Das etwas andere Blog über das Tauchen.

Kategorie: Ausbildungsstufe (Seite 3 von 6)

Was in der Zwischenzeit und davor geschah…

Wir hatten also den Rescue Diver abgeschlossen. Und hier muss ich ein Geständnis machen: Aus purer Absicht haben wir bei den bisherigen Artikeln kleine Details ausgelassen. Meine Motivation dabei war – Dramatik. Ausgelassen haben wir beispielsweise eine Bemerkung beim OWD-Kurs über unsere Tauchfertigkeiten und was wir damit noch erreichen können würden, oder Majkis Antwort auf die eMail, dass wir den AOWD-Kurs abgeschlossen hatten, die lautete, dass wir uns doch bitte beeilen mögen mit unserer weiteren Ausbildung (sinngemäß wiedergegeben).

Annette: Gehe ich Recht in der Annahme, dass Du diese Kommentare auch weiter verheimlichen willst?

Ich möchte sie zurückstellen, um Spannung zu erzeugen und die Leser neugierig zu machen. Ansonsten interessiert sich doch keiner für das, was wir schreiben.

Natürlich hatten wir uns immer die Frage gestellt, wie weit wir mit dem Tauchen gehen würden. Am Anfang wollten wir ja gar nicht mehr haben als den Scuba Diver, irgendwann – als wir doch weitergemacht hatten – stand mal der Rescue Diver als Fernziel am Horizont. Dann die Überlegung, “vielleicht irgendwann mal” auch noch den Divemaster zu machen. Annette sah das dabei mehr als eine Art Herausforderung an, der sie sich stellen wollte. Ich sah zunächst keinen Sinn dahinter, Divemaster zu werden, wenn man dann nicht auch etwas in der Richtung machen wollte. Die Divemaster bei PADI assistieren bei der Ausbildung von Tauchschülern, führen Tauchtouren und ähnliches. Wollten wir sowas wirklich machen?

Mich trieb bei der frühen Entscheidung, den Divemaster zu machen, etwas anderes an. Wenn ich eins hasse, dann ist es, wenn man etwas erlernt, was stufenweise aufgebaut ist und man immer zu hören bzw zu lesen bekommt: Das lernst du dann später. Nehmen wir doch einmal das praktische Beispiel zur Hand: Ich kann mein Leben lang Scuba Diver bleiben oder OWD, aber schon bei meinen ersten Tauchgängen könnte ich auf einen leblosen Taucher ober- oder unterhalb des Wassers treffen. Was soll ich nun tun? Dem Taucher zuflüstern: “Sorry, aber ich bin nur OWD, wie ich dich rette lerne ich erst im nächsten Kurs.”???

Außerdem war ich der Meinung, je tiefer ich in die Materie eindringe, desto sicherer könnte ich werden. Natürlich ist Tauchen vorwiegend praktisch, aber viel Input kann nicht schaden. Denken wir nur mal an die Selbstrettungstechniken. Konfrontation mit unangenehmen Situationen. Einfach das Verstehen war mir wichtig.

Dann geschah etwas, das zumindest ich so nicht sehr häufig erfahren hatte: Wir wurden gefördert und ermuntert.  Uns wurde nahegelegt, nicht aufzuhören und nach dem Rescue Diver keine zu lange Pause zu machen. Würden wir den Divemaster – den ersten Schritt zum “Professional” – machen, müssten wir auf vieles vom Rescue Diver zurückgreifen. Es war also besser, “drin” zu bleiben. Der Divemaster würde allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen, da man hier bei verschiedenen (auch Anfänger-)Kursen mit dabei sein muss, insgesamt 8 schriftliche Prüfungen absolvieren und verschiedene Skills demonstrieren musste. Und fast wie von selbst stand auf einmal im Raum, doch auch noch einen Schritt weiter zu gehen – zum Tauchlehrer. Der Plan sah dann vor, einen Sommer mit viel Tauchen und Kursen zu verbringen, und dabei den Divemaster zu machen. Aber wenn Sie sich durch unsere ganze Geschichte bisher durchgewühlt haben, werden Sie schon wissen: Pläne sind bei uns eine grobe Richtungsangabe, die regelmäßig umgeworfen werden.

Annette: 🙂

Dann allerdings gab es einen kleinen Tiefschlag. Noch bevor wir für den Rescue Diver nach Horka fuhren, wurde uns erzählt, dass der bisherige Betreiber der Tauchbasis am Schluchsee diese aufgeben würde. Zwar würde Majkis Tauchschule die Lehrräume behalten, aber so einfach tauchen wie bisher, das wäre nicht mehr möglich gewesen. Außerdem hatte es uns auf der Basis gefallen. Dass das nicht mehr so sein würde, erschien uns irgendwie… irreal.

Das war in der Tat ein Tiefschlag. Zwar waren wir noch nicht lange auf der Basis zu Hause, aber wir hatten uns schon irgendwie dran gewöhnt. Die Leute waren nett, und es war immer schön, zwischen zwei Tauchgängen mal hinsitzen zu können um abzutrocknen und zu quatschen. In dem Fall hätten wir zwar tauchen können, aber unsere Sachen hätten wir im Auto lassen müssen und zum Aufhängen wäre auch keine Alternative da gewesen.

Doch nach der Tour nach Horka für den Rescue Diver, als wir zum ersten Mal bei einem Kurs bei den Pool-Lektionen dabei waren, hatte sich das wieder geändert: Majkis Tauchschule würde die Basis in Zukunft betreiben. Damit würde sie im Sommer wieder geöffnet sein. Dem Divemaster stand damit nichts mehr im Weg. Nach einigen Poolmodulen war eine weitere Tour nach Horka geplant, wo die Freiwasserlektionen von zwei Kursen stattfinden sollten. Und wir waren mit dabei. Auf dem Weg zum Divemaster! Wer hätte das gedacht?

Ja, wer hätte das gedacht. Und wer hätte auch gedacht, dass in Horka eine weitere, äußerst wichtige Entscheidung getroffen wurde? Hups, hab ich zu viel verraten?

Jetzt werden es unsere Leser vor Spannung kaum noch aushalten! Wohlan denn, auf ins nächste Kapitel unserer gar schröcklichen Abenteuer!

RESCUE DIVER, die Zweite: Uuuuuuuund…. ACTION!

Der Rescue Diver schritt voran. Szenario folgte auf Szenario. Ich hob Annette vom Grund auf, ganz ohne auf irgendwelche Kaugummis zu stoßen, sie schleppte mich an Land, ohne Probleme mit dem Tarierhebel von meinem Jacket zu haben, wir retteten Taucher in Panik über und unter Wasser. Dann schrieben wir die schriftliche Prüfung, die wir beide bestanden. Dann stand noch ein Szenario an.

  • Rettung eines Tauchers an der Oberfläche vom Land aus

Bei diesem Szenario wird davon ausgegangen, dass man von einem Tauchgang bereits an Land / aufs Boot zurückgekehrt ist und einen Taucher entfernt an der Oberfläche entdeckt, der um Hilfe winkt. Da man die Ausrüstung bereits abgelegt hat, muss man nach einer Alternative schauen und mindestens zwei Versuche von Land aus unternehmen, bevor man wieder ins Wasser steigt. Der Tauchsee Horka ist für eine solche Übung ideal, denn direkt neben der Treppe für den Einstieg befindet sich eine Schwimmplattform. Hier standen also Annette, Babsi und ich, während Majki sich gefühlte 200 Meter draußen auf dem Wasser befand und um Hilfe winkte. Doch gemach! Wir hatten auf der Plattform die Markierungsboje – nicht jene, die uns beim “vermissten Taucher” schon so gute Dienste geleistet hatte. Diese Boje glich von der Form her einem holländischen Gouda. An ihr war ein Seil befestigt und ich stellte mir vor, dass sie bestimmt gute Flugeigenschaften hatte.

Annette: Schwimmt Käse eigentlich? Ich meine, im Rescue Diver Buch steht, man kann alles werfen, was an der Oberfläche schwimmt. Somit bekäme der “fliegende Holländer” eine neue Bedeutung. Ich möchte mir die Auswirkungen allerdings nicht vorstellen. Die Bild Schlagzeilen:

“Tauchlehrer von fliegendem Gouda erschlagen”

“Opfer während der Rettungsaktion mit Käse gefüttert”

“Gallenoperation notwendig nach Rettung eines Tauchers mittels Käselaib”

Ist doch alles Käse!

Während Babsi und Annette beruhigend auf Majki einredeten – obwohl man bei der Distanz eher sagen kann, sie brüllten beruhigend auf ihn ein – bereitete ich mich auf meinen Wurf vor.

Was blieb uns auch anderes übrig? Ich meine, wir können den armen Majki ja schließlich nicht seinem Schicksal überlassen. Insofern fühlten wir uns verpflichtet, ihn zu warnen! “Paß auf, Majki, paß auf, Thorsten wirft gleich! Zieh den Kopf ein! Tauch notfalls ab!”

Früher am Strand habe ich auch immer Frisbee gespielt, das würde ich ja wohl noch hinkriegen. Ich nahm die Boje wie ein griechischer Diskuswerfer, holte Schwung, schleuderte sie davon und…

…traf daneben um etwa zehn Meter.  V…! Während ich die Boje mittels ihres Seils wieder einholte, dachte ich nach. Da hatte ich doch mal was in der Schule gelernt… vor langer Zeit… Vor meinem geistigen Auge baute sich ein Bild auf:

Wurfparabel - Bild: Geof at the German language Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/User:Geof)

Wurfparabel - Bild: Geof at the German language Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/User:Geof)

Die Wurfparabel! Genau! Und der Scheitelpunkt der Wurfparabel wird erreicht, wenn die vertikale Geschwindigkeitskomponente ihren Nulldurchgang hat, das heißt, wenn sich eine zuerst nach oben gerichtete Bewegung in eine nach unten gerichtete Bewegung umkehrt. Den Scheitel kann man berechnen, da der Wurf eine Parabelform hat, und der Scheitel somit zwischen den Nullstellen 0 und R liegt:

Damit war mir alles klar! Ich wusste nun, was ich zu tun hatte. Ich nahm die Boje, versetzte sie in Schwung, schleuderte sie davon…

…und traf ganz exakt! Google! Äh… YAHOO!

Ich möchte hier an der Stelle zweierlei oder auch mehr anmerken!

Erstens: Wissen die Leser eigentlich, dass du vor Kurzem an einem Mathematik-Quizz teilgenommen hast und dass als Ergebnis ein Bild von Paris Hilton erschien? 🙂

Nein, das wissen sie nicht, und das aus gutem Grund: Ich hab es ihnen verheimlicht. Aber Du musst ja alles ausposaunen!

Zweitens: Du hast ja wieder mal deinem Quizz Ergebnis alle Ehre gemacht. Du hast zwar mit der Wurfparabel gerechnet, allerdings hast du es dir zu einfach gemacht. Schließlich hast du den Luftwiderstand wieder mal außer Acht gelassen, und somit ist es kein WUnder, dass du dich um 10 m verzielt hast. Den Luftwiderstand muss man nun schon auch miteinbeziehen, nämlich so:

Wurfparabel mit Luftwiderstand

Die Luftreibung und ein inhomogenes Schwerefeld nehmen Einfluss auf die Flugbahn. Dieser Einfluss ist Gegenstand der Ballistik.

  • Luftwiderstand: Die Atmosphäre wirkt bremsend; je höher die Geschwindigkeit ist, desto stärker ist die Abweichung – denn der Luftwiderstand nimmt mit v2 zu, die Bahnkrümmung (d. h.: die horizontale Streckung der Parabel durch höhere horizontale Geschwindigkeit) aber nur mit v ab. Die absteigende Kurve wird deutlicher gekürzt als die aufsteigende und verläuft daher steiler. Die maximale Wurfweite wird nicht mehr bei \beta = 45^\circ erreicht. Außerdem muss beachtet werden, dass die Dichte der Luft in höheren Lagen geringer ist und damit ist auch der Luftwiderstand im Scheitelpunkt kleiner als am Boden.
  • Inhomogenität des Schwerefelds
    • Kugelform der Erde: Die Lotlinien sind nicht parallel, sondern laufen im Erdzentrum zusammen. Daher würde auch im Vakuum keine Parabel resultieren, sondern eine Keplerellipse mit dem Brennpunkt im Geozentrum. Der Unterschied zur Parabel ist zwar bei üblichen Anwendungen nur im Millimeter-Bereich, wächst bei Raketen aber auf Kilometer an.
    • Lokale Variationen der Erdschwerebeschleunigung: Für Abweichungen der Schwerebeschleunigung auf der Erdoberfläche vom Schwerefeld einer idealen Kugel sorgen die Zentrifugalkraft der Erdrotation, die Erdabplattung (welche letztendlich eine Folge dieser Zentrifugalkraft ist), das Höhenprofil (Gebirge = große Masse, aber auch größere Entfernung vom Geozentrum) und die Massenverteilung im Untergrund (siehe Gravimetrie). Beispielsweise beträgt die Schwerebeschleunigung am Äquator 9{,}780\, \mathrm{m}/\mathrm{s}^2, an den Polen jedoch 9{,}832\,\mathrm{m}/\mathrm{s}^2. Findet der Wurf komplett in einem Bereich statt, in dem man die Schwerebeschleunigung als konstant annehmen kann, wird die Parabelform (bzw. Ellipsenform) zwar beibehalten, jedoch wird die Parabel durch eine geringere Schwerebeschleunigung weiter und durch eine höhere Schwerebeschleunigung enger. Ansonsten ergeben sich Abweichungen von der Parabelform.

Differentialgleichungen

Ein Körper werde mit der Geschwindigkeit vgesamt unter dem Winkel β (zur Horizontalen) schräg nach oben geworfen. Um den Luftwiderstand FReibung berechnen zu können, müssen im Gegensatz zur idealisierten Wurfparabel auch Form (Cw-Wert), Masse m und Querschnittsfläche A des Körpers bekannt sein.

Die horizontale und vertikale Komponente der Anfangsgeschwindigkeit lauten

v_x = v_\mathrm{gesamt} \cdot \cos\beta
v_y = v_\mathrm{gesamt} \cdot \sin\beta

Im Laufe des Flugs ändern sich beide Komponenten der Geschwindigkeit unter dem Einfluss von Gravitation und Luftreibung. Die Luftreibung ist proportional zum Quadrat des Betrags der Geschwindigkeit:

F_\mathrm{Reibung}(t) = 0{,}5 \cdot  \rho_\mathrm{Luft} \cdot C_\mathrm{w} \cdot A \cdot (v_x^2(t) +  v_y^2(t))

Diese Reibungskraft bewirkt eine Beschleunigung, die der Bewegung immer genau entgegengesetzt gerichtet ist. Die Flugrichtung β(t) zum Zeitpunkt t ist:

\begin{align}  \beta(t) & =\arctan (v_y(t)/v_x(t))  \end{align}

Damit lässt sich die Beschleunigung a(t) in zueinander senkrechte Komponenten zerlegen:

\begin{align} a_x(t) & = -\cos(\beta(t))\cdot F_\mathrm{Reibung}(t)/m \\ a_y(t) & = -g-\sin(\beta(t))\cdot F_\mathrm{Reibung}(t)/m \end{align}

Damit können aus dem Ort und der Geschwindigkeit zur Zeit t die Geschwindigkeit und Ort zur Zeit t + dt berechnet werden. Dabei ist dt ein Differential der Zeit:

\begin{align} x(t+dt) & = x(t) + v_x(t) \mathrm{d}t \\ y(t+dt) & = y(t) + v_y(t) \mathrm{d}t \\ v_{x}(t+dt) & = v_{x}(t) + a_x(t) \mathrm{d}t \\ v_{y}(t+dt) & = v_{y}(t) + a_y(t) \mathrm{d}t \\ \end{align}

Dieses gekoppelte System von Differentialgleichungen hat keine geschlossene analytische Lösung. Eine Lösung kann jedoch numerisch berechnet werden.

Quelle: Wikipedia

Jetzt ist klar, oder? Insofern musst du das oben korrigieren. Du hast den ersten Wurf  mit deiner Rechnung ausgeführt und DESHALB hast du dich verworfen.

Hatte ich erwähnt, dass ich in dem gleichen Quizz das Ergebnis “Albert Einstein” hatte? 😛

Nein, hattest Du nicht. Und warum hast Du es nicht dabei belassen?

Um dem allgemeinen Vorurteil, “Frauen können nicht rechnen” etwas entgegensetzen zu können. Deshalb!

Jedenfalls, zu dritt zogen wir dann an dem Seil und holten Majki mit einem Tempo rein, mit dem andere Wasserski fahren können. Auch diese Aufgabe war damit gelöst… äh, könnte ich bitte eine Fanfare haben?

NEIN! Nicht schon wieder!

Also guuut… Ja, und damit war der Rescue Diver abgeschlossen. Ende. Aus. Finito. Bei den Ausbildungsgängen von PADI gab es auf der “Hobby-Seite” nur noch eine “Stufe”, die nicht wirklich eine “Stufe” ist – der “Master Scuba Diver”, den man verliehen bekommt, wenn man fünf Spezialkurse abgeleistet hat. Von der Ausbildung her hatten wir das Ende der Fahnenstange im Hobby-Bereich erreicht.

Wow!

Tja, das war’s dann wohl. Den “Deep Diver” wollten wir noch machen und vielleicht noch den einen oder anderen Spezialkurs, aber sonst…

Glauben Sie das wirklich, liebe Leserin, lieber Leser? Nein, die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende…

[Die Texte und Grafiken zur Berechnung der Wurfparabel stammen aus dem Artikel “Wurfparabel” der Deutschen Wikipedia und sind unter der Creative Commons Lizenz AttributionSharealike 3.0 Unported (CC-by-SA-3.0) verfügbar. Die Autoren des Textes finden sich hier.]

RESCUE DIVER: Uuuund… ACTION!

Schon am ersten Tag der Rescue-Diver-Freiwasser-Übungen konnten wir die Annehmlichkeiten des Trockentauchanzugs am eigenen Leib erfahren. Es war zwar Mitte April, aber das Wetter war nicht so überragend, und das Wasser des Tauchsees hatte um die 6 ° C. Während des Tauchgangs hielt der Trocki wärmer als sein Nass-Kollege, und für den zweiten Tauchgang mussten wir nicht in die nassen Sachen steigen. Und es mussten mindestens zwei Tauchgänge pro Tag sein, denn wir hatten ein straffes Programm mit den verschiedenen Notfall-Szenarien, die wir zu bestehen hatten. Teilweise war es zwar eine Wiederholung dessen, was wir schon im Pool gemacht hatten, aber es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug üben. Außerdem war es schon ein wenig anders, im Pool war das Wasser angenehm warm – hier nicht. Und so retteten wir Taucher in Panik an der Oberfläche, beatmeten an der Oberfläche, schleppten, halfen und schoben. Da wurde einem auch warm. Kommen wir zu den Rettungsaktionen, die wir im Pool noch nicht gemacht hatten…

  • Der vermisste Taucher

Das Szenario “der vermisste Taucher” ist im Pool deswegen sinnlos, weil der Ort zum einen von seiner Größe her recht überschaubar ist, zum anderen, weil man im Pool so gut sehen kann, dass man den Taucher bald wiedergefunden hat. Bei dem Szenario im Freiwasser tauchen die Rescue-Diver-Anwärter los, meistens mit der Ansage, dass sie sich eine Zeit lang nicht zu dem hinter ihnen tauchenden Instructor umdrehen dürfen. Dieser trennt sich irgendwann von der Gruppe. Ist die angegebene Zeit um, liegt es an den Rescue Divern, ihren verschwundenen Kameraden plangemäß zu suchen.

Wir hatten vorher ausgemacht, dass wir eine Boje an die Oberfläche starten würden. Babsi würde dann nach oben gehen und nach Luftblasen Ausschau halten, während Annette und ich am Ende der Leine in etwa 5 m Tiefe warten. Als nächstes würde Babsi dann in Richtung der gesichteten Blasen schwimmen, wobei es an mir lag, Seil zu geben, bis sie stehenblieb. Dann würden wir das Seil wieder aufrollen und ihr somit folgen, bis wir wieder direkt unter ihr wären. Auf diese Weise sollten wir uns Stück für Stück dem vermissten Taucher nähern. Hätten wir ihn gefunden, sollten wir mit dem Seil Signal geben und Babsi käme wieder zu uns. So ähnlich jedenfalls.

Guter Plan! Aber Moment mal… Boje schießen? Da war doch was, da war doch was… ach ja, ich erinnere mich! Oje. Mir war klar, dass ich mich vorher mit meiner Boje auseinander setzen musste. Also nahm ich sie zur Seite und meinte zu ihr: “Boje, wir hatten in der Vergangenheit so unsere Schwierigkeiten. Vielleicht hast Du ab und zu das Gefühl, dass ich Dich an der kurzen Leine lasse. Aber Du musst auch mal meine Perspektive sehen. Mir kommt es so vor, dass Du ausgerechnet dann, wenn’s drauf ankommst, Dich aufplusterst und abhaust. Und dann kann nichts Dich halten. Aber diesmal ist es wirklich wichtig. Tu mir den Gefallen und halt Dich an die Abmachungen, okay?” Damit war alles gesprochen.

Annette: Du führst Gespräche mit einer Boje?  Es reicht ja schon, dass du MICH ständig vollschwallst, aber die Boje kann sich ja nicht mal wehren!

Eine Boje widerspricht mir auch nicht dauernd, so!

Warum auch immer Majki auf die Idee gekommen ist, dass mir die Luft nicht reichen könnte, (*räusper) ist mir ein totales Mysterium, jedenfalls bekam ich für das Füllen meiner Boje noch eine kleine Pressluftflasche mit, eine so genannte “Pony Bottle”. Behängt mit Boje, Reel (Seilwinde) und Flasche sah ich aus wie ein halber Tec Diver… na gut, vielleicht kein halber, ein viertel vielleicht… auch nicht wirklich. Sagen wir, ich hatte auf der Tec-Diver-Bewertungsskala einen Wert von 0,1 Nil. Das heißt, “sieht zwar cool aus, bricht aber auf dem Weg zum Wasser unter dem Gewicht schier zusammen”. Immerhin konnte ich auf diese Weise nicht plötzlich weggeweht werden, falls Wind aufgekommen wäre.

Ich unterbreche nur ungern, wenn du dich selber anschwärzt, was die Luftknappheit bei dir angeht, aber ich muss dir leider widersprechen. Du bekamst die Pony Flasche nicht aus Gründen deines fragwürdigen Luftverbrauchs sondern weil sich Majki wegen der Wassertemperatur Sorgen machte und befürchtete, dass dein Automat abblasen könnte wenn du gleichzeitig atmest und die Boje füllst.

Da, schon wieder! Hast Du gesehen, Boje, sie widerspricht mir schon wieder! Und da wundert sie sich, dass ich mich mit Dir unterhalte.

Boje: —-

Was sagst Du, Boje? Ich soll einfach weitererzählen? Schön, wenigstens eine, die sich für meine Heldentaten interessiert. Also, wie gesagt, ich hatte an der Pony Bottle ganz schön zu schleppen.

Wirklich? Wieviel wiegt die? 800 Gramm? Oder doch ein ganzes Kilo?

Da geht sie flöten, meine Reputation. Jetzt wollte ich den “Coolness-Faktor” nur etwas erhöhen, aber nein… Jedenfalls war ich froh, als ich endlich im Wasser war. Kein Gewicht mehr und… aaaah, diese angenehme Kühle…

Dass du auf der Treppe unter dem Gewicht fast kollabiert wärst und wir ungefähr eine dreiviertel Stunde Oberflächenpause nach dem Einstieg einlegen mussten, damit du wieder anständig atmen konntest ist dir wohl geflissentlich entfallen, was? 😛

Ich habe beim Einstieg lediglich mit Absicht etwas schneller geatmet, um… meine Lungen zu reinigen. Damit ich den Luftvorrat besser ausnutzen kann. Als ich fertig war, ging’s los. Wir tauchten die Strecke, die uns links vom Einstieg an den Felswänden entlang führte. Dort kamen wir zu dem Felsvorsprung, wo wir eigentlich erwartet hätten, die Biertischgarnitur vom September zuvor zu finden. Doch da war nichts mehr. Nur noch einzelne Teile, die daran erinnerten, was sich hier einmal befunden hatte.

Richtig ärgerlich war es allerdings, weil wir Babsi den Ort eigentlich zeigen wollten. Sie hatte ihn noch nie gesehen und wir erzählten ihr im Vorfeld, wie nett sie den Ort hergerichtet hatten. Um so seltsamer war es für sie, als sie die Überreste eines rostigen Grills fand und eine Figur sah. Vermutlich dachte sie, wir wollten sie veräppeln.

Ein großes Rätsel Aber gut, wir hatten die Aufgabe, Majki zu finden, nicht die Biertischgarnitur. Obwohl… vielleicht hätten wir für das Finden der Biertischgarnitur eine Auszeichnung wegen Originellität bekommen. Egal, jedenfalls begaben wir uns auf den Vorsprung und ich versuchte, mich hinzuknien. Dummerweise zog die Pony Bottle mich an der rechten Seite immer nach unten. Erst als ich mich hinstellte, war ich stabil genug, um weiterzumachen.

*räusper räusper!!!!

VETO!

Wie war das bitte? Du hast dich hingestellt???! In deiner Fantasie vielleicht, die Realität war allerdings ein klein bisschen anders. Nachdem du derart viel Dreck aufgewirbelt hattest, weil du ständig drohtest, von dem Felsvorsprung abzurutschen habe ICH mich schließlich deiner erbarmt und dir die entscheidende Hilfestellung geleistet. ICH habe dich festgehalten!

Ach, deswegen hast Du das gemacht? Ich habe mich schon gefragt, warum Du auf einmal anfängst, an mir rumzugrabschen. Ich fand es eigentlich ganz… angenehm, deswegen wollte ich Dich nicht davon abbringen. Ich musste mich dann schon ziemlich auf die Aufgabe konzentrieren. Babsi half mir freundlicherweise, und es war wieder das gleiche Prozedere wie beim letzten Mal: Boje entfalten und ein bisschen Luft reinblasen. Diesmal ging es einfacher, da ich nicht meinen Oktopus nehmen musste, denn die Pony Bottle hatte natürlich ihren eigenen Regulator. Ich gab etwas Seil und Babsi füllte etwas mehr Luft nach…

…und SCHWUPPS! Kam Zug auf die Boje und sie rauschte davon. HE! SO HABEN WIR NICHT GEWETTET! KOMM SOFORT ZURÜCK!

Dann bemerkte ich Babsis Blick, der zu sagen schien: Was hat er denn? Ach, das war okay so? Äh, ich meine, natürlich war das okay so! Genau, wie wir es zuvor besprochen hatten, hurra. Oder um es mit Hannibal vom A-Team zu sagen:

Nun stieg Babsi auf, während Annette und ich warteten. Irgendwann kam Zug aufs Seil und ich gab die Winde frei. Irgendwann kam das Seil zum Stillstand. Dann fing ich an, das Seil mit der Winde wieder aufzuwickeln, so dass wir Babsi folgen konnten. Mit andern Worten: Ich drehte mir den Wolf, während Annette an mir dranhing und sich ziehen ließ.

W-Wa-Waaaas?? Also da hört sich doch alles auf! Ich habe mich ziehen lassen, dass ich nicht lache. Ich hatte die überaus wichtigere Rolle als du mein Freund. Statt einfach simpel einem Seil hinterherzutauchen trug ich die VERANTWORTUNG! Ich war diejenige, die dich immer wieder aus der Tiefe reißen musste, da du nur auf das Seil fixiert warst und dabei gar nicht gemerkt hast, dass du ständig tiefer kamst. So ist das mit euch Kerlen. Ihr seid einfach nicht in der Lage, zwei Dinge parallel zu machen.

Ich hab doch zwei Dinge gleichzeitig gemacht: Ich musste kurbeln und auf das Seil achten, dass es sich nirgends verfängt. Der hochdramatische Moment, als das Seil über eine scharfe Felsenkante ging und ich zusehen musste, dass es dort nicht versehentlich durchtrennt wird, ist Dir nicht mehr in Erinnerung, oder? Und überhaupt:  Noch am nächsten Tag merkte ich meinen rechten Arm, aber habe ich mich beschwert? Nein. Nein, das habe ich nicht.

Zur Genüge. Ich erinnere nur an den Artikel, als du im Schluchsee mal die Lampe halten musstest. Ein GANZER Artikel nur über deine Schmerzen im Arm!

Nein, ich habe lediglich auf den leichten Schmerzzustand meines Musculus Biceps Brachii hingewiesen. Und das auch nur deswegen, damit die anderen sich keine Sorgen um meinen Zustand machen.

Sehr heldenhaft von dir. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich selbstverständlich mit meinen bissigen Kommentaren zurückgehalten. Hätte ich? Hm….. 🙂

Schritt für Schritt folgten wir so der Spur der Blasen, die Babsi herausfand, (weibliche Intuition!) obwohl mittlerweile auch noch andere Taucher ins Wasser gekommen waren. Schließlich hatten wir Majki erreicht. Nun war es an mir, einen Ruck nach oben zu geben, so dass Babsi wieder zu uns stoßen konnte. Der Vermisste war gefunden und gerettet. Ähm… könnte ich bitte eine Fanfare haben?

Vielen Dank!

Mit der bravurösen Lösung dieses Szenarios waren wir frohgemut. Die anderen Aufgaben konnten nun kommen, aber davon berichte ich das nächste Mal. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mir mein rechter Arm fast nicht wehtut?

Zustand…das Wort gefällt mir irgendwie nicht. Zumutung find ich passender…du bist eine Zumutung! 😛

Mir bleibt auch nichts erspart!

Der erste Tauchgang im Trocki

Wir hatten uns also entschieden und der Trilaminat-Trocki war gekauft. Gott sei Dank rechtzeitig vor dem Horkaaufenthalt, denn wir hatten im Rahmen des Resue Divers noch einige Tauchgänge vor uns.

Für unter den Trocki hatte man uns einen mittleren Unterzieher sowie Skiunterwäsche empfohlen. Die Wassertemperatur war noch ziemlich kühl, denn erst drei Wochen zuvor war das Eis vom See weggetaut.

Wie schon das letzte Mal beluden wir unser Auto und machten uns auf den Weg nach Ostdeutschland. Kaum hatten wir Überlingen hinter uns gelassen, fing es an zu regnen. Was sage ich? Es regnete nicht, es schüttete. Na klasse. Und kalt war es auch.

Hinter Ulm hörte es wieder auf und etwas Hoffnung keimte in uns, dass es in Ostdeutschland vielleicht ein bisschen wärmer war als bei uns, aber leider fing es wieder an zu schütten, nachdem wir Dresden erreicht hatten.

Wir erreichten als erste die Basis in Horka. Man ließ uns schon mal hinein, doch da wir die ersten Basisbewohner in dem Jahr waren, war sie noch nicht richtig beheizt. Wir froren ziemlich, trauten uns nicht, die Jacken auszuziehen, und warteten auf Majki. Knapp eine Stunde später kam er, mit Babsi nebst Hunden. Wir liefen zum See, aber so richtig einladend war es ehrlich gesagt nicht. Wir dachten mit Grauen daran, in das kalte Wasser zu steigen und waren doppelt froh, dass es dieses Mal trocken sein sollte.

Thorsten: Ja, da war uns das Glück wirklich hold. Im Nass-Tauchanzug wäre das eine verdammt ungemütliche Angelegenheit geworden.

An dem Abend machten wir nicht mehr viel. Wir gingen essen, dann schlafen. Die Zimmer waren immerhin schön warm und es gab keine Mücken. 🙂

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Nach einer Einweisung in die Anzüge zogen wir uns das erste Mal komplett trocken an. Bis dahin ging soweit erst mal alles problemlos. Sich ins Jacket zu zwingen erforderte bei mir zumindest etwas Geschick, dann ging es los.

Ich werde nie dieses komische Gefühl vergessen, wenn man den Anzug angelegt hat und in die Knie geht, um sämtliche Luft herauszupressen. Der Trocki saugt sich dann quasi an einem fest. Das fühlt sich an wie… äh… ja, mir fällt gerade kein Vergleich ein. Ich sag Bescheid, falls sich das ändert.

Eitler Fatzke! Du bist auch mit nix zufrieden. Mal saugt sich der Trocki an, dann ist man wieder nicht fotogen weil der Reißverschluss am Rücken einen Buckel vortäuscht… und da heißt es immer Frauen seien so eitel…

Hallo?? Ich werde dieses Jahr 40. Ich kriege Falten und verliere meine Haare. Da muss ich doch schauen, dass ich anderweitig gut aussehe.

Wir liefen in Richtung Seeeinstieg. Auf dem Weg fiel mir auf, dass ich irgendwie seltsam lief. Man hatte einem zwar beigebracht, aufrecht zu laufen, Schultern zurück, Brust raus, Bauch rein, aber für meinen Geschmack hatte ich die Schultern zu weit hinten. Dieser Verdacht bestätigte sich, als ich versuchte, meine Flossen anzuziehen. Hier machte sich der erste Haken des Trilaminat Trockis bemerkbar. Er ist nicht elastisch! Und da die Stiefel direkt an den Hosenbeinen angebracht sind, gestaltete es sich etwas schwierig, im Stehen an die Flossen zu kommen. Knie anziehen ging nur bis zu einem gewissen Grad. Erschwerend kam bei mir die ungewöhnliche “Schulterzurückposition”, die es mir gar nicht ermöglichte, an die Clipverschlüsse der Flossen zu kommen. Nerv! Schließlich gab ich auf und ließ mir helfen.

Dann: Blei in die Taschen. Bei dem Gedanken an die Bleimenge wurde ich schon kurzluftig. Im Naßtauchanzug brauche ich mit meiner 12 l Flasche maximal 2 kg, hier packte ich schon 8 Kilo ein. Inclusive Fußblei, denn die Füße sollen im Trocki unten bleiben. Völlig geschafft vom Anziehen begab ich mich auf die letzte Stufe.

Neben dem Fußblei hatten wir kurz vor der Fahrt nach Horka noch den Tipp bekommen, uns Flossen mit weniger Auftrieb zu besorgen, was wir brav getan hatten.

(Korrektur: DEINE Flossen hatten zu viel Auftrieb, meine nicht! Ich hab mir dekanterweise Splitfins geleistet, die weniger Wasserwiderstand haben. Haben sie auch. Wenn man flosselt spürt man sie fast nicht. Hach, das geht ja richtig leicht. Angenehm leicht. Sehr leicht. ZU leicht!!!!! Ich hab meine Flosse verloren!!!!!!!!!!!)

Ehrlich gesagt war ich mehr als nervös. Man hört Geschichten über Taucher, die Luft vom Trocki in die Beine bekommen und so unter Wasser einen Kopfstand machen und ungebremst an die Oberfläche schießen. Da ich aus leidlicher Erfahrung weiß, dass ich zu solch blöden Zwischenfällen besonders am Anfang neige, sah ich es schon kommen, dass ich von der letzten Stufe ins Wasser glitt um sofort Kopf zu stehen.

Es half aber nichts. Den Mutigen gehört die Welt. Also wagte ich den Schritt ins Wasser. Hier fiel mir zweierlei auf:

Erstens: Aaaaah….kalt. Sehr kaltes Wasser. Igitt!!! Nein, nicht was Sie jetzt denken. Der Anzug war dicht. Aber trotzdem spürte ich die umgebende Kälte sehr deutlich. UUhhh! (Memo an mich: für solche Aktionen in Zukunft dickere Unterzieher!!!!)

Okay, an dieser Stelle schalten wir mal schnell um in die Sendezentrale zum Zentralsender, und zwar zur…

Hobbythek

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der “Hobbythek”, liebe Bastelfreunde! Für diejeningen unter unseren Lesern, die noch nie einen Trockentauchanzug im Wasser anhatten: Da hab ich mal was vorbereitet! Falls Sie das Gefühl mal nachvollziehen wollen, dann nehmen Sie einen Einmal-Gummihandschuh (zum Beispiel aus dem Verbandskasten),

Gute Idee! Nächste Verkehrskontrolle: “Zeigen Sie mal Ihren Verbandskasten! Wo sind denn die Handschuhe?” – “Äh… ich habe da ein Flat Flute Diver Experiment gemacht…” – “WAS haben Sie gemacht???”

… nehmen Sie einen Einmal-Gummihandschuh, zur Not tut’s auch ein Haushaltshandschuh, füllen Sie ein Waschbecken mit 10 ° C kalten Wasser (zur Not tut’s auch 10 ° warmes Wasser) und halten Sie die Hand rein, und zwar so, dass kein Wasser in den Handschuh läuft. Genau so ist das Gefühl im Trockentauchanzug am ganzen Körper. Danke für die Aufmerksamkeit, zurück zu meiner liebreizenden Kollegin.

Zweitens: Die praktische Anwendung der Tauchphysik in Bezug auf den Wasserdruck. Wenn wir also im Naßtauchanzug tauchen, merken wir vom Druck außer an den Ohren nicht wirklich etwas. Auch ein Schwimmer würde den Wasserdruck an den Beinen im Wasser nicht merken. Aber! Der Trilaminat-Trockentaucher merkt ihn bereits an der Oberfläche! Ich trieb wie ein Korken an der Wasseroberfläche und wartete noch auf Thorsten, da merkte ich bereits, dass der Trockentauchanzug an meinen Beinen  klebte wie ein lästiger Duschvorhang, der elektrostatisch aufgeladen ist und den arglosen Duscher nervt. Na, das konnte ja heiter werden. Denn bereits an der Oberfläche bewirkte der klebende Trocki, dass die Bewegungsfreiheit der Beine zum flosseln eingeschränkt ist.

Wir tauchten ab. Das erste Mal. Leider war die Sicht sehr milchig, was daran lag, dass es in Horka auch tagelang vorher geregnet hatte. Wir wollten erst mal auf 7 m bleiben und ein bisschen rumtauchen, um erst mal ein Gefühl für den Trocki zu kriegen. Ich tauchte mit Majki, Thorsten mit Babsi. Los gings.

Es war, wie ich befürchtet hatte. Je tiefer wir kamen, desto mehr klebte dieser Trocki an den Beinen und desto steifer wurde er. Ich ließ zwar Luft hinein, aber die drang nicht bis zu den Beinen vor. Sollte sie nach Möglichkeit auch nicht. Sie erinnern sich? Kopfstand! Ich ertrug es und tauchte weiter. Inzwischen war ich allerdings tiefer, als ich eigentlich wollte, ein Blick auf meinen Tauchcomputer zeigte mir 16 m an. Das merkte ich daran, dass ich den Eindruck hatte, dass es mir die Schuhsohlen in die Zehenzwischenräume ziehen würde.

Das Gesetz von Boyle besagt, dass das Volumen eines Gases sich umgekehrt proportinal zum Druck verhält.

Sabbel doch nicht so geschwollen rum. Man könnte ja meinen, du hättest Physik studiert. Außerdem heißt der Typ Boyle-Mariotte nur zur Information!

Okay, irgendso ein physikalischer Grundsatz sagt, dass sich irgendwas irgendwie verhält, wenn irgendwas passiert. Was genau, das diskutieren wir dann noch aus. In unserer Situation beim Tauchen jedoch galt: je mehr Druck, desto weniger Volumen. Das bekommt man im Trocki sehr deutlich mit. Und ich war sowieso noch sehr vorsichtig, da das Ablassen der Luft aus dem Anzug über das Ventil im Oberarm eine sehr ungewohnte Sache war. Es galt nicht nur zu vermeiden, dass Luft in den Beinen dafür sorgte, dass man sich auf dem Kopf stellte, sondern auch dass die sich beim Aufstieg wieder ausdehnende Luft einen aufpumpte wie ein Michelin-Männchen und man mit Impulsgeschwindigkeit gen Oberfläche schoss. Also lieber nicht zu viel Luft reinlassen und oft ablassen.

Insgesamt war es eine interessante Erfahrung, aber ich merkte schnell, dass das Trockentauchen noch sehr viel Übung braucht. Alleine das Tarieren mit dem Anzug ist nicht so leicht, wie man sich das vorstellt. Arm hoch, um Luft aus dem Anzug zu lassen? In der Theorie vielleicht… Das wollte nicht klappen, und schon stieg ich ungewollt auf. Mit der Zeit lernte ich, dass ich nicht nur den Arm hochnehmen muss, sondern auch den Arm anwinkeln sollte, dann klappt es schon viel besser.

Dabei zeigte sich ein Nachteil meines Jackets: es hat keinen Tarierschlauch, sondern einen an der linken Seite angebrachten Tarierhebel.  Um Luft sowohl aus dem Jacket als auch aus dem Anzug abzulassen, musste ich zwei gegenläufige Bewegungen machen: Nach oben, um Luft aus dem Anzug zu lassen, nach unten, um an den Tarierhebel zu kommen.

Verstehe. Zwei gegenläufige Bewegungen überfordern Dich. Du bist wohl nicht belastbar was? 🙂

Es ist nur geringfügig schwierig, den Arm gleichzeitig hochzunehmen und nach unten an den Tarierhebel zu greifen. Das eine schließt das andere aus. Das ist fast wie in diesem Gedicht: “…drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft…”

Länger als 30 Minuten war bei dem Tauchgang nicht drin. Es war einfach zu kalt. Wir tauchten wieder auf. Offenbar zog ich ne Schnute, denn Majki merkte gleich, dass ich mit der ersten Trockierfahrung nicht zufrieden war. Er meinte, ich solle mich nicht aufregen, die ersten Male seien nun mal gewöhnungsbedürftig und nach ein paar Tauchgängen würde man das Engegefühl an den Beinen gar nicht mehr merken. Er behielt Recht. Also, nicht dass man es nicht merken würde, aber man gewöhnt sich dran.

Außerdem würde man sich daran gewöhnen, dass man am Anfang immer so eine gewisse Unsicherheit hat: Warum ist es gerade kalt? Ist es einfach nur kalt – oder hat der Anzug ein Loch, und es ist deswegen kalt, weil man gerade geflutet wird, wie die Tauchzelle eines U-Boots?

Was sich bei mir noch als Problem herausstellte: Ich hatte halbtrockene Handschuhe an. Der Größe S, jedoch stellte sich heraus, dass ich trotzdem noch einen Überstand von 2 cm an den Fingerkuppen hatte. Somit gestaltete es sich ziemlich schwierig, das Lufteinlaßventil des Trockis zu bedienen. Auch hier müsste ich in Kürze Abhilfe schaffen, also kam das Problem auf die “to do Liste for diving”.

Jetzt hatten wir noch eine Herausforderung vor uns: Der Ausstieg. Dazu in der kompletten, nassen Ausrüstung knapp 100 Treppen hoch. Ich schnaufte aus dem Wasser, und *Trommelwirbel… schon stand ich wieder da wie das Topmodel* persönlich. Schultern zurück, Brust raus, Bauch raus rein. 😎   Da stimmte doch was nicht. Am Abend merkte ich auch sehr deutlich meine Schultergelenke. Inzwischen weiß ich auch, woran das liegt. Mein Jacket ist mir zu groß und sagen wir eher mal: zu breit. Ich musste künftig die Brustschnalle zuerst zumachen und maximal anziehen, bevor ich den Rest schließen konnte, dann klappte es auch mit dem Flossenanziehen…

* = GNTTM, oder wie? “Germany’s Next Tauch-Topmodel” Ich stell mir das schon vor, wir ächzen die Treppen hinauf, und oben steht Heidi Klum und kritisiert unsere Gangart. Die war natürlich nicht sonderlich elegant, aber: Alles Gewohnheitssache. Hoffe ich jedenfalls. Denn es stand uns ja noch was bevor: den Abschluss des RESCUE DIVER – Prüfung und Freiwassertauchgänge.

RESCUE DIVER: Die Poollektionen

Wenn man sich mit der Geschichte der Tauchorganisation PADI ein wenig auseinander setzt, stolpert man früher oder später über die Anekdote, wie der Grundstein für das PADI-Ausbildungssystem gelegt wurde. Es gab da einen Mann, der das OWD-Brevet gemacht hatte und bei Ralph Erickson (einem der beiden Gründer von PADI) vorstellig wurde. Er hatte zwar den Kurs absolviert, aber nie Freiwassertauchgänge gemacht und wollte das nun nachholen. Nachdem er es gemacht hatte, fragte er: “Und was kommt als nächstes?” Erickson musste einige Tauchgänge für den AOWD improvisieren. Doch wieder fragte der Mann: “Und was kommt als nächstes?” Zweifellos gehörte er zu der Sorte Mensch, die immer wieder Neues erkunden und ausprobieren wollen. Die mehr wissen wollten.

Als Annette und ich mit dem Tauchen angefangen haben, hatten wir keine Vorstellung, was da alles möglich ist. Warum auch? Wir hatten ja den Vorsatz gehabt, auf ewig “Scuba Diver” zu bleiben und ein bisschen Urlaubstauchen zu betreiben. Doch als uns das “Tauchfieber” gepackt hatte, gab es für uns kein Halten mehr. Auch wir fragten nun “Und was kommt als nächstes?”

Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück und hatten den AOWD-Kurs erfolgreich absolviert. Und nun standen wir vor der Ausbildungsstufe, die die letzte “normale” Sporttaucherausbildung bei PADI sein würde, dem RESCUE DIVER. Danach würde es schon in den professionellen Bereich gehen. Wie immer hatte es mal ganz andere Pläne gegeben, die wir aber – wieder mal – über den Haufen warfen. Eigentlich wollten wir den Rescue Diver zu dritt machen, mit einer Kollegin von Annette zusammen. Dazu wollten wir die Pooltauchgänge den Winter über erledigen und im Frühjahr tagesweise die Freiwassertauchgänge machen, sobald das Wetter dies zuließ. Doch bei Annettes Kollegin kamen leider ein paar Unwägbarkeiten dazwischen, so dass sie den Kurs nicht machen konnte. Außerdem empfahl uns Majki dringend, die Freiwassertauchgänge “am Stück” zu erledigen. Zum Beispiel bei einem Aufenthalt in Horka. Also machten wir, was wir so gut können, nämlich Pläne über den Haufen zu werfen und neue zu machen. Wir würden nun die Pooltauchgänge trotzdem über den Winter hinweg erledigen, um den Kurs dann im April 2010 in Horka abzuschließen. Wir hofften, dass bis dahin das Wetter gut genug sein würde, um Freiwassertauchgänge zu machen.

Vom RESCUE-DIVER-Kurs hatte man uns erzählt, dass es der körperlich anstrengendste sein würde, aber auch der, der am meisten Spaß macht und von dem man viel mitnehmen kann. Bei uns kam noch dazu, dass es eine Verbindung von zwei Dingen war, die wir gern machten: Menschen retten und tauchen. Die Poollektionen fanden im Hallenbad in Zürich-Leimbach statt, das wir schon vom “Tarieren in Perfektion”-Kurs kannten. Grob gesagt unterteilt man die Übungen in zwei Arten: Unter Wasser und über Wasser. Sinnig, was?

Annette: Wie? Was lese ich da? ZWEI Dinge, die wir gerne machen? Tauchen ja, aber retten wir auch gerne Leben? Wirklich?

Sie nun wieder… ich wollte uns nur in einem positiven Licht darstellen. Die Wahrheit muss doch nun wirklich nicht jeder wissen, oder?

Die Übung, die wir komplett erst im Freiwasser machen sollten, war die, wie man einem Taucher von außerhalb des Wassers hilft. Es hatte wenig Sinn, Schwimmkörper mit Seilen dran durch die Schwimmhalle zu schleudern und möglicherweise einen harmlosen Schwimmer zu versenken, der mit den ganzen Übungen nichts zu tun hatte. Also ging wir gleich ins Wasser und begannen mit den ersten Übungen:

Taucher in PANIK an der Oberfläche

“Der Umschlag gefällt mir”, sagte er. “Keine Panik. Das ist das erste hilfreiche oder vernünftige Wort, das ich heute gesagt bekomme.”

“Ja. Deswegen verkauft es sich so gut”, sagte Ford.

Arthur Dent und Ford Prefect in “Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams

Das Wort “Panik” kommt von dem griechischen Gott Pan, von dem die Sage zu berichten weiß, dass er gerne arme, grasende Schafe erschreckte, so dass eine ganze Herde in kopfloser Flucht davonstürmen konnte.

Wieso kommen mir ausgerechnet jetzt unsere gemeinsamen Abendessen im Hotel in den Sinn? 🙂 Du hattest doch gar keine Panflöte dabei.

Und wer schon mal von Panflöten-Spielern terrorisiert wurde, kann es den armen Schafen durchaus nachempfinden. Und schon haben wir einen der Punkte, der bei einem Taucher Panik auslösen kann: etwas oder eine Situation, die für gefährlich gehalten wird, obwohl sie es nicht ist (zum Beispiel ein kleiner, fliegender griechischer Gott mit Panflöte)(die Vorstellung, von einer Tauchbootplattform springen zu müssen, ein Wrack, eine Niesattacke unter Wasser… es gibt X Beispiele…) , oder eine tatsächliche Gefahr. In beiden Fällen ist die Reaktion irrational, der Taucher fängt an, wild um sich zu schlagen und sich irgendwie in Sicherheit zu bringen. Das Problem für einen Retter ist, dass der Taucher in Panik so schnell wie möglich aus dem Wasser raus will und dabei auf alles klettert, was sich ihm bietet, egal wie unratsam das ist, eine Eisscholle, der Rücken eines weißen Hais, eine Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg – oder auch der Rücken des netten Tauchers von nebenan, der nur helfen wollte. Und Schwupps! Schon gerät der Helfer selbst in Gefahr. Das hat man nun davon. Blöde Wohltäter!

Doch nicht verzagen! Es gibt eine Lösung, indem man sich dem Taucher nähert und dabei die Beine vorstreckt, so dass man sich im Ernstfall mit ein paar Flossenschlägen wieder von dem Opfer entfernen kann, falls es den Retter als Kletterboje missbrauchen möchte. Und wenn man sich schließlich nähert, greift man den Arm des Opfers, dreht es um und klemmt die Pressluftflasche zwischen den Knien ein. Damit hat man das Opfer sozusagen festgenagelt, während man sich um alles weitere kümmern kann. Und irgendwann ist das Opfer müde und gibt sein sinnloses Gestrampel auf. Dann kann man es gemütlich abschleppen und an Land bringen.

“Oh, FlatFluteDiver, Du hast mich gerettet! Danke!”, sagte die junge und überaus attraktive Blondine, als sie matt ins Gras der Uferbegrünung sank, noch völlig außer Atem von dem Abenteuer, das sie eben erlebt hatte.

“Aber nicht doch!”, erwiderte Thorsten mit einer Stimme, deren Klang zu sagen schien: “Ich bin so cool, wenn ich aufs Klo gehe, kommen unten Eiswürfel raus.” Er schob die rechte Augenbraue um anderthalb Zentimeter nach oben, während er hinzufügte: “Das ist nichts besonderes für einen FlatFluteDiver. Gefahr ist mein Geschäft. Und jetzt gehe ich los und halte den Klimawandel auf.”

Offenbar hast du dir bei dem Kurs “Tarieren in Perfektion” im Züricher Hallenbad nicht nur die Nase, sondern auch die Birne am Grund angeschlagen. Mit nachhaltiger Wirkung! Zudem spielt Pamela Anderson bei Baywatch, und nicht in einer Tauchdoku!

Äh, naja, soweit die Theorie. Die Praxis sah mal wieder ganz anders aus. Zum einen ist es verdammt anstrengend, Opfer zu sein. Das Problem ist, sobald man anfängt, wie blöd um sein Leben zu strampeln, verausgabt man sich derart, dass schon vor Eintreffen des Retters zu müde ist, um noch nennenswerte Gegenwehr zu leisten. Richtige Opfer halten das nur deswegen so lange durch, weil sie aufgrund ihrer Panik unter Adrenalin stehen. Und es steht schon in der Bibel: “Adrenalin versetzt Berge.” Bei der Übung sah das letztlich so aus, dass man sagte: “Ich bin jetzt in Panik.”, und nur ein bisschen strampelte. Erst wenn der Retter näher gekommen war, fing man an, ganz aufzudrehen.

Entsprechend ist die Rolle des Retters auch nicht ohne. In einer der ersten Übungen näherte ich mich Annette, die sich vorstellte, ein Wrack zu sehen und dann die Panik kaum noch spielen musste.

Ich verbitte mir derartige Unterstellungen! Ich hab DICH auf mich zukommen sehen, das hat völlig als Grund ausgereicht in Panik zu geraten!

Pah! Und das, wo ich so heldenhaft war! Ich umging sämtliche Obstakel mit der Schläue eines Fuches, der Gewandtheit eines Nutrias und hatte die Situation stets im Blick, wie ein Adler seine Beute. Ja, die Situation rief förmlich nach einem komplizierten Satz mit ein paar Fremdwörtern. Dann packte ich beherzt zu! Ich griff Annettes Arm und drehte sie, so dass sie mir den Rücken zuwandte und ich ihre Flasche zwischen meine Knie klemmen konnte. Um sie drehen zu können, versuchte ich, mit meinen Flossen eine Gegenbewegung zu machen, und mitten in der Drehung…

…bekam ich einen Krampf in der Wade…

Nicht schon wieder! Doch es half nichts, auf Hälfte der Drehung ließ ich Annettes Arm los und kreuzte meine Unterarme, um anzuzeigen, dass ich die Übung abbrach. Reden konnte ich nicht viel, bei der Annäherung nimmt man zur Sicherheit den Regulator in den Mund, auf dessen Mundstück ich nun vor Schmerz biss. Und der Schmerzensschrei, der mir in dem Moment entfuhr, verlor sich zwischen Mundstück und Blasenabweiser irgendwo im Innern der Zweiten Stufe. So wurde ich vom Retter zum Geretteten, der sich seinen Wadenkrampf behandeln lassen musste.

“Danke”, stöhnte der Flat Flute Diver und sank völlig erschöpft am Beckenrand zusammen, nachdem endlich der Schmerz in der Wade nachließ.

“Gerne geschehen”, sagte ein engelsgleiches schwarzhaariges Wesen mit sanfter Stimme, ” Ich bin zwar überaus attraktiv und jung, aber nicht blond! Ich bin es, die zu danken hat, dass ich Dir großen Flat Flute Diver überhaupt helfen durfte! Deine stählernde Wade zu massieren bereitete mir überaus großes Vergnügen!”

Manchmal, Nachts, wenn ich ganz allein bin, möchte ich nur noch weinen. Und in diesen schweren Stunden denke ich dann an Annette und… möchte noch mehr weinen. Aber der Doktor sagt, wenn ich weiterhin die kleinen, gelben Pillen nehme, wird das bald wieder gut sein. Jedenfalls, im zweiten Anlauf klappte es dann. Hurra.

Aber warum denn… wer wird denn gleich weinen? Wenn Du Dich ein klein wenig anstrengst, kannst Du doch genauso engelsgleich und großherzig wie ich werden!

Das sagst Du doch jetzt nur, um mich zum Lachen zu bringen, oder? Egal, weiter geht’s…

Bewusstlosen Taucher an die Oberfläche holen

Diese Lektion hatten wir schon beim Nitrox-Kurs in Horka gemacht. Majki hatte sie uns damals gegönnt, weil es besser ist, schon hier Bescheid zu wissen, was man mit einem bewusstlosen Buddy macht. Nun wurde es also Ernst, sie für den Rescue Diver zu wiederholen. Nun denn, ist ja kein Problem. Annette legte sich bäuchlings auf den Grund und ich näherte mich ihr von der linken Seite.

Man darf gespannt sein. Die Rolle des Opfers ist interessant. Wie stellt sich der Retter denn an? Geschickt? Zügig? Tölpelhaft? Unsittlich? Bekommt er vielleicht gar einen Wadenkrampf?

In dem Moment kamen ein paar Taucher des Wegs, die zu einer anderen Gruppe gehörten und uns passierten. Höflich, wie ich nun mal bin, ließ ich sie zuerst vorüberziehen. Außerdem wusste ich nicht, wieviel Platz ich brauchen würde, wenn ich Annette vom Grund aufhob. Also, erstmal abwarten… ja, Hallo, Tag auch. Alles okay? Alles okay.

WIEVIEL PLATZ DU BRAUCHEN WÜRDEST, UM MICH AUFZUHEBEN???  WAS soll DAS denn heißen? Ich hab doch keinen Wendekreis eines Panzers! Hast du ein Maßband in der Tasche? Mir fehlen die Worte. Und zudem warte ich immer noch auf meinen Retter. Und zwar auf denjenigen, dem mein Wendekreis egal ist. So!

He, das ist Rettung unter Berücksichtigung der Umgebung! Wie würde es Dir gefallen, wenn ich Dich im Rahmen der Rettung gegen die Wand klopfen würde oder so?

Also, das wäre ja in der Tat mal was ganz Neues. Üblicherweise verletzt Du Dich gerne selber beim Tauchen, das wäre Premiere gewesen, wenn Du mich verletzt hättest. Insofern seh ich das nach. Soweit käm es ja noch….

Okay, neuer Versuch… ärgs, was ist DAS denn? Da schwimmt ja ein Kaugummi! Ist ja e-kel-haft! Was spucken die Leute nur alle ins Becken? Da will ich mich aber nicht hinknien! Ich erzeugte eine Strömung mit den Händen, wodurch das Teil davongetragen wurde.

Ich fasse es nicht. WIE BITTE? Kann das sein, dass Du vielleicht ein KLEIN WENIG leicht ablenkbar bist? Ich könnte bereits TOT sein, und Du machst Dir Gedanken um einen Kaugummi?? ICH bin schließlich todesmutig an dich herangetaucht durch ein Meer von Haarknäuln, Rotz, undefinierbarer andere Sachen, von denen ich lieber nicht wissen will was das war, und DU??!

Nein, äh, das verstehst Du ganz miss. Ich wollte… ich dachte… ich hatte… als ich diesen Kaugummi sah… die Idee… damit eine Luftblase zu erzeugen, um Dich zu retten, so war’s, genau! Weil ich bin nämlich genauso gewieft wie dieser Herr hier:

Ich konnte meinen Plan nur leider nicht ausführen, weil… weil… weil ich kein Gummiband und keine Kugelschreibermine zur Hand hatte, um eine Rettungsboje zu basteln.

Okay, nächster Versuch… nähern, schütteln, Regulator kontrollieren. Alles gut. Jetzt den Taucher vom Grund aufnehmen. Dazu musste ich bei Annette etwas Auftrieb herstellen. Wo war nochmal der Tarierschlauch? Ah, linke Schulter, ich hab ihn. Jetzt ziehe ich ihn vorsichtig hoch… das fühlt sich aber komisch an… ach je. Annette, willst Du mal lachen? Jetzt hätt ich den Schlauch fast ausgefädelt.

Wundert mich gar nicht. Wirklich nicht. Wenn ich das oben lese, bin ich erstaunt, dass Du das überhaupt hingekriegt hast und nicht in Panik wegen eines vorbeischwimmenden Haares ausgebrochen bist.

Was, da schwimmen Haare rum??? Wo sind wir denn da gelandet, um Himmels Willen? Also, nichts wie hoch an die Oberfläche! Ist es ein Delfin? Ein Tümmler? Oder ein besonders eleganter Zackenbarsch? Nein, es ist der FlatFluteDiver! Ta-dah! Sicher wieder nach oben gebracht! Bin ich gut? Ich bin gut!

“Ich muss Ihnen meine Bewunderung ausdrücken”, sagte der Bundespräsident, während er sich von einem Mitarbeiter einen kleinen, schwarzen Kasten reichen ließ. “Ihr Heldentum ist Vorbild und Inspiration für uns alle. Ich wünsche mir, dass es mehr Menschen gibt wie Sie. Lassen Sie mich Ihnen diesen Orden anheften!”

Doch Thorsten winkte dankend ab: “Nicht nötig, Herr Präsident. Das ist doch die tägliche Arbeit der FlatFluteDivers. Das Lächeln dieser Holden, die ich erretten durfte, ist mir Belohnung genug…”

Da hätte ich noch eine Kleinigkeit anzubringen. Hier habe ich eine kleine Szene in meinem Repertoire, die zeigt, wie sowas aussehen könnte! Also, wie Du, lieber stolzer Flatflutediver, an mir vorbeistolzierst, mich links liegen läßt, um mir Deine Verachtung zu zeigen, denn schließlich hast DU den Orden bekommen… nicht ich. Schauen wir doch mal zu, was passiert!

He, wo hast Du denn das her?? Das kann doch alles nicht wahr sein. Herr Bundespräsident, jetzt sagen Sie doch auch mal was!

Auch das noch! Hier bleibt einem aber auch nichts erspart. Wie war das mit dem, der den Schaden hat und für den Spott nicht zu sorgen braucht? Doch beachten wir diese vollkommen uninteressanten Einwände der Dame nicht weiter, denn  mit dem an die Oberfläche bringen war es nicht getan. Mehr Heldentaten standen an! Fast nahtlos fuhren wir fort:

Beatmen eines Tauchers an der Oberfläche und ans Ufer bringen

Gut, in Ermangelung eines Ufers mussten wir den Beckenrand nehmen, aber das ging auch. Bei dieser Übung öffnet man sowohl die Tarierweste des Opfers als auch die eigene, noch während man das Opfer zum Ufer schleppt und gleichzeitig beatmet. Das Ablegen der Weste während des Schleppens soll Zeit sparen, denn spätestens am Ufer muss man diese ausziehen. Und abschleppen, alle 5 Sekunden über eine Maske beatmen und gleichzeitig die Weste ablegen, das kann schon anstrengend sein. Hab ich gelesen. Für mich natürlich nicht. Es klappte alles reibungslos, schleppen, beatmen, die Schnallen vom Jacket öffnen, beatmen, noch mehr Schnallen öffnen – und so weiter. Schließlich konnte ich mein Jacket ablegen und treiben lassen.

Doch während ich mich dem Beckenrand näherte, beschlich mich ein komisches Gefühl. So als ob ich verfolgt würde… ja, in der Tat wurde ich verfolgt! Von meinem eigenen Jacket! Es schwamm quasi hinter mir her. Wie sich herausstellte, hatte sich mein Lungenautomat bei Annette verfangen, und so zog ich die Tarierweste hinter uns her.

Da ich, als kameraerfahrene Schauspielerin, meine Rolle als Opfer sehr ernst nahm, entging mir natürlich die Dramatik der aufkeimenden Situation. Ich kann von Glück sagen, dass es nur Dein Jacket war, was dich verfolgt hat. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn es ein lästiges fremdes Haar gewesen wäre. Ich als Opfer wäre sicher als Kletterboje missbraucht worden!

Dann der letzte Akt! Am Beckenrand angekommen legte ich Annette mit dem Oberkörper dort ab, kletterte gewandt aus dem Wasser (war das da, als du dir das Knie am Beckenrand angeschlagen hast? 🙂 ) und zog sie ganz heraus. Ja-ha, wieder mal geschafft! Komm ich jetzt im Fernseh’n?

Nein! Zurück zu den FlatFluteDivern!

Du immer! Dann erzähl doch mal, wie Du Dich angestellt hast, na?

Ich weiß gar nicht, was Du meinst. Bei mir hat alles reibungslos geklappt.

Ach ja? Wie war das denn, als Du mich bei der einen Übung vom Grund an die Oberläche bringen solltest, und Probleme mit meinem Tarierhebel hattest?

Also, über Deinen… Tarierhebel reden wir ein andermal. Es gab ja noch andere Probleme zu überwinden, bevor wir uns auf den Weg nach Horka machen konnten. Zum Beispiel, dass wir im April gehen würden, es kalt sein könnte und wir einen Trockentauchanzug brauchen würden. Aber davon berichte ICH das nächste Mal.

Ägypten 2009 und der AOWD – Abschluss

Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück, gerade rechtzeitig, um in die erste strenge Kältephase dieses Winters zu geraten und den Weg vom Flughafen zurück durch einen Schneesturm zu machen. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass dieser Schneesturm nur der Anfang von etwas sein sollte, das uns noch ein bisschen Kopfzerbrechen machen würde.

Erstmal galt für uns: Der “Advanced Open Water Diver” war abgeschlossen. Und wir hatten ein paar wichtige Erfahrungen gemacht und natürlich ein paar schöne Erinnerungen mitgenommen. Bevor die Geschichte weitergeht, deswegen an dieser Stelle ein kurzer Videofilm mit einigen Eindrücken aus dem Roten Meer. Viel Vergnügen!

Umm Gamar – Ägypten – Rotes Meer – und der Tauchgang mit Hindernissen

Umm Gamar ist eine kleine Insel in der Nähe von Hurghada, leicht zu erkennen, denn auf ihr steht ein kleiner Leuchtturm. Es handelt sich um ein langestrecktes Riff, welches an der Ostseite in einen Steilhang übergeht. Die Tauchboote ankern in der Regel südlich, denn dort ist ein kleines Plateau und man kann dann über eine Art Riffrücken zu der Steilwand gelangen. Dort geht es bis zu 60 m tief hinab. Diese Steilwand ist wunderschön, unzählige Fische sieht man hier sowie kleinere und größere Höhlen, in denen Muränen leben. Hans Hass hat hier auch schon Filme gedreht.

Wir wurden in den Tauchplatz eingewiesen. Als ich hörte, dass es sich um eine Steilwand handelt, war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mit Thorsten das alleine angereifen wollte. Wir waren zwar bis dorthin schon mehrfach alleine im Roten Meer unterwegs gewesen, aber ein Steilhang bereitete mir Sorgen. So ganz ohne was unter sich…

Aber Thorsten wischte meine Bedenken weg. Er war sich sicher, dass wir das auch ohne Guide schaffen würden. Also ließ ich mich überzeugen aber wir machten aus, besonders vorsichtig zu sein und der Tauchgang sollte nicht tiefer als 20 m sein.

Der Leuchtturm von Umm Gammar

Der Leuchtturm von Umm Gammar

Also tauchten wir ab. Unter dem Boot war das besagte Plateau bis eine Tiefe von 18 m. Hier passierte es zum ersten Mal, dass ich beim Abstieg ansatzweise eine Art Vertigo verspürte. Obwohl Füße voran und nichts besonderes anlag, wurde mir schwindelig. Ich drehte mich in “Tauchposition” und tauchte nicht im freien Fall ab. Damit war auch der Vertigo verschwunden.

Wir näherten uns dem Riffrücken, mit Korallen bewachsen. In der “Ferne” konnten wir bereits den Beginn des Steilhangs erkennen. Ich war plötzlich aufgeregt. Bereits aus der Entfernung konnte man den Fischreichtum erkennen. Das könnte ja richtig spannend werden. Einziger Pferdefuß war, dass an dem Tag einige Tauchboote zu Besuch bei Umm Gamar waren, und es wimmelte nur so vor Tauchern. Ständig wurde man überholt oder Taucher bummelten vor einem her, es war gar nicht so leicht, bei seinem eigenen Buddy zu bleiben.

Der "Dropoff" bei Umm Gammar

Der "Dropoff" bei Umm Gammar

Am Steilhang wurde es noch schlimmer. Da selbstverständlich auch noch alle dicht an der Wand blieben, gab es schon mal Gedränge. Im Kuddelmuddel entdeckte ich unseren Guide und ich nahm mir vor, ihn immer im Auge zu behalten. Das gab mir ein etwas beruhigenderes Gefühl.

Thorsten: Hmja, ganz schön schön hier. Aber… was ist denn das? Äh, Annette, da ist etwas, das Du wissen solltest. *auf die Schulter tipp

Gerade hatte ich mich an den Rummel gewöhnt und ich genoß den Anblick der Steilwand, da klopfte mir Thorsten auf die Schulter. Ich drehte mich zu ihm. Er zeigte auf seinen Tauchcomputer, ohne ihn mir direkt zu zeigen. Mir war nicht ganz klar, was er wollte, aber er zeigte immer vehementer drauf.

Sind wir heute etwas schwer von Begriff? Was mag das wohl bedeuten, wenn ich auf das Ding deute?

(kann das sein, dass du mich nicht so ganz ernst nimmst?)

Also warf ich selber mal einen Blick auf meinen Computer und traute meinen Augen nicht. Wir waren auf 23,5 m.

Sie hat’s gemerkt!

Hatten wir nicht ausgemacht, dass der Tauchgang nicht tiefer als 20 m gehen sollte?

Hatten wir, aber Du weißt ja, Theorie und Praxis…

Es wäre mir auch bewußt nicht aufgefallen, dass wir abgesunken wären, aber genau das war es auch, wovor ich mich an der Steilwand fürchtete. Das unbemerkte Absinken. Und da wir auch noch Nitrox dabei hatten, war unser Tiefenlimit eh geringer als mit Pressluft.

Ich gab Thorsten zu verstehen, dass ich kapiert hatte, was er meinte (Gott sei Dank!) und hielt von jetzt an meinen eigenen Computer im Auge. Noch weiter wollte ich nicht absinken. Zwar hatte sich hier noch keine “Kurzatmigkeit” eingestellt, aber die 23 m sollten für den Anfang doch ausreichen.

Umm Gammar

Wir tauchten weiter. Inzwischen war unser Guide schon nicht mehr zu sehen, so dass ich mich grob an den anderen vor uns orientierte. Wir bogen um eine Art “Kurve” am Steilhang und der Riffrücken war nun aus der Sichtweite.

Ups – was ist das denn? Oh nein… äh, Annette, wenn ich nochmal ganz kurz stören darf… *auf die Schulter tipp

In dem Moment klopfte mir Thorsten wieder auf die Schulter. Ich erschrak. Schon wieder abgesunken? Ich warf schnell einen Blick auf meinen Computer. Nein. Wir waren auf 21 m. Ich sah ihn an. Er schwebte neben mir und deutete auf seinen Regulator im Mund. Was war das heute? Ich zeig dir meine Ausrüstung? Ich verstand nicht, was er wollte. Offenbar atmete er doch, aber… mir fiel ehrlich gesagt nicht auf, was er meinte.

Ja, ich atme noch, was für ein Glück! Aber schau doch mal genauer hin! Was ist falsch an diesem Bild, hä?

Ich nickte höflich und wollter gerade weitertauchen, da hielt er mich zurück und deutete wieder auf seinen Regulator. Schön! Ich hab auch einen! Ich zuckte die Schultern um ihm zu sagen, dass ich nicht verstand, aber er machte keine Anstalten weiter zu tauchen. Also löste ich meinen Oktopus und reichte ihm den mal für alle Fälle (ich wußte wirklich nicht, was er will) aber er schüttelte den Kopf.

Jetzt komme ich mir langsam vor, wie in einem Sketch von Loriot: (und ich hege doch langsam den Verdacht, dass du mich nicht ernst nimmst!!!)

Annette: Möchtest Du meinen Oktopus haben?

Thorsten: Nein, ich möchte Deinen Oktopus nicht haben.

Annette: Aber eben wolltest Du doch noch?

Thorsten: Nein, ich wollte nicht, Du wolltest, dass ich Deinen Oktopus nehme!

Annette: Ich? Mir ist doch völlig egal, woher Du Deine Luft kriegst!

Thorsten: Ich habe aber eigene Luft, das ist nicht das Problem!

Annette: Will der Herr sich vielleicht bedienen lassen?

Okay, Annette, dann schau doch einfach mal her…

Dann hob er die andere Hand… und darin war etwas schwarzes, aus Plastik…

Ich traute meinen Augen nicht. Thorsten hielt den Blasenabweiser seines Regulators in der Hand.

Hurra, jetzt hat sie’s! Und jetzt alle zusammen: “Freude schöner Götterfunken…

Beim genauen Hinsehen verstand ich auch sein Problem. Die ganze Plastikverkleidung des Regulators war weg, und so stiegen die Blasen natürlich direkt vor seiner Brille auf und er konnte nicht mehr gut sehen. Ich sah die Membran des Regulators und fing mir an, wirklich Sorgen zu machen. Wie war denn das jetzt bitte passiert?

Ein paar Tage zuvor, beim Tauchgang in der Passage hatte ich einen Tritt ins Gesicht bekommen, bei dem es den Blasenabweiser verdreht hatte. Ich hatte ihn damals wieder in Position gedreht, aber offenbar hatte er sich in den vergangenen Tagen immer mehr gelöst. Jetzt, ausgerechnet bei diesem Tauchgang, hatte ich gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Ich tastete meinen Regulator ab – und auf einmal hielt ich den Blasenabweiser in der Hand.

(Geschieht dir nach den obigen Frechheiten völlig recht, so!)

Thorsten wechstelte auf seinen Oktopus. Dann hatte der Kerl doch die Nerven und versuchte in inzwischen 24 m Tiefe seinen Hauptregulator zu reparieren.

Wie heißt es so schön? “Hast Du unter Wasser ein Problem, versuch, es unter Wasser in den Griff zu kriegen.” Äh, hast Du mir mal ‘n Schraubenzieher und einen 17er-Ringgabelschlüssel? Ein Hammer tut’s zu Not auch.

Das ging mir dann doch zu weit. Erstens klappte es nicht auf Anhieb, dann stellte ich fest, dass wir in dieser kurzen “Pause” schon wieder 3 m abgesunken waren. Ich deutete ihm an, dass wir jetzt erst mal langsam höher gehen sollten. Das taten wir auch. Als wir die 20 m Marke gut unterschritten hatten, versuchte Thorsten erneut, das Plastikgehäuse wieder auf den Regulator zu kriegen. Es klappte nicht.

Hagel und Granaten! @#$§!

So leid es uns tat, aber damit war der Tauchgang am Steilhang für uns nach wenigen Metern schon zu Ende. Es war mir einfach zu gefährlich. Wenn Thorsten schon seinen Oktopus verwenden musste, dann hätte er keinen Ersatz mehr. Ich war mir nicht im Klaren darüber, was das bedeutet, wenn die Plastikverkleidung des Hauptregulators weg ist. Wäre das nur lästig, wenn dann die Blasen direkt vor einem aufsteigen oder könnte das auch gefährlich werden? An dem Steilhang herrschte buntes Treiben, und wenn wir uns noch verlieren würden, was jederzeit hätte passieren können, dann hätte er für den Rückweg noch nicht mal einen Ersatz.

Umm Gammar

Also drehten wir um und tauchten zurück über den Riffrücken in den Plateaubereich. Wir blieben in der Nähe des Bootes für den Fall, dass doch noch etwas schief laufen würde. Auch wenn wir den Steilhang nicht weiter verfolgen konnten, so haben wir im Plateaubereich auch viel gesehen und Spaß gehabt. Wir bleiben da lieber auf der sicheren Seite.

Es war ja eigentlich auch nicht geplant, so tief runter zu gehen. Aber da zudem noch ziemlicher Wellengang war, war die Entscheidung sicher besser. Wir konnten sehen, wie die Boote an den Seilen zerrten, die an diesem Riff an versenkten Betonblöcken hingen.

Oben auf dem Boot konnte dann ein holländischer Tauchlehrer den Regulator reparieren, so dass wir beim nächsten Tauchgang wieder bedenkenlos ins Wasser hüpfen konnten.

Ja, und der nächste Tauchgang war schon der letzte für diesen Urlaub. Bei der Revision, zu der wir unsere Regulatoren im Anschluss an den Urlaub brachten, wurde mein Blasenabweiser übrigens nicht beanstandet, der Tauchlehrer hat also gute Arbeit geleistet.

Wir haben in diesem Urlaub wirklich ein paar interessante und aufregende Erfahrungen gemacht und sind in manchen Dingen (hoffentlich) klüger geworden. Nach der Rückkehr nach Deutschland sollte nun fast nahtlos die nächste Ausbildung folgen – der “Rescue Diver”.


Tauchgebiete auf einer größeren Karte anzeigen

Gota Abu Kalawa – Ägypten – Rotes Meer und die Navigation im offenen Wasser

Gota Abu Kalawa gehört zu einer Riffgruppe, die allgemein “Abu Kalawa” heißt. Es gibt eine größere Riffformation, an denen es die Ankerplätze “Ras Abu Kalawa”, “Shaab Abu Galawa” und “Marsa Abu Kalawa” gibt. Westlich dieser Formation liegt ein einzelnes Korallenriff, das “Gota Abu Kalawa” genannt wird.

Bisher waren unsere Tauchgänge im Roten Meer stets so gewesen, dass wir irgendetwas zur Orientierung hatten, ein Riff oder eine Riffkante, an der man entlang tauchen konnte (einzige Ausnahme bildete der Drifttauchgang, doch hier brauchte man keine Orientierung, da uns das Schiff hinterher wieder abholte). Bei Gota Abu Kalawa allerdings bot das Riff an der Stelle, an der wir ankerten, selbst nicht so viel Sehenswürdigkeiten. Man machte die Taucher daher aufmerksam auf zwei größe Korallenblöcke, die sich ein Stück vom Ankerplatz weg im offenen Wasser befanden. Diese Korallenblöcke befanden sich sozusagen “im freien Feld”, sie ragten nicht aus dem Wasser und es gab in ihrer Nähe keine Struktur, der man hätte folgen können. Einer der Instructors meinte, es sei ganz einfach, man müsse nur vom Boot aus “geradeaus” schwimmen, und dann von den Blöcken aus genauso “geradeaus” wieder zurück. Das hinterließ bei mir ein mulmiges Gefühl, denn die Blöcke waren weiter weg vom Boot, als das Rote Meer an Sichtweite hergab, selbst bei weitester Sicht. Man würde sie also beim Boot nicht sehen, und genausowenig würde man das Boot von den Blöcken aus sehen. Insofern war “geradeaus” eine ziemlich relative Angabe, ohne Punkt, den man ansteuern und an dem man sich orientieren konnte. Ich beschloss, mich darauf nicht zu verlassen, nahm meinen Kompass zur Hand und peilte die Blöcke von der Plattform des Bootes aus an.

Gotta Abu Kalawa: Einer der Blöcke, umschwärmt von unzähligen Fischen

Gotta Abu Kalawa: Einer der Blöcke, umschwärmt von unzähligen Fischen

Wir tauchten in die Richtung, in der die Blöcke lagen und tatsächlich stießen wir genau drauf. Die Blöcke liegen direkt am Anfang eines Korallengartens, man könnte von dort aus auch noch weiter tauchen und einen Korallengarten erkunden, hatte man uns auf dem Boot gesagt. Uns jedoch reichten die Blöcke, die schon einen großen Fisch- und Korallenreichtum aufwiesen. Außerdem wollten wir es nicht riskieren, uns im völlig offenen Wasser, das hinter den Blöcken immer tiefer wurde, total zu verfransen. Also tauchten wir mehrmals um die beiden Blöcke und sahen uns alles genau an, bevor wir beschlossen, den Rückweg anzutreten.

Arabischer Kaiserfisch

Arabischer Kaiserfisch

Ich nahm also erneut meinen Kompass zur Hand und stellte den Umkehrkurs ein. Und dem versuchte ich zu folgen. Das war nicht ganz einfach, denn wir hatten eine leichte Strömung. Ich musste meine Strecke mehrfach korrigieren, da ich immer wieder von der Linie abwich. Gleichzeitig achtete ich darauf, Annette nicht abzuhängen. Noch dazu war die Sicht relativ schlecht. Bald schon verschwanden die Blöcke hinter uns in einem Nebel und es gab nichts, an dem man sich hätte orientieren können. Ich wurde ein wenig unruhig. Irgendwann war ich der Meinung, dass wir eigentlich schon am Ziel sein müssten, aber das Boot war nicht zu sehen. Wir schwammen weiter – und hatten auf einmal die Riffwand vor uns.

Gotta Abu Kalawa: Koralle

Gotta Abu Kalawa: Koralle

Das konnte doch nicht wahr sein! Ich war dem Kurs doch so gut gefolgt, wie es ging, das @#$!-Boot musste doch da irgendwo sein! Aber es war nichts zu sehen. Damit hatten wir ein Problem. Zwar hätten wir nur der Riffwand folgen müssen, um schließlich irgendwann zum Boot zu kommen, aber in welche Richtung? Wenn ich uns am Boot vorbei navigiert hatte, konnte dies rechts oder links von uns liegen. Ich nahm den Kompass nochmal her. Die Peillinie stimmte doch, also wo lag der Fehler? Annette wollte schon auftauchen und sich an der Oberfläche einen Überblick verschaffen. Ich blickte nach oben und endlich entdeckte ich ein Seil, das am Riff befestigt war. Die Tauchboote machten an solchen Seilen fest, damit sie nicht Anker werfen mussten. Ich folgte dem Seil mit den Augen. Es ging genau in unsere Richtung an der Wasseroberfläche, dann verlor es sich aufgrund der schlechten Sicht. Ich sah angestrengt nach oben…

…und auf einmal konnte ich senkrecht über uns schemenhaft den Bug der ABYDOS 2 ausmachen. Wir waren genau darunter!! Offenbar hatte der Weg, den ich getaucht war, uns in einem leichten Bogen an das Boot herangeführt, so dass wir nicht an dessen Heck herausgekommen waren (wo wir das Seil mit der Notfall-Pressluftflasche hätten sehen müssen), sondern weiter vorne. Und die Sicht war so schlecht, dass man aus unserer momentanen Tiefe von etwa 5 m das Boot nicht ohne weiteres erkennen konnte. Ich machte Handzeichen zu Annette, dass sich das Boot direkt über uns befand, aber sie verstand mich zunächst nicht. Oder sie wollte es nicht glauben. Um sie zu überzeugen, deutete ich ihr an, dass sie mir folgen sollte und schwamm in Richtung des Hecks. Und tatsächlich, da waren plötzlich die Seile zu sehen, die dort befestigt waren. Nachdem wir nun wussten, dass wir richtig waren, erkundeten wir noch das Riff und bekamen unter anderem eine weiße Baby-Muräne zu sehen.

Ein Shrimp, der vor seiner Höhle sitzt

Ein Shrimp, der vor seiner Höhle sitzt

Annette: Die Schwierigkeit der Navigation lag darin: Ansonsten hat man immer das Riff als Orientierung gehabt, entweder Riff Schulter rechts auf dem Hinweg und links auf dem Rückweg oder umgekehrt. Dieses Mal tauchten wir allerdings über “freies Land”. Alles sah gleich aus. Und die Strömung war nicht zu unterschätzen. Hinzu kam die schlechte Sicht. Da ich selber schon schlechte Erfahrungen mit Kurs und Umkehrkurs gemacht hatte war ich mir nicht mehr sicher. Wir hätten zumindest die Bootsleinen oder den Anker sehen müssen. Auf die Idee, dass wir einen Bogen schwimmen, bin ich nicht gekommen. Und plötzlich war so eine Art “Kante” zu sehen, danach war es deutlich tiefer. Die Stelle kannte ich nicht. Deshalb schwammen wir zur Riffwand.

Thorsten deutete zwar nach oben, aber das einzige, was ich sah, war ein Stück abgerissenes Tau, was auf der Wasseroberfläche am Riff trieb. Sah aus wie ein Stück Leine, von dem sich ein Boot mal losgerissen hat. Die lange Leine neben dran sah ich nicht. Ich war wirklich nervös, denn ich wollte nicht unbedingt im offenen Meer verloren gehen. Gut, wir haben ne Boje, aber das muss nun wirklich nicht sein.

Thorsten aber blieb vehement bei der Ansicht, dass er richtig war. Er deutete nach oben und mir fuhr der Schreck in die Knochen. Direkt über uns war ja das Boot! Man konnte die Umrisse sehen. Und dabei waren wir noch nicht mal tief, maximal 7 Meter würde ich sagen. Die Dekoflasche baumelte fast über dem Grund. Das war ja der Hammer! Aber die Sicht war wirklich schlecht. Ziemlich diesig.

Weiße Baby-Muräne

Weiße Baby-Muräne

Zurück an Bord sahen wir uns die Strecke zu den Blöcken nochmal an. Man konnte sie von der Oberfläche aus erkennen und nichts deutete darauf hin, dass die Sicht unter Wasser so schlecht war. Eines jedoch hatte ich beim Navigieren festgestellt: Mein Kompass hatte ein Armband, mit dem man ihn am Handgelenk befestigte. Da man ihn zum Navigieren vor dem Gesicht in einer bewegungslosen Position halten musste, musste ich mit angewinkelten linken Arm schwimmen, was auf die Dauer unangenehm war. Daran wollte ich etwas ändern – gleich nach der Rückkehr von Ägypten.

Memm doch jetzt wegen dem Arm nicht so rum! Dieser Arm war wahrscheinlich unsere Rettung. Der Nachteil der Konsole ist, dass man sie ständig grade halten muss. Und wenn man nicht ständig drauf achtet, könnte ja vielleicht da mein Kursproblem herrühren.

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Dolphin House – Ägypten – Rotes Meer und der Tauchgang ohne Guide

Dolphin House ist ein Riff mit mehreren Abschnitten im nördlichen Roten Meer und wird gerne zum Tauchen aber auch Schnorcheln angefahren, da hier die Wahrscheinlichkeit, Delfine zu sehen, am höchsten ist. Unser Tauchplatz am Dolphin House bestand aus einem langen Riff und einem einzeln stehenden riesigen Block. Dadurch entsteht sozusagen eine Art Kanal, durch den man hindurchtaucht um den Block zu umrunden. Die maximale Tiefe hier ist bei etwa 18 m.

Wir ankerten kurz vor dem Kanal und stiegen ab. Für Thorsten und mich war es Premiere, denn wir wurden hier zum ersten Mal an einem uns fremden Tauchplatz ausgesetzt und waren, was die Navigation anging, auf uns selber gestellt.  Ziemlich aufregend für uns.

Wir tauchten ab. Unter uns war nur weißer Meeresboden, auf dem zur Orientierung ein großes Herz aus Steinen gelegt war. Somit findet man sein Boot auch wieder wenn es im Roten Meer mal trübe ist.

Wir folgten der Tauchgruppe in Richtung Kanal. Da wir aber noch einige Fotos schossen, verloren wir die Gruppe schon bald. Zuerst ist der Kanal sehr breit, dann kommt man an eine riesige Tischkoralle, und sobald man diese überschwommen hat befindet man sich im eigentlichen “Kanal”. Hier herrschte eine deutliche Strömung, und wir kamen nur langsam voran. Wir versuchten, uns so dicht wie möglich am Grund und am Riff zu halten, aber trotzdem war die Strömung deutlich zu spüren.

Ein Seestern

Ein Seestern

Wir bewunderten den Fischreichtum hier. Sogar einen kleinen Seestern fanden wir. Trotzdem wollte ich so schnell wie möglich aus dem Kanal heraus um den Block herum, um die lästige Strömung abzuhängen. 😉

Neben mir erschien plötzlich eine Tauchgruppe. Offenbar handelte es sich hierbei um einen Tauchlehrer mit seinen Schülern, 2 Männern und einer Frau. Die Frau machte einen sehr unsicheren Eindruck, sie hatte Schwierigkeiten mit der Tarierung und dem Gleichgewicht. Da sie uns unbedingt überholen wollten, mussten sie ein Stück weg vom Riff und somit direkt in die Ströumung. Da ich mir vorstellen konnte, dass das als Anfänger eher sehr anstrengend ist, drehte ich mich zur Seite und wollte Thorsten ein Zeichen geben, dass wir die Gruppe vorbeilassen sollten. Nur… der Mann neben mir war nicht Thorsten. Verblüfft drehte ich mich um. Wo war er denn?

Hinter mir stand Thorsten in der Strömung und fummelte an seinem Regulator rum. Ich hielt an und ließ den Fremdem neben mir vorbeiziehen. Was machte er da nur?

Thorsten: Ich hatte die Gruppe natürlich auch bemerkt und wie sie an uns vorbei wollten. Auch mir war der Gedanke gekommen, sie vorbei zu lassen. Als ich mich umsah, um zu schauen, wohin wir wohl ausweichen könnten, bekam ich von einem der Taucher eine Flosse ins Gesicht, so heftig, dass ich erstmal anhalten musste. Ich hatte den Regulator nicht verloren, weil ich sofort mit der Hand dran war, aber mir tat die Lippe weh. Außerdem fühlte sich das auf einmal komisch an. Ich spürte ganz deutlich etwas an meiner Unterlippe, das da vorher nicht war. Als ich mit den Fingern meinen Regulator abtastete, stellte ich fest, dass sich der Blasenabweiser durch den Aufprall verschoben hatte. Anstatt parallel zum Mundstück war er nun nach links verdreht. Ich versuchte vorsichtig, ob er wohl gebrochen war, aber er ließ sich ohne Probleme in seine eigentliche Position zurückschieben. Und er tat noch das, wozu er gedacht war: Blasen abweisen.

Ich wartete und drehte mich wieder nach vorne, da bekam ich einen Schlag auf den Kopf. Ich zuckte zusammen  und sah, dass der Herr, der mich eben überholte und sich als Thorsten ausgegeben hatte, mir soeben mit der Flosse auf den Kopf getreten war. Er merkte es zwar und entschuldigte sich, aber ehrlich gesagt hatte ich nun genug. Ich machte Thorsten das Zeichen, dass wir erst mal warten würden bis diese Schüler vorbei waren. Er verstand und nach einem Moment konnten wir weiter.

Wir wechselten die Seite des Kanals um den Block zu umrunden. Als wir über die Nordspitze kamen, war es deutlich ruhiger. Hier befanden wir uns in einem kleinen Korallengarten und einer enormen Fischvielfalt. Kaiserfische, Zebrafische, Papageienfische, Flötenfische, Rotfeuerfische… alle tummelten sich am Riff. Die Sicht war bombastisch, und so gelangen uns einige sehr schöne Bilder.

Weiter ging es um den Block herum. Ich kontrollierte mein Finimeter und stellte fest, dass ich noch 100 bar hatte. Zeit zum Umdrehen? Oder… doch ganz rum? So langsam schlich sich bei mir ein bisschen Nervosität ein. Block umrunden… schön und gut, aber fänden wir denn auch den “Anfang” wieder? Nicht dass wir den Block wieder und wieder umrunden würden ohne den Ausstieg zu finden. Ich wurde ehrlich gesagt etwas nervös. Gut, es gab an sich keinen Grund, Luft hatte ich genug und wenn mir die Luft ausgehen würde, müsste ich im schlimmsten Falle eben aufsteigen und oben gucken wo wir waren. Aber trotzdem… ich ärgerte mich, denn ich hatte vergessen, mir einen Markierungspunkt zu merken, den ich wieder erkennen am Anfang des Kanals.

Etwas verbissen tauchte ich weiter. Dem Gefühl nach hätte ich gesagt, dass wir inzwischen auf der Südseite des Blocks angekommen waren, also müsste man dem Riff nur folgen, dann käme der Eingang zum Kanal, dort gerade aus weiter und schon wären wir am Boot. Klingt doch leicht.

Ein Flötenfisch

Ein Flötenfisch

Wir tauchten weiter. Ich guckte auf das Finimeter. 60 bar. Mist. Weit und breit erkannte ich keinen Eingang zum Kanal. Einmal wäre ich fast in eine Schneise getaucht, aber das war eine Sackgasse. Langsam verging mir das Lachen. Ich tauchte voran und legte langsam aber sicher einen Zahn zu. Wo war bloß dieser blöde Kanal?

Plötzlich klopfte mir Thorsten auf die Schulter. Er zeigte an, dass wir umdrehen müssten. Umdrehen???

Ich habe natürlich auch die ganze Umgebung des Blocks nach etwas abgesucht, das mir bekannt vorkam. Beim Eingang in den Kanal war mir aufgefallen, dass dort am Block ein paar einzelne Korallen standen, ähnlich wie Inseln. Als wir bei so einer Struktur vorbeikamen, erwartete ich eigentlich, die andere Seite von dem Kanal zu sehen, aber das war nicht so. Erst als wir wieder drin waren, erkannte ich in der Ferne die andere Wand. Ich tippte Annette an, dass wir in die andere Richtung mussten. Auf ihren ungläubigen Blick nahm ich meine Schreibtafel zur Hand und schrieb es auf: “Wir sind wieder in der Passage.” Ich übernahm die Führung und wir schwammen den Weg zurück, an der anderen Wand entlang.

Ich folgte ihm jedoch und flehte zum Himmel, dass er wusste wo wir waren. Und: TomTom wusste es! Er führte uns aus dem Kanal heraus, in den ich eben wieder geschwommen war (das zum Thema den Block x Mal umkreisen… 🙂 ) und führte wie eine eins zum Boot zurück. Als ich das steinerne Herz sah, hätte ich vor Erleichterung jubeln können. Interessanterweise hatte sich in unserer “Abwesenheit” die Sicht deutlich verschlechtert, und wir konnten das Boot, als wir direkt drunter waren, nur noch schemenhaft erkennen. Insofern stellte sich das Herz doch als sehr nützlich heraus.

Das Herz des Ozeans... :-)

Das Herz des Ozeans... 🙂

Die schlechtere Sicht war es auch, die zunächst verhindert hat, dass wir die andere Wand vom Kanal sehen konnten. Doch einmal dachte ich, dass ich noch ein Problem hätte. Wir waren gerade umgedreht, um uns auf den Rückweg zu machen, da passierten wir eine weitere Gruppe Taucher, angeführt von einem der Divemaster von unserem Boot, die uns entgegen kam. Wir grüßten freundlich und schwammen weiter. Doch auf einmal spürte ich einen Ruck – und es ging nicht mehr weiter. Was war denn nun los? Ich merkte, dass ich mit meiner rechten Flosse offenbar festhing. Na klasse, dachte ich mir, da hat man uns eingebleut, vorsichtig zu sein, und jetzt hatte ich mir wohl die Flosse irgendwo eingeklemmt und würde bei dem Versuch, sie zu befreien, mindestens zehn Jahre Riffgeschichte zerstören. Doch als ich mich vorsichtig umwandte, um nachzusehen… stellte ich fest, dass der Divemaster der anderen Gruppe mich festhielt! Kann mir mal einer erklären, was das Unterwasser-Handzeichen für “Wohl ‘n Clown gefrühstückt, Du Komiker!” ist?

Ja, der hatte schon Humor. Einmal hingen wir an der Dekoleine zum Sicherheitsstop da kam er angeschwommen und hatte sich wie ein Walr0ß einen Tierknochen zwischen Nasenerker der Taucherbrille und Regulator geklemmt. Versuchen Sie mal dabei nicht Tränen zu lachen und dabei den Wassereinbruch in den Regulator zu vermeiden!

Als wir ausgestiegen waren ließ ich mir von Thorsten erklären, was “natürliche” Navigation ist 🙂 Ich werde mich in Zukunft bemühen es auch zu lernen.

Doch offenbar waren wir nicht die einzigen, die da Probleme hatten. Nachdem wir ausgestiegen waren und uns abtrockneten, erschien ein Kopf an der Meeresoberfläche, sehr weit vom Boot entfernt. Die Besatzung wurde schon unruhig, da es nur ein Kopf war. Nachdem dieser aber keine Anstalten machte zu winken oder um Hilfe zu rufen war es klar, dass dieser Kopf sich ebenfalls verirrt hatte. 10 min später erschien der Kopf samt Körper und Buddy auf dem Boot und auch er gestand, dass er gucken musste wo wer war. 🙂

Ein Hoch auf Thorsten! Dank ihm blieb uns diese Peinlichkeit erspart! 😉

So ganz langsam hatte ich den Bogen raus. Und das sollte sich noch als nützlich erweisen. (*platzt vor Stolz)


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