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Willkommen bei den Flat Flute Divers, dem etwas anderen Blog über das Tauchen. Wenn Sie den ganzen Hintergrund verstehen wollen, empfehlen wir Ihnen, die ersten Beiträge zu lesen, die den Blick auf den Anfang einer etwas ungewöhnlichen Taucherkarriere bieten. Den Einstieg finden Sie hier, in der Einleitung, eine Übersicht finden Sie im Inhaltsverzeichnis.

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Archiv für die Kategorie „Rescue Diver“

Der erste Tauchgang im Trocki

Wir hatten uns also entschieden und der Trilaminat-Trocki war gekauft. Gott sei Dank rechtzeitig vor dem Horkaaufenthalt, denn wir hatten im Rahmen des Resue Divers noch einige Tauchgänge vor uns.

Für unter den Trocki hatte man uns einen mittleren Unterzieher sowie Skiunterwäsche empfohlen. Die Wassertemperatur war noch ziemlich kühl, denn erst drei Wochen zuvor war das Eis vom See weggetaut.

Wie schon das letzte Mal beluden wir unser Auto und machten uns auf den Weg nach Ostdeutschland. Kaum hatten wir Überlingen hinter uns gelassen, fing es an zu regnen. Was sage ich? Es regnete nicht, es schüttete. Na klasse. Und kalt war es auch.

Hinter Ulm hörte es wieder auf und etwas Hoffnung keimte in uns, dass es in Ostdeutschland vielleicht ein bisschen wärmer war als bei uns, aber leider fing es wieder an zu schütten, nachdem wir Dresden erreicht hatten.

Wir erreichten als erste die Basis in Horka. Man ließ uns schon mal hinein, doch da wir die ersten Basisbewohner in dem Jahr waren, war sie noch nicht richtig beheizt. Wir froren ziemlich, trauten uns nicht, die Jacken auszuziehen, und warteten auf Majki. Knapp eine Stunde später kam er, mit Babsi nebst Hunden. Wir liefen zum See, aber so richtig einladend war es ehrlich gesagt nicht. Wir dachten mit Grauen daran, in das kalte Wasser zu steigen und waren doppelt froh, dass es dieses Mal trocken sein sollte.

Thorsten: Ja, da war uns das Glück wirklich hold. Im Nass-Tauchanzug wäre das eine verdammt ungemütliche Angelegenheit geworden.

An dem Abend machten wir nicht mehr viel. Wir gingen essen, dann schlafen. Die Zimmer waren immerhin schön warm und es gab keine Mücken. :-)

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Nach einer Einweisung in die Anzüge zogen wir uns das erste Mal komplett trocken an. Bis dahin ging soweit erst mal alles problemlos. Sich ins Jacket zu zwingen erforderte bei mir zumindest etwas Geschick, dann ging es los.

Ich werde nie dieses komische Gefühl vergessen, wenn man den Anzug angelegt hat und in die Knie geht, um sämtliche Luft herauszupressen. Der Trocki saugt sich dann quasi an einem fest. Das fühlt sich an wie… äh… ja, mir fällt gerade kein Vergleich ein. Ich sag Bescheid, falls sich das ändert.

Eitler Fatzke! Du bist auch mit nix zufrieden. Mal saugt sich der Trocki an, dann ist man wieder nicht fotogen weil der Reißverschluss am Rücken einen Buckel vortäuscht… und da heißt es immer Frauen seien so eitel…

Hallo?? Ich werde dieses Jahr 40. Ich kriege Falten und verliere meine Haare. Da muss ich doch schauen, dass ich anderweitig gut aussehe.

Wir liefen in Richtung Seeeinstieg. Auf dem Weg fiel mir auf, dass ich irgendwie seltsam lief. Man hatte einem zwar beigebracht, aufrecht zu laufen, Schultern zurück, Brust raus, Bauch rein, aber für meinen Geschmack hatte ich die Schultern zu weit hinten. Dieser Verdacht bestätigte sich, als ich versuchte, meine Flossen anzuziehen. Hier machte sich der erste Haken des Trilaminat Trockis bemerkbar. Er ist nicht elastisch! Und da die Stiefel direkt an den Hosenbeinen angebracht sind, gestaltete es sich etwas schwierig, im Stehen an die Flossen zu kommen. Knie anziehen ging nur bis zu einem gewissen Grad. Erschwerend kam bei mir die ungewöhnliche “Schulterzurückposition”, die es mir gar nicht ermöglichte, an die Clipverschlüsse der Flossen zu kommen. Nerv! Schließlich gab ich auf und ließ mir helfen.

Dann: Blei in die Taschen. Bei dem Gedanken an die Bleimenge wurde ich schon kurzluftig. Im Naßtauchanzug brauche ich mit meiner 12 l Flasche maximal 2 kg, hier packte ich schon 8 Kilo ein. Inclusive Fußblei, denn die Füße sollen im Trocki unten bleiben. Völlig geschafft vom Anziehen begab ich mich auf die letzte Stufe.

Neben dem Fußblei hatten wir kurz vor der Fahrt nach Horka noch den Tipp bekommen, uns Flossen mit weniger Auftrieb zu besorgen, was wir brav getan hatten.

(Korrektur: DEINE Flossen hatten zu viel Auftrieb, meine nicht! Ich hab mir dekanterweise Splitfins geleistet, die weniger Wasserwiderstand haben. Haben sie auch. Wenn man flosselt spürt man sie fast nicht. Hach, das geht ja richtig leicht. Angenehm leicht. Sehr leicht. ZU leicht!!!!! Ich hab meine Flosse verloren!!!!!!!!!!!)

Ehrlich gesagt war ich mehr als nervös. Man hört Geschichten über Taucher, die Luft vom Trocki in die Beine bekommen und so unter Wasser einen Kopfstand machen und ungebremst an die Oberfläche schießen. Da ich aus leidlicher Erfahrung weiß, dass ich zu solch blöden Zwischenfällen besonders am Anfang neige, sah ich es schon kommen, dass ich von der letzten Stufe ins Wasser glitt um sofort Kopf zu stehen.

Es half aber nichts. Den Mutigen gehört die Welt. Also wagte ich den Schritt ins Wasser. Hier fiel mir zweierlei auf:

Erstens: Aaaaah….kalt. Sehr kaltes Wasser. Igitt!!! Nein, nicht was Sie jetzt denken. Der Anzug war dicht. Aber trotzdem spürte ich die umgebende Kälte sehr deutlich. UUhhh! (Memo an mich: für solche Aktionen in Zukunft dickere Unterzieher!!!!)

Okay, an dieser Stelle schalten wir mal schnell um in die Sendezentrale zum Zentralsender, und zwar zur…

Hobbythek

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der “Hobbythek”, liebe Bastelfreunde! Für diejeningen unter unseren Lesern, die noch nie einen Trockentauchanzug im Wasser anhatten: Da hab ich mal was vorbereitet! Falls Sie das Gefühl mal nachvollziehen wollen, dann nehmen Sie einen Einmal-Gummihandschuh (zum Beispiel aus dem Verbandskasten),

Gute Idee! Nächste Verkehrskontrolle: “Zeigen Sie mal Ihren Verbandskasten! Wo sind denn die Handschuhe?” – “Äh… ich habe da ein Flat Flute Diver Experiment gemacht…” – “WAS haben Sie gemacht???”

… nehmen Sie einen Einmal-Gummihandschuh, zur Not tut’s auch ein Haushaltshandschuh, füllen Sie ein Waschbecken mit 10 ° C kalten Wasser (zur Not tut’s auch 10 ° warmes Wasser) und halten Sie die Hand rein, und zwar so, dass kein Wasser in den Handschuh läuft. Genau so ist das Gefühl im Trockentauchanzug am ganzen Körper. Danke für die Aufmerksamkeit, zurück zu meiner liebreizenden Kollegin.

Zweitens: Die praktische Anwendung der Tauchphysik in Bezug auf den Wasserdruck. Wenn wir also im Naßtauchanzug tauchen, merken wir vom Druck außer an den Ohren nicht wirklich etwas. Auch ein Schwimmer würde den Wasserdruck an den Beinen im Wasser nicht merken. Aber! Der Trilaminat-Trockentaucher merkt ihn bereits an der Oberfläche! Ich trieb wie ein Korken an der Wasseroberfläche und wartete noch auf Thorsten, da merkte ich bereits, dass der Trockentauchanzug an meinen Beinen  klebte wie ein lästiger Duschvorhang, der elektrostatisch aufgeladen ist und den arglosen Duscher nervt. Na, das konnte ja heiter werden. Denn bereits an der Oberfläche bewirkte der klebende Trocki, dass die Bewegungsfreiheit der Beine zum flosseln eingeschränkt ist.

Wir tauchten ab. Das erste Mal. Leider war die Sicht sehr milchig, was daran lag, dass es in Horka auch tagelang vorher geregnet hatte. Wir wollten erst mal auf 7 m bleiben und ein bisschen rumtauchen, um erst mal ein Gefühl für den Trocki zu kriegen. Ich tauchte mit Majki, Thorsten mit Babsi. Los gings.

Es war, wie ich befürchtet hatte. Je tiefer wir kamen, desto mehr klebte dieser Trocki an den Beinen und desto steifer wurde er. Ich ließ zwar Luft hinein, aber die drang nicht bis zu den Beinen vor. Sollte sie nach Möglichkeit auch nicht. Sie erinnern sich? Kopfstand! Ich ertrug es und tauchte weiter. Inzwischen war ich allerdings tiefer, als ich eigentlich wollte, ein Blick auf meinen Tauchcomputer zeigte mir 16 m an. Das merkte ich daran, dass ich den Eindruck hatte, dass es mir die Schuhsohlen in die Zehenzwischenräume ziehen würde.

Das Gesetz von Boyle besagt, dass das Volumen eines Gases sich umgekehrt proportinal zum Druck verhält.

Sabbel doch nicht so geschwollen rum. Man könnte ja meinen, du hättest Physik studiert. Außerdem heißt der Typ Boyle-Mariotte nur zur Information!

Okay, irgendso ein physikalischer Grundsatz sagt, dass sich irgendwas irgendwie verhält, wenn irgendwas passiert. Was genau, das diskutieren wir dann noch aus. In unserer Situation beim Tauchen jedoch galt: je mehr Druck, desto weniger Volumen. Das bekommt man im Trocki sehr deutlich mit. Und ich war sowieso noch sehr vorsichtig, da das Ablassen der Luft aus dem Anzug über das Ventil im Oberarm eine sehr ungewohnte Sache war. Es galt nicht nur zu vermeiden, dass Luft in den Beinen dafür sorgte, dass man sich auf dem Kopf stellte, sondern auch dass die sich beim Aufstieg wieder ausdehnende Luft einen aufpumpte wie ein Michelin-Männchen und man mit Impulsgeschwindigkeit gen Oberfläche schoss. Also lieber nicht zu viel Luft reinlassen und oft ablassen.

Insgesamt war es eine interessante Erfahrung, aber ich merkte schnell, dass das Trockentauchen noch sehr viel Übung braucht. Alleine das Tarieren mit dem Anzug ist nicht so leicht, wie man sich das vorstellt. Arm hoch, um Luft aus dem Anzug zu lassen? In der Theorie vielleicht… Das wollte nicht klappen, und schon stieg ich ungewollt auf. Mit der Zeit lernte ich, dass ich nicht nur den Arm hochnehmen muss, sondern auch den Arm anwinkeln sollte, dann klappt es schon viel besser.

Dabei zeigte sich ein Nachteil meines Jackets: es hat keinen Tarierschlauch, sondern einen an der linken Seite angebrachten Tarierhebel.  Um Luft sowohl aus dem Jacket als auch aus dem Anzug abzulassen, musste ich zwei gegenläufige Bewegungen machen: Nach oben, um Luft aus dem Anzug zu lassen, nach unten, um an den Tarierhebel zu kommen.

Verstehe. Zwei gegenläufige Bewegungen überfordern Dich. Du bist wohl nicht belastbar was? :-)

Es ist nur geringfügig schwierig, den Arm gleichzeitig hochzunehmen und nach unten an den Tarierhebel zu greifen. Das eine schließt das andere aus. Das ist fast wie in diesem Gedicht: “…drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft…”

Länger als 30 Minuten war bei dem Tauchgang nicht drin. Es war einfach zu kalt. Wir tauchten wieder auf. Offenbar zog ich ne Schnute, denn Majki merkte gleich, dass ich mit der ersten Trockierfahrung nicht zufrieden war. Er meinte, ich solle mich nicht aufregen, die ersten Male seien nun mal gewöhnungsbedürftig und nach ein paar Tauchgängen würde man das Engegefühl an den Beinen gar nicht mehr merken. Er behielt Recht. Also, nicht dass man es nicht merken würde, aber man gewöhnt sich dran.

Außerdem würde man sich daran gewöhnen, dass man am Anfang immer so eine gewisse Unsicherheit hat: Warum ist es gerade kalt? Ist es einfach nur kalt – oder hat der Anzug ein Loch, und es ist deswegen kalt, weil man gerade geflutet wird, wie die Tauchzelle eines U-Boots?

Was sich bei mir noch als Problem herausstellte: Ich hatte halbtrockene Handschuhe an. Der Größe S, jedoch stellte sich heraus, dass ich trotzdem noch einen Überstand von 2 cm an den Fingerkuppen hatte. Somit gestaltete es sich ziemlich schwierig, das Lufteinlaßventil des Trockis zu bedienen. Auch hier müsste ich in Kürze Abhilfe schaffen, also kam das Problem auf die “to do Liste for diving”.

Jetzt hatten wir noch eine Herausforderung vor uns: Der Ausstieg. Dazu in der kompletten, nassen Ausrüstung knapp 100 Treppen hoch. Ich schnaufte aus dem Wasser, und *Trommelwirbel… schon stand ich wieder da wie das Topmodel* persönlich. Schultern zurück, Brust raus, Bauch raus rein. 8-)   Da stimmte doch was nicht. Am Abend merkte ich auch sehr deutlich meine Schultergelenke. Inzwischen weiß ich auch, woran das liegt. Mein Jacket ist mir zu groß und sagen wir eher mal: zu breit. Ich musste künftig die Brustschnalle zuerst zumachen und maximal anziehen, bevor ich den Rest schließen konnte, dann klappte es auch mit dem Flossenanziehen…

* = GNTTM, oder wie? “Germany’s Next Tauch-Topmodel” Ich stell mir das schon vor, wir ächzen die Treppen hinauf, und oben steht Heidi Klum und kritisiert unsere Gangart. Die war natürlich nicht sonderlich elegant, aber: Alles Gewohnheitssache. Hoffe ich jedenfalls. Denn es stand uns ja noch was bevor: den Abschluss des RESCUE DIVER – Prüfung und Freiwassertauchgänge.

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RESCUE DIVER: Die Poollektionen

Wenn man sich mit der Geschichte der Tauchorganisation PADI ein wenig auseinander setzt, stolpert man früher oder später über die Anekdote, wie der Grundstein für das PADI-Ausbildungssystem gelegt wurde. Es gab da einen Mann, der das OWD-Brevet gemacht hatte und bei Ralph Erickson (einem der beiden Gründer von PADI) vorstellig wurde. Er hatte zwar den Kurs absolviert, aber nie Freiwassertauchgänge gemacht und wollte das nun nachholen. Nachdem er es gemacht hatte, fragte er: “Und was kommt als nächstes?” Erickson musste einige Tauchgänge für den AOWD improvisieren. Doch wieder fragte der Mann: “Und was kommt als nächstes?” Zweifellos gehörte er zu der Sorte Mensch, die immer wieder Neues erkunden und ausprobieren wollen. Die mehr wissen wollten.

Als Annette und ich mit dem Tauchen angefangen haben, hatten wir keine Vorstellung, was da alles möglich ist. Warum auch? Wir hatten ja den Vorsatz gehabt, auf ewig “Scuba Diver” zu bleiben und ein bisschen Urlaubstauchen zu betreiben. Doch als uns das “Tauchfieber” gepackt hatte, gab es für uns kein Halten mehr. Auch wir fragten nun “Und was kommt als nächstes?”

Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück und hatten den AOWD-Kurs erfolgreich absolviert. Und nun standen wir vor der Ausbildungsstufe, die die letzte “normale” Sporttaucherausbildung bei PADI sein würde, dem RESCUE DIVER. Danach würde es schon in den professionellen Bereich gehen. Wie immer hatte es mal ganz andere Pläne gegeben, die wir aber – wieder mal – über den Haufen warfen. Eigentlich wollten wir den Rescue Diver zu dritt machen, mit einer Kollegin von Annette zusammen. Dazu wollten wir die Pooltauchgänge den Winter über erledigen und im Frühjahr tagesweise die Freiwassertauchgänge machen, sobald das Wetter dies zuließ. Doch bei Annettes Kollegin kamen leider ein paar Unwägbarkeiten dazwischen, so dass sie den Kurs nicht machen konnte. Außerdem empfahl uns Majki dringend, die Freiwassertauchgänge “am Stück” zu erledigen. Zum Beispiel bei einem Aufenthalt in Horka. Also machten wir, was wir so gut können, nämlich Pläne über den Haufen zu werfen und neue zu machen. Wir würden nun die Pooltauchgänge trotzdem über den Winter hinweg erledigen, um den Kurs dann im April 2010 in Horka abzuschließen. Wir hofften, dass bis dahin das Wetter gut genug sein würde, um Freiwassertauchgänge zu machen.

Vom RESCUE-DIVER-Kurs hatte man uns erzählt, dass es der körperlich anstrengendste sein würde, aber auch der, der am meisten Spaß macht und von dem man viel mitnehmen kann. Bei uns kam noch dazu, dass es eine Verbindung von zwei Dingen war, die wir gern machten: Menschen retten und tauchen. Die Poollektionen fanden im Hallenbad in Zürich-Leimbach statt, das wir schon vom “Tarieren in Perfektion”-Kurs kannten. Grob gesagt unterteilt man die Übungen in zwei Arten: Unter Wasser und über Wasser. Sinnig, was?

Annette: Wie? Was lese ich da? ZWEI Dinge, die wir gerne machen? Tauchen ja, aber retten wir auch gerne Leben? Wirklich?

Sie nun wieder… ich wollte uns nur in einem positiven Licht darstellen. Die Wahrheit muss doch nun wirklich nicht jeder wissen, oder?

Die Übung, die wir komplett erst im Freiwasser machen sollten, war die, wie man einem Taucher von außerhalb des Wassers hilft. Es hatte wenig Sinn, Schwimmkörper mit Seilen dran durch die Schwimmhalle zu schleudern und möglicherweise einen harmlosen Schwimmer zu versenken, der mit den ganzen Übungen nichts zu tun hatte. Also ging wir gleich ins Wasser und begannen mit den ersten Übungen:

Taucher in PANIK an der Oberfläche

“Der Umschlag gefällt mir”, sagte er. “Keine Panik. Das ist das erste hilfreiche oder vernünftige Wort, das ich heute gesagt bekomme.”

“Ja. Deswegen verkauft es sich so gut”, sagte Ford.

Arthur Dent und Ford Prefect in “Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams

Das Wort “Panik” kommt von dem griechischen Gott Pan, von dem die Sage zu berichten weiß, dass er gerne arme, grasende Schafe erschreckte, so dass eine ganze Herde in kopfloser Flucht davonstürmen konnte.

Wieso kommen mir ausgerechnet jetzt unsere gemeinsamen Abendessen im Hotel in den Sinn? :-) Du hattest doch gar keine Panflöte dabei.

Und wer schon mal von Panflöten-Spielern terrorisiert wurde, kann es den armen Schafen durchaus nachempfinden. Und schon haben wir einen der Punkte, der bei einem Taucher Panik auslösen kann: etwas oder eine Situation, die für gefährlich gehalten wird, obwohl sie es nicht ist (zum Beispiel ein kleiner, fliegender griechischer Gott mit Panflöte)(die Vorstellung, von einer Tauchbootplattform springen zu müssen, ein Wrack, eine Niesattacke unter Wasser… es gibt X Beispiele…) , oder eine tatsächliche Gefahr. In beiden Fällen ist die Reaktion irrational, der Taucher fängt an, wild um sich zu schlagen und sich irgendwie in Sicherheit zu bringen. Das Problem für einen Retter ist, dass der Taucher in Panik so schnell wie möglich aus dem Wasser raus will und dabei auf alles klettert, was sich ihm bietet, egal wie unratsam das ist, eine Eisscholle, der Rücken eines weißen Hais, eine Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg – oder auch der Rücken des netten Tauchers von nebenan, der nur helfen wollte. Und Schwupps! Schon gerät der Helfer selbst in Gefahr. Das hat man nun davon. Blöde Wohltäter!

Doch nicht verzagen! Es gibt eine Lösung, indem man sich dem Taucher nähert und dabei die Beine vorstreckt, so dass man sich im Ernstfall mit ein paar Flossenschlägen wieder von dem Opfer entfernen kann, falls es den Retter als Kletterboje missbrauchen möchte. Und wenn man sich schließlich nähert, greift man den Arm des Opfers, dreht es um und klemmt die Pressluftflasche zwischen den Knien ein. Damit hat man das Opfer sozusagen festgenagelt, während man sich um alles weitere kümmern kann. Und irgendwann ist das Opfer müde und gibt sein sinnloses Gestrampel auf. Dann kann man es gemütlich abschleppen und an Land bringen.

“Oh, FlatFluteDiver, Du hast mich gerettet! Danke!”, sagte die junge und überaus attraktive Blondine, als sie matt ins Gras der Uferbegrünung sank, noch völlig außer Atem von dem Abenteuer, das sie eben erlebt hatte.

“Aber nicht doch!”, erwiderte Thorsten mit einer Stimme, deren Klang zu sagen schien: “Ich bin so cool, wenn ich aufs Klo gehe, kommen unten Eiswürfel raus.” Er schob die rechte Augenbraue um anderthalb Zentimeter nach oben, während er hinzufügte: “Das ist nichts besonderes für einen FlatFluteDiver. Gefahr ist mein Geschäft. Und jetzt gehe ich los und halte den Klimawandel auf.”

Offenbar hast du dir bei dem Kurs “Tarieren in Perfektion” im Züricher Hallenbad nicht nur die Nase, sondern auch die Birne am Grund angeschlagen. Mit nachhaltiger Wirkung! Zudem spielt Pamela Anderson bei Baywatch, und nicht in einer Tauchdoku!

Äh, naja, soweit die Theorie. Die Praxis sah mal wieder ganz anders aus. Zum einen ist es verdammt anstrengend, Opfer zu sein. Das Problem ist, sobald man anfängt, wie blöd um sein Leben zu strampeln, verausgabt man sich derart, dass schon vor Eintreffen des Retters zu müde ist, um noch nennenswerte Gegenwehr zu leisten. Richtige Opfer halten das nur deswegen so lange durch, weil sie aufgrund ihrer Panik unter Adrenalin stehen. Und es steht schon in der Bibel: “Adrenalin versetzt Berge.” Bei der Übung sah das letztlich so aus, dass man sagte: “Ich bin jetzt in Panik.”, und nur ein bisschen strampelte. Erst wenn der Retter näher gekommen war, fing man an, ganz aufzudrehen.

Entsprechend ist die Rolle des Retters auch nicht ohne. In einer der ersten Übungen näherte ich mich Annette, die sich vorstellte, ein Wrack zu sehen und dann die Panik kaum noch spielen musste.

Ich verbitte mir derartige Unterstellungen! Ich hab DICH auf mich zukommen sehen, das hat völlig als Grund ausgereicht in Panik zu geraten!

Pah! Und das, wo ich so heldenhaft war! Ich umging sämtliche Obstakel mit der Schläue eines Fuches, der Gewandtheit eines Nutrias und hatte die Situation stets im Blick, wie ein Adler seine Beute. Ja, die Situation rief förmlich nach einem komplizierten Satz mit ein paar Fremdwörtern. Dann packte ich beherzt zu! Ich griff Annettes Arm und drehte sie, so dass sie mir den Rücken zuwandte und ich ihre Flasche zwischen meine Knie klemmen konnte. Um sie drehen zu können, versuchte ich, mit meinen Flossen eine Gegenbewegung zu machen, und mitten in der Drehung…

…bekam ich einen Krampf in der Wade…

Nicht schon wieder! Doch es half nichts, auf Hälfte der Drehung ließ ich Annettes Arm los und kreuzte meine Unterarme, um anzuzeigen, dass ich die Übung abbrach. Reden konnte ich nicht viel, bei der Annäherung nimmt man zur Sicherheit den Regulator in den Mund, auf dessen Mundstück ich nun vor Schmerz biss. Und der Schmerzensschrei, der mir in dem Moment entfuhr, verlor sich zwischen Mundstück und Blasenabweiser irgendwo im Innern der Zweiten Stufe. So wurde ich vom Retter zum Geretteten, der sich seinen Wadenkrampf behandeln lassen musste.

“Danke”, stöhnte der Flat Flute Diver und sank völlig erschöpft am Beckenrand zusammen, nachdem endlich der Schmerz in der Wade nachließ.

“Gerne geschehen”, sagte ein engelsgleiches schwarzhaariges Wesen mit sanfter Stimme, ” Ich bin zwar überaus attraktiv und jung, aber nicht blond! Ich bin es, die zu danken hat, dass ich Dir großen Flat Flute Diver überhaupt helfen durfte! Deine stählernde Wade zu massieren bereitete mir überaus großes Vergnügen!”

Manchmal, Nachts, wenn ich ganz allein bin, möchte ich nur noch weinen. Und in diesen schweren Stunden denke ich dann an Annette und… möchte noch mehr weinen. Aber der Doktor sagt, wenn ich weiterhin die kleinen, gelben Pillen nehme, wird das bald wieder gut sein. Jedenfalls, im zweiten Anlauf klappte es dann. Hurra.

Aber warum denn… wer wird denn gleich weinen? Wenn Du Dich ein klein wenig anstrengst, kannst Du doch genauso engelsgleich und großherzig wie ich werden!

Das sagst Du doch jetzt nur, um mich zum Lachen zu bringen, oder? Egal, weiter geht’s…

Bewusstlosen Taucher an die Oberfläche holen

Diese Lektion hatten wir schon beim Nitrox-Kurs in Horka gemacht. Majki hatte sie uns damals gegönnt, weil es besser ist, schon hier Bescheid zu wissen, was man mit einem bewusstlosen Buddy macht. Nun wurde es also Ernst, sie für den Rescue Diver zu wiederholen. Nun denn, ist ja kein Problem. Annette legte sich bäuchlings auf den Grund und ich näherte mich ihr von der linken Seite.

Man darf gespannt sein. Die Rolle des Opfers ist interessant. Wie stellt sich der Retter denn an? Geschickt? Zügig? Tölpelhaft? Unsittlich? Bekommt er vielleicht gar einen Wadenkrampf?

In dem Moment kamen ein paar Taucher des Wegs, die zu einer anderen Gruppe gehörten und uns passierten. Höflich, wie ich nun mal bin, ließ ich sie zuerst vorüberziehen. Außerdem wusste ich nicht, wieviel Platz ich brauchen würde, wenn ich Annette vom Grund aufhob. Also, erstmal abwarten… ja, Hallo, Tag auch. Alles okay? Alles okay.

WIEVIEL PLATZ DU BRAUCHEN WÜRDEST, UM MICH AUFZUHEBEN???  WAS soll DAS denn heißen? Ich hab doch keinen Wendekreis eines Panzers! Hast du ein Maßband in der Tasche? Mir fehlen die Worte. Und zudem warte ich immer noch auf meinen Retter. Und zwar auf denjenigen, dem mein Wendekreis egal ist. So!

He, das ist Rettung unter Berücksichtigung der Umgebung! Wie würde es Dir gefallen, wenn ich Dich im Rahmen der Rettung gegen die Wand klopfen würde oder so?

Also, das wäre ja in der Tat mal was ganz Neues. Üblicherweise verletzt Du Dich gerne selber beim Tauchen, das wäre Premiere gewesen, wenn Du mich verletzt hättest. Insofern seh ich das nach. Soweit käm es ja noch….

Okay, neuer Versuch… ärgs, was ist DAS denn? Da schwimmt ja ein Kaugummi! Ist ja e-kel-haft! Was spucken die Leute nur alle ins Becken? Da will ich mich aber nicht hinknien! Ich erzeugte eine Strömung mit den Händen, wodurch das Teil davongetragen wurde.

Ich fasse es nicht. WIE BITTE? Kann das sein, dass Du vielleicht ein KLEIN WENIG leicht ablenkbar bist? Ich könnte bereits TOT sein, und Du machst Dir Gedanken um einen Kaugummi?? ICH bin schließlich todesmutig an dich herangetaucht durch ein Meer von Haarknäuln, Rotz, undefinierbarer andere Sachen, von denen ich lieber nicht wissen will was das war, und DU??!

Nein, äh, das verstehst Du ganz miss. Ich wollte… ich dachte… ich hatte… als ich diesen Kaugummi sah… die Idee… damit eine Luftblase zu erzeugen, um Dich zu retten, so war’s, genau! Weil ich bin nämlich genauso gewieft wie dieser Herr hier:

Ich konnte meinen Plan nur leider nicht ausführen, weil… weil… weil ich kein Gummiband und keine Kugelschreibermine zur Hand hatte, um eine Rettungsboje zu basteln.

Okay, nächster Versuch… nähern, schütteln, Regulator kontrollieren. Alles gut. Jetzt den Taucher vom Grund aufnehmen. Dazu musste ich bei Annette etwas Auftrieb herstellen. Wo war nochmal der Tarierschlauch? Ah, linke Schulter, ich hab ihn. Jetzt ziehe ich ihn vorsichtig hoch… das fühlt sich aber komisch an… ach je. Annette, willst Du mal lachen? Jetzt hätt ich den Schlauch fast ausgefädelt.

Wundert mich gar nicht. Wirklich nicht. Wenn ich das oben lese, bin ich erstaunt, dass Du das überhaupt hingekriegt hast und nicht in Panik wegen eines vorbeischwimmenden Haares ausgebrochen bist.

Was, da schwimmen Haare rum??? Wo sind wir denn da gelandet, um Himmels Willen? Also, nichts wie hoch an die Oberfläche! Ist es ein Delfin? Ein Tümmler? Oder ein besonders eleganter Zackenbarsch? Nein, es ist der FlatFluteDiver! Ta-dah! Sicher wieder nach oben gebracht! Bin ich gut? Ich bin gut!

“Ich muss Ihnen meine Bewunderung ausdrücken”, sagte der Bundespräsident, während er sich von einem Mitarbeiter einen kleinen, schwarzen Kasten reichen ließ. “Ihr Heldentum ist Vorbild und Inspiration für uns alle. Ich wünsche mir, dass es mehr Menschen gibt wie Sie. Lassen Sie mich Ihnen diesen Orden anheften!”

Doch Thorsten winkte dankend ab: “Nicht nötig, Herr Präsident. Das ist doch die tägliche Arbeit der FlatFluteDivers. Das Lächeln dieser Holden, die ich erretten durfte, ist mir Belohnung genug…”

Da hätte ich noch eine Kleinigkeit anzubringen. Hier habe ich eine kleine Szene in meinem Repertoire, die zeigt, wie sowas aussehen könnte! Also, wie Du, lieber stolzer Flatflutediver, an mir vorbeistolzierst, mich links liegen läßt, um mir Deine Verachtung zu zeigen, denn schließlich hast DU den Orden bekommen… nicht ich. Schauen wir doch mal zu, was passiert!

He, wo hast Du denn das her?? Das kann doch alles nicht wahr sein. Herr Bundespräsident, jetzt sagen Sie doch auch mal was!

Auch das noch! Hier bleibt einem aber auch nichts erspart. Wie war das mit dem, der den Schaden hat und für den Spott nicht zu sorgen braucht? Doch beachten wir diese vollkommen uninteressanten Einwände der Dame nicht weiter, denn  mit dem an die Oberfläche bringen war es nicht getan. Mehr Heldentaten standen an! Fast nahtlos fuhren wir fort:

Beatmen eines Tauchers an der Oberfläche und ans Ufer bringen

Gut, in Ermangelung eines Ufers mussten wir den Beckenrand nehmen, aber das ging auch. Bei dieser Übung öffnet man sowohl die Tarierweste des Opfers als auch die eigene, noch während man das Opfer zum Ufer schleppt und gleichzeitig beatmet. Das Ablegen der Weste während des Schleppens soll Zeit sparen, denn spätestens am Ufer muss man diese ausziehen. Und abschleppen, alle 5 Sekunden über eine Maske beatmen und gleichzeitig die Weste ablegen, das kann schon anstrengend sein. Hab ich gelesen. Für mich natürlich nicht. Es klappte alles reibungslos, schleppen, beatmen, die Schnallen vom Jacket öffnen, beatmen, noch mehr Schnallen öffnen – und so weiter. Schließlich konnte ich mein Jacket ablegen und treiben lassen.

Doch während ich mich dem Beckenrand näherte, beschlich mich ein komisches Gefühl. So als ob ich verfolgt würde… ja, in der Tat wurde ich verfolgt! Von meinem eigenen Jacket! Es schwamm quasi hinter mir her. Wie sich herausstellte, hatte sich mein Lungenautomat bei Annette verfangen, und so zog ich die Tarierweste hinter uns her.

Da ich, als kameraerfahrene Schauspielerin, meine Rolle als Opfer sehr ernst nahm, entging mir natürlich die Dramatik der aufkeimenden Situation. Ich kann von Glück sagen, dass es nur Dein Jacket war, was dich verfolgt hat. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn es ein lästiges fremdes Haar gewesen wäre. Ich als Opfer wäre sicher als Kletterboje missbraucht worden!

Dann der letzte Akt! Am Beckenrand angekommen legte ich Annette mit dem Oberkörper dort ab, kletterte gewandt aus dem Wasser (war das da, als du dir das Knie am Beckenrand angeschlagen hast? :-) ) und zog sie ganz heraus. Ja-ha, wieder mal geschafft! Komm ich jetzt im Fernseh’n?

Nein! Zurück zu den FlatFluteDivern!

Du immer! Dann erzähl doch mal, wie Du Dich angestellt hast, na?

Ich weiß gar nicht, was Du meinst. Bei mir hat alles reibungslos geklappt.

Ach ja? Wie war das denn, als Du mich bei der einen Übung vom Grund an die Oberläche bringen solltest, und Probleme mit meinem Tarierhebel hattest?

Also, über Deinen… Tarierhebel reden wir ein andermal. Es gab ja noch andere Probleme zu überwinden, bevor wir uns auf den Weg nach Horka machen konnten. Zum Beispiel, dass wir im April gehen würden, es kalt sein könnte und wir einen Trockentauchanzug brauchen würden. Aber davon berichte ICH das nächste Mal.

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