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Scuba Diver: Der Pooltauchgang – Annettes Version
Wir standen nun vor der Tauchschule. Fast so, wie bestellt und nicht abgeholt. Unsicher, was nun zu tun sei, blieben wir erst einmal stehen. Schließlich kam der Basisleiter vorbei und schickte uns zum Einkleiden.
Ich persönlich hatte mich vorher noch nicht einmal theoretisch mit dem Tauchen beschäftigt, insofern wußte ich nicht, was mit erwarteten würde bzw was überhaupt alles zu einer Ausrüstung gehört. Ein junger Mann, der wohl kein deutsch sprach, reichte uns diverse Ausrüstungsgegenstände zum Anprobieren. Zuerst den Neoprenanzug. Okay, von dem hatte ich schon mal gehört. Dann ein eigenartiges “Jacket”, eine Art Nylonweste, ein Gürtel, Flossen, Brille, Schnorchel. Wir probierten und probierten. Gerade, als ich meinen auftriebsgeplagten Hintern dem Eingang entgegenstreckte, um die Flossen anzuziehen, hörte ich die freundliche Stimme eines Mannes.
“Hallo, ich bin euer Tauchlehrer! Wie ich sehe, probiert ihr schon eure Ausrüstung an. Wie heißt ihr denn?”
Ich fuhr hoch. Ein Mann? Ehrlich gesagt war ich in dem Moment ein klein bisschen enttäuscht. Ich hatte mich so auf die Tauchlehrerin gefreut. Vor der wäre es mir nicht peinlich gewesen, meine Unsicherheiten zuzugeben. Kritisch musterte ich den Mann. Okay, er wirkte sehr sympathisch, jung war er, aber eben nicht diese vertrauenserweckende Schweizerin.
Was soll’s. Man muss nehmen, was man kriegt. Ich beschloss, erst mal abzuwarten bevor ich mir ein Urteil erlauben würde.
Schließlich waren wir fertig mit der Einkleiderei. Unsere Sachen wurden in eine Kiste gepackt und auf einen Handwagen verladen. Unser Tauchlehrer (TL) führte uns nach draußen und setzte uns an einen Tisch. Vor uns landete ein dicker Ordner, darin waren Fragen nach dem mulitpe choice System. 3 Seiten lang. Die sollten wir beantworten. Er müsse eben noch mit 2 anderen Tauchschülern reden, sagte er. Der eine war ein Mann mittleren Alters, der den Discover Scuba Diver machte, der andere war bereits Scuba Diver und wollte weitermachen. Da sein Kurs aber schon länger her war, wollte er mit uns noch einmal mitgehen.
Thorsten und ich warfen uns Blicke zu. “Ähm”, sagte ich, “wir haben das Buch gerade mal eine Stunde und in der Zeit haben wir es wirklich nicht geschafft, es zu lesen” , widersprach ich. “Ihr habt doch den Film gesehen oder?”, fragte der TL. “Ja”, antworteten wir im Chor, “aber der war auf englisch”. Unser TL grinste. “Na, dann werden wir ja gleich mal feststellen, wir gut euer Englisch ist”, antwortete er.
Also gut. Wir machten uns an die Arbeit. Und waren erstaunt. Wir hatten doch wirklich viel von dem Film behalten. Bis auf 2-3 Fragen, bei denen wir wirklich raten mussten, klappte es ganz gut.
Unser TL kam zurück. Er ging mit uns Frage für Frage durch und erklärte alles nochmal genau. Schließlich hatten wir es geschafft. Endlich durften wir zum Pool. Dort angekommen wollten wir natürlich sofort loslegen. Aber…weit gefehlt. Unser TL fragte uns doch tatsächlich, ob wir schwimmen könnten.
Wie bitte?
Ich hielt das für einen Witz. “Klar”, sagte ich. “Ja? Na dann zeigt mal”, kam von ihm zurück.
Auch wenn ich Gefahr laufe, mich zu wiederholen: Wie bitte?
“Das ist doch nicht dein Ernst”, sagte ich. “Doch klar, meinte er, ” ihr müsst jetzt 10 min ohne Unterbrechung schwimmen. Davon muss ich mich überzeugen. Schließlich gibt es hier Leute, die tauchen lernen wollen und bis zu dem Zeitpunkt nur bis zur Brust im Wasser waren.”
Ich war mir immer noch nicht sicher, ob er nur scherzte. Es war aber kein Scherz. Also gut. Wir gingen in den Pool und fingen an zu schwimmen. 10 min lang. Ohne Unterbrechung!
Nachdem wir die erste Hürde zum Tauchschein mit Bravour genommen hatten, mussten wir uns als nächstes mit nasser Haut in unsere zweite Haut (Neopren) quetschen. Nun ging es aber endlich richtig los. Wir bekamen das Tauchgerät erklärt und mussten üben, es zusammenzubauen. Jetzt war mir immerhin mal klar, wozu man dieses ominöse “Jacket” brauchte. Logischerweise musste man ja irgendwo die Flasche festmachen. Zudem sollte man unter Wasser auch auf verschiedenen Höhen tauchen können, und auch dazu brauchte man das Jacket, um Luft ein- und auszulassen. Klar. Wenn man es mal von der Seite betrachtet.
Schnapp – alle Tauchschüler hatten ihre Flaschen am Jacket. Alle? Nein! Eine gewisse Schülerin kämpfte mit der Schnalle. Hier möchte ich eins dazu erklären. Ich bin ein spezielles Persönchen, wenn es ums Lernen geht. Ich möchte bitte NICHT auffallen, am Besten merkt man gar nicht, dass ich dabei bin. Ich möchte auch bitte NICHT, dass alle auf mich warten müssen, und ich die Gruppe aufhalte. Und ich möchte bitte NICHT beobachtet werden, wenn ich mich dumm anstelle.
Die Schnalle wollte nicht umklappen. Das heißt, sie wollte schon, nur hatte ich nicht die Fertigkeit, diese widerspenstige Teil einfach umzulegen. Das Jacket rutschte über den Boden statt dass sich die Schnalle schloß. Unglücklicherweise merkte ich bereits die Blicke der anderen, was es nicht besser machte. Und unser TL feuerte mich auch noch mit flotten Sprüchen an! Schließlich hatte er wohl Mitleid und hielt mir das Jacket fest. Endlich klappte es.
Anziehen durften wir uns aber erst im Wasser. Da das Becken flach war, befürchtete unser TL, dass wir mit Blei und Flasche die Kacheln kaputt machen könnten, wenn wir so einfach reinspringen. Endlich war die ganze Ausrüstung am Mann/Frau. Es folgte eine kleine Einführung, was wir unter Wasser üben würden. Brille ausblasen, wenn Wasser eingedrungen war, Brille absetzen und ohne Brille eine Minute atmen, Unterwasserzeichen, Lungenautomaten aus dem Mund nehmen und wieder einsetzen, Lungenautomaten “verlieren und wiederfinden”, Tarierübungen, atmen aus dem Automaten des anderen… da gab es eine Menge zu tun.
Jetzt war es soweit. Der erste Atemzug unter Wasser. Alle waren auf den Grund abgetaucht, da sollten wir uns hinsetzen. Ich blieb noch eine Sekunde länger an der Oberfläche und ließ die Sache auf mich wirken. Hoffentlich klappte alles. Ich konnte zwar stehen und wäre im Notfall gleich oben, aber es war schon ein komisches Gefühl. Ich lächelte in mich hinein und tauchte ab. Im Abtauchen nahm ich den ersten Zug. Es ging! Das war ja lustig! Und ich hatte kein Wasser geschluckt! Kaum hatte ich diesen Satz zuende gedacht schluckte ich auch schon meine erste Ladung Wasser. Warum weiß ich nicht. Jedenfalls bekam ich eine Hustenattacke und richtete mich sofort auf. Über Wasser hustete ich mich erst mal aus. Unser TL erschien an der Oberfläche. “Alles klar?” , fragte er. ” Jaja, schon gut”, brummte ich. Ich war verärgert. War das denn zu glauben? Wieso musste mir immer so ein Scheiß passieren? Alle anderen waren doch problemlos runter gekommen. Ich ließ die Luft aus dem Jacket und tauchte ab. Hoppala. Ungeschickt plumste ich bäuchlings auf den Boden. Alle anderen saßen bereits. Umständlich rappelte ich mich auf und setzte mich dazu.
Nachdem wir nun endlich alle unseren Platz gefunden hatten begann der Unterricht. Was wir nacheinander taten, weiß ich nicht mehr so genau. Ich weiß nur, dass ich wirklich aufgeregt war. Obwohl ich wußte, dass ich mit einem Satz aus dem Wasser gewesen wäre war es doch eine Überwindung, seine technischen Hilfsmittel einfach abzulegen. Ich beobachtete die anderen dabei. Da ich immer die 4. in der Übungsreihe war, hatte ich genug Zeit dazu. Ich stellte fest, dass alle die Übungen ruhig und problemlos machten. Auch Thorsten wirkte sehr ruhig und souverän. So wollte ich das auch machen. Trotzdem merkte ich, wie mir das Adrenalin hochschoss als ich das erste Mal die Brille befluten musste. Aber erstaunlicherweise gelangen mir alle Übungen genauso gut wie den anderen.
Wir übten lange und gründlich. So langsam bekam man eine Art Sicherheit, die erste Nervosität unter Wasser hatte sich gelegt und ich begann, mich an das Medium Wasser zu gewöhnen. Ich atmete einfach ohne drüber nachzudenken, dass ich das hier eigentlich nicht können dürfte. Auch wenn es etwas ungewohnt ist, durch den Mund zu atmen, mit Taucherbrille kann man nicht durch die Nase atmen. Und so langsam wurde der Mund ganz schön trocken.
Schließlich begannen die Tarierübungen. Dazu legten wir uns auf den Bauch, ließen etwas Luft in das Jacket und mussten so lange ein und ausatmen, bis wir einen 45 Grad Winkel erreichten, die Flossen blieben auf dem Boden. Das bereitete mir deutliche Schwierigkeiten. Ich “hob” zwar ab, jedoch bekam ich einen starken Rechtsdrall. Ständig drohte ich, mich über meine rechte Schulter auf den Rücken zu drehen. Mit aller Gewalt versuchte ich, mich in der Lage zu halten, es ging nicht. Ich denke, es lag daran, dass das Jacket nicht eng genug saß und mir die Flasche nach rechts verrutschte. So einfach war das also doch nicht, diese Tariererei.
Inzwischen wurde es immer dunkler. Ich hatte das Gefühl für die Zeit völlig verloren. Sämtliche Badegäste waren inwzischen weg. Wir übten noch den kontrollierten Notaufstieg in der Horizontalen, aufsteigen ging nun wegen der fehlenden Tiefe nicht. Jetzt war es so dunkel, dass man seine Hand vor den Augen nicht mehr erkennen konnte. Wir tauchten auf. An der Wasseroberfläche übten wir noch das gegenseitige Abschleppen. Das war angenehm. Thorsten zog mich gerade durch den Pool, da blickte ich in den Sternenhimmel. Ich überlegte. Hätte ich mir das je träumen lassen? Dass ich mal tauchen würde? Nein. Ich war positiv überrascht. Gelinde ausgedrückt. Ich war eher begeistert. Gut, die anfänglichen Patzer… aber das passierte halt. Dafür ist man Schüler. Und das Atmen unter Wasser gefiel mir. Alles in allem war das ein sehr schöner Tag gewesen fand ich. Diese Investition hatte sich gelohnt.
Wir stiegen aus dem Wasser. Augenblicklich fing ich an zu frieren. Die Sonne war weg und ein Wind war aufgekommen. Ich wollte mich so schnell wie möglich anziehen. Doch jetzt stand ich vor einem neuen Problem. Mittags hatte ich mich in den Neopren zwängen müssen, jetzt wollte er nicht mehr von mir weg. Was war das denn nun wieder? Stellte ich mich schon wieder blöd an? Unser TL hatte seinen bereits aus. Ich wand mich auf der Stelle hin und her, es nützte nichts, der Anzug blieb da, wo er war. Ärgerlich sah ich mich um. Thorsten ging es ähnlich. Dem Neopren-Breakdance nach zu urteilen schien auch er nicht mehr aus seinem Anzug rauszukommen. Unser TL amüsierte sich erst mal, dann verriet er, dass das kein unbekanntes Problem sei. Er half uns aus der Klamotte. Gott sei dank war dieses lästige Ding von meiner Haut!
Wir verluden unsere Sachen auf den Handkarren und gingen zurück zum Hotelzimmer. Der nächste Tag war Feuerprobe. Unsere ersten zwei Freiwassertauchgänge standen bevor. Zuerst glücklich über den Tag schwatzen Thorsten und ich auf dem “Heimweg” über das Erlebte, doch dann… wurden wir nachdenklich. Mehr dazu das nächste Mal!
Scuba Diver: Der Pooltauchgang – Thorstens Version
Nachdem wir also die Theorie mit Selbststudium unterfüttert hatten, soweit uns das möglich war, machten wir uns erneut auf zur Tauchbasis, wo uns dann unser Tauchlehrer vorgestellt wurde. Nein, es war nicht die Schweizerin. Es war ein “Freelancer”. Im ersten Moment war mir das gar nicht so recht, denn so langsam merkte ich, dass ich nervös wurde. Und etwas wortkarg.
Die erste Hürde, die wir zu überwinden hatten, war die Ausrüstung. Wir mussten etwas finden, das uns passt, ein passender Neoprenanzug, eine Tarierweste, Flossen, Brille… Ich zog an, was man mir reichte und letztlich passte auch irgendwas. Gleichzeitig wurden wir unseren “Kurskollegen” vorgestellt. Mit Annette und mir sollten noch ein Schweizer und ein Niederländer dabei sein. Der Schweizer hatte allerdings nur das “Discover Scuba Diving”-Paket gebucht, das bedeutete, er würde nicht alle Poollektionen mitmachen und am nächsten Tag nur einen Tauchgang machen, und nur bis fünf Meter Tiefe. Aber fünf Meter, das war ja nichts. Das hatte ich auch schon ohne Tauchausrüstung geschafft. Andererseits, 12 Meter, das war mehr als doppelt so tief…
Der Niederländer hingegen brauchte wohl nur noch einen “Auffrischkurs”, denn er hatte bereits einen Tauchschein. Während wir dann die Ausrüstung anprobierten, bekam ich auf einem Ohr ein Gespräch zwischen dem Niederländer und unserem Tauchlehrer mit, die sich auf englisch darüber unterhielten, dass Annettes Neoprenanzug nicht passte. “She gonna have problems with that”, sagte der Niederländer. “I know”, war die Antwort unseres Tauchlehres, “but she wants it that way.” Hm, dachte ich mir, Annette wird schon wissen, was sie tut. Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als dass ich mir darum auch noch Gedanken machen konnte.
Nach einer Wiederholung des Gelernten in Form von einen Test, wobei sich unter Tauchlehrer ausreichend Zeit nahm, alles mit uns durchzugehen, bis es klar war, wurde unsere Ausrüstung zum Pool gebracht. Ein wirklich komisches Gefühl, diesmal auf der anderen Seite zu stehen, denn nun sahen andere Hotelgäste interessiert zu, was wir denn da taten. Wir fingen also an, unsere Ausrüstung zu richten. Der Tauchlehrer stand uns zur Seite und erklärte den Anfängern geduldig, wie man das richtig macht, wie man die Pressluftflasche am Jacket befestigt, wie die Erste Stufe angeschlossen wird und so weiter. Poseidon sei Dank (oder wer auch immer im Pantheon dafür verantwortlich ist) hatte auch er, so wie seine Kollegin, eine angenehm ruhige Art an sich und erklärte die Dinge mit viel Humor. Das Problem war nur, zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht wirklich richtig darüber lachen. Die Nervosität war bereits viel zu groß. Immerhin sorgte unser Tauchlehrer so auf seine ganz eigene Art dafür, dass sie nicht überhand nahm.
Dann kam die erste neue Erfahrung – Neopren. Man muss kräftig dran ziehen, damit man reinkommt. Wenn man den Anzug endlich anhat und an Land steht, wird einem sehr schnell verdammt warm, vor allem in der Sonne Ägyptens. Sogleich kam die nächste Erfahrung, die ich bisher immer nur beschrieben bekommen hatte und die ich mir so gar nicht vorstellen konnte. Es sei nämlich, hatte man mir immer erzählt, gar nicht so schlimm, im Neoprenanzug ins Wasser zu steigen, wenn es eine gewisse Temperatur hatte. Diese Temperatur musste nicht mal sonderlich hoch sein. Und was soll ich sagen – es ist tatsächlich so. Nun hatte der Pool natürlich trotzdem noch angenehme Temperaturen, aber auch aus anderen Erfahrungen, die ich mittlerweile gemacht habe, kann ich bestätigen: Auch wenn man es nicht glaubt, das Neopren erfüllt seinen Zweck. Selbst wenn es nur 5 Millimeter hat.
Schließlich, ein paar Erklärungen später, kam der große Moment: zum ersten Mal unter Wasser gehen mit dem Regulator. Nun, eigentlich hatte ich sowas ja schon mal gemacht, aber das war zu dem Zeitpunkt etwas mehr als 15 Jahre her. Und die Situation war eine andere – diesmal wusste ich, was ich tat. Ungefähr jedenfalls. So’n bisschen. Trotzdem musste ich konzentriert bleiben, um nicht gewohnheitsmäßig die Luft anzuhalten. Siehe da, es ging. Es dauerte, bis ich mich zurecht gefunden hatte mit der Ausrüstung, oder sagen wir, bis die Ausrüstung nicht immer nur das machte, was sie wollte, sondern ab und an auch mal auf mich hörte. Dann kamen wir zu den spezifischen Übungen.
Der große Vorteil vom Pooltauchgang ist, dass man im Ernstfall schnell an der Oberfläche ist, falls etwas schiefgeht. Aber was soll ich sagen? Es ging nichts schief. Das war mir schon wieder unheimlich. Maske abnehmen, wieder aufsetzen und sie ausblasen – klappte beim ersten Mal. Hä? Regulator aus dem Mund nehmen, fallenlassen, wiederfinden und wieder zurück in den Mund – klappte. Selbst die Übung, bei der man die Maske abnehmen und mindestens eine Minute ohne diese durch den Regulator atmen musste, funktionierte. He, ich bin Anfänger! Ich verlange, Fehler zu machen! Ich will mich blöd anstellen! Okay, letzteres hätte ich vielleicht nicht so laut fordern sollen, denn das kam noch. Tatsächlich war meine Stimmung zum ersten Mal eher positiv. Aber Zweifel blieben. Kleine, niedliche Zweifel. Zweifel, die noch wachsen sollten. Und das schneller, als mir lieb war.
Wir machten die Poollektionen so ausführlich, dass es längst dunkel war, als wir zum letzten Mal aus dem Wasser stiegen. Die letzten Übungen hatten wir im gedimmten Licht der “kleinen” Poolbeleuchtung durchgeführt. Jetzt, da wir rausgingen und uns des Neoprenanzugs entledigten, schaltete man die großen Unterwasserscheinwerfer ein. Arrgh! Warum jetzt? Warum nicht früher?
Die Bilanz des Tages war durchaus positiv. Der Tauchlehrer war sehr bemüht und manchmal konnte man den Eindruck bekommen, er machte bestimmte Dinge nur, um uns ein Lächeln zu entlocken. Selbst unter Wasser, aber lächeln Sie mal, wenn Sie einen Regulator im Mund haben. Was mich an dem Tag allerdings sehr irritierte, war der Punkt, dass wir dem Tauchlehrer demonstrieren mussten, dass wir in der Lage waren, nicht nur zu schwimmen, sondern das auch noch zehn Minuten ohne Pause. Dabei war schwimmen doch genau das, was ich so konnte. Leichteste Übung! Wie Mark Spitz! Na gut, wie ein in die Jahre gekommener Mark Spitz, der nie an Olympia teilgenommen hatte. Oder sagen wir, wie ein Badewannen-Mark-Spitz. Das trifft’s. Meine Frage, ob es denn was gebracht hätte, wenn ich mein Freischwimmerzeugnis (von 1983 oder so) mitgebracht hätte, wurde seitens des Tauchlehrers abschlägig beschieden. Der Tauchlehrer habe sich, so die Vorschriften, “persönlich” davon zu überzeugen, dass die Schüler schwimmen können.
Im Dunkeln und der dadurch bedingten aufziehenden Kälte mussten wir uns unserer Sachen entledigen. Also das gleiche wie am Mittag, nur umgekehrt: Raus aus dem Neopren. Hmja. Also, den Reißverschluss kriegte ich auf. Und dann? Keine Chance – ich kam nicht raus (für die Kenner unter den Lesern: Mein Anzug hatte den Reißverschluss vorne). Ich drehte mich zu unserem Tauchlehrer um. “Gibt es da einen Trick?”, fragte ich und hoffte insgeheim, seine Antwort würde nicht lauten: “Nein, da gibt es keinen Trick. Jeder Idiot kommt aus einem Neoprenanzug raus!” Doch tatsächlich lächelte er mild und meinte: “Ja, da gibt es einen Trick: Lass Dir vom Buddy helfen!” Da Annette genug mit ihrem Anzug zu kämpfen hatte, sprang der Tauchlehrer kurzfristig in die Rolle des Buddys und zog mir das Neopren von den Schultern. Danach ging es ganz einfach ohne Probleme wie geschmiert zwar auch nur mit viel ziehen und zerren weiter, aber irgendwann war ich den Anzug los.
Nachdem wir wieder trocken waren, ging es direkt zum Abendessen und daran, das Erlebte zu verarbeiten und durch Bücherstudien zu vertiefen. Wir waren jetzt “Buddys”, das hatte ich heute gelernt – Tauchpartner, die auf einander zu achten hatten. Wenn sie nicht gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Ooookaaaay…

