Unterwasserfotografie: Schnorchelkameras

„Unterwasserkameras“ im eigentlichen Sinn gibt es nur sehr wenige. Die meisten dieser Kameras sind „normale“ Kameras, die man in einem wasserdichten Gehäuse platziert und auf den Tauch- oder Schnorchelausflug mitnimmt. Allerdings gibt es tatsächlich auch Kameras, die „von Haus aus“ wasserdicht sind. Da diese aber zumeist sehr eingeschränkt sind von der Tauchtiefe her, sind sie eher fürs Schnorcheln geeignet und werden deswegen auch unter dem Überbegriff „Schnorchelkameras“ geführt.

Die meisten dieser Kameras sind zudem nicht als „reine“ Unterwasserkameras konzipiert, sondern als „Sportkameras“ allgemein. Da ihr Gehäuse wasserdicht ist, können auch andere Dinge wie Sand oder Schnee nicht eindringen, was sie zum Beispiel auch für Skifahrer oder Snowboarder interessant macht, oder für Strand- und Wassersportarten allgemein. Am einfachsten sind hier die Einmal-Kameras, deswegen möchte ich auch nur kurz darauf eingehen. Es handelt sich hierbei um einfach konstruierte Kleinbild-Fotoapparate, die fest in ein wasserdichtes Gehäuse geklebt wurden. Möchte man den Film entwickeln lassen, muss das Gehäuse und die Kamera zerstört werden. Der Nachteil liegt hier in der geringen Bilderzahl, auf einen Kleinbild-Film kann man zwischen 27 und 36 Bilder aufnehmen, bevor er voll ist. Man weiß nicht, wie die Bilder „rauskommen“ , bevor nicht der Film entwickelt ist, und zumeist die Qualität der Bilder recht einfach. Aber für jemanden, der gerade einmal einen Schnorchelurlaub macht und danach auf lange Sicht vermutlich nicht mehr, ist es eine günstige Alternative. Die Einmalkameras kosten um die 10,00 Euros.

Kommen wir damit zu den digitalen Unterwasser-Kameras. Eine wasserdichte Kamera muss immer eine Reihe von Kompromissen eingehen zwischen Zweck und Machbarkeit. Nummer eins, der Zoom ist eingeschränkt. Das liegt daran, dass die Kameras kein ausfahrbares Objektiv haben können. Ein solches Objektiv würde beim Einfahren Wasser ins Gehäuse ziehen. Deswegen haben die meisten dieser Kameras nur einen Digitalzoom, der leider mit einem optischen Zoom nicht vergleichbar ist.

Nummer zwei, die maximale Tiefe ist sehr eingeschränkt. Sie geht von 1,50 m (beispielsweise bei der oben abgebildeten, aber mittlerweile nicht mehr verkauften Sony Cybershot U) bis zu 15 m. Nun ist es natürlich nicht so, dass eine Kamera, die etwa bis 5 m wasserdicht ist, kommentarlos implodiert, sobald sie in 5 m und 1 cm Wassertiefe ist. Alle Kameras haben da eine „Sicherheit“ eingeplant. Aber es ist trotzdem ein Problem, gerade beim Schnorcheln, wo man in der Regel keinen Tauchcomputer dabei hat und die genaue Tiefe nicht weiß. Wenn man ein geübter Schnorchler ist, sind 3 m Tiefe da schnell mal überschritten. Außerdem lassen sich die Auslöser schlechter bedienen, je tiefer man kommt.

Nummer drei, eine Rettung der Kamera bei Wassereinbruch ist fast aussichtslos. Während man bei einer Kamera in einem Gehäuse das Wasser im Gehäuse selbst sehen und sie eventuell noch rechtzeitig genug an die Oberfläche bringen kann, bevor die Elektronik Schaden nimmt, ist das Leben einer Schnorchelkamera, in die Wasser eindringt, beinahe augenblicklich an seinem natürlichen Ende angekommen. Wenn man den Wassereinbruch bemerkt (zum Beispiel durch Beschlagen des Objektivs von Innen), ist es meistens schon zu spät. Der Knackpunkt ist hier – wie bei allen wasserdichten Gehäusen – der Punkt, an dem das Gehäuse zu öffnen ist. Die Stelle wird mit einem flexiblen Ring, dem so genannten „O-Ring“ abgedichtet. Dieser O-Ring bedarf einer speziellen Pflege, gerade bei wasserdichten Kameras ist es extrem wichtig, darauf zu achten, dass er schmutzfrei, unbeschädigt und geschmeidig ist. Denn wie gesagt, dringt Wasser ein, ist es vorbei.

Nummer vier, gegen Kondenswasser kann man leider nicht allzu viel machen. Wasserdichte Gehäuse für „normale“ Kameras sind groß genug, um einen kleinen Beutel mit Trockensalz (Silica) aufzunehmen. Meistens haben diese Gehäuse sogar ein spezielles Fach dafür. Bei wasserdichten Kameras geht das nicht, da ihr Gehäuse mit Elektronik voll ist.

Allerdings sind die Kameras für ihr spezielles Gebiet auch besonders vorbereitet. So verfügen die meisten über eine automatische Bildeinstellung, bei der dem Effekt, dass Wasser Farben filtert, entgegen gewirkt wird. Dabei werden die Farbwerte in Richtung „rot“ verschoben. Und da das Objektiv quasi direkt ins Wasser reicht, kommt es zu weniger Spiegeleffekten, wie bei Kameras in wasserdichten Gehäusen (da das Objektiv der Kamera hier nochmal hinter einer Scheibe sitzt, kann es bei entsprechendem Lichteinfall dazu kommen, dass sich selbiges in der Scheibe spiegelt und das Bild damit ruiniert). Und natürlich sind die Kameras handlicher als die großen Gehäuse. Des weiteren kommt es gerade dem Schnorchler zu Gute, dass das Gehäuse mit Elektronik voll ist, dadurch befindet sich darin kaum Luft und es hat weniger bis gar keinen Auftrieb.

Wie kommen die Bilder denn raus? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Zum einen hat die Unterwasserfotografie mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen, die auch die Schnorchelkameras nicht ausgleichen können. Fotografiert man beispielsweise mit Blitz, können reflektierende Schwebeteilchen im Wasser das Bild unbrauchbar machen. Außerdem ist die Qualität natürlich von der Bildauflösung und der Empfindlichkeit der Kamera abhängig. Am schwersten haben es hier die Einmal-Kleinbildkameras, deren Bilder bei schlechten Lichtverhältnissen gerade unter Wasser gerne mal dunkel werden. Dem kann man hier nur mit der Wahl einer Kamera mit ISO-800-Film entgegen wirken. Bei den Schnorchelkameras können 2 Megapixel Auflösung bereits ausreichen (das Bild vor diesem Absatz ist mit dieser Auflösung fotografiert), wer seine Bilder aber gerne vergrößert an die Wand hängen möchte, sollte eine höhere Auflösung wählen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschwindigkeit – wie lange braucht die Kamera, bis sie nach dem Einschalten einsatzklar ist, und wie lang braucht sie, um nach einem Fotografiervorgang für das nächste Bild bereit zu sein? Da gibt es sehr große Unterschiede, da einige Kameras teilweise mehrere Sekunden brauchen, um ein Bild abzuspeichern. Hat die Kamera verschiedene Unterwasser-Modi, zum Beispiel für bewegte Motive? Gerade beim Schnorcheln ist es schwierig, die Kamera bei einer längeren Verschlusszeit ruhig zu halten, so dass das Bild nicht verwackelt. Im Modus für bewegte Motive ist die Verschlusszeit in der Regel kürzer.

Kurzer Test der Filmfunktion – hier klicken zum Ansehen

Wem die Filmfunktion wichtig ist, der sollte auch hier auf die Qualität achten. Kameras mit niedriger Auflösung liefern leider nur sehr bescheidene Ergebnisse, wenn man Pech hat, sogar ohne Ton.

Für wen sind dann die wasserdichten Kameras geeignet? Am ehesten für Sportler und Menschen, die die Kamera im Urlaub bei den verschiedenen Aktivitäten dabei haben wollen. Sie sind gut als speziell geschützte „Landkameras“ zu verwenden, da ihr Gehäuse nicht größer ist, als bei anderen Kompaktkameras. Ihren großen Vorteil spielen sie natürlich am, auf und im Wasser aus, allerdings muss man beim Kauf genau wissen, was man mit der Kamera vorhat und die maximale Tiefe entsprechend wählen. Während für allgemeine Wassersportarten wie etwa Segeln die Kamera bis 1,5 m Tiefe ausreicht, sollten Kameras für Schnorchler mindestens 5 m aushalten können. „Urlaubstaucher“ sollten eine Kamera mit 15 m Maximaltiefe wählen, aber beim Kauf auch sehr genau abwägen, ob es nicht sinniger wäre, ein Gehäuse für die eigene Digitalkamera zu kaufen. 15 m schön und gut, aber damit ist das Ende der Fahnenstange wirklich erreicht. Sollte man irgendwann weitermachen und tiefer gehen wollen (zum Beispiel, weil man einen neuen Kurs gemacht hat), ist eine neue Kamera bzw. ein Gehäuse für die eigene Kamera fällig.

Der Name „Schnorchelkamera“ für diese Art Kameras ist daher nicht zufällig gewählt. Wassersportler und Schnorchler finden bei den wasserdichten Kameras sicher etwas, das ihren Ansprüchen genügt. Taucher geraten hierbei allerdings schnell an eine Grenze.

Hier noch eine kleine Auflistung verschiedener wasserdichter Kameras, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Auflistung sieht folgendermaßen aus: „Name der Kamera / maximale Wassertiefe / Auflösung in Megapixel“. Werte laut Herstellerangaben (sofern zu ermitteln), ohne Gewähr! Die einzelnen Kameras können Sie sich unten bei AMAZON.de ansehen und auch bestellen.

  • Fujifilm Quicksnap Marine 800 Film / 10 m / keine (Kleinbild-Film)
  • Kodak Sport wasserdichte Einwegkamera ISO 800 / 15 m / keine (Kleinbild-Film)
  • Digitale Unterwasserkamera Mayhem Precision / 3 m / 2 MP
  • AgfaPhoto DC-600 UW Ocean Digitalkamera / 10 m / 6 MP
  • Rollei X-8 Sports / 10 m / 8 MP
  • Fujifilm FinePix Z33WP / 3 m / 10 MP
  • Olympus Mju-550WP Digitalkamera / 3 m / 10 MP
  • Easypix W508 Starfish Unterwasserkamera* / 15 m / 5 MP

* = bei dieser Kamera handelt es sich genau genommen nicht um eine Unterwasserkamera, sondern um ein Komplettset, die Kamera wird mit einem wasserdichten Spezialgehäuse verkauft.

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