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Die Abenteuer der Flat Flute Divers: Was bisher geschah…

Bevor die neue Staffel mit neuen Abenteuern der Flat Flute Divers beginnt, wollen wir kurz zusammenfassen, was bisher geschah:

Am Anfang entstand das Universum. Das wurde allenthalben kritisiert und als ein Schritt in die völlig falsche Richtung bezeichnet. Dann entstanden die Sonne und die Erde. auf der sich bald schon die Dinosaurier tummelten, bevor sie ausstarben. Und dann wurde es so richtig interessant…

Annette und Thorsten, zwei Humanoide äffischer Abstammung, wurden geboren. Doch es dauerte noch knapp 20 Jahre, bevor sie sich zum ersten Mal begegneten, und weitere knappe sieben Jahre, bevor sie bemerkten, dass sie eine Leidenschaft verbindet: das Wasser. Und von da an dauerte es nur noch zehn Jahre, bis sie es endlich auf die Reihe brachten, genau dieser Leidenschaft zu frönen, indem sie zusammen schwimmen gingen. Nun mag der geneigte Leser der Meinung sein, dass Geschwindigkeit nicht eine Stärke der beiden ist, doch was sie in diesen Jahren an Zeit verloren haben, holten sie danach um so schneller auf.

Die Schwimmtour wurde ausgedehnt auf einen Badeurlaub in El Gouna in Ägypten. Die Gründe für die Auswahl dieses Reiseziels sind vielfältig und würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen, was den Gebräuchen eines Rückblicks krass widerspräche. Ebendort am Roten Meer kamen die beiden in Kontakt mit einer Tauchbasis. Sie lernten das Tauchen in der Ausbildungsstufe Scuba Diver. Doch ihr damaliger Tauchlehrer orakelte, dass das bald nicht mehr reichen wird. Dass sie bald schon eine eigene Ausrüstung anschaffen würden. Und dass sie überrascht wären, wie viele tauchende Menschen es in ihrem Freundeskreis gäbe.

Annette und Thorsten hingegen orakelten, dass der Tauchlehrer offenbar einmal zu viel Stickstoff bei einem Tauchgang abbekommen hatte. Die Ausbildung weitermachen – warum? Eine eigene Tauchausrüstung – wozu? Und Freunde, die auch tauchen – wer soll das sein?

Bald danach jedoch begannen sich einem Fluch gleich die Prophezeiungen des Tauchlehrers zu erfüllen. Sie schafften sich ihre eigene Ausrüstung an. Sie fanden immer mehr Freunde, die auch Spaß am Tauchen hatten. Und letztlich war es einem anderen Tauchlehrer zu verdanken, dass sie mit dem Tauchen in deutschen Gewässern anfingen, so dass sie schließlich weitermachten: Open Water Diver, Enriched Air Diver, Advanced Open Water Diver, Peak Performance Buyoancy, Dry Suit und schließlich der Rescue Diver.  Damit gab es nur noch den Master Scuba Diver als höchste Ausbildungsstufe. Es sei denn…

…ja, es sei denn, man würde den Schritt in die Professionalität wagen. Divemaster werden. Ermuntert vom Leiter der Tauchschule, bei der die beiden seit dem OWD ihre Tauchkarriere verfolgten, beschlossen sie, den Schritt zu machen. Noch dazu, da dessen Tauchschule gerade dabei war, sich um die Tauchbasis am Schluchsee zu erweitern.

Als wir unsere Helden das letzte Mal verließen, waren sie gerade dabei, sich auf eine weitere Tour an den Tauchsee Horka vorzubereiten. Diesmal allerdings, um einen OWD- und einen AOWD-Kurs als Praktikum zu verfolgen. Auf dem Weg zum Divemaster. Hier geht die Geschichte weiter…

Oh, vor lauter vergaß ich, mich vorzustellen: Ich bin Theo, Theo der Flötenfisch. Und über meine Klugheit werden Sie bald noch mehr erfahren. Und damit Start frei für die neue Staffel der Flat Flute Divers: GO PRO!

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Blogparade: „Macht das Web zu einem schlaueren Ort!“

Die Schreiber vom Blog „Karriebibel“ haben eine Blogparade für den November ins Leben gerufen: „Macht das Web zu einem schlaueren Ort!“ Die Idee ist folgende: Wenn man als Betreiber eines Blog die Zugriffsstatistiken aufruft, kann man dort unter anderem einsehen, mit welchen Suchphrasen die Besucher auf die eigene Seite kamen, also was der Leser bei Google, Yahoo oder anderen eingegeben hat, um die Seite zu finden. Viele Menschen geben dabei Fragen ein, auf die sie Antworten suchen. Die Idee von „Karrierebibel“ ist nun, dass man sich diese Fragen aus der Statistik vornimmt und versucht, sie in einem Blogbeitrag zu beantworten.

Das versuche ich heute mal. Es sind leider nicht sehr viele konkrete Fragen bei den „Flat Flute Divers“, aber doch einiges, das einer Antwort bedarf. Und es ist auch interessant zu sehen, mit welchen Suchwünschen die Leute bei uns landen. Solche Dinge wie „mit Neopren gefesselt“ hinterlassen eher bei mir eine Frage. Aber beginnen wir mit dem Frage-und-Antwort-Spiel:

Wieviel Blei beim Tauchen?

So. Schon die erste Frage ist eine, auf die es keine konkrete Antwort gibt. Oder man könnte es mit Radio Eriwan halten: „Im Prinzip ja…“ Welche Bleimenge man beim Tauchen braucht, hängt davon ab, wo man taucht (Süß- oder Salzwasser), welche Ausrüstung man hat (Trockentauchanzug, Halbtrocken oder Nass, und bei den beiden letzteren, wie dick sie sind; beim ersteren, welcher Unterzieher verwendet wird) und wie schwer man selbst ist. Außerdem muss man berücksichtigen, wie groß die Pressluftflasche ist, mit der man taucht, und ob sie aus Stahl oder Aluminium ist. Wenn man Veränderungen an der eigenen Ausrüstung vorgenommen hat oder zum ersten Mal taucht, wird einem der Tipp gegeben, mit etwa 5 bis 10 Prozent des eigenen Körpergewichts in Blei zu beginnen und bei einer Bleikontrolle vor dem Abtauchen zu überprüfen, ob das passt, zu viel oder zu wenig ist. Bei der Bleikontrolle lässt der Taucher an der Oberfläche alle Luft aus dem Jacket (und dem Trockentauchanzug, falls er einen trägt) und hält einen normalen Atemzug an. Der Taucher müsste bei korrekter Bleimenge so im Wasser treiben, dass die Augen auf Höhe der Wasseroberfläche sind. Schaut er über die Wasseroberfläche, ist es zu wenig Blei, wenn er mit den Augen darunter oder den Kopf ganz unter Wasser hat, ist es zu viel.

Wie ist die Hintergrundgeschichte vom Tauchsportcenter Divers in Aufkirchen?

Genau genommen heißt es „Diver’s Indoor Tauchsportzentrum“. Die Hintergrundgeschichte klingt ein bisschen skurril: Es handelt sich dabei um eine ehemalige Sauerkrautfabrik. In den Becken, in denen heute Taucher tauchen, wurde früher Weißkohl zu Sauerkraut verarbeitet. Davon merkt man aber nichts mehr. Mehr über das „Diver’s“ und das dazu gehörige Hotel Mercure kann man hier nachlesen.

Wie taucht man mit Schwimmflossen?

Sehr gut, möchte ich sagen. Aber ich glaube, darum geht die Frage nicht. Wahrscheinlich ging es dem Frager um die richtige Technik. Also, der erste Punkt ist, den Flossenschlag langsam durchzuführen. Da die Flossenblätter natürlich einen erhöhten Widerstand im Wasser haben, ermüdet man sehr schnell, wenn man die Beine zu schnell bewegt. Auf welche Art man die Flossen bewegt, muss man ausprobieren – was einem besser liegt. Man kann entweder die Beine auf und ab bewegen (dabei ist wichtig zu beachten, dass die Bewegung aus den Hüftgelenken kommt, und nicht aus den Knien – hier gelt das Hebelgesetz: je länger der Hebel, desto größer die Kraft) oder wie beim Brustschwimmen mit den Beinen einen „Froschschlag“ (englisch „frog kick“) ausführen (hier ist zu beachten, dass man beim Tauchen die Arme nicht bewegt, mit Flossen reicht die Beinbewegung, um einen vorwärts zu bringen).

Wie ist die Geschichte der Tarierweste beim Tauchen?

Die ersten Tarierwesten für Taucher kamen in den 1960er Jahren auf und waren eigentlich nicht mehr als eine modifizierte Rettungsweste. Das heißt, es handelte sich um einen Luftschlauch, der um den Hals gelegt wurde. Wegen ihrer Form wurden sie auch „Klodeckel“ genannt und man benutzte sie nur an der Oberfläche. Sie hatten einen Schlauch, über den der Taucher die Weste mit dem Mund aufblasen musste. Die erste Weiterentwicklung kam noch in den 1960er Jahren mit der von Maurice Fenzy entwickelten „Fenzy Tarierweste“, die einen größeren Schlauch hatte, über den Luft nicht nur eingelassen, sondern auch einfach wieder abgelassen werden konnte. Damit konnte sie auch unter Wasser verwendet werden. In Deutschland erhielt sie deswegen auch den Namen „RTW“, „Rettungs- und Tarierweste“. Das AT-Pack in den frühen 1970er Jahren kombinierte nun erstmals Auftriebsmittel und Flaschenhalterung in einem (bisher waren diese getrennt). Das „Jacket Design“, das grundlage aller nachfolgenden Modelle wurde, wurde jedoch von Scubapro mit dem „Stabilizing Jacket“ eingeführt. Die Luftblase wurde bei den neuen Designs nicht vorne, sondern in den Rückenteil eingebaut, was die Lage im Wasser stabilisierte. 1984 führte die Firma seaQuest das erste ADV-Jacket vor, kurz darauf kommt Dive Rite mit dem ersten Wing-Jacket auf den Markt. Beide Jacketformen bleiben bis in die Jetztzeit maßgeblich, das Wing-Jacket hauptsächlich bei Tec-Tauchern. 1990 führte wiederum seaQuest eine weitere Neuerung ein: das Blei wurde nicht mehr an einem Gürtel getragen, sondern in separate Taschen im Jacket selbst gegeben, die man im Notfall mit Hilfe eines Schnellverschlusses abwerfen konnte. Die letzte große Neuerung waren die so genannten „Hybrid-Jackets“, eine Mischung aus Wing und ADV.

Wie bekomme ich die Mindestoberflächenpause beim Tauchen raus?

Zwei Möglichkeiten: Entweder man hat eine Tabelle oder einen elektronischen RDP. Ich kann hier leider nur für die Modell von PADI sprechen, mit den anderen bin ich nicht vertraut. Bei der Tabelle geht das folgendermaßen: Man muss Tiefe und Zeit des vergangenen Tauchgangs wissen, und welche Tiefe und Grundzeit man bei dem nächsten Tauchgang machen möchte. Auf der Vorderseite der Tabelle bestimmt man vom vergangenen Tauchgang die Wiederholungsgruppe, indem man in der Spalte mit der Tiefe bis zur entsprechenden Grundzeit herunterfährt (wenn die Tiefe und/oder Zeit nicht exakt dasteht, wird immer die nächsthöhere Tiefe und/oder Zeit genommen). Dann dreht man die Tabelle um. Hier geht man auf die geplante Tiefe des nächsten Tauchgangs und fährt die Spalte entlang, bis man die geplante Grundzeit findet (in der Spalte als „Restnullzeit“ blau unterlegt). Auch hier kann man einen Buchstaben der Wiederholungsgruppe bestimmen. Dann geht man wieder auf die Vorderseite der Tabelle. Im rechten Teil stehen die verschiedenen Oberflächenpausen. In der horizontalen Spalte legt man nun den Buchstaben der Wiederholungsgruppe des gemachten Tauchgangs an, in der vertikalen Spalte (unten an der Tabelle) den Buchstaben der Wiederholungsgruppe des geplanten Tauchgangs. Und in dem Feld, wo sich beide Spalten kreuzen, steht die Mindestoberflächenpause.
Mit den elektronischen RDP ist das ganze etwas einfacher: Einschalten, mit „Mode“ auf „Surface Interval“ gehen, dann die Daten vom vergangenen und vom geplanten Tauchgang eingeben – voilà, die Mindestoberflächenpause wird als „MIN SI“ ausgegeben.

Ist Hurghada von der Ölpest betroffen?

Nein, nicht mehr. Nach Angaben der HEPCA war das Hauptverbreitungsgebiet der Ölpest 2010 im Roten Meer El Gouna und nördliche Teile Hurghadas, aber mittlerweile sind wohl alle Folgen beseitigt.

Einengung durch Tarierweste?

Kommt vor. ADV- und Hybrid-Jackets haben eine Luftblase, die bis in die Seiten des Jackets geht. Wenn man sie aufbläst, können sie den Taucher einengen. Bei einem Wing-Jacket befindet sich die Luftblase komplett auf dem Rücken und kann den Taucher nicht einengen.

Taucher flutet seinen Trockenanzug unter Wasser?

Das kommt vor und kann zwei Gründe haben: Entweder hat der Anzug einen Defekt und es dringt Wasser ein, ohne dass der Taucher das beabsichtigt, oder ein Ventil hat einen Defekt, so dass die Luft aus dem Anzug nicht mehr abgelassen werden kann. In letzterem Fall muss der Taucher, um ein unkontolliertes Aufsteigen zu verhindern, die Luft durch die Manschette an seinem Hals entweichen lassen. Dabei dringt natürlich Wasser ein.

Wie ist die Wassertemperatur vom Aquafun am Schluchsee?

Gute Frage – hab ich auch nirgends gefunden.

Halsmanschette zu eng – was passiert?

Wenn die Halsmanschette eines Trockentauchanzugs (oder auch einer Neopren-Kopfhaube) zu eng ist, wird der Hals des Taucher komprimiert. Entweder wird dabei der Druck auf den Kehlkopf so stark, dass der Taucher keine Luft mehr bekommt (wie bei einer Strangulation) oder der Druck geht auf die Halsschlagadern. In den Halsschlagadern sitzen Rezeptoren, die den Druck von außen als gestiegenen Blutdruck missinterpretieren und als Gegenmaßnahme den Blutdruck senken. Durch den abfallenden Blutdruck kann es zu einer Bewusstlosigkeit kommen.

Gibt es einen Sketch über das Tauchen?

Ja – hier zum Beispiel. 🙂

Das waren die Fragen, soweit ich sie aus der Webseiten-Statistik entnehmen konnte. Vielleicht komme ich mal wieder auf das Thema zurück, wenn sich genügend neue Fragen angesammelt haben. Die Idee finde ich nicht schlecht.

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AOWD Divemaster Open Water Diver Rescue Diver Scuba Diver

Was in der Zwischenzeit und davor geschah…

Wir hatten also den Rescue Diver abgeschlossen. Und hier muss ich ein Geständnis machen: Aus purer Absicht haben wir bei den bisherigen Artikeln kleine Details ausgelassen. Meine Motivation dabei war – Dramatik. Ausgelassen haben wir beispielsweise eine Bemerkung beim OWD-Kurs über unsere Tauchfertigkeiten und was wir damit noch erreichen können würden, oder Majkis Antwort auf die eMail, dass wir den AOWD-Kurs abgeschlossen hatten, die lautete, dass wir uns doch bitte beeilen mögen mit unserer weiteren Ausbildung (sinngemäß wiedergegeben).

Annette: Gehe ich Recht in der Annahme, dass Du diese Kommentare auch weiter verheimlichen willst?

Ich möchte sie zurückstellen, um Spannung zu erzeugen und die Leser neugierig zu machen. Ansonsten interessiert sich doch keiner für das, was wir schreiben.

Natürlich hatten wir uns immer die Frage gestellt, wie weit wir mit dem Tauchen gehen würden. Am Anfang wollten wir ja gar nicht mehr haben als den Scuba Diver, irgendwann – als wir doch weitergemacht hatten – stand mal der Rescue Diver als Fernziel am Horizont. Dann die Überlegung, „vielleicht irgendwann mal“ auch noch den Divemaster zu machen. Annette sah das dabei mehr als eine Art Herausforderung an, der sie sich stellen wollte. Ich sah zunächst keinen Sinn dahinter, Divemaster zu werden, wenn man dann nicht auch etwas in der Richtung machen wollte. Die Divemaster bei PADI assistieren bei der Ausbildung von Tauchschülern, führen Tauchtouren und ähnliches. Wollten wir sowas wirklich machen?

Mich trieb bei der frühen Entscheidung, den Divemaster zu machen, etwas anderes an. Wenn ich eins hasse, dann ist es, wenn man etwas erlernt, was stufenweise aufgebaut ist und man immer zu hören bzw zu lesen bekommt: Das lernst du dann später. Nehmen wir doch einmal das praktische Beispiel zur Hand: Ich kann mein Leben lang Scuba Diver bleiben oder OWD, aber schon bei meinen ersten Tauchgängen könnte ich auf einen leblosen Taucher ober- oder unterhalb des Wassers treffen. Was soll ich nun tun? Dem Taucher zuflüstern: „Sorry, aber ich bin nur OWD, wie ich dich rette lerne ich erst im nächsten Kurs.“???

Außerdem war ich der Meinung, je tiefer ich in die Materie eindringe, desto sicherer könnte ich werden. Natürlich ist Tauchen vorwiegend praktisch, aber viel Input kann nicht schaden. Denken wir nur mal an die Selbstrettungstechniken. Konfrontation mit unangenehmen Situationen. Einfach das Verstehen war mir wichtig.

Dann geschah etwas, das zumindest ich so nicht sehr häufig erfahren hatte: Wir wurden gefördert und ermuntert.  Uns wurde nahegelegt, nicht aufzuhören und nach dem Rescue Diver keine zu lange Pause zu machen. Würden wir den Divemaster – den ersten Schritt zum „Professional“ – machen, müssten wir auf vieles vom Rescue Diver zurückgreifen. Es war also besser, „drin“ zu bleiben. Der Divemaster würde allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen, da man hier bei verschiedenen (auch Anfänger-)Kursen mit dabei sein muss, insgesamt 8 schriftliche Prüfungen absolvieren und verschiedene Skills demonstrieren musste. Und fast wie von selbst stand auf einmal im Raum, doch auch noch einen Schritt weiter zu gehen – zum Tauchlehrer. Der Plan sah dann vor, einen Sommer mit viel Tauchen und Kursen zu verbringen, und dabei den Divemaster zu machen. Aber wenn Sie sich durch unsere ganze Geschichte bisher durchgewühlt haben, werden Sie schon wissen: Pläne sind bei uns eine grobe Richtungsangabe, die regelmäßig umgeworfen werden.

Annette: 🙂

Dann allerdings gab es einen kleinen Tiefschlag. Noch bevor wir für den Rescue Diver nach Horka fuhren, wurde uns erzählt, dass der bisherige Betreiber der Tauchbasis am Schluchsee diese aufgeben würde. Zwar würde Majkis Tauchschule die Lehrräume behalten, aber so einfach tauchen wie bisher, das wäre nicht mehr möglich gewesen. Außerdem hatte es uns auf der Basis gefallen. Dass das nicht mehr so sein würde, erschien uns irgendwie… irreal.

Das war in der Tat ein Tiefschlag. Zwar waren wir noch nicht lange auf der Basis zu Hause, aber wir hatten uns schon irgendwie dran gewöhnt. Die Leute waren nett, und es war immer schön, zwischen zwei Tauchgängen mal hinsitzen zu können um abzutrocknen und zu quatschen. In dem Fall hätten wir zwar tauchen können, aber unsere Sachen hätten wir im Auto lassen müssen und zum Aufhängen wäre auch keine Alternative da gewesen.

Doch nach der Tour nach Horka für den Rescue Diver, als wir zum ersten Mal bei einem Kurs bei den Pool-Lektionen dabei waren, hatte sich das wieder geändert: Majkis Tauchschule würde die Basis in Zukunft betreiben. Damit würde sie im Sommer wieder geöffnet sein. Dem Divemaster stand damit nichts mehr im Weg. Nach einigen Poolmodulen war eine weitere Tour nach Horka geplant, wo die Freiwasserlektionen von zwei Kursen stattfinden sollten. Und wir waren mit dabei. Auf dem Weg zum Divemaster! Wer hätte das gedacht?

Ja, wer hätte das gedacht. Und wer hätte auch gedacht, dass in Horka eine weitere, äußerst wichtige Entscheidung getroffen wurde? Hups, hab ich zu viel verraten?

Jetzt werden es unsere Leser vor Spannung kaum noch aushalten! Wohlan denn, auf ins nächste Kapitel unserer gar schröcklichen Abenteuer!

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Open Water Diver PPB Spezielle Kurse

PPB – Tarierung in Perfektion

Nachdem wir den Nitrox-Kurs in Horka erfolgreich zu Ende gebracht hatten, standen wir nun vor einem neuen Problem: Inzwischen war es Oktober und für die Freiwassertauchgänge in unseren Naßtauchanzügen war es zu kalt geworden. Wir brauchten also dringend eine Alternative. Bis zum nächsten Frühjahr eine Tauchpause einlegen? Nie im Leben.

Wir unterhielten uns mit Majki, was man am Besten tun könnte. Die beste Alternative wäre ein Trockentauchanzug, aber da die Dinger nicht gerade zu Schleuderpreisen zu erstehen sind, kam das für uns jetzt erst mal nicht in Frage. Zudem ergibt sich mit den „Trockis“ gerne noch ein Problem: Die „Stangenware“ passt häufig nicht genau, und das A und O eines Trockis ist der richtige Sitz. Also… einen Trocki kaufen und ändern lassen war im Budget nicht drin… schließlich stand ja noch der Ägypten-Urlaub an. Zudem überzeugte uns Majki, dass wir nicht jetzt unbedingt auf Teufel komm raus mit dem Trockentauchen anfangen sollten.

Insofern entschieden wir uns, den PPB-Kurs zu machen. Hier übt man zumindest erst mal im Schwimmbad, und das kam uns gelegen.

Thorsten: „PPB“ steht für „Peak Performance Buyoancy“, oder „Tarieren in Perfektion“, wie der Kurs auf Deutsch heißt. Sinn und Zweck ist, solche Dinge wie „Furchen in den See(Meeres)grund ziehen“ und „wie ein Korken durch die Wasseroberfläche schießen“ zu vermeiden. Um die Verletzungsgefahr zu verringern, übt man das erst einmal im Pool.

Anmerkung der Redaktion: Wie wir noch sehen werden, kann man sich aber auch durchaus im Pool dabei verletzen…

Ich sagte doch „verringern“, nicht „ausschließen“, oder? Außerdem interessiert bestimmt niemand von den Lesern, ob und wem irgendwelche Missgeschicke passiert sind. Da brauchen wir nicht so drauf rumreiten.

Also fuhren wir nach Zürich, um im dortigen Hallenbad unsere erste PPB-Stunde zu absolvieren. Majki brachte seine Frau Babsi mit, die ebenfalls üben wollte, denn bei ihr steht in Kürze die Divemasterprüfung an.

Nach Einweisung in das Hallenbad gings los. Zuerst einmal testen wir, wieviel Blei wir überhaupt brauchen würden. Dann tauchten wir ab, und begannen mit dem „Pivot“. Hierzu legt man sich bäuchlings auf den Grund und hebt nur mit Atmen soweit vom Grund ab, bis man auf den Flossenspitzen balancieren kann. Eigentlich eine lustige Übung, WENN auch die Flossen auf dem Grund bleiben würden. Ich vermute, dass ich Luft in den Schuhen hatte, jedenfalls ging es so nicht. Majki deutete mir unter Wasser an, dass ich meine Flossen ausziehen und auf den Grund stellen solle – um zu testen, ob die Flossen von alleine zu viel Auftrieb haben. Er machte es vor und stellte die Flossen auf den Grund. Sie blieben dort, wo sie waren. Also machte ich es nach. Nachdem ich mir beim Ausziehen der Flossen vor lauter Ungelenkigkeit fast einen Bandscheibenvorfall geholt hätte Ich beugte mich elegant nach vorne und zog meine Flossen aus. Auch sie blieben dort wo sie waren. Hm. Da half nur eins. Ich tauchte auf, holte zwei kleine Bleiplatten und steckte sie in meine Füßlinge. Improvisiertes Fußblei. Somit blieben die Flossen auf dem Grund beim Pivot und es klappte auch. Im Gegensatz zu Thorsten.

Annettes Einlage sorgte bei mir kurzfristig für Verwirrung, denn ich machte meine Übung mit Babsi. Annette hatte mir den Rücken zugewandt und ich sah nur auf einmal, dass sie rechtsseitig barfuß war. Ich versuchte, mich davon nicht ablenken zu lassen, aber auch ich hatte Probleme, die Flossen auf dem Grund zu lassen. Ich konnte die Beine durchstrecken wie ich wollte, das hielt nur kurz, dann hoben sie ab. Mir wurde geholfen, indem Babsi die Flossenspitzen unten hielt. Dann klappte es… zumindest kurzfristig.

Thorsten meinte wieder mal, besonders toll aussehen zu müssen und fügte in die Pivotübung noch seitliche Rotationsbewegungen ein. Nicht, dass es nicht beeindruckend ausgesehen hätte, aber das war nicht der Sinn der Übung. Er stellte sich vorerst auch taub, wenn er kritisiert wurde. Hartnäckig behielt er die Bewegungen bei. Erst nach gutem Zureden von Majki und unverständlichem Gemurmel „hatte Luft im Anzug“ stellte er diese Bewegungen ein.

Na warte, die frechen Bemerkungen kommen alle in mein goldenes Buch, und dann gibt es dieses Jahr nichts zu Weihnachten. Tatsächlich gelang es mir, durch die Atemtechnik mit dem Oberkörper vom Boden abzuheben. Aber als ich eine bestimmte Höhe erreicht hatte, kippte ich zur Seite. Dadurch bekam die Flasche Übergewicht und zog mich erst recht aus der Lage. Was für ein Glück, dass wir keinen Unterwasserfunk hatten, da hätte ich doch tatsächlich ein paar unfreundliche Worte loslassen müssen. Ich sagte es schon mal, die Schwerkraft und ich, wir werden keine guten Freunde mehr. Also gut, nochmal versuchen. Wieder klappte es bis zu einer bestimmten Höhe. Doch diesmal achtete ich genau darauf, was nun passieren würde und ich merkte, dass etwas unter dem Anzug über meine Haut strich. Fast so, als wäre dort ein Frettchen in meinem Neo gefangen. Gut, das mit dem Frettchen konnte ich ausschließen, es sei denn, Annette hätte mir so ein Tier heimlich in den Anzug gesteckt, aber weiter kam ich mit dem Denken nicht: Schon kippte ich wieder zur Seite. Doch diesmal entleerte sich ein Schwarm Luftblasen aus meinem Kragen, so dass ich des Rätsels Lösung hatte – in meinem Anzug hatte sich Luft gefangen, die sich je nach Lageänderung hin und her (und rauf und runter) bewegte. Und nachdem die Luft draußen war, ging es auch wesentlich besser.

Gott sei Dank. Ich hab schon befürchtet, dass du erklären würdest WOHER die Luft in deinem Anzug gekommen war. So überlassen wir das mal der Fantasie der Leser und mein Geruchsorgan bleibt verschont.

Dann versuchte ich mich am Hovern. Dazu schwebt man nahezu bewegungslos im Schneidersitz im Wasser. Sollte man zumindest. Dummerweise hat man im Hallenbad nicht viel Platz nach oben und unten. Ich versuchte, aus dem Pivot in den Schneidersitz überzugehen, aber… nun ja…wie will ich sagen… es klappte nicht auf Anhieb. Ja. So ist es vermutlich gut ausgedrückt.

Während Babsi nahezu bewegungslos bereits seit STUNDEN neben mir schwebte, bekam ich noch nicht einmal meine Flossenblätter zu fassen ( das zum Thema Ungelenkigkeit). Also verschob ich dieses Problem auf später und versuchte mich erst einmal im sogenannten Klositz. Dazu zog ich die Knie an den Körper und belies es erst mal dabei. Nach einiger Zeit schaffte ich es immerhin, mal 20 sec in dieser Position zu verharren, ohne entweder sofort durch die Wasseroberfläche zu brechen oder auf den Grund aufzuschlagen. Ich ging vom „Klositz“ in die entpannte „Gammelposition“ mit ausgestreckten Beinen über, denn auf Dauer war das auch nichts mit den angezogenen Knien.

Ich warf einen Blick zu Thorsten. Auch er hatte offenbar Probleme mit dem Schneidersitz. Allerdings musste er auch hier wieder übertreiben, denn er zog die Knie gleich bis zur Nasenspitze an und sank ziemlich bald mit er Flasche zuerst auf den Grund. Alles nicht so einfach. Wir werden noch viel üben müssen.

Habe ich schon erwähnt, dass die Schwerkraft und ich keine gute Freunde mehr werden? Und dass es gut ist, dass wir keinen Unterwasserfunk hatten? Ich versuchte mich also am Schweben. In aufrechter Position mit ausgestreckten Beinen ging es, aber das war ja nicht die Kunst. Als ich die Beine anzog, ging es wieder bis zu einem bestimmten Punkt, dann schien es, als hätte jemand einen Magneten im Boden des Schwimmbeckens eingeschaltet, der meine Flasche anzog. Ich stürzte Rücken (Flasche) voran ab. Zwar kam ich dem ganzen ein wenig auf die Spur, aber hingekriegt habe ich es deswegen noch nicht. Offenbar lag das Geheimnis wieder in den Flossen, bzw. in den Stiefeln. Wenn ich diese zu hoch nahm, konnte ich mit meiner Körperspannung ihrem Auftrieb nicht entgegen wirken. Es zog sie nach oben, dadurch geriet ich in Rückenlage, und zwar so weit, bis ich von der Flasche nach unten gezogen wurde.

Um uns nicht völlig frustriert nach Hause fahren zu lassen, hatte Majki noch eine nette Übung für uns parat. Unter Wasser in der „Hoverposition“ sollten wir uns mit einem Eßlöffel einen Tischtennisball hin und her reichen. Untern den staunenden Augen anderer Tauchschüler praktizierten wir das auch und komischeweise durchstieß hierbei keiner von uns die Oberfläche. Ob das daran lag, dass wir auf andere Dinge konzentriert waren? Aber es war lustig.

Konfuzius sagt: Achte auf Deine Gedanken! Sie sind der Anfang Deiner Taten. Tatsächlich wird beim PPB ja auch vermittelt, dass das Visualisieren der einzelnen Übungen eine große Rolle spielt. Möglicherweise hängt man sich zu sehr an Kleinigkeiten auf, wenn man sich in den Übungen zu „verkopft“, anstatt einfach „zu machen“. Dadurch, dass wir darauf achteten, den Tischtennisball nicht zu verlieren, musste das Schweben „im Hintergrund“ ablaufen, was es dann auch tat. Und ach ja, die Tauchschüler… das hatte ich ja fast vergessen, neben uns war eine andere Tauchschule tätig, deren Schüler die Poolübungen vom OWD machten. Und mit unserem Pingpongball-Esslöffel-Spiel erregten wir ziemliche Aufmerksamkeit.

Nach einer Pause wollten wir dann doch noch mal das Hovern und den Pivot üben. Ich balancierte soeben vorbildlich auf den Flossenspitzen, da kam plötzlich Musterschüler Thorsten wie ein Stein kopfüber auf den Grund zu geschossen und schlug sich die Nase an. Warum er das tat, ist bis heute ein Geheimnis. Da es im Schwimmbad zumindest mal keine Plastikhaie gibt, entfällt die Ausrede, dass er sich schützend vor mich werfen wollte. Aber überlassen wir doch TomTom das Wort und lassen ihn selber erklären, was diese Showeinlage sollte!

Nun, das „Auf die Nase fallen“ hat eine lange Tradition im Stummfilmgeschäft, angefangen bei Buster Keaton und Charlie Chaplin… Verdammt, ich hab mich halt auf die Fresse gelegt und das ganze Schwimmbad damit unterhalten!! (Hab ich das mit Schwerkraft und Unterwasserfunk schon…?) Okay, ruuuhig. Ich hatte wieder Probleme mit dem Pivot in Form von auftreibenden Flossen. Doch diesmal schien ich es mit Körperspannung in den Griff zu kriegen. Ich machte eine Aufwärtsbewegung mit dem Oberkörper, doch als ich die Abwärtsbewegung begann, zog es mir die Flossen vom Grund weg nach oben. Das Resultat war eine beschleunigte Abwärtsbewegung, da nun der Kopf unten und die Flossen oben waren. Dann sprang mit der Boden vom Schwimmbecken ins Gesicht.

AUTSCH! @*#$§!!!

Als ich mich wieder aufgerappelt hatte, erkannte ich die Genialität in diesem Manöver. Ich hatte soeben eine neue Übung erfunden, den „Pivot Situs inversis Totalis“, kurz „PST!“ oder auch „seitenverkehrter Pivot“ genannt. Diesen macht man nicht auf den Flossenspitzen, sondern auf der Taucherbrille und er ist was für Fortgeschrittene. Jawohl!

Andererseits… vielleicht sollte ich mal über Fußblei nachdenken…

Sah aber gut aus. Muss man sagen. Und du wärst bestimmt eine Sensation gewesen, wenn du mit gebrochenem Nasenbein ins Krankenhaus gegangen wärst. Denk nur, was Deine Versicherung gesagt hätte! Unfallbericht? Nasenbeinbruch beim Tauchen. Jaaa klaaaar….  waren Sie das nicht letztens auch mit dem „verdrehten Knie“ beim Tauchen? Bisschen ungeschickt, was? Lassen Sie das mal besser in Zukunft!  😛
Alles in Allem waren es sehr lehrreiche Stunden, doch leider konnten wir das Brevet noch nicht beenden, denn zu dem Kurs gehört noch ein Freiwassertauchgang. Und eben diesen können wir noch nicht machen… denn… ja genau! Bei dem Temperaturen im Freiwasser? Nass? Brrrr! Und da uns ja vom Trocki abgeraten wurde (an dieser Stelle werfen wir einen strengen Blick aus dem Monitor hier Richtung Majki – aber nicht zu streng, immerhin gehört die Taktik, ursprünglich mal gefasste Pläne komplett über den Haufen zu werfen ja mittlerweile zu unserem Standardrepertoire), mussten wir also wieder umplanen. Wir entschieden uns, den Rescue Diver über Winter zu machen, denn hier konnte man einige Übungen im Schwimmbad absolvieren und somit hätten wir den Winter überbrückt. Einen kleinen Haken hatte die Sache allerdings… wir waren noch OWDs und mussten erst noch den AOWD machen, bevor wir mit dem Rescue Diver beginnen konnten. Aber den hatten wir schon für Ägypten geplant, und der Tauchurlaub stand jetzt unmittelbar bevor.

Welche unglaublichen und haarsträubenden Abenteuer werden die FlatFluteDivers unter südlicher Sonne wohl erleben? Fortsetzung folgt…

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Enriched Air Diver Open Water Diver Spezielle Kurse

HORKA – Das Tauchparadies in Sachsen Teil 4

Unglaublich, aber wahr – schon brach der letzte „Tauchtag“ an. Zwar hätten wir durchaus die Möglichkeit gehabt, auch am nächsten Tag vor der Heimfahrt noch einen Tauchgang hinzulegen, aber manchmal muss man sich einfach den Tatsachen stellen und zugeben, dass es etwas zu viel ist, vor einer derart langen Reise nochmal ins Wasser zu steigen. Aber was rede ich hier eigentlich? So weit sind wir doch noch gar nicht.

Der erste Tauchgang des Tages war wieder ein Nitrox-Tauchgang. Der Kurs „Enriched Air Diver“ umfasst eigentlich nur zwei Freiwassertauchgänge, die auch ausreichend sind (wie bereits erwähnt ist die Theorie und der Umgang mit dem Atemgas das Wichtigste), aber wir sollten noch eine kleine „Zulage“ bekommen: ein paar Notfallhandgriffe. Was einem passieren kann, wenn man mit der falschen Mischung zu tief taucht, ist eine Sauerstoffvergiftung. Da Sauerstoff eines der zwei Hauptnahrungsmittel unseres Gehirns ist (das andere ist Zucker), sind die Auswirkungen entsprechend dramatisch: Man kann einen Krampfanfall bekommen. Eigentlich macht man dann aber nichts anderes, wie wenn ein Taucher aus anderen Gründen bewusstlos wird. Allerdings lernt man diese Maßnahmen erst im Rahmen des „Rescue Diver“-Kurs, aber Majki wollte uns zur Sicherheit jetzt schon ein paar Handgriffe beibringen. Uns war das recht. Man kann nicht vorbereitet genug sein.

Auf den Tauchgang begleitete uns auch der mittlerweile frisch gebackene AOWD Jonathan, der bei der Demonstration der Maßnahmen durch Majki als Opfer herhalten sollte. Zuerst machten wir jedoch wieder eine Runde durch den See, was sehr entspannt war. Dann suchten wir eine Plattform, wo wir die Übung machen konnten. Gut, Pedanten sei gesagt, es war nicht wirklich eine „Plattform“, wie wir sie beispielsweise im Schluchsee hatten. Es war eine ebene Fläche, die beim Abbruch der Steine entstanden war, mehr ein Plateau, das genügend Platz bot und in Richtung Seemitte zuerst in ein paar Stufen in die Tiefe führte, bevor die Felsen endgültig steil nach unten führten. Jonathan ließ alle Luft aus seiner Tarierweste und legte sich auf den Bauch in die Mitte des Plateaus. Er hatte die verantwortungsvolle Aufgabe, nichts zu machen, sondern sich wie ein Bewusstloser hängen zu lassen.

Annette und ich beobachteten das Geschehen vom Rand des Plateaus aus. Im Grunde genommen macht man aber unter Wasser auch nichts anderes als über Wasser: Man kontrolliert den Bewusstseinszustand (Taucher geschüttelt, nicht gerührt), ob der Regulator noch im Mund ist, und dann hebt man die Person mit einem speziellen Rettungsgriff hoch. Dann allerdings kam das, was sich dann doch geringfügig von der Überwasserrettung unterscheidet: den bewusstlosen Taucher an die Oberfläche bringen. Dazu muss der Retter für sich und den Geretteten für den nötigen Auftrieb mittels seiner Tarierweste sorgen. Majki ließ also Luft in seine Weste und stieß sich von dem Plateau ab. Doch anstatt Jonathan nach oben zu ziehen, stoppte die Aufwärtsbewegung etwa einen halben Meter über dem Fels. Von da an schob er ihn in einer horizontalen Linie auf den Rand des Plateaus zu, an dessen Ende beide nach unten stürzten. Glücklicherweise hatte der Fels hier eine Stufe, so dass sie etwa einen halben Meter tiefer wieder Bodenkontakt hatten. Also, einen halben Meter unter dem Niveau des Plateaus, von dem aus sie gestartet waren, also einen Meter tiefer als ihre erreichte Flughöhe  (haben das jetzt alle verstanden?). Jedenfalls hatten Annette und ich dem Schauspiel mit einigem Unglauben zugesehen, wurden wir doch Zeuge einer Neuaufführung unseres eigenen spektakulären Sturzes in den Torf beim Abschluss des OWD-Kurses im Schluchsee (wer das schon vergessen hat, hier ist es abgemalt und aufgeschrieben). Wir erkundigten uns sogleich nach dem Zustand der beiden, doch ihnen war zum Glück nichts ernsthaftes passiert.

Annette: Wir waren in der Tat leicht irritiert, wie Majki so in der Horizontalen mit Jonathan im Gepäck „herumfuhr“, doch es stellt sich heraus, dass er ein akutes Druckausgleichsproblem im Ohr hatte. Er konnte es aber zum Glück regeln und die Übung dann doch noch mit Demonstrationscharakter zu Ende bringen. Wenn ich das so lese bekomme ich im Nachhinein allerdings ein bisschen Gewissensbisse: Wo waren WIR lieber Thorsten, als die abgestürzt sind! Wir hätten uns ja auch mal rühren können statt wie die Ölgötzen unter Wasser zuzugucken was da passiert!

Ehrlich gesagt konnte ich das in dem Moment nicht fassen und fragte mich, ob ich wohl an einer Sauerstoffvergiftung leide und das, was ich da sehe, nur ein Produkt meiner eigenen, verkorksten Fantasie ist – so sehr fühlte ich mich an unser Schluchsee-OWD-Wechselatmung-Sturz-in-den-Torf-Abenteuer erinnert. Und wir sind ja dann gleich aufgesprungen und haben nach ihnen geschaut.

Trotzdem hatte die Übung Spaß gemacht. Ich durfte Thorsten an die Oberfläche „zerren“, und es war sehr lehrreich. Er machte sich zwar absichtlich schwer, behinderte mich nach allen Regeln der Kunst, um mich besonders herauszufordern, , aber he! Für mich doch ein Kinderspiel! Thorsten wurde trotz massiver Gegenwehr dorthin gebracht, wo ich ihn hinbringen sollte. Widerstand zwecklos!

Ich kann mir vorstellen, dass Dir das Spaß gemacht hat, und zwar aus folgenden drei Gründen:

Erstmal kräftig durchschütteln!
1. Erstmal kräftig durchschütteln!
2. Unter dem Deckmäntelchen der "Rettung" dem Mann ungestraft auf den Hintern starren.
2. Unter dem Deckmäntelchen der "Rettung" dem Mann ungestraft auf den Hintern starren.

(Nicht ganz! Ich kontrolliere hier lediglich dein zusätzliches Ablassventil die Nähte deines Neoprens, denn wie wir aus leidlicher Erfahrung wissen, neigst du dazu, kaputtes Beinkleid zu tragen!)

3. Das arme Opfer wie einen alten Wischmopp durch den See ziehen.
3. Das arme Opfer wie einen alten Wischmopp durch den See ziehen.

Dass ich mich absichtlich schwer gemacht habe, stimmt übrigens nicht. Oder hätte ich vielleicht vorher die Steine aus den Taschen meines Jackets tun sollen? *hust! Jedenfalls kehrten wir zu dem Plateau zurück und ich war dran. Eigentlich war ausgemacht, dass ich Annette tatsächlich bis zur Oberfläche bringe, denn unser Tauchgang war an dieser Stelle sowieso beendet. Also rettete ich Annette nach den Regeln der Kunst.

Beweisfotos? Trauste dich nicht, was? Sonst könnte ja jeder sehen, wo du mir ungestraft hingefasst hast!

Ach, wir wollen also ein Beweisfoto, ja? Na dann:

Professionelle Profi-Rettung durch einen Profi-Retter
Professionelle Profi-Rettung durch einen Profi-Retter

Jetzt sagst Du aber nichts mehr, was? Wie es sich gehört, nähere ich mich vom Rücken her an die Flasche, um diese mit einem sicheren Griff zu packen, damit nichts mehr passieren kann. Allein die entspannte Körperhaltung von Majki im Hintergrund spricht Bände.

Entspannt?? Er knetet äußerst nervös seine Hände…

Die Geburtsstunde des ersten „Flatflute Diver Suchspiels“ ist gekommen, meine Damen und Herren! Die Aufgabe lautet: Findet Annette auf diesem „Profibild“. Der erste, der mich eindeutig identifizieren kann, gewinnt einen Preis!

Ist nicht meine Schuld. Es GIBT kein anderes Bild als das hier. Offenbar hat unser Fotograf  gedacht, dass es ausreicht. Nun ja, mein Profiblick und Profigriff ist ja dokumentiert. Und das Wichtigste ist auch erkennbar: ICH!

Pah! Und wo ist die andere Hand hä?

Da, wo sie hingehört, an Deinem Hin dem unteren Teil der Pressluftflasche. So gesichert nahm ich Annette auf, um sie nach oben zu bringen. Und diesmal hatte ich es geschafft, sie senkrecht mit nach oben zu ziehen. (Danke! Wenn wir nochmal in die Waagerechte gekommen wären wäre ich mißtrauisch geworden…) Wir waren auf dem Weg in die richtige Richtung, wir schwebten zur Oberfläche. Doch noch bevor ich mich an meiner eigenen Genialität berauschen konnte, tippte mir Majki auf die Schulter und gab mir das Zeichen, den Aufstieg abzubrechen. Wassn? Ich befürchtete schon, irgendetwas falsch gemacht zu haben, so in der Art, dass ich nach unten statt nach oben geschwommen wäre (…kein Wunder, dass das so leicht ging…), aber zum Glück hatte es nur eine Planänderung gegeben: Wir beendeten den Tauchgang regelgerecht, indem wir unter Wasser zum Ausstieg zurückkehrten, anstatt an der Oberfläche zu schwimmen.

Der Nachmittagstauchgang sollte für uns ein „Special“ im Hinblick auf den AOWD werden, einen Schnuppertauchgang. Wir würden – natürlich unter Anleitung und Aufsicht! – einen Tauchgang bis auf den Grund des Sees machen und dabei nahe an 30 m Tiefe kommen. Wir gingen wieder zu viert, Jonathan begleitete uns nochmal. Und wir konnten den Tauchgang jederzeit abbrechen, wenn wir uns dabei unwohl fühlen würden. Dann ging es hinab, zuerst noch auf gewohnte Tiefen, und dann dahin, wo wir die letzten Tage immer nur von oben hingeschaut hatten: die dunkle Mitte des Sees.

Und wie ist das so? Nun, die ersten paar Meter unterhalb der gewohnten Grenze merkt man eigentlich kaum was. Der Druckunterschied ist auf den ersten 10 m Wassertiefe nun mal am Stärksten. Irgendwann, so empfand ich das zumindest, merkt man, dass das Atmen etwas schwerfälliger wird. Außerdem wird es natürlich dunkler – und in diesem See merklich kälter. Um damit angeben zu können, wollte ich meinen Tauchcomputer abfotografieren, der mittlerweile 26 m anzeigte. Aber als ich auf das Display meiner Kamera sah, war kaum was zu erkennen. Alles war in einen seltsamen Schleier gehüllt. Als ich meine Kamera umdrehte, merkte ich auch, woran das lag: Auf der Innenseite der wasserdichten Hülle hatte sich Kondenswasser gebildet, das das Trockensalz offenbar nicht aufnehmen konnte. Eine Kontrolle der Temperatur ergab 8 ° Celsius! Das war auch deutlich zu spüren. An dieser Stelle des Sees gab es noch ein paar Installationen, so liegt zum Beispiel eine Lore auf dem Grund, mit der früher die Steine abtransportiert wurden, ein Fahrrad und ein Motorrad. Leider war die Sicht nicht besser geworden, so dass es in der Tiefe sehr dunkel war und die Bilder wegen des Kondenswassers sowieso nicht so wirklich was wurden. Wir drehten eine kleine Runde und kamen bis auf 28 m, dann kehrten wir wieder nach oben zurück. Ich war dankbar, denn das nur ein paar Grad wärmere Wasser weiter oben fühlte sich auf dem Gesicht an wie ein warmer Sommerregen nach einem langen Winter… oder so. Als wir wieder in gewohnten Tiefen waren, fragte uns Majki, ob wir noch mit auf eine weitere Erkundungsrunde mitkommen würde. Annette gab Zeichen, dass ihr kalt war und sie den Tauchgang gern beenden würde. Mir war das recht, ich habe zwar nicht gefroren, aber angenehm fühlte sich das auch nicht an, also ging ich mit ihr zurück. Was die sich wieder anstellt – nur weil’s dann am tiefsten Punkt nur noch 6 ° gehabt hat. Aber Gentlemen wie ich nun mal bin  – und weil man ja nie allein taucht! – begleitete ich sie zurück zum Ausstieg.

Ja. Ich muss zugeben, dass ich die „Bremse“ bei diesem Tauchgang war. Aber als wir dann wirklich „ganz unten“ waren, merkte ich, wie ich anfing zu zittern. Obwohl ich unter meinem Neopren noch einen Unterzieher hatte war es doch deutlich zu kalt für mich. Es tat mir zwar unglaublich leid für Jonathan, denn der sollte in der Tiefe nochmal einen Knoten üben, aber ich hielt es nicht mehr aus. Das macht weder Sinn noch Spaß, wenn es dann doch so kalt ist. Beim höher tauchen merkte ich zwar, dass es deutlich wärmer wurde, aber inzwischen war ich so ausgekühlt, dass selbst das mir nicht mehr helfen konnte. Gezwungenermaßen und äußerst schlecht gelaunt begleitete mich Thorsten zum Ausstieg zurück, um mich hinterher mit Vorwürfen zu überschütten, was für eine Memme ich doch sei. Schnüff!

Frauen ist doch immer kalt. Mir war nicht kalt. Und meine Superthermo-Anzugheizung hat damit gar nichts zu tun!

Das Horka-Fahrrad
Das Horka-Fahrrad

Am Abend dann konnten wir dann das Bestehen unseres „Enriched Air Diver“ angemessen begehen: mit einem Grillabend, zu dem die Leute von der Tauchbasis eingeladen hatten. Wie ich schon schilderte, konnte ich keine selbst erlegten Fische beisteuern, aber okay, ich hab sie ja auch nicht vermisst.

Wenn wir auf die Fische angewiesen gewesen wären, die du hättest fangen wollen, würden wir heute noch da sitzen und auf das Essen warten.

Püh! Ich hätte nur noch ein paar Tarierübungen machen müssen, dann wären die ganz von selber gekommen. Aber Du hast mich ja nicht gelassen. Dafür erfuhren wir, was es mit den zweisprachigen Wegweisern und Ortsschildern auf sich hatte. Wegen der Nähe der Grenze hätte ich die zweite Sprache für Tschechisch oder Polnisch gehalten, aber es handelt sich dabei um Sorbisch (manchmal ist es erschreckend, wie wenig man das eigene Heimatland wirklich kennt). Und unser AOWD’ler erhielt seinen Spitznamen, den Annette bereits erwähnte: Knoppers. Warum? Nun ja, kennen Sie den Werbespruch „Morgens, halb zehn in Deutschland“? Während des Grillabends kam das Gespräch darauf, dass Jonathan es nicht immer so einfach hatte mit dem Aufstehen, dann fiel die Uhrzeit „halb zehn“ – und schwupps! Schon heißt man wie eine Milch-Haselnuss-Schnitte von Storck. Andere hingegen bekamen ihren Spitznamen von ihrer Herkunft (aha?) , und wiederum andere hatten Schwierigkeiten, überhaupt einen Spitznamen zu bekommen.

Komm, komm… du kannst den Leuten schon sagen, dass du „TomTom“ heißt – TomTom, das Navigationsgerät unter Wasser….

TomTom?? Es sollte schon was cooles, passendes sein. Obwohl… TomTom…

Lieber TömTöm? Ist das cooler? 🙂

Jupp, der Abend war lustig. Majki stieß mit uns auch auf unseren Erfolg an, ebenfalls Jonathan war den edleren Tropfen gegen später nicht abgeneigt. Am Anfang noch zurückhaltend genemigte er sich den ein oder anderen Drink aus dem Glas, nur um zum Schluß den Drink gleich aus der Flasche zu nehmen. Auch Majki kam in beschwingte Stimmungslagen und fiel den Leuten der Reihe nach um den Hals (Männer!), was von manchen Leuten als befremdlich aufgefasst wurde.

Grillabend
Grillabend

Der Einzige, der offenbar vernünftig mit Alkohol umgehen kann bin nun eindeutig ICH 🙂

Alkohol ist eine farblose, sich verflüchtigende Flüssigkeit, die beim Vergährprozess von Zucker entsteht und auf bestimmte, auf Kohlenstoff basierende Lebensformen giftig wirkt. (gäääääähn…zzzzzzzz…weck mich wenn der Vortrag vorbei ist…) Du magst damit umgehen können, ich weiß dafür Bescheid. Aber das Bild… das ist jetzt Deine Revanche für Dein Bild mit der Kopfhaube, was?

Ich weiß gar nicht was du willst! Das Bild ist doch nett! Endlich ist mal dokumentiert, dass du nichts freiwillig machst sondern dass man dich zu allem zwingen muss. 🙂

Aber Spaß beiseite, es war ein toller Abend und wir waren wirklich überrascht, wie großzügig und gastfreundlich die Sorben uns Fremden gegenüber waren. Sie werden es hier wohl nicht lesen… aber trotzdem noch mal ein herzliches Dankeschön!

Ja, auch von mir ein Dankeschön. Dieser Abend beendete unseren ersten Besuch am Tauchsee Horka. Wir hatten ein neues Brevet, neue Erfahrungen gemacht und fühlten uns nun gerüstet für den großen Urlaub in Ägypten, der kommen sollte. Und wir fassten den Entschluss, nach dort zurück zu kommen. Unbedingt. Aber bis zum Urlaub sollte es noch ein Weilchen hin sein, trotz allem. Was konnte man in der Zwischenzeit tun?

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HORKA – Das Tauchparadies in Sachsen Teil 3

Der nächste Tag des Nitrox-Kurses… Mit dem neuen Analysegerät waren schließlich auch die Messungen korrekt, so dass wir zum morgendlichen Nitrox-Tauchgang aufbrechen konnten. Diesmal machten wir eine kleine Runde durch den See, wieder an den Haien vorbei (ich erspare mir jetzt den Kommentar) und theoretisch über das alte Pumpenhaus hinweg. Ich schreibe „theoretisch“, weil die Sicht schlechter geworden war. Wir als OWDs waren an die Tiefenbegrenzung von 18 m gebunden, das Pumpenhaus liegt aber wesentlich tiefer. Bei guter Sicht kann man es aber von oben sehen. Das war uns leider nicht vergönnt, lediglich die Rohre, durch die früher, als der Steinbruch noch in Betrieb war, das Wasser vom Pumpenhaus aus dem Talkessel heraus floss, konnten wir bewundern. Auf dem Rückweg kamen wir noch an einer Biertischgarnitur vorbei. Alles in allem sehr ruhig und entspannt, doch beim Sicherheitsstopp auf 5 m kam es zu einer unfreiwilligen Notfallübung: Ich sah kurz weg, um mich in Position zu bringen – und als ich Annette wieder im Blick hatte, war ihr Regulator weg. Er „schwebte“ quasi über ihr, da er abblies und von der ausströmenden Luft hochgedrückt wurde. Während Annette nach ihrem Oktopus griff machte ich einen Satz nach oben und hatte den Regulator mit einem Griff „eingefangen“. Ich drehte das Mundstück nach unten und zum Glück versiegte der Luftstrom. Erst in dem Moment wurde mir bewusst, was ich gerade gemacht hatte. Ich erinnerte mich daran, wie ich beim zweiten Tauchgang des Scuba-Diver-Kurses an Annettes Pressluftflasche klopfen wollte und sie wegen der Unterwasser-Optik verfehlte – und jetzt hatte ich den wesentlich kleineren Lungenautomaten sogar aus der Bewegung heraus erwischt. Nachdem klar war, dass die Situation im Griff war, Annette ein paar Atemzüge aus der alternativen Luftversorgung genommen hatte und dann wieder auf ihren normalen Regulator umstieg, erlaubte ich mir eine kleine verhaltene Freude darüber, dass sich so ganz langsam erste Fortschritte zeigten. Zudem war ich beeindruckt, wie ruhig und zielgerichtet Annette reagiert hatte.

Annette: Liebe Lesenden!

Genau an dieser Stelle möchte ich gerne den sich über Alles selbst lobenden Herrn Reimnitz einmal für eine kleine Zwischenbemerkung unterbrechen! Und die WAHRE Geschichte ans Licht bringen!

Es begab sich nämlich folgende Situation: Wir wollten den Sicherheitsstop machen, und ich passte vermutlich einen Moment nicht auf, jedenfalls kam ich zu dicht an unseren lieben Majki ran. Was sich gleich rächte, denn der machte einen gemütlichen Flossenschlag und trat mir (selbstverständlich unabsichtlich) dabei den Regulator aus dem Mund. Fupp – und das Ding blies ab und war weg. Schön! Nun haben wir alle im OWD Kurs das Zeichen „Ich habe keine Luft mehr“ gelernt, und ich fand, dass ich das GENAU JETZT endlich mal anwenden könnte.  Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein! Und jetzt stellen Sie sich vor, was passiert ist. Als „Henne im Korb“, als einzige Frau, umrahmt von zwei starken Männern in einer „Ohne-Luft-Situation“! Ich warf einen Blick nach rechts, einen nach links, die Hand schon fertig parat am Hals,  doch beide Herren beobachteten seelenruhig die Umgebung und KEINER bemerkt, dass die arme kleine Annette keine Luft mehr hat! Tz! Einsam und verlassen! Auf mich selbst gestellt, überlegte ich, wie ich dem nassen Tod entrinnen kann, da fiel mir doch die Situation am Schluchsee wieder ein, als ich damals umständlich nach meinem Regulator gesucht hatte statt den Oktopus zu nehmen. Also gut! Selbst ist die Frau! Dann muss es eben ohne dieses „Keine-Luft-mehr-Zeichen“ gehen. Ich nahm meinen Oktopus, verfluchte meine überaus aufmerksamen regte mich wieder ab, da bemerkte Thorsten, dass irgendetwas nicht stimmte. Er fing meinen Hauptregulator wieder ein und gab ihn mir zurück. Da haben wir`s! Wenn man nicht alles selber macht…

Das sind die emanzipierten Frauen von heute… wollen alles selbst machen und so behandelt werden wie jeder andere, aber wehe, sie stehen einmal nicht im Mittelpunkt, dann ist es auch wieder nicht richtig. Seufz, man hat es schon schwer so als Mann in der heutigen Zeit.

ICH bin überhaupt nicht emanzipiert, ja? Also, ich lasse mir gerne die Tür aufhalten, die Koffer tragen, die Tauchausrüstung schleppen, die Flaschen umherwuchten, das Leben retten,  die Wohnung putzen usw. Ich lasse mir vielleicht nicht unbedingt etwas von einem Mann sagen, ich kann eh alles besser als ein Mann, aber emanzipiert? Wie kommst du denn da drauf…

Den zweiten Tauchgang machten wir wieder ohne Begleitung und mit Pressluft. Wir wollten zurück zu der Biertischgarnitur. Nach der Navigationskatastrophe vom letzten Mal Weil wir befürchten mussten, dass ich wieder falsch navigiere Da mein Umgang mit dem Kompass alles andere als geschickt war (weil du überhaupt keinen Orientierungssinn besitzt….) Weil uns die Unterwasserlandschaft so sehr gefiel, beschlossen wir, den blöden Kompass* diesmal wegzulassen und uns „visuell“ zu orientieren. Außerdem wollten wir nicht weit gehen, nur bis zu der Biertischgarnitur, die wir beim ersten Tauchgang gesehen hatten, um ein paar Bilder zu machen. Von da aus ging es wieder zurück in den vorderen Bereich des Sees, wo wir uns eine Steinplattform suchten und das Tarieren übten. Genauer gesagt handelte es sich um einen Übungsversuch, denn bei mir funktionierte es nicht so recht. Wir tarierten, was das Zeug hielt, so gut es ging. Dann bemerkten wir, dass die in dem See heimischen Barsche an unserem Übungsplatz auf Nahrungssuche gingen und schossen noch ein paar Fotos. Die Fische ließen sich von unserer Anwesenheit nicht beeindrucken. Im Gegenteil, als ich einmal den Grund aufwirbelte, waren sie sofort da und wühlten nach Essbarem.

Dank unserer ungeahnt professionellen Tarierkünste, bei denen wir fast nie den Boden berührten, (wie es halt auch sein soll), hatten die Barsche ein breites Nahrungsangebot. Besonders die Schneise, die Thorsten in die Steinplattform schnitt als er über diese hinweg in die Tiefe rutschte hatte es den Barschen anschließend besonders angetan. Drive-in für Zackenbarsche!

Die Schwerkraft und ich, wir beide werden bestimmt keine guten Freunde mehr. Und die blöden Fische schienen nur drauf zu warten, dass sowas passierte. Äußerst sympathische Bilder schossen mir durch den Kopf, in denen ich die Barsche auf einem Spieß über dem Feuer braten sah. Nicht dass ich Fisch essen würde, nein, es ging mir nur darum, daneben zu stehen und zu sagen: „Ha-ha! Das habt Ihr jetzt davon!“ Und immerhin waren wir für den nächsten Tag von den Leuten der Tauchbasis zum Grillen eingeladen worden, vielleicht könnte man damit das Menü ein wenig erweitern. Aber als ich mein neues Tauchermesser zückte und mich auf die Lauer begab, haute mir Annette auf die Finger. He, ich bin ein Mann! Die Jagd liegt uns sozusagen im Blut! Aber sie war unerbittlich. Na wartet, Ihr Barsche, diesmal seid Ihr noch davongekommen, aber ich werde wiederkommen…

Als bekennender Tierfreund und auch Fischfreud hab ich dir selbstverständlich auf die Finger gehauen. Die Barsche waren zudem viel zu klein, da hättest du den ganzen Tauchsee leerjagen müssen, damit die ganze Rasselbande satt geworden wäre. Jäger und Sammler…pf! Jagen ja, aber Sammeln? Was denn? Blaue Flecken? 🙂 Die Barsche hatten einen Festtag bei unseren eher hilflosen Versuchen, auf den Flossenspitzen zu balancieren. Die Zacken standen vor lauter Freude senkrecht in die Höhe! Gönnen wir ihnen doch diesen besonderen Tag!

*Randbemerkung: Der Kompass ist nur so blöd wie sein Besitzer. Oder anders ausgedrückt: Anwenderfehler 🙂

Nein, kann gar nicht sein, denn diesen Kompass habe ich gebraucht von einer Frau gekauft, kein Wunder, dass der es nicht so hat mit dem Richtung anzeigen. Aber das treib ich ihm schon noch aus, wirst sehen!

Ein Flussbarsch im Tauchsee von Horka
Ein Flussbarsch im Tauchsee von Horka

Wir hatten zwar vor unserer Reise nach Horka mal in Betracht gezogen, möglicherweise noch einen dritten Tauchgang jeden Tag zu machen, doch davon sahen wir ab. Die zwei, die wir machten, reichten uns vollkommen. Und wie sch0n erwähnt hatten uns die Leute von der Basis für den nächsten Abend zum Grillen eingeladen, also machten wir uns auf den Weg in den nächsten Ort, um Einkäufe zu tätigen. Dabei fielen mir einmal mehr die zweisprachigen Ortsschilder und Wegweiser auf. Der Ort selbst gehörte zu der Sorte, die Reisejournalisten gerne mit der Vokabel „pittoresk“ umschreiben, ohne wirklich zu wissen, was das eigentlich bedeutet. (weißt DU denn, was das bedeutet??) (Ja, klar!)

Gott sei Dank! Keine 3 Tauchgänge! *ächz! Diese Treppen sind eine Katastrophe! Mit der ganzen Ausrüstung! Kann man da nicht mal einen Treppenlift installieren?

Also, bei der Geschwindigkeit, mit der sich ein Treppenlift vorwärtsbewegt, hätten wir allerhöchstens einen Tauchgang am Tag geschafft, weil wir erst bei Anbruch der Dunkelheit wieder oben angekommen wären. (wenigstens ne klitzekleine Plattform, die hoch und runter fährt? Muss ja kein Lift am Geländer sein…) Aber a propros „Anbruch der Dunkelheit“: Für Jonathan, den AOWD-Schüler, stand an diesem Abend aber noch etwas besonderes an: ein Nachttauchgang. Ich bin mit den beiden an den Einstieg gegangen und habe sie von der Plattform aus beobachtet. Es war faszinierend, die Lichter der Tauchlampen im tieferen Wasser verschwinden zu sehen. In völliger Dunkelheit bin ich dann ohne größere Verletzungen die Treppe zurück zur Basis. Und psst! Verraten Sie das ja nicht Annette, aber irgendwie war ich froh, dass wir die Prüfung schon am Abend zuvor gemacht hatten. (ach, da schau her! Erst die Einrichtung vor lauter Wut zertrümmern und dann nachher froh sein…) He! Wer hat ihr das jetzt verraten? Du? Oder Du? Wer war das? Raus damit, ich will es wissen! Ach DU! Abmarsch, zurück in die letzte Reihe! Immer das gleiche, einer ist immer dabei, der die Klappe nicht halten kann. (war bestimmt ne Frau! Wir können nicht navigieren, sind emanzipiert und außerdem tratschen wir auch noch! 🙂 )

Am Tag darauf sollte noch ein Extra-Nitrox-Tauchgang anstehen, in dem wir ein paar Notfallmanöver erklärt bekommen sollten. Mit Sauerstoff angereicherte Luft mindert zwar die Auswirkungen des Stickstoffs, birgt ihrerseits wiederum ein paar Risiken, auf die man vorbereitet sein sollte. Majki war es wichtig, dass wir wenigstens ein paar Manöver kennenlernen, die man normalerweise erst beim „Rescue Diver“ lernt. Uns war das recht. Schließlich kann man nie genug vorbereitet sein.

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HORKA – Das Tauchparadies in Sachsen Teil 2

50 % der Flat Flute Divers hatte die erste Nacht in Horka damit verbracht, Mücken zu jagen. Die anderen 50 % hatten geringfügige Einschlafschwierigkeiten aus Gründen, die wie immer nicht ausreichend genug erforscht wurden. Wahrscheinlich, weil es so ruhig war im Zimmer.

Annette: 50% der Flat Flute Divers schlugen am nächsten Morgen die Augen auf und sahen auf die unzähligen Leichen an den Wänden. Erschreckend, dass ein Flat Flute Diver zu so etwas überhaupt fähig ist. Das schlechte Gewissen kroch in mir hoch, dass ich so viele Leben in nur einer Nacht auslöschen musste. Mit dem Vorsatz, meinen Weg nicht mit noch mehr Leichen zu pflastern, stand ich auf und beschloss als Zeichen meines guten Willens nicht auch noch Majki umzubringen für sein Geschnarche, sondern ausnahmsweise mal Gnade vor Recht walten zu lassen…

Doch am nächsten Tag ging es los! Gestärkt durch ein Selbstversorgerfrühstück machten wir uns an die erste praktische Einweisung des „Enriched Air Diver“-Kurs. Muss ich erwähnen, dass wir beide die Kursunterlagen in den Wochen vor dem Kurs förmlich aufgesogen hatten (das Resultat davon sollte sich am gleichen Abend zeigen 🙂 )? „Nitrox“ oder „enriched Air“ ist Luft, deren Sauerstoffanteil erhöht wurde, wodurch der Stickstoffanteil verringert wird. Da es sehr wichtig ist, genau zu wissen, mit was für einer Mischung man taucht, ist das erste, was der Taucher macht, die Luft in seiner Flasche zu analysieren. Zwar kann man sich bei einem guten Gasmischer darauf verlassen, dass er keinen Pfusch baut, Kontrolle ist aber trotz allem besser. Und sogleich bekamen wir demonstriert, warum es wichtig ist, ein eigenes Analysegerät zu haben. Majki hatte eine 32%-Mischung bestellt und es sollte eigentlich auch eine sein. Nachdem das Gerät auf 21 % kalibriert war, konnte man sehen, wie die Anzeige, sobald es an die Flasche angeschlossen war, stieg: 25 %… 30 %… 32 %… 33 %… okay, noch innerhalb der Toleranz… 34%… hä? In der Tat blieb die Messung erst bei 37 % stehen. Wie sich bei einem Vergleich herausstellte, funktionierte das Gerät nicht richtig.

Dann machten wir uns daran, unsere Ausrüstung anzulegen. Dabei stellte sich heraus, dass an Annettes Anzug ein Faden hing; eine Naht an der Schulter war aufgegangen. Aus der Spurenlage kombinierte ich folgerichtig, dass der Faden wohl nicht so fest saß und vom Klett des Nackenverschlusses aufgerissen worden war.

(Also wenn ich dich nicht hätte… Sherlock… dann wüßte ich wirklich nicht, was ich tun sollte. Deine detektivischen Fähigkeiten sind unglaublich. Es wäre jedoch praktischer, wenn du dir mal handwerkliche Fähigkeiten aneignen würdest. Dann hättest du den Faden gleich mal wieder annähen können.)

Frauen! Mit nichts zufrieden. Immerhin habe ich mich eingebracht.

Dann aber stand die erste Herausforderung an: in voller Montur (die über 20 kg wiegt) die Treppe am Steinbruch heruntergehen, um zum Wasser zu gelangen.

Auf dem Weg von der Basis Horka zum Tauchsee
Auf dem Weg von der Basis Horka zum Tauchsee

Ein Frühsport der besonderen Art, eine Kombination aus Gewichtheben und Hindernis-Gehen. Schließlich aber kamen wir unten an. Die Treppe führt bis ins Wasser und dort sogar noch weiter bis in drei Meter Tiefe. Neben der Treppe befindet sich eine Schwimmplattform, die… äh… ja… ganz nett ist, um Sachen drauf abzulegen (bei Bedarf auch fotografierende Schweizer). Und für andere nützliche Zwecke.

Wir richteten uns, um die Ausrüstung in Position zu bringen und…

„Geh doch da rein je-hetzt!“

Okay, Madame hatte ihr Blei noch nicht gerichtet. So wurde es zu meiner Aufgabe, mit HANDSCHUHEN (!!!!) (und zwei linken Händen, hast du vergessen zu erwähnen) ihr Trimmblei in die entsprechenden Taschen im Jacket zu stecken. Nun, nicht dass nicht gern an ihr rumfummle, wenn man mich schon dazu auffordert, aber die Tatsache, dass ich Handschuhe trug und sie in einem Neoprenanzug steckte, dämpfte die erotische Komponente erheblich.* Noch dazu, da dieses Hagel-und-Granaten-Blei einfach nicht in die Tasche reinwollte!! Mit Eidgenössischer Hilfe in Form des AOWD-Schülers Jonathan, der mit an die Plattform gekommen war, schafften wir es aber dann doch, die Gewichte in sämtlichen Taschen zu verstauen.

"$*#@! Blödes Blei, gehst Du jetzt da rein?"
"$*#@! Blödes Blei, gehst Du jetzt da rein?"

*Ich wußte ja schon immer, dass Du anders bist als alle anderen Menschen. Aber wie man doch auf diesem Bild erkennt, (danke übrigens, ich liebe es, mit dieser bekloppten Kopphaube abgelichtet zu werden) befindet sich das Trimmblei hinten in meinem Jacket. Insofern würde ich gerne mal wissen, was daran EROTISCH sein soll! Dein heißer Atem in meinem Genick? 🙂

Nicht mal das funktioniert ja, wenn man die ganze Ausrüstung anhat. Ich sagte es ja. Jedenfalls, dann ging es ab ins Wasser. Beim Abtauchen hörte ich das Surren eines Motors – es waren Aquascooter-Fahrer unterwegs. Sowas. Und wir mussten uns mit Muskelkraft fortbewegen.

Der „Enriched Air Diver“ ist eigentlich – zumindest für den Lehrer – ein relativ undankbarer Kurs. Wenn man mit Nitrox richtig umgeht, merkt man nämlich eigentlich keinen Unterschied zu einem anderen Tauchgang. Es ist die Vorbereitung, auf die es ankommt und die aufwändiger ist, außerdem muss man auf die für die eigene Mischung geltende Tiefe achten. Aber während des Tauchens ist eigentlich nichts anders. Den „Effekt“ von Nitrox kann man nicht vorführen, und mal einfach so die Sicherheitstiefe unterschreiten, um dem Schüler zu zeigen, wie sich so ein Krampfanfall anfühlt, ist keine gute Idee. Andererseits ist es auch entspannt, weil man sich auf den Tauchgang konzentrieren kann. Und so erforschten wir den Tauchsee von Horka.

Die Sicht war an diesem Tag gut, aber nicht ganz gut. Nachdem wir ein paar Meter getaucht waren, nahm ich in der Ferne einen Schatten war. Und dann brach er durch die Diese und kam auf uns zu: der König der Meere, Carcharadon carcharias, der „große weiße Hai“, das Maul halb geöffnet und seine gewaltigen Zähne präsentierent. Zur Sicherheit bewegte ich mich in eine aufrechte Position, um diesen schnellen Jäger nicht zu provozieren und legte meine linke Hand an mein Tauchermesser, wohlwissend, dass ich diesem Giganten damit nichts entgegenzusetzen hatte, aber es gab mir ein beruhigendes Gefühl. Ich hatte Glück, es war ein kleines Exemplar, nur ungefähr zwei bis zweieinhalb Meter lang; sollte es zu einer gefährlichen Situation kommen, würde ich vielleicht doch eine Chance haben.  Ich positionierte mich vor Annette, um ihr im Notfall Schutz zu geben. Dann achtete ich darauf, ob der Hai Zeichen zeigte, dass er uns aus seinem Revier haben wollte.

Auge in Auge mit dem "Räuber der Meere"
Auge in Auge mit dem "Räuber der Meere"

Bereits vor dem Tauchgang erklärte uns Majki, dass in dem Tauchsee Haipuppen installiert worden waren, und bei schlechterer Sicht kann man erschrecken, denn sie tauchen urplötzlich aus der Dunkelheit auf. Wir tauchten ein Weilchen, bis wir sie erreichten. Aus der Entfernung sahen sie richtig echt aus. Ich ließ mich absinken und begab mich auf Augenhöhe, um die Attrappen zu fotografieren, da schoss plötzlich Thorsten mit einem Messer bewaffnet an mir vorbei und schlug mir fast die Kamera aus der Hand. Mir war nicht klar, was ihn in diesem Moment gebissen hatte, der Hai konnte es nicht sein, Attrappen beißen ja nicht. Leider trug sein merkwürdiges Verhalten dazu bei, dass mir die Bilder verwackelten.

He, ich bin ein Held! Bisse von Plastikhaien können ganz schön gefährlich sein, weil… weil… darum eben! Zur Deiner gepflegten Information, ich habe Dich unter Einsatz meines eigenen Lebens und meiner Gesundheit gerettet! Ich habe die Haie in Schach gehalten, damit Du sie fotografieren konntest. Und weil Du dabei vor Aufregung so gezittert hast, deswegen sind die Bilder verwackelt!

Ich habe höchstens vor Wut gezittert weil die Bilder nichts geworden sind!

Dieser Tauchgang war jedenfalls eine ziemliche Abwechslung zum Schluchsee, nicht nur wegen der völlig anderen Unter-Wasser-Landschaft, auch wegen der Sichtweiten. Nachdem wir unsere erste Erkundungsrunde beendet hatten, durften wir die Stufen wieder nach oben steigen und uns an der Basis unserer Ausrüstung entledigen. Danach wurde der Tauchgang nachbesprochen. Wir legten eine Pause ein, während Majki sich um seinen AOWD-Schüler kümmerte.

Dann brachen wir zu einem „normalen“ Tauchgang auf. Die erste Überraschung brachten unsere beiden Tauchcomputer, die sich weigerten, von Nitrox auf Luft zurückgestellt zu werden. Wir mussten sie auf „Nitrox 21 %“ einstellen (21 % = normaler Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft), wie wir erfuhren, ist das Absicht. Dann erkundeten wir den See auf eigene Faust. Es gibt einige Installationen für Taucher, die Haie sind nur eine davon. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber es gibt diverse Figuren, in größerer Tiefe auch ein Fahrrad und ein Motorrad. Mal ganz davon abgesehen ist die Umgebung faszinierend, die steil abfallenden Wände, die gebrochenen Steine, die so daliegen, als hätte man die Arbeit an dem Steinbruch einfach eingestellt – und bei genauerer Betrachtung ist ja genau das passiert. Und natürlich jede Menge echte Fische, die sich wiederum als sehr geduldig für Taucher herausstellten.

Da ich nun endlich meinen Kompass hatte, fiel mir die ehrenhafte Aufgabe zu, die Führung zu übernehmen und zu navigieren. Auf der Basis unseres Nitrox-Tauchgangs hatte ich einen Bogenkurs (WAS? Das ist mir ja das Neueste!) berechnet und geplant, der uns ein Stück in den See hinein-, und dann wieder in Richtung der Basis zurückführen sollte. Punktgenau wie ich es berechnet hatte, landeten wir eine Bucht links neben dem Ein- und Ausstieg, ungefähr fünfzehn Meter von der Treppe weg.* Das war eine kleine Herausforderung, die ich in meine Kursberechnung mit aufgenommen hatte. Zurück zum Ausgangspunkt zu navigieren, das wäre ja einfach gewesen. Ich wollte es etwas schwieriger haben und hab es auch geschafft. Ja-ha, das hab ich wohl.

Tauschee Horka: Einstieg und Schwimmplattform vom Wasser aus gesehen
Tauschee Horka: Einstieg und Schwimmplattform vom Wasser aus gesehen

*So. Dann darf der werte Herr heute mal navigieren. Der Mann, der Bauchkrämpfe vor Lachen hatte, weil ich im Schluchsee Schwierigkeiten hatte. Der Mann, der keine Gelegenheit ausläßt, mich mit meinen Schwächen aufzuziehen. Na dann… ICH hab Navigationspause! ER hat ja jetzt einen eigenen Kompass. Und kann ja eh alles besser als ich!  Ich schwimme nur deinen Flossen hinterher! Jaja. Öhm… wo sind wir denn jetzt? Das hier kenn ich noch nicht! Aha, und jetzt kommt das Auftauchzeichen. Kenn ich. Hab ich auch immer so gemacht, wenn ich nicht mehr wusste, wo wir waren. Aber, aber… Herr Supernavigator, was machen wir denn hier in der Bucht NEBEN dem  Ausstieg! Sind wir vom Kurs abgekommen? Und das in einem so begrenzten Gewässer wie der Tauchsee Horka? Ach nein, oben schriebst du ja was von einem „Bogenkurs“. Punktgenaue Berechnung… ist klar.

Sabotage! Ich habe alles genau berechnet! Es muss sich um technisches Versagen handeln! Ja genau, das Eisen in der Treppe am Ein- und Ausstieg hat die Kompassnadel abgelenkt!

Bestimmt sogar. Aber es könnte auch ein Tauchkollege gewesen sein, der sich zufällig in deiner Nähe aufhielt und auch noch ein stark eisenhaltiges Mittagessen zu sich genommen hatte. Erbseneintopf zum Beispiel… Das Leben ist ja richtig gemein zu dir!

Ja. *Schluchz!

Am Abend war die Theorie dran. Sie erinnern sich, dass ich was davon schrieb, dass wir die Theorie schon vorher aufgesogen hatten? Wir bekamen einen Vortrag, rechneten Beispiele durch – und dann machten wir die Prüfung, die wir mit Bravour bestanden. Hat mich nur ein paar Nerven gekostet, aber mein Gott, jeder Mensch hat 760.000 Kilometer Nervenfasern in seinem Körper, was bedeuten da schon ein paar weniger? Aber sie war geschafft. Nun mussten wir die Theorie mit Praxis so weit wie möglich unterfüttern. Und dazu sollten die nächsten Tage dienen. Da man uns einen Tauchgang mehr als eigentlich für den Kurs vorgesehen war angedeihen lassen wollte, würde wir auch Notfallmanöver üben.

Kurzbericht des Notfallmanövers 1: Flat Flute Diver (männlich) in Panik (die größte Anzahl an Tauchunfällen erfolgt ÜBER Wasser, Lehrbuch „Rescue Diver“ Seite sowieso)

Am Abend diskutierten wir die Theorie. Ich habe gerne Prüfungen hinter mir, deshalb bestand ich drauf, die Prüfung sofort zu machen. Der Tag war lang gewesen und anstrengend, und leider war es auf der Basis auch laut. Das lenkte zugegebenermaßen ab, aber ICH, das Konzentrationsgenie, hatte damit keine Probleme. Im Gegensatz zu Thorsten. Von Minute zu Minute sah man seine Stirnadern anschwellen, weil er sich „verzettelt“ hatte. Leider hatte er den kritischen Punkt bereits überschritten, in dem er sich durch einen Moment Ruhe hätte wieder fangen können. Bei den Diskussionen hallte seine Stimme immer lauter von den Wänden wider, und inwischen sah ich sogar das Mobiliar in Gefahr. Zusammengeballte Fäuste, pochende Stirngefäße, wutverzerrtes Gesicht! GEFAHR! STOPPEN, DENKEN, HANDELN! / Lehrbuch PADI Rescue Diver Seite sowieso).  Da hilft nur eins: Bergen aus der Gefahrenzone, Unterbringung in einer Isozelle (Tür zu!) und Ablenkung. Beruhigende Stimme. Sanfte Worte. Bei Bedarf auch Psychopharmaka, bereits in der Fertigspritze aufgezogen in meiner Hosentasche. Mit Notfallsituationen kenn ich mich aus! Aber dank meiner psychologischen Fähigkeiten konnte ich die Situation ohne medikamentöse Hilfe in den Griff bekommen. Die Tür wurde wieder geöffnet und die Prüfung war bestanden!

Sie erwarten nicht allen Ernstes, dass ich dazu was sage? Nö. Tu ich nicht. Ich bin die Ruhe selbst…. grrrrrrrrrrrrrrrrr… *Zähneknirsch

Notfallmanöver 2: Flat Flute Diver (weiblich) NICHT in Panik (oder: vorbildliches Verhalten in einer kritischen Situation)(Lehrbuch: Rescue Diver für Flat Flute Diver, Seite sowieso)

Die Situation: Ein Mädchen geht nach erfolgreicher Prüfung in ihre Schlafunterkunft und wird mit einer Spinne konfrontiert. Gelassen klopft sie an die Türen der männlichen Mittaucher und bittet einen, die Spinne zu entfernen. Ach, Jonathan… mein Held! *schmacht

An dieser Stelle könnte ich mich lang und breit darüber echauffieren, dass „Madame Ungeduld“ es nicht abwarten konnte, bis ich das Problem gelöst hätte (6 Wochen später bei deiner „ausgeprägten Ruhe….“, bis dahin wäre die Spinne längst von selbst verstorben und ich hätte eine weitere Leiche in meinem Zimmer gehabt!) , sondern gleich Rotalarm auf der ganzen Basis ausgelöst hat. Ich tu’s aber nicht, denn ich bin die Ruhe selbst. Denn wissen Sie, wenn Madame dann beim Schreiben aus Versehen ein Bild aus einem Artikel unserer Webseite löscht (oder so), dann bin ich wieder der Held, der es richten darf. Ja, bin ich. Ich hab ja schließlich auch Narben (man beachte die Mehrzahl: Narben). (von Plastikhaien wohlgemerkt…)

Immerhin, so weit waren wir den Kurs mit Erfolg angegangen. Und zwei Tauchtage warteten noch auf uns. 🙂

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HORKA – Das Tauchparadies in Sachsen Teil 1

Die erste Tauchausfahrt unseres Taucherlebens…

Ja, so war es wirklich. Gerade war ich von Ägypten wiedergekommen, kaum zwei Tage zu Hause, und schon durfte ich wieder tauchen gehen. Doch dieses Mal war es etwas Besonderes, denn wir übernachteten auf einer Tauchbasis und durften das erste mal den „Lifestyle des Tauchens“ hautnah miterleben. Wir waren richtig gespannt.

Da wir eh vor hatten, den Nitrox-Kurs noch vor unserem Tauchurlaub im November zu machen, bot es sich an, ihn in Horka zu machen. Doch bevor es soweit war, galt es erst einmal einige andere kleineren Hindernisse zu nehmen.

Zuerst einmal – Horka liegt um die 700 km von uns entfernt. Das heißt, Koffer packen, Tauchausrüstung samt Flaschen, und natürlich Verpflegung, denn die Basis ist für Selbstversorger ausgerichtet.

Thorsten fährt einen Lupo, in den zwar erstaunlich viel hereingeht, aber indiskutabel für eine Fahrt mitsamt dem halben Hausrat ist. Ich fahre einen Audi, schon besser, aber dank des Stufenhecks brauchte ich auch nicht einmal im Traum dran zu denken, die Gegenstände alle unterzubringen. Höchstens mit offenem Dach. Und Thorsten hätte auch noch auf Koffern sitzen müssen. Thorsten? Äh… Thooorsten! Das mit dem offenen Dach war wohl doch keine so gute Idee…

Da war guter Rat teuer. Aber… wie es der Zufall so will, sprach mich mein Vater an. Er fährt noch einen uralten Passat Kombi. Und den wollte er wegtun, da er selber nicht mehr fahren kann. Wegtun? Ja, war er von allen guten Geistern verlassen? Das PERFEKTE Flat Flute Diver Auto wurde an diesem denkwürdigen Tag geboren!

Thorsten: Auf zum Flat Flute Diver Mobil! Nanana nanana – Flate Flute!

Und Leute, lacht nicht, selbst der Passat Kombi war genagelt voll. Alles nur wegen Thorsten. Ihr macht Euch kein Bild, was der alles mitgeschleppt hat. Mein Gepäck war dezent…aber Mr. „Ich-muß-immer-übertreiben“ hatte an (fast) alles gedacht. Und da heißt es immer, Frauen würden so viel Zeug mitschleppen – weit gefehlt! Meine Augen wurden umgekehrt proportional immer größer zum Platz im Kofferraum…

…so, jetzt mal schauen, Abendgarderobe für Galaempfänge, Taschenlampe, Ersatztaschenlampe, Taschenlampe als Ersatz, falls die Ersatztaschenlampe ausfällt, Neoprenreparaturset, Nähmaschine, Dampfbügelstation, Kuckucksuhr (des Heimatgefühls wegen; ich wohne zwar nicht im Schwarzwald, aber ist halt ein Stück Stüddeutschland), Notfallapotheke, Werkzeugkasten, um die Notfallapotheke aufzukriegen, 200 Liter Wasser, falls der See Niederigstand hat…

(du hattest ein Neoprenreparaturset dabei? Und ne Nähmaschine? Wieso sagst du nichts? Dabei hast DU doch festgestellt, dass an meinem Neopren ein Faden aufgegangen ist!)

(Dabei ja – aber leider kenn ich mich mit dem Zeugs nicht aus. Hätte ja sein können, dass uns ein Schneider über den Weg läuft.)

Aber immerhin. Innerhalb kurzer Zeit waren wir startklar (nachdem Herr Reimnitz selbstverständlich 15 Minuten zu spät kam…) und konnten abfahren. Über Ravensburg Richtung Ulm, weiter Richtung Hof, Dresden, so war die grobe Route vorgesehen. Glücklicherweise gibt es heutzutage Navigationssysteme.

Bij de rotonde links afslage… wie bitte?

(Wer bitte hat das Navigationssystem auf holländisch eingestellt??)

(Das war ich. Noch nie was vom „fliegenden Holländer“ gehört? Ich dachte, so kommen wir schneller ans Ziel.)

Die Fahrt verlief soweit störungsfrei. Thorsten entpuppte sich als schlechter Beifahrer, da er bei jeder Gelegenheit nervös zusammenzuckte, entweder mitbremste oder schon die Hand an der Tür zum Aussteigen hatte. Dummerweise vergaß er, den Sicherheitsgurt vorher zu lösen, so konnte er nicht abspringen. Hähä.

He, würden Sie einer Frau trauen, die mit einem völlig überladenen Auto durch die Gegend fährt? Und dass ich nicht abgesprungen bin, hat nur einen Grund: Weil Du die Kindersicherung in der Tür aktiviert hattest!

Überladen? Sag mal gehts noch? Was kann ich dafür wenn DU den halben Hausrat einpackst?? Ich hätte doch den Audi nehmen und das Dach offen lassen sollen…

Nachdem wir ungefähr dreiviertel der Strecke zurückgelegt hatten, erreichte uns ein haarsträubender Anruf von Majki. Stolz, pünktlich weggekommen zu sein, wähnten wir uns kilometerweise vor ihm, doch es stellte sich heraus, dass ER kilometerweise uns voraus war. Ich konnte mir das nicht erklären. Kann nur an der Zeitverzögerung wegen dem Beladen des Autos gelegen haben… tzzzz…

Frauen! „Männer sind doch alle gleich“, heißt es immer. Und wenn mal einer nicht gleich ist, ist es auch nicht recht. Ha! Dafür dafür benutz ich mein Hochleistungsmückenradar jetzt allein! So!

Kurz vor dem Ziel mussten wir leider nochmal tanken, denn mein Tank ließ uns netterweise 20 km vor Horka im Stich. Dadurch verzögerte sich unsere Ankunft nochmal, was Mr „Ungeduld-Majki“ veranlasste, sich noch einmal telefonisch zu erkundigen, ob wir noch leben würden. Ich schon… Thorsten auch, denn er hatte es ja nicht geschafft, aus dem fahrenden Auto zu springen (die Kindersicherung, Sie erinnern sich?). Aber ich will nicht schimpfen, er hat sich auch nützlich gemacht. Als ich getankt habe, reinigte er vorbildlich meine Scheiben. 😀

Reiner Selbstschutz! So viele Mücken und Fliegen und sonstige Insekten, die da von draufklebten… kein Wunder, dass Du die letzten paar Kilometer schon Schlangenlinien gefahren bist.

Endlich da!

Wir begrüßten uns erst einmal herzlich, dann lernten wir „Knoppers“ kennen, (zu dem Zeitpunkt hieß er noch Jonathan), der vor lauter Hunger schon fast vom Fleisch gefallen war. Nach einer kurzen Essenspause begannen wir mit dem gemütlichen Teil des Abends. Schwätzen, trinken, spielen. Und zwar Karten. Man nennt das Spiel auch „Arschloch“. Die Rollen waren bald klar verteilt. ICH war natürlich Dauerkönig, Thorsten und Majki abwechselnd Dauerarschloch (zensiert) die ewigen Verlierer. Der Abend war wirklich lustig, auch wenn wir unseren schweizer Eidgenossen erst mal kaum verstanden haben.

„WIR“? Ich höre immer „wir“… DU hast den Eidgenossen nicht verstanden! Ich bin familiär vorbelastet, was Schwyzerdüütsch betrifft, mir war jedes Wort so klar wie… Fischsuppe!

Moment mal! Du hast gesagt, du seiest ein Preuße? Und jetzt dann noch Schweizer? Ich glaub ich spinne! Was bist du denn für ein Mischling hä? Hast du ne Steuermarke am Halsband? 😀

Ich hab nicht gesagt, dass ICH Preuße bin, meine Familie kommt aus dem Eck. Aber das ist schon lang her. Und Schweizer eigentlich auch nicht – Grenzgebiet Deutschland-Schweiz, aber deutsche Seite. Und außerdem, wenn Du ein bisschen mehr Interesse für unsere südlichen Nachbarn zeigen würdest, hättest Du die Sprache auch lernen können. Nimm Dir ein Beispiel an mir! Ich bin nämlich in Rheinland-Pfalz geboren und hab ihn trotzdem verstanden! Bäh!

Tu ich doch! Hab ich doch! Hyvää päivää! Puhutko saksaa? 😀

🙂 Kyllä, mutta valitettavasti puhun vain vähän suomea. Wij spreken juist van het Zwitserse Duits!

Dann bezogen wir unsere „Zimmer“. Spartanisch eingerichtet, aber nett und sauber. Nachdem ich erst mal 17   Mücken totgeschlagen hatte, begab ich mich zur Nachtruhe. Wohlig kuschelte ich mich unter die Decke und wollte gerade den Lichtschalter ausmachen, da hörte ich ein dezentes Sägen in meinem Ohr. WER SCHNARCHT HIER? Das darf echt nicht wahr sein! Thorsten ist das nicht, das weiß ich von good old egypt her, das kann ja nur… EINER sein. MAJKI! Ich überlegte. Was tun? Wüste Handzeichen würden hier nicht weiterhelfen, aber ich wußte auch nicht, an welche Tür ich hämmern sollte. Das Schnarchen schwoll crescendomäßig an, dann wurde es wieder leiser. So kann ich nicht schlafen. *grummelgrummel. Ich versuchte es mit „Tauchflaschenzählen“. Nutzte nix. Zudem, welche Flasche springt schon über einen Zaun…dann kam mir die rettende Idee. Ich bezog die leere Bettdecke neben mir, zog sie hoch, so, dass sie über meinem Ohr lag. Das Sägen wurde augenblicklich leiser. Sehr gut. So schlief ich dann ein, gespannt auf den nächsten Tag und mit dem Vorsatz, Majki erst mal am nächsten Morgen ordentlich den Rost runter zu machen… 😉

Dann bezogen wir unsere „Zimmer“. Spartanisch eingerichtet, aber nett und sauber. Nachdem ich keine Mücken erledigen musste, begab ich mich sofort zur Nachtruhe. Wohlig kuschelte ich mich unter die Decke und löschte das Licht. Dann schlief ich ein, ich hatte einen tiefen, gesunden Schlaf. ÄTSCH!

WER will das wissen??? WO ist der Bus mit den Leuten, die das interessiert? Und zudem konntest du nicht sofort einschlafen, das ist gelogen. Du hast ja immerhin gedacht, dass du auf ner Baustelle mit Presslufthammer schläfst, weil ich dauernd gegen die Wand geschlagen hab (Mücken…). Seliger Schlaf… dass ich nicht lache…

Du gönnst einem aber auch gar nichts. Ich möchte wetten, Du hattest gar keine Mücken im Zimmer, Du hast einfach so an die Wand gehauen, weil Du mir den ruhigen Schlaf nicht gegönnt hast. Deswegen ist auch bei jedem Rumpler ein Stück Putz von der Wand gefallen. Na, die nächsten Tage können ja lustig werden.

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Erfahrungen: Noch mehr Freiwassertauchgänge

Unser erster Tauchgang „ohne Aufpasser“ hatte uns (mal wieder) eins vor Augen geführt: Aller Anfang ist schwer. Immerhin hatten wir schon gesehen, dass wir als Team zumindest in so weit gut zusammen arbeiteten, dass wir uns in grenzwertigen Situationen an das hielten, was abgemacht war und kein Risiko eingingen, wo es nicht zu verantworten war.

Für den zweiten Tauchgang hatten wir uns dann eine andere Route ausgesucht. Nachdem wir beim ersten unser Ziel glorreich verfehlt hatten, wollten wir eine Stufe zurückgehen: Wir wollten einmal quer durch die Bucht bei Seebrugg navigieren. Respektive, das Navigieren sollte Annettes Aufgabe werden. Ich hatte ja noch keinen Kompass. Die Rolle des Chefnavigators übernahm sie mit großer Ernsthaftigkeit und bei diesem Tauchgang lieferte sie gleich zwei Punktlandungen: einmal quer durch die Bucht zur anderen Seite und wieder zurück zum Einstieg! Genau wie geplant.  Meine Bewunderung hatte sie damit – und meinen Neid. Ich wollte auch so toll navigieren*. Nun, dass ich keinen Kompass hatte, habe ich schon erwähnt, und den von Annette konnte ich nicht nehmen, da sie eine Konsole hat, wo Finimeter, Tauchcomputer und Kompass fest zusammengebaut sind. Ich wollte mir eigentlich dann ein Angebot für eine solche Konsole machen lassen, aber – um hier mal vorzugreifen – daraus wurde nichts.

*Annette: ich erröte gleich vor Scham! Und das kommt selten bei mir vor! Das kann ja nur ironisch gemeint sein. Ich trau dir nicht…aber war auch nicht nötig. Vor lauter Neid wolltest du mir ja erschwerte Bedingungen verschaffen und hast einfach das Licht ausgeknipst. (Flat Flute Adventure Dive No 1: Navigieren in der Dunkelheit!) Sie erinnern sich an die Bilder vom Schluchsee? Thema Nachttauchgang am Tag? Dann können Sie sich vorstellen, dass Kompasslesen ohne Licht nicht so einfach ist. Ich habe die Situation auf  meine Art gelöst. Eine schallende Ohrfeige später leuchtete die Funzel wieder 😀

HE, normalerweise haut man das Gerät, das nicht mehr funktioniert, und nicht den, der es trägt! So weit ist es gekommen, ich bin der Funzelträger für Madame und darf mich auch noch schlagen lassen. Nicht genug damit, dass die Lampe selber einiges Gewicht hatte. Mein armes Handgelenk!

Eine Woche später war unser nächster Tauchtag, und wieder musste Annette den Chefnavigator machen. Das Wetter war diesmal wesentlich schlechter und wir erfanden spontan den „Flat Flute Diver Adventure Dive No. 2: Tauchen im Regen“. Ich vermute mal, dass sich Annette nach dem Erfolg der Woche zuvor keine Blöße geben wollte und war noch konzentrierter, als wir wieder quer durch die Bucht tauchten. Nun ist es so: Auf der Strecke quer durch die Bucht liegt die Übungsplattform der örtlichen Tauchschule. Diese tauchte plötzlich vor uns auf. Ich sah sie rechtzeitig und wich aus, doch Annette war so auf den Kompass konzentriert, dass es zu folgender Situation kam, die auf Video festgehalten ist:

So. Dieses Mal genau nach der Nadel schwimmen…ich werde sie keine Sekunde aus den Augen lassen, damit sie keine Chance hat, sich heimlich in einem schwachen Moment zu verstellen um mich in die Irre zu führen…

In letzter Sekunde konnte ich Annette warnen, bevor sie mit dem Kopf genau an die Stahlumrandung der Plattform gerumpelt wäre.

Wäre ein kurzer Tauchgang geworden. Das jedenfalls steht fest. Hätte sicher eine nette Platzwunde gegeben. Quatratisch in Form des Metallträgers. „Wo hast du die Platzwunde her?“ – „Vom Tauchen!“ – „Ja klaaaaar….“ . Eigentlich müsste ich dir dankbar sein. Aber mir kommt so spontan eine Frage: Mußt du eigentlich jeden Scheiß filmen? Seltsamerweise bekomme ich immer die Patzer nachher auf Video vorgeführt, ich glaube, das besprechen wir nochmal unter 4 Augen Freundchen…

Fürher gab’s mal so Fernsehsendungen, die haben Geld für solche Szenen gezahlt… „Pleiten, Pech und Pannen“ und so… man kann ja nie wissen, wenn die wieder Konjunktur haben, dann werde ich reich… äh… ich meine, WIR werden reich.

Davon abgesehen war es aber wieder eine Punktlandung (logisch!). Im strömenden Regen tauchten wir auf der anderen Seite der Bucht auf. Wir besprachen den Weg, dann visierte Annette den Ausstieg an und wir machten uns auf den Rückweg. Auf dem Weg kamen wir an einem Fisch vorbei, der sich an einem Torfballen versteckt hatte und machten einen Halt für Fotos.

Ein geduldiger Schluchsee-Fisch

Dabei fiel mir etwas unangenehm auf: So richtig konnte ich die Position nicht halten. Den Fisch störte es zum Glück nicht, aber ich hatte nun definitiv das Gefühl, mit der eigenen Flasche viel zu schwer zu sein.

„Fischus Geduldicus“. So war die genaue, lateinische Bezeichnung. Diese spezielle Sorte eignet sich definitiv nicht für Seebebenwarnungen, denn sie sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Noch nicht mal durch dich!

Tarieren in Perfektion sah anders aus. Und dann noch die schwere Lampe dazu, die ich für Madame tragen durfte. Doch angespornt von dem Erfolg des „Quer-durch-die-Bucht-Tauchens“ versuchten wir beim Wiederholungstauchgang nun noch einmal das versunkene Boot zu finden. Um es kurz zu machen – nein, wir haben es wieder nicht gefunden.

Aber die Galerie! Die haben wir gefunden. Auf der Basis fragte man taktvollerweise schon gar nicht mehr nach, ob wir „DAS BOOT“ gefunden hätten. „DAS BOOT“ kann mich langsam mal am…

…am Seegrund liegen bleiben, wolltest Du wohl sagen, oder? Nun, unsere weiteren Pläne standen zu dem Zeitpunkt schon ziemlich fest: Als nächstes kam der „Enriched Air Diver“ dran, da wir vorhatten, beim nächsten Aufenthalt in Ägypten, eine ziemliche Anzahl von Tauchgängen zu machen und wollten die Stickstoffbelastung etwas reduzieren. Unser Tauchlehrer hatte uns schon beim Pooltauchgang vom OWD zu einer Tauchtour in einen Ort mit Namen „Horka“ eingeladen. Im Rahmen dieser Tour würden wir nun den neuen Kurs machen. Für unseren Ägypten-Urlaub stand der „Advanced Open Water Diver“ fest.

Red doch nicht so geschwollen daher! Von wegen, „wir wollten die Stickstoffbelastung in Grenzen halten….*flöt!“. Du warst doch nur scharf auf ein Kärtchen von PADI! Damit du, wenn du nach deinem Brevet gefragt wirst, gleich mal ne Palette Karten rausholen kannst…“Welches möchten Sie denn sehen…?“

Na und? In Amerika brauchst Du ja schließlich auch mehr als eine Kreditkarte, und… he, Moment, was red ich denn da? Natürlich lag mir nur Deine Gesundheit am Herzen. Ich rette Dich vor Kopfplatzwunden, bin ein Licht in der Dunkelheit und sorge mich um Deine Stickstoffbelastung – und wie dankst Du mir das? GAR NICHT! So, bäh!

Außerdem ist das mit den Kärtchen ganz nett, je mehr Gold im Logbuch ist, desto…

Ich bin gerührt, dass Du Dich so sehr um mich sorgst… mmmhhhhhppppffwuahaha….  Nein ehrlich… buahah… STOP jetzt. Ich werde ausnahmsweise mal einen Pluspunkt für dich in mein „schwarzes Buch“ notieren…

ÄHM! Zurück zu den wichtigen Dingen: Den nächsten Tauchgang machten wir wieder mit meinem Kollegen, um uns der als OWD erlaubten Tiefe von 18 Metern etwas mehr zu nähern. Danach gingen wir getrennt auf Tauchgang – Annette verbrachte mit einer Freundin einen Kurzurlaub in Ägypten und nutzte diesen für einen Ausflug.

Ja! Ich bin dir entkommen! Und es war trotzdem schön. So! Mein Buddy beim ersten Tauchgang hieß Kamel, und der Buddy beim zweiten Tauchgang stellte sich an wie ein Kamel! Wie du siehst, hab ich dich gar nicht vermisst! 🙂

Ach so?? Pah, ich hab Dich noch mehr nicht vermisst als Du mich, ich ging nämlich wieder an den Schluchsee und machte diesmal einen Tauchgang mit Babsi, Majkis Frau. Das ehrgeizige Ziel war, diesmal endlich das versunkene Boot zu finden. Okay… es war Babsis Ziel, ich hatte ja noch immer keinen Kompass (Himmelherrgottnochmal! Zensiert!). Aber was soll ich sagen? Wir fanden die Galerie – und das Boot!

War ja klar! Aber „DAS BOOT“ ist ja lächerlich gegen „DAS BOOT„, was ICH in Ägypten betaucht habe….*angeb 😀

Wie sie sich aufplustert… zu Deiner gefälligen Information, „DAS BOOT“ hab ich auch schon mal betaucht, wie Du Dich vielleicht erinnerst. Aber nur vielleicht.

Vielleicht erinnerst DU dich, dass ich zu dem Zeitpunkt andere Sorgen hatte als darauf zu achten, ob du bei dem BOOT dabei warst oder nicht…

Das berühmte "Schluchsee-Boot".

(Das Foto ist leider nicht sehr gut geworden.) (Wen wunderts? Du bist Hobbyjournalist nicht Fotograf.)

Auf dem Rückweg kamen wir wieder an der Galerie vorbei, tauchten ein Stück weiter und… kamen wieder an der Galerie vorbei… hä? Wann bitte sind wir denn die Schleife geschwommen? Visuelle Navigation kann man hier wirklich vergessen. Na ja, macht nichts, dank meiner großen Flasche reichte mir die Luft und schließlich kamen wir auch beim Ausstieg wieder an – nach einem Tauchgang von 61 Minuten. Ich hatte bei diesem Tauchgang das Trimmblei weg gelassen und lag wesentlich besser im Wasser. Aber noch nicht so ganz gut.

Ich würde mal spontan sagen, dass du die Situation wieder mal typisch männlich völlig missverstanden hast. Babsi hat sich nicht vernavigiert. Sie war lediglich dein ewiges Gejammer leid. „Ich find noch nicht mal die Galerie…“ Daraufhin ist sie in einer Endlosschleife um die Galerie getaucht. „Da ist sie, siehste, DA!“

Das hast Du jetzt typisch weiblich völlig missverstanden. Ich hab ja nichts von „vernavigiert“ gesagt. Ich war nur überrascht, weil mir meine Orientierung wohl auch einen Streich gespielt hatte. Doch damit sollte nun Schluss sein! Denn es stand Horka an. In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt zu einer ehemaligen Taucherin gefunden, die Teile ihrer Ausrüstung verkaufte – darunter eine Schreibtafel und – ein Kompass! Na endlich!

DU hast einen Kompass…wenn’s hilft…da bin ich ja mal gespannt… 😉

Ja-ha, das hab ich wohl! Muss ich navigieren – soll ich?

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Freiwassertauchgang Open Water Diver Pressluftflaschen See

Der erste Freiwassertauchgang zu zweit

Die Geschichte zweier Neulinge auf Exkursion

Einmal ist der große Tag gekommen. Als Scubadiver waren wir es gewohnt, nicht ohne Guide tauchen zu gehen. Jetzt waren wir Open Water Diver – und somit offiziell berechtigt, ohne Tauchlehrer oder Guide auf die Unterwasserwelt losgelassen zu werden.

Da wir die letzte Zeit fast ausschliesslich am Schluchsee getaucht hatten, beschlossen wir, unsere ersten gemeinsamen Erfahrungen auch dort zu sammeln. Im vorderen Bereich des Sees waren wir mehrfach gewesen und trauten uns das auch zu. Und so fassten wir das kommende Wochenende nach dem OWD-Abschluss auch gleich ins Auge.

Zuvor jedoch – ganz nach der lieben Gewohnheit, stattete dieses Mal Thorsten alleine einem Tauchgeschäft in Singen einen Besuch ab. Denn was ein richtiger Taucher ist – der braucht auch seine eigene Flasche. Eigentlich hätte ich gerne eine 10l-Flasche gehabt, und Thorsten eine 12l-Flasche, der Besitzer des Ladens riet ihm aber zu einer 15l-Flasche und mir zu einer 12l-Flasche. Nun gut. Einen Tag vor unserem großen Abenteuer holte Thorsten die Flaschen ab.

Thorsten: Preislich machte das nicht so viel aus und irgendwie musste ich ja dem Effekt entgegenwirken, ständig wesentlich weniger am Ende des Tauchgangs in der Flasche zu haben. Der Verkäufer berichtete mir von ähnlichen Erfahrungen mit seiner Freundin, die nach ihm mit dem Tauchen angefangen hatte, zunächst mehr Luft brauchte als er, ihn mittlerweile aber gnadenlos überholt hat. Da haben Männer den Frauen eindeutig einen Nachteil.

Auf dem Weg zum Schluchsee am nächsten Tag kamen uns aber dann Bedenken. Ob das wirklich so eine gute Idee war, völlig alleine gleich loszuziehen? Zwar wußten wir, dass wir uns unter Wasser aufeinander verlassen konnten, aber trotzdem ein komisches Gefühl. Wir ließen es auf uns zukommen. Die letztendliche Entscheidung wollten wir vor Ort treffen.

Kaum angekommen wurden wir freundlich wie zwei alte Bekannte begrüßt. Und wir fingen an, uns zu richten. Da kam Michael vorbei, und bot uns an, mit uns tauchen zu gehen. Mittlerweile waren wir uns aber einig geworden, dass wir es doch alleine versuchen wollten. Einmal hin – und wieder zurück, ganz nach der Vorlage von Bilbo Beutlin aus „Herr der Ringe“. Doch ganz so einfach war das freilich nicht.

Uns war natürlich klar, dass wir nicht mit dem Schlachtruf „Hurra, wir dürfen!“ ins Wasser hüpfen und als erstes gleich mal auf die nach unserem Brevet erlaubte Höchsttiefe von 18 Meter gehen. Andererseits wollten wir aber auch Erfahrung sammeln, wie wir uns verhalten ohne „Aufpasser“. Der eingeschränkte Tauchgang in Gebiet, das wir schon kannten, schien uns da genau richtig.

Zuerst einmal waren wir ziemlich erschrocken, als wir unsere Flaschen „schulterten“. Die waren nämlich ungewöhnlich schwer. Und zwar gleich so schwer, dass der arme Thorsten schon außer Atem geriet, bis er überhaupt im Wasser war. Was nicht zuletzt an der zusätzlichen Ausrüstung lag, die wir mitschleppen mussten. Kamera, Lampe… und so weiter.

Ich hatte das Gefühl, wenn ich noch was an mein Jacket hänge, fall ich um. Nicht weil ich kollabiert wäre, sondern einfach, weil mich das Gewicht zu Boden gezogen hätte. Und was das betrifft, da kommen wir gleich noch dazu.

Ja, sah nett aus. Die Ähnlichkeit mit Gollum aus „Herr der Ringe“ war unübersehbar… 😀

Zzzz… mein Schatzzzzzzz… aber das passt wenigstens zu Bilbo Beutlin.

Gerade wollten wir losziehen, da riet man uns, doch entlang des Ufers zur Galerie und dem Boot zu tauchen. Dort waren wir einmal gewesen, beim ersten Tauchgang. Es durchkreuzte zwar unsere Pläne, aber wir stimmten zu. Wir meldeten uns ab und zogen los.

Draußen erwartete uns die nächste Überraschung. Bisher kannten wir den Schluchsee immer nur von der Schlecht-Wetter-Seite her, doch an diesem Tag war strahlender Sonnenschein. Dementsprechend war eine Menge auf der Wasseroberfläche los, Schwimmer, Surfer, Tretboote, irgendwo fuhr auch noch eine Fähre herum… erschwerte Bedingungen also, denn das machte es uns fast unmöglich, mal eben so einfach aufzutauchen.

Wir besprachen die Route, ich peilte den Ausstieg an, und los gings. Das Abtauchen klappte gut, wir sollten mit der rechten Schulter zur Böschung zeigend einfach geradeaus tauchen. An sich nicht schwer. Leider jedoch stieß ich bei jedem Flossenschlag mit den Flossen an die Steinmauer, so zeigte ich Thorsten an, er solle ein Stückchen weiter links schwimmen. Und schon… dank der hervorragenden Sicht, hatten wir die Böschung aus den Augen verloren. Wir tauchten ein Weilchen geradeaus, jedoch war nirgendwo die Galerie, geschweige denn das Boot zu sehen. Nach 15 Minuten gab ich Thorsten das Zeichen zum Auftauchen, denn ich war mir nicht mehr sicher, wo genau wir eigentlich hingeraten waren.

Das nennt sich auch „Aufzugtauchen“. Rauf…

Es stellt sich heraus, dass wir zwar in die richtige Richtung getaucht waren, uns aber zu weit vom Ufer entfernt hatten. Anfängerpech. Da ich mich in der Richtung nicht besonders wohl fühlte, schlug ich vor, wieder zum Ausstieg zurückzutauchen und doch unseren ursprünglichen Plan – hin, und wieder zurück – umzusetzen. Ich tauchte ab und schwamm nach meinem Kompass.

…runter…

Keine 10 Minuten später musste ich mit Entsetzen feststellen, dass wir über eine Bodenwelle tauchten und plötzlich war unter mir alles schwarz. Sogar die Schwebeteichen fehlten. Der Schreck durchfuhr meine Knochen. Hier waren wir aber mal ganz sicher falsch. Die Schwärze unter mir zeigte mir an, dass es hier verdammt tief sein musste. Ich dachte kurz nach und entschied mich dann, sofort aufzutauchen. Eine etwas unangenehme Situation, denn ich wußte ja nicht, wo wir waren. Die Fähre kam mir in den Sinn. Wenn wir stark vom Kurs abgewichen waren, dann könnten wir in ihren Kurs kommen.

…und wieder rauf… (ach, halt doch jetzt mal die…. 🙂 )

Es kam noch was hinzu: wir kamen selbst immer tiefer. Nun waren wir zwar mit Tiefen um die 12 Meter schon vertraut, aber das wurde auch mir zu unheimlich. Wenn Sie die Beschreibung vom Schluchsee aufmerksam gelesen haben, werden Sie über die Passage gestolpert sein, dass jeder Tauchgang ab 12 Meter Tiefe unabhängig von der Tageszeit wie ein Nachttauchgang ist. Und wir waren gerade dabei, diese Grenze zu durchstoßen. Zwar hatte ich eine Lampe, aber wir beide hatten keine Erfahrung mit solchen Tauchgängen. Als Annette andeutete, dass wir auftauchen sollten, widersprach ich nicht. Keine Experimente! So tauchten wir extrem vorsichtig der Oberfläche entgegen. Das ganze wurde auch auf Video festgehalten und stellte sich so dar:

Wir tauchten auf. Und tatsächlich. Wir waren schon ziemlich weit in der Seemitte angekommen. Was war denn nur mit dem verflixten Kompass los? Der wechselte seine Richtung aber auch wie ein Fähnchen im Wind. Thorsten verkniff sich taktvollerweise einen Kommentar, vermutlich merkte er, dass es mir langsam peinlich war, so einen Mist zusammen zu navigieren. Andererseits…. wer keinen Kompass hat, der darf ja gar nix sagen, also schweige an dieser Stelle! Oder hattest du etwa heimlich etwas magnetisches in deiner Tasche, um mich zu verarschen, hä?

Ich hatte an dem Morgen ein stark eisenhaltiges Frühstück aus Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, daran wird es wohl gelegen haben. Ich war höchstgradig anziehend an dem Tag. 🙂

Wir versuchten es ein drittes Mal. Wir tauchten ab, und … oh Wunder, wir trafen punktgenau den Ausstieg. Der Kompass hatte anscheinend ein Einsehen mit mir. Oder Thorsten hatte den Magneten verloren.

…und wieder runter…

Nein, die Hülsenfrüchte hatten ihre Wirkung getan und der magnetische Effekt verabschiedete sich in einer Flatulenz. Oder hast Du wirklich geglaubt, mein Jacket hat an DER Stelle ein Ablassventil?

W-wie? Was? WAAAAS?? Jetzt versteh ich endlich, warum die Fische in unserer Nähe alle bäuchlings nach oben getrieben sind… Sag mal, geht’s eigentlich noch? Reiß dich doch bitte ein BISSCHEN zusammen… oder gehört das zur Ausbildung des „Unterwassernaturalisten“ dazu? „Homöopathischer Aufstieg“ mit biologisch abbaubaren Gasen?

„Wenn sie schwer im Magen liegen, steh ich auf und lass einen fliegen…“, das wusste schon Otto zu berichten. Und dass man manchmal den Notablass betätigen muss, haben wir schon in der ersten Stunde im Pool gelernt.

Wo issn der Bändel zum Ziehen für den speziellen Ablass? Kenn ich noch gar nich…. 🙂

Also, das geht jetzt etwas zu… äh… das diskutieren wir privat weiter! Sagen wir, so gegen 8 Uhr am Abend, bei einem Candlelight-Dinner? 😉 Ich koch auch… vielleicht was mit Erbsen*…

*Nur unter der Bedingung, dass du dann auch die komplette Tauchausrüstung trägst… und ich ne kräftige Erkältung mit Beeinträchtigung des Geruchsinns hab…

Am Ausstieg trafen wir dann zwei liebe Bekannte, den Majki mit der Babsi! Babsi hatte mich offenbar schon an den Flossen erkannt. Wir hielten ein nettes Schwätzchen, dann stiegen wir aus. Um mehrere Erfahrungen reicher. Erstens: Mein Kompass kann mich nicht leiden, oder aber ich kann einfach nicht navigieren und zweitens: Unsere Flaschen sind einfach zu schwer für uns. Nicht unbedingt wegen der Schlepperei an Land, nein, wir durften auf diesem „technisch anspruchsvollen“ Tauchgang auch noch feststellen, dass wir fast Schneisen in den Grund schlugen. Wir konnten kaum tarieren und mussten Unmengen von Luft in unsere Jackets lassen, um überhaupt tauchen zu können. Aber, es dauerte noch einige Zeit, bis wir dahinter kamen, wo das Problem lag… und wie wir Abhilfe geschafft haben.

Ich hätte noch ein paar von den Hülsenfrüchten mitnehmen sollen, wir hätten sie in unsere Schneisen einsäen können. Unterwasserfarming hat Zukunft. Wir sind unserer Zeit einfach voraus… Mich persönlich beschlich so ein Verdacht mit dem Gewicht der Ausrüstung. Mir tat schon das Handgelenk weh vom Lampe halten.

Ich werde das nächste Mal auf dein zusätzliches Ablassventil achten! Die Hülsenfrüchte machen mir langam Sorgen? Bist du etwa ein Erbsenfetischist?

So würde ich das nun auch wieder nicht bezeichnen. Ich mag sie nur am liebsten roh, direkt aus der Schote. Hat es nicht im Lehrbuch geheißen, Taucher sollen auf gesunde Ernährung achten? Du weißt doch, ich befolge solche Sachen immer brav und lerne stets fleißig.

Wieder in der Basis wurden wir schon fast für tot erklärt, weil wir selbstverständlich vergaßen, uns wieder anzumelden. Nachdem wir uns schriftlich wieder angemeldet hatten und somit wieder den Lebensberechtigungsschein besaßen wurden wir von allen Seiten gefragt, wie unser erster Tauchgang so alleine denn war. Leider wußte aber auch jeder, dass wir eigentlich die Galerie hätten besuchen sollen, und so drucksten wir herum, um schließlich zuzugeben, dass wir offenbar zu blöd waren, sie zu finden. In der Tat waren einige erstaunt, dass wir noch nicht mal die Galerie gefunden hatten, denn die sei doch quasi nicht zu verfehlen! Ach Leute, wenn ihr wüßtet was man alles so verfehlen kann… nicht findet, verschweigt… aber dazu dann das nächste Mal!

Äh… äh… wir haben uns gar nicht verirrt, selbstverständlich war das alles Absicht. Ich weiß zwar nicht, was wir in der Seemitte wollten, aber es hatte bestimmt einen guten Grund, fallera! Na ja, okay, hilft ja nichts, es abzustreiten, aller Anfang ist schwer. Und ich war in der glücklichen Lage, die Ausrede zu haben, dass ich ja die Rolle des Navigators nicht übernehmen kann, weil ich keinen Kompass habe. Insofern war das für mich alles voll locker und easy! Fallera!

Du wirst wohl auch kaum mehr die Gelegenheit haben, zu navigieren, jetzt wo ich von deinem zusätzlichen Ablassventil weiß. Dazu müsste ich nämlich etwas hinter dir schwimmen…vergiss es! Da bekommt doch der PADI-Kurs „Bubblemaker“ gleich einen neuen Sinn!
Pah, das wirst Du schon noch sehen! Auf jeden Fall wussten wir eins: Jetzt NICHT aufgeben.