Archiv für den Monat: September 2009

Der OWD – Freiwassertauchgang 3

Endlich war der Tag gekommen. Die Tage des Scuba Divers waren nun endgültig gezählt. Wir fuhren zum Schluchsee – Freiwassertauchgang 3 und Theorie.

Dort angekommen wartete unser Majki schon auf uns. Er hatte seine Frau mitgebracht, die gerade in der Divemasterausbildung war und uns mit begleiten sollte. Uns war das nur recht. Je mehr Augen unter Wasser, umso besser. Doch zuerst hatte Majki noch eine kleine Überraschung für uns parat. Da in dem OWD Kurs die Kompassnavigation zu erlernen ist, sollten wir das erst mal an Land üben. Dazu ließ er uns einen beliebigen Punkt anpeilen, hängte uns ein Handtuch über den Kopf und wir mussten mittels Kompass den Punkt finden. Grob gesehen fanden wir die Punkte auch, nur möchte ich nicht wissen, was die vielen Spaziergänger so dachten, als sie eine mit einem Handtuch auf dem Kopf behängte Person sahen, die von zwei anderen in die Mitte genommen wurde. Hinrichtungen sind in unserem Zeitalter ja eigentlich passé.

Einige Übungen später ging es dann endlich ins Wasser. Hier passierte mir der erste faux-pas. Majki war schon im Wasser (Gott sei gedankt!) , ich war als nächste dran. Ich ließ etwas Luft in mein Jacket (endlich war es wieder da!!) und wollte elegant ins Wasser gleiten, – fupp, und weg war ich. Mit Flossenkraft strampelte ich mich an die Oberfläche zurück, drückte meinen Inflatorknopf , aber nichts tat sich. Ich konnte gerade noch hören, wie Majki sagte: „Laß doch mal Luft in dein Jacket“, und schon war ich wieder unter Wasser. Ich kam wieder hoch und erwiderte: „hab ich doch“, aber das Sprechen ist mit Luftverlust in der Lunge verbunden, so dass mein einziger „Tarierkörper“ wieder leer war und ich wieder auf dem Weg nach unten war. Strampelnd hielt ich mich an der Oberfläche, ich wußte gar nicht, was los war, da kam Majki zu mir und hielt mich fest. „Nimm mal den Automaten in den Mund“, sagte er ruhig, (sehr gute Idee!!!!), dann bemerkte er, dass es aus dem Inflatorschlauch massiv abblies. Ich sah mein Jacket gedanklich schon wieder in München, da bemerkte Thorsten – das Adlerauge – Reimnitz, dass es nicht aus dem Schlauch, sondern aus dem Ventil abblies. Und hier war der Fehler schnell behoben. Miss „besonders schnell“ hatte den Schlauch nicht richtig draufgeschraubt.

Thorsten: Nun, ich habe das Verhalten von Luft im kompakten Medium – wie Wasser – eingängig studiert. Die Form der Luftblasen, die aus dem Jacket kamen, hatten Tropfenform, das heißt, sie wurden eindeutig durch ein Gewinde, das nicht richtig verschlossen war, herausgedrückt. Aus diesen Beobachtungen schloss ich rasiermesserscharf…

ZACK!

Aua! Nicht immer auf den Oberarm. Ja, ich geb’s ja zu, die Wahrheit ist wesentlich unspektakulärer – mir ist mal das Gleiche passiert. Da man das Jacket ja von Zeit zu Zeit auch von Innen ausspülen soll, hatte ich den Inflatorschlauch von meinem abgeschraubt und nach dem Trocknen wieder festgeschraubt – zumindest glaubte ich das. Als ich dann im Wasser war, zeigte sich das Gleiche wie bei Annette. Na ja, freut mich, dass ich helfen konnte.

Nach diesem kleinen Vorfall verlief der restliche Tauchgang störungsfrei. Da wir Aufsichtspersonal vor sowie hinter uns hatten, verzichteten wir auf die üblichen Rangeleien unter Wasser und sogar ich kam das allererste Mal in meinem Leben nicht abhanden. Was rede ich da? Ich betrieb das allererste Mal keine botanischen Studien. *hust hust.

(Nicht lachen… nicht lachen… NICHT LACHEN… pfffffffffmmmmhahahahahahahahahahahahahahahaha *hust *hust) Genau. Wir viel zu beschäftigt mit den Übungen für *hust botanische Studien.

Wir tauchten ein Weilchen, dann übten wir Tarieren. Dieses Mal klappte es bei mir wesentlich besser. Thorsten kippte etwas nach rechts ab. Offenbar wollte er noch eleganter wirken als ich. Alter Angeber!

He, das war nur der Ausgleich für den nicht gemachten „Fernsehsessel“ vom Schwimmbadtauchgang. Hurra, ich schwebe…

Ja, wohin schweben wir denn? Ziemlich zügig und ohne Unterbrechung Richtung Oberfläche…wa? 🙂

Wäwäwääää!

Wir übten sowohl die „alten Sachen“ vom Scuba Diver wie auch die neuen. Beim Kompassschwimmen passierte mir dann der 2. faux-pas, denn ich schwamm 180° in die falsche Richtung. Es stellte sich aber heraus, dass mein Kompass hängen geblieben war. Gar nicht meine Schuld. Thorsten brachte den Oberhammer, indem er gleich mal seinen geliehenen (ich wiederhole: g e l i e h e n e n) Kompass verlor.

Ich hab ihn gar nicht verloren. Kaum waren wir an Land, da kam auch schon ein anderer Taucher und brachte ihn wieder zurück. Ich habe den Kompass nur kurzfristig auf dem Seegrund deponiert. Ich wusste *hust, dass ihn jemand anderes wiederbringen wird. Überhaupt wäre das alles nicht passiert, wenn ich endlich meine Konsole mit eigenem Kompass hätte. Gar nicht meine Schuld, so! Aber na ja, so muss ich schon nicht navigieren. 😀

Wird auch besser so sein. Dass du nicht navigierst meine ich. Wer weiß, wo wir sonst gelandet wären. Bei deinem Orientierungssinn… und dann noch ohne Brille und Kontaktlinsen…

Also, während Du eine 180°-Kehre aufs Ufer zu gemacht hast beim Navigieren – anstatt zu den Bojen von der Plattform – , musste man bei mir aufpassen, dass ich mir nicht den Kopf am angepeilten Ziel anstoße – so exakt habe ich es bei der Übung getroffen. Ja-ha, das hab ich wohl!

Offenbar HAST du dir den Kopf angeschlagen und es wieder vergessen… kann vorkommen. Aber ob das an der Boje war…

Tz! Den Kopf angestoßen, ich doch nicht… was denkst Du eigentlich, Anna… Amalie? Anja? Antje? Verdammt, es war irgendwas mit „A“. Andrea… Anastasia… Andromeda…

Aus dem Wasser raus brauchten wir erst mal eine Pause. Dann begaben wir uns in den Unterrichtsraum, wiederholten noch einmal die Theorie und mussten dann die Prüfung schreiben. Majkis Frau Babsi schrieb mit uns, wenn auch nicht die OWD-Prüfung natürlich, sondern Tauchphysik. Darum hab ich sie nicht beneidet. Ich als natürliches Physikgenie, das Physik in der Schule gleich mal nach der 10. Klasse abgewählt hat (wer braucht schon Physik…) werde mir in Zukunft an dieser Prüfung wohl auch die Zähne ausbeißen.

…hmmm, also, das wird mir nicht passieren. 😀

natürlich nicht. Weil ich wieder nächtelang durchpauke und du alles von mir abschreibst…

He – mein mittleres Initial ist „P“. „P“ wie „Physik“, Du verstehst?

Nö. Ist mir bisher noch nicht aufgefallen. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Dann kann ich ja mal bei dir abschreiben 😀

Jedenfalls haben wir es alle geschafft! Juchuuu. Der OWD war nur noch ein Tauchgang von uns entfernt!

Ja! Hurra! Und wir waren gar nicht mal schlecht. Aber uns standen noch ein paar Abenteuer bevor… der zweite Freiwasser-Tauchgang der OWD-Ausbildung und… der erste Tauchgang ohne Aufpasser.

Der OWD – der Schwimmbadtauchgang

Wir hatten also den Plan geschmiedet. Der OWD („Open Water Diver“). Für diese Entscheidung brauchte ich sicher nicht lange. Ich hatte bereits vor Monaten „Blut geleckt“ und war mir zu dem Zeitpunkt auch durchaus schon bewußt, in welche Richtung mich meine Taucherkarriere eines Tages mal bringen wird. Und so buchten wir gedanklich einfach um, statt den OWD in Ägypten fertig zu machen würden wir eben dort dann den AOWD machen.

Bei Thorsten musste ich auch nicht lange Überzeugungsarbeit leisten. Im Gegenteil. Jetzt wurde es spannend. Jeder kruschtelte sein OWD Buch hervor und las auf Teufel komm raus. Unser neuer TL sollte sich telefonisch melden, und es dauerte nicht lange, da tat er das auch. Und wir vereinbarten einen Termin für den noch fehlenden Schwimmbadtauchgang in Lauchringen.

Thorsten: So, heute mal umgekehrt, Annette erzählt, ich kommentiere. Und sie musste wirklich keine Überzeugungsarbeit leisten. Im Gegenteil, sie rannte offene Türen ein. Das ist uns nun schon mehr als einmal passiert. Irgendwie scheint es keinen Sinn zu haben, auf lange Sicht zu planen, wir schmeißen sowieso wieder alles über den Haufen. Das Telefonat mit dem neuen TL hatte eine sehr nette Komponente, aber davon wird Annette noch berichten.

Nun passierte aber Folgendes: Eine Woche, bevor wir den OWD-Schwimmbadtauchgang machen sollten, waren wir nochmals mit Thorstens Kollege Martin  tauchen. Bei diesem Tauchgang stellte ich fest, dass irgendwo an meinem Inflatorschlauch eine Undichtigkeit sein musste… kleine Luftbläschen waren zu sehen. Martin riet mir, den Schlauch zur Revision zu bringen. Gut und schön. Leider… leider hatte ich das Jacket in München gekauft, und das war jetzt nicht so einfach, „kurz mal den Schlauch zur Revision“ zu bringen.

Ergo tyrannisierte ich den Besitzer des Tauchgeschäftes mit diversen eMails sowie Telefonanrufen und ich schickte ihm den Schlauch per Eilpaket. Er versprach mir, dass der Schlauch rechtzeitig wieder da sein sollte, war er aber leider nicht. So musste unser neuer TL ein Jacket für mich mitbringen. Das bereitete mir etwas Magenschmerzen. Ich hab zwar noch nicht viele Tauchgänge, aber ich hatte bereits mein Jacket lieb gewonnen und wollte nur ungern drauf verzichten.

Heulen und Zähneklappern half nichts, der Schlauch war nicht da, und insofern musste ich mich ohne mein geliebtes Jacket auf den Weg machen. Wir sollten unseren TL vor dem Schwimmbad treffen. Den Weg schätzen wir länger ein, als er war, denn wir kamen eine glatte halbe Stunde zu früh an. Nun, was jetzt tun? Wir kurvten auf dem Parkplatz herum, zum draußen hinsetzten eigenete sich das Wetter nicht, also überlegten wir, ob wir noch schnell in der Wirtschaft um die Ecke was trinken sollten. Die hatte aber zu.

So saßen wir im Auto. Nun ja. Ich machte dann den Vorschlag, vielleicht einfach mal zum Eingang zu gehen um zu schauen, wo der überhaupt ist. Wir liefen also auf den Eingang zu, da stand er. Unser Majki. 🙂 Unser TL (und seine Tauchschule mit einem Klick hier oder in der Linkliste an der Seite). Vom Sehen kannte ich ihn zumindest schon, ob er sich an uns erinnerte war ich mir nicht sicher, deshalb winkte ich ihm erst mal zu. Er winkte zurück, die erste Hürde war erfolgreich überwunden. Innerlich grinste ich. War ja wieder mal typisch. Wären wir doch glatt eine halbe Stunde im Auto gesessen und der arme Majki eine halbe Stunde vor dem Eingang gestanden.

Hier möchte ich an der Stelle noch etwas loswerden. Zumindest von meiner Seite aus war es Sympathie auf den ersten Blick. Und darüber war ich froh. Sehr sogar. Wenn man in einer solchen Sportart unterrichtet wird, ist es ungemein wichtig, dass man Vertrauen zu seinem Lehrer hat. Und Vertrauen hat auch was mit Sympathie zu tun. Ich sah ihn und ahnte, dass ich mich unter Wasser wohl fühlen würde.

So lasset mich denn der schönen Sitte pflegen, der Dame nach dem Mund zu reden… Nein, im Ernst, ich kann da nur zustimmen. Und ich bin dankbar, dass Annette unseren TL auf die Entfernung erkannt hat. Ich habe beim Tauchen meine Kontaktlinsen nicht drin und zu dem Zeitpunkt auch keine Brille auf. Ich sah nur, dass da jemand stand – aber das hätte jeder sein können.

Nur zur Information: Es gibt für solche Fälle gelbe Binden für den Arm, da sind 3 große schwarze Punkte drauf…

Hach, ist sie nicht lieb?… Ja, sie ist NICHT LIEB! Immerhin sehe ich dafür unter Wasser umso besser. Hätte mir noch ein Hinweis sein sollen, das Tauchen früher anzufangen.

Nach einem kleinen „Kennenlernen“ besprachen wir das weitere Vorgehen. Sehr angenehm war die Tatsache, dass man uns anbot, bei Unsicherheiten unbegrenzt im Freibad üben zu können, ohne dass man etwas dazu zahlen müsse. Das bestätigte unseren ersten Eindruck, nämlich dass es Majki wirklich dran gelegen war, dass wir unsere Technik beherrschen, und dass er uns nicht „einfach so durchpauken“ wollte. Und: Majki läutete eine NEUE Ära ein: Wir waren es bisher gewohnt, gefragt zu werden: „Habt Ihr…“ und wir mussten antworten: „Nein, haben wir nicht“. Nun kam die Ära: „Ach, habt Ihr schon… wieso das, hey! Ihr seid doch Schüler!“

Das war die nette Komponente im Telefonat, die ich oben meinte. Majki wollte nämlich eigentlich, dass ich ihm noch unsere Konfektionsgrößen durchgebe, damit er uns die Ausrüstung mitbringen kann. Ich habe mich fast dafür entschuldigt, dass er das nicht braucht. Ja, wir sind eben sehr strebsame Schüler. Wir stecken unsere Nasen nicht nur in Bücher, wir sind auch praktisch veranlagt.

Dann ging das große Umziehen los. Leider hatte mich Majki etwas überschätzt, was die Größen anging. Das Jacket, das er mir mitgebracht hatte, war deutlich zu groß. Aber ich bin es ja gewohnt. In Ägypten steckte man mich in einen Anzug, der drei Nummern größer war als der von Thorsten, dabei sind wir ungefähr gleich groß und ich war zu dem Zeitpunkt knapp 10 kg leichter als er. Hier stellt man sich natürlich die Frage, wie wirkt man und wie will man wirken. Aber das ist ein anderes Thema.

Und los gings zum Pool. Majki machte uns nochmal den Einstieg vor, der große Schritt. Ich folgte ihm gleich, aber seltsamerweise kann ich einfach nicht nur einen Schritt machen, ich muss immer dabei hüpfen. Das war in Ägypten beim Tauchboot auch schon so. Der Himmel weiß wieso. Vermutlich bin ich so beschwingt. 🙂 Selbst PPB (Plattform Problem oder auch Panic Buddy) Thorsten kam ziemlich schnell hinterher.

Ja, und keiner hat mich beachtet… zum Glück! So hat nämlich auch keiner gesehen, dass es mich fast auf die Schnauze geschlagen hat. Als ich meinen großen Schritt machte, rutschte ich nämlich mit dem einen Fuß am Beckenrand ab und anstatt senkrecht bin ich mehr schräg eingetaucht. Zum Glück ist es nur Wasser. Nein, mir ging es gut, danke der Nachfrage! Aber irgendwas muss wohl immer sein.

Wirklich? Also ich fasse es nicht. Hast du mir gar nicht erzählt! Insofern wäre Flossen-Hürdenlauf auch nicht der richtige Sport für dich! Aber gut. Machen wir weiter:

Dann übten wir den 5-Punkte-Abstieg. Ich warf einen Blick ins Becken. Oh weh. Ich ahnte es schon. Ein mulmiges Gefühl stieg in mir auf. Ich befürchtete, dass es mir im Schwimmbad schlecht werden würde. Das Problem hatte ich in München bei den Divers ja schon gehabt. Die Kacheln, das Wasser, die Vergrößerung… ich hoffte, dass mir das jetzt nicht wieder passieren würde.

Unter Wasser begannen wir mit den Übungen. Sie klappten eigentlich problemlos. Und für unseren Geschmack schon wieder zu gut. Was uns allerdings noch Schwierigkeiten machte waren die Tarierübungen. Pivotieren, also auf den Flossenspitzen zu balancieren, ging bei mir fast gar nicht. Gut, das Jacket war viel zu groß und die Flasche schwankte hin un her, das mag schon ein Grund gewesen sein, aber ich bekam noch nicht einmal die Flossen auf den Grund. Thorsten hatte ähnliche Schwierigkeiten. Das Hovern (der „Fernsehsessel“) ging auch nicht besser. Damit hatten wir in München auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, da wollte es auch nicht klappen. Trotz der Beteuerungen, dass das mit der Zeit noch käme, ärgerte es mich doch schon ein bisschen. Ich hatte da wohl etwas mehr von mir erwartet.

Zur Erklärung für die, die’s möglicherweise nicht wissen: der „Fernsehsessel“ ist eine Übung, bei der der Taucher im Wasser schwebt, und zwar so, als würde er in einem Sessel sitzen. Ich hab ihn auch nicht hingekriegt, was primär daran lag, dass ich es nicht versucht habe. Mir war nicht klar, dass der „Sessel“ gefragt war. Mir sagt ja keiner was.

Ich hatte dir beim letzten Mal ja schon angeboten, dir die Ohren zu putzen. Das Angebot steht noch. Ich bin entsetzt wie wenig du zuhörst! Könnte mir nicht passieren!

*Pruuuuuuust! Hust! Hust!… Musst Du sowas sagen, wenn ich gerade das Glas angesetzt habe? Jetzt habe ich mir die Nase mit Cola gespült… järgs… sehr angenehm. *Schneuz! „Könnte mir nicht passieren“ – und das sagt sie, ohne rot zu werden!

Ich weiß jetzt gar nicht, wovon du sprichst… aber falls es genehm ist können wir das Ohrenputzen gerne um eine professionelle Nasenspülung erweitern…

Zwischenrein schwammen wir noch ein paar Runden, was auch gut klappte, wenn ich Thorsten nicht ständig abgedrängt hätte. Ich bin eben ein sehr einnehmendes Wesen 🙂 Wechselatmungsübungen, Schwimmen ohne Brille, diese Dinge bereiteten uns erst mal keine Schwierigkeiten. Jacket an der Oberfläche an und ausziehen auch nicht, schließlich waren wir fertig.

Einnehmendes Wesen, oh ja. Dass Du so kuschelbedürftig bist, hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Da ich „Außenbahn“ geschwommen bin, hatte ich also nicht nur die weitere Strecke zurückzulegen, sondern sah hin und wieder die Beckenwand bedrohlich nahe kommen. Von solchen Kleinigkeiten (hüstel) abgesehen, lief es aber ganz gut. Wir haben sogar in unseren Geheimzeichen kommuniziert.

(Das hast du völlig missverstanden. Ich hab dich absichtlich abgedrängt. Weil du so fies gelacht hast, als mich beim letzten Schluchseetauchgang der TLA in einen Torfberg abgedrängt hat aus dem ich fast nicht wieder rauskam. Ich hab das hier nur so formuliert, damit ich nicht als böse Hexe da stehe.)

(Ich soll gelacht haben? Du weißt doch, ich lache nie bei sowas, ich schmunzle höchstens. Und in Deinem ganz speziellen Fall habe ich eine altbekannte Weise vor mich hingeträllert… „Rut mit’n Torf – hau rinn und hol rut, dat matscht so schön und tut so gut…“*)

Da Majki Urlaub hatte, bot er uns an, wenn wir es für nötig halten würden, dann würde er gerne mit uns nochmal ins Bad gehen, aber wir fieberten natürlich dem Wochenende entgegen. Da sollten nämlich die Freiwassertauchgänge stattfinden, am Schluchsee, und die Prüfung geschrieben werden. Ich fürchte, wir haben dem Wochenende noch nie so entgegengefiebert wie da. Obwohl wir beide die Woche frei hatten, konnte sie nicht schnell genug um sein.

Mein Lehrbuch hat seit Ägypten schon leiden müssen, weil ich ständig drin gelesen habe. Aber in der Woche hat es besonders leiden müssen. Zurzeit steht es bei mir im Regal, immer griffbereit, falls ich was nachlesen möchte. Aber ich glaube, es zuckt schon zusammen, wenn ich mich nur dem Regal nähere. Es begleitete mich nämlich an viele Orte, wurde geöffnet, geknickt, durchgebogen, beschriftet… Und dann war es tatsächlich so weit. Der erste von unseren zwei Abschlusstagen vom OWD brach heran (hier heroische Fanfare denken). Unsere Tage als „Scuba Diver“ würden gezählt sein.

* = Torfrock: „Rut mit’n Torf“

Die FlatFluteDivers und der Phantomsee

Mittlerweile war es fast schon zu einer lieben Gewohnheit geworden, vor dem nächsten Tauchgang nochmal in den Laden zu gehen und das eine oder andere Teil dazu zu kaufen, das man noch nicht hatte, was aber unverzichtbar war. Allerdings war etwas merkwürdig: O-Ringe, die Annette unbedingt haben wollte, gab es nicht, nicht mal in dem Tauchladen in Salzburg, in dem ich vorbeigeschaut hatte, als ich dort zu Besuch weilte. Dafür hatte ich ihr dann Ohrringe mitgebracht (ich kleiner Schelm, ich).

O-Ringe hatten wir also diesmal auch nicht gekriegt, aber dafür Handschuhe und Shaker. Das war doch auch schon was. Bedauerlicherweise stellte sich heraus, dass die „Metal Straps“ (Metallfedern als Flossenbänder), die ich Annette auch aus Österreich mitgebracht hatte, an ihren Flossen nicht befestigt werden konnten. Damit landeten sie bei eBay.

Unser nächstes Ziel war also der Schluchsee. Dort gibt es verschiedene Tauchgebiete, die unterschiedlich tief und unterschiedlich geeignet sind. Wir Anfänger mit Tauchgang Nr. 5 nahmen natürlich das einfachste. Respektive, wir ließen es nehmen und vermuteten, dass es das einfachste war, denn da mussten wir uns auf die Informationen der Tauchbasis vor Ort verlassen. Wir wurden sehr freundlich empfangen, man zeigte uns alles und hatte auch Verständnis für unseren Wunsch, tauchen gehen um zu üben. Zum ersten Mal wurden wir nicht gefragt, ob wir nicht gleich den OWD machen wollten. Das sollte noch Folgen haben.

Annette: Hier kann ich mich Thorstens Meinung nur anschließen. Wir wurden wirklich sehr herzlich empfangen. Ehrlich gesagt hatten wir etwas Sorge, denn im Internet liest man immer wieder von Tauchern, die offenbar sehr genervt sind von Anfängern. Insofern hatten wir fast das Bedürfnis, uns für unser „Anfängertum“ entschuldigen zu  müssen, aber Michael, einer der Chefs der Basis, wischte unsere Bedenken mit einem Mal weg.

Über den Schluchsee als Tauchgebiet findet man hier eine allgemeine Beschreibung. Unser Tauchgang sollte nun nicht nur von einem, sondern von zwei Tauchlehrern begleitet werden, beziehungsweise, einer von beiden – der spontan zum Mitkommen aufgefordert wurde – war gerade auf dem Weg, Tauchlehrer zu werden. Und schon kam die nächste „Habt-Ihr?“-Frage: „Habt Ihr Lampen?“ Äh, nö? Warum das so wesentlich war, sollten wir gleich beim Tauchgang herausfinden. Wenn man nämlich ein paar Meter abtaucht und in Richtung Seemitte (also ins Tiefe) schaut, sieht man ungefähr das hier:

Der Schluchsee von unten

Der Schluchsee von unten

Ich möchte hierbei mit allem gebotenen Nachdruck betonen, dass das Bild tatsächlich im Schluchsee aufgenommen wurde – und zwar bei Tag! Im See liegen Unmengen von Torfballen, mit denen man zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs das Wasser abgedeckt hatte. Sie sogen sich voll mit Wasser und sanken auf den Grund. Da liegen sie noch heute und lösen sich auf. Und das verdunkelt das Wasser. Was noch hinzu kommt: da der Schluchsee ein Stausee ist, wird ab und zu das Wasser umgesetzt, dabei lösen sich die kleinen Teilchen so richtig gut und wirbeln durcheinander.

Eigentlich praktisch. So kann man Nachttauchgänge auch tagsüber durchführen…

Schwebeteilchen können den ein oder anderen Taucher Übelkeit bescheren. Ich hatte zuerst etwas Angst, aber ich hab keine Probleme gehabt. Im Gegenteil. Ich fand sie praktisch, denn so konnte ich  gleich „mit einem Blick“ sehen, ob ich die Höhe halte oder falsch tariere… 🙂 Man muss immer das Beste aus einer Situation machen!

Wir hatten uns in der Basis umgezogen, die in einem ehemaligen Eisenbahngebäude untergebracht ist und gut Platz bietet. Dann überquert man die Straße, steigt eine Treppe hinab – schon ist man im See. Andere Tauchgebiete können auch mit dem Boot angefahren werden. Die Situation war für uns etwas ungewohnt. Selbst in den heimischen Gewässern, in denen wir bisher waren, hatten wir mehr Sicht als hier. Begleitet wurden wir diesmal gleich von zwei „Guides“, einem Tauchlehrer und einem Assistent, der das noch werden sollte. Unser Weg führte uns die Uferlinie entlang. wo es tatsächlich einzelne helle Flecken gab. Außerdem wurden hier für die Taucher einige Dinge installiert, zum Beispiel eine Galerie (das ist nicht im übertragenen Sinn gemeint, es handelt sich um eine Sammlung von Bildern, die an einem Gestell angebracht sind) oder ein Boot, das auf dem Grund liegt.

Die Tücken des dunklen Wasser durften wir – Annette und ich – dann auf dem Rückweg so richtig kennenlernen. Wir tauchten zu zweit nebeneinander, die beiden Tauchlehrer vorweg, wir hinterher. Plötzlich bemerkte ich, dass Annette weiter weg war als bei meinem letzten Blick. Sie war also mal wieder auf Exkursion. (*) Nicht, dass das was Neues wäre, aber angesichts der schlechten Sicht kamen mir Bedenken. Ich konnte sie aber noch sehen und sah auch, dass sie in die richtige Richtung blickte – zu unserem Tauchlehrer, der recht auffällig helle Flossen hatte. Aber sie macht keinerlei Anstalten, dahin zu schwimmen. Damit war ich in einem Dilemma – sollte ich nun zu Annette oder bleiben, wo ich bin? Würde ich ihr andeuten können, dass die Richtung schon richtig war? Oder würden wir dann beide die TLs verlieren? Doch mit einem Mal war sie im Dunkel verschwunden. Kurz sah ich noch ihre Blasen aufsteigen, dann war sie endgültig weg. Für mich das Zeichen, dem TL Bescheid zu geben. Er bedeutete mir, bei seinem Assistent zu bleiben und machte sich auf den Weg, sie zu suchen. Ausgemacht war, dass man zur Oberfläche gehen soll, wenn man verloren geht, und ich wusste genau, dass Annette das machen würde.

(*) Eine derartige UNVERSCHÄMTHEIT sowas zu behaupten! Also, das war natürlich ganz anders! Wir sind nämlich plötzlich ein kleines Stück höher getaucht, und durch die Oberfläche brach das Sonnenlicht. Und mit einem Mal befand ich mich in einer „Schwebeteilwolke“. Ich versuchte, meine Hand direkt vor meinen Augen zu sehen, es ging nicht. Also versuchte ich, das Licht der Lampen zu erkennen, um ungefähr die Richtung zu sehen, aber da ausgerechnet an der Stelle das Wasser sehr hell war, konnte ich auch die Lichter nicht sehen. Ich tauchte ein Stück vor, in der Hoffnung, aus dieser Wolke herauszukommen, aber die Sicht blieb schlecht. Also ein Stück runter, unten ist es meist besser. Aber dann kam mir ein Gedanke: Alleine? So passieren Unfälle. Zumindest bei so jungen Anfängern wie ich einer bin. Deshalb traf ich die Entscheidung, nicht eine Minute unter Wasser zu suchen sondern gleich aufzutauchen. Gemütlich stieg ich auf und wartete, und tatsächlich erschien Michaels Kopf knapp eine Minute später. Übrigens ein beachtliches Stückchen weiter weg.

Indessen, ich hatte ein Problem. Der TLA deutete mir an, ich sollte an Ort und Stelle bleiben, was mir nicht so recht gelang. Also, an Ort und Stelle blieb ich schon, aber ich trieb umher wie ein Luftballon im Wind. Ja, Tauchgang Nr. 5, ich weiß, aber es ärgerte mich trotzdem. Irgendwann hielt ich mich mit einer Hand an einem Stein fest, dann ging es einigermaßen. Just zu dem Moment kehrte der TL zurück und brachte Annette mit, die – wie ich später erfuhr – wie vorgesehen zur Oberfläche gegangen war.

Nun setzten wir unseren Tauchgang fort, der uns langsam zurück in Richtung Ausstieg führte. Hier musste Annette feststellen, dass sie ihren Shaker, den wir erst kurz zuvor gekauft hatten, verloren hatte. Wie – das bleibt das Geheimnis des Shakers. Die Schnur, an der er hing, war nämlich noch intakt. Aber er war weg und liegt nun auf dem Grund des Schluchsees. Der Tauchgang war sehr ungewohnt gewesen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Sichtweite das exakte Gegenteil von dem war, das wir in Ägypten erlebt hatte. Trotzdem hatte das was. Noch dazu hatten wir wieder mal Glück gehabt, die Leute an der Tauchbasis waren nett und hatten Verständnis für uns Anfänger. Da sich die Möglichkeit bot, machten wir gleich einen neuen Termin aus für eine Woche später.

Dazwischen lag ein Kino-Abend, vor dem wir wieder mal ins Tauchgeschäft wollten, um uns mit Lampen auszurüsten. Aber nun ja… der Laden hatte Mittwochs geschlossen. Das gab uns mehr Zeit fürs Abendessen und uns auf „Harry Potter“ einzustimmen. Dann eben nochmal ohne Lampen.

Diesen Tauchgang sollten wir zu dritt machen, also nur mit einem TL. Wir erkundeten diesmal ein anderes Gebiet, und was soll ich sagen? Annette ging wieder verloren (*) , wobei ich wieder das gleiche Dilemma hatte: Ich sah, wie sie sich entfernte. Ihr nach, oder dem TL folgen? Ich folgte dem TL. Nachdem wir sie unter Wasser nicht wiederfanden, stiegen wir zur Oberfläche auf, wo sie schon wartete. Da kann man sich auf sie verlassen.

(*) Es ist mir zwar unangenehm, aber es stimmt. Einmal in die andere Richtung geguckt und schon ist es passiert! Ich bin sonst nicht so! Wirklich nicht. Es war mir auch schon echt peinlich langsam…

Ohne weitere besondere Vorkommnisse ging es dann weiter und wir beendeten den Tauchgang dort, wo er angefangen hatte.

Kommt mir das nur so vor oder haben wir beim Erzählen des letzten Tauchganges vielleicht eine Winzigkeit vergessen lieber Autor? Es begab sich nämlich der Moment, in dem ich mich vertarierte und fast an die Oberfläche schoss. Um nicht schon wieder abhanden zu kommen improvisierte ich einen „Delfinsprung“ nach unten und sauste  direkt neben dir vorbei wieder runter. Und hab den Anschluss behalten! Ich möchte bitte, dass diese Heldentat erwähnt wird!

Im Gegensatz zu dir. Ich erinner mich, wie ich auf dem Grund neben Michael saß und wartete… und wartete… und wartete… weil ein gewisser Buddy ABHANDEN gekommen war… Mr „blütenweiße Weste“… versuch ja nicht zu lügen. Ich hab davon sogar ein Foto!

Michael beim Warten auf Mr Blütenweiße Weste (a.k.a. "Warten auf Godot")

Michael beim Warten auf Mr Blütenweiße Weste (a.k.a. "Warten auf Godot")

Mann, jetzt hatte ich das soooo gut verdrängt, da wühlst Du alles wieder auf! Ich kann alles erklären. Ich bin nämlich gar nicht abhanden gekommen. Als ich den Sichtkontakt zu Dir verloren hatte, hab ich angehalten und bin… ich bin… ich bin in eine ganz fiese Reißströmung geraten, die vom Seegrund senkrecht nach oben in Richtung Oberfläche ging und mich mitriss… nein, warte, das Magnetfeld der Erde hatte sich an der Stelle für einen Moment gedreht, deswegen bin ich in Richtung Oberfläche getrieben… nein, als Du Deinen „Delfinsprung“ an mir vorbei gemacht hast, bin ich in Dein Kielwasser geraten und in Richtung Wasseroberfläche gesaugt worden… Menno-o! Ich hab Dich nicht mehr gesehen, hab angehalten und bin dabei aus der waagerechten in die senkrechte Lage gegangen. Und auf einmal zog es mich nach oben, meine Tarierung war halt für waagerecht ausgelegt, nicht für senkrecht. Außerdem haben die Bremsen versagt. Aber ich bin nicht abhanden gekommen! Ich wusste jederzeit, wo ich war: Im Wasser! Ich wusste auch ganz genau, wo ihr wart: Unter Wasser! Und ich bin von selbst zurück gekommen, oder? Gut, hat etwas gedauert, ich wollte halt nicht wie so ein Stein zum Grund sausen, sondern mit der Eleganz eines Delfins eine Punktlandung hinlegen. Jawohl!

Tzzzzzzzz… welch schwache Ausrede!

Nach diesem Tauchgang unterhielten sich Annette und ich über unsere Pläne. Wieder kam das Thema auf, dass es manchmal etwas umständlich war, immer einen TL zu besorgen. Außerdem hatte Annette bereits ein paar von den „Spezialkursen“ im Auge. Die konnte man aber nur mit Brevet abschließen, wenn man „Open Water Diver“ war. Und eine Idee entstand: Wie wäre es, wenn wir… aber nein, das wäre ja… also… hm… außerdem hatten wir das doch schon anders geplant… aber…

Wie wäre es, wenn wir den „Open Water Diver“ eben doch in Deutschland fertig machen? Und zwar möglichst bald sogar. Die Basis am Schluchsee bot da Möglichkeiten an. Also machte ich nicht nur einen Termin für das folgende Wochenende zu einem Tauchgang aus, sondern fragte auch vorsichtig an, wie das denn so wäre mit dem „Open Water Diver“.

Der Tauchgang an diesem Wochenende huldigte gleich mehreren Traditionen, die sich bei uns etabliert hatten. Wir gingen zuvor in den Tauchladen, wollten eigentlich Lampen kaufen, ließen es aber. Zu teuer! Traditionsgemäß ging Annette auf Exkursion (*) und was sich bei den bisherigen Tauchgängen immer wieder gezeigt hatte, wurde bei diesem zur Ursache, dass wir das letzte Stück zum Ausstieg an der Oberfläche zurücklegen mussten: mein Luftverbrauch. Annette geizte weiterhin mit ihrer Luft, und ich kam immer an die Reserve. (**) Diesmal so weit, dass wir den Tauchgang frühzeitiger als gedacht beenden und zurückschwimmen mussten.

(*) Zu dem Thema äußere ich mich jetzt nicht mehr. Ich fühle mich zutiefst missverstanden. Zudem bin ich menschlich enttäuscht von dir, dass du so schamlos meine Unfähigkeit austratscht! So! Warte nur ab, bis wir zu den nächsten Artikeln kommen. Dann kriegst du dein Fett ab 🙂

(**) „Thorsten,  – der Mann mit den Lungen eines Staubsaugers!“ Es ist auch nicht zu glauben, wie schnell du eine Flasche leersaugst. Und mal am Rande erwähnt… der TL hatte EXTRA gesagt, du sollst ihm anzeigen, wenn Halbzeit ist! Und nicht erst, wenn wir wieder mal das letzte Quäntchen Luft raussaugen! Wegen DIR hatte ich dann anschließend nämlich Drehschwindel und Übelkeit. Weil mir nämlich nicht unter oder im Wasser schlecht wird, sondern weil ich an der Oberfläche zurückschwimmen musste (mit 100 bar!!), und das tut mir gar nicht gut, wenn ich dann anschließend wieder Land betrete! Ab in die Ecke mit dir! Schäm dich! „6“, setzen!!!!!!

Hab ich was verpasst? Seit wann hat denn ein Staubsauger Lungen? Überhaupt, wozu haben wir die Flaschenfüllung denn? Um sie halbvoll wieder zurück zu geben? Neeee, ich hab dafür gezahlt, ich verbrauch’s auch! Übrigens hab ich dem TL die Halbzeit (100 bar) angezeigt. Er hätte es aber auch noch gern gehabt, wenn ich ihm die Reserve (50 bar) angezeigt hätte. Hat er aber vorher nicht gesagt, und ich bin davon ausgegangen, dass das mit der Halbzeit schon reichen wird. Erst als mein Finimeter wesentlich unter 50 bar anzeigte und immer noch kein „Land in Sicht“ (ha ha!) war, wurde ich etwas misstrauisch. Außerdem heißt das ja „Tauchsport„, da kann man auch mal so ’n paar Meter an der Oberfläche schwimmen.

SO hörst du also zu. Natürlich hat er das gesagt. Ich kann mich sogar dran erinnern wann. Und zwar als wir auf der gegenüberliegenden Seite die Pause gemacht haben. Ich bin zwar kein HNO Arzt aber wenn du Wert drauf legst, kann ich ja mal deine Lauscher durchputzen. Mit Stahlwolle vielleicht? 🙂

Na ja, liebe Leser, Sie sehen es schon, es gab auch so genügend Gründe, den Kurs weiterzumachen, damit wir endlich allein losziehen durften. Wir MUSSTEN es einfach machen, denn so wäre es nicht mehr lang gut gegangen. Nach dem Tauchgang folgt die Besprechung unserer neuen Pläne: der „Open Water Diver“. Einer der Tauchlehrer, die man regelmäßig an der Basis trifft, unterrichtet nach PADI und war bereit, uns als Schüler anzunehmen. Wir hatten ihn auch schon kennengelernt, allerdings ahnten wir da noch nicht, welche neuen Pläne wir haben würden. Er würde mit uns Kontakt aufnehmen und die Termine absprechen. Wir mussten noch die fehlenden Schwimmbadlektionen, Theorie, Freiwassertauchgänge und die Prüfung machen. Und wieder waren wir elektrisiert von unserer Entscheidung. Also, ich zumindest. Wie war das bei Dir, Annette?

Also ich konnte mich natürlich nur schwer zu dieser Entscheidung durchringen, die mein Tauchleben entscheidend verändert hatte. Eigentlich hatte ich ja gar keine Lust, und wer muß schon tauchen, immer dieses Schleppen, das Nasswerden, umziehen….

BLÖDSINN! Mir wäre es lieber gewesen, SOFORT damit anzufangen. Kaum stand der Plan, hab ich schon gedanklich weiter gearbeitet wie du weißt. Ein ruhender Geist rostet!

Weiter geht es im nächsten Teil unserer Reihe…

Und falls sich jemand fragt, ob der Titel dieses Beitrags eine subtile Anspielung ist – ja, ist er:

Kleines Geschenk für Annette: Herbert Görgens und seine neue Tauchausrüstung

Heute mal ein kleines Geschenk für Annette von mir. Vielleicht erinnern sich ein paar der Anwesenden noch an die SAT1-Wochenshow mit Ingolf Lück und Bastian Pastewka (unter anderem!). Ein fester Bestandteil der Reihe war ein Sketch, in dem ein Reporter (Bastian Pastewka) den Frührentner, Vordenker und Visionär Herbert Görgens (Ingolf Lück) interviewt, was regelmäßig im Chaos endete. Annette hat mir mal erzählt, dass das immer ihre Lieblingsnummer gewesen sei, deswegen heute nur für sie ein kleiner, spezieller Sketch über das Tauchen…

„Hallo! Ich befinde mich hier im Wohnzimmer von Herrn Herbert Görgens…“

„Jau, hallo Tach auch! Von mir aus hier! An die Geräte zu Hause! Und an meinen Nachbarn Hein! Und anne Ilse von Spaamarkt, die mir immer so schön lecker Fisch zurücklegen tut…“

„Ja, also Herr Görgens hat ein neues Hobby angefangen…“

„Jau! Das hab ich wohl!“

„…nämlich das Tauchen. Nun ist so eine Ausrüstung ein ganz schöner Batzen Geld, bis man mal alles beisammen hat, aber Herr Görgens hat da eine günstige Alternative gefunden. Er hat sich seine Ausrüstung nämlich selbst gebaut.“

„Jau! Und umweltfreundlich ist es auch! Weil da hab ich ganz viele Teile recy… risai… resi… wiederverwendet, ja-haa, das hab ich wohl!“

„Ja, würden Sie uns dann bitte Ihre selbstgebaute Ausrüstung mal zeigen?“

„Ja, äh… muss ich holen. Soll ich?“

„Ja, nun bitte!“

„Aaalso, hier ist das erste Teil meiner selbstgebauten Tauchausrüstung!“

„Herr Görgens, was soll das denn? Das… das ist ja eine abgesägte Leiter mit nur einer Sprosse! Was wollen Sie denn damit beim Tauchen?“

„Na, das ist meine 1-A Erste Stufe! Aaaber ich hab noch was…“

„Herr Görgens…. was ist denn das? Das… ist ja eine Schachtel mit frittierten Tintenfischringen! Ist das für den Hunger beim Tauchen?“

„Neee, das is mein Oktopus! Und dann hab ich noch das da…“

„Herr Görgens, jetzt reicht es! Das da, das ist nur irgendso ’ne blöde Sonnenbrille, bei der Sie CDs auf die Gläser geklebt haben. Was soll das denn?“

„Na, das sind nicht nur irgendwelche CDs, das sind CDs von DJ Taucher, das is nämlich ’ne Taucher-Brille! Komm ich jetz im Ferseh’n?“

„NEIN! Zurück zu den Flat Flute Divers!“

„Aber wieso denn nicht…?“

Alles Gute zum Geburtstag, Annette!

Tauchgebiete für Fortgeschrittene und Anfänger: Schluchsee – Schwarzwald

Der Schluchsee ist ein Bergsee im Schwarzwald, 7,5 Kilometer lang und 1 Kilometer breit. Ursprünglich entstand er durch die Gletschertätigkeit der letzten Eiszeit, 1932 wurde er durch eine Staumauer bei Seebrugg auf seine heutige Größe aufgestaut. Um die Staumauer während des Zweiten Weltkriegs vor Bombardements der Aliierten zu schützen, wurde der See mit Torfballen abgedeckt. Diese sogen sich mit Wasser voll und sanken auf den Grund, wo sie noch heute liegen. Der Schluchsee liegt auf 930 Metern Höhe (man muss also beachten, dass jeder Tauchgang ein „Bergseetauchgang“ ist), seine tiefste Stelle hat 62 Meter.

Schluchsee: Die Staumauer

Schluchsee: Die Staumauer

Für Anfänger ist die Uferregion bis zu Tiefen von 10 bis 12 Metern noch am ehesten geeignet. Die Sicht ist allgemein eingeschränkt, da das Wasser ständig umgesetzt wird und sich daher viele Schwebstoffe halten. In diesen Tiefen hat das Wasser eine grün-braune Färbung, wodurch eine Sichtorientierung praktisch nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass die dunklen Torfballen ein Großteil des Lichts schlucken; wird der Torf gar aufgewirbelt, färbt sich das Wasser unter Umständen schwarz wie Tinte. Bei starkem Sonnenschein kann die Sicht tatsächlich besser sein, allerdings natürlich umso besser, je näher man der Oberfläche kommt.

Schluchsee: Steine am Grund. Sehr deutlich sind die Torfablagerungen zu sehen. Und die Sicht ist auf diesem Bild für den Schluchsee sehr gut. Tiefe: ca 5 Meter.

Schluchsee: Steine am Grund. Sehr deutlich sind die Torfablagerungen zu sehen. Und die Sicht ist auf diesem Bild für den Schluchsee sehr gut. Tiefe: ca 5 Meter.

Ab 12 Meter und tiefer wird jeder Tauchgang – unabhängig von der Tageszeit – zum Nachttauchgang. Das macht das Tauchen hier sehr anspruchsvoll. Die Tauchregionen haben eine maximale Tiefe von 26 bis 30 Metern. Die Vegetation ist nicht sehr üppig, Fische kann man bereits ab 10 Metern Tiefe beobachten. Ansonsten gibt es die Überreste von Gebäuden, die beim Aufstauen des Sees überspült wurden, sowie die alte Staumauer unter Wasser zu sehen. Zudem wurden verschiedene Installationen angebracht, wie eine Galerie oder ein versenktes Boot. Und sollten Sie dort unten einem Tier begegnen, das Sie in dieser Tiefe nicht, und unter Wasser schon gleich gar nicht verorten würden, dann lassen Sie sich gesagt sein: Nein, das ist kein Tiefenrausch, der gehört hierher.

Schluchsee: Ein Aal. Er hat trotz Licht und der Anwesenheit von drei Tauchern lange genug stillgehalten, bis dieses Bild zustande kam.

Schluchsee: Ein Aal. Er hat trotz Licht und der Anwesenheit von drei Tauchern lange genug stillgehalten, bis dieses Bild zustande kam.

Aus der Sicht eines Anfängers gesehen, der noch nie in einem ähnlichen Gewässer war, muss ich sagen, dass es sehr gewöhnungsbedürftig ist. Aber was mir schon von mehreren Seiten gesagt wurde und was ich auch bestätigen kann – man lernt viel. Beim Tauchen muss man umsichtiger sein und nicht lospreschen, da es jederzeit sein kann, dass ein Torfballen vor einem auftaucht und den Weg versperrt. An eine visuelle Orientierung ist praktisch nicht zu denken, da man – wenn man sich vom Ufer entfernt – nicht weit genug sieht. Das heißt, man muss sich auf den Kompass verlassen. Übungen in der Kompassnavigation kann man hier sehr gut abhalten, denn da man von der Umgebung nichts sieht, kann beim Navigieren nicht geschummelt werden. Das kann allerdings mitunter zu Überraschungen führen, wenn man sich verirrt.

In Seebrugg, direkt im Bahnhofsgebäude, gibt es eine Tauchbasis (sie ist auf der obigen Karte markiert, wenn Sie die Markierung anklicken, können Sie sich die Route dorthin berechnen lassen). Gegen eine geringe Tagesgebühr kann man es hier etwas bequemer haben beim Umziehen und an- und ablegen der Ausrüstung, sowie die sanitären Einrichtungen nutzen. Außerdem kann man sich hier über die verschiedenen Tauchgebiete erkundigen, geführte Tauchgänge buchen, Ausrüstung ausleihen und eigene Flaschen füllen lassen. Von dieser Basis aus muss man nur die Straße überqueren und befindet sich dann direkt an einer Treppe, die hinab ins Wasser führt. Bei der Basis trägt man sich auch in eine Liste ein, wenn man zum Tauchgang aufbricht, und wieder aus, wenn man zurückkehrt. Dazu muss man allerdings vorher ein paar Informationen geben, etwa über das Brevet, die gesundheitliche Bescheinigung – und eine Tauchunfallversicherung wird (sowieso) empfohlen.
Parkmöglichkeiten sind direkt vorhanden, zum Ausladen der eigenen Ausrüstung kann man auch kurz direkt vor dem Eingang der Basis stehenbleiben.


Tauchgebiete auf einer größeren Karte anzeigen

Der Schluchsee ist ein anspruchsvolles Tauchgebiet, das man nicht unterschätzen sollte. Wenn man sich unsicher fühlt, ist sicher einer der geführten Tauchgänge unter Anleitung eines erfahrenen Tauchers dringend zu empfehlen. Aber auch Anfänger finden hier Möglichkeiten für einen Tauchausflug. Mehr Informationen über den Schluchsee, die Tauchbasis und auch die Möglichkeit, einen geführten Tauchgang im Voraus zu reservieren, gibt es unter www.tauchbasis-schluchsee.de.