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Willkommen bei den Flat Flute Divers, dem etwas anderen Blog über das Tauchen. Wenn Sie den ganzen Hintergrund verstehen wollen, empfehlen wir Ihnen, die ersten Beiträge zu lesen, die den Blick auf den Anfang einer etwas ungewöhnlichen Taucherkarriere bieten. Den Einstieg finden Sie hier, in der Einleitung, eine Übersicht finden Sie im Inhaltsverzeichnis.

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Archiv für die Kategorie „Tarierweste“

Thorstens Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung: das Jacket

Nachdem Annette sich ihre Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung gemacht hat, möchte ich meine nicht verschweigen, die in manchen Punkten etwas anders sind. Das macht aber nichts, sondern bestätigt nur Annettes Aussage, dass man sich selbst klar werden muss, was man genau braucht und will. Und sie hat schon sehr schön die einzelnen Alternativen dargelegt, deswegen lasse ich das in hier mal außen vor.

Ja, ADV, Hybrid oder Wing… das stand bei mir nicht so sehr im Vordergrund. Zwar war mir klar, dass ich auch ein Jacket (Vulgo: “Tarierweste”) brauchen würde, das mir eine ruhige Lage ermöglicht, weil ich auch fotografieren wollte, aber da waren auch noch andere Faktoren.

Ich habe es in meinen Berichten vom Scuba-Diver-Kurs nicht erwähnt, aber es gab zwei Probleme, die ich noch hatte. Ich habe sie nicht böswillig verschwiegen, sondern einfach vor lauter vergessen. Das kam mir erst wieder, als ich rekapitulierte, warum ich das Jacket habe, das ich habe. Also, holen wir das schnell nach.

Beim zweiten Tauchgang zeigte sich bei mir ein Problem, das ich im Pool schon hatte. Wir waren eigentlich schon fertig und sollten noch die Abschleppübungen machen. Ich trieb im Wasser und bewegte die Flossen ein bisschen, als ich auf einmal feststellte, dass sich an meiner Hüfte was bewegte. Reaktionsschnell griff ich an den Inflatorschlauch und pustete mein Jacket auf, bis die Überdruckventile reagierten, dann spreizte ich die Beine. Gerade noch rechtzeitig, denn mein Bleigurt war gerade dabei, sich zu verabschieden. Er war nicht aufgegangen, nur irgendwie hatte er sich geweitet und hing nun auf meinen Oberschenkeln. Etwas ähnliches war mir im Pool auch schon passiert. Ich hielt ihn mit beiden Händen fest, dann musste mir der Tauchlehrer helfen, das Ding wieder auf Hüfthöhe zu befestigen. Bei einer Übung beim Indoor-Tauchen etwas später verlor ich den Gurt ganz und merkte es nicht mal – ich wunderte mich nur, warum ich auf einmal in Richtung Wasseroberfläche schoss.

Damit waren Jackets mit integriertem Bleisystem bei mir ganz vorne. Anstatt das Blei auf einen Gurt aufzufädeln wird es hier in spezielle Taschen gesteckt, die mit einem Clipverschluss am Jacket eingerastet werden. An den Verschlüssen finden sich große Griffe, wenn man an denen zieht, hat man das Blei auch schnell wieder draußen für den Notabwurf.

Die andere Sache hat ein wenig was mit Gewöhnung zu tun. Natürlich hatte ich mich – nach zwei Tauchgängen – nicht wirklich an ein bestimmtes Jacket gewöhnt. Aber dadurch, dass ich seit meiner Jugend schnorchle, hatte ich mir eine gewisse Körperhaltung angewöhnt: die Arme locker seitlich des Körpers, die Hände ungefähr auf Hüfthöhe. Damit bekam ich beim Tarieren mit dem Inflatorschlauch Probleme. Zum Luftablassen griff ich nämlich mit der linken Hand einfach mal schnell an den Schlauch und drückte auf den Knopf. Nun hängt der Schlauch nach unten, Luft hat aber die Tendenz, nach oben zu strömen. Ich weiß nicht, wie oft mir der Tauchlehrer das Zeichen geben musste, dass ich den Inflatorschlauch nach oben halten musste, damit sich was tat. Es sah zunächst so aus, als würde ich mich da noch umgewöhnen müssen.

Dachte ich… Annette hat geschrieben, dass man sich ausführlich beraten lassen soll, bevor man etwas kauft und es am besten sogar probiert. Genau das taten wir. Und in einem Laden sah ich dann etwas, das mich spontan ansprach. Es war ein Hybridjacket, das keinen Inflatorschlauch hatte, sondern einen Hebel an der linken Seite, ungefähr auf Hüfthöhe. Das System war auch noch denkbar logisch: Hebel nach oben lässt Luft einströmen, man steigt auf; Hebel nach unten lässt Luft ab, man sinkt. Es hat ein integriertes Bleisystem, zudem Trimmblei-Taschen. Obwohl es genau das war, was ich suchte, informierte ich mich sicherheitshalber noch weiter. Ein ähnliches System sah ich aber nur bei einem weiteren Anbieter, und das gefiel mir nicht. Dieser hatte statt dem eleganten Hebel einen riesigen, groben Knopf mit zwei Schaltern. Der Hebel aber bietet noch den Vorteil, dass man das Ablassen stufenlos regulieren kann. Der Hebel steuert hier nämlich beide Auslassventile an. Je mehr man ihn nach unten drückt, desto weiter werden die Ventile geöffnet und desto mehr Luft entweicht auf einmal. Außerdem gibt es noch einen Notablass mit einem Seilzug über der rechten Schulter.

Letzten Endes wurde es dann das Jacket, das ich zuerst entdeckt hatte. Umgewöhnen von der Lage her musste ich mich nicht, da ich mir – wie auch Annette – nichts angewöhnt hatte. Aber meiner gewohnten Körperhaltung kommt das Jacket sehr entgegen. Man tariert wirklich “aus dem Handgelenk”, respektive mit zwei Fingern, mehr braucht es nicht. Ich hörte kritische Stimmen, dass man so einen Hebel abbrechen könnte, aber das kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen – es sein denn, man drückt wie ein Stier, und das ist wie gesagt nicht nötig.

Das einzige, womit ich bei diesem Jacket Probleme habe, ist die Oktopustasche. Bei mir hält der Oktopus da nicht, sondern nach einiger Zeit habe ich ihn rausgeschoben und er schwimmt in der Gegend rum. Aber gut, dafür hat die Weste genügend D-Ringe, an denen man einen Schlauchclip befestigen kann.

Und welches Jacket ist es nun? Wer sich auskennt, hat es schon erkannt, es ist das seaQuest Pro QD i3. Da hat mir sogar der Name gefallen, denn “seaQuest DSV” ist der Titel einer Fernsehserie, die einer meiner persönlichen Dauerbrenner ist. Sie hätte mehr verdient als nur drei Staffeln. Aber das gehört nicht hierher. Ein andermal vielleicht.

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Gedanken zur ersten eigenen Ausrüstung: Das Jacket

An dieser Stelle möchte ich meine persönliche Meinung zum Thema “Jacket” anbringen. Und wie ich letzten Endes die Entscheidung für “mein Jacket” getroffen habe.

Hat sich der Tauchanfänger entschieden, sich eine eigene Tauchausrüstung zuzulegen, wird er erst mal Informationen einholen wollen. Hat er nicht gerade einen erfahrenen Taucher an der Seite, sondern ist völlig auf sich gestellt, so wie Thorsten und ich, dann wird er versuchen, sich im Internet zu informieren. So jedenfalls haben wir es gemacht.

Doch da ging der Ärger erst los. Im Internet sieht man sich einer Masse von Angeboten gegenübergestellt, von namenhaften Herstellern, und jeder behauptet, seine Jackets wären die Besten. Liest man dann in Erfahrungsberichten, ist man hinterher genauso schlau wie vorher. Jedes Jacket, auch wenn es noch so gelobt wurde, hat doch irgendwo einen Besitzer, der nicht damit zufrieden ist. Zu deutsch: Liest man 100 Artikel, dann hat man 100 Meinungen. Und ist im Endeffekt keinen Schritt weiter.

Ich selber bin blutjunger Anfänger und möchte hier keine Empfehlungen abgeben, weder zu den einzelnen Jackets noch zu der Technik. Das kann ich nicht. Ich möchte nur berichten, was mich zu meiner Entscheidung bewogen hat.

Dazu in aller Kürze die Infos, mit denen ein frisch gebackener Taucher vielleicht etwas anfangen kann:

1. Das ADV Jacket

Das ADV Jacket wird von vielen alten Hasen als “ideales Anfängerjacket” beschrieben. Ein Allrounder sozusagen. Die Blase des Jackets umfasst fast den ganzen Oberkörper. An der Oberfläche soll das Jacket ohnmachtssicher sein. Die meisten Tauchschulen haben diese Form des Jackets in der Ausbildung.

2. Das Wing Jacket

Das Wing Jacket hat seine Blasen links und rechts neben der Flasche. Im Brustbereich gibt es keine Blasen. Daher wird das Wing Jacket von Tec-Tauchern bevorzugt, die genügend Platz für eine doppelte Ausrüstung haben müssen. Aber auch von Fotografen wird das Jacket genutzt, da es eine stabile Unterwasserlage garantiert und man durch die fehlenden Blasen im vorderen Bereich eine große Bewegungsfreiheit hat. Wenn man ein bisschen stöbert findet man Wing Jackets, die sicherlich für den Tec-Taucher hergestellt wurden, aber es gibt auch Wing Jackets im Sporttauchen. Kritikpunkt des Wingjackets ist die nicht sichere Ohnmachtslage. An der Oberfläche kann es dazu kommen, dass man durch die aufgeblasenen “Flügel” mit dem Gesicht ins Wasser gedrückt wird. Viele Taucher bezeichnen daher das Wing als ungeeignet für Anfänger und bemängeln die “Umgewöhnung” vom ADV auf ein Wing.

3. Das Hybrid Jacket

Das Hybrid Jacket ist eine “Mischung” aus einem ADV und einem Wing. Es ist also ein kleinvolumiges ADV Jacket mit aufgesetzter Wing Blase. Die Nachteile dieses Jackets ergeben sich aus den Nachteilen des ADV und des Wing Jacket. Wenn auch in abgschwächter Form. Insgesamt habe ich häufig darüber gelesen, dass es ein “Jacket für Ambitionierte und Fortgeschrittene” sei.

Und was nehmen wir jetzt?

Ich bin folgendermaßen vorgegangen:

Ich habe mich zuerst einmal gefragt, wozu ich das Jacket einsetzen möchte. Tauchen – klar. Aber ich war mir auch schon darüber im Klaren, dass ich gerne unter Wasser fotografieren möchte. Also würde ich eine stabile Wasserlage unter Wasser bevorzugen. Ich hätte auch gerne ein Jacket, dass mehr als nur einen Schnellablass hat. Und ich lege Wert darauf, dass an meinem Jacket auch noch ein Fangriemen installiert ist, der meine Flasche zusätzlich sichert, falls doch mal die Schnalle aufgehen sollte. Und es sollten genügend Taschen und D Ringe vorhanden sein.

Soweit war ich schon mal. Jetzt kam die Frage: Wing, ADV, Hybrid?

Was mich persönlich am ADV in der Ausbildung gestört hat, war die “Einengung”, die ich verspürt hatte. Als Anfänger neigt man dazu, das Jacket an der Oberfläche derart aufzublasen, dass die Überdruckventile aufgehen. Schließlich hat man Angst, mit dem Gesamtgewicht der Ausrüstung unterzugehen. So ist das aber nicht. Es reicht, wenn man nur ein wenig Luft ins Jacket läßt. Ich habe diesen Fehler natürlich bei meinem ersten Freiwassertauchgang auch gemacht, und von daher weiß ich, wie unangenehm das sein kann, wenn man von dem Jacket fast erdrückt wird.  Und wie eingeschränkt dann die Bewegung ist. Da ich persönlich viel Freiraum in jeder Beziehung brauche, auch unter Wasser, kam für mich das ADV nicht in Frage.

Hybrid. Hört sich doch gut an. Eine gute Zwischenlösung. Lange hab ich damit geliebäugelt. Ok, da wäre wieder das Problem der Blase, die sich auch vorneherum aufbläst, aber so gravierend wird das nicht sein. Ich konnte mich nicht entscheiden…denn eigentlich wollte ich das Wing. Das Wing hatte alles, was ich wollte, bis auf die ohnmachtssichere Lage. Ich hatte Bammel, dass ich an der Oberfläche ständig mit der Nase im Wasser hängen würde. Aber ich musste eine Entscheidung treffen. Bei näherem Hinsehen fiel mir dann auf, dass jedes Jacket irgendeinen Nachteil hat. Ein perfektes Jacket gibt es nicht. Man muss sich nur entscheiden, mit welchem Nachteil man leben kann.

Und wißt Ihr, für was ich mich letztendlich entschieden habe? Ich tauche mit einem Wing. Als Anfänger. Jawoll!

Und hier die Gründe:

1. Die Bewegungsfreiheit. Hatte ich ja schon erwähnt.

2. Die Umgewöhnung: Welche Umgewöhnung bitte schön? Ich bin Anfänger! Ich habe zwei Tauchgänge mit einem ADV gehabt. Da kann man nicht von “Gewöhnung” sprechen. Ich muss mich an nichts neu gewöhnen. Das Jacket, das ich kaufe, an das gewöhne ich mich. So einfach ist das.

3. Die Fotgrafiererei: Die Lage unter Wasser ist einfach spitze!

4. Ohnmachtssichere Lage: Hier sage ich nur eins: Wenn ich bewusstlos an der Oberfläche treibe…wo ist mein Buddy? Zudem kann ich nur sagen: Wenn man das Wing an der Oberfläche moderat aufbläst, also nicht derart, dass die Überdruckventile aufgehen, dann bin ich kerzengerade im Wasser. Ohne die Tendenz, mit der Nase im Wasser zu liegen. Ich merke von diesem “Druck” nichts! Wirklich nichts!

Das waren meine Überlegungen, die mich geleitet haben. Und wie ich feststellen durfte, war meine Entscheidung goldrichtig. Ich liebe mein Jacket! Damit Ihr das Gleiche sagen könnt, gebe ich Euch noch folgendes mit auf den Weg:

1. Geht erst mal unverbindlich in die Tauchgeschäfte und laßt Euch beraten. So haben wir das auch gemacht. Kauft Euer Jacket nicht einfach so im Internet. Man muss es probiert haben. Man muss wissen, ob es paßt. Ob es sitzt. Am Besten ist es, wenn der Tauchladen die Möglichkeit hat, das Jacket auszuprobieren, zB in einem Tauchturm. Oder Ähnlichem. Wir haben sicherlich fünf Tauchgeschäfte abgeklappert und uns alles von vorne bis hinten erklären lassen. Um überhaupt mal einen Eindruck zu kriegen. Die Verkäufer in den Läden sind wirklich nett und hilfsbereit, wir hatten nie den Eindruck, dass uns etwas “aufgeschwatzt” werden sollte.

2. Fragt Euch, was ihr später mal machen wollt. Fotografieren? Tieftauchen? Nicht jeder hat das Geld, sich jedes Jahr ein neues Jacket zu kaufen, weil man seine Ansprüche geändert hat. Wenn es ein Wing wird, bitte auch nicht übertreiben. Es gibt Wings für Sporttaucher. Wenn man die Tec-Wings anguckt, dann werdet ihr schnell merken, dass DAS sicher kein Jacket für einen Anfänger ist. Zudem macht man sich lächerlich, wenn man mit so einem Wing zu seinem 3. Tauchgang erscheint. Achtet auf Taschen, Schnellablässe, D-Ringe und Fangriemen.

Zum Schluß möchte ich noch bemerken: Kein Jacket ist “wirklich schlecht”. Das Jacket ist nur so schlecht wie derjenige, der damit taucht. Das gilt auch für mich.

Ihr wollt wissen, womit ich tauche? :-D Ich mache keine Schleichwerbung, aber es ist das “Cressi Back Jac…”

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Die Zeit von Dezember 08 bis April 09

Anfang Dezember waren wir wieder in Deutschland. Aber das Erlebte in Ägypten hatte uns nachhaltig geprägt. Schon auf dem Heimflug sprachen wir über nichts anderes mehr als über das Tauchen. Und wie sehr uns das gefallen hatte. So beschlossen wir, uns einmal umzuhören und Kontakte zu knüpfen, damit man wenigstens einmal im Monat einen Schwimmbadtauchgang machen könnte.

Zu Hause angekommen berichtete ich jedem, der es hören wollte oder auch nicht, dass ich jetzt unter die Taucher gegangen war. Das wurde von meinen Freunden mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Tatsächlich, der Mann einer Freundin von mir besaß auch den Tauchschein – das wußte ich nicht – aber er hatte das Tauchen nicht weiter verfolgt. Andere wiederum waren gar nicht begeistert von meinem Plan. Da würde doch so viel passieren…

Dem Faß den Boden schlug es aus, als ich erfuhr, dass der Vater des Freundes meiner besten Freundin Tauchlehrer mit eigener Tauchschule war. Dummerweise war der aber schon in Rente. Also hieß es für mich… abwarten. Und hoffen, dass Thorsten etwas finden würde. Den traf ich kurze Zeit später, um Fotos zu tauschen. Und er berichtete mir, dass er tatsächlich jemanden gefunden hatte. Ein Kollege von ihm war Instructor. Und Rettungstaucher. Er versprach uns, uns mit ins Schwimmbad zu nehmen, da dort die Rettungstaucher über Winter trainierten. Das war ja perfekt. Für die Ausrüstung würde auch gesorgt werden. Besser konnte es nicht laufen.

Thorsten und ich sprachen an diesem Nachmittag nochmals über viele Dinge. Wie es der Zufall so wollte, war ich gerade aus dem Urlaub wieder da, da musste ich schon meinen Jahresurlaub für das folgende Jahr eintragen. Ich trug mich wieder im November für zwei Wochen ein. Warum? Weiß ich nicht. Ich machte es einfach. Irgendjemanden würde ich schon finden, der mit mir nach Ägypten gehen würde. Da war es so toll. Da erzählte mir Thorsten, dass er genau die gleichen Wochen angegeben hatte. Auch eigentlich ohne feste Absichten. Wir sahen das als Zeichen. Obwohl wir so gesehen nicht geplant hatten, nochmals zusammen zu verreisen, stand die Entscheidung innerhalb von Sekunden: Wir würden nochmals nach Ägypten fliegen und dort unseren OWD fertig machen. Wir waren Feuer und Flamme.

Soweit stand der Plan. Ägypten November 2009. Bis dahin wollten wir das Gelernte immer und immer wieder üben, damit das richtig saß. Darin waren wir uns einig. Dann überlegten wir… wie war das noch gleich mit der eigenen Ausrüstung? Ich sagte zu Thorsten, dass ich mir einen Tauchcomputer zulegen würde. Das ist ein persönlicher Gegenstand und eine gute Anlage. Irgendwann dann würde ich mir noch einen Lungenautomaten besorgen, denn ständig auf Mundstücken herumzukauen, die schon Hunderte vor mir im Mund hatten, fand ich ekelig. Aber das hatte ja Zeit.

So viel Zeit nun auch wieder nicht. Weihnachten stand vor der Tür. Mein Vater schenkte mir Geld, und noch während ich mir überlegte, wie ich meinen neu erworbenen Reichtum verwalten könnte, fiel mir sofort der Tauchcomputer ein. Schließlich entschied mich mich für den Viper 2 von Suunto. Doch damit war es nicht getan. Eine Freundin schenkte mir ein wunderschönes Logbuch, eine andere ein sehr interessantes Buch über das Tauchen. Ich fing an zu lesen. Und kam immer tiefer in die Materie hinein. Ich las, was das Zeug hielt. Im Internet. Bücher. Und konnte es kaum erwarten, dass endlich Januar war. Denn da sollten wir uns das erste Mal mit den Rettungstauchern treffen. Doch im Leben kommt immer alles anders, als man es erwartet. Und so auch hier. Denn drei Tage bevor wir uns mit den Rettungstauchern hätten treffen sollen brannte das Schwimmbad bis auf die Grundmauern ab. Kein Witz. Ein technischer Defekt. Und so zerplatze der Traum.

Wir waren frustiert. Der Sommer lag noch in weiter Ferne, denn sonst hätte man ja in ein Freibad gehen können, aber dazu war es noch zu kalt. Auch die Rettungstaucher mussten erst nach einer Ausweichmöglichkeit suchen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns weiter mit der Theorie zu beschäftigen. Nicht nur mit der Tauchtheorie. Auch mit der Ausrüstungstheorie. Zwischen Thorsten und mir entbrannte fast eine Art Wettstreit, wer mehr zu einem Thema wußte. Ohne dass es uns selbst so bewusst geworden wäre, hatten wir längst die Enscheidung getroffen, uns doch die komplette Ausrüstung anzuschaffen. Das war aber gar nicht so einfach. Wir hatten nur bedingt Hilfe. Und so entschlossen wir uns, die Zeit bis zum endgültigen Tauchtermin zu verkürzen, indem wir das “Tauchshop-Hopping” begannen. Wir besuchten so ziemlich alle Läden in unserer Umgebung, um uns erst mal kundig zu machen, was es denn alles gab. Die Besitzer der Läden waren alle sehr zuvorkommend und erklärten uns Anfängern von A bis Z alles, worauf man achten muss, worin die Unterschiede lagen. Das war sehr angenehm. Stück für Stück wuchs die Ausrüstung, erst gedanklich, schließlich auch materiell. So einfach war das freilich nicht. Besonders ich hatte aufgrund meiner Körperlänge mehr als einmal Probleme, etwas Passendes zu finden. So albern es auch klingt, ich hatte die reinste Odyssee vor mir, was den Neoprenanzug anbelangt. Ich wollte einfach nicht in so einen Anzug passen, und dabei ließ ich keine Peinlichkeit aus. Man zog mich mit Druckluft an, rupfte und rüttelte an mir herum, es ging nicht. Die Anzüge waren zu klein. Im Internet machte ich mich kundig und erfuhr, dass die durchschnittliche europäische Taucherin gefälligst nicht größer als 172 cm zu sein hat. Leider bin ich fast 180 cm, und was ich am Anzug in die Länge zog, fehlte mir nachher entweder in der Breite oder ich bekam die Arme nicht mehr hoch. Nach langem Suchen jedoch wurde auch ich fündig, die Italiener (Cressi)  hatten ein Herz für mich, und zu meinem Erstaunen und Unglauben durfte ich einen Anzug wählen, der noch nicht einmal die größte Größe hatte. Vor lauter Glück und Dankbarkeit kleidete ich mich dort komplett ein. Gut, das ist jetzt geschwindelt… ich hatte sowieso vor, mir von Cressi das Jacket zu kaufen. Das tat ich auch. Und lag damit goldrichtig wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Nur… lächerlicherweise hatten Thorsten und ich die komplette Ausrüstung bereits zusammen bevor wir überhaupt wenigstens einmal tauchen waren! Was hatte unser TL gesagt? Es dauert nicht lange, dann würden wir anfangen, unsere eigene Ausrüstung zu kaufen? Da hatte er wohl die Rechnung ohne uns übereifrige Menschen gemacht. Die zwei Tauchnieten, von denen er sicher am wenigsten gedacht hatte, sie überzeugt zu haben, waren mehr als nur einfach infiziert. Wir sprachen fast über nichts anderes mehr. Da wir uns nur selten sehen, hatten wir doch plötzlich einen intensiven email Kontakt aufgebaut, und es gab sicher keine einzige email, in der wir nicht über das Tauchen sprachen. Ich träumte stellenweise sogar davon. Ich, die Angst vor Wracks hat, träumte davon, dass ich zur Thistlegorm tauchen würde! Ich träumte von der Salem Express! Es verging kein Tag, an dem ich nicht intensiv an’s Tauchen dachte. Ich wurde immer unruhiger. Und hoffte darauf, dass es bald soweit sein würde.

Doch es sollte noch dauern, genau genommen bis April. Durch Zufall entdeckte eine Bekannte von Thorsten eine Internetadresse mit einem Indoortauchzentrum bei München. DAS war genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Und natürlich buchten wir uns da ein. Endlich war der Tag gekommen, an dem wir tauchen – und auch unsere eigene Ausrüstung testen konnten! Wir waren gespannt,  was uns in München erwarten würde. Aber davon erzähle ich dann das nächste Mal!

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Scuba Diver: Was danach kam

Irgendwie könnte die Geschichte damit zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Zu Ende war lediglich unser Urlaub in Ägypten. Oder sie könnte langweilig werden. Tut sie aber nicht. Auf dem Rückflug von Hurghada gab es für uns hauptsächlich ein Gesprächsthema: Tauchen. Wir wollten uns um Trainingstauchgänge im Schwimmbad bemühen, um wenigstens “drin” zu bleiben.

Zurück in Deutschland geschahen zwei Dinge: Zum einen stand bei mir sofort die Urlaubsplanung für das kommende Jahr an, zum anderen bekam ich einen Hinweis auf einen Kollegen, der selber Taucher war und uns möglicherweise bei unseren Schwimmbadtauchgängen würde helfen können.

Dann geschahen nochmal zwei Dinge: Ich konnte mich bei der Urlaubsplanung nicht mit Annette absprechen und nahm auf gut Glück den gleichen Zeitraum wie im Vorjahr für einen Urlaub. Bei einem Treffen stellte sich heraus, dass sie das gleiche gemacht hatte – für den gleichen Zeitraum. Hier entstand eine neue Idee: Wir würden weitermachen – die nächste Stufe auf der Leiter, den “Open Water Diver” (OWD). In Ägypten, im November. Wieder waren wir elektrisiert, so wie an dem Tag, als wir die Entscheidung fällten, den Tauchkurs zu machen. Allerdings wussten wir diesmal, dass wir nicht ganz so nervös werden würden. Hoffentlich!

Mein Kollege entpuppte sich als Instructor, genau das, was wir brauchten, um uns auf den “Open Water Diver” vorzubereiten. Er hatte sogar die Möglichkeit, uns Leihausrüstungen zu besorgen, da er bei einem Rettungstaucherzug war. Und er würde es organisieren, dass wir mit ihm zum Training in ein Hallenbad kommen könnten.

Gleichzeitig überlegten Annette und ich, ob es nicht gut wäre, den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand doch anzuschaffen. Also begannen wir, verschiedene Tauchshops aufzusuchen und ließen uns beraten. Umfassend. Obwohl es eigentlich nicht nötig war. Schließlich wollten wir nur das eine oder andere. Oder? Also zum Beispiel einen eigenen Tauchcomputer… vielleicht Regulatoren…

In der Folgezeit ging ich meinem Umfeld auf die Nerven mit meiner doch sehr stark vorhandenen Begeisterung für das im Urlaub begonnene Tauchabenteuer. Ich begann, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten, bestellte Kataloge und suchte mein Arbeitsmaterial von der Rettungsdienstschule wieder zusammen. Das war allerdings nicht hilfreich, da es mittlerweile hoffnungslos veraltet war. Und dann war da Weihnachten. Von meiner Familie bekam ich ein Tauch-Diorama geschenkt, das als Dekoration für ein Geldgeschenk diente (das in einen Ausrüstungsgegenstand investiert werden sollte). Und von Annette ein Buch über die Fische des Roten Meeres. Das hat mich sehr überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut.

Tauch-Diorama

Und dann passierte eine von den Merkwürdigkeiten, die das Leben manchmal bereithält: das Hallenbad, in dem wir unser “Training” abhalten sollten, brannte im Januar ab, nur Tage bevor wir dort sein wollten. Damit fiel das Training erstmal flach, eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Ab Mai würde das Freibad öffnen und es sah so aus, als würden wir uns bis dahin vertrösten müssen. Mittlerweile waren unsere Gedanken über die eigene Ausrüstung weiter gediehen. Weiter als gedacht. Ein Neoprenanzug war mit “auf die Liste” gekommen, außerdem war ich entfacht für eine spezielle Tarierweste, die ich in einem Tauchladen gesehen hatte. Unser Plan war nun, bis November Stück für Stück anzuschaffen, damit wir für den Ägypten-Urlaub die Sachen beisammen haben würden.

Doch wieder wurde alles über den Haufen geworfen, respektive, ich warf meine Ideen über den Haufen. Unablässig sagte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf: “Wenn Du es willst, dann tu es doch!” Warum auch nicht? Ich informierte mich weiter, besonders über die Tarierweste, die ich ins Auge gefasst hatte. Die war teuer, aber andererseits genau das, was einer ganz speziellen Eigenart von mir entgegen kam. Der erste wirkliche “Ausrüstungsgegenstand”, den ich mir dann anschaffte, war jedoch ein Neoprenanzug. Das hatte recht pragmatische Gründe, er gefiel mir, er passte und ich sah gut drin aus. ;-) Aber damit fing es an. Einen Monat später hatte ich den Großteil meiner Ausrüstung zusammen, einschließlich der Tarierweste, die mir ins Auge gefallen war. So viel zum Thema “bis zum November”.

Ein Problem bestand aber weiter: Was würde aus unseren Trainingstauchgängen werden? Ich hatte mich mittlerweile weiter erkundigt nach Tauchschulen und lernte etwas kennen, das ich die “Drei-Minuten-Regel” nannte – wann immer ich unsere Situation erklärte und nach Schwimmbadtauchgängen fragte, wurde ich nach spätestens drei Minuten gefragt, ob wir nicht gleich hier in Deutschland den OWD fertig machen wollen. Zu dem gewünschten Training kamen wir nicht. Dann kam mir eine Kollegin und gute Freundin zu Hilfe, aber eigentlich unfreiwillig – was wieder eine jener Geschichten war, die von Zeit zu Zeit passieren. Besagte Freundin war eigentlich auf der Suche nach Hotels in und um München. Dabei war sie auf ein Hotel gestoßen, an dem ein so genanntes Indoor-Tauchcenter angeschlossen war. Ich hatte einige Dinge zu klären, denn immerhin brauchten wir immer noch einen Instructor als Begleitung, aber schließlich war es so weit – wir sollten endlich zu unserem ersten Tauchgang machen nach unserem Kurs. Mittlerweile war es April. Annette hatte leider nicht ganz so viel Glück gehabt wie ich, denn zum Teil scheiterte der Erwerb ihrer Ausrüstung daran, dass sie einfach nichts passendes fand. Aber sie machte einen Laden in der Nähe von München ausfindig und wir sollten unseren Tauchausflug gleich mit einem “Kaufausflug” verbinden. Aber das soll sie selbst berichten.

Die Situation hatte sich nun völlig verändert – mal wieder. Bevor wir überhaupt einen einzigen Tauchgang in Deutschland hinter uns hatten, hatten wir tatsächlich unsere Ausrüstung soweit zusammen. Kleinigkeiten fehlten nur noch, aber dem Tauchen stand nichts mehr im Weg. Unsere Überlegung war nun, falls uns das Indoor-Tauchcenter zusagen sollte und das mit den Tauchlehrern dort reibungslos funktionieren, dass wir bis November ein paar Mal dort hinfahren und unser geplantes Training doch noch durchziehen. Ja. Gute Idee. Aber vielleicht kennt jemand noch dieses Sprichwort:

“Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…”

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Scuba Diver: Zwischen Pool und Meer – Thorstens Version

Nun hatten die Poollektionen also gar nicht so schlecht geklappt, obwohl ich bei jeder neuen Übung wieder nervös war. An diesem Abend galt es, unser Wissen zusammen zu bringen, also das, was wir aus den Filmen und von unserem Tauchlehrer gelernt hatten, mit Hilfe des Lehrbuchs zu etwas vernünftigen zu vereinen. Erstmal jedoch gab es Abendessen, und ich hatte auch Hunger. Man merkte es zwar nicht so direkt, aber es heißt nicht umsonst “Tauchsport” – es kostet Kraft, auch wenn wir nur im Pool herumgepaddelt waren. Während des Essens sprachen Annette und ich über unsere Erlebnisse und Erfahrungen und dass die Übungen so gut geklappt hatten. Und am nächsten Tag würde es wirklich ins Meer gehen. Auf mindestens zehn Meter Tiefe… Da wurden wir dann ruhiger. Nachdenklicher.

So langsam fingen meine Zweifel an zu wachsen. Das war doch alles viel zu glatt gegangen. Als wir dann auf unserem Zimmer waren und das Buch durchackerten, wurde es noch schlimmer. Und so langsam kamen mir wieder die Dinge hoch, die mich bisher eigentlich davon abgehalten hatten, das Tauchen ernsthaft anzugehen. Worauf hatte ich mich da eingelassen? Nicht nur, dass ich in aller Ausführlichkeit an die möglichen Gefahren erinnert wurde, es kam noch mehr dazu. Der Druck nahm zu, je tiefer man ging, das wusste ich schon. Aber das Lehrbuch machte einen darauf aufmerksam, dass das Atmen schwerer wurde, je tiefer man kam. Und was die Übungen für den nächsten Tag betraf, da gab es keine Ausreden mehr. Um für den Tauchschein gültig zu sein, mussten diese in mindestens zehn Metern Tiefe gemacht werden.

Als wir am Abend zuvor den Entschluss gefasst hatten, den Kurs zu machen, war natürlich auch die Überlegung, wofür man so einen Schein brauchen könnte. “Schön-Wetter-Taucher”, das war der Begriff, den Annette ins Spiel brachte. Das war letztlich auch das, was mir sympathisch schien. Wenn man im Urlaub ist, an einem netten, warmen Gewässer mit guter Sicht (wie dem Roten Meer), einfach eine Ausrüstung leihen und auf eine Exkursion gehen. Und da beim Scuba Diver der “Instructor” immer noch mit dabei sein musste, wäre das ja alles kein Problem.

Doch je mehr ich mich in die Materie vertiefte, desto mehr beschlichen mich Zweifel, ob ich nach dem nächsten Tag überhaupt weitermachen würde. Immerhin würde ich dann wissen, ob es nichts für mich ist und ich könnte mich in Zukunft wieder auf meine bequeme Position zurückziehen, wenn das Gespräch darauf kommen sollte. Aber den nächsten Tag würde ich noch durchziehen. Krieg ihn einfach rum! Das sagte ich immer wieder zu mir selbst. Doch das wurde zunehmend schwieriger. Schließlich las ich, dass es Menschen gab, denen unter Wasser schwindlig wurde, wenn sie “schwebend” in einigen Metern Höhe über dem Grund hingen. Vor allem, wenn die Sicht gut war. Wie zum Beispiel im Roten Meer. Na großartig. Ich bin bestimmt einer der Kandidaten, denen schwindlig wird, dachte ich mir. Immerhin hatte mein Gleichgewichtssinn mir früher dahingehend Probleme bereitet, dass ich beim Autofahren reisekrank wurde. Das verschwand zwar grundlos, als ich ein Teenager war, aber wenn ich von großen Höhen herunterblicke, kann es sein, dass mir immer noch schwindlig wird. Das hatte mit meiner Höhenangst zu tun.

Ich muss hier grundsätzlich mal etwas ausführen. Falls es Sie nicht interessiert, dann überspringen Sie diesen Absatz einfach. Aber ich möchte natürlich, dass Sie nach der Lektüre dieses Artikels zu sich sagen können: “Mensch, bei den FlutFluteDivers, da hab ich was gelernt!” Es ist nämlich so, dass die Umgangssprache mit bestimmten Begrifflichkeiten der Psychologie sehr schludrig umgeht. Banal gesagt sind einige Dinge, die man so umgangssprachlich sagt, falsch. Zum Beispiel wenn man sagt, jemand wäre “manisch depressiv”. Die meisten Menschen denken, so jemand wäre “besessen”, also extrem depressiv (eben manisch). In Wirklichkeit bedeutet es aber, dass sich Phasen der Hochstimmung (Manie) mit Phasen der Niedergeschlagenheit (Depression) abwechseln. Ähnliches gilt, wenn jemand von “Platzangst” spricht, und dabei die “Klaustrophobie” meint, also die Angst in geschlossenen Räumen. Der Begriff “Platzangst” ist ungenau und kann mit der Agoraphobie, der Angst vor großen, leeren Plätzen verwechselt werden.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Nun, mit der “Höhenangst” verhält es sich ganz ähnlich. Bei der Akrophobie ist es nicht die Höhe an sich, sondern das Gefühl, abstürzen zu können, das die Angst auslöst. Wenn ich am Rand eines Abgrunds stehe und nach unten schaue, habe ich das Gefühl, die Schwerkraft sei hier stärker, als wenn ich einen Schritt zurück mache. Ich habe das Gefühl, die Schwerkraft hat mich am Kragen gepackt und versucht, mich herunter zu ziehen. Dabei ist es unerheblich, ob ich auf einer gerade mal zwei Meter hohen Mauer stehe oder auf einem vierzig Meter hohen Turm. Die “Höhenangst” sollte daher vielleicht eher “Fallangst” oder “Sturzangst” heißen.

Und wenn ich versuche, trotzdem nach unten zu sehen, kann es passieren, dass mir schwindlig wird. Ich konnte mir daher sehr gut vorstellen, dass das gleiche auch passiert, wenn ich schwebend über dem Meeresboden hänge. Immerhin macht es ja nicht “plumps!” und man ist auf zehn Metern Tiefe. Man muss ja irgendwie dahin kommen. Na, das konnte ja heiter werden.

Was Annette betraf, so merkte ich eine gewisse Aufgeregtheit, aber wenn wir uns unterhielten, hatte ich den Eindruck, es war nicht mehr als eine Aufgeregtheit, wie sie ein Schüler vor einer wichtigen Klassenarbeit hatte. Sie sprach zwar von den Booten und den Wracks, wegen derer sie Bedenken hatte, aber das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir waren Anfänger! Man würde uns doch nicht sofort auf ein Wrack loslassen! Und vom Boot aus lostauchen – wir fuhren doch zu einem Riff und würden dort irgendwo festmachen und dann von Land aus ins Wasser. Tauchboote landen doch an, oder? Bei irgendeiner Insel. Es gab doch Inseln im Roten Meer? Natürlich gab es die, aber wurden die auch angefahren?

Ich hatte keine Ahnung.

Irgendwann half alles nichts mehr. Es war zu spät und wir sollten schlafen. Immerhin würde es am nächsten Morgen beizeiten losgehen. Die Nacht war unruhig, aber ich wollte mir nichts anmerken lassen. Wir gingen zum Frühstück, allerdings nicht ohne uns gegenseitig noch nervöser zu machen, als wir schon waren. Die magische Zahl des Morgens war die “10″. So tief würde es heute runtergehen. War die Decke des Speisesaals wohl zehn Meter hoch? Schon ganz schön viel… Schließlich kam der Schweizer noch an unserem Tisch vorbei und fragte, ob wir auch so unruhig geschlafen hätten und aufgeregt wären. Und das fragte er, der nur auf fünf Meter gehen würde? Schön, dass andere Menschen auch Bedenken hatten, aber es beruhigte mich nicht wesentlich. Dann fiel mir der Tipp ein, den unser Tauchlehrer noch gegeben hatte – da wir einige Zeit mit dem Boot fahren würden, wäre es schlauer, nicht so schwer und viel zu essen, das fördert nur die Seekrankheit. Aber es war egal – ich konnte sowieso kaum was essen.

Mein Kreislauf lief entgegen seiner sonstigen Gewohnheit (ich bin Hypotoniker) schon den ganzen Morgen auf Hochtouren. Und so kamen wir bei der Tauchbasis an. “Jetzt geht es loo-os!”, grinste unser Tauchlehrer breit. Der hatte gut lachen. Unsere Ausrüstung war mittlerweile in Plastikkisten verstaut und wurde von uns an Bord unseres Bootes gebracht. Dann ging es tatsächlich los. Schnell ließen wir das Ufer von El Gouna hinter uns. Wir fuhren irgendwo aufs Rote Meer hinaus. Gleich zu Beginn der Fahrt gab uns unser Tauchlehrer jeder einen Tauchcomputer. Ich war froh, dass ich etwas hatte, an dem ich mich festhalten konnte. Wäre der Tauchcomputer ein Tier gewesen, ich hätte es wahrscheinlich aus Versehen mit meinem Griff erwürgt.

Nach einiger Zeit setzten wir uns in der großen Kabine des Bootes an einen Tisch. Theorie wurde wiederholt. Dann wurde das “Briefing” gemacht. Nachdem die erfahrenen Taucher, die auch mit auf der Tour waren, ihre Einführung über den Tauchplatz schon erhalten hatten, kam unser Tauchlehrer zu uns. Er klappte eine in Plastik laminierte Karte auf, die…

…ein Schiffswrack zeigte.

Wenn mich in dem Moment jemand gefragt hätte, ob ich aus der Kirche austreten wollte – ich hätt’s gemacht. Das war ja mal wieder toll. Typisch für die Ironie des Lebens. Und dafür zahl ich auch noch Kirchensteuern? Das Schiff hieß, als es die Meere noch befahren hatte, Ghiannis D. Dann war es auf die Nordseite eines Riffs mit Namen Shab Abu Nuhas geprallt und gesunken. Ich äugte vorsichtig rüber zu Annette. Sie hatte mir von ihren Problemen mit Wracks erzählt, ließ sich aber irgendwie nichts anmerken. Oder war sie schon erstarrt? Doch es kam noch schlimmer. Unser Tauchlehrer deutete auf einen Aufbau mit Querträger, der von den Aufbauten hochstand und meinte, genau dort würde unser Boot festmachen. Es würde also genau über dem Wrack lagern. Wir würden vom Boot springen und an einem Seil, das unter dem Boot hing, senkrecht fünf Meter in die Tiefe in die Tiefe tauchen. Na klasse! Annette hatte Probleme mit Wracks und mit der Tatsache, unter einem Boot zu tauchen – und jetzt würden wir bei unserem ersten Freiwassertauchgang auch noch alles beides haben? Ich war bereits so in der Rolle des “Buddys”, dass ich nicht bedachte, dass auf mich eventuell auch die eine oder andere Herausforderung zukommen könnte.

Unser Tauchlehrer erklärte unsere Route, vom Startpunkt aus in Richtung Bug des Schiffes, der in zehn Metern Tiefe liegt. Von da wieder zurück Richtung Heck, einmal um die Brückenaufbauten herum. Das müssten dann so ungefähr 45 Minuten sein (mir schoss durch den Kopf: “Oh Gott, die längsten 45 Minuten meines Lebens!”). Anschließend auftauchen und Fahrt zum nächsten Tauchplatz für den zweiten Tauchgang, doch zwischen den beiden Tauchgängen würde es Essen geben. Essen? Ach, werft meine Portion doch gleich ins Meer. Ich würde sowieso nichts essen können. Und die Fische freuen sich bestimmt.

Der Kampf mit dem OktopusShab Abu Nuhas kam näher. Irgendwann mussten wir unsere Ausrüstung fertig machen. Und zwar möglichst bevor die Situation eintritt, dass alle anderen schon im Wasser sind und wir noch beim Aufbauen. Also machten wir uns irgendwann dran. Bei den erfahrenen Tauchern sah das irgendwie professionell aus. Doch das, was ich tat, ließ sich mehr mit “der Kampf mit dem Oktopus*” umschreiben. Endlich saß die Tarierweste auf der Flasche und schließlich auch die Erste Stufe auf dem Ventil. Alle Schläuche waren dort, wo sie sein sollten. Schließlich sahen wir es. Genau genommen ist Shab Abu Nuhas nicht wirklich zu “sehen”, da sich das ganze Gebilde unter Wasser befindet, aber man konnte es trotzdem gut erkennen. In einiger Entfernung von uns lagen sogar Metalltrümmer auf dem Dach des Riffs und ragten in die Höhe.

Einer der Männer von der Tauchbasis sprang ins Wasser, um unser Boot mit den Aufbauten der Ghiannis D. zu vertäuen. Unser Tauchlehrer machte uns aufmerksam, dass man das Schiff schon sehen könnte – und tatsächlich! Obwohl das Wrack mindestens fünf bis zehn Meter unter uns lag, war es zu sehen. Ich hatte zwar von der guten Sicht im Roten Meer gehört, aber das übertraf doch alles. Nun mussten wir uns endgültig fertigmachen. Also zuallererst wieder den Neoprenanzug an. Das ging nicht wirklich besser als am Tag zuvor. Die Tarierweste nebst Flasche auf. Und so schwer bepackt gingen wir zum Heck des Tauchbootes, wo sich eine Plattform befand. Von hier aus sollte es losgehen. Der Tauchlehrer und Annette waren auch schnell im Wasser. Ich nicht.

Erinnern Sie sich, was ich oben über die Schwerkraft und Höhenangst sagte? Man hat das Gefühl, als sei die Schwerkraft aus irgendeinem Grund stärker, wenn man am Rand steht. Nun stand ich am Rand der Plattform und hatte eine exzellente Sicht nach unten. Zwanzig Meter in die Tiefe. Und womit ich nicht gerechnet hatte, trat ein: Noch bevor wir im Wasser waren, meldete sich meine Höhenangst lautstark zu Wort und pöbelte rum. Das Gefühl, nach unten gezogen zu werden, wurde durch die schwere Ausrüstung noch verstärkt. Und dann sollte ich tatsächlich mit einem großen Schritt reinspringen. Das ließ mich endgültig verkrampfen, denn das letzte, was jemand, der einen akuten Höhenangst-Anfall hat, möchte, ist springen! Genau davor hat man ja Angst.

Wenn ich jetzt versuche, mir ins Gedächtnis zu rufen, was genau der Tauchlehrer und / oder Annette mir in der Situation zuriefen – das gelingt mir nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass irgendwann der Gedanke die Oberhand gewann, dass es jetzt weitergehen musste. Außerdem würde die mich von hinten bestimmt schubsen, wenn ich nicht bald freiwillig reingehe. Und das wollte ich auf keinen Fall. Wenn schon, dann von selbst!

Also dann! Tarierweste aufgepumpt, Regulator in den Mund, Regulator und Maske festhalten, uuuuund…

…ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich.

Meine Befürchtungen, wie ein Meteorit auf dem Deck der Ghiannis D. aufzuschlagen, bewahrheiteten sich nicht. Meine Tarierweste trug mich. Endlich war ich drin. Mir war auch schon warm geworden, so im Neopren in der prallen Sonne. Nun, unserem eigentlichen Tauchgang stand nichts mehr im Weg.

* Für die Nichtkenner: Als “Oktopus” wird der Ersatzregulator bezeichnet, der im Notfall für den Partner gedacht ist, wenn diesem die Luft ausgeht. Auf dem Bild oben ist der Oktopus der Regulator mit dem gelben Schlauch, der ganz nach unten hängt.

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