RESCUE DIVER: Uuuund… ACTION!

Schon am ersten Tag der Rescue-Diver-Freiwasser-Übungen konnten wir die Annehmlichkeiten des Trockentauchanzugs am eigenen Leib erfahren. Es war zwar Mitte April, aber das Wetter war nicht so überragend, und das Wasser des Tauchsees hatte um die 6 ° C. Während des Tauchgangs hielt der Trocki wärmer als sein Nass-Kollege, und für den zweiten Tauchgang mussten wir nicht in die nassen Sachen steigen. Und es mussten mindestens zwei Tauchgänge pro Tag sein, denn wir hatten ein straffes Programm mit den verschiedenen Notfall-Szenarien, die wir zu bestehen hatten. Teilweise war es zwar eine Wiederholung dessen, was wir schon im Pool gemacht hatten, aber es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug üben. Außerdem war es schon ein wenig anders, im Pool war das Wasser angenehm warm – hier nicht. Und so retteten wir Taucher in Panik an der Oberfläche, beatmeten an der Oberfläche, schleppten, halfen und schoben. Da wurde einem auch warm. Kommen wir zu den Rettungsaktionen, die wir im Pool noch nicht gemacht hatten…

  • Der vermisste Taucher

Das Szenario „der vermisste Taucher“ ist im Pool deswegen sinnlos, weil der Ort zum einen von seiner Größe her recht überschaubar ist, zum anderen, weil man im Pool so gut sehen kann, dass man den Taucher bald wiedergefunden hat. Bei dem Szenario im Freiwasser tauchen die Rescue-Diver-Anwärter los, meistens mit der Ansage, dass sie sich eine Zeit lang nicht zu dem hinter ihnen tauchenden Instructor umdrehen dürfen. Dieser trennt sich irgendwann von der Gruppe. Ist die angegebene Zeit um, liegt es an den Rescue Divern, ihren verschwundenen Kameraden plangemäß zu suchen.

Wir hatten vorher ausgemacht, dass wir eine Boje an die Oberfläche starten würden. Babsi würde dann nach oben gehen und nach Luftblasen Ausschau halten, während Annette und ich am Ende der Leine in etwa 5 m Tiefe warten. Als nächstes würde Babsi dann in Richtung der gesichteten Blasen schwimmen, wobei es an mir lag, Seil zu geben, bis sie stehenblieb. Dann würden wir das Seil wieder aufrollen und ihr somit folgen, bis wir wieder direkt unter ihr wären. Auf diese Weise sollten wir uns Stück für Stück dem vermissten Taucher nähern. Hätten wir ihn gefunden, sollten wir mit dem Seil Signal geben und Babsi käme wieder zu uns. So ähnlich jedenfalls.

Guter Plan! Aber Moment mal… Boje schießen? Da war doch was, da war doch was… ach ja, ich erinnere mich! Oje. Mir war klar, dass ich mich vorher mit meiner Boje auseinander setzen musste. Also nahm ich sie zur Seite und meinte zu ihr: „Boje, wir hatten in der Vergangenheit so unsere Schwierigkeiten. Vielleicht hast Du ab und zu das Gefühl, dass ich Dich an der kurzen Leine lasse. Aber Du musst auch mal meine Perspektive sehen. Mir kommt es so vor, dass Du ausgerechnet dann, wenn’s drauf ankommst, Dich aufplusterst und abhaust. Und dann kann nichts Dich halten. Aber diesmal ist es wirklich wichtig. Tu mir den Gefallen und halt Dich an die Abmachungen, okay?“ Damit war alles gesprochen.

Annette: Du führst Gespräche mit einer Boje?  Es reicht ja schon, dass du MICH ständig vollschwallst, aber die Boje kann sich ja nicht mal wehren!

Eine Boje widerspricht mir auch nicht dauernd, so!

Warum auch immer Majki auf die Idee gekommen ist, dass mir die Luft nicht reichen könnte, (*räusper) ist mir ein totales Mysterium, jedenfalls bekam ich für das Füllen meiner Boje noch eine kleine Pressluftflasche mit, eine so genannte „Pony Bottle“. Behängt mit Boje, Reel (Seilwinde) und Flasche sah ich aus wie ein halber Tec Diver… na gut, vielleicht kein halber, ein viertel vielleicht… auch nicht wirklich. Sagen wir, ich hatte auf der Tec-Diver-Bewertungsskala einen Wert von 0,1 Nil. Das heißt, „sieht zwar cool aus, bricht aber auf dem Weg zum Wasser unter dem Gewicht schier zusammen“. Immerhin konnte ich auf diese Weise nicht plötzlich weggeweht werden, falls Wind aufgekommen wäre.

Ich unterbreche nur ungern, wenn du dich selber anschwärzt, was die Luftknappheit bei dir angeht, aber ich muss dir leider widersprechen. Du bekamst die Pony Flasche nicht aus Gründen deines fragwürdigen Luftverbrauchs sondern weil sich Majki wegen der Wassertemperatur Sorgen machte und befürchtete, dass dein Automat abblasen könnte wenn du gleichzeitig atmest und die Boje füllst.

Da, schon wieder! Hast Du gesehen, Boje, sie widerspricht mir schon wieder! Und da wundert sie sich, dass ich mich mit Dir unterhalte.

Boje: —-

Was sagst Du, Boje? Ich soll einfach weitererzählen? Schön, wenigstens eine, die sich für meine Heldentaten interessiert. Also, wie gesagt, ich hatte an der Pony Bottle ganz schön zu schleppen.

Wirklich? Wieviel wiegt die? 800 Gramm? Oder doch ein ganzes Kilo?

Da geht sie flöten, meine Reputation. Jetzt wollte ich den „Coolness-Faktor“ nur etwas erhöhen, aber nein… Jedenfalls war ich froh, als ich endlich im Wasser war. Kein Gewicht mehr und… aaaah, diese angenehme Kühle…

Dass du auf der Treppe unter dem Gewicht fast kollabiert wärst und wir ungefähr eine dreiviertel Stunde Oberflächenpause nach dem Einstieg einlegen mussten, damit du wieder anständig atmen konntest ist dir wohl geflissentlich entfallen, was? 😛

Ich habe beim Einstieg lediglich mit Absicht etwas schneller geatmet, um… meine Lungen zu reinigen. Damit ich den Luftvorrat besser ausnutzen kann. Als ich fertig war, ging’s los. Wir tauchten die Strecke, die uns links vom Einstieg an den Felswänden entlang führte. Dort kamen wir zu dem Felsvorsprung, wo wir eigentlich erwartet hätten, die Biertischgarnitur vom September zuvor zu finden. Doch da war nichts mehr. Nur noch einzelne Teile, die daran erinnerten, was sich hier einmal befunden hatte.

Richtig ärgerlich war es allerdings, weil wir Babsi den Ort eigentlich zeigen wollten. Sie hatte ihn noch nie gesehen und wir erzählten ihr im Vorfeld, wie nett sie den Ort hergerichtet hatten. Um so seltsamer war es für sie, als sie die Überreste eines rostigen Grills fand und eine Figur sah. Vermutlich dachte sie, wir wollten sie veräppeln.

Ein großes Rätsel Aber gut, wir hatten die Aufgabe, Majki zu finden, nicht die Biertischgarnitur. Obwohl… vielleicht hätten wir für das Finden der Biertischgarnitur eine Auszeichnung wegen Originellität bekommen. Egal, jedenfalls begaben wir uns auf den Vorsprung und ich versuchte, mich hinzuknien. Dummerweise zog die Pony Bottle mich an der rechten Seite immer nach unten. Erst als ich mich hinstellte, war ich stabil genug, um weiterzumachen.

*räusper räusper!!!!

VETO!

Wie war das bitte? Du hast dich hingestellt???! In deiner Fantasie vielleicht, die Realität war allerdings ein klein bisschen anders. Nachdem du derart viel Dreck aufgewirbelt hattest, weil du ständig drohtest, von dem Felsvorsprung abzurutschen habe ICH mich schließlich deiner erbarmt und dir die entscheidende Hilfestellung geleistet. ICH habe dich festgehalten!

Ach, deswegen hast Du das gemacht? Ich habe mich schon gefragt, warum Du auf einmal anfängst, an mir rumzugrabschen. Ich fand es eigentlich ganz… angenehm, deswegen wollte ich Dich nicht davon abbringen. Ich musste mich dann schon ziemlich auf die Aufgabe konzentrieren. Babsi half mir freundlicherweise, und es war wieder das gleiche Prozedere wie beim letzten Mal: Boje entfalten und ein bisschen Luft reinblasen. Diesmal ging es einfacher, da ich nicht meinen Oktopus nehmen musste, denn die Pony Bottle hatte natürlich ihren eigenen Regulator. Ich gab etwas Seil und Babsi füllte etwas mehr Luft nach…

…und SCHWUPPS! Kam Zug auf die Boje und sie rauschte davon. HE! SO HABEN WIR NICHT GEWETTET! KOMM SOFORT ZURÜCK!

Dann bemerkte ich Babsis Blick, der zu sagen schien: Was hat er denn? Ach, das war okay so? Äh, ich meine, natürlich war das okay so! Genau, wie wir es zuvor besprochen hatten, hurra. Oder um es mit Hannibal vom A-Team zu sagen:

Nun stieg Babsi auf, während Annette und ich warteten. Irgendwann kam Zug aufs Seil und ich gab die Winde frei. Irgendwann kam das Seil zum Stillstand. Dann fing ich an, das Seil mit der Winde wieder aufzuwickeln, so dass wir Babsi folgen konnten. Mit andern Worten: Ich drehte mir den Wolf, während Annette an mir dranhing und sich ziehen ließ.

W-Wa-Waaaas?? Also da hört sich doch alles auf! Ich habe mich ziehen lassen, dass ich nicht lache. Ich hatte die überaus wichtigere Rolle als du mein Freund. Statt einfach simpel einem Seil hinterherzutauchen trug ich die VERANTWORTUNG! Ich war diejenige, die dich immer wieder aus der Tiefe reißen musste, da du nur auf das Seil fixiert warst und dabei gar nicht gemerkt hast, dass du ständig tiefer kamst. So ist das mit euch Kerlen. Ihr seid einfach nicht in der Lage, zwei Dinge parallel zu machen.

Ich hab doch zwei Dinge gleichzeitig gemacht: Ich musste kurbeln und auf das Seil achten, dass es sich nirgends verfängt. Der hochdramatische Moment, als das Seil über eine scharfe Felsenkante ging und ich zusehen musste, dass es dort nicht versehentlich durchtrennt wird, ist Dir nicht mehr in Erinnerung, oder? Und überhaupt:  Noch am nächsten Tag merkte ich meinen rechten Arm, aber habe ich mich beschwert? Nein. Nein, das habe ich nicht.

Zur Genüge. Ich erinnere nur an den Artikel, als du im Schluchsee mal die Lampe halten musstest. Ein GANZER Artikel nur über deine Schmerzen im Arm!

Nein, ich habe lediglich auf den leichten Schmerzzustand meines Musculus Biceps Brachii hingewiesen. Und das auch nur deswegen, damit die anderen sich keine Sorgen um meinen Zustand machen.

Sehr heldenhaft von dir. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich selbstverständlich mit meinen bissigen Kommentaren zurückgehalten. Hätte ich? Hm….. 🙂

Schritt für Schritt folgten wir so der Spur der Blasen, die Babsi herausfand, (weibliche Intuition!) obwohl mittlerweile auch noch andere Taucher ins Wasser gekommen waren. Schließlich hatten wir Majki erreicht. Nun war es an mir, einen Ruck nach oben zu geben, so dass Babsi wieder zu uns stoßen konnte. Der Vermisste war gefunden und gerettet. Ähm… könnte ich bitte eine Fanfare haben?

Vielen Dank!

Mit der bravurösen Lösung dieses Szenarios waren wir frohgemut. Die anderen Aufgaben konnten nun kommen, aber davon berichte ich das nächste Mal. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mir mein rechter Arm fast nicht wehtut?

Zustand…das Wort gefällt mir irgendwie nicht. Zumutung find ich passender…du bist eine Zumutung! 😛

Mir bleibt auch nichts erspart!

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