Das etwas andere Blog über das Tauchen.

Kategorie: Neopren

Blogparade: „Macht das Web zu einem schlaueren Ort!“

Die Schreiber vom Blog „Karriebibel“ haben eine Blogparade für den November ins Leben gerufen: „Macht das Web zu einem schlaueren Ort!“ Die Idee ist folgende: Wenn man als Betreiber eines Blog die Zugriffsstatistiken aufruft, kann man dort unter anderem einsehen, mit welchen Suchphrasen die Besucher auf die eigene Seite kamen, also was der Leser bei Google, Yahoo oder anderen eingegeben hat, um die Seite zu finden. Viele Menschen geben dabei Fragen ein, auf die sie Antworten suchen. Die Idee von „Karrierebibel“ ist nun, dass man sich diese Fragen aus der Statistik vornimmt und versucht, sie in einem Blogbeitrag zu beantworten.

Das versuche ich heute mal. Es sind leider nicht sehr viele konkrete Fragen bei den „Flat Flute Divers“, aber doch einiges, das einer Antwort bedarf. Und es ist auch interessant zu sehen, mit welchen Suchwünschen die Leute bei uns landen. Solche Dinge wie „mit Neopren gefesselt“ hinterlassen eher bei mir eine Frage. Aber beginnen wir mit dem Frage-und-Antwort-Spiel:

Wieviel Blei beim Tauchen?

So. Schon die erste Frage ist eine, auf die es keine konkrete Antwort gibt. Oder man könnte es mit Radio Eriwan halten: „Im Prinzip ja…“ Welche Bleimenge man beim Tauchen braucht, hängt davon ab, wo man taucht (Süß- oder Salzwasser), welche Ausrüstung man hat (Trockentauchanzug, Halbtrocken oder Nass, und bei den beiden letzteren, wie dick sie sind; beim ersteren, welcher Unterzieher verwendet wird) und wie schwer man selbst ist. Außerdem muss man berücksichtigen, wie groß die Pressluftflasche ist, mit der man taucht, und ob sie aus Stahl oder Aluminium ist. Wenn man Veränderungen an der eigenen Ausrüstung vorgenommen hat oder zum ersten Mal taucht, wird einem der Tipp gegeben, mit etwa 5 bis 10 Prozent des eigenen Körpergewichts in Blei zu beginnen und bei einer Bleikontrolle vor dem Abtauchen zu überprüfen, ob das passt, zu viel oder zu wenig ist. Bei der Bleikontrolle lässt der Taucher an der Oberfläche alle Luft aus dem Jacket (und dem Trockentauchanzug, falls er einen trägt) und hält einen normalen Atemzug an. Der Taucher müsste bei korrekter Bleimenge so im Wasser treiben, dass die Augen auf Höhe der Wasseroberfläche sind. Schaut er über die Wasseroberfläche, ist es zu wenig Blei, wenn er mit den Augen darunter oder den Kopf ganz unter Wasser hat, ist es zu viel.

Wie ist die Hintergrundgeschichte vom Tauchsportcenter Divers in Aufkirchen?

Genau genommen heißt es „Diver’s Indoor Tauchsportzentrum“. Die Hintergrundgeschichte klingt ein bisschen skurril: Es handelt sich dabei um eine ehemalige Sauerkrautfabrik. In den Becken, in denen heute Taucher tauchen, wurde früher Weißkohl zu Sauerkraut verarbeitet. Davon merkt man aber nichts mehr. Mehr über das „Diver’s“ und das dazu gehörige Hotel Mercure kann man hier nachlesen.

Wie taucht man mit Schwimmflossen?

Sehr gut, möchte ich sagen. Aber ich glaube, darum geht die Frage nicht. Wahrscheinlich ging es dem Frager um die richtige Technik. Also, der erste Punkt ist, den Flossenschlag langsam durchzuführen. Da die Flossenblätter natürlich einen erhöhten Widerstand im Wasser haben, ermüdet man sehr schnell, wenn man die Beine zu schnell bewegt. Auf welche Art man die Flossen bewegt, muss man ausprobieren – was einem besser liegt. Man kann entweder die Beine auf und ab bewegen (dabei ist wichtig zu beachten, dass die Bewegung aus den Hüftgelenken kommt, und nicht aus den Knien – hier gelt das Hebelgesetz: je länger der Hebel, desto größer die Kraft) oder wie beim Brustschwimmen mit den Beinen einen „Froschschlag“ (englisch „frog kick“) ausführen (hier ist zu beachten, dass man beim Tauchen die Arme nicht bewegt, mit Flossen reicht die Beinbewegung, um einen vorwärts zu bringen).

Wie ist die Geschichte der Tarierweste beim Tauchen?

Die ersten Tarierwesten für Taucher kamen in den 1960er Jahren auf und waren eigentlich nicht mehr als eine modifizierte Rettungsweste. Das heißt, es handelte sich um einen Luftschlauch, der um den Hals gelegt wurde. Wegen ihrer Form wurden sie auch „Klodeckel“ genannt und man benutzte sie nur an der Oberfläche. Sie hatten einen Schlauch, über den der Taucher die Weste mit dem Mund aufblasen musste. Die erste Weiterentwicklung kam noch in den 1960er Jahren mit der von Maurice Fenzy entwickelten „Fenzy Tarierweste“, die einen größeren Schlauch hatte, über den Luft nicht nur eingelassen, sondern auch einfach wieder abgelassen werden konnte. Damit konnte sie auch unter Wasser verwendet werden. In Deutschland erhielt sie deswegen auch den Namen „RTW“, „Rettungs- und Tarierweste“. Das AT-Pack in den frühen 1970er Jahren kombinierte nun erstmals Auftriebsmittel und Flaschenhalterung in einem (bisher waren diese getrennt). Das „Jacket Design“, das grundlage aller nachfolgenden Modelle wurde, wurde jedoch von Scubapro mit dem „Stabilizing Jacket“ eingeführt. Die Luftblase wurde bei den neuen Designs nicht vorne, sondern in den Rückenteil eingebaut, was die Lage im Wasser stabilisierte. 1984 führte die Firma seaQuest das erste ADV-Jacket vor, kurz darauf kommt Dive Rite mit dem ersten Wing-Jacket auf den Markt. Beide Jacketformen bleiben bis in die Jetztzeit maßgeblich, das Wing-Jacket hauptsächlich bei Tec-Tauchern. 1990 führte wiederum seaQuest eine weitere Neuerung ein: das Blei wurde nicht mehr an einem Gürtel getragen, sondern in separate Taschen im Jacket selbst gegeben, die man im Notfall mit Hilfe eines Schnellverschlusses abwerfen konnte. Die letzte große Neuerung waren die so genannten „Hybrid-Jackets“, eine Mischung aus Wing und ADV.

Wie bekomme ich die Mindestoberflächenpause beim Tauchen raus?

Zwei Möglichkeiten: Entweder man hat eine Tabelle oder einen elektronischen RDP. Ich kann hier leider nur für die Modell von PADI sprechen, mit den anderen bin ich nicht vertraut. Bei der Tabelle geht das folgendermaßen: Man muss Tiefe und Zeit des vergangenen Tauchgangs wissen, und welche Tiefe und Grundzeit man bei dem nächsten Tauchgang machen möchte. Auf der Vorderseite der Tabelle bestimmt man vom vergangenen Tauchgang die Wiederholungsgruppe, indem man in der Spalte mit der Tiefe bis zur entsprechenden Grundzeit herunterfährt (wenn die Tiefe und/oder Zeit nicht exakt dasteht, wird immer die nächsthöhere Tiefe und/oder Zeit genommen). Dann dreht man die Tabelle um. Hier geht man auf die geplante Tiefe des nächsten Tauchgangs und fährt die Spalte entlang, bis man die geplante Grundzeit findet (in der Spalte als „Restnullzeit“ blau unterlegt). Auch hier kann man einen Buchstaben der Wiederholungsgruppe bestimmen. Dann geht man wieder auf die Vorderseite der Tabelle. Im rechten Teil stehen die verschiedenen Oberflächenpausen. In der horizontalen Spalte legt man nun den Buchstaben der Wiederholungsgruppe des gemachten Tauchgangs an, in der vertikalen Spalte (unten an der Tabelle) den Buchstaben der Wiederholungsgruppe des geplanten Tauchgangs. Und in dem Feld, wo sich beide Spalten kreuzen, steht die Mindestoberflächenpause.
Mit den elektronischen RDP ist das ganze etwas einfacher: Einschalten, mit „Mode“ auf „Surface Interval“ gehen, dann die Daten vom vergangenen und vom geplanten Tauchgang eingeben – voilà, die Mindestoberflächenpause wird als „MIN SI“ ausgegeben.

Ist Hurghada von der Ölpest betroffen?

Nein, nicht mehr. Nach Angaben der HEPCA war das Hauptverbreitungsgebiet der Ölpest 2010 im Roten Meer El Gouna und nördliche Teile Hurghadas, aber mittlerweile sind wohl alle Folgen beseitigt.

Einengung durch Tarierweste?

Kommt vor. ADV- und Hybrid-Jackets haben eine Luftblase, die bis in die Seiten des Jackets geht. Wenn man sie aufbläst, können sie den Taucher einengen. Bei einem Wing-Jacket befindet sich die Luftblase komplett auf dem Rücken und kann den Taucher nicht einengen.

Taucher flutet seinen Trockenanzug unter Wasser?

Das kommt vor und kann zwei Gründe haben: Entweder hat der Anzug einen Defekt und es dringt Wasser ein, ohne dass der Taucher das beabsichtigt, oder ein Ventil hat einen Defekt, so dass die Luft aus dem Anzug nicht mehr abgelassen werden kann. In letzterem Fall muss der Taucher, um ein unkontolliertes Aufsteigen zu verhindern, die Luft durch die Manschette an seinem Hals entweichen lassen. Dabei dringt natürlich Wasser ein.

Wie ist die Wassertemperatur vom Aquafun am Schluchsee?

Gute Frage – hab ich auch nirgends gefunden.

Halsmanschette zu eng – was passiert?

Wenn die Halsmanschette eines Trockentauchanzugs (oder auch einer Neopren-Kopfhaube) zu eng ist, wird der Hals des Taucher komprimiert. Entweder wird dabei der Druck auf den Kehlkopf so stark, dass der Taucher keine Luft mehr bekommt (wie bei einer Strangulation) oder der Druck geht auf die Halsschlagadern. In den Halsschlagadern sitzen Rezeptoren, die den Druck von außen als gestiegenen Blutdruck missinterpretieren und als Gegenmaßnahme den Blutdruck senken. Durch den abfallenden Blutdruck kann es zu einer Bewusstlosigkeit kommen.

Gibt es einen Sketch über das Tauchen?

Ja – hier zum Beispiel. 🙂

Das waren die Fragen, soweit ich sie aus der Webseiten-Statistik entnehmen konnte. Vielleicht komme ich mal wieder auf das Thema zurück, wenn sich genügend neue Fragen angesammelt haben. Die Idee finde ich nicht schlecht.

Intermezzo: Freiwassertauchversuch, die Erste! Und bitte…

Nachdem wir also im „DIVER’S“ gewesen waren, hatten wir den Entschluss gefasst, es doch mal in Deutschland mit dem Freiwasser zu probieren. Ich wandte mich an meinen Kollegen, der einen Baggersee heraussuchte. Das läutete die „Hab-Ihr?“-Phase unserer Tauchkarriere ein. Vor jedem Freiwassertauchgang wurden wir nämlich gefragt „Habt Ihr…?“, und zwar nach Ausrüstungsgegenständen, die wir eben nicht hatten. Blei zum Beispiel. Oder wie bei diesem Tauchgang sehr deutlich notwendig war, Kopfhauben. Es war Anfang Juni, trotzdem hatte der See in gewissen Tiefen gerade mal 12 ° C. Ich hatte keine Kopfhaube. Annette hätte eine gehabt, hatte diese aber nicht dabei. Selbst schuld.

Annette: Jahaa! Ich hätte eine gehabt! Aber was ein richtiger Flatflutediver ist, der taucht auch bei geringen Temperaturen OHNE Haube! Man macht seinem Namen schließlich alle Ehre! Zudem bist du ja nur neidisch, weil ICH eine Haube hatte und DU nicht! Aber ich habe mir die Haube auch schwer erarbeitet! Das war mein Lohn! Schließlich hab ich mich beim Kauf des Neoprenanzuges um ein Haar im Schaufenster umgezogen, da musste die Haube schon drin sein!

Baggersee-PflanzenDiesen Tauchgang sollten wir sozusagen „online“ machen, oder um diesen Kalauer noch weiter auszuwalzen: „on lein“. Wir wurden nämlich mit einer Buddy-Leine am Tauchlehrer gesichert, (*wuff! Um nicht zu sagen, ANGELEINT!) weil dies unser erster Tauchgang in einem See war. Tatsächlich war das eine gute Idee, denn sich hier zurecht zu finden, war etwas völlig anderes als das, was wir bisher kannten. Die Sicht war eingeschränkt, außerdem war der See extrem bewachsen mit Pflanzen, die einem bei Kontakt den Neoprenanzug versauten (was hab ich geschrubbt hinterher!).

Nun ja… ich war etwas irritiert durch die Leine. Erstmal kam ich mir vor wie ein Hund, dann hatte ich ein „kleines“ Problem. Man reichte mir kein intrigan…integriertes Blei, sondern einen BLEIGURT! Kaum im Wasser vollführte ich eine neue Tauchvariante, auch „Deegrol“ genannt (niederländisch für „Teigrolle“). Ich drehte mich wie ein Hähnchen am Spieß im Wasser, und ich konnte kaum dagegen ankommen. Wie sich herausstellte, drehte sich dieser blöde Gurt um mich und ich mich gerade mit dem Blei mit! Erschwerend kommt meine etwas „chaotische“ Tauchweise hinzu…ich neige dazu, begeistert von einem Tauchort zum nächsten zu hetzen und vergesse dabei gerne, dass ich eine LEINE habe. Oder dass es vielleicht außer mir noch andere Taucher geben könnte. Oder daß wir mal ursprünglich eine „Formation“ hatten. Du rechts, TL in der Mitte, ich links. Kam aber vor, dass ich mal rechts von dir war. Ups. Wie konnte das denn passieren?  Dementsprechend mussten wir uns ab und zu entwirren. 🙂

"Deegroll-Manöver"

"Deegroll-Manöver"

Mehr als zur Orientierung konnte dieser Tauchgang leider nicht dienen, denn nach etwa 20 Minuten kam etwas hinzu… wir waren in etwa zehn Metern Tiefe, das Wasser hatte 12 ° C – und meine Stirnhöhlen meldeten sich. Vielleicht kennt einer aus der geneigten Leserschaft dieses schmerzhafte Gefühl, wenn man beim Eisessen zu schnell ist und die Kälte hochkriecht und in der Stirn wehtut. Genau das habe ich da empfunden, nur mit dem Unterschied, dass es nicht aufhörte, solange wie in der Tiefe waren. Wir hatten, das hatte ich deutlich gespürt, eine so genannte „Sprungschicht“ durchquert und die Tatsache, keine Kopfhaube zu haben, rächte sich nun.

Memme! ICH hätte das durchgestanden… DU bist gar kein Flatflutediver!

Thorsten im BaggerseeWo-ohl! Außerdem war der Tauchgang an der Stelle nur deswegen beendet, weil man uns beim Kurs zwar das Zeichen für „Auftauchen“ (Daumen nach oben) gezeigt hat, aber nicht wie man andeutet, dass man nur „höher“ möchte. Ich wollte nur aus der Sprungschicht raus. Ein paar Meter höher war es ja schon wieder besser. Aber unser Instructor bestand darauf, aufzutauchen. Und dass wir an der Oberfläche zurückschwimmen sollten, war nicht meine Idee. Man sieht, die Tücken hörten nicht auf. Beim Rausgehen bin ich im Flachwasser bis zu den Knien im Schlamm versunken, bevor es mich am Ufer noch in den Kies warf. Aber he, ein echter „Flat Flute Diver“ hält sowas aus.

…Momentn…hab ich da was verpasst? 🙂 Nein, ich hab es live miterleben dürfen und dachte, na klasse. Der erste Tauchgang und Mr Buddy muss gleich ins Gebüsch beißen. Aber ich war auch nicht besser dran. Ich kam nämlich gar nicht mehr aus dem Wasser raus… peinlich peinlich, aber man musste mich aus dem Tümpel ZIEHEN… aber zumindest hast du mit dem Auftritt bewiesen, dass du ein echter Flatflutediver bist! 😉

Annette im Baggersee

Als wir über den Tauchgang sprachen, waren wir uns einig, dass wir das weiterhin versuchen sollten. Leider hatte mein Kollege in nächster Zeit nicht wirklich Zeit, also kontaktierte ich den Tauchlehrer, den wir in Aufkirchen kennengelernt hatten. Tatsächlich konnte er uns einen Tauchtermin ermöglichen, und zwar am Echinger Weiher. Um nicht ganz so blöd dazustehen, ging ich vorher in den Tauchladen und besorgte mir eine Kopfhaube. Doch der Tauchlehrer stellte schon die nächste „Hab-Ihr?“-Frage: „Habt Ihr Handschuhe?“ Äh, nein? Okay, die würde er uns leihen. Genauso wie das Blei, das wir ja auch nicht hatten. Langsam wurde es nervig. Aber mehr darüber gibt es im nächsten Teil unseres Tauchabenteuers…

Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung – Der Neoprenanzug

Was kann man zu einem Neoprenanzug denn schreiben werdet Ihr Euch fragen. Entweder er passt oder er passt nicht.

So ist es.

Meine persönliche Neopren-Odyssee begann mit der Entscheidung, einen Neoprenanzug zu kaufen. Nicht dass das sofort notwendig gewesen wäre. Aber nachdem ich hörte, dass der ein oder andere in einen geliehenen Anzug auch schon mal seiner Notdurft freien Lauf lässt, wollte ich dann doch lieber einen Eigenen. Auch wenn Urin an sich steril ist. Trotzdem ein unangenehmer Gedanke.

Wenn man einen Anzug kaufen will, so sollte man sich vorher überlegen, in welchen Gewässern man den Anzug tragen will. Ist man vorwiegend Urlaubstaucher und taucht in warmen Gewässern, so reicht ein 3-5 mm Anzug, je nachdem wie tief man taucht. Hier in den deutschen Gewässern kann das schon zu kühl sein. Die meisten Tauchshopbesitzer empfahlen uns, einen 7 mm Anzug zu kaufen.

Nun ist der Anzug an sich nicht ganz billig, und für zwei Anzüge reichte das Geld erst mal nicht. Da ich aber auch vor hatte, in wärmeren Gewässern zu tauchen und hier 7 mm eindeutig zu warm sind, entschied ich mich doch für den 5 mm Anzug. Im Falle des Falles könnte man sich auch eine Eisweste dazu kaufen, die man drüber zieht. Da ich aber noch nicht „so tief“ getaucht bin muss ich sagen, reicht mir der 5 mm Anzug vollkommen. Selbst bei 9 Grad Wassertemperatur hab ich nicht gefroren. Allerdings bin ich auch nicht so kälteempfindlich.

Mein Problem begann damit, dass ich nicht den „normalen“ Maßen entspreche. Ich bin einfach zu groß für die Damengrößen. Das, was ich an Neopren mehr in die Länge ziehen musste, fehlte mir entweder in der Breite oder der Anzug ließ sich einfach nicht so „lang“ ziehen. Der Kragen des Anzuges saß mir entweder auf den Schlüsselbeinen oder ich kriegte die Arme nicht mehr hoch. Ein Tauchshopbesitzer wollte das nicht glauben und steckte mir sogar die Druckluftpistole in den Ärmel, um so eventuell noch ein paar Zentimeter herauszukriegen, aber das konnte ja nicht die Endlösung sein. Man riet mir, bei meinem nächsten Besuch (irgendwann war ich völlig fertig von der Durchprobiererei) es mit einem Männeranzug zu probieren. Ich sei einfach zu groß für die Damengrößen.

Frustriert durchforstete ich das Internet nach Informationen von Frauen, die vielleicht ein ähnliches Problem hatten wie ich, aber ich fand nichts. Schließlich versuchte ich mich, durch die verschiedenen Größenangaben durchzubeißen und möglicherweise auf eine Firma zu stoßen, die auch Größen für mich hatten.

Gleichzeitig hatte ich mich für ein Jacket der Firma Cressi entschieden. Da ich eh vor hatte, nach München zum Indoortauchen zu fahren, wollte ich in einem dortigen Tauchshop einen Abstecher wagen, denn hier bei uns am See vertreibt sonst keiner Cressi. Vorher nahm ich Kontakt zu dem Besitzer auf und schilderte ihm meine Wünsche. Auf seine höfliche Nachfrage hin, was ich sonst noch brauchen würde, schüttete ich ihm per eMail mein Herz aus und berichtete ihm, dass ich leider keinen Neoprenanzug finden würde. Er empfahl mir den Cressi comfort plus Anzug, und zwar noch nicht mal den Größten für Damen, denn er war der Meinung, dass ich dafür das Gewicht nicht auf die Waage bringen würde. Im selben Satz erwähnte er allerdings, dass die Italiener immer etwas kleiner schneidern würden als der Rest der Welt. Ich lachte innerlich in mich hinein. Wo dachte der Mann denn hin? Hatte ich ihm denn nicht geschrieben, dass ich schon so in keinen Damenanzug passen würde und dann wollte er mir einen verkaufen, der KLEINER war?

Und wisst Ihr was? Ich fuhr dorthin – erst mal wegen meinem bestellen Jacket – und er hatte Recht. Der Anzug ist superbequem, der Reißverschluss ist auf dem Rücken, so dass man auch ohne fremde Hilfe ein und aussteigen kann. Ich bin noch nie so derartig leicht in einen Anzug „hineingeglitten“ wie in diesen! Innen ist er spiegelglatt, so dass das lästige Gezerre und Geziehe entfällt. Ich habe diesen Anzug angezogen und gekauft. Ich habe nichts anderes mehr probiert.

Fazit: Anprobieren! Der Neopren sollte sitzen wie die zweite Haut. Falten sind zu vermeiden. Welche Firma den Anzug herstellt, ist völlig unwichtig. Man zieht den Anzug an und spürt, dass es der Richtige ist. So ging es Thorsten auch. Er stieg in ein Modell der Firma ScubaPro und hatte ebenfalls das Gefühl, dass DAS sein Anzug ist. Und für die „längeren“ Damen unter uns, wenn ihr sonst nichts findet, versucht es  mit Cressi… 🙂

Viel Erfolg

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Die Zeit von Dezember 08 bis April 09

Anfang Dezember waren wir wieder in Deutschland. Aber das Erlebte in Ägypten hatte uns nachhaltig geprägt. Schon auf dem Heimflug sprachen wir über nichts anderes mehr als über das Tauchen. Und wie sehr uns das gefallen hatte. So beschlossen wir, uns einmal umzuhören und Kontakte zu knüpfen, damit man wenigstens einmal im Monat einen Schwimmbadtauchgang machen könnte.

Zu Hause angekommen berichtete ich jedem, der es hören wollte oder auch nicht, dass ich jetzt unter die Taucher gegangen war. Das wurde von meinen Freunden mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Tatsächlich, der Mann einer Freundin von mir besaß auch den Tauchschein – das wußte ich nicht – aber er hatte das Tauchen nicht weiter verfolgt. Andere wiederum waren gar nicht begeistert von meinem Plan. Da würde doch so viel passieren…

Dem Faß den Boden schlug es aus, als ich erfuhr, dass der Vater des Freundes meiner besten Freundin Tauchlehrer mit eigener Tauchschule war. Dummerweise war der aber schon in Rente. Also hieß es für mich… abwarten. Und hoffen, dass Thorsten etwas finden würde. Den traf ich kurze Zeit später, um Fotos zu tauschen. Und er berichtete mir, dass er tatsächlich jemanden gefunden hatte. Ein Kollege von ihm war Instructor. Und Rettungstaucher. Er versprach uns, uns mit ins Schwimmbad zu nehmen, da dort die Rettungstaucher über Winter trainierten. Das war ja perfekt. Für die Ausrüstung würde auch gesorgt werden. Besser konnte es nicht laufen.

Thorsten und ich sprachen an diesem Nachmittag nochmals über viele Dinge. Wie es der Zufall so wollte, war ich gerade aus dem Urlaub wieder da, da musste ich schon meinen Jahresurlaub für das folgende Jahr eintragen. Ich trug mich wieder im November für zwei Wochen ein. Warum? Weiß ich nicht. Ich machte es einfach. Irgendjemanden würde ich schon finden, der mit mir nach Ägypten gehen würde. Da war es so toll. Da erzählte mir Thorsten, dass er genau die gleichen Wochen angegeben hatte. Auch eigentlich ohne feste Absichten. Wir sahen das als Zeichen. Obwohl wir so gesehen nicht geplant hatten, nochmals zusammen zu verreisen, stand die Entscheidung innerhalb von Sekunden: Wir würden nochmals nach Ägypten fliegen und dort unseren OWD fertig machen. Wir waren Feuer und Flamme.

Soweit stand der Plan. Ägypten November 2009. Bis dahin wollten wir das Gelernte immer und immer wieder üben, damit das richtig saß. Darin waren wir uns einig. Dann überlegten wir… wie war das noch gleich mit der eigenen Ausrüstung? Ich sagte zu Thorsten, dass ich mir einen Tauchcomputer zulegen würde. Das ist ein persönlicher Gegenstand und eine gute Anlage. Irgendwann dann würde ich mir noch einen Lungenautomaten besorgen, denn ständig auf Mundstücken herumzukauen, die schon Hunderte vor mir im Mund hatten, fand ich ekelig. Aber das hatte ja Zeit.

So viel Zeit nun auch wieder nicht. Weihnachten stand vor der Tür. Mein Vater schenkte mir Geld, und noch während ich mir überlegte, wie ich meinen neu erworbenen Reichtum verwalten könnte, fiel mir sofort der Tauchcomputer ein. Schließlich entschied mich mich für den Viper 2 von Suunto. Doch damit war es nicht getan. Eine Freundin schenkte mir ein wunderschönes Logbuch, eine andere ein sehr interessantes Buch über das Tauchen. Ich fing an zu lesen. Und kam immer tiefer in die Materie hinein. Ich las, was das Zeug hielt. Im Internet. Bücher. Und konnte es kaum erwarten, dass endlich Januar war. Denn da sollten wir uns das erste Mal mit den Rettungstauchern treffen. Doch im Leben kommt immer alles anders, als man es erwartet. Und so auch hier. Denn drei Tage bevor wir uns mit den Rettungstauchern hätten treffen sollen brannte das Schwimmbad bis auf die Grundmauern ab. Kein Witz. Ein technischer Defekt. Und so zerplatze der Traum.

Wir waren frustiert. Der Sommer lag noch in weiter Ferne, denn sonst hätte man ja in ein Freibad gehen können, aber dazu war es noch zu kalt. Auch die Rettungstaucher mussten erst nach einer Ausweichmöglichkeit suchen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns weiter mit der Theorie zu beschäftigen. Nicht nur mit der Tauchtheorie. Auch mit der Ausrüstungstheorie. Zwischen Thorsten und mir entbrannte fast eine Art Wettstreit, wer mehr zu einem Thema wußte. Ohne dass es uns selbst so bewusst geworden wäre, hatten wir längst die Enscheidung getroffen, uns doch die komplette Ausrüstung anzuschaffen. Das war aber gar nicht so einfach. Wir hatten nur bedingt Hilfe. Und so entschlossen wir uns, die Zeit bis zum endgültigen Tauchtermin zu verkürzen, indem wir das „Tauchshop-Hopping“ begannen. Wir besuchten so ziemlich alle Läden in unserer Umgebung, um uns erst mal kundig zu machen, was es denn alles gab. Die Besitzer der Läden waren alle sehr zuvorkommend und erklärten uns Anfängern von A bis Z alles, worauf man achten muss, worin die Unterschiede lagen. Das war sehr angenehm. Stück für Stück wuchs die Ausrüstung, erst gedanklich, schließlich auch materiell. So einfach war das freilich nicht. Besonders ich hatte aufgrund meiner Körperlänge mehr als einmal Probleme, etwas Passendes zu finden. So albern es auch klingt, ich hatte die reinste Odyssee vor mir, was den Neoprenanzug anbelangt. Ich wollte einfach nicht in so einen Anzug passen, und dabei ließ ich keine Peinlichkeit aus. Man zog mich mit Druckluft an, rupfte und rüttelte an mir herum, es ging nicht. Die Anzüge waren zu klein. Im Internet machte ich mich kundig und erfuhr, dass die durchschnittliche europäische Taucherin gefälligst nicht größer als 172 cm zu sein hat. Leider bin ich fast 180 cm, und was ich am Anzug in die Länge zog, fehlte mir nachher entweder in der Breite oder ich bekam die Arme nicht mehr hoch. Nach langem Suchen jedoch wurde auch ich fündig, die Italiener (Cressi)  hatten ein Herz für mich, und zu meinem Erstaunen und Unglauben durfte ich einen Anzug wählen, der noch nicht einmal die größte Größe hatte. Vor lauter Glück und Dankbarkeit kleidete ich mich dort komplett ein. Gut, das ist jetzt geschwindelt… ich hatte sowieso vor, mir von Cressi das Jacket zu kaufen. Das tat ich auch. Und lag damit goldrichtig wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Nur… lächerlicherweise hatten Thorsten und ich die komplette Ausrüstung bereits zusammen bevor wir überhaupt wenigstens einmal tauchen waren! Was hatte unser TL gesagt? Es dauert nicht lange, dann würden wir anfangen, unsere eigene Ausrüstung zu kaufen? Da hatte er wohl die Rechnung ohne uns übereifrige Menschen gemacht. Die zwei Tauchnieten, von denen er sicher am wenigsten gedacht hatte, sie überzeugt zu haben, waren mehr als nur einfach infiziert. Wir sprachen fast über nichts anderes mehr. Da wir uns nur selten sehen, hatten wir doch plötzlich einen intensiven email Kontakt aufgebaut, und es gab sicher keine einzige email, in der wir nicht über das Tauchen sprachen. Ich träumte stellenweise sogar davon. Ich, die Angst vor Wracks hat, träumte davon, dass ich zur Thistlegorm tauchen würde! Ich träumte von der Salem Express! Es verging kein Tag, an dem ich nicht intensiv an’s Tauchen dachte. Ich wurde immer unruhiger. Und hoffte darauf, dass es bald soweit sein würde.

Doch es sollte noch dauern, genau genommen bis April. Durch Zufall entdeckte eine Bekannte von Thorsten eine Internetadresse mit einem Indoortauchzentrum bei München. DAS war genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Und natürlich buchten wir uns da ein. Endlich war der Tag gekommen, an dem wir tauchen – und auch unsere eigene Ausrüstung testen konnten! Wir waren gespannt,  was uns in München erwarten würde. Aber davon erzähle ich dann das nächste Mal!

Scuba Diver: Was danach kam

Irgendwie könnte die Geschichte damit zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Zu Ende war lediglich unser Urlaub in Ägypten. Oder sie könnte langweilig werden. Tut sie aber nicht. Auf dem Rückflug von Hurghada gab es für uns hauptsächlich ein Gesprächsthema: Tauchen. Wir wollten uns um Trainingstauchgänge im Schwimmbad bemühen, um wenigstens „drin“ zu bleiben.

Zurück in Deutschland geschahen zwei Dinge: Zum einen stand bei mir sofort die Urlaubsplanung für das kommende Jahr an, zum anderen bekam ich einen Hinweis auf einen Kollegen, der selber Taucher war und uns möglicherweise bei unseren Schwimmbadtauchgängen würde helfen können.

Dann geschahen nochmal zwei Dinge: Ich konnte mich bei der Urlaubsplanung nicht mit Annette absprechen und nahm auf gut Glück den gleichen Zeitraum wie im Vorjahr für einen Urlaub. Bei einem Treffen stellte sich heraus, dass sie das gleiche gemacht hatte – für den gleichen Zeitraum. Hier entstand eine neue Idee: Wir würden weitermachen – die nächste Stufe auf der Leiter, den „Open Water Diver“ (OWD). In Ägypten, im November. Wieder waren wir elektrisiert, so wie an dem Tag, als wir die Entscheidung fällten, den Tauchkurs zu machen. Allerdings wussten wir diesmal, dass wir nicht ganz so nervös werden würden. Hoffentlich!

Mein Kollege entpuppte sich als Instructor, genau das, was wir brauchten, um uns auf den „Open Water Diver“ vorzubereiten. Er hatte sogar die Möglichkeit, uns Leihausrüstungen zu besorgen, da er bei einem Rettungstaucherzug war. Und er würde es organisieren, dass wir mit ihm zum Training in ein Hallenbad kommen könnten.

Gleichzeitig überlegten Annette und ich, ob es nicht gut wäre, den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand doch anzuschaffen. Also begannen wir, verschiedene Tauchshops aufzusuchen und ließen uns beraten. Umfassend. Obwohl es eigentlich nicht nötig war. Schließlich wollten wir nur das eine oder andere. Oder? Also zum Beispiel einen eigenen Tauchcomputer… vielleicht Regulatoren…

In der Folgezeit ging ich meinem Umfeld auf die Nerven mit meiner doch sehr stark vorhandenen Begeisterung für das im Urlaub begonnene Tauchabenteuer. Ich begann, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten, bestellte Kataloge und suchte mein Arbeitsmaterial von der Rettungsdienstschule wieder zusammen. Das war allerdings nicht hilfreich, da es mittlerweile hoffnungslos veraltet war. Und dann war da Weihnachten. Von meiner Familie bekam ich ein Tauch-Diorama geschenkt, das als Dekoration für ein Geldgeschenk diente (das in einen Ausrüstungsgegenstand investiert werden sollte). Und von Annette ein Buch über die Fische des Roten Meeres. Das hat mich sehr überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut.

Tauch-Diorama

Und dann passierte eine von den Merkwürdigkeiten, die das Leben manchmal bereithält: das Hallenbad, in dem wir unser „Training“ abhalten sollten, brannte im Januar ab, nur Tage bevor wir dort sein wollten. Damit fiel das Training erstmal flach, eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Ab Mai würde das Freibad öffnen und es sah so aus, als würden wir uns bis dahin vertrösten müssen. Mittlerweile waren unsere Gedanken über die eigene Ausrüstung weiter gediehen. Weiter als gedacht. Ein Neoprenanzug war mit „auf die Liste“ gekommen, außerdem war ich entfacht für eine spezielle Tarierweste, die ich in einem Tauchladen gesehen hatte. Unser Plan war nun, bis November Stück für Stück anzuschaffen, damit wir für den Ägypten-Urlaub die Sachen beisammen haben würden.

Doch wieder wurde alles über den Haufen geworfen, respektive, ich warf meine Ideen über den Haufen. Unablässig sagte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf: „Wenn Du es willst, dann tu es doch!“ Warum auch nicht? Ich informierte mich weiter, besonders über die Tarierweste, die ich ins Auge gefasst hatte. Die war teuer, aber andererseits genau das, was einer ganz speziellen Eigenart von mir entgegen kam. Der erste wirkliche „Ausrüstungsgegenstand“, den ich mir dann anschaffte, war jedoch ein Neoprenanzug. Das hatte recht pragmatische Gründe, er gefiel mir, er passte und ich sah gut drin aus. 😉 Aber damit fing es an. Einen Monat später hatte ich den Großteil meiner Ausrüstung zusammen, einschließlich der Tarierweste, die mir ins Auge gefallen war. So viel zum Thema „bis zum November“.

Ein Problem bestand aber weiter: Was würde aus unseren Trainingstauchgängen werden? Ich hatte mich mittlerweile weiter erkundigt nach Tauchschulen und lernte etwas kennen, das ich die „Drei-Minuten-Regel“ nannte – wann immer ich unsere Situation erklärte und nach Schwimmbadtauchgängen fragte, wurde ich nach spätestens drei Minuten gefragt, ob wir nicht gleich hier in Deutschland den OWD fertig machen wollen. Zu dem gewünschten Training kamen wir nicht. Dann kam mir eine Kollegin und gute Freundin zu Hilfe, aber eigentlich unfreiwillig – was wieder eine jener Geschichten war, die von Zeit zu Zeit passieren. Besagte Freundin war eigentlich auf der Suche nach Hotels in und um München. Dabei war sie auf ein Hotel gestoßen, an dem ein so genanntes Indoor-Tauchcenter angeschlossen war. Ich hatte einige Dinge zu klären, denn immerhin brauchten wir immer noch einen Instructor als Begleitung, aber schließlich war es so weit – wir sollten endlich zu unserem ersten Tauchgang machen nach unserem Kurs. Mittlerweile war es April. Annette hatte leider nicht ganz so viel Glück gehabt wie ich, denn zum Teil scheiterte der Erwerb ihrer Ausrüstung daran, dass sie einfach nichts passendes fand. Aber sie machte einen Laden in der Nähe von München ausfindig und wir sollten unseren Tauchausflug gleich mit einem „Kaufausflug“ verbinden. Aber das soll sie selbst berichten.

Die Situation hatte sich nun völlig verändert – mal wieder. Bevor wir überhaupt einen einzigen Tauchgang in Deutschland hinter uns hatten, hatten wir tatsächlich unsere Ausrüstung soweit zusammen. Kleinigkeiten fehlten nur noch, aber dem Tauchen stand nichts mehr im Weg. Unsere Überlegung war nun, falls uns das Indoor-Tauchcenter zusagen sollte und das mit den Tauchlehrern dort reibungslos funktionieren, dass wir bis November ein paar Mal dort hinfahren und unser geplantes Training doch noch durchziehen. Ja. Gute Idee. Aber vielleicht kennt jemand noch dieses Sprichwort:

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…“

Scuba Diver: Zwischen Pool und Meer – Thorstens Version

Nun hatten die Poollektionen also gar nicht so schlecht geklappt, obwohl ich bei jeder neuen Übung wieder nervös war. An diesem Abend galt es, unser Wissen zusammen zu bringen, also das, was wir aus den Filmen und von unserem Tauchlehrer gelernt hatten, mit Hilfe des Lehrbuchs zu etwas vernünftigen zu vereinen. Erstmal jedoch gab es Abendessen, und ich hatte auch Hunger. Man merkte es zwar nicht so direkt, aber es heißt nicht umsonst „Tauchsport“ – es kostet Kraft, auch wenn wir nur im Pool herumgepaddelt waren. Während des Essens sprachen Annette und ich über unsere Erlebnisse und Erfahrungen und dass die Übungen so gut geklappt hatten. Und am nächsten Tag würde es wirklich ins Meer gehen. Auf mindestens zehn Meter Tiefe… Da wurden wir dann ruhiger. Nachdenklicher.

So langsam fingen meine Zweifel an zu wachsen. Das war doch alles viel zu glatt gegangen. Als wir dann auf unserem Zimmer waren und das Buch durchackerten, wurde es noch schlimmer. Und so langsam kamen mir wieder die Dinge hoch, die mich bisher eigentlich davon abgehalten hatten, das Tauchen ernsthaft anzugehen. Worauf hatte ich mich da eingelassen? Nicht nur, dass ich in aller Ausführlichkeit an die möglichen Gefahren erinnert wurde, es kam noch mehr dazu. Der Druck nahm zu, je tiefer man ging, das wusste ich schon. Aber das Lehrbuch machte einen darauf aufmerksam, dass das Atmen schwerer wurde, je tiefer man kam. Und was die Übungen für den nächsten Tag betraf, da gab es keine Ausreden mehr. Um für den Tauchschein gültig zu sein, mussten diese in mindestens zehn Metern Tiefe gemacht werden.

Als wir am Abend zuvor den Entschluss gefasst hatten, den Kurs zu machen, war natürlich auch die Überlegung, wofür man so einen Schein brauchen könnte. „Schön-Wetter-Taucher“, das war der Begriff, den Annette ins Spiel brachte. Das war letztlich auch das, was mir sympathisch schien. Wenn man im Urlaub ist, an einem netten, warmen Gewässer mit guter Sicht (wie dem Roten Meer), einfach eine Ausrüstung leihen und auf eine Exkursion gehen. Und da beim Scuba Diver der „Instructor“ immer noch mit dabei sein musste, wäre das ja alles kein Problem.

Doch je mehr ich mich in die Materie vertiefte, desto mehr beschlichen mich Zweifel, ob ich nach dem nächsten Tag überhaupt weitermachen würde. Immerhin würde ich dann wissen, ob es nichts für mich ist und ich könnte mich in Zukunft wieder auf meine bequeme Position zurückziehen, wenn das Gespräch darauf kommen sollte. Aber den nächsten Tag würde ich noch durchziehen. Krieg ihn einfach rum! Das sagte ich immer wieder zu mir selbst. Doch das wurde zunehmend schwieriger. Schließlich las ich, dass es Menschen gab, denen unter Wasser schwindlig wurde, wenn sie „schwebend“ in einigen Metern Höhe über dem Grund hingen. Vor allem, wenn die Sicht gut war. Wie zum Beispiel im Roten Meer. Na großartig. Ich bin bestimmt einer der Kandidaten, denen schwindlig wird, dachte ich mir. Immerhin hatte mein Gleichgewichtssinn mir früher dahingehend Probleme bereitet, dass ich beim Autofahren reisekrank wurde. Das verschwand zwar grundlos, als ich ein Teenager war, aber wenn ich von großen Höhen herunterblicke, kann es sein, dass mir immer noch schwindlig wird. Das hatte mit meiner Höhenangst zu tun.

Ich muss hier grundsätzlich mal etwas ausführen. Falls es Sie nicht interessiert, dann überspringen Sie diesen Absatz einfach. Aber ich möchte natürlich, dass Sie nach der Lektüre dieses Artikels zu sich sagen können: „Mensch, bei den FlutFluteDivers, da hab ich was gelernt!“ Es ist nämlich so, dass die Umgangssprache mit bestimmten Begrifflichkeiten der Psychologie sehr schludrig umgeht. Banal gesagt sind einige Dinge, die man so umgangssprachlich sagt, falsch. Zum Beispiel wenn man sagt, jemand wäre „manisch depressiv“. Die meisten Menschen denken, so jemand wäre „besessen“, also extrem depressiv (eben manisch). In Wirklichkeit bedeutet es aber, dass sich Phasen der Hochstimmung (Manie) mit Phasen der Niedergeschlagenheit (Depression) abwechseln. Ähnliches gilt, wenn jemand von „Platzangst“ spricht, und dabei die „Klaustrophobie“ meint, also die Angst in geschlossenen Räumen. Der Begriff „Platzangst“ ist ungenau und kann mit der Agoraphobie, der Angst vor großen, leeren Plätzen verwechselt werden.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Nun, mit der „Höhenangst“ verhält es sich ganz ähnlich. Bei der Akrophobie ist es nicht die Höhe an sich, sondern das Gefühl, abstürzen zu können, das die Angst auslöst. Wenn ich am Rand eines Abgrunds stehe und nach unten schaue, habe ich das Gefühl, die Schwerkraft sei hier stärker, als wenn ich einen Schritt zurück mache. Ich habe das Gefühl, die Schwerkraft hat mich am Kragen gepackt und versucht, mich herunter zu ziehen. Dabei ist es unerheblich, ob ich auf einer gerade mal zwei Meter hohen Mauer stehe oder auf einem vierzig Meter hohen Turm. Die „Höhenangst“ sollte daher vielleicht eher „Fallangst“ oder „Sturzangst“ heißen.

Und wenn ich versuche, trotzdem nach unten zu sehen, kann es passieren, dass mir schwindlig wird. Ich konnte mir daher sehr gut vorstellen, dass das gleiche auch passiert, wenn ich schwebend über dem Meeresboden hänge. Immerhin macht es ja nicht „plumps!“ und man ist auf zehn Metern Tiefe. Man muss ja irgendwie dahin kommen. Na, das konnte ja heiter werden.

Was Annette betraf, so merkte ich eine gewisse Aufgeregtheit, aber wenn wir uns unterhielten, hatte ich den Eindruck, es war nicht mehr als eine Aufgeregtheit, wie sie ein Schüler vor einer wichtigen Klassenarbeit hatte. Sie sprach zwar von den Booten und den Wracks, wegen derer sie Bedenken hatte, aber das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir waren Anfänger! Man würde uns doch nicht sofort auf ein Wrack loslassen! Und vom Boot aus lostauchen – wir fuhren doch zu einem Riff und würden dort irgendwo festmachen und dann von Land aus ins Wasser. Tauchboote landen doch an, oder? Bei irgendeiner Insel. Es gab doch Inseln im Roten Meer? Natürlich gab es die, aber wurden die auch angefahren?

Ich hatte keine Ahnung.

Irgendwann half alles nichts mehr. Es war zu spät und wir sollten schlafen. Immerhin würde es am nächsten Morgen beizeiten losgehen. Die Nacht war unruhig, aber ich wollte mir nichts anmerken lassen. Wir gingen zum Frühstück, allerdings nicht ohne uns gegenseitig noch nervöser zu machen, als wir schon waren. Die magische Zahl des Morgens war die „10“. So tief würde es heute runtergehen. War die Decke des Speisesaals wohl zehn Meter hoch? Schon ganz schön viel… Schließlich kam der Schweizer noch an unserem Tisch vorbei und fragte, ob wir auch so unruhig geschlafen hätten und aufgeregt wären. Und das fragte er, der nur auf fünf Meter gehen würde? Schön, dass andere Menschen auch Bedenken hatten, aber es beruhigte mich nicht wesentlich. Dann fiel mir der Tipp ein, den unser Tauchlehrer noch gegeben hatte – da wir einige Zeit mit dem Boot fahren würden, wäre es schlauer, nicht so schwer und viel zu essen, das fördert nur die Seekrankheit. Aber es war egal – ich konnte sowieso kaum was essen.

Mein Kreislauf lief entgegen seiner sonstigen Gewohnheit (ich bin Hypotoniker) schon den ganzen Morgen auf Hochtouren. Und so kamen wir bei der Tauchbasis an. „Jetzt geht es loo-os!“, grinste unser Tauchlehrer breit. Der hatte gut lachen. Unsere Ausrüstung war mittlerweile in Plastikkisten verstaut und wurde von uns an Bord unseres Bootes gebracht. Dann ging es tatsächlich los. Schnell ließen wir das Ufer von El Gouna hinter uns. Wir fuhren irgendwo aufs Rote Meer hinaus. Gleich zu Beginn der Fahrt gab uns unser Tauchlehrer jeder einen Tauchcomputer. Ich war froh, dass ich etwas hatte, an dem ich mich festhalten konnte. Wäre der Tauchcomputer ein Tier gewesen, ich hätte es wahrscheinlich aus Versehen mit meinem Griff erwürgt.

Nach einiger Zeit setzten wir uns in der großen Kabine des Bootes an einen Tisch. Theorie wurde wiederholt. Dann wurde das „Briefing“ gemacht. Nachdem die erfahrenen Taucher, die auch mit auf der Tour waren, ihre Einführung über den Tauchplatz schon erhalten hatten, kam unser Tauchlehrer zu uns. Er klappte eine in Plastik laminierte Karte auf, die…

…ein Schiffswrack zeigte.

Wenn mich in dem Moment jemand gefragt hätte, ob ich aus der Kirche austreten wollte – ich hätt’s gemacht. Das war ja mal wieder toll. Typisch für die Ironie des Lebens. Und dafür zahl ich auch noch Kirchensteuern? Das Schiff hieß, als es die Meere noch befahren hatte, Ghiannis D. Dann war es auf die Nordseite eines Riffs mit Namen Shab Abu Nuhas geprallt und gesunken. Ich äugte vorsichtig rüber zu Annette. Sie hatte mir von ihren Problemen mit Wracks erzählt, ließ sich aber irgendwie nichts anmerken. Oder war sie schon erstarrt? Doch es kam noch schlimmer. Unser Tauchlehrer deutete auf einen Aufbau mit Querträger, der von den Aufbauten hochstand und meinte, genau dort würde unser Boot festmachen. Es würde also genau über dem Wrack lagern. Wir würden vom Boot springen und an einem Seil, das unter dem Boot hing, senkrecht fünf Meter in die Tiefe in die Tiefe tauchen. Na klasse! Annette hatte Probleme mit Wracks und mit der Tatsache, unter einem Boot zu tauchen – und jetzt würden wir bei unserem ersten Freiwassertauchgang auch noch alles beides haben? Ich war bereits so in der Rolle des „Buddys“, dass ich nicht bedachte, dass auf mich eventuell auch die eine oder andere Herausforderung zukommen könnte.

Unser Tauchlehrer erklärte unsere Route, vom Startpunkt aus in Richtung Bug des Schiffes, der in zehn Metern Tiefe liegt. Von da wieder zurück Richtung Heck, einmal um die Brückenaufbauten herum. Das müssten dann so ungefähr 45 Minuten sein (mir schoss durch den Kopf: „Oh Gott, die längsten 45 Minuten meines Lebens!“). Anschließend auftauchen und Fahrt zum nächsten Tauchplatz für den zweiten Tauchgang, doch zwischen den beiden Tauchgängen würde es Essen geben. Essen? Ach, werft meine Portion doch gleich ins Meer. Ich würde sowieso nichts essen können. Und die Fische freuen sich bestimmt.

Der Kampf mit dem OktopusShab Abu Nuhas kam näher. Irgendwann mussten wir unsere Ausrüstung fertig machen. Und zwar möglichst bevor die Situation eintritt, dass alle anderen schon im Wasser sind und wir noch beim Aufbauen. Also machten wir uns irgendwann dran. Bei den erfahrenen Tauchern sah das irgendwie professionell aus. Doch das, was ich tat, ließ sich mehr mit „der Kampf mit dem Oktopus*“ umschreiben. Endlich saß die Tarierweste auf der Flasche und schließlich auch die Erste Stufe auf dem Ventil. Alle Schläuche waren dort, wo sie sein sollten. Schließlich sahen wir es. Genau genommen ist Shab Abu Nuhas nicht wirklich zu „sehen“, da sich das ganze Gebilde unter Wasser befindet, aber man konnte es trotzdem gut erkennen. In einiger Entfernung von uns lagen sogar Metalltrümmer auf dem Dach des Riffs und ragten in die Höhe.

Einer der Männer von der Tauchbasis sprang ins Wasser, um unser Boot mit den Aufbauten der Ghiannis D. zu vertäuen. Unser Tauchlehrer machte uns aufmerksam, dass man das Schiff schon sehen könnte – und tatsächlich! Obwohl das Wrack mindestens fünf bis zehn Meter unter uns lag, war es zu sehen. Ich hatte zwar von der guten Sicht im Roten Meer gehört, aber das übertraf doch alles. Nun mussten wir uns endgültig fertigmachen. Also zuallererst wieder den Neoprenanzug an. Das ging nicht wirklich besser als am Tag zuvor. Die Tarierweste nebst Flasche auf. Und so schwer bepackt gingen wir zum Heck des Tauchbootes, wo sich eine Plattform befand. Von hier aus sollte es losgehen. Der Tauchlehrer und Annette waren auch schnell im Wasser. Ich nicht.

Erinnern Sie sich, was ich oben über die Schwerkraft und Höhenangst sagte? Man hat das Gefühl, als sei die Schwerkraft aus irgendeinem Grund stärker, wenn man am Rand steht. Nun stand ich am Rand der Plattform und hatte eine exzellente Sicht nach unten. Zwanzig Meter in die Tiefe. Und womit ich nicht gerechnet hatte, trat ein: Noch bevor wir im Wasser waren, meldete sich meine Höhenangst lautstark zu Wort und pöbelte rum. Das Gefühl, nach unten gezogen zu werden, wurde durch die schwere Ausrüstung noch verstärkt. Und dann sollte ich tatsächlich mit einem großen Schritt reinspringen. Das ließ mich endgültig verkrampfen, denn das letzte, was jemand, der einen akuten Höhenangst-Anfall hat, möchte, ist springen! Genau davor hat man ja Angst.

Wenn ich jetzt versuche, mir ins Gedächtnis zu rufen, was genau der Tauchlehrer und / oder Annette mir in der Situation zuriefen – das gelingt mir nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass irgendwann der Gedanke die Oberhand gewann, dass es jetzt weitergehen musste. Außerdem würde die mich von hinten bestimmt schubsen, wenn ich nicht bald freiwillig reingehe. Und das wollte ich auf keinen Fall. Wenn schon, dann von selbst!

Also dann! Tarierweste aufgepumpt, Regulator in den Mund, Regulator und Maske festhalten, uuuuund…

…ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich.

Meine Befürchtungen, wie ein Meteorit auf dem Deck der Ghiannis D. aufzuschlagen, bewahrheiteten sich nicht. Meine Tarierweste trug mich. Endlich war ich drin. Mir war auch schon warm geworden, so im Neopren in der prallen Sonne. Nun, unserem eigentlichen Tauchgang stand nichts mehr im Weg.

* Für die Nichtkenner: Als „Oktopus“ wird der Ersatzregulator bezeichnet, der im Notfall für den Partner gedacht ist, wenn diesem die Luft ausgeht. Auf dem Bild oben ist der Oktopus der Regulator mit dem gelben Schlauch, der ganz nach unten hängt.

Scuba Diver: Der Pooltauchgang – Annettes Version

Wir standen nun vor der Tauchschule. Fast so, wie bestellt und nicht abgeholt. Unsicher, was nun zu tun sei, blieben wir erst einmal stehen. Schließlich kam der Basisleiter vorbei und schickte uns zum Einkleiden.

Ich persönlich hatte mich vorher noch nicht einmal theoretisch mit dem Tauchen beschäftigt, insofern wußte ich nicht, was mit erwarteten würde bzw was überhaupt alles zu einer Ausrüstung gehört. Ein junger Mann, der wohl kein deutsch sprach, reichte uns diverse Ausrüstungsgegenstände zum Anprobieren. Zuerst den Neoprenanzug. Okay, von dem hatte ich schon mal gehört. Dann ein eigenartiges „Jacket“, eine Art Nylonweste, ein Gürtel, Flossen, Brille, Schnorchel. Wir probierten und probierten. Gerade, als ich meinen auftriebsgeplagten Hintern dem Eingang entgegenstreckte, um die Flossen anzuziehen, hörte ich die freundliche Stimme eines Mannes.

„Hallo, ich bin euer Tauchlehrer! Wie ich sehe, probiert ihr schon eure Ausrüstung an. Wie heißt ihr denn?“

Ich fuhr hoch. Ein Mann? Ehrlich gesagt war ich in dem Moment ein klein bisschen enttäuscht. Ich hatte mich so auf die Tauchlehrerin gefreut. Vor der wäre es mir nicht peinlich gewesen, meine Unsicherheiten zuzugeben. Kritisch musterte ich den Mann. Okay, er wirkte sehr sympathisch, jung war er, aber eben nicht diese vertrauenserweckende Schweizerin.

Was soll’s. Man muss nehmen, was man kriegt. Ich beschloss, erst mal abzuwarten bevor ich mir ein Urteil erlauben würde.

Schließlich waren wir fertig mit der Einkleiderei. Unsere Sachen wurden in eine Kiste gepackt und auf einen Handwagen verladen. Unser Tauchlehrer (TL) führte uns nach draußen und setzte uns an einen Tisch. Vor uns landete ein dicker Ordner, darin waren Fragen nach dem mulitpe choice System. 3 Seiten lang. Die sollten wir beantworten. Er müsse eben noch mit 2 anderen Tauchschülern reden, sagte er.  Der eine war ein Mann mittleren Alters, der den Discover Scuba Diver machte, der andere war bereits Scuba Diver und wollte weitermachen. Da sein Kurs aber schon länger her war, wollte er mit uns noch einmal mitgehen.

Thorsten und ich warfen uns Blicke zu. „Ähm“, sagte ich, „wir haben das Buch gerade mal eine Stunde und in der Zeit haben wir es wirklich nicht geschafft, es zu lesen“ , widersprach ich. „Ihr habt doch den Film gesehen oder?“, fragte der TL. „Ja“, antworteten wir im Chor, „aber der war auf englisch“. Unser TL grinste. „Na, dann werden wir ja gleich mal feststellen, wir gut euer Englisch ist“, antwortete er.

Also gut. Wir machten uns an die Arbeit. Und waren erstaunt. Wir hatten doch wirklich viel von dem Film behalten. Bis auf 2-3 Fragen, bei denen wir wirklich raten mussten, klappte es ganz gut.

Unser TL kam zurück. Er ging mit uns Frage für Frage durch und erklärte alles nochmal genau. Schließlich hatten wir es geschafft. Endlich durften wir zum Pool. Dort angekommen wollten wir natürlich sofort loslegen. Aber…weit gefehlt. Unser TL fragte uns doch tatsächlich, ob wir schwimmen könnten.

Wie bitte?

Ich hielt das für einen Witz. „Klar“, sagte ich. „Ja? Na dann zeigt mal“, kam von ihm zurück.

Auch wenn ich Gefahr laufe, mich zu wiederholen: Wie bitte?

„Das ist doch nicht dein Ernst“, sagte ich. „Doch klar, meinte er, “ ihr müsst jetzt 10 min ohne Unterbrechung schwimmen. Davon muss ich mich überzeugen. Schließlich gibt es hier Leute, die tauchen lernen wollen und bis zu dem Zeitpunkt nur bis zur Brust im Wasser waren.“

Ich war mir immer noch nicht sicher, ob er nur scherzte. Es war aber kein Scherz. Also gut. Wir gingen in den Pool und fingen an zu schwimmen. 10 min lang. Ohne Unterbrechung!

Nachdem wir die erste Hürde zum Tauchschein mit Bravour genommen hatten, mussten wir uns als nächstes mit nasser Haut in unsere zweite Haut (Neopren) quetschen. Nun ging es aber endlich richtig los. Wir bekamen das Tauchgerät erklärt und mussten üben, es zusammenzubauen. Jetzt war mir immerhin mal klar, wozu man dieses ominöse „Jacket“ brauchte. Logischerweise musste man ja irgendwo die Flasche festmachen. Zudem sollte man unter Wasser auch auf verschiedenen Höhen tauchen können, und auch dazu brauchte man das Jacket, um Luft ein- und auszulassen. Klar. Wenn man es mal von der Seite betrachtet.

Schnapp – alle Tauchschüler hatten ihre Flaschen am Jacket. Alle? Nein! Eine gewisse Schülerin kämpfte mit der Schnalle. Hier möchte ich eins dazu erklären. Ich bin ein spezielles Persönchen, wenn es ums Lernen geht. Ich möchte bitte NICHT auffallen, am Besten merkt man gar nicht, dass ich dabei bin. Ich möchte auch bitte NICHT, dass alle auf mich warten müssen, und ich die Gruppe aufhalte. Und ich möchte bitte NICHT beobachtet werden, wenn ich mich dumm anstelle.

Die Schnalle wollte nicht umklappen. Das heißt, sie wollte schon, nur hatte ich nicht die Fertigkeit, diese widerspenstige Teil einfach umzulegen. Das Jacket rutschte über den Boden statt dass sich die Schnalle schloß. Unglücklicherweise merkte ich bereits die Blicke der anderen, was es nicht besser machte. Und unser TL feuerte mich auch noch mit flotten Sprüchen an! Schließlich hatte er wohl Mitleid und hielt mir das Jacket fest. Endlich klappte es.

Anziehen durften wir uns aber erst im Wasser. Da das Becken flach war, befürchtete unser TL, dass wir mit Blei und Flasche die Kacheln kaputt machen könnten, wenn wir so einfach reinspringen. Endlich war die ganze Ausrüstung am Mann/Frau. Es folgte eine kleine Einführung, was wir unter Wasser üben würden. Brille ausblasen, wenn Wasser eingedrungen war, Brille absetzen und ohne Brille eine Minute atmen, Unterwasserzeichen, Lungenautomaten aus dem Mund nehmen und wieder einsetzen, Lungenautomaten „verlieren und wiederfinden“, Tarierübungen, atmen aus dem Automaten des anderen… da gab es eine Menge zu tun.

Jetzt war es soweit. Der erste Atemzug unter Wasser. Alle waren auf den Grund abgetaucht, da sollten wir uns hinsetzen. Ich blieb noch eine Sekunde länger an der Oberfläche und ließ die Sache auf mich wirken. Hoffentlich klappte alles. Ich konnte zwar stehen und wäre im Notfall gleich oben, aber es war schon ein komisches Gefühl. Ich lächelte in mich hinein und tauchte ab. Im Abtauchen nahm ich den ersten Zug. Es ging! Das war ja lustig! Und ich hatte kein Wasser geschluckt! Kaum hatte ich diesen Satz zuende gedacht schluckte ich auch schon meine erste Ladung Wasser. Warum weiß ich nicht. Jedenfalls bekam ich eine Hustenattacke und richtete mich sofort auf. Über Wasser hustete ich mich erst mal aus. Unser TL erschien an der Oberfläche. „Alles klar?“ , fragte er. “ Jaja, schon gut“, brummte ich. Ich war verärgert. War das denn zu glauben?  Wieso musste mir immer so ein Scheiß passieren? Alle anderen waren doch problemlos runter gekommen. Ich ließ die Luft aus dem Jacket und tauchte ab. Hoppala. Ungeschickt plumste ich bäuchlings auf den Boden. Alle anderen saßen bereits. Umständlich rappelte ich mich auf und setzte mich dazu.

Nachdem wir nun endlich alle unseren Platz gefunden hatten begann der Unterricht. Was wir nacheinander taten, weiß ich nicht mehr so genau. Ich weiß nur, dass ich wirklich aufgeregt war. Obwohl ich wußte, dass ich mit einem Satz aus dem Wasser gewesen wäre war es doch eine Überwindung, seine technischen Hilfsmittel einfach abzulegen. Ich beobachtete die anderen dabei. Da ich immer die 4. in der Übungsreihe war, hatte ich genug Zeit dazu. Ich stellte fest, dass alle die Übungen ruhig und problemlos machten. Auch Thorsten wirkte sehr ruhig und souverän. So wollte ich das auch machen. Trotzdem merkte ich, wie mir das Adrenalin hochschoss als ich das erste Mal die Brille befluten musste. Aber erstaunlicherweise gelangen mir alle Übungen genauso gut wie den anderen.

Wir übten lange und gründlich. So langsam bekam man eine Art Sicherheit, die erste Nervosität unter Wasser hatte sich gelegt und ich begann, mich an das Medium Wasser zu gewöhnen. Ich atmete einfach ohne drüber nachzudenken, dass ich das hier eigentlich nicht können dürfte. Auch wenn es etwas ungewohnt ist, durch den Mund zu atmen, mit Taucherbrille kann man nicht durch die Nase atmen. Und so langsam wurde der Mund ganz schön trocken.

Schließlich begannen die Tarierübungen. Dazu legten wir uns auf den Bauch, ließen etwas Luft in das Jacket und mussten so lange ein und ausatmen, bis wir einen 45 Grad Winkel erreichten, die Flossen blieben auf dem Boden. Das bereitete mir deutliche Schwierigkeiten. Ich „hob“ zwar ab, jedoch bekam ich einen starken Rechtsdrall. Ständig drohte ich, mich über meine rechte Schulter auf den Rücken zu drehen. Mit aller Gewalt versuchte ich, mich in der Lage zu halten, es ging nicht. Ich denke, es lag daran, dass das Jacket nicht eng genug saß und mir die Flasche nach rechts verrutschte. So einfach war das also doch nicht, diese Tariererei.

Inzwischen wurde es immer dunkler. Ich hatte das Gefühl für die Zeit völlig verloren. Sämtliche Badegäste waren inwzischen weg. Wir übten noch den kontrollierten Notaufstieg in der Horizontalen, aufsteigen ging nun wegen der fehlenden Tiefe nicht. Jetzt war es so dunkel, dass man seine Hand vor den Augen nicht mehr erkennen konnte. Wir tauchten auf. An der Wasseroberfläche übten wir noch das gegenseitige Abschleppen. Das war angenehm. Thorsten zog mich gerade durch den Pool, da blickte ich in den Sternenhimmel. Ich überlegte. Hätte ich mir das je träumen lassen? Dass ich mal tauchen würde? Nein. Ich war positiv überrascht. Gelinde ausgedrückt. Ich war eher begeistert.  Gut, die anfänglichen Patzer… aber das passierte halt. Dafür ist man Schüler. Und das Atmen unter Wasser gefiel mir. Alles in allem war das ein sehr schöner Tag gewesen fand ich. Diese Investition hatte sich gelohnt.

Wir stiegen aus dem Wasser. Augenblicklich fing ich an zu frieren. Die Sonne war weg und ein Wind war aufgekommen. Ich wollte mich so schnell wie möglich anziehen. Doch jetzt stand ich vor einem neuen Problem. Mittags hatte ich mich in den Neopren zwängen müssen, jetzt wollte er nicht mehr von mir weg. Was war das denn nun wieder? Stellte ich mich schon wieder blöd an? Unser TL hatte seinen bereits aus. Ich wand mich auf der Stelle hin und her, es nützte nichts, der Anzug blieb da, wo er war. Ärgerlich sah ich mich um. Thorsten ging es ähnlich. Dem Neopren-Breakdance nach zu urteilen schien auch er nicht mehr aus seinem Anzug  rauszukommen. Unser TL amüsierte sich erst mal, dann verriet er, dass das kein unbekanntes Problem sei. Er half uns aus der Klamotte. Gott sei dank war dieses lästige Ding von meiner Haut!

Wir verluden unsere Sachen auf den Handkarren und gingen zurück zum Hotelzimmer. Der nächste Tag war Feuerprobe. Unsere ersten zwei Freiwassertauchgänge standen bevor. Zuerst glücklich über den Tag schwatzen Thorsten und ich auf dem „Heimweg“ über das Erlebte, doch dann… wurden wir nachdenklich. Mehr dazu das nächste Mal!

Scuba Diver: Der Pooltauchgang – Thorstens Version

Nachdem wir also die Theorie mit Selbststudium unterfüttert hatten, soweit uns das möglich war, machten wir uns erneut auf zur Tauchbasis, wo uns dann unser Tauchlehrer vorgestellt wurde. Nein, es war nicht die Schweizerin. Es war ein „Freelancer“. Im ersten Moment war mir das gar nicht so recht, denn so langsam merkte ich, dass ich nervös wurde. Und etwas wortkarg.

Die erste Hürde, die wir zu überwinden hatten, war die Ausrüstung. Wir mussten etwas finden, das uns passt, ein passender Neoprenanzug, eine Tarierweste, Flossen, Brille… Ich zog an, was man mir reichte und letztlich passte auch irgendwas. Gleichzeitig wurden wir unseren „Kurskollegen“ vorgestellt. Mit Annette und mir sollten noch ein Schweizer und ein Niederländer dabei sein. Der Schweizer hatte allerdings nur das „Discover Scuba Diving“-Paket gebucht, das bedeutete, er würde nicht alle Poollektionen mitmachen und am nächsten Tag nur einen Tauchgang machen, und nur bis fünf Meter Tiefe. Aber fünf Meter, das war ja nichts. Das hatte ich auch schon ohne Tauchausrüstung geschafft. Andererseits, 12 Meter, das war mehr als doppelt so tief…

Der Niederländer hingegen brauchte wohl nur noch einen „Auffrischkurs“, denn er hatte bereits einen Tauchschein. Während wir dann die Ausrüstung anprobierten, bekam ich auf einem Ohr ein Gespräch zwischen dem Niederländer und unserem Tauchlehrer mit, die sich auf englisch darüber unterhielten, dass Annettes Neoprenanzug nicht passte. „She gonna have problems with that“, sagte der Niederländer. „I know“, war die Antwort unseres Tauchlehres, „but she wants it that way.“ Hm, dachte ich mir, Annette wird schon wissen, was sie tut. Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als dass ich mir darum auch noch Gedanken machen konnte.

Sheraton Miramar Resort: Der PoolNach einer Wiederholung des Gelernten in Form von einen Test, wobei sich unter Tauchlehrer ausreichend Zeit nahm, alles mit uns durchzugehen, bis es klar war, wurde unsere Ausrüstung zum Pool gebracht. Ein wirklich komisches Gefühl, diesmal auf der anderen Seite zu stehen, denn nun sahen andere Hotelgäste interessiert zu, was wir denn da taten. Wir fingen also an, unsere Ausrüstung zu richten. Der Tauchlehrer stand uns zur Seite und erklärte den Anfängern geduldig, wie man das richtig macht, wie man die Pressluftflasche am Jacket befestigt, wie die Erste Stufe angeschlossen wird und so weiter. Poseidon sei Dank (oder wer auch immer im Pantheon dafür verantwortlich ist) hatte auch er, so wie seine Kollegin, eine angenehm ruhige Art an sich und erklärte die Dinge mit viel Humor. Das Problem war nur, zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht wirklich richtig darüber lachen. Die Nervosität war bereits viel zu groß. Immerhin sorgte unser Tauchlehrer so auf seine ganz eigene Art dafür, dass sie nicht überhand nahm.

Dann kam die erste neue Erfahrung – Neopren. Man muss kräftig dran ziehen, damit man reinkommt. Wenn man den Anzug endlich anhat und an Land steht, wird einem sehr schnell verdammt warm, vor allem in der Sonne Ägyptens. Sogleich kam die nächste Erfahrung, die ich bisher immer nur beschrieben bekommen hatte und die ich mir so gar nicht vorstellen konnte. Es sei nämlich, hatte man mir immer erzählt, gar nicht so schlimm, im Neoprenanzug ins Wasser zu steigen, wenn es eine gewisse Temperatur hatte. Diese Temperatur musste nicht mal sonderlich hoch sein. Und was soll ich sagen – es ist tatsächlich so. Nun hatte der Pool natürlich trotzdem noch angenehme Temperaturen, aber auch aus anderen Erfahrungen, die ich mittlerweile gemacht habe, kann ich bestätigen: Auch wenn man es nicht glaubt, das Neopren erfüllt seinen Zweck. Selbst wenn es nur 5 Millimeter hat.

Schließlich, ein paar Erklärungen später, kam der große Moment: zum ersten Mal unter Wasser gehen mit dem Regulator. Nun, eigentlich hatte ich sowas ja schon mal gemacht, aber das war zu dem Zeitpunkt etwas mehr als 15 Jahre her. Und die Situation war eine andere – diesmal wusste ich, was ich tat. Ungefähr jedenfalls. So’n bisschen. Trotzdem musste ich konzentriert bleiben, um nicht gewohnheitsmäßig die Luft anzuhalten. Siehe da, es ging. Es dauerte, bis ich mich zurecht gefunden hatte mit der Ausrüstung, oder sagen wir, bis die Ausrüstung nicht immer nur das machte, was sie wollte, sondern ab und an auch mal auf mich hörte. Dann kamen wir zu den spezifischen Übungen.

Der große Vorteil vom Pooltauchgang ist, dass man im Ernstfall schnell an der Oberfläche ist, falls etwas schiefgeht. Aber was soll ich sagen? Es ging nichts schief. Das war mir schon wieder unheimlich. Maske abnehmen, wieder aufsetzen und sie ausblasen – klappte beim ersten Mal. Hä? Regulator aus dem Mund nehmen, fallenlassen, wiederfinden und wieder zurück in den Mund – klappte. Selbst die Übung, bei der man die Maske abnehmen und mindestens eine Minute ohne diese durch den Regulator atmen musste, funktionierte. He, ich bin Anfänger! Ich verlange, Fehler zu machen! Ich will mich blöd anstellen! Okay, letzteres hätte ich vielleicht nicht so laut fordern sollen, denn das kam noch. Tatsächlich war meine Stimmung zum ersten Mal eher positiv. Aber Zweifel blieben. Kleine, niedliche Zweifel. Zweifel, die noch wachsen sollten. Und das schneller, als mir lieb war.

Wir machten die Poollektionen so ausführlich, dass es längst dunkel war, als wir zum letzten Mal aus dem Wasser stiegen. Die letzten Übungen hatten wir im gedimmten Licht der „kleinen“ Poolbeleuchtung durchgeführt. Jetzt, da wir rausgingen und uns des Neoprenanzugs entledigten, schaltete man die großen Unterwasserscheinwerfer ein. Arrgh! Warum jetzt? Warum nicht früher?

Die Bilanz des Tages war durchaus positiv. Der Tauchlehrer war sehr bemüht und manchmal konnte man den Eindruck bekommen, er machte bestimmte Dinge nur, um uns ein Lächeln zu entlocken. Selbst unter Wasser, aber lächeln Sie mal, wenn Sie einen Regulator im Mund haben. Was mich an dem Tag allerdings sehr irritierte, war der Punkt, dass wir dem Tauchlehrer demonstrieren mussten, dass wir in der Lage waren, nicht nur zu schwimmen, sondern das auch noch zehn Minuten ohne Pause. Dabei war schwimmen doch genau das, was ich so konnte. Leichteste Übung! Wie Mark Spitz! Na gut, wie ein in die Jahre gekommener Mark Spitz, der nie an Olympia teilgenommen hatte. Oder sagen wir, wie ein Badewannen-Mark-Spitz. Das trifft’s. Meine Frage, ob es denn was gebracht hätte, wenn ich mein Freischwimmerzeugnis (von 1983 oder so) mitgebracht hätte, wurde seitens des Tauchlehrers abschlägig beschieden. Der Tauchlehrer habe sich, so die Vorschriften, „persönlich“ davon zu überzeugen, dass die Schüler schwimmen können.

Im Dunkeln und der dadurch bedingten aufziehenden Kälte mussten wir uns unserer Sachen entledigen. Also das gleiche wie am Mittag, nur umgekehrt: Raus aus dem Neopren. Hmja. Also, den Reißverschluss kriegte ich auf. Und dann? Keine Chance – ich kam nicht raus (für die Kenner unter den Lesern: Mein Anzug hatte den Reißverschluss vorne). Ich drehte mich zu unserem Tauchlehrer um. „Gibt es da einen Trick?“, fragte ich und hoffte insgeheim, seine Antwort würde nicht lauten: „Nein, da gibt es keinen Trick. Jeder Idiot kommt aus einem Neoprenanzug raus!“ Doch tatsächlich lächelte er mild und meinte: „Ja, da gibt es einen Trick: Lass Dir vom Buddy helfen!“ Da Annette genug mit ihrem Anzug zu kämpfen hatte, sprang der Tauchlehrer kurzfristig in die Rolle des Buddys und zog mir das Neopren von den Schultern. Danach ging es ganz einfach ohne Probleme wie geschmiert zwar auch nur mit viel ziehen und zerren weiter, aber irgendwann war ich den Anzug los.

Nachdem wir wieder trocken waren, ging es direkt zum Abendessen und daran, das Erlebte zu verarbeiten und durch Bücherstudien zu vertiefen. Wir waren jetzt „Buddys“, das hatte ich heute gelernt – Tauchpartner, die auf einander zu achten hatten. Wenn sie nicht gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Ooookaaaay…