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Die Abenteuer der Flat Flute Divers: Was bisher geschah…

Bevor die neue Staffel mit neuen Abenteuern der Flat Flute Divers beginnt, wollen wir kurz zusammenfassen, was bisher geschah:

Am Anfang entstand das Universum. Das wurde allenthalben kritisiert und als ein Schritt in die völlig falsche Richtung bezeichnet. Dann entstanden die Sonne und die Erde. auf der sich bald schon die Dinosaurier tummelten, bevor sie ausstarben. Und dann wurde es so richtig interessant…

Annette und Thorsten, zwei Humanoide äffischer Abstammung, wurden geboren. Doch es dauerte noch knapp 20 Jahre, bevor sie sich zum ersten Mal begegneten, und weitere knappe sieben Jahre, bevor sie bemerkten, dass sie eine Leidenschaft verbindet: das Wasser. Und von da an dauerte es nur noch zehn Jahre, bis sie es endlich auf die Reihe brachten, genau dieser Leidenschaft zu frönen, indem sie zusammen schwimmen gingen. Nun mag der geneigte Leser der Meinung sein, dass Geschwindigkeit nicht eine Stärke der beiden ist, doch was sie in diesen Jahren an Zeit verloren haben, holten sie danach um so schneller auf.

Die Schwimmtour wurde ausgedehnt auf einen Badeurlaub in El Gouna in Ägypten. Die Gründe für die Auswahl dieses Reiseziels sind vielfältig und würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen, was den Gebräuchen eines Rückblicks krass widerspräche. Ebendort am Roten Meer kamen die beiden in Kontakt mit einer Tauchbasis. Sie lernten das Tauchen in der Ausbildungsstufe Scuba Diver. Doch ihr damaliger Tauchlehrer orakelte, dass das bald nicht mehr reichen wird. Dass sie bald schon eine eigene Ausrüstung anschaffen würden. Und dass sie überrascht wären, wie viele tauchende Menschen es in ihrem Freundeskreis gäbe.

Annette und Thorsten hingegen orakelten, dass der Tauchlehrer offenbar einmal zu viel Stickstoff bei einem Tauchgang abbekommen hatte. Die Ausbildung weitermachen – warum? Eine eigene Tauchausrüstung – wozu? Und Freunde, die auch tauchen – wer soll das sein?

Bald danach jedoch begannen sich einem Fluch gleich die Prophezeiungen des Tauchlehrers zu erfüllen. Sie schafften sich ihre eigene Ausrüstung an. Sie fanden immer mehr Freunde, die auch Spaß am Tauchen hatten. Und letztlich war es einem anderen Tauchlehrer zu verdanken, dass sie mit dem Tauchen in deutschen Gewässern anfingen, so dass sie schließlich weitermachten: Open Water Diver, Enriched Air Diver, Advanced Open Water Diver, Peak Performance Buyoancy, Dry Suit und schließlich der Rescue Diver.  Damit gab es nur noch den Master Scuba Diver als höchste Ausbildungsstufe. Es sei denn…

…ja, es sei denn, man würde den Schritt in die Professionalität wagen. Divemaster werden. Ermuntert vom Leiter der Tauchschule, bei der die beiden seit dem OWD ihre Tauchkarriere verfolgten, beschlossen sie, den Schritt zu machen. Noch dazu, da dessen Tauchschule gerade dabei war, sich um die Tauchbasis am Schluchsee zu erweitern.

Als wir unsere Helden das letzte Mal verließen, waren sie gerade dabei, sich auf eine weitere Tour an den Tauchsee Horka vorzubereiten. Diesmal allerdings, um einen OWD- und einen AOWD-Kurs als Praktikum zu verfolgen. Auf dem Weg zum Divemaster. Hier geht die Geschichte weiter…

Oh, vor lauter vergaß ich, mich vorzustellen: Ich bin Theo, Theo der Flötenfisch. Und über meine Klugheit werden Sie bald noch mehr erfahren. Und damit Start frei für die neue Staffel der Flat Flute Divers: GO PRO!

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AOWD Blei Divemaster Neopren Open Water Diver Rescue Diver Scuba Diver Tauchcomputer Trocki

Blogparade: „Macht das Web zu einem schlaueren Ort!“

Die Schreiber vom Blog „Karriebibel“ haben eine Blogparade für den November ins Leben gerufen: „Macht das Web zu einem schlaueren Ort!“ Die Idee ist folgende: Wenn man als Betreiber eines Blog die Zugriffsstatistiken aufruft, kann man dort unter anderem einsehen, mit welchen Suchphrasen die Besucher auf die eigene Seite kamen, also was der Leser bei Google, Yahoo oder anderen eingegeben hat, um die Seite zu finden. Viele Menschen geben dabei Fragen ein, auf die sie Antworten suchen. Die Idee von „Karrierebibel“ ist nun, dass man sich diese Fragen aus der Statistik vornimmt und versucht, sie in einem Blogbeitrag zu beantworten.

Das versuche ich heute mal. Es sind leider nicht sehr viele konkrete Fragen bei den „Flat Flute Divers“, aber doch einiges, das einer Antwort bedarf. Und es ist auch interessant zu sehen, mit welchen Suchwünschen die Leute bei uns landen. Solche Dinge wie „mit Neopren gefesselt“ hinterlassen eher bei mir eine Frage. Aber beginnen wir mit dem Frage-und-Antwort-Spiel:

Wieviel Blei beim Tauchen?

So. Schon die erste Frage ist eine, auf die es keine konkrete Antwort gibt. Oder man könnte es mit Radio Eriwan halten: „Im Prinzip ja…“ Welche Bleimenge man beim Tauchen braucht, hängt davon ab, wo man taucht (Süß- oder Salzwasser), welche Ausrüstung man hat (Trockentauchanzug, Halbtrocken oder Nass, und bei den beiden letzteren, wie dick sie sind; beim ersteren, welcher Unterzieher verwendet wird) und wie schwer man selbst ist. Außerdem muss man berücksichtigen, wie groß die Pressluftflasche ist, mit der man taucht, und ob sie aus Stahl oder Aluminium ist. Wenn man Veränderungen an der eigenen Ausrüstung vorgenommen hat oder zum ersten Mal taucht, wird einem der Tipp gegeben, mit etwa 5 bis 10 Prozent des eigenen Körpergewichts in Blei zu beginnen und bei einer Bleikontrolle vor dem Abtauchen zu überprüfen, ob das passt, zu viel oder zu wenig ist. Bei der Bleikontrolle lässt der Taucher an der Oberfläche alle Luft aus dem Jacket (und dem Trockentauchanzug, falls er einen trägt) und hält einen normalen Atemzug an. Der Taucher müsste bei korrekter Bleimenge so im Wasser treiben, dass die Augen auf Höhe der Wasseroberfläche sind. Schaut er über die Wasseroberfläche, ist es zu wenig Blei, wenn er mit den Augen darunter oder den Kopf ganz unter Wasser hat, ist es zu viel.

Wie ist die Hintergrundgeschichte vom Tauchsportcenter Divers in Aufkirchen?

Genau genommen heißt es „Diver’s Indoor Tauchsportzentrum“. Die Hintergrundgeschichte klingt ein bisschen skurril: Es handelt sich dabei um eine ehemalige Sauerkrautfabrik. In den Becken, in denen heute Taucher tauchen, wurde früher Weißkohl zu Sauerkraut verarbeitet. Davon merkt man aber nichts mehr. Mehr über das „Diver’s“ und das dazu gehörige Hotel Mercure kann man hier nachlesen.

Wie taucht man mit Schwimmflossen?

Sehr gut, möchte ich sagen. Aber ich glaube, darum geht die Frage nicht. Wahrscheinlich ging es dem Frager um die richtige Technik. Also, der erste Punkt ist, den Flossenschlag langsam durchzuführen. Da die Flossenblätter natürlich einen erhöhten Widerstand im Wasser haben, ermüdet man sehr schnell, wenn man die Beine zu schnell bewegt. Auf welche Art man die Flossen bewegt, muss man ausprobieren – was einem besser liegt. Man kann entweder die Beine auf und ab bewegen (dabei ist wichtig zu beachten, dass die Bewegung aus den Hüftgelenken kommt, und nicht aus den Knien – hier gelt das Hebelgesetz: je länger der Hebel, desto größer die Kraft) oder wie beim Brustschwimmen mit den Beinen einen „Froschschlag“ (englisch „frog kick“) ausführen (hier ist zu beachten, dass man beim Tauchen die Arme nicht bewegt, mit Flossen reicht die Beinbewegung, um einen vorwärts zu bringen).

Wie ist die Geschichte der Tarierweste beim Tauchen?

Die ersten Tarierwesten für Taucher kamen in den 1960er Jahren auf und waren eigentlich nicht mehr als eine modifizierte Rettungsweste. Das heißt, es handelte sich um einen Luftschlauch, der um den Hals gelegt wurde. Wegen ihrer Form wurden sie auch „Klodeckel“ genannt und man benutzte sie nur an der Oberfläche. Sie hatten einen Schlauch, über den der Taucher die Weste mit dem Mund aufblasen musste. Die erste Weiterentwicklung kam noch in den 1960er Jahren mit der von Maurice Fenzy entwickelten „Fenzy Tarierweste“, die einen größeren Schlauch hatte, über den Luft nicht nur eingelassen, sondern auch einfach wieder abgelassen werden konnte. Damit konnte sie auch unter Wasser verwendet werden. In Deutschland erhielt sie deswegen auch den Namen „RTW“, „Rettungs- und Tarierweste“. Das AT-Pack in den frühen 1970er Jahren kombinierte nun erstmals Auftriebsmittel und Flaschenhalterung in einem (bisher waren diese getrennt). Das „Jacket Design“, das grundlage aller nachfolgenden Modelle wurde, wurde jedoch von Scubapro mit dem „Stabilizing Jacket“ eingeführt. Die Luftblase wurde bei den neuen Designs nicht vorne, sondern in den Rückenteil eingebaut, was die Lage im Wasser stabilisierte. 1984 führte die Firma seaQuest das erste ADV-Jacket vor, kurz darauf kommt Dive Rite mit dem ersten Wing-Jacket auf den Markt. Beide Jacketformen bleiben bis in die Jetztzeit maßgeblich, das Wing-Jacket hauptsächlich bei Tec-Tauchern. 1990 führte wiederum seaQuest eine weitere Neuerung ein: das Blei wurde nicht mehr an einem Gürtel getragen, sondern in separate Taschen im Jacket selbst gegeben, die man im Notfall mit Hilfe eines Schnellverschlusses abwerfen konnte. Die letzte große Neuerung waren die so genannten „Hybrid-Jackets“, eine Mischung aus Wing und ADV.

Wie bekomme ich die Mindestoberflächenpause beim Tauchen raus?

Zwei Möglichkeiten: Entweder man hat eine Tabelle oder einen elektronischen RDP. Ich kann hier leider nur für die Modell von PADI sprechen, mit den anderen bin ich nicht vertraut. Bei der Tabelle geht das folgendermaßen: Man muss Tiefe und Zeit des vergangenen Tauchgangs wissen, und welche Tiefe und Grundzeit man bei dem nächsten Tauchgang machen möchte. Auf der Vorderseite der Tabelle bestimmt man vom vergangenen Tauchgang die Wiederholungsgruppe, indem man in der Spalte mit der Tiefe bis zur entsprechenden Grundzeit herunterfährt (wenn die Tiefe und/oder Zeit nicht exakt dasteht, wird immer die nächsthöhere Tiefe und/oder Zeit genommen). Dann dreht man die Tabelle um. Hier geht man auf die geplante Tiefe des nächsten Tauchgangs und fährt die Spalte entlang, bis man die geplante Grundzeit findet (in der Spalte als „Restnullzeit“ blau unterlegt). Auch hier kann man einen Buchstaben der Wiederholungsgruppe bestimmen. Dann geht man wieder auf die Vorderseite der Tabelle. Im rechten Teil stehen die verschiedenen Oberflächenpausen. In der horizontalen Spalte legt man nun den Buchstaben der Wiederholungsgruppe des gemachten Tauchgangs an, in der vertikalen Spalte (unten an der Tabelle) den Buchstaben der Wiederholungsgruppe des geplanten Tauchgangs. Und in dem Feld, wo sich beide Spalten kreuzen, steht die Mindestoberflächenpause.
Mit den elektronischen RDP ist das ganze etwas einfacher: Einschalten, mit „Mode“ auf „Surface Interval“ gehen, dann die Daten vom vergangenen und vom geplanten Tauchgang eingeben – voilà, die Mindestoberflächenpause wird als „MIN SI“ ausgegeben.

Ist Hurghada von der Ölpest betroffen?

Nein, nicht mehr. Nach Angaben der HEPCA war das Hauptverbreitungsgebiet der Ölpest 2010 im Roten Meer El Gouna und nördliche Teile Hurghadas, aber mittlerweile sind wohl alle Folgen beseitigt.

Einengung durch Tarierweste?

Kommt vor. ADV- und Hybrid-Jackets haben eine Luftblase, die bis in die Seiten des Jackets geht. Wenn man sie aufbläst, können sie den Taucher einengen. Bei einem Wing-Jacket befindet sich die Luftblase komplett auf dem Rücken und kann den Taucher nicht einengen.

Taucher flutet seinen Trockenanzug unter Wasser?

Das kommt vor und kann zwei Gründe haben: Entweder hat der Anzug einen Defekt und es dringt Wasser ein, ohne dass der Taucher das beabsichtigt, oder ein Ventil hat einen Defekt, so dass die Luft aus dem Anzug nicht mehr abgelassen werden kann. In letzterem Fall muss der Taucher, um ein unkontolliertes Aufsteigen zu verhindern, die Luft durch die Manschette an seinem Hals entweichen lassen. Dabei dringt natürlich Wasser ein.

Wie ist die Wassertemperatur vom Aquafun am Schluchsee?

Gute Frage – hab ich auch nirgends gefunden.

Halsmanschette zu eng – was passiert?

Wenn die Halsmanschette eines Trockentauchanzugs (oder auch einer Neopren-Kopfhaube) zu eng ist, wird der Hals des Taucher komprimiert. Entweder wird dabei der Druck auf den Kehlkopf so stark, dass der Taucher keine Luft mehr bekommt (wie bei einer Strangulation) oder der Druck geht auf die Halsschlagadern. In den Halsschlagadern sitzen Rezeptoren, die den Druck von außen als gestiegenen Blutdruck missinterpretieren und als Gegenmaßnahme den Blutdruck senken. Durch den abfallenden Blutdruck kann es zu einer Bewusstlosigkeit kommen.

Gibt es einen Sketch über das Tauchen?

Ja – hier zum Beispiel. 🙂

Das waren die Fragen, soweit ich sie aus der Webseiten-Statistik entnehmen konnte. Vielleicht komme ich mal wieder auf das Thema zurück, wenn sich genügend neue Fragen angesammelt haben. Die Idee finde ich nicht schlecht.

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AOWD Divemaster Open Water Diver Rescue Diver Scuba Diver

Was in der Zwischenzeit und davor geschah…

Wir hatten also den Rescue Diver abgeschlossen. Und hier muss ich ein Geständnis machen: Aus purer Absicht haben wir bei den bisherigen Artikeln kleine Details ausgelassen. Meine Motivation dabei war – Dramatik. Ausgelassen haben wir beispielsweise eine Bemerkung beim OWD-Kurs über unsere Tauchfertigkeiten und was wir damit noch erreichen können würden, oder Majkis Antwort auf die eMail, dass wir den AOWD-Kurs abgeschlossen hatten, die lautete, dass wir uns doch bitte beeilen mögen mit unserer weiteren Ausbildung (sinngemäß wiedergegeben).

Annette: Gehe ich Recht in der Annahme, dass Du diese Kommentare auch weiter verheimlichen willst?

Ich möchte sie zurückstellen, um Spannung zu erzeugen und die Leser neugierig zu machen. Ansonsten interessiert sich doch keiner für das, was wir schreiben.

Natürlich hatten wir uns immer die Frage gestellt, wie weit wir mit dem Tauchen gehen würden. Am Anfang wollten wir ja gar nicht mehr haben als den Scuba Diver, irgendwann – als wir doch weitergemacht hatten – stand mal der Rescue Diver als Fernziel am Horizont. Dann die Überlegung, „vielleicht irgendwann mal“ auch noch den Divemaster zu machen. Annette sah das dabei mehr als eine Art Herausforderung an, der sie sich stellen wollte. Ich sah zunächst keinen Sinn dahinter, Divemaster zu werden, wenn man dann nicht auch etwas in der Richtung machen wollte. Die Divemaster bei PADI assistieren bei der Ausbildung von Tauchschülern, führen Tauchtouren und ähnliches. Wollten wir sowas wirklich machen?

Mich trieb bei der frühen Entscheidung, den Divemaster zu machen, etwas anderes an. Wenn ich eins hasse, dann ist es, wenn man etwas erlernt, was stufenweise aufgebaut ist und man immer zu hören bzw zu lesen bekommt: Das lernst du dann später. Nehmen wir doch einmal das praktische Beispiel zur Hand: Ich kann mein Leben lang Scuba Diver bleiben oder OWD, aber schon bei meinen ersten Tauchgängen könnte ich auf einen leblosen Taucher ober- oder unterhalb des Wassers treffen. Was soll ich nun tun? Dem Taucher zuflüstern: „Sorry, aber ich bin nur OWD, wie ich dich rette lerne ich erst im nächsten Kurs.“???

Außerdem war ich der Meinung, je tiefer ich in die Materie eindringe, desto sicherer könnte ich werden. Natürlich ist Tauchen vorwiegend praktisch, aber viel Input kann nicht schaden. Denken wir nur mal an die Selbstrettungstechniken. Konfrontation mit unangenehmen Situationen. Einfach das Verstehen war mir wichtig.

Dann geschah etwas, das zumindest ich so nicht sehr häufig erfahren hatte: Wir wurden gefördert und ermuntert.  Uns wurde nahegelegt, nicht aufzuhören und nach dem Rescue Diver keine zu lange Pause zu machen. Würden wir den Divemaster – den ersten Schritt zum „Professional“ – machen, müssten wir auf vieles vom Rescue Diver zurückgreifen. Es war also besser, „drin“ zu bleiben. Der Divemaster würde allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen, da man hier bei verschiedenen (auch Anfänger-)Kursen mit dabei sein muss, insgesamt 8 schriftliche Prüfungen absolvieren und verschiedene Skills demonstrieren musste. Und fast wie von selbst stand auf einmal im Raum, doch auch noch einen Schritt weiter zu gehen – zum Tauchlehrer. Der Plan sah dann vor, einen Sommer mit viel Tauchen und Kursen zu verbringen, und dabei den Divemaster zu machen. Aber wenn Sie sich durch unsere ganze Geschichte bisher durchgewühlt haben, werden Sie schon wissen: Pläne sind bei uns eine grobe Richtungsangabe, die regelmäßig umgeworfen werden.

Annette: 🙂

Dann allerdings gab es einen kleinen Tiefschlag. Noch bevor wir für den Rescue Diver nach Horka fuhren, wurde uns erzählt, dass der bisherige Betreiber der Tauchbasis am Schluchsee diese aufgeben würde. Zwar würde Majkis Tauchschule die Lehrräume behalten, aber so einfach tauchen wie bisher, das wäre nicht mehr möglich gewesen. Außerdem hatte es uns auf der Basis gefallen. Dass das nicht mehr so sein würde, erschien uns irgendwie… irreal.

Das war in der Tat ein Tiefschlag. Zwar waren wir noch nicht lange auf der Basis zu Hause, aber wir hatten uns schon irgendwie dran gewöhnt. Die Leute waren nett, und es war immer schön, zwischen zwei Tauchgängen mal hinsitzen zu können um abzutrocknen und zu quatschen. In dem Fall hätten wir zwar tauchen können, aber unsere Sachen hätten wir im Auto lassen müssen und zum Aufhängen wäre auch keine Alternative da gewesen.

Doch nach der Tour nach Horka für den Rescue Diver, als wir zum ersten Mal bei einem Kurs bei den Pool-Lektionen dabei waren, hatte sich das wieder geändert: Majkis Tauchschule würde die Basis in Zukunft betreiben. Damit würde sie im Sommer wieder geöffnet sein. Dem Divemaster stand damit nichts mehr im Weg. Nach einigen Poolmodulen war eine weitere Tour nach Horka geplant, wo die Freiwasserlektionen von zwei Kursen stattfinden sollten. Und wir waren mit dabei. Auf dem Weg zum Divemaster! Wer hätte das gedacht?

Ja, wer hätte das gedacht. Und wer hätte auch gedacht, dass in Horka eine weitere, äußerst wichtige Entscheidung getroffen wurde? Hups, hab ich zu viel verraten?

Jetzt werden es unsere Leser vor Spannung kaum noch aushalten! Wohlan denn, auf ins nächste Kapitel unserer gar schröcklichen Abenteuer!

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AOWD Urlaub

Ägypten 2009 und der AOWD – Abschluss

Anfang Dezember 2009 kamen wir aus Ägypten zurück, gerade rechtzeitig, um in die erste strenge Kältephase dieses Winters zu geraten und den Weg vom Flughafen zurück durch einen Schneesturm zu machen. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass dieser Schneesturm nur der Anfang von etwas sein sollte, das uns noch ein bisschen Kopfzerbrechen machen würde.

Erstmal galt für uns: Der „Advanced Open Water Diver“ war abgeschlossen. Und wir hatten ein paar wichtige Erfahrungen gemacht und natürlich ein paar schöne Erinnerungen mitgenommen. Bevor die Geschichte weitergeht, deswegen an dieser Stelle ein kurzer Videofilm mit einigen Eindrücken aus dem Roten Meer. Viel Vergnügen!

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AOWD Freiwassertauchgang Meer

Umm Gamar – Ägypten – Rotes Meer – und der Tauchgang mit Hindernissen

Umm Gamar ist eine kleine Insel in der Nähe von Hurghada, leicht zu erkennen, denn auf ihr steht ein kleiner Leuchtturm. Es handelt sich um ein langestrecktes Riff, welches an der Ostseite in einen Steilhang übergeht. Die Tauchboote ankern in der Regel südlich, denn dort ist ein kleines Plateau und man kann dann über eine Art Riffrücken zu der Steilwand gelangen. Dort geht es bis zu 60 m tief hinab. Diese Steilwand ist wunderschön, unzählige Fische sieht man hier sowie kleinere und größere Höhlen, in denen Muränen leben. Hans Hass hat hier auch schon Filme gedreht.

Wir wurden in den Tauchplatz eingewiesen. Als ich hörte, dass es sich um eine Steilwand handelt, war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mit Thorsten das alleine angereifen wollte. Wir waren zwar bis dorthin schon mehrfach alleine im Roten Meer unterwegs gewesen, aber ein Steilhang bereitete mir Sorgen. So ganz ohne was unter sich…

Aber Thorsten wischte meine Bedenken weg. Er war sich sicher, dass wir das auch ohne Guide schaffen würden. Also ließ ich mich überzeugen aber wir machten aus, besonders vorsichtig zu sein und der Tauchgang sollte nicht tiefer als 20 m sein.

Der Leuchtturm von Umm Gammar
Der Leuchtturm von Umm Gammar

Also tauchten wir ab. Unter dem Boot war das besagte Plateau bis eine Tiefe von 18 m. Hier passierte es zum ersten Mal, dass ich beim Abstieg ansatzweise eine Art Vertigo verspürte. Obwohl Füße voran und nichts besonderes anlag, wurde mir schwindelig. Ich drehte mich in „Tauchposition“ und tauchte nicht im freien Fall ab. Damit war auch der Vertigo verschwunden.

Wir näherten uns dem Riffrücken, mit Korallen bewachsen. In der „Ferne“ konnten wir bereits den Beginn des Steilhangs erkennen. Ich war plötzlich aufgeregt. Bereits aus der Entfernung konnte man den Fischreichtum erkennen. Das könnte ja richtig spannend werden. Einziger Pferdefuß war, dass an dem Tag einige Tauchboote zu Besuch bei Umm Gamar waren, und es wimmelte nur so vor Tauchern. Ständig wurde man überholt oder Taucher bummelten vor einem her, es war gar nicht so leicht, bei seinem eigenen Buddy zu bleiben.

Der "Dropoff" bei Umm Gammar
Der "Dropoff" bei Umm Gammar

Am Steilhang wurde es noch schlimmer. Da selbstverständlich auch noch alle dicht an der Wand blieben, gab es schon mal Gedränge. Im Kuddelmuddel entdeckte ich unseren Guide und ich nahm mir vor, ihn immer im Auge zu behalten. Das gab mir ein etwas beruhigenderes Gefühl.

Thorsten: Hmja, ganz schön schön hier. Aber… was ist denn das? Äh, Annette, da ist etwas, das Du wissen solltest. *auf die Schulter tipp

Gerade hatte ich mich an den Rummel gewöhnt und ich genoß den Anblick der Steilwand, da klopfte mir Thorsten auf die Schulter. Ich drehte mich zu ihm. Er zeigte auf seinen Tauchcomputer, ohne ihn mir direkt zu zeigen. Mir war nicht ganz klar, was er wollte, aber er zeigte immer vehementer drauf.

Sind wir heute etwas schwer von Begriff? Was mag das wohl bedeuten, wenn ich auf das Ding deute?

(kann das sein, dass du mich nicht so ganz ernst nimmst?)

Also warf ich selber mal einen Blick auf meinen Computer und traute meinen Augen nicht. Wir waren auf 23,5 m.

Sie hat’s gemerkt!

Hatten wir nicht ausgemacht, dass der Tauchgang nicht tiefer als 20 m gehen sollte?

Hatten wir, aber Du weißt ja, Theorie und Praxis…

Es wäre mir auch bewußt nicht aufgefallen, dass wir abgesunken wären, aber genau das war es auch, wovor ich mich an der Steilwand fürchtete. Das unbemerkte Absinken. Und da wir auch noch Nitrox dabei hatten, war unser Tiefenlimit eh geringer als mit Pressluft.

Ich gab Thorsten zu verstehen, dass ich kapiert hatte, was er meinte (Gott sei Dank!) und hielt von jetzt an meinen eigenen Computer im Auge. Noch weiter wollte ich nicht absinken. Zwar hatte sich hier noch keine „Kurzatmigkeit“ eingestellt, aber die 23 m sollten für den Anfang doch ausreichen.

Umm Gammar

Wir tauchten weiter. Inzwischen war unser Guide schon nicht mehr zu sehen, so dass ich mich grob an den anderen vor uns orientierte. Wir bogen um eine Art „Kurve“ am Steilhang und der Riffrücken war nun aus der Sichtweite.

Ups – was ist das denn? Oh nein… äh, Annette, wenn ich nochmal ganz kurz stören darf… *auf die Schulter tipp

In dem Moment klopfte mir Thorsten wieder auf die Schulter. Ich erschrak. Schon wieder abgesunken? Ich warf schnell einen Blick auf meinen Computer. Nein. Wir waren auf 21 m. Ich sah ihn an. Er schwebte neben mir und deutete auf seinen Regulator im Mund. Was war das heute? Ich zeig dir meine Ausrüstung? Ich verstand nicht, was er wollte. Offenbar atmete er doch, aber… mir fiel ehrlich gesagt nicht auf, was er meinte.

Ja, ich atme noch, was für ein Glück! Aber schau doch mal genauer hin! Was ist falsch an diesem Bild, hä?

Ich nickte höflich und wollter gerade weitertauchen, da hielt er mich zurück und deutete wieder auf seinen Regulator. Schön! Ich hab auch einen! Ich zuckte die Schultern um ihm zu sagen, dass ich nicht verstand, aber er machte keine Anstalten weiter zu tauchen. Also löste ich meinen Oktopus und reichte ihm den mal für alle Fälle (ich wußte wirklich nicht, was er will) aber er schüttelte den Kopf.

Jetzt komme ich mir langsam vor, wie in einem Sketch von Loriot: (und ich hege doch langsam den Verdacht, dass du mich nicht ernst nimmst!!!)

Annette: Möchtest Du meinen Oktopus haben?

Thorsten: Nein, ich möchte Deinen Oktopus nicht haben.

Annette: Aber eben wolltest Du doch noch?

Thorsten: Nein, ich wollte nicht, Du wolltest, dass ich Deinen Oktopus nehme!

Annette: Ich? Mir ist doch völlig egal, woher Du Deine Luft kriegst!

Thorsten: Ich habe aber eigene Luft, das ist nicht das Problem!

Annette: Will der Herr sich vielleicht bedienen lassen?

Okay, Annette, dann schau doch einfach mal her…

Dann hob er die andere Hand… und darin war etwas schwarzes, aus Plastik…

Ich traute meinen Augen nicht. Thorsten hielt den Blasenabweiser seines Regulators in der Hand.

Hurra, jetzt hat sie’s! Und jetzt alle zusammen: „Freude schöner Götterfunken…

Beim genauen Hinsehen verstand ich auch sein Problem. Die ganze Plastikverkleidung des Regulators war weg, und so stiegen die Blasen natürlich direkt vor seiner Brille auf und er konnte nicht mehr gut sehen. Ich sah die Membran des Regulators und fing mir an, wirklich Sorgen zu machen. Wie war denn das jetzt bitte passiert?

Ein paar Tage zuvor, beim Tauchgang in der Passage hatte ich einen Tritt ins Gesicht bekommen, bei dem es den Blasenabweiser verdreht hatte. Ich hatte ihn damals wieder in Position gedreht, aber offenbar hatte er sich in den vergangenen Tagen immer mehr gelöst. Jetzt, ausgerechnet bei diesem Tauchgang, hatte ich gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Ich tastete meinen Regulator ab – und auf einmal hielt ich den Blasenabweiser in der Hand.

(Geschieht dir nach den obigen Frechheiten völlig recht, so!)

Thorsten wechstelte auf seinen Oktopus. Dann hatte der Kerl doch die Nerven und versuchte in inzwischen 24 m Tiefe seinen Hauptregulator zu reparieren.

Wie heißt es so schön? „Hast Du unter Wasser ein Problem, versuch, es unter Wasser in den Griff zu kriegen.“ Äh, hast Du mir mal ’n Schraubenzieher und einen 17er-Ringgabelschlüssel? Ein Hammer tut’s zu Not auch.

Das ging mir dann doch zu weit. Erstens klappte es nicht auf Anhieb, dann stellte ich fest, dass wir in dieser kurzen „Pause“ schon wieder 3 m abgesunken waren. Ich deutete ihm an, dass wir jetzt erst mal langsam höher gehen sollten. Das taten wir auch. Als wir die 20 m Marke gut unterschritten hatten, versuchte Thorsten erneut, das Plastikgehäuse wieder auf den Regulator zu kriegen. Es klappte nicht.

Hagel und Granaten! @#$§!

So leid es uns tat, aber damit war der Tauchgang am Steilhang für uns nach wenigen Metern schon zu Ende. Es war mir einfach zu gefährlich. Wenn Thorsten schon seinen Oktopus verwenden musste, dann hätte er keinen Ersatz mehr. Ich war mir nicht im Klaren darüber, was das bedeutet, wenn die Plastikverkleidung des Hauptregulators weg ist. Wäre das nur lästig, wenn dann die Blasen direkt vor einem aufsteigen oder könnte das auch gefährlich werden? An dem Steilhang herrschte buntes Treiben, und wenn wir uns noch verlieren würden, was jederzeit hätte passieren können, dann hätte er für den Rückweg noch nicht mal einen Ersatz.

Umm Gammar

Also drehten wir um und tauchten zurück über den Riffrücken in den Plateaubereich. Wir blieben in der Nähe des Bootes für den Fall, dass doch noch etwas schief laufen würde. Auch wenn wir den Steilhang nicht weiter verfolgen konnten, so haben wir im Plateaubereich auch viel gesehen und Spaß gehabt. Wir bleiben da lieber auf der sicheren Seite.

Es war ja eigentlich auch nicht geplant, so tief runter zu gehen. Aber da zudem noch ziemlicher Wellengang war, war die Entscheidung sicher besser. Wir konnten sehen, wie die Boote an den Seilen zerrten, die an diesem Riff an versenkten Betonblöcken hingen.

Oben auf dem Boot konnte dann ein holländischer Tauchlehrer den Regulator reparieren, so dass wir beim nächsten Tauchgang wieder bedenkenlos ins Wasser hüpfen konnten.

Ja, und der nächste Tauchgang war schon der letzte für diesen Urlaub. Bei der Revision, zu der wir unsere Regulatoren im Anschluss an den Urlaub brachten, wurde mein Blasenabweiser übrigens nicht beanstandet, der Tauchlehrer hat also gute Arbeit geleistet.

Wir haben in diesem Urlaub wirklich ein paar interessante und aufregende Erfahrungen gemacht und sind in manchen Dingen (hoffentlich) klüger geworden. Nach der Rückkehr nach Deutschland sollte nun fast nahtlos die nächste Ausbildung folgen – der „Rescue Diver“.


Tauchgebiete auf einer größeren Karte anzeigen

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Gota Abu Kalawa – Ägypten – Rotes Meer und die Navigation im offenen Wasser

Gota Abu Kalawa gehört zu einer Riffgruppe, die allgemein „Abu Kalawa“ heißt. Es gibt eine größere Riffformation, an denen es die Ankerplätze „Ras Abu Kalawa“, „Shaab Abu Galawa“ und „Marsa Abu Kalawa“ gibt. Westlich dieser Formation liegt ein einzelnes Korallenriff, das „Gota Abu Kalawa“ genannt wird.

Bisher waren unsere Tauchgänge im Roten Meer stets so gewesen, dass wir irgendetwas zur Orientierung hatten, ein Riff oder eine Riffkante, an der man entlang tauchen konnte (einzige Ausnahme bildete der Drifttauchgang, doch hier brauchte man keine Orientierung, da uns das Schiff hinterher wieder abholte). Bei Gota Abu Kalawa allerdings bot das Riff an der Stelle, an der wir ankerten, selbst nicht so viel Sehenswürdigkeiten. Man machte die Taucher daher aufmerksam auf zwei größe Korallenblöcke, die sich ein Stück vom Ankerplatz weg im offenen Wasser befanden. Diese Korallenblöcke befanden sich sozusagen „im freien Feld“, sie ragten nicht aus dem Wasser und es gab in ihrer Nähe keine Struktur, der man hätte folgen können. Einer der Instructors meinte, es sei ganz einfach, man müsse nur vom Boot aus „geradeaus“ schwimmen, und dann von den Blöcken aus genauso „geradeaus“ wieder zurück. Das hinterließ bei mir ein mulmiges Gefühl, denn die Blöcke waren weiter weg vom Boot, als das Rote Meer an Sichtweite hergab, selbst bei weitester Sicht. Man würde sie also beim Boot nicht sehen, und genausowenig würde man das Boot von den Blöcken aus sehen. Insofern war „geradeaus“ eine ziemlich relative Angabe, ohne Punkt, den man ansteuern und an dem man sich orientieren konnte. Ich beschloss, mich darauf nicht zu verlassen, nahm meinen Kompass zur Hand und peilte die Blöcke von der Plattform des Bootes aus an.

Gotta Abu Kalawa: Einer der Blöcke, umschwärmt von unzähligen Fischen
Gotta Abu Kalawa: Einer der Blöcke, umschwärmt von unzähligen Fischen

Wir tauchten in die Richtung, in der die Blöcke lagen und tatsächlich stießen wir genau drauf. Die Blöcke liegen direkt am Anfang eines Korallengartens, man könnte von dort aus auch noch weiter tauchen und einen Korallengarten erkunden, hatte man uns auf dem Boot gesagt. Uns jedoch reichten die Blöcke, die schon einen großen Fisch- und Korallenreichtum aufwiesen. Außerdem wollten wir es nicht riskieren, uns im völlig offenen Wasser, das hinter den Blöcken immer tiefer wurde, total zu verfransen. Also tauchten wir mehrmals um die beiden Blöcke und sahen uns alles genau an, bevor wir beschlossen, den Rückweg anzutreten.

Arabischer Kaiserfisch
Arabischer Kaiserfisch

Ich nahm also erneut meinen Kompass zur Hand und stellte den Umkehrkurs ein. Und dem versuchte ich zu folgen. Das war nicht ganz einfach, denn wir hatten eine leichte Strömung. Ich musste meine Strecke mehrfach korrigieren, da ich immer wieder von der Linie abwich. Gleichzeitig achtete ich darauf, Annette nicht abzuhängen. Noch dazu war die Sicht relativ schlecht. Bald schon verschwanden die Blöcke hinter uns in einem Nebel und es gab nichts, an dem man sich hätte orientieren können. Ich wurde ein wenig unruhig. Irgendwann war ich der Meinung, dass wir eigentlich schon am Ziel sein müssten, aber das Boot war nicht zu sehen. Wir schwammen weiter – und hatten auf einmal die Riffwand vor uns.

Gotta Abu Kalawa: Koralle
Gotta Abu Kalawa: Koralle

Das konnte doch nicht wahr sein! Ich war dem Kurs doch so gut gefolgt, wie es ging, das @#$!-Boot musste doch da irgendwo sein! Aber es war nichts zu sehen. Damit hatten wir ein Problem. Zwar hätten wir nur der Riffwand folgen müssen, um schließlich irgendwann zum Boot zu kommen, aber in welche Richtung? Wenn ich uns am Boot vorbei navigiert hatte, konnte dies rechts oder links von uns liegen. Ich nahm den Kompass nochmal her. Die Peillinie stimmte doch, also wo lag der Fehler? Annette wollte schon auftauchen und sich an der Oberfläche einen Überblick verschaffen. Ich blickte nach oben und endlich entdeckte ich ein Seil, das am Riff befestigt war. Die Tauchboote machten an solchen Seilen fest, damit sie nicht Anker werfen mussten. Ich folgte dem Seil mit den Augen. Es ging genau in unsere Richtung an der Wasseroberfläche, dann verlor es sich aufgrund der schlechten Sicht. Ich sah angestrengt nach oben…

…und auf einmal konnte ich senkrecht über uns schemenhaft den Bug der ABYDOS 2 ausmachen. Wir waren genau darunter!! Offenbar hatte der Weg, den ich getaucht war, uns in einem leichten Bogen an das Boot herangeführt, so dass wir nicht an dessen Heck herausgekommen waren (wo wir das Seil mit der Notfall-Pressluftflasche hätten sehen müssen), sondern weiter vorne. Und die Sicht war so schlecht, dass man aus unserer momentanen Tiefe von etwa 5 m das Boot nicht ohne weiteres erkennen konnte. Ich machte Handzeichen zu Annette, dass sich das Boot direkt über uns befand, aber sie verstand mich zunächst nicht. Oder sie wollte es nicht glauben. Um sie zu überzeugen, deutete ich ihr an, dass sie mir folgen sollte und schwamm in Richtung des Hecks. Und tatsächlich, da waren plötzlich die Seile zu sehen, die dort befestigt waren. Nachdem wir nun wussten, dass wir richtig waren, erkundeten wir noch das Riff und bekamen unter anderem eine weiße Baby-Muräne zu sehen.

Ein Shrimp, der vor seiner Höhle sitzt
Ein Shrimp, der vor seiner Höhle sitzt

Annette: Die Schwierigkeit der Navigation lag darin: Ansonsten hat man immer das Riff als Orientierung gehabt, entweder Riff Schulter rechts auf dem Hinweg und links auf dem Rückweg oder umgekehrt. Dieses Mal tauchten wir allerdings über „freies Land“. Alles sah gleich aus. Und die Strömung war nicht zu unterschätzen. Hinzu kam die schlechte Sicht. Da ich selber schon schlechte Erfahrungen mit Kurs und Umkehrkurs gemacht hatte war ich mir nicht mehr sicher. Wir hätten zumindest die Bootsleinen oder den Anker sehen müssen. Auf die Idee, dass wir einen Bogen schwimmen, bin ich nicht gekommen. Und plötzlich war so eine Art „Kante“ zu sehen, danach war es deutlich tiefer. Die Stelle kannte ich nicht. Deshalb schwammen wir zur Riffwand.

Thorsten deutete zwar nach oben, aber das einzige, was ich sah, war ein Stück abgerissenes Tau, was auf der Wasseroberfläche am Riff trieb. Sah aus wie ein Stück Leine, von dem sich ein Boot mal losgerissen hat. Die lange Leine neben dran sah ich nicht. Ich war wirklich nervös, denn ich wollte nicht unbedingt im offenen Meer verloren gehen. Gut, wir haben ne Boje, aber das muss nun wirklich nicht sein.

Thorsten aber blieb vehement bei der Ansicht, dass er richtig war. Er deutete nach oben und mir fuhr der Schreck in die Knochen. Direkt über uns war ja das Boot! Man konnte die Umrisse sehen. Und dabei waren wir noch nicht mal tief, maximal 7 Meter würde ich sagen. Die Dekoflasche baumelte fast über dem Grund. Das war ja der Hammer! Aber die Sicht war wirklich schlecht. Ziemlich diesig.

Weiße Baby-Muräne
Weiße Baby-Muräne

Zurück an Bord sahen wir uns die Strecke zu den Blöcken nochmal an. Man konnte sie von der Oberfläche aus erkennen und nichts deutete darauf hin, dass die Sicht unter Wasser so schlecht war. Eines jedoch hatte ich beim Navigieren festgestellt: Mein Kompass hatte ein Armband, mit dem man ihn am Handgelenk befestigte. Da man ihn zum Navigieren vor dem Gesicht in einer bewegungslosen Position halten musste, musste ich mit angewinkelten linken Arm schwimmen, was auf die Dauer unangenehm war. Daran wollte ich etwas ändern – gleich nach der Rückkehr von Ägypten.

Memm doch jetzt wegen dem Arm nicht so rum! Dieser Arm war wahrscheinlich unsere Rettung. Der Nachteil der Konsole ist, dass man sie ständig grade halten muss. Und wenn man nicht ständig drauf achtet, könnte ja vielleicht da mein Kursproblem herrühren.

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Dolphin House – Ägypten – Rotes Meer und der Tauchgang ohne Guide

Dolphin House ist ein Riff mit mehreren Abschnitten im nördlichen Roten Meer und wird gerne zum Tauchen aber auch Schnorcheln angefahren, da hier die Wahrscheinlichkeit, Delfine zu sehen, am höchsten ist. Unser Tauchplatz am Dolphin House bestand aus einem langen Riff und einem einzeln stehenden riesigen Block. Dadurch entsteht sozusagen eine Art Kanal, durch den man hindurchtaucht um den Block zu umrunden. Die maximale Tiefe hier ist bei etwa 18 m.

Wir ankerten kurz vor dem Kanal und stiegen ab. Für Thorsten und mich war es Premiere, denn wir wurden hier zum ersten Mal an einem uns fremden Tauchplatz ausgesetzt und waren, was die Navigation anging, auf uns selber gestellt.  Ziemlich aufregend für uns.

Wir tauchten ab. Unter uns war nur weißer Meeresboden, auf dem zur Orientierung ein großes Herz aus Steinen gelegt war. Somit findet man sein Boot auch wieder wenn es im Roten Meer mal trübe ist.

Wir folgten der Tauchgruppe in Richtung Kanal. Da wir aber noch einige Fotos schossen, verloren wir die Gruppe schon bald. Zuerst ist der Kanal sehr breit, dann kommt man an eine riesige Tischkoralle, und sobald man diese überschwommen hat befindet man sich im eigentlichen „Kanal“. Hier herrschte eine deutliche Strömung, und wir kamen nur langsam voran. Wir versuchten, uns so dicht wie möglich am Grund und am Riff zu halten, aber trotzdem war die Strömung deutlich zu spüren.

Ein Seestern
Ein Seestern

Wir bewunderten den Fischreichtum hier. Sogar einen kleinen Seestern fanden wir. Trotzdem wollte ich so schnell wie möglich aus dem Kanal heraus um den Block herum, um die lästige Strömung abzuhängen. 😉

Neben mir erschien plötzlich eine Tauchgruppe. Offenbar handelte es sich hierbei um einen Tauchlehrer mit seinen Schülern, 2 Männern und einer Frau. Die Frau machte einen sehr unsicheren Eindruck, sie hatte Schwierigkeiten mit der Tarierung und dem Gleichgewicht. Da sie uns unbedingt überholen wollten, mussten sie ein Stück weg vom Riff und somit direkt in die Ströumung. Da ich mir vorstellen konnte, dass das als Anfänger eher sehr anstrengend ist, drehte ich mich zur Seite und wollte Thorsten ein Zeichen geben, dass wir die Gruppe vorbeilassen sollten. Nur… der Mann neben mir war nicht Thorsten. Verblüfft drehte ich mich um. Wo war er denn?

Hinter mir stand Thorsten in der Strömung und fummelte an seinem Regulator rum. Ich hielt an und ließ den Fremdem neben mir vorbeiziehen. Was machte er da nur?

Thorsten: Ich hatte die Gruppe natürlich auch bemerkt und wie sie an uns vorbei wollten. Auch mir war der Gedanke gekommen, sie vorbei zu lassen. Als ich mich umsah, um zu schauen, wohin wir wohl ausweichen könnten, bekam ich von einem der Taucher eine Flosse ins Gesicht, so heftig, dass ich erstmal anhalten musste. Ich hatte den Regulator nicht verloren, weil ich sofort mit der Hand dran war, aber mir tat die Lippe weh. Außerdem fühlte sich das auf einmal komisch an. Ich spürte ganz deutlich etwas an meiner Unterlippe, das da vorher nicht war. Als ich mit den Fingern meinen Regulator abtastete, stellte ich fest, dass sich der Blasenabweiser durch den Aufprall verschoben hatte. Anstatt parallel zum Mundstück war er nun nach links verdreht. Ich versuchte vorsichtig, ob er wohl gebrochen war, aber er ließ sich ohne Probleme in seine eigentliche Position zurückschieben. Und er tat noch das, wozu er gedacht war: Blasen abweisen.

Ich wartete und drehte mich wieder nach vorne, da bekam ich einen Schlag auf den Kopf. Ich zuckte zusammen  und sah, dass der Herr, der mich eben überholte und sich als Thorsten ausgegeben hatte, mir soeben mit der Flosse auf den Kopf getreten war. Er merkte es zwar und entschuldigte sich, aber ehrlich gesagt hatte ich nun genug. Ich machte Thorsten das Zeichen, dass wir erst mal warten würden bis diese Schüler vorbei waren. Er verstand und nach einem Moment konnten wir weiter.

Wir wechselten die Seite des Kanals um den Block zu umrunden. Als wir über die Nordspitze kamen, war es deutlich ruhiger. Hier befanden wir uns in einem kleinen Korallengarten und einer enormen Fischvielfalt. Kaiserfische, Zebrafische, Papageienfische, Flötenfische, Rotfeuerfische… alle tummelten sich am Riff. Die Sicht war bombastisch, und so gelangen uns einige sehr schöne Bilder.

Weiter ging es um den Block herum. Ich kontrollierte mein Finimeter und stellte fest, dass ich noch 100 bar hatte. Zeit zum Umdrehen? Oder… doch ganz rum? So langsam schlich sich bei mir ein bisschen Nervosität ein. Block umrunden… schön und gut, aber fänden wir denn auch den „Anfang“ wieder? Nicht dass wir den Block wieder und wieder umrunden würden ohne den Ausstieg zu finden. Ich wurde ehrlich gesagt etwas nervös. Gut, es gab an sich keinen Grund, Luft hatte ich genug und wenn mir die Luft ausgehen würde, müsste ich im schlimmsten Falle eben aufsteigen und oben gucken wo wir waren. Aber trotzdem… ich ärgerte mich, denn ich hatte vergessen, mir einen Markierungspunkt zu merken, den ich wieder erkennen am Anfang des Kanals.

Etwas verbissen tauchte ich weiter. Dem Gefühl nach hätte ich gesagt, dass wir inzwischen auf der Südseite des Blocks angekommen waren, also müsste man dem Riff nur folgen, dann käme der Eingang zum Kanal, dort gerade aus weiter und schon wären wir am Boot. Klingt doch leicht.

Ein Flötenfisch
Ein Flötenfisch

Wir tauchten weiter. Ich guckte auf das Finimeter. 60 bar. Mist. Weit und breit erkannte ich keinen Eingang zum Kanal. Einmal wäre ich fast in eine Schneise getaucht, aber das war eine Sackgasse. Langsam verging mir das Lachen. Ich tauchte voran und legte langsam aber sicher einen Zahn zu. Wo war bloß dieser blöde Kanal?

Plötzlich klopfte mir Thorsten auf die Schulter. Er zeigte an, dass wir umdrehen müssten. Umdrehen???

Ich habe natürlich auch die ganze Umgebung des Blocks nach etwas abgesucht, das mir bekannt vorkam. Beim Eingang in den Kanal war mir aufgefallen, dass dort am Block ein paar einzelne Korallen standen, ähnlich wie Inseln. Als wir bei so einer Struktur vorbeikamen, erwartete ich eigentlich, die andere Seite von dem Kanal zu sehen, aber das war nicht so. Erst als wir wieder drin waren, erkannte ich in der Ferne die andere Wand. Ich tippte Annette an, dass wir in die andere Richtung mussten. Auf ihren ungläubigen Blick nahm ich meine Schreibtafel zur Hand und schrieb es auf: „Wir sind wieder in der Passage.“ Ich übernahm die Führung und wir schwammen den Weg zurück, an der anderen Wand entlang.

Ich folgte ihm jedoch und flehte zum Himmel, dass er wusste wo wir waren. Und: TomTom wusste es! Er führte uns aus dem Kanal heraus, in den ich eben wieder geschwommen war (das zum Thema den Block x Mal umkreisen… 🙂 ) und führte wie eine eins zum Boot zurück. Als ich das steinerne Herz sah, hätte ich vor Erleichterung jubeln können. Interessanterweise hatte sich in unserer „Abwesenheit“ die Sicht deutlich verschlechtert, und wir konnten das Boot, als wir direkt drunter waren, nur noch schemenhaft erkennen. Insofern stellte sich das Herz doch als sehr nützlich heraus.

Das Herz des Ozeans... :-)
Das Herz des Ozeans... 🙂

Die schlechtere Sicht war es auch, die zunächst verhindert hat, dass wir die andere Wand vom Kanal sehen konnten. Doch einmal dachte ich, dass ich noch ein Problem hätte. Wir waren gerade umgedreht, um uns auf den Rückweg zu machen, da passierten wir eine weitere Gruppe Taucher, angeführt von einem der Divemaster von unserem Boot, die uns entgegen kam. Wir grüßten freundlich und schwammen weiter. Doch auf einmal spürte ich einen Ruck – und es ging nicht mehr weiter. Was war denn nun los? Ich merkte, dass ich mit meiner rechten Flosse offenbar festhing. Na klasse, dachte ich mir, da hat man uns eingebleut, vorsichtig zu sein, und jetzt hatte ich mir wohl die Flosse irgendwo eingeklemmt und würde bei dem Versuch, sie zu befreien, mindestens zehn Jahre Riffgeschichte zerstören. Doch als ich mich vorsichtig umwandte, um nachzusehen… stellte ich fest, dass der Divemaster der anderen Gruppe mich festhielt! Kann mir mal einer erklären, was das Unterwasser-Handzeichen für „Wohl ’n Clown gefrühstückt, Du Komiker!“ ist?

Ja, der hatte schon Humor. Einmal hingen wir an der Dekoleine zum Sicherheitsstop da kam er angeschwommen und hatte sich wie ein Walr0ß einen Tierknochen zwischen Nasenerker der Taucherbrille und Regulator geklemmt. Versuchen Sie mal dabei nicht Tränen zu lachen und dabei den Wassereinbruch in den Regulator zu vermeiden!

Als wir ausgestiegen waren ließ ich mir von Thorsten erklären, was „natürliche“ Navigation ist 🙂 Ich werde mich in Zukunft bemühen es auch zu lernen.

Doch offenbar waren wir nicht die einzigen, die da Probleme hatten. Nachdem wir ausgestiegen waren und uns abtrockneten, erschien ein Kopf an der Meeresoberfläche, sehr weit vom Boot entfernt. Die Besatzung wurde schon unruhig, da es nur ein Kopf war. Nachdem dieser aber keine Anstalten machte zu winken oder um Hilfe zu rufen war es klar, dass dieser Kopf sich ebenfalls verirrt hatte. 10 min später erschien der Kopf samt Körper und Buddy auf dem Boot und auch er gestand, dass er gucken musste wo wer war. 🙂

Ein Hoch auf Thorsten! Dank ihm blieb uns diese Peinlichkeit erspart! 😉

So ganz langsam hatte ich den Bogen raus. Und das sollte sich noch als nützlich erweisen. (*platzt vor Stolz)


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Shaab El Erg Kabir – Ägypten – Rotes Meer und das Abschießen einer Boje

Shaab El Erg ist eigentlich ein weitläufiges, hufeisenförmiges Riff mit der Öffnung nach Süden. In der Mitte des Hufeisens befindet sich eine Lagune, in der man Unmegen von kleinen Riffplattformen, den so genannten „Ergs“ finden kann. Shaab El Erg bietet mehrere sehenswerte Unterwasserlandschaften an den verschiedenen Riffkanten oder an einem fast separaten Riff an der südwestlichen Spitze, genannt „Gota Shaab El Erg“. Man kann hier an verschiedenen Punkten mit dem Boot anlanden, aber es gibt noch eine Variante, die das Vergnügen hier kennenzulernen wir hatten…

Es war an diesem Tag der zweite Tauchgang, als die uns zugewiesene Divemaster zu uns kam und uns etwas über den Tauchgang erzählte – und das vor dem offiziellen Briefing. Das kam mir merkwürdig vor, doch sehr bald klärte sich das auf: Die Divemaster fragte, ob wir eine Boje hätten. Ja, hatten wir. Die hatte ich zusammen mit meinem Kompass gebraucht (bzw. eher „nie gebraucht“) von einer Taucherin gekauft, die das Tauchen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Das ist gut, wurde uns erklärt, denn der Tauchgang, den wir gleich machen würden, sei ein Drifttauchgang. Wir würden also vom Boot springen, das Boot würde weiterfahren, während wir unseren Tauchgang machten, vom Riff aus in südliche Richtung. Kurz vor Erreichen der Reserve des Luftvorrats sollten wir dann die Boje „schießen“, an deren Seil den Sicherheitsstopp in 5 m Tiefe machen, dann auftauchen und abwarten. Das Boot würde Ausschau nach den Tauchern halten und uns dann abholen. Aha.

Ein Rotfeuerfisch im offenen Wasser bei Shaab El Erg Kabir.
Ein Rotfeuerfisch im offenen Wasser bei Shaab El Erg Kabir.

Vielleicht sei das aber auch gar nicht nötig, meinte sie schließlich, denn natürlich würde auch sie eine Boje dabei haben, und wenn unser Luftvorrat so lang reichte wie ihrer, dann würden wir den Stopp mit ihr machen und sie würde die Boje schießen. Dann erklärte sie uns noch, wie genau man das macht, eine „Boje schießen“. Im Stillen betete ich, dass unsere Luft so lang reichen würde wie ihre, denn immerhin hatten wir sowas noch nie gemacht, ja, noch nicht einmal geübt. Und dann gleich der Ernstfall? Oje, oje.

Der Tauchgang selber war mal wieder sehr entspannt, wir hatten eine maximale Tiefe von 13,7 m und tauchten „so ungefähr“ in Richtung Süden durch das Feld mit den Korallenbänken. Es gab auch hier wieder sehr viel zu sehen, von Schnecken über Rotfeuerfische bis hin zu einer Muräne, der einer der anderen Taucher aus unserer Gruppe mit dem Fotoapparat so nahe kam, dass ich schon dachte, gleich kriegt das arme Tier das Objektiv auf die Nase. Die Muräne indessen guckte nur empört, so wie Muränen das immer machen (sie sind immer schlecht gelaunt, deswegen nennt man sie ja „Mur(r)“änen).

"Na, willst Du mir vielleicht auch Deine Kamera auf die Nase hauen? Komm nur her, Du!" - "Äh, nein danke, ich bleib lieber hier!"

Annette: Die Muräne war keineswegs die einzige, die schlecht gelaunt war. ICH war es ebenfalls. Und zwar genau wegen diesem aufdringlichen Fotografen. Er war ursprünglich als Buddy des Divemasters eingeteilt worden, nahm aber die Aufgabe nicht sehr ernst. Statt neben ihr zu tauchen, tauchte er…ja einfach überall. Links von mir, rechts von mir, über mir, UNTER mir (sehr nett, wenn man im Blasenmeer anderer taucht). Ich will es fast nicht öffentlich sagen, aber der Kerl brachte mich fast so weit, dass ich ihm am liebsten unter Wasser die Flasche zugedreht hätte. Einen so rücksichtslosen Taucher hatte ich bis dato noch nie erlebt.

Unsere Divemaster erkundigte sich immer nach unserem Luftvorrat, der diesmal bei Annette und mir relativ gleich war – der großeren Flasche auf meinem Rücken sei Dank. Leider bekamen wir nicht mit, wie der Verbrauch unserer Divemaster war. Und leider hatte ich bei meinem Gebet, sie möge doch die Boje für uns schießen, eins vergessen: Die Divemaster tauchten alle mit einer 15-Liter-Flasche. Und sie war eine Frau und im Tauchen erfahren, das heißt, ihr Verbrauch war sowieso niedriger als unserer. So kam es schließlich, dass wir das Zeichen bekamen, die Boje zu schießen und aufzutauchen. Die Divemaster führte währendessen die Gruppe weiter.

Okay, dann also galt’s. Nun denn! Sind wir Männer oder ein Karton Chicken Nuggets?

He! Ich war auch dabei! Wenn auch nicht wirklich nützlich, aber falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte: ICH BIN WEIBLICH!!

Mensch, Du gönnst einem aber auch gar nichts. Nicht mal übertriebenen Pathos. Also gut, ein neuer, heroischer Spruch… Noch nie hatten so viele so vieles so wenigen zu verdanken! …ne, das passt nicht. Für Krone und Königreich! …ne, auch nicht. Wie wär’s damit: VIEL GLÜCK!

Fischreichtum (Zebrafische) vor Shaab El Erg Kabir.
Fischreichtum (Zebrafische) vor Shaab El Erg Kabir.

Zuerst mal auf etwa 5 m Tiefe gehen und schwebend die Boje entrollen (es handelte sich dabei um eine der länglichen Bojen, mit denen Taucher an der Oberfläche auf sich aufmerksam machen können). Dann die daran befestigte Leine in die Hand nehmen und etwas Luft in die Boje lassen mit Hilfe des Oktopus. Der Plan sah dann vor, die Boje an der Leine zu halten, so dass sie sich entfalten konnte, um sie anschließend mit noch mehr Luft zu füllen und sie dann langsam zur Oberfläche steigen zu lassen. Aber andererseits sah mein Plan auch vor, mit 39 längst reich zu sein und nicht mehr arbeiten gehen zu müssen. Die beiden Pläne hatten eins gemeinsam: Sie funktionierten nicht. Nun gut, reich kann ich immer noch werden, aber das mit der Boje war so eine Sache. Denn kaum hatte sie sich ganz entfaltet, zog sie zur Oberfläche. Und nach dem Motto „Reisende soll man nicht aufhalten“ beschloss ich, sie gehen zu lassen. Ich hatte genug Mühe, das Seil schnell genug abzuwickeln. So erreichte sie die Wasseroberfläche. Und hätte ich die Möglichkeit gehabt, sie richtig mit Luft zu füllen, hätte sie dort senkrecht aus dem Wasser geragt und unsere Position damit angezeigt. Doch so knickte sie auf ungefähr der Hälfte ab, weil ihr die Stabilität fehlte. Was für ein Glück, dass nicht „Viagra“ draufstand – Pfizer hätte mich für diese Art Anti-Werbung verklagt.

Nun gut, wir hingen also unter einer nicht ganz aufgeblasenen Boje in 5 m Tiefe und machten unseren Sicherheitsstopp. Das größte Abenteuer würde uns ja noch bevorstehen: Zurück an Bord der ABYDOS 2 zu kommen. Wie würde das wohl funktionieren? Nachdem wir den Sicherheitsstopp erledigt hatten, tauchten wir auf. An der Oberfläche hielten wir Ausschau nach unserem Boot, während ich unsere Boje so weit mit Luft füllte, dass sie nun weithin sichtbar war (und Pfizer stolz gemacht hätte, mal nebenbei bemerkt).

Das Boot war ein ganzes Stück weg von uns. Wir fragten uns, ob die uns wohl sahen und woran wir sehen würden, dass sie uns sahen. Denn irgendwie war auf dem Boot kein Mensch zu erkennen. Dann hatte ich das Gefühl, dass es sich bewegte. Tatsächlich, nach ein paar weiteren Sekunden konnte man deutlich sehen, dass das Boot näher kam. Ja, äh… aber hatte der uns jetzt gesehen, oder fuhr er nur zufällig in unsere Richtung? Aber nein, man hatte uns gesehen, denn das Boot drehte bei, als es nahe bei uns war, so dass wir in Richtung des Hecks schwimmen konnten. Dort warf man uns eine Strömungsleine mit Boje zu. Ich dachte, dass nun Muskelarbeit gefragt war und wollte mich schon an der Leine entlang hangeln, doch da rief man uns von der Besatzung zu: „Relax!“ Schön, dass man die Klassiker von „Frankie Goes To Hollywood“ auch in Ägypten kennt, dachte ich mir, als ein Ruck durch die Leine ging und wir bis zu den Leitern am Heck des Bootes gezogen wurden. Nur aus dem Wasser raussteigen, das mussten wir noch selbst.

Dazu kann ich noch folgendes erwähnen: Als wir so an der Wasseroberfläche trieben und uns überlegten, ob uns das Boot denn auch sehen kann, überkam mich schon ein seltsames Gefühl. Wo man auch hinsah: Nur Wasser. Keine kleine Insel in Sicht, gar nichts. Ist schon merkwürdig. Man kommt sich fast vor wie ein Schiffsbrüchiger. Ich hatte Sorge, dass wir auseinandergetrieben würden, daher hielt ich mich hinten an Thorstens Flasche fest. Gleichzeitig versuchte ich mit Gewalt, die Melodie vom „Weißen Hai“ aus dem Kopf zu bekommen. Im Geiste sah ich schon mehrere dreieckige Flossen auftauchen, die in immer enger werdenen Kreisen um uns herumschwammen. Aber dann kam das Boot auf uns zu und ich stellte mir vor, dass das die Haie verscheuchen würde. Aber die Ängste waren nicht wie weggeblasen… das Boot kam direkt auf uns zu und ich fürchtete schon, dass es über uns drüber rauschen würde. Aber es drehte ja bei und warf die Strömungsleine aus. Wir waren angewiesen worden, dieses Mal MIT Flossen die Leiter hochzusteigen da das Boot die Motoren laufen ließ (bloß nicht an die Schraube dicht zu meinen Füßen denken… nein nein… jetzt aber flott hoch die Leiter….).

Abendstimmung auf dem Rückweg.
Abendstimmung auf dem Rückweg.

Als wir zurück an Bord waren und uns der nassen Sachen entledigten, erschienen die Taucher einer nach dem anderen an der Oberfläche und wurden ebenfalls von der ABYDOS 2 aufgenommen. Und wir hatten ein weiteres Abenteuer erlebt. Oder sagen wir: eine Herausforderung gemeistert. Nehmen Sie das „gemeistert“ jetzt nicht wörtlich, es war keine Spitzenvorstellung, aber he – wir waren wieder an Bord zurück und um eine Erfahrung reicher. Und der Urlaub war noch lange nicht beendet.


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Shaab Abu Nuhas – Ägypten – Rotes Meer und das Problem mit der Luft

Unser allererster Tauchgang im Freiwasser überhaupt fand seinerzeit an Shaab Abu Nuhas statt, am Wrack der Giannis D. Über das Riff und das Wrack hat Annette an anderer Stelle in diesem Blog schon einiges geschrieben. Als wir im November 2009 wieder nach Ägypten kamen, waren wir entsprechend gespannt darauf, dieses Tauchgebiet wiederzusehen, diesmal als AOWD, die nun auch bis zur tiefsten Stelle des Wracks durften (ca. 20 – 25 m), und nicht als Tauchschüler, die gezwungen waren, zehn Meter darüber zu schweben. Leider machte uns einige Zeit das Wetter einen Strich durch die Rechnung, es windete sehr stark, so dass Shaab Abu Nuhas nicht angefahren wurde. Doch endlich war es so weit, das Wetter wurde besser und die Giannis D. angesteuert. Nur waren wir nicht allein, natürlich war es allen Tauchbooten gleich gegangen. Und der erste Tag, an dem der Wind schwächer war, wurde von allen genutzt, so dass es am Tauchgebiet entsprechend voll war.

Da Annette in dem anderen Artikel schon so schön über die Giannis D. geschrieben hat, wollen wir stattdessen an dieser Stelle das erste längere FlatFluteDivers-Video präsentieren: Tauchgang an der Giannis D. im November 2009.

Es war ein schöner Tauchgang, allerdings zeigte er nach dem Erlebnis mit der „Ohne-Luft“-Situation nochmal auf, dass ich ein regelrechtes Problem mit der 12-Liter-Flasche hatte. Während Annette immer noch einen guten Luftvorrat übrig hatte, ging er bei mir regelmäßig zur Neige. Bei diesem Tauchgang musste ich deswegen sogar früher auftauchen als Annette, was mir gar nicht gefiel (deswegen ist leider das Video auch nicht sehr ausführlich). Unser Divemaster empfahl mir, zukünftig eine 15-Liter-Flasche zu nehmen. Anders gesagt: wie zu Hause. Das tat ich dann auch gleich ab dem nächsten Tauchgang, und siehe da: Luftprobleme gehörten der Vergangenheit an. Damit musste ich zwar ein bisschen mehr zahlen für die Tauchausflüge, aber dafür waren die Tauchgänge nun viel entspannter.

Annette: Das Leben könnte so schön sein… mit den richtigen Leuten.

Wie Thorsten schon sagte, wir waren beide schon die ganze Woche davor hibbelig gewesen, denn wir wollten unbedingt nochmal zu dem Wrack. Schließlich wollten wir dort unser 1-jähriges Tauchjubiläum feiern, denn dort hatte alles begonnen.

Als wir dann endlich Shaab Abu Nuhas ansteuerten war die Vorfreude entsprechend groß. An dem Tag war allerdings die Hölle los, und es ankerten viele Tauchboote dort. Unser Guide teilte uns in Gruppen ein, und hier war schon der erste Wurm drin: Die Gruppe war ziemlich groß.

Wir tauchten ab. Entgegen den sonstigen Tauchgängen tauchten Thorsten und ich dieses Mal als letztes Buddyteam. DAS war das Letzte! Ich kann gar nicht sagen, ob ich je eine so derart chaotische Gruppe erlebt habe. Von Formation keine Spur, die Leute tauchten gerade so wie es ihnen passte und Thorsten und ich hatten Mühe, unsere Gruppe von anderen Gruppen zu unterscheiden. Hinzu kam, dass sich in der Gruppe einige Anfänger befanden. Nichs gegen Anfänger, sicher nicht, aber etwas umsichtiger hätten sie sein können. Die Kunst des Tauchens liegt nun mal im langsamen Tauchen, was eine entsprechende Tarierung erfordert. Nicht, dass wir da so perfekt wären, aber es war unglaublich schwierig, den winkenden und strampelnden Tauchern vor uns aus dem Weg zu gehen, der ab und zu von spitzen Wrackteilen sehr beengt war. Unser Guide führte sehr langsam, und wir ganz hinten hatten damit wirklich Probleme. Ich musste mich total auf den Vordermann konzentrieren um nicht ständig dessen Flosse ins Gesicht zu bekommen.

Es war einfach extrem voll. Das Jahr zuvor hatte unser Instructor kein Problem damit, uns „Ersttauchgangs-Schüler“ von den anderen Tauchern fernzuhalten, so dass wir niemandem in die Quere kamen. Das war diesmal ein Ding der Unmöglichkeit.

Schließlich ging Thorsten auch noch die Luft aus und er musste mit ein paar Tauchern zum Boot zurück. Unser Guide packte mich kurzerhand mit einem anderen Taucher zusammen und verabschiedete sich, um die anderen um Boot zu bringen.  Da war der nächste Wurm geboren.

Erst mal war mir das gar nicht recht, denn ich hatte den Typ vorher nie gesehen und wusste nicht, ob ich mich auf ihn verlassen konnte. Zudem wissen Thorsten und ich, was wir uns zutrauen können und was nicht. Das war ein völlig Fremder für mich.

Und es stellte sich auch nicht als Glücksgriff raus. Ich hatte noch 100 bar in der Flasche, und so tauchten wir erst mal weiter um das Wrack herum. Kaum um die erste Kurve, war mein Buddy verschwunden. Super! Grad war er noch da, und es gab an der Stelle nicht viele Möglichkeiten, wo er hätte hin verschwinden können… außer INS WRACK HINEIN vielleicht. Ich drehte um und schwamm zu der Stelle zurück, wo ich ihn das letzte Mal gesehen hatte – nix. Unbehagen breitete sich bei mir aus. Erstens wollte ich da unten nicht alleine tauchen, zweitens… ich musste ihn jetzt zwei Minuten suchen und dann auftauchen, um der Besatzung Bescheid zu sagen. Aber… dank des Chaos am Anfang hatte ich mir die Stelle nicht gemerkt, an der wir abgetaucht waren. Außerdem waren wir ja ursprünglich mit Guide unterwegs gewesen… Kurz bevor ich einfach auftauchen wollte kam mein werter Herr Buddy von irgendwo her und tat so, als ob nix gewesen wäre.

Das war mir zuviel. Ich wollte in die Nähe unseres Bootes zurück damit ich notfalls alleine auftauchen konnte und deutete ihm an, dass ich zurückschwimmen wollte. Er war einverstanden. Nach fünf Minuten fragte ich ihn, ob er wüsste, wo das Boot sei. Er führte so selbstverständlich. Aber er zuckte nur die Schultern.

Fein. Mit einem unzuverlässigen Buddy ohne zu wissen, wo man ist… der Traum eines jeden Tauchers. Kurz beovr ich wirklich panisch wurde kehrte jedoch ZUM GLÜCK unser Guide zurück und sammelt uns wieder ein. So froh war ich glaub ich schon lange nicht mehr. Wir waren noch zu dritt. Wo der dritte im Bunde bei meinem kleinen Ausflug geblieben war ist mir bis heute noch ein Rätsel.

Nachdem wir das Wrack komplett umrundet hatten, war es für uns alle Zeit zum Auftauchen. Es klappte problemlos

An Bord traf ich auf einen äußerst schlecht gelaunten Thorsten.

Ich? Schlechte Laune? Nicht doch! Man wird doch wohl noch mal was an die Wand schmeißen dürfen!

Schon…da sagt ja auch keiner was, aber muss es denn gleich die ganze Flaschenbank inklusive Flaschen sein? Zum Glück konnte ich „Gut Wetter“ machen sonst hätten wir noch Schiffsverbot bekommen!

Ich berichtete ihm von meiner Pleite und wir sprachen den Guide an, dass wir in Zukunft nicht mehr getrennt werden wollten. Falls einem von uns die Luft ausgehen würde, würde der andere mit aufsteigen. Nie wieder mit einem fremden Buddy. 🙂

Und außerdem: Unglaubliche Abenteuer erleben Annette und ich auch ohne dass mir die Luft ausgeht…

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Sakwa Abu Kalawa – Ägypten – Rotes Meer – und die „Ohne Luft“ Situation

Sakwa – oder auch hin und wieder Sagua Abu Kalawa – ist ein wunderschönes kleines Riff im nördlichen Roten Meer zwischen El Gouna und Hurghada gelegen. Mit seinen 16 m Tiefe ist es ebenfalls sehr gut von Anfängern betauchbar. Strömungen kommen üblicherweise von Norden und waren an unserem Tauchtag nicht besonders stark.

Wir ankerten gegenüber einer kleinen Lagune, die 6 – 7 m tief ist. Dann erfolgte der Abstieg.

Thorsten: Dabei hatten wir die erste technische Schwierigkeit zu überwinden. Als wir abstiegen, fiel mir auf, dass von Annettes Flasche kleine Luftbläschen aufstiegen. Ich sah mir das näher an und stellte fest, dass sie aus der Stelle am Flaschenhals kamen, an der das Ventil in die Flasche reingeht. Ich signalisierte dem Guide, dass wir ein Problem hatten und er zeigte an, dass wir wieder aufsteigen sollten. Annette bekam eine neue Flasche, wir stiegen erneut ab, und diesmal war alles gut. Wir ahnten nicht, dass das nur der Anfang war…

Unser Guide führte uns an einem geraden, langestreckten Stück Riff entlang. Wunderschön mit Korallen bewachsen findet man hier massenhaft große und kleine Fische, angefangen von Napoleon-Babys bis hin zu Kaiserfischen. Ab und zu sollte man aber auch immer einen Blick in’s „Deep Blue“ werfen, denn hier kommt gelegentlich auch etwas „Großes“ vorbei. Wie zum Beispiel ein Manta. Leider hielten die sich aber bei unserem Tauchgang gut versteckt.

Die "tote" Wand an Sakwa Abu Kalawa
Die "tote" Wand an Sakwa Abu Kalawa

Folgt man dem Riff ein Weilchen erschrickt man fast. Plötzlich, fast ohne Übergang, erscheint das Riff plötzlich wie tot. Der Korallenbewuchs ist verschwunden, vereinzelt scheinen sich ein paar Fische dorthin verirrt zu haben. Aber davon sollte man sich nicht irritieren lassen. Auch wenn das Riff tot erscheint – auch hier existiert beim näheren Hinsehen sehr wohl Leben. Lauter kleine Höhlen hat es dort, und wenn man Glück hat, so wie wir, dann schauen aus den Höhlen auch die Muränen heraus.

Muräne
Muräne

Genauso plötzlich, wie das Riff „gestorben“ ist, erwacht es wieder zum Leben. Folgt man ihm noch ein Stückchen, dann wird man mit dem eigentlichen Highlight dieses Tauchganges belohnt. Am Ende mündet das Riff in eine Art Rondell, in dessen Mitte ein gewaltiger Block steht. Schwimmt man in das Rondell, bemerkt man bereits, dass es hier deutlich flacher ist, ich vermute mal 7 – 8 m. Hier ist es taghell, und man kommt sich vor, als ob man in ein Aquarium geschwommen ist. Man sollte sich die Zeit nehmen, einfach mal ein paar Minuten dem bunten Treiben zuzusehen. Dieser einzelne Block in der Mitte des Rondells ist voller Leben. Tausende von Fischen sämtlicher Arten und Größen wirbeln hier herum, ziehen in Schwärmen vorbei oder legen an dem Block ein Päuschen ein. Feuerfische mit sorgenvollen Mienen schwimmen umher. Und wenn man ganz viel Glück hat, dann kann man hier auch Schildkröten antreffen. Aber genau wie die Mantas hielten die sich leider sehr versteckt.

Fischreichtum bei Sakwa Abu Kalawa
Fischreichtum bei Sakwa Abu Kalawa

Auf dem Rückweg schwammen wir mit der Strömung und kamen so gut und schnell voran. Abgemacht war, dass wir noch einen Abstecher in die Lagune machen wollten um dort unseren Sicherheitsstop auf 5 m für 3 min zu machen.

Rotfeuerfisch
Rotfeuerfisch

Wir bogen also um die Ecke, um in die Lagune zu schwimmen, da zeigte Thorsten unserem Guide an, dass er nur noch 50 bar in seiner Flasche hatte. Dieser gab ein Zeichen, dass er verstanden hatte und es ging in die Lagune hinein. Insgeheim wunderte ich mich, denn wir hatten mal gelernt, dass man bei 50 bar mit dem Aufstieg beginnen sollten, aber gut. Zu unserem Entsetzen schwammen wir aber richtig weit in die Lagune hinein.

Die Lagune von Sakwa Abu Kalawa
Die Lagune von Sakwa Abu Kalawa

Prinzipiell spricht ja nichts dagegen, den Sicherheitsstopp für eine kleine Erkundung zu nutzen, anstatt an einem Seil rumzuhängen. Aber wir hatten den Rückweg zum Boot von der Lagune aus ja auch noch vor uns.

Mir wurde langsam unwohl bei dem Gedanken und ich fragte Thorsten, wieviel Luft er noch hatte. An seinem Blick merkte ich bereits, dass es wohl ernst war… und dann zeigte er mir an: 30 bar!

Da ist mir in der Tat erstmal das Gesicht runtergefallen. Und es war klar: zurück! JETZT! SOFORT!

Wir informierten den Guide, der nickte und kehrte um. Weit waren wir nicht vom Boot entfernt, wir konnten es quasi sehen, aber trotzdem… wir schwammen also Richtung Boot. So langsam wurde es mir immer mulmiger zu Mute, ich kenne doch unseren „Staubsauger-Thorsten“ und sein Luftverbauch… ich rechnete mit allem. Daher löste ich bereits meinen Oktopus aus seiner Halterug und hielt ihn in der Hand… sicher ist sicher wenn es schnell gehen muss. Und dann…

…kam die Situation. Die, vor der wir alle Angst haben auch wenn wir sie schon x Mal geübt haben. Dein Tauchpartner klopft dir auf die Schulter und zeigt dir an, dass er keine Luft mehr hat.

In Ruhe und im Nachhinein betrachtet gab es in dem Moment keine Ideallösung. Ich versuchte, normal weiter zu atmen, konnte aber natürlich nicht verhindern, dass mein Herz anfing, schneller zu schlagen. Außerdem war es nicht zu entscheiden, was besser war: Würde ich langsam schwimmen, um den Grundumsatz und damit den Luftverbrauch zu senken, würde ich länger brauchen bis zum Boot. Würde ich schneller schwimmen, damit wir das Boot schneller erreichen, würde das meinen Luftverbrauch steigern. Ja, und dann… Beim „Scuba Diver“ (und dementsprechend auch beim „Open Water Diver“) gibt es bei den Poollektionen eine spezielle Übung, die man genau für so einen Fall macht. Dabei setzt sich der Tauchschüler auf den Grund des Pools und der Instructor dreht ihm die Flasche zu. So spürt der Schüler, wie es sich anfühlt, wenn die Flasche leer geht, damit er in einer solchen Situation sich nicht erstmal fragen muss: „Was ist denn jetzt los?“ Ich hatte schon seit ich festgestellt hatte, dass ich auf 30 bar war, mein Finimeter fast pausenlos im Blick und so beobachtet, wie die Nadel immer weiter fiel. Dann sah ich das Boot schemenhaft auftauchen. Die Nadel hatte gerade die 10-bar-Markierung passiert und ich erlaubte mir eine kleine Erleichterung. Wir würden gleich da sein. Doch da merkte ich mit einem Mal, wie ich stärker „ziehen“ musste, um Luft zu kriegen. Das Boot in Sichtweite – aber es war zu spät. Die Zeit für Experimente war vorbei. Ich wollte sofort umsteigen und tippte Annette an.

Diesen Adrenalinstoß werde ich nie vergessen.

Auch wenn ich eigentlich damit schon gerechnet hatte. Ich drückte ihm sofort den Oktopus in die Hand… er nahm seinen Regulator aus dem Mund und ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „Bitte laß ihn genügend Luft haben, dass er den Oktopus ausbläst, oder lass ihn wenigstens daran denken, die Luftdusche zu betätigen, sonst haben wir ein Problem!!!“.

Ich weiß nicht, WAS er von beidem machte, aber er machte es. Zum Glück.

Ich weiß es selber nicht mehr. Ich nahm Annettes Oktopus in Empfang und dann fehlt mir ein Stück. Das nächste, das mir in Erinnerung ist, wie ich den ersten Atemzug daraus nehme und alles in Ordnung ist. Ich hielt mich an ihr fest und gleichzeitig gaben wir uns gegenseitig das Zeichen zum Aufsteigen. Kein Risiko! Und den Sicherheitsstopp hatten wir schon in der Lagune gemacht.

Nachdem mir Thorsten das Zeichen gegeben hatte, dass alles ok war, stiegen wir auf. Wir kamen am Nachbarboot hoch. Lächerliche 10 m wären wir noch von unserem Boot entfernt gewesen.

Als wir an der Obefläche ankamen, zog ich an meinem Tarierhebel und ließ den letzten Rest aus meiner Flasche ins Jacket. Es zischte ungefähr zwei Sekunden lang, dann tat sich gar nichts mehr. Die Flasche war nun wirklich LEER.

Unser Guide hatte die Situation beobachtet und uns nachher erklärt, dass wir problemlos auch zusammen an einer Flasche hängend hätten zurückschwimmen können. Wir hätten nicht unbedingt aufsteigen müssen. Das hat uns etwas verwirrt. Wir diskutierten dies hinterher intensiv, und kamen zu dem Schluss, dass wir – falls nochmal so eine Situation eintreten würde, – wieder so handeln würden wie wir. Man darf nicht vergessen, dass dort Strömungen herrschen, und zudem war der Tauchplatz gut besucht. Würden wir also durch eine Strömungswelle plötzlich getrennt werden oder sonst irgendwas passieren… das war uns zu unsicher.

Es stellte sich auch im Nachhinein heraus, dass Thorsten sehr überlegt gehandelt hatte. Er hatte auf seinem Finimeter noch 10 bar, als er mir das Zeichen gab, und er meinte, dass er den ersten, schwereren Atemzug spüren würde. Statt die Flasche komplett leer zu atmen gab er so rechtzeitig das Zeichen, so dass er noch genügend Luft an der Oberfläche hatte, um sein Jacket aufzublasen.

Es war nicht mehr viel Luft, aber sie reichte, um mir einen stabilen Auftrieb zu verschaffen. Darüber hatte ich mir mal Gedanken gemacht, nachdem wir im OWD-Kurs die Notaufstiegsübung gemacht hatten. Ich kam völlig außer Atem an der Obefläche an, musste strampeln, um an der Oberfläche zu bleiben und dann auch noch das Jacket mit dem Mund aufblasen. Wenigstens noch ein bisschen Luft aus der Flasche würde die Sache einfacher machen. Und dass wir nicht unter Wasser an einer Flasche hängend zum Boot zurück sind, sondern gleich aufgestiegen, war auch für mich völlig in Ordnung. Es war sicherer, weil ich nicht mehr von Annettes Oktopus abhängig war.

Alles in Allem war das keine ungefährliche Situation und wir mussten zum ersten Mal zeigen, ob wir wirklich unter Wasser harmonieren oder ob einer von uns die Nerven verlieren würde. Wir haben es gemeistert, und das gibt uns auch für die Zukunft ein gutes Gefühl.

Sakwa Abu Kalawa - Wimmelbild
Sakwa Abu Kalawa - Wimmelbild


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