12.10 Uhr: Ölpest im Roten Meer vor Hurghada und El Gouna

Nun ist es offiziell: Aus einer Ölbohrplattform im Roten Meer, nördlich von Hurghada und El Gouna ist vor rund einer Woche durch eine Leckage Öl ausgetreten und bedroht die Strände Ägyptens. Erst gestern Abend wurde der Vorfall von der ägyptischen Regierung bestätigt. Die Menge des ausgetretenen Öls sei „begrenzt“. Von welcher Plattform das Öl ausgetreten sei und welche Firma diese betreibt, wurde nicht bekannt gegeben. Unklar ist auch, ob weiterhin noch Öl austritt. Die Umweltorganisation HEPCA will neues Öl gesichtet haben, während es von offizieller Seite heißt, das Leck sei abgedichtet.

Besonders betroffen sei offenbar ein aus mehreren Inseln bestehendes Naturschutzgebiet 100 km nördlich von El Gouna. Die Inseln dort sind für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Ölteppich erreichte am letzten Wochenende die Strände von El Gouna und den nördlichen Teil Hurghadas. Die Strände einiger Hotels mussten für den Badebetrieb gesperrt werden und Tauchbasen berichten, dass das Tauchen an ihren „Hausriffen“ (also Riffen, die den Basen direkt vorgelagert sind) nicht mehr möglich war. Unzählige Meeresvögel, Schildkröten und andere Meerestiere seien bereits verendet. Die Strände sind offenbar von den Hotelbetreibern mittlerweile weitestgehend gesäubert worden, allerdings wird es sehr viel länger dauern, die Inseln und Korallenriffe vom Öl zu befreien.

Die ausgetretene Menge an Öl wird mit 30 bis 40 Barrel angegeben. Der Ölteppich soll eine Größe von 160 Kilometern haben.

Update: Wie aus diesem Artikel hervorgeht, traf der Ölteppich die Küstenbewohner tatsächlich völlig unvorbereitet. Am Freitag, den 18. Juni hat demzufolge das Öl zum ersten Mal die Küste bei El Gouna erreicht. Allerdings werden hier widersprüchliche Angaben über das Ausmaß des Ölteppichs gemacht, da davon berichtet wird, dieser habe von El Gouna bis „Sahl Hashish“ gereicht. Das „Sahl Hashish“ ist ein Hotel südlich von Hurghada, damit würde der Ölteppich eine Gesamtlänge von etwa 40 Kilometern haben, im Artikel ist von 20 Kilometern die Rede.

Allerdings sind auch einige Korallenriffe, die regelmäßig von Tauchbooten angefahren werden, von der Katastrophe betroffen. Nach den Angaben der EEAA (Egyptian Environment Affairs Agency) sind El Fanadir, Abu Kalawa, El Sakwa, El Araq und Abu Sadaf mit Öl verschmutzt. Das ägyptische Parlamentsmitglied Magdi Allam sagte zudem, es sei „das zehnte Mal„, dass in dieser Region eine solche Katastrophe passiere. Zwar gäbe es deswegen ein Zentrum gegen die Verschmutzung des Roten Meeres, aber dieses sei für solche Krisen nicht ausgerüstet.

Update 2: Interessant in dem Zusammenhang ist, dass bereits am Sonntag Abend (20. Juni) der für die Region Rotes Meer zuständige Gouverneur Magdi Kobeisi verkündete, dass die Spuren der Ölpest beseitigt seien und Strände und Tauchcenter wieder geöffnet werden. Trotzdem dauerte es noch 24 Stunden, bevor erste Meldungen darüber bei uns in Deutschland auftauchten, und nochmal 12 Stunden, bevor sich die großen Medien der Sache annahmen. FlatFluteDivers.de hatte bereits gestern Kenntnis von dem Ölteppich erlangt und auch bei der Umweltorganisation HEPCA (Hurghada Environmental Protection and Conservation Association) nachgefragt, aber keine Antwort bekommen. Die HEPCA hat heute auf ihrer News-Seite über die Katastrophe berichtet. Sie gibt die Zahl der gereinigten Strände mit „über 90 Prozent“ an, soweit es Hurghada und die Region nördlich davon betrifft. Bei den Inseln Um El Luhaimat und Tawila, die 30 Meilen nördlich von Hurghada liegen, wird es noch einige Anstrengungen brauchen. Die HEPCA fordert zudem von der ägyptischen Regierung, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um solche Katastrophen in Zukunft zu vermeiden. Auch sei es nicht hinzunehmen, dass die Ölindustrie den Vorfall als „minor lekage“ („kleineres Leck“) bezeichne, denn ein solches könne sowohl die natürlichen Resourcen als auch die Tourismusindustrie nachhaltig schädigen.

In diesem Artikel der FlatFluteDivers findet sich eine Übersichtskarte rund um El Gouna, hier sind die oben genannten betroffen Riffe, sowie die Insel Tawila eingezeichnet.

6 Kommentare

  1. Schade um das nach ökologischen Kriterien errichtete Urlauberrefugium el Gouna ; dort hat die Betreiberfirma Orascom Pionierarbeit geleistet, auch mit der Vermeidung von Bau u. Umweltsünden.
    Die Müllentsorgung ist vorbildlich, Abwässer werden wiederverwendet zur Bewässerung etc.

    Hier sieht man wieder welche Bedrohung die OffshoreÖlbohrungen für Mensch u. Natur haben.

    Schade um dieses gut gemachte „Urlauber-Pardies“ !

    Es bleibt zu hoffen, dass der Sinai von der Ölpest verschont bleibt u. auch Marsa Alam im Süden sauber bleiben.

    Trotzdem viel Spass an Ägyptens Küsten, dem Paradies am Roten Meer !

  2. Bei derartigen Katastrophen, die die gesamte Menschheit, alle Lebewesen betreffen, müssen die Zuständigkeiten für eine mögliche Bewältigung unverzüglich den für solche Situationen absolut inkompetenten Verursachern entzogen werden. Experten aus der ganzen Welt müssen angeheuert und mit enormen Erfolgshonoraren geködert werden. Jeder Tag, jede Stunde, jede Sekunde zählen!
    Das Öl im Golf von Mexiko wird die größte aus menschlicher Gier verursachte Katastrophe für unseren Globus werden. Wie kann man über Wochen BP die Zuständigkeit für eine Bewältigung dieser Ungeheuerlichkeit überlassen?!
    Die zuständigen Politiker sind ebenso inkompetent!
    Und wir hier in Europa glauben, der Golf von Mexiko und das Rote Meer vor Ägypten seien weit weg von uns. Deshalb ist bei vielen kein großes Thema. Nur von Geld ist die Rede. Geld, das die einen wegen geschäftlicher, beruflicher Ausfälle bekommen wollen. Geld, dass die Verursacher dieser Katastrophe bezahlen sollen.
    Die Natur braucht kein Geld, sie wird mehrere hundert Jahre benötigen, um all das Schreckliche abzubauen.
    Mich packt die Wut bei diesem Thema!

    Heinz-W. Geisenberger, Duisburg

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