführt: Aller Anfang ist schwer. Immerhin hatten wir schon gesehen, dass wir als Team zumindest in so weit gut zusammen arbeiteten, dass wir uns in grenzwertigen Situationen an das hielten, was abgemacht war und kein Risiko eingingen, wo es nicht zu verantworten war.

Für den zweiten Tauchgang hatten wir uns dann eine andere Route ausgesucht. Nachdem wir beim ersten unser Ziel glorreich verfehlt hatten, wollten wir eine Stufe zurückgehen: Wir wollten einmal quer durch die Bucht bei Seebrugg navigieren. Respektive, das Navigieren sollte Annettes Aufgabe werden. Ich hatte ja noch keinen Kompass. Die Rolle des Chefnavigators übernahm sie mit großer Ernsthaftigkeit und bei diesem Tauchgang lieferte sie gleich zwei Punktlandungen: einmal quer durch die Bucht zur anderen Seite und wieder zurück zum Einstieg! Genau wie geplant.  Meine Bewunderung hatte sie damit – und meinen Neid. Ich wollte auch so toll navigieren*. Nun, dass ich keinen Kompass hatte, habe ich schon erwähnt, und den von Annette konnte ich nicht nehmen, da sie eine Konsole hat, wo Finimeter, Tauchcomputer und Kompass fest zusammengebaut sind. Ich wollte mir eigentlich dann ein Angebot für eine solche Konsole machen lassen, aber – um hier mal vorzugreifen – daraus wurde nichts.

*Annette: ich erröte gleich vor Scham! Und das kommt selten bei mir vor! Das kann ja nur ironisch gemeint sein. Ich trau dir nicht…aber war auch nicht nötig. Vor lauter Neid wolltest du mir ja erschwerte Bedingungen verschaffen und hast einfach das Licht ausgeknipst. (Flat Flute Adventure Dive No 1: Navigieren in der Dunkelheit!) Sie erinnern sich an die Bilder vom Schluchsee? Thema Nachttauchgang am Tag? Dann können Sie sich vorstellen, dass Kompasslesen ohne Licht nicht so einfach ist. Ich habe die Situation auf  meine Art gelöst. Eine schallende Ohrfeige später leuchtete die Funzel wieder 😀

HE, normalerweise haut man das Gerät, das nicht mehr funktioniert, und nicht den, der es trägt! So weit ist es gekommen, ich bin der Funzelträger für Madame und darf mich auch noch schlagen lassen. Nicht genug damit, dass die Lampe selber einiges Gewicht hatte. Mein armes Handgelenk!

Eine Woche später war unser nächster Tauchtag, und wieder musste Annette den Chefnavigator machen. Das Wetter war diesmal wesentlich schlechter und wir erfanden spontan den “Flat Flute Diver Adventure Dive No. 2: Tauchen im Regen”. Ich vermute mal, dass sich Annette nach dem Erfolg der Woche zuvor keine Blöße geben wollte und war noch konzentrierter, als wir wieder quer durch die Bucht tauchten. Nun ist es so: Auf der Strecke quer durch die Bucht liegt die Übungsplattform der örtlichen Tauchschule. Diese tauchte plötzlich vor uns auf. Ich sah sie rechtzeitig und wich aus, doch Annette war so auf den Kompass konzentriert, dass es zu folgender Situation kam, die auf Video festgehalten ist:

So. Dieses Mal genau nach der Nadel schwimmen…ich werde sie keine Sekunde aus den Augen lassen, damit sie keine Chance hat, sich heimlich in einem schwachen Moment zu verstellen um mich in die Irre zu führen…

In letzter Sekunde konnte ich Annette warnen, bevor sie mit dem Kopf genau an die Stahlumrandung der Plattform gerumpelt wäre.

Wäre ein kurzer Tauchgang geworden. Das jedenfalls steht fest. Hätte sicher eine nette Platzwunde gegeben. Quatratisch in Form des Metallträgers. “Wo hast du die Platzwunde her?” – “Vom Tauchen!” – “Ja klaaaaar….” . Eigentlich müsste ich dir dankbar sein. Aber mir kommt so spontan eine Frage: Mußt du eigentlich jeden Scheiß filmen? Seltsamerweise bekomme ich immer die Patzer nachher auf Video vorgeführt, ich glaube, das besprechen wir nochmal unter 4 Augen Freundchen…

Fürher gab’s mal so Fernsehsendungen, die haben Geld für solche Szenen gezahlt… “Pleiten, Pech und Pannen” und so… man kann ja nie wissen, wenn die wieder Konjunktur haben, dann werde ich reich… äh… ich meine, WIR werden reich.

Davon abgesehen war es aber wieder eine Punktlandung (logisch!). Im strömenden Regen tauchten wir auf der anderen Seite der Bucht auf. Wir besprachen den Weg, dann visierte Annette den Ausstieg an und wir machten uns auf den Rückweg. Auf dem Weg kamen wir an einem Fisch vorbei, der sich an einem Torfballen versteckt hatte und machten einen Halt für Fotos.

Ein geduldiger Schluchsee-Fisch

Dabei fiel mir etwas unangenehm auf: So richtig konnte ich die Position nicht halten. Den Fisch störte es zum Glück nicht, aber ich hatte nun definitiv das Gefühl, mit der eigenen Flasche viel zu schwer zu sein.

“Fischus Geduldicus”. So war die genaue, lateinische Bezeichnung. Diese spezielle Sorte eignet sich definitiv nicht für Seebebenwarnungen, denn sie sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Noch nicht mal durch dich!

Tarieren in Perfektion sah anders aus. Und dann noch die schwere Lampe dazu, die ich für Madame tragen durfte. Doch angespornt von dem Erfolg des “Quer-durch-die-Bucht-Tauchens” versuchten wir beim Wiederholungstauchgang nun noch einmal das versunkene Boot zu finden. Um es kurz zu machen – nein, wir haben es wieder nicht gefunden.

Aber die Galerie! Die haben wir gefunden. Auf der Basis fragte man taktvollerweise schon gar nicht mehr nach, ob wir “DAS BOOT” gefunden hätten. “DAS BOOT” kann mich langsam mal am…

…am Seegrund liegen bleiben, wolltest Du wohl sagen, oder? Nun, unsere weiteren Pläne standen zu dem Zeitpunkt schon ziemlich fest: Als nächstes kam der “Enriched Air Diver” dran, da wir vorhatten, beim nächsten Aufenthalt in Ägypten, eine ziemliche Anzahl von Tauchgängen zu machen und wollten die Stickstoffbelastung etwas reduzieren. Unser Tauchlehrer hatte uns schon beim Pooltauchgang vom OWD zu einer Tauchtour in einen Ort mit Namen “Horka” eingeladen. Im Rahmen dieser Tour würden wir nun den neuen Kurs machen. Für unseren Ägypten-Urlaub stand der “Advanced Open Water Diver” fest.

Red doch nicht so geschwollen daher! Von wegen, “wir wollten die Stickstoffbelastung in Grenzen halten….*flöt!”. Du warst doch nur scharf auf ein Kärtchen von PADI! Damit du, wenn du nach deinem Brevet gefragt wirst, gleich mal ne Palette Karten rausholen kannst…”Welches möchten Sie denn sehen…?”

Na und? In Amerika brauchst Du ja schließlich auch mehr als eine Kreditkarte, und… he, Moment, was red ich denn da? Natürlich lag mir nur Deine Gesundheit am Herzen. Ich rette Dich vor Kopfplatzwunden, bin ein Licht in der Dunkelheit und sorge mich um Deine Stickstoffbelastung – und wie dankst Du mir das? GAR NICHT! So, bäh!

Außerdem ist das mit den Kärtchen ganz nett, je mehr Gold im Logbuch ist, desto…

Ich bin gerührt, dass Du Dich so sehr um mich sorgst… mmmhhhhhppppffwuahaha….  Nein ehrlich… buahah… STOP jetzt. Ich werde ausnahmsweise mal einen Pluspunkt für dich in mein “schwarzes Buch” notieren…

ÄHM! Zurück zu den wichtigen Dingen: Den nächsten Tauchgang machten wir wieder mit meinem Kollegen, um uns der als OWD erlaubten Tiefe von 18 Metern etwas mehr zu nähern. Danach gingen wir getrennt auf Tauchgang – Annette verbrachte mit einer Freundin einen Kurzurlaub in Ägypten und nutzte diesen für einen Ausflug.

Ja! Ich bin dir entkommen! Und es war trotzdem schön. So! Mein Buddy beim ersten Tauchgang hieß Kamel, und der Buddy beim zweiten Tauchgang stellte sich an wie ein Kamel! Wie du siehst, hab ich dich gar nicht vermisst! 🙂

Ach so?? Pah, ich hab Dich noch mehr nicht vermisst als Du mich, ich ging nämlich wieder an den Schluchsee und machte diesmal einen Tauchgang mit Babsi, Majkis Frau. Das ehrgeizige Ziel war, diesmal endlich das versunkene Boot zu finden. Okay… es war Babsis Ziel, ich hatte ja noch immer keinen Kompass (Himmelherrgottnochmal! Zensiert!). Aber was soll ich sagen? Wir fanden die Galerie – und das Boot!

War ja klar! Aber “DAS BOOT” ist ja lächerlich gegen “DAS BOOT“, was ICH in Ägypten betaucht habe….*angeb 😀

Wie sie sich aufplustert… zu Deiner gefälligen Information, “DAS BOOT” hab ich auch schon mal betaucht, wie Du Dich vielleicht erinnerst. Aber nur vielleicht.

Vielleicht erinnerst DU dich, dass ich zu dem Zeitpunkt andere Sorgen hatte als darauf zu achten, ob du bei dem BOOT dabei warst oder nicht…

Das berühmte "Schluchsee-Boot".

(Das Foto ist leider nicht sehr gut geworden.) (Wen wunderts? Du bist Hobbyjournalist nicht Fotograf.)

Auf dem Rückweg kamen wir wieder an der Galerie vorbei, tauchten ein Stück weiter und… kamen wieder an der Galerie vorbei… hä? Wann bitte sind wir denn die Schleife geschwommen? Visuelle Navigation kann man hier wirklich vergessen. Na ja, macht nichts, dank meiner großen Flasche reichte mir die Luft und schließlich kamen wir auch beim Ausstieg wieder an – nach einem Tauchgang von 61 Minuten. Ich hatte bei diesem Tauchgang das Trimmblei weg gelassen und lag wesentlich besser im Wasser. Aber noch nicht so ganz gut.

Ich würde mal spontan sagen, dass du die Situation wieder mal typisch männlich völlig missverstanden hast. Babsi hat sich nicht vernavigiert. Sie war lediglich dein ewiges Gejammer leid. “Ich find noch nicht mal die Galerie…” Daraufhin ist sie in einer Endlosschleife um die Galerie getaucht. “Da ist sie, siehste, DA!”

Das hast Du jetzt typisch weiblich völlig missverstanden. Ich hab ja nichts von “vernavigiert” gesagt. Ich war nur überrascht, weil mir meine Orientierung wohl auch einen Streich gespielt hatte. Doch damit sollte nun Schluss sein! Denn es stand Horka an. In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt zu einer ehemaligen Taucherin gefunden, die Teile ihrer Ausrüstung verkaufte – darunter eine Schreibtafel und – ein Kompass! Na endlich!

DU hast einen Kompass…wenn’s hilft…da bin ich ja mal gespannt… 😉

Ja-ha, das hab ich wohl! Muss ich navigieren – soll ich?

Der erste Freiwassertauchgang zu zweit

Die Geschichte zweier Neulinge auf Exkursion

Einmal ist der große Tag gekommen. Als Scubadiver waren wir es gewohnt, nicht ohne Guide tauchen zu gehen. Jetzt waren wir Open Water Diver – und somit offiziell berechtigt, ohne Tauchlehrer oder Guide auf die Unterwasserwelt losgelassen zu werden.

Da wir die letzte Zeit fast ausschliesslich am Schluchsee getaucht hatten, beschlossen wir, unsere ersten gemeinsamen Erfahrungen auch dort zu sammeln. Im vorderen Bereich des Sees waren wir mehrfach gewesen und trauten uns das auch zu. Und so fassten wir das kommende Wochenende nach dem OWD-Abschluss auch gleich ins Auge.

Zuvor jedoch – ganz nach der lieben Gewohnheit, stattete dieses Mal Thorsten alleine einem Tauchgeschäft in Singen einen Besuch ab. Denn was ein richtiger Taucher ist – der braucht auch seine eigene Flasche. Eigentlich hätte ich gerne eine 10l-Flasche gehabt, und Thorsten eine 12l-Flasche, der Besitzer des Ladens riet ihm aber zu einer 15l-Flasche und mir zu einer 12l-Flasche. Nun gut. Einen Tag vor unserem großen Abenteuer holte Thorsten die Flaschen ab.

Thorsten: Preislich machte das nicht so viel aus und irgendwie musste ich ja dem Effekt entgegenwirken, ständig wesentlich weniger am Ende des Tauchgangs in der Flasche zu haben. Der Verkäufer berichtete mir von ähnlichen Erfahrungen mit seiner Freundin, die nach ihm mit dem Tauchen angefangen hatte, zunächst mehr Luft brauchte als er, ihn mittlerweile aber gnadenlos überholt hat. Da haben Männer den Frauen eindeutig einen Nachteil.

Auf dem Weg zum Schluchsee am nächsten Tag kamen uns aber dann Bedenken. Ob das wirklich so eine gute Idee war, völlig alleine gleich loszuziehen? Zwar wußten wir, dass wir uns unter Wasser aufeinander verlassen konnten, aber trotzdem ein komisches Gefühl. Wir ließen es auf uns zukommen. Die letztendliche Entscheidung wollten wir vor Ort treffen.

Kaum angekommen wurden wir freundlich wie zwei alte Bekannte begrüßt. Und wir fingen an, uns zu richten. Da kam Michael vorbei, und bot uns an, mit uns tauchen zu gehen. Mittlerweile waren wir uns aber einig geworden, dass wir es doch alleine versuchen wollten. Einmal hin – und wieder zurück, ganz nach der Vorlage von Bilbo Beutlin aus “Herr der Ringe”. Doch ganz so einfach war das freilich nicht.

Uns war natürlich klar, dass wir nicht mit dem Schlachtruf “Hurra, wir dürfen!” ins Wasser hüpfen und als erstes gleich mal auf die nach unserem Brevet erlaubte Höchsttiefe von 18 Meter gehen. Andererseits wollten wir aber auch Erfahrung sammeln, wie wir uns verhalten ohne “Aufpasser”. Der eingeschränkte Tauchgang in Gebiet, das wir schon kannten, schien uns da genau richtig.

Zuerst einmal waren wir ziemlich erschrocken, als wir unsere Flaschen “schulterten”. Die waren nämlich ungewöhnlich schwer. Und zwar gleich so schwer, dass der arme Thorsten schon außer Atem geriet, bis er überhaupt im Wasser war. Was nicht zuletzt an der zusätzlichen Ausrüstung lag, die wir mitschleppen mussten. Kamera, Lampe… und so weiter.

Ich hatte das Gefühl, wenn ich noch was an mein Jacket hänge, fall ich um. Nicht weil ich kollabiert wäre, sondern einfach, weil mich das Gewicht zu Boden gezogen hätte. Und was das betrifft, da kommen wir gleich noch dazu.

Ja, sah nett aus. Die Ähnlichkeit mit Gollum aus “Herr der Ringe” war unübersehbar… 😀

Zzzz… mein Schatzzzzzzz… aber das passt wenigstens zu Bilbo Beutlin.

Gerade wollten wir losziehen, da riet man uns, doch entlang des Ufers zur Galerie und dem Boot zu tauchen. Dort waren wir einmal gewesen, beim ersten Tauchgang. Es durchkreuzte zwar unsere Pläne, aber wir stimmten zu. Wir meldeten uns ab und zogen los.

Draußen erwartete uns die nächste Überraschung. Bisher kannten wir den Schluchsee immer nur von der Schlecht-Wetter-Seite her, doch an diesem Tag war strahlender Sonnenschein. Dementsprechend war eine Menge auf der Wasseroberfläche los, Schwimmer, Surfer, Tretboote, irgendwo fuhr auch noch eine Fähre herum… erschwerte Bedingungen also, denn das machte es uns fast unmöglich, mal eben so einfach aufzutauchen.

Wir besprachen die Route, ich peilte den Ausstieg an, und los gings. Das Abtauchen klappte gut, wir sollten mit der rechten Schulter zur Böschung zeigend einfach geradeaus tauchen. An sich nicht schwer. Leider jedoch stieß ich bei jedem Flossenschlag mit den Flossen an die Steinmauer, so zeigte ich Thorsten an, er solle ein Stückchen weiter links schwimmen. Und schon… dank der hervorragenden Sicht, hatten wir die Böschung aus den Augen verloren. Wir tauchten ein Weilchen geradeaus, jedoch war nirgendwo die Galerie, geschweige denn das Boot zu sehen. Nach 15 Minuten gab ich Thorsten das Zeichen zum Auftauchen, denn ich war mir nicht mehr sicher, wo genau wir eigentlich hingeraten waren.

Das nennt sich auch “Aufzugtauchen”. Rauf…

Es stellt sich heraus, dass wir zwar in die richtige Richtung getaucht waren, uns aber zu weit vom Ufer entfernt hatten. Anfängerpech. Da ich mich in der Richtung nicht besonders wohl fühlte, schlug ich vor, wieder zum Ausstieg zurückzutauchen und doch unseren ursprünglichen Plan – hin, und wieder zurück – umzusetzen. Ich tauchte ab und schwamm nach meinem Kompass.

…runter…

Keine 10 Minuten später musste ich mit Entsetzen feststellen, dass wir über eine Bodenwelle tauchten und plötzlich war unter mir alles schwarz. Sogar die Schwebeteichen fehlten. Der Schreck durchfuhr meine Knochen. Hier waren wir aber mal ganz sicher falsch. Die Schwärze unter mir zeigte mir an, dass es hier verdammt tief sein musste. Ich dachte kurz nach und entschied mich dann, sofort aufzutauchen. Eine etwas unangenehme Situation, denn ich wußte ja nicht, wo wir waren. Die Fähre kam mir in den Sinn. Wenn wir stark vom Kurs abgewichen waren, dann könnten wir in ihren Kurs kommen.

…und wieder rauf… (ach, halt doch jetzt mal die…. 🙂 )

Es kam noch was hinzu: wir kamen selbst immer tiefer. Nun waren wir zwar mit Tiefen um die 12 Meter schon vertraut, aber das wurde auch mir zu unheimlich. Wenn Sie die Beschreibung vom Schluchsee aufmerksam gelesen haben, werden Sie über die Passage gestolpert sein, dass jeder Tauchgang ab 12 Meter Tiefe unabhängig von der Tageszeit wie ein Nachttauchgang ist. Und wir waren gerade dabei, diese Grenze zu durchstoßen. Zwar hatte ich eine Lampe, aber wir beide hatten keine Erfahrung mit solchen Tauchgängen. Als Annette andeutete, dass wir auftauchen sollten, widersprach ich nicht. Keine Experimente! So tauchten wir extrem vorsichtig der Oberfläche entgegen. Das ganze wurde auch auf Video festgehalten und stellte sich so dar:

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Wir tauchten auf. Und tatsächlich. Wir waren schon ziemlich weit in der Seemitte angekommen. Was war denn nur mit dem verflixten Kompass los? Der wechselte seine Richtung aber auch wie ein Fähnchen im Wind. Thorsten verkniff sich taktvollerweise einen Kommentar, vermutlich merkte er, dass es mir langsam peinlich war, so einen Mist zusammen zu navigieren. Andererseits…. wer keinen Kompass hat, der darf ja gar nix sagen, also schweige an dieser Stelle! Oder hattest du etwa heimlich etwas magnetisches in deiner Tasche, um mich zu verarschen, hä?

Ich hatte an dem Morgen ein stark eisenhaltiges Frühstück aus Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, daran wird es wohl gelegen haben. Ich war höchstgradig anziehend an dem Tag. 🙂

Wir versuchten es ein drittes Mal. Wir tauchten ab, und … oh Wunder, wir trafen punktgenau den Ausstieg. Der Kompass hatte anscheinend ein Einsehen mit mir. Oder Thorsten hatte den Magneten verloren.

…und wieder runter…

Nein, die Hülsenfrüchte hatten ihre Wirkung getan und der magnetische Effekt verabschiedete sich in einer Flatulenz. Oder hast Du wirklich geglaubt, mein Jacket hat an DER Stelle ein Ablassventil?

W-wie? Was? WAAAAS?? Jetzt versteh ich endlich, warum die Fische in unserer Nähe alle bäuchlings nach oben getrieben sind… Sag mal, geht’s eigentlich noch? Reiß dich doch bitte ein BISSCHEN zusammen… oder gehört das zur Ausbildung des “Unterwassernaturalisten” dazu? “Homöopathischer Aufstieg” mit biologisch abbaubaren Gasen?

“Wenn sie schwer im Magen liegen, steh ich auf und lass einen fliegen…”, das wusste schon Otto zu berichten. Und dass man manchmal den Notablass betätigen muss, haben wir schon in der ersten Stunde im Pool gelernt.

Wo issn der Bändel zum Ziehen für den speziellen Ablass? Kenn ich noch gar nich…. 🙂

Also, das geht jetzt etwas zu… äh… das diskutieren wir privat weiter! Sagen wir, so gegen 8 Uhr am Abend, bei einem Candlelight-Dinner? 😉 Ich koch auch… vielleicht was mit Erbsen*…

*Nur unter der Bedingung, dass du dann auch die komplette Tauchausrüstung trägst… und ich ne kräftige Erkältung mit Beeinträchtigung des Geruchsinns hab…

Am Ausstieg trafen wir dann zwei liebe Bekannte, den Majki mit der Babsi! Babsi hatte mich offenbar schon an den Flossen erkannt. Wir hielten ein nettes Schwätzchen, dann stiegen wir aus. Um mehrere Erfahrungen reicher. Erstens: Mein Kompass kann mich nicht leiden, oder aber ich kann einfach nicht navigieren und zweitens: Unsere Flaschen sind einfach zu schwer für uns. Nicht unbedingt wegen der Schlepperei an Land, nein, wir durften auf diesem “technisch anspruchsvollen” Tauchgang auch noch feststellen, dass wir fast Schneisen in den Grund schlugen. Wir konnten kaum tarieren und mussten Unmengen von Luft in unsere Jackets lassen, um überhaupt tauchen zu können. Aber, es dauerte noch einige Zeit, bis wir dahinter kamen, wo das Problem lag… und wie wir Abhilfe geschafft haben.

Ich hätte noch ein paar von den Hülsenfrüchten mitnehmen sollen, wir hätten sie in unsere Schneisen einsäen können. Unterwasserfarming hat Zukunft. Wir sind unserer Zeit einfach voraus… Mich persönlich beschlich so ein Verdacht mit dem Gewicht der Ausrüstung. Mir tat schon das Handgelenk weh vom Lampe halten.

Ich werde das nächste Mal auf dein zusätzliches Ablassventil achten! Die Hülsenfrüchte machen mir langam Sorgen? Bist du etwa ein Erbsenfetischist?

So würde ich das nun auch wieder nicht bezeichnen. Ich mag sie nur am liebsten roh, direkt aus der Schote. Hat es nicht im Lehrbuch geheißen, Taucher sollen auf gesunde Ernährung achten? Du weißt doch, ich befolge solche Sachen immer brav und lerne stets fleißig.

Wieder in der Basis wurden wir schon fast für tot erklärt, weil wir selbstverständlich vergaßen, uns wieder anzumelden. Nachdem wir uns schriftlich wieder angemeldet hatten und somit wieder den Lebensberechtigungsschein besaßen wurden wir von allen Seiten gefragt, wie unser erster Tauchgang so alleine denn war. Leider wußte aber auch jeder, dass wir eigentlich die Galerie hätten besuchen sollen, und so drucksten wir herum, um schließlich zuzugeben, dass wir offenbar zu blöd waren, sie zu finden. In der Tat waren einige erstaunt, dass wir noch nicht mal die Galerie gefunden hatten, denn die sei doch quasi nicht zu verfehlen! Ach Leute, wenn ihr wüßtet was man alles so verfehlen kann… nicht findet, verschweigt… aber dazu dann das nächste Mal!

Äh… äh… wir haben uns gar nicht verirrt, selbstverständlich war das alles Absicht. Ich weiß zwar nicht, was wir in der Seemitte wollten, aber es hatte bestimmt einen guten Grund, fallera! Na ja, okay, hilft ja nichts, es abzustreiten, aller Anfang ist schwer. Und ich war in der glücklichen Lage, die Ausrede zu haben, dass ich ja die Rolle des Navigators nicht übernehmen kann, weil ich keinen Kompass habe. Insofern war das für mich alles voll locker und easy! Fallera!

Du wirst wohl auch kaum mehr die Gelegenheit haben, zu navigieren, jetzt wo ich von deinem zusätzlichen Ablassventil weiß. Dazu müsste ich nämlich etwas hinter dir schwimmen…vergiss es! Da bekommt doch der PADI-Kurs “Bubblemaker” gleich einen neuen Sinn!
Pah, das wirst Du schon noch sehen! Auf jeden Fall wussten wir eins: Jetzt NICHT aufgeben.

Tauchgebiete: Tauchsee Horka (Crostwitz, Lkr. Görlitz / Sachsen)

Nahe der sächsischen Stadt Crostwitz, beim Teilort Horka, gab es einen Steinbruch, der nach der Wende 1989 in private Hand kam. Doch der neue Betreiber hatte kein Glück mit dem Geschäft, so dass diesem schließlich das Geld ausging und die Stromversorgung des Steinbruchs gekappt wurde. Damit standen auch die Pumpen still, die kontinuierlich Wasser aus dem künstlich geschaffenen Talkessel abpumpten. Das Resultat war, dass das ganze Gebiet überflutet wurde. Der so entstandene See wurde schließlich als Tauchrevier entdeckt, es wurde eine Treppe installiert, die den Zugang erleichtert, sowie einige Dinge mehr.

Tauchsee Horka

Tauchsee Horka

Bei dem See befindet sich eine Basis mit Unterkünften, einem Aufenthaltsraum und einer ausgestatteten Küche. Des weiteren gibt es Unterrichtsräume, Räume zum Anlegen der Ausrüstung bzw. zum Aufhängen derselben nach dem Tauchgang sowie eine Station zum Flaschenfüllen. Es sei hier allerdings darauf hingewiesen, dass sowohl die Benutzung der Küche als auch der sanitären Einrichtungen den Gästen vorbehalten sind, die in der Unterkunft direkt wohnen.

Tauchsee Horka: Hauptgebäude

Tauchsee Horka: Hauptgebäude

Die Unterkunft ist mit mehreren Zimmern ausgestattet, die zweckmäßig eingerichtet sind. Das Übernachten hier ist günstig, wer es noch günstiger möchte, reist mit dem eigenen Zelt an: direkt neben dem Gebäude der Basis ist eine große Wiese zum Campen. Im Außenbereich des Hauptgebäudes gibt es zudem einen großen Tisch, sowie Bänke zum Ab- bzw. Anlegen der Ausrüstung, und eine Möglichkeit, diese zum Trocknen aufzuhängen.

Tauchsee Horka: Außenanlagen

Tauchsee Horka: Außenanlagen

Von der Basis aus muss man nur eine Straße überqueren, doch dann geht es an den Abstieg: Eine Stahltreppe führt an der Felswand entlang hinab in den Talkessel bis ins Wasser. Neben einer Schwimmplattform befindet sich der Einstieg. Die Treppen gehen unter Wasser sogar noch weiter bis in eine Tiefe von ca. 3 Metern. Wer den Weg mit der kompletten Ausrüstung zurückgelegt hat, wird nun belohnt: Mit dem eigentlichen Tauchgang.

Tauchsee Horka: Der Abstieg

Tauchsee Horka: Der Abstieg


Tauchsee Horka: Der Einstieg

Tauchsee Horka: Der Einstieg

Als Tauchgebiet ist der See für Taucher aller Erfahrungs- und Ausbildungsstände geeignet: Am Rand ist er bis zu 9 Meter tief, geht über 18 Meter bis zu seinem tiefsten Punkt, der laut der Karte, die mir vorliegt, bei 29 Meter ist. Die Sicht ist sehr gut, und zu sehen gibt es einiges. Da ist zu allererst einmal die Landschaft selber zu erwähnen – schroffe Felswände und Geröllhalden, die einen faszinierenden Anblick bieten. Dann haben sich einige Fischarten in diesem Gewässer niedergelassen, zur Hauptsache Barsche und Zander. Und dann gibt es da noch verschiedene Installationen für die Taucher, wie mehrere Haie, eine Biertischgarnitur, oder das alte Pumpenhaus, das völlig überflutet wurde und heute auf etwa 25 Meter Tiefe liegt. Es gibt noch viel mehr, aber ich möchte gar nicht zu viel verraten – es ist auch spannend, immer wieder neue Entdeckungen zu machen.

Tauchsee Horka: Carcharodon Carcharias (der "große weiße Hai")

Tauchsee Horka: Ein Flussbarsch

Tauchsee Horka: Ein Flussbarsch


Tauchsee Horka: Unterwasserlandschaft

Tauchsee Horka: Unterwasserlandschaft


Tauschee Horka: Einstieg und Schwimmplattform vom Wasser aus gesehen

Tauschee Horka: Einstieg und Schwimmplattform vom Wasser aus gesehen

Auch bei einer weiteren Anreise lohnt sich ein Besuch in diesem Tauchgebiet. Und ob man nun Anfänger ist, der seine Fertigkeiten verbessern oder erweitern möchte, oder bereits fortgeschritten, ist egal. Der See bietet für jeden etwas. Er ist zudem gut mit dem Auto zu erreichen, liegt gleichzeitig aber außerhalb der Ortschaft. Wer in der zugehörigen Unterkunft übernachtet, muss sich auf Selbstverpflegung einstellen, aber die Küche ist mit allen Gerätschaften, die man zum Zubereiten von Essen so benötigt, ausgestattet. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der näheren Umgebung.

In der Füllanlage der Basis kann man eigene Flaschen mit Pressluft füllen lassen, in der unmittelbaren Nähe befindet sich zudem eine Tauchschule, bei der man Nitrox bestellen kann. Noch mehr Informationen und Bilder über Horka und das Team der Tauchbasis findet sich im Internet unter www.tauchsee-horka.de.

Anfahrt

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Der OWD – Freiwassertauchgang 4

Wir hatten also die Theorie und den einen Freiwassertauchgang erledigt. Einen Tag später stand der nächste an – der letzte. Danach würden wir es geschafft haben. Aber zwischen uns und das “Open-Water-Diver”-Brevet hatten die Götter des Tauchens eine besondere Prüfung gestellt.

Die bekannten Übungen liefen eigentlich recht gut, Tarieren, schweben, Maske ausblasen. Dann die Kompassnavigation unter Wassser. Die Idee war, dass Annette bei Majki bleibt, während ich mit Babsi so weit weg schwimme, dass man gerade noch das Licht der Taucherlampe sehen konnte. Dann sollten Annette und ich abwechselnd das Licht mit dem Kompass anvisieren und ohne aufzusehen hinschwimmen. Die Idee war wie gesagt nicht schlecht, allein die Technik spielte nicht mit. Kaum hatten Babsi und ich den Punkt erreicht, da wir von Majki und Annette nichts mehr sahen, sondern nur noch das Licht von seiner Lampe erkannten, da meinte Babsis Lampe, dass nun der geeignete Moment sei, den Jahresurlaub einzureichen. Zack – und sie war aus. Drehen, klopfen, Voodoozauber, alles half nichts, sie wollte nicht mehr. Also mussten wir wieder zurück. Aus den Gesten, die Babsi machte, schloss ich, dass sie den gleichen Gedanken hatte wie ich: Wenn wir schon zurück zu den anderen müssen, dann könnte ich ja gleich die Navigationsübung machen. Majkis Licht sah ich ja. Und Annette hatte nichts zum Anvisieren. Gesagt (bzw. gedeutet) – getan. Ich visierte das Licht an und schwamm los. Und schon wieder musste ich davor bewahrt werden, mir den Kopf anzustoßen. Zwar kann man sich im Schluchsee fast nicht visuell orientieren, aber ich wollte trotzdem nicht schummeln und hielt daher den Kompass (geliehen!) fest im Blick, als plötzlich eine Metallstange vor mir auftauchte. Das war das Gestänge der Galerie, die dort versenkt war. Ich hatte also wieder eine Punktlandung hingelegt, aber dummerweise waren Majki und Annette nicht mehr dort. Wir hatten uns also verloren. Daher machten wir das, was Taucher in so einem Fall machen, kurz umsehen, suchen, auftauchen. An der Wasseroberfläche trafen wir uns dann wieder. Wie sich herausstellte, waren Annette und Majki uns entgegen gekommen und wir hatten uns knapp verfehlt. Aber was hatte Annette eigentlich anvisiert?

Annette: Eben, eben. Ich tauchte nämlich mit Majki los, und da ich nicht wußte, was ich anpeilen sollte, hab ich einfach mal geradeaus gepeilt. Unsicher, ob das jetzt so richtig ist, blickte ich hoch und da sah ich Euch uns entgegenkommen. Heee! Wohin bitte soll ich denn jetzt… Majki tauchte hinter mir her, ohne irgendwelche Anstalten zu machen… ich war irritiert. Jetzt kam aber noch ein Problem dazu. Meine rechte Flosse drohte abhanden  zu kommen. Also wenn ich schon keine Möglichkeit habe, selber abzuhauen, dann wohl meine Flosse. Ich setzte mich auf die Uferböschung und zog die Flosse fest. Majki gab mir das Zeichen zum Auftauchen. Oben angekommen meinte er, dass seine Frau wohl zu weit weg geschwommen sei, denn er könne ihre Lampe nicht mehr sehen. Ich sagte ihm, dass Babsi und Thorsten uns doch entgegen gekommen seien. Er wollte es nicht glauben, aber so war es. Das hatte mich nämlich komplett verwirrt. Wie soll ich peilen wenn mein Ziel auf mich zu kommt. Nun ja… Kurze Zeit später tauchten die beiden dann auf und wir hatten uns alle wieder. 🙂

Nun standen noch Notfallmanöver auf dem Plan. Das eine war die so genannte “Wechselatmung”, diesmal allerdings mit Aufstieg. Die Wechselatmung braucht man in dem seltenen Fall, wenn ein Taucher keine Luft mehr hat und aus irgendeinem Grund die alternative Luftversorgung seines Buddys ausfällt. Zwei Taucher teilen sich einen Hauptregulator und müssen währendessen natürlich auch noch an die Oberfläche kommen.

Ich sollte der “Geber” sein. Wir platzierten uns auf der im See versenkten Plattform und Annette gab mir das Zeichen, keine Luft mehr zu haben. Dann fingen wir mit der Wechselatmung an, und wir hatten recht schnell unseren Rhythmus gefunden, zwei Atemzüge ich, Regulator an Annette abgeben, zwei Atemzüge sie, Regulator an mich zurück… und so weiter. Dann das Zeichen: “Auftauchen!” Wir hielten uns an einander fest und stießen uns von der Plattform ab. Ich fing sofort mit Flossenschlag an, hatte allerdings ein Problem: da mein Jacket keinen herkömmlichen Inflatorschlauch hatte, der über die linke Schulter hängt, hätte ich zum Luft einlassen Annette länger loslassen müssen. Ich musste ja an den Hebel an meiner linken Seite kommen. Da ich nicht wusste, ob sie mir gleich abstürzt, wenn ich sie loslasse, verzichtete ich aufs Tarieren. Damit hatte ich leider kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu.

Bei der Wechselatmung ist man so dicht bei einander, dass man nichts weiter sieht, nur das Gesicht des Partners. Und man konzentriert sich natürlich auf den Regulator. Deswegen konnte ich nicht erkennen, was schief lief, als Annette plötzlich immer mehr in Rückenlage geriet. Ich fing noch mehr an zu strampeln, was aber die Lage nicht verbesserte, im Gegenteil. Es wurde immer schwieriger, Balance zu halten und gleichzeitig den Regulator weiter zu geben. Auf einmal gab es einen Ruck und reflexartig machte ich eine Ausgleichsbewegung. Dabei riss ich Annette den Regulator aus dem Mund. Sie reagierte, in dem sie auf Abstand von mir ging und nach ihrem eigenen Regulator angelte. Erst als ich sah, dass sie ihn hatte, nahm ich meinen wieder in den Mund. Aber ich hätte ihr den sowieso nicht zurückgeben können. (In der Tat. Ich hab mir schon vorher den Hals verrenkt, um überhaupt noch an deinen Regulator dranzukommen.) Ich hing nämlich fest. Erst jetzt konnte ich die ganze Lage überblicken: Wir waren in einen Torfballen gestürzt. Und mein linker Fuß war unter der Umrandung der Plattform eingeklemmt. Mit Mühe bekam ich ihn frei. Aber was war passiert?

Nun, die Optik hatte mir einen Streich gespielt. Da man im Schluchsee nicht sonderlich weit sieht, hatte ich keine Ahnung, wie weit hoch wir von der Plattform waren, als wir uns abgestoßen hatten. Ich hätte schwören können, dass wir mindestens zwei Meter hoch gekommen waren. Waren wir aber nicht, meine Flossenschläge hatten uns nicht nach oben, sondern zur Seite bewegt, kaum einen halben Meter über der Plattform. ( Tja… Orientierung ist halt nicht Jedermanns Sache, was…?) Annette kam deswegen in Rückenlage, weil ich sie auf den Torfballen, der neben der Plattform lag, schob. (Wüstling!) (Ach komm, Du wolltest es doch auch!) Dadurch sind wir offenbar wieder abgesunken und dabei hatte ich mir den Fuß eingeklemmt.

Nicht dass ich explizit darauf hinweisen wollte… aber fällt dir auf, dass du etwas unfall-lastig bist? Man könnte es fast schon als “ungeschickt” bezeichnen… 🙂 Na, da bin ich ja mal gespannt, was du in Zukunft noch alles so für Hämmer bringst…

Ich sagte es ja schon beim Schwimmbadtauchgang – irgendwas muss wohl sein. Aber es heißt doch, dass man nur dann ein wirklich “erfahrener” Taucher wird, wenn man auch ein paar unangenehme Situationen mitmacht. Insofern werde ich wohl irgendwann ein “verdammt erfahrener” Taucher sein. Immerhin gab uns beiden der Vorfall eine Lektion und da war ein besonderer Punkt – wir haben uns selbst geholfen und waren nicht in Panik geraten.

Tja. Pech gehabt. Die Chance, mich unter Wasser mit Hilfe eines als Unfall getarnten Manövers abzuhängen hat wohl nicht geklappt was?

Nein, im Ernst. Das war eine Situation, die gar nicht mal ungefährlich war. Ich würde durch Analyse dazu tendieren zu behaupten, dass der Wurm von Anfang an drin war. Ich glaube zwar, dass wir beide mit Flossenschlag an die Oberfläche gekommen wären, also auch ohne Luft im Jacket, aber ich denke, du hättest Luft ins Jacket lassen müssen, als wir noch auf der Plattform waren. So hatte ich es gemacht. Und zudem halte ich mich ja auch noch an dir fest, insofern kann ich nicht abstürzen.

Ja, es zeigt mal wieder eins: Solche Dinge muss man sich vorher im Kopf durchspielen, weil wenn es passiert, hat man nicht die Zeit, das Für und Wieder einzelner Maßnahmen abzuwägen. Ich musste eine Entscheidung treffen und hab mich leider falsch entschieden. Aber dafür sind solche Übungen da – um sowas herauszufinden und (hoffentlich) daraus zu lernen.

Ich war wohl etwas irritiert über die zunehmende horizontale Lage (aufdringlicher Kerl!), aber man ist ja flexibel. Ich erkannte gar nicht, dass hier ein Problem vorliegt. Erst als du mir den Regulator aus dem Mund gerissen hast bevor ich den 2. Atemzug machen konnte vermutete ich, dass hier etwas nicht stimmt. Denn bei allem gebührenden Hass füreinander ( 🙂 ), aber das würdest du nicht tun. Mir die Luft abschneiden. Oder? Oder? ODER???

Ach, mit wem würde ich mich denn dann streiten? My Life would suck without you…

Nachdem das passiert war, merkte sogar die helle Leuchte Annette, dass hier etwas gründlich daneben ging. Da Thorsten mich aber immer noch festhielt, der Gute, musste ich ihn etwas rabiat wegstoßen um ihm zu sagen: ” Hör auf mit der Übung”. Ich kruschtelte nach meinem Regulator, (Fehler! , denn der Oktopus wäre mit einem Griff in meiner Hand gewesen, zudem hielt mir offenbar Majki seinen Oktopus auch noch hin, den ich glatt übersah (sowohl den Oktopus wie auch Majki selber…)), versuchte gleichzeitig einen Druckausgleich, denn wir waren abgestürzt und meine Ohren zogen ziemlich und ich versuchte krampfhaft dran zu denken, wenn ich den Regulator im Mund habe, die Luftdusche zu drücken. Ich hatte nämlich auch noch wirklich “keine Luft” mehr. Und natürlich auch noch den Inflatorschlauch, um meinen Fall zu bremsen. Etwas kompliziert, aber ich schaffte es. Dann sah ich Thorsten abgestürzt weiter unten hängen, Majki war bei ihm. Gut, wir hatten zumindest beide keinen Schaden genommen. Und wir waren Majki im Nachhinein unendlich dankbar, dass wir diese Situation durchspielen konnten ohne dass er eingriff. Tätlich eingriff. So konnten wir eine Notsituation unter geordneten Bedingungen üben.

Nachdem die Situation geklärt war, wiederholten wir das ganze, diesmal unfallfrei. Die letzte Übung sollte dann der Notaufstieg sein. Notaufstieg bedeutet, ein Taucher hat keine Luft mehr und ist aus irgendeinem Grund zu weit vom Buddy weg, um von dem Luft zu holen. Das sollte nicht passieren, aber wenn es passiert, macht man einen Notaufstieg: durchgehend Luft aus dem Mund lassend strampelt man sich bis an die Oberfläche. Im Lehrbuch heißt es sogar: “Sing ein Lied bis an die Oberfläche.”

Ich wollte soeben den “Kammerton A” anstimmen, da fiel mir ein, dass meine Stimme nicht gerade für die Öffentlichkeit tauglich ist. Es gibt bessere. Ich war in Sorge um Majkis Brillengläser. Der machte nämlich den Notaufstieg mit mir zusammen. Zur Sicherheit, falls was schief laufen sollte.  Wie hätte das denn ausgesehen, wenn sie Risse bekommen hätten um schließlich in 1000 Scherben zu zerspringen…

Na dann… “*In a world of illusion and mystery there’s a secret between you and me, let me be your Oxygen… let me feel your breath again… Oxygen!*(1)”

Da ich den Regulator im Mund behielt, hatte ich ein kleines Problem: Ich konnte die Luft aus meiner Lunge nicht so ganz kontrolliert ablassen, da mein Mund ja sperrangelweit offen stand.  Ich kriegte das erst nach ein, zwei Sekunden hin, und da war schon ein ansehnlicher Anteil meines Lungeninhalts ausgeströmt. Die Oberfläche erreichte ich gerade eben noch so (es bestand natürlich keine Gefahr, ich hätte jederzeit wieder einatmen können), und dann musste ich das Jacket auch noch mit dem Mund aufblasen. Etwas *hüstel außer Atem machte ich mich daran und kriegte es auch hin.

Eigentlich müssten deine Lungen ja gut trainiert sein so wie Du immer die Kanne leerschnüffelst… 🙂 Schade dass du nicht gesungen hast. Da wären die Fische sicher im hohen Bogen freiwillig aus dem Wasser gesprungen.

Und dann, dann war es geschafft. Als “Scuba Diver” waren wir in den See gestiegen, als “Open Water Diver” kamen wir wieder heraus. Sinnbildlich gesprochen, denn erst musste die Bürokratie noch erledigt werden. Formulare, Formulare. Aber dann hielten wir das vorläufige Brevet in den Händen, das uns bestätigte, dass wir die Ausbildung bestanden hatten. Von jetzt an brauchten wir nicht mehr unbedingt mit einem TL einen Termin absprechen, wenn wir tauchen gehen wollten – wir konnten selbst tauchen gehen! Wir waren unheimlich stolz, aber dennoch war es nicht so, dass wir gleich ins nächste Gewässer hüpften, um möglichst schnell auf 18 Meter Tiefe zu gehen. Wir sind vernünftig genug zu wissen, dass es nicht nur auf den Schein ankommt, sondern auch auf das, was man sich zutraut. Und an die Tiefe wollten wir uns Stück für Stück und möglichst unter Anleitung herantasten.

He! Du  hast vergessen zu sagen, dass wir eine LAOLA-Welle bekommen haben!

Richtig! Die Ein-Personen-LAOLA-Welle! Die hatten wir uns aber auch verdient, oder? 😀 Das nächste Abenteuer sollte also heißen: Tauchgang ohne TL. Wow!

(1) = DJ Vertigo: “Oxygen”

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