Archiv für Juli 2009
Die Zeit von Dezember 08 bis April 09
Anfang Dezember waren wir wieder in Deutschland. Aber das Erlebte in Ägypten hatte uns nachhaltig geprägt. Schon auf dem Heimflug sprachen wir über nichts anderes mehr als über das Tauchen. Und wie sehr uns das gefallen hatte. So beschlossen wir, uns einmal umzuhören und Kontakte zu knüpfen, damit man wenigstens einmal im Monat einen Schwimmbadtauchgang machen könnte.
Zu Hause angekommen berichtete ich jedem, der es hören wollte oder auch nicht, dass ich jetzt unter die Taucher gegangen war. Das wurde von meinen Freunden mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Tatsächlich, der Mann einer Freundin von mir besaß auch den Tauchschein – das wußte ich nicht – aber er hatte das Tauchen nicht weiter verfolgt. Andere wiederum waren gar nicht begeistert von meinem Plan. Da würde doch so viel passieren…
Dem Faß den Boden schlug es aus, als ich erfuhr, dass der Vater des Freundes meiner besten Freundin Tauchlehrer mit eigener Tauchschule war. Dummerweise war der aber schon in Rente. Also hieß es für mich… abwarten. Und hoffen, dass Thorsten etwas finden würde. Den traf ich kurze Zeit später, um Fotos zu tauschen. Und er berichtete mir, dass er tatsächlich jemanden gefunden hatte. Ein Kollege von ihm war Instructor. Und Rettungstaucher. Er versprach uns, uns mit ins Schwimmbad zu nehmen, da dort die Rettungstaucher über Winter trainierten. Das war ja perfekt. Für die Ausrüstung würde auch gesorgt werden. Besser konnte es nicht laufen.
Thorsten und ich sprachen an diesem Nachmittag nochmals über viele Dinge. Wie es der Zufall so wollte, war ich gerade aus dem Urlaub wieder da, da musste ich schon meinen Jahresurlaub für das folgende Jahr eintragen. Ich trug mich wieder im November für zwei Wochen ein. Warum? Weiß ich nicht. Ich machte es einfach. Irgendjemanden würde ich schon finden, der mit mir nach Ägypten gehen würde. Da war es so toll. Da erzählte mir Thorsten, dass er genau die gleichen Wochen angegeben hatte. Auch eigentlich ohne feste Absichten. Wir sahen das als Zeichen. Obwohl wir so gesehen nicht geplant hatten, nochmals zusammen zu verreisen, stand die Entscheidung innerhalb von Sekunden: Wir würden nochmals nach Ägypten fliegen und dort unseren OWD fertig machen. Wir waren Feuer und Flamme.
Soweit stand der Plan. Ägypten November 2009. Bis dahin wollten wir das Gelernte immer und immer wieder üben, damit das richtig saß. Darin waren wir uns einig. Dann überlegten wir… wie war das noch gleich mit der eigenen Ausrüstung? Ich sagte zu Thorsten, dass ich mir einen Tauchcomputer zulegen würde. Das ist ein persönlicher Gegenstand und eine gute Anlage. Irgendwann dann würde ich mir noch einen Lungenautomaten besorgen, denn ständig auf Mundstücken herumzukauen, die schon Hunderte vor mir im Mund hatten, fand ich ekelig. Aber das hatte ja Zeit.
So viel Zeit nun auch wieder nicht. Weihnachten stand vor der Tür. Mein Vater schenkte mir Geld, und noch während ich mir überlegte, wie ich meinen neu erworbenen Reichtum verwalten könnte, fiel mir sofort der Tauchcomputer ein. Schließlich entschied mich mich für den Viper 2 von Suunto. Doch damit war es nicht getan. Eine Freundin schenkte mir ein wunderschönes Logbuch, eine andere ein sehr interessantes Buch über das Tauchen. Ich fing an zu lesen. Und kam immer tiefer in die Materie hinein. Ich las, was das Zeug hielt. Im Internet. Bücher. Und konnte es kaum erwarten, dass endlich Januar war. Denn da sollten wir uns das erste Mal mit den Rettungstauchern treffen. Doch im Leben kommt immer alles anders, als man es erwartet. Und so auch hier. Denn drei Tage bevor wir uns mit den Rettungstauchern hätten treffen sollen brannte das Schwimmbad bis auf die Grundmauern ab. Kein Witz. Ein technischer Defekt. Und so zerplatze der Traum.
Wir waren frustiert. Der Sommer lag noch in weiter Ferne, denn sonst hätte man ja in ein Freibad gehen können, aber dazu war es noch zu kalt. Auch die Rettungstaucher mussten erst nach einer Ausweichmöglichkeit suchen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns weiter mit der Theorie zu beschäftigen. Nicht nur mit der Tauchtheorie. Auch mit der Ausrüstungstheorie. Zwischen Thorsten und mir entbrannte fast eine Art Wettstreit, wer mehr zu einem Thema wußte. Ohne dass es uns selbst so bewusst geworden wäre, hatten wir längst die Enscheidung getroffen, uns doch die komplette Ausrüstung anzuschaffen. Das war aber gar nicht so einfach. Wir hatten nur bedingt Hilfe. Und so entschlossen wir uns, die Zeit bis zum endgültigen Tauchtermin zu verkürzen, indem wir das “Tauchshop-Hopping” begannen. Wir besuchten so ziemlich alle Läden in unserer Umgebung, um uns erst mal kundig zu machen, was es denn alles gab. Die Besitzer der Läden waren alle sehr zuvorkommend und erklärten uns Anfängern von A bis Z alles, worauf man achten muss, worin die Unterschiede lagen. Das war sehr angenehm. Stück für Stück wuchs die Ausrüstung, erst gedanklich, schließlich auch materiell. So einfach war das freilich nicht. Besonders ich hatte aufgrund meiner Körperlänge mehr als einmal Probleme, etwas Passendes zu finden. So albern es auch klingt, ich hatte die reinste Odyssee vor mir, was den Neoprenanzug anbelangt. Ich wollte einfach nicht in so einen Anzug passen, und dabei ließ ich keine Peinlichkeit aus. Man zog mich mit Druckluft an, rupfte und rüttelte an mir herum, es ging nicht. Die Anzüge waren zu klein. Im Internet machte ich mich kundig und erfuhr, dass die durchschnittliche europäische Taucherin gefälligst nicht größer als 172 cm zu sein hat. Leider bin ich fast 180 cm, und was ich am Anzug in die Länge zog, fehlte mir nachher entweder in der Breite oder ich bekam die Arme nicht mehr hoch. Nach langem Suchen jedoch wurde auch ich fündig, die Italiener (Cressi) hatten ein Herz für mich, und zu meinem Erstaunen und Unglauben durfte ich einen Anzug wählen, der noch nicht einmal die größte Größe hatte. Vor lauter Glück und Dankbarkeit kleidete ich mich dort komplett ein. Gut, das ist jetzt geschwindelt… ich hatte sowieso vor, mir von Cressi das Jacket zu kaufen. Das tat ich auch. Und lag damit goldrichtig wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Nur… lächerlicherweise hatten Thorsten und ich die komplette Ausrüstung bereits zusammen bevor wir überhaupt wenigstens einmal tauchen waren! Was hatte unser TL gesagt? Es dauert nicht lange, dann würden wir anfangen, unsere eigene Ausrüstung zu kaufen? Da hatte er wohl die Rechnung ohne uns übereifrige Menschen gemacht. Die zwei Tauchnieten, von denen er sicher am wenigsten gedacht hatte, sie überzeugt zu haben, waren mehr als nur einfach infiziert. Wir sprachen fast über nichts anderes mehr. Da wir uns nur selten sehen, hatten wir doch plötzlich einen intensiven email Kontakt aufgebaut, und es gab sicher keine einzige email, in der wir nicht über das Tauchen sprachen. Ich träumte stellenweise sogar davon. Ich, die Angst vor Wracks hat, träumte davon, dass ich zur Thistlegorm tauchen würde! Ich träumte von der Salem Express! Es verging kein Tag, an dem ich nicht intensiv an’s Tauchen dachte. Ich wurde immer unruhiger. Und hoffte darauf, dass es bald soweit sein würde.
Doch es sollte noch dauern, genau genommen bis April. Durch Zufall entdeckte eine Bekannte von Thorsten eine Internetadresse mit einem Indoortauchzentrum bei München. DAS war genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Und natürlich buchten wir uns da ein. Endlich war der Tag gekommen, an dem wir tauchen – und auch unsere eigene Ausrüstung testen konnten! Wir waren gespannt, was uns in München erwarten würde. Aber davon erzähle ich dann das nächste Mal!
Scuba Diver: Was danach kam
Irgendwie könnte die Geschichte damit zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Zu Ende war lediglich unser Urlaub in Ägypten. Oder sie könnte langweilig werden. Tut sie aber nicht. Auf dem Rückflug von Hurghada gab es für uns hauptsächlich ein Gesprächsthema: Tauchen. Wir wollten uns um Trainingstauchgänge im Schwimmbad bemühen, um wenigstens “drin” zu bleiben.
Zurück in Deutschland geschahen zwei Dinge: Zum einen stand bei mir sofort die Urlaubsplanung für das kommende Jahr an, zum anderen bekam ich einen Hinweis auf einen Kollegen, der selber Taucher war und uns möglicherweise bei unseren Schwimmbadtauchgängen würde helfen können.
Dann geschahen nochmal zwei Dinge: Ich konnte mich bei der Urlaubsplanung nicht mit Annette absprechen und nahm auf gut Glück den gleichen Zeitraum wie im Vorjahr für einen Urlaub. Bei einem Treffen stellte sich heraus, dass sie das gleiche gemacht hatte – für den gleichen Zeitraum. Hier entstand eine neue Idee: Wir würden weitermachen – die nächste Stufe auf der Leiter, den “Open Water Diver” (OWD). In Ägypten, im November. Wieder waren wir elektrisiert, so wie an dem Tag, als wir die Entscheidung fällten, den Tauchkurs zu machen. Allerdings wussten wir diesmal, dass wir nicht ganz so nervös werden würden. Hoffentlich!
Mein Kollege entpuppte sich als Instructor, genau das, was wir brauchten, um uns auf den “Open Water Diver” vorzubereiten. Er hatte sogar die Möglichkeit, uns Leihausrüstungen zu besorgen, da er bei einem Rettungstaucherzug war. Und er würde es organisieren, dass wir mit ihm zum Training in ein Hallenbad kommen könnten.
Gleichzeitig überlegten Annette und ich, ob es nicht gut wäre, den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand doch anzuschaffen. Also begannen wir, verschiedene Tauchshops aufzusuchen und ließen uns beraten. Umfassend. Obwohl es eigentlich nicht nötig war. Schließlich wollten wir nur das eine oder andere. Oder? Also zum Beispiel einen eigenen Tauchcomputer… vielleicht Regulatoren…
In der Folgezeit ging ich meinem Umfeld auf die Nerven mit meiner doch sehr stark vorhandenen Begeisterung für das im Urlaub begonnene Tauchabenteuer. Ich begann, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten, bestellte Kataloge und suchte mein Arbeitsmaterial von der Rettungsdienstschule wieder zusammen. Das war allerdings nicht hilfreich, da es mittlerweile hoffnungslos veraltet war. Und dann war da Weihnachten. Von meiner Familie bekam ich ein Tauch-Diorama geschenkt, das als Dekoration für ein Geldgeschenk diente (das in einen Ausrüstungsgegenstand investiert werden sollte). Und von Annette ein Buch über die Fische des Roten Meeres. Das hat mich sehr überrascht, aber natürlich auch sehr gefreut.
Und dann passierte eine von den Merkwürdigkeiten, die das Leben manchmal bereithält: das Hallenbad, in dem wir unser “Training” abhalten sollten, brannte im Januar ab, nur Tage bevor wir dort sein wollten. Damit fiel das Training erstmal flach, eine Ausweichmöglichkeit gab es nicht. Ab Mai würde das Freibad öffnen und es sah so aus, als würden wir uns bis dahin vertrösten müssen. Mittlerweile waren unsere Gedanken über die eigene Ausrüstung weiter gediehen. Weiter als gedacht. Ein Neoprenanzug war mit “auf die Liste” gekommen, außerdem war ich entfacht für eine spezielle Tarierweste, die ich in einem Tauchladen gesehen hatte. Unser Plan war nun, bis November Stück für Stück anzuschaffen, damit wir für den Ägypten-Urlaub die Sachen beisammen haben würden.
Doch wieder wurde alles über den Haufen geworfen, respektive, ich warf meine Ideen über den Haufen. Unablässig sagte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf: “Wenn Du es willst, dann tu es doch!” Warum auch nicht? Ich informierte mich weiter, besonders über die Tarierweste, die ich ins Auge gefasst hatte. Die war teuer, aber andererseits genau das, was einer ganz speziellen Eigenart von mir entgegen kam. Der erste wirkliche “Ausrüstungsgegenstand”, den ich mir dann anschaffte, war jedoch ein Neoprenanzug. Das hatte recht pragmatische Gründe, er gefiel mir, er passte und ich sah gut drin aus.
Aber damit fing es an. Einen Monat später hatte ich den Großteil meiner Ausrüstung zusammen, einschließlich der Tarierweste, die mir ins Auge gefallen war. So viel zum Thema “bis zum November”.
Ein Problem bestand aber weiter: Was würde aus unseren Trainingstauchgängen werden? Ich hatte mich mittlerweile weiter erkundigt nach Tauchschulen und lernte etwas kennen, das ich die “Drei-Minuten-Regel” nannte – wann immer ich unsere Situation erklärte und nach Schwimmbadtauchgängen fragte, wurde ich nach spätestens drei Minuten gefragt, ob wir nicht gleich hier in Deutschland den OWD fertig machen wollen. Zu dem gewünschten Training kamen wir nicht. Dann kam mir eine Kollegin und gute Freundin zu Hilfe, aber eigentlich unfreiwillig – was wieder eine jener Geschichten war, die von Zeit zu Zeit passieren. Besagte Freundin war eigentlich auf der Suche nach Hotels in und um München. Dabei war sie auf ein Hotel gestoßen, an dem ein so genanntes Indoor-Tauchcenter angeschlossen war. Ich hatte einige Dinge zu klären, denn immerhin brauchten wir immer noch einen Instructor als Begleitung, aber schließlich war es so weit – wir sollten endlich zu unserem ersten Tauchgang machen nach unserem Kurs. Mittlerweile war es April. Annette hatte leider nicht ganz so viel Glück gehabt wie ich, denn zum Teil scheiterte der Erwerb ihrer Ausrüstung daran, dass sie einfach nichts passendes fand. Aber sie machte einen Laden in der Nähe von München ausfindig und wir sollten unseren Tauchausflug gleich mit einem “Kaufausflug” verbinden. Aber das soll sie selbst berichten.
Die Situation hatte sich nun völlig verändert – mal wieder. Bevor wir überhaupt einen einzigen Tauchgang in Deutschland hinter uns hatten, hatten wir tatsächlich unsere Ausrüstung soweit zusammen. Kleinigkeiten fehlten nur noch, aber dem Tauchen stand nichts mehr im Weg. Unsere Überlegung war nun, falls uns das Indoor-Tauchcenter zusagen sollte und das mit den Tauchlehrern dort reibungslos funktionieren, dass wir bis November ein paar Mal dort hinfahren und unser geplantes Training doch noch durchziehen. Ja. Gute Idee. Aber vielleicht kennt jemand noch dieses Sprichwort:
“Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…”
Schnorcheln mit der Galatea, Annettes Version
Wir wurden mit dem Bus zu dem Segelboot “Galatea” gebracht, das uns an diesem Tag zweimal im Roten Meer zum Schnorcheln absetzen sollte.
Da wir spät dran waren, mussten wir die Plätze nehmen, die übrig waren. Das Segelboot verfügte über zwei Sonnendecks, auf denen man liegen konnte eine Art Matratze wurde gestellt) bis das Schiff anlegte. Wir lagen ziemlich am Rand. Was sich als etwas lästig herausstellte, da ich ununterbrochen die Abgase des Schiffes einatmete. Es setzte erst auf hoher See die Segel.
Das Schiff fuhr aus dem Hafen. Wie der Zufall es so will, fuhren wir direkt neben unserer Tauchbasis aufs Meer hinaus. Ich warf einen Blick rüber. Das Tauchboot, das wir noch vor ein paar Minuten da hatten liegen sehen, hatte inzwischen auch abgelegt. Ich sah nach vorne. Es war aber nicht in Sicht. Ich legte mich auf die Matratze und genoss die Sonne und den Wind. Ich konnte mir nicht erklären warum, aber mir war nicht zum Reden zumute. Das hatte nichts mit Thorsten zu tun, der neben mir lag. Ich hatte einfach mit mir zu tun, ich suchte nach der Ursache für meine aufkommende schlechte Laune. Lag es daran, dass der Urlaub in zwei Tagen vorbei war, auf den wir uns so lange gefreut hatten? Dann ging das Arbeiten wieder los, und das ist sehr sehr anstrengend. Ich wusste es nicht. Also hielt ich lieber Augen und Mund geschlossen und versuchte, abzuschalten.
Wir fuhren eine ganze Weile, dann erreichten wir schließlich unseren ersten Schnorchelplatz. Nun war es so: Wir mussten ein motorisiertes Schlauchboot besteigen um zu dem Riff zu gelangen. Da wir ein Haufen Leute waren, gab es sozusagen 2 Fuhren. Thorsten und ich fuhren bei der ersten Fuhre mit. Wir ließen uns ins Wasser fallen und durften unter der Aufsicht eines Führers ein bisschen herumschnorcheln bis die zweite Fuhre eintreffen würde. Das taten wir auch. Neugierig blickte ich nach unten. Das Riff war so ähnlich wie das, was wir beim zweiten Tauchgang betaucht hatten. Nur… alles erschien so weit weg. In der Tiefe sah ich Zebrafische und noch viele andere Lebewesen, aber das war eindeutig zu weit weg. Ich hatte mir für diesen Ausflug extra eine Einmal-Unterwasserkamera gekauft. Ich knipste wie wild, aber ich konnte mir schon denken, dass die Fische im Nachhinein sehr klein herauskommen würden. Das hob meine eh schon angeschlagene Stimmung nicht sonderlich.
So langsam trudelten die anderen ein. Ich trieb auf der Stelle, da kam Thorsten vorbei. Ich sagte irgendwas zu ihm, da unterbrach er mich plötzlich und schnellte nach vorne. “Vorsicht!” , fiel er mir ins Wort, ” du bist zu dicht am…” *ditsch. “Riff!”. Das war eine Sekunde zu spät. In der Bewegung war ich mit dem Unterschenkel an das Riff gekommen. Eigentlich nicht so schlimm, könnte man meinen, aber in dem Moment durchfuhr mich ein stechender Schmerz. Ich paddelte nach vorne. ” Könntest du das das nächste Mal vielleicht eine Sekunde früher sagen?”, fragte ich ironisch nach. ” Tut mir leid”, sagte Thorsten, “ich hab es auch gerade erst gesehen.”
Inzwischen war die zweite Fuhre auch im Wasser. Unser Führer legte los. Wir schnorchelten. Ich sah wieder runter ins Wasser. Konnte mich aber erstmal nicht konzentrieren. Mein Unterschenkel brannte wie Feuer. Ich nahm an, dass ich mir am Riff irgendwas aufgeschnitten hatte und nun das Salzwasser sein Übriges dazu beitrug. Ich schnorchelte weiter. Es wurde nicht besser. Nach zehn Minuten dachte ich, dass der Schmerz jetzt vielleicht mal langsam nachlassen könnte. Entsetzt fiel mir ein, was unser TL sagte… es gäbe auch giftige Tiere und Pflanzen, daher: NICHTS ANFASSEN. Klasse, dachte ich, bei meinem Glück… aber den Gedanken verdrängte ich ganz schnell. Ich hatte keine Atemnot, ich konnte alles bewegen, da heißt mein Patentrezept: Aggressives Zuwarten. Wird schon weg gehen.
Ich blickte wieder nach unten. Und traute meinen Augen nicht. Da unten war ein Taucher! Mit Unterwasservideokamera! Er filmte die Schnorchler. (Es handelte sich um einen Angestellten, der anschließend die CDs verkaufte.). “Hat der es gut”, schoss es mir durch den Kopf, “der kann sich alles aus der Nähe ansehen”. Ich merkte, wie ich den Mann da unten zutiefst beneidete. Ich konnte doch auch schon auf die Tiefe, in der er war. Und ich musste jetzt hier oben an der Oberfläche rumschnorcheln. Meine Laune verschlechterte sich immer mehr.
Wir bogen um das Riff herum ab wieder Richtung Segelschiff. Plötzlich bemerkte ich, dass ich überhaupt nichts von dem Riff gesehen hatte, ich hatte tatsächlich die ganze Zeit auf den Taucher gestiert. Da wurde es mir klar. Das war der entscheidende Moment, in dem es mir bewusst wurde, dass DAS ganz sicher nicht das letzte Mal war, dass ich tauchen ging. Und dass ich auch keine Lust hatte, den nächsten Tauchgang lange vor mir herzuschieben.
Als wir wieder auf dem Boot waren, zeigte ich Thorsten meinen Unterschenkel. Er war entsetzt. Eine Qualle war das nicht gewesen. Ich hatte feuerrote Pusteln, mit roten Höfen drum herum, und es brannte immer noch höllisch. Da ich aber immer noch nicht reanimationspflichtig war, befolgte ich weiter mein Konzept. Aggressives Zuwarten. Sie wissen schon!
Jetzt war es soweit. Ich vertraute mich Thorsten an. Dazu muss man wissen, dass wir bis dato schon immer über Gott und die Welt geredet haben, aber den aktuellen Gefühlszustand und unser emotionales Erleben hatten wir bisher außen vor gelassen. Insofern war das Neuland. Ich fragte ihn, ob er den Taucher auch gesehen hätte und ebenfalls Neid empfunden hätte. Er bejahte. Dann sagte ich ihm, dass ich mich entschlossen hätte, sehr wohl in Deutschland das Tauchen weiter zu verfolgen. Nicht im Freiwasser. Aber ich würde gerne pro Monat einmal ins Schwimmbad gehen und die Technik üben üben üben, damit man dann im Falle eines weitern Urlaubs im darauffolgenden Jahr die Sache sicher beherrscht. Thorsten ging es genauso. Er rückte zwar damit nicht so emotional raus wie ich, aber man merkte sehr, dass ihn diese “überraschende” Begegnung mit einem Taucher ebenfalls sehr nachdenklich gestimmt hatte.
Der Rest des Tages verlief unterschiedlich. Wir bekamen Essen, das sehr gut war, dann sollten wir den zweiten Schnorchelplatz aufsuchen. Leider sprang aber unser “Kahn” nicht mehr an. Ein Tauchboot(!) kam uns zur Hilfe. Schließlich tuckerten wir los.
Inzwischen war eine Brise aufgekommen. Ich fing an zu frieren. Selbstverständlich hatte ich keine Jacke dabei. Hey! Wir sind in Ägypten! Da ist es warm!
Leider nicht. Ich fror wie ein Schlosshund. Als wir schließlich den zweiten Schnorchelplatz erreichten war mir so kalt, dass ich für nichts in der Welt nochmal ins Wasser gegangen wäre. Zudem reichte mir mein Unterschenkel immer noch, der zwar inzwischen nicht mehr so weh tat, aber ich wollte nichts riskieren. Thorsten blieb mir zu liebe auch auf dem Schiff. Ich starrte aufs Meer. Am zweiten Schnorchelplatz lagen 3-4 Tauchboote. Ich merkte, wie der Ärger in mir hochstieg. Na Gott sei Dank war ich nicht ins Wasser gegangen, wenn unter mir eine Armee Taucher herumgeschwommen wäre, dann hätte ich womöglich einen Überfall gestartet. Die anderen kamen zurück. Nun war die Heimfahrt angesagt.
Fazit: Ein schöner Ausflug. Ich bin mir zu 100% sicher, hätten wir diesen Ausflug VOR dem Tauchkurs gemacht, dann hätte ich ihn in vollen Zügen genossen. Das Essen war super, die Leute nett, die Schnorchelplätze gut ausgesucht. Aber ich konnte es nicht genießen. Es ging einfach nicht. Für mich wird dieser Ausflug trotzdem in die Geschichte eingehen als der Ausflug, bei dem ich feststellte, dass ich keine Schnorchlerin, sondern eine TAUCHERIN bin!
Schnorcheln mit der Galatea, Thorstens Version
Nun sollten wir also auf eine Schnorcheltour gehen. Und bevor hier der falsche Eindruck entsteht: Es war ein sehr schöner Ausflug, gut organisiert mit netten Leuten und gutem Essen. Ich kann so eine Tour nur jedem empfehlen, der schnorchelt oder es mal probieren möchte (wenn Sie mal in El Gouna sind: das Schiff heißt “Galatea”, die Tour kann man sicherlich bei Ihrem Reiseführer buchen). Vor allen Dingen, da man so an Riffe kommt, die weiter von der Küste entfernt sind und es wirklich einiges zu sehen gibt. Unser Problem war, dass wir unter einem völlig neuen Eindruck standen. Wir hätten diese Tour besser vor unserem Tauchkurs machen sollen…
Wir wurden vom Hotel abgeholt, zum Hafen gebracht und gingen an Bord des Segelbootes. Plätze auf dem Deck, auf gepolsterten Unterlagen. Es war wirklich schön. Der Chef persönlich gab uns eine Einführung darüber, was wir zu beachten hatten, und er hatte einen Humor, der mir gefiel. Dann ging es los. Doch etwas war komisch. Annette und ich redeten schon wieder nicht. Teilweise hing das damit zusammen, dass wir einen phantastischen Blick über das Rote Meer hatten. Dass uns hier, auf dem Deck, der Wind direkt um die Nase blies. Segeln auf hoher See. Der andere Teil zumindest meines Schweigens war, dass ich immer noch an den Eindrücken vom Tauchkurs arbeitete. Und jetzt, genau auf diesem Ausflug, kamen wieder viele Gedanken in mir hoch. Vielleicht, weil es wieder ins Meer gehen sollte.
Wir steuerten ein Riff an und wurden mit dem Schlauchboot ausgesetzt. Dann umrundeten wir das Riff schnorchelnd. Wie schon bei unseren Tauchgängen gab es einiges zu sehen. Aber anders…
…wir hingen an der Wasseroberfläche rum und konnten nur ab und zu mal kurz runter, so lange eben der Atem reichte. Ich fotografierte drauflos, versuchte zu zoomen… und dann sah ich: Unter uns aber schwamm… ein Taucher. Jemand von der Besatzung des Segelbootes, der von uns Filmaufnahmen machte. Ja, der darf tauchen, und wir nicht. Komisches Gefühl. Abgelenkt wurde ich irgendwann, als ich merkte, dass Annette ziemlich weit draußen war. Ich rief ihr zu, dass sie doch ein Stück näher ans Riff kommen soll. Wir sollten das Riff umrunden wie gesagt, und so weit draußen würde sie natürlich eine weitere Strecke zu schwimmen haben als wir alle. Tatsächlich kam sie zurück – und übertrieb in die andere Richtung!
“Äh, Annette, Vorsicht, jetzt bist Du aber zu dicht am Riff!”
Rumpel! “Aua!”
Arrgh! Grad mach ich’s Maul zu!
Annette hatte bei ihrer Kollision mit dem Riff ein paar rote Striemen davon getragen. Was genau, konnte ich im Wasser nicht erkennen. Im Neoprenanzug wäre das nicht passiert.
Wir beendeten unseren Tauchg… Verdammt! Das war kein Tauchgang! Meine Gedanken schwirrten immer wieder ums Tauchen. Zurück auf dem Boot brauchte man mich nicht auffordern, die Ausrüstung mit Wasser aus einem Schlauch abzuspülen. War doch logisch! Ich mach sowas ja nicht zum ersten Mal.
Wir legten uns auf unsere Plätze und Annette sagte mir, dass ihr der Unterschenkel, wo sie mit dem Riff kollidiert war, immer noch weh täte. Ich sah mir das an und mein innerer Sherlock Holmes wurde wach. “Kombiniere!”, sagte er – obwohl, das ist eigentlich mehr Nick Knatterton – jedenfalls sagte er: “Kombiniere, das war kein gewöhnlicher Zusammenstoß mit einem Korallenriff.” Annettes Verletzung wies ein Muster auf, es waren Pusteln, die sich über den Unterschenkel verteilten. Sie bluteten auch nicht, die Haut war gerötet und gereizt und Annette meinte, es würde immer noch brennen. Dem Bild nach schloss ich, dass meine Tauchpartnerin Schnorchelpartnerin offenbar nicht mit dem Riff selbst, sondern mit einem Riffbewohner, einer Seeanemone Kontakt gehabt hatte. Das machte mir etwas Sorgen, aber Annette versicherte mir, dass es ihr sonst gut ginge.
Sie wechselte das Thema. Ob ich denn auch den Taucher gesehen hätte. Was für eine Frage! Aber ich merkte, dass da mehr dahinter steckte. Tatsächlich fragte sie mich dann, ob ich nicht neidisch gewesen wäre. Ich seufzte. Doch, schon. Aber war das nicht verrückt? Wir hatten den Urlaub angetreten, um schwimmen und schnorcheln zu gehen – dann machen wir den Tauchkurs, und schon ist reicht schnorcheln nicht mehr? Das ließ mich etwas bedeckt halten. Doch nur Sekunden später merkte ich, dass ich das gar nicht hätte sein müssen, denn Annette sprach davon, zurück in Deutschland vielleicht doch weiter zu machen. Regelmäßige Trainingstauchgänge im Schwimmbad. Damit wir im nächsten Urlaub alles immer noch beherrschten und nicht ganz so blöd aussahen, wenn wir zum ersten Mal wieder ins Freiwasser gehen würden.
Auf dem Weg zum zweiten Tauchgebiet Schnorchelgebiet gab es Essen. Das brachte uns auf andere Gedanken, es waren einheimische Spezialitäten, die sehr gut waren. Ja, das war wirklich Urlaub. Und wir fanden tatsächlich auch ein paar andere Sachen, über die wir reden konnten. Schließlich erreichten wir das Zielgebiet, wo unser zweiter Tauchgang Schnorchelgang stattfinden sollte. Annette wollte nicht mehr mit. Sie hatte bedenken wegen ihrem Unterschenkel, außerdem war mittlerweile ein kalter Wind aufgekommen und so angenehm das Wasser war, so unangenehm würde es sicherlich hinterher sein, wieder rauszukommen. Und so ganz allein mitgehen? Nö. Ich blieb an Bord und verfolgte den Tauch Schnorchelgang vom Boot aus. Aber wir waren nicht die einzigen, neben uns blieben noch ein paar andere Passagiere.
An der Stelle, an der wir uns befanden, lagerten noch andere Schnorchel …nein, diesmal waren es wirklich Tauchboote. Ich hielt Ausschau, ob vielleicht das Boot von “unserer” Tauchbasis dabei war, aber ich zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dessen Name vergessen hatte. Nachdem bei uns alle wieder an Bord waren, ging es an den Heimweg. Wieder lagen wir schweigend nebeneinander, denn das Panorama, wenn man sich der Küste des Roten Meeres nähert, war faszinierend, vor allen Dingen, da hunderte von Kite-Surfern unterwegs waren. Als ich die sah, wurde ich an etwas erinnert, das Annette irgendwann, entweder vor unserem Urlaub oder während des Fluges nach Ägypten erwähnt hatte, nämlich dass sie das Kite-Surfen mal ausprobieren wollte. Das hatte sie gar nicht getan. Da wäre ich vermutlich nicht mitgekommen. Ich sah zu Annette, die auf ihrem Platz neben mir lag. Sie hatte ihre Sonnenbrille auf, von daher konnte ich nicht sehen, ob sie die Augen offen oder geschlossen hatte, aber ich fragte mich, was sie wohl dachte. Gerade im Bezug auf das Tauchen. Ihr schien es ja ähnlich zu gehen wie mir, aber wie ähnlich? Was genau dachte ich überhaupt? Oder was fühlte ich? Weitermachen mit dem Tauchen… das fand ich gut. Aber ich erinnerte mich schmerzlich daran, wie wir versucht hatten, uns nur zum Schwimmen zu verabreden und das nicht hingekriegt hatten. Und schwimmen war ja noch einfach. Tauchen, das würde bedeuten, wir müssten uns einen Lehrer organisieren, und Ausrüstung würden wir auch irgendwie leihen müssen. Und wo überhaupt würden wir die Schwimmbadtauchgänge machen können? Wir könnten ja nicht mal eben im Neoprenanzug ins nächste Erlebnisbad stiefeln. Große Hindernisse galt es zu überwinden und ich hatte die Befürchtung, dass wir das so einfach nicht hinkriegen würden. Ich merkte, wie ich melancholisch wurde. Und die Abendstimmung verstärkte das noch. Aber ich behielt es lieber für mich.
Scuba Diver: Der Erhalt des Brevets – Annettes Version
Es war soweit.
Endlich, endlich konnte ich das Wasser verlassen. Gott war ich froh. Runter mit dem schweren Zeugs. In dem Moment war ich wirklich froh, auch wenn ich die kleine, leise innere Stimme, die “schade schade” sagte, hartnäckig überhörte.
Wir spülten grob unsere Ausrüstung ab, dann machten wir uns zum Imbiss fertig. Wir nahmen auf der Bank unten bei den Tauchflaschen Platz und aßen. Dabei schwärmten wir natürlich von den Delfinen. Die Freude war allerdings recht kurz, denn kaum dass wir den ersten Bissen im Hals hatten, erschien auch unser werter Herr TL wieder auf der Bildfläche. Mit einem riesigen Ordner. Er setzte sich auf den Boden vor uns und erklärte, dass wir mal wieder ein paar Fragen beantworten müssten. Hier möchte ich sagen, unser TL war ein wirklich lieber Kerl. Meine Sorgen, die ich anfangs hatte, hatten sich nicht bestätigt. Mit ihm zu tauchen war toll. Aber so langsam ging mir dieses Fragen-Beantworten auf den Zeiger. Hatte man denn nirgendwo seine Ruhe?
OK. Es verkürzte die Zeit der Rückfahrt. Schließlich legten wir wieder an der Basis an. Wir gaben unsere Tauchausrüstung zurück, dann warteten wir. Wir müssten doch noch zahlen? Unser TL erschien. “So Leute, jetzt müssen wir noch ein Foto von Euch machen. Für Eure Tauchscheine!”
WIE BITTE? Ich erschrak. Fotogen wie ich nun mal bin… und dann noch nach 2 Tauchgängen! Das Bild, was jetzt entstehen würde, hätte ohne Weiters Platz auf dem RAF-Plakat gehabt. Hatte der Mann denn keine Augen im Kopf? “Muß das jetzt sein?”, widersprach ich vorsichtig. “Können wir das nicht morgen machen?” Er grinste. Entweder kannte er das Problem der Damenwelt mit den Fotos oder er dachte sich, dass das “Morgen” bei mir auch nicht mehr viel ändern würde. “Nein, jetzt!” Er bestand darauf. Klasse.
Zuerst dachte ich, die Kamera sei mit mir gnädig, denn der Akku war leer. Doch ich freute mich zu früh. Tatsächlich besaß diese Basis einen Ersatzakku. Unser TL hatte inzwischen angefangen, unsere Papiere fertig zu machen, da erschien der freundliche, nicht deutschsprachige Mensch vom Informationsdesk des Hotels. Mit Kamera. Thorsten stellte sich professionell auf, *blitz, und das Bild war im Kasten. Nun war ich dran. Der nette Mensch erklärte mir, dass er die Fotos den Damen hinterher nicht zeigen würde, denn sonst wäre er den ganzen Tag nur am fotografieren. Ein Bild, das wars. Super, dachte ich, dann trifft mich wenigstens zu Hause erst der Schlag. Ich stellte mich auf. *blitz. Ich wollte gehen. “Stop!”, rief der Herr, “I have to take another one!” WAS? Hatte er nicht gesagt, dass er nur ein Foto…na, ich sah ja bestimmt toll aus. Es lag aber daran, dass ich zu früh weggelaufen war.
Ich ging in die Geschichte ein als Frau, die von TGI Diving zweimal fotografiert wurde!
Die Zeit des Abschieds war gekommen. Natürlich nicht, ohne ein paar Ratschläge unseres TLs. Er erzählte noch eine Menge. Ob wir denn nicht gleich den OWD fertig machen wollten… (NEIN! Ganz sicher nicht!). Es würde uns schon bald auf die Nerven gehen, wenn wir immer einen “Babysitter” dabei haben müssten… (NEIN! Ist doch gut so!). Schon bald würden wir anfangen, uns unsere erste eigene Tauchausrüstung auszusuchen… (NEIN! Bin ich Krösus? Das Zeug kann man doch überall leihen!). Wir sollen in Übung bleiben, und wenn es nur Schwimmbadtauchgänge sind… (Was heißt hier NUR? Wer will denn ins Freiwasser?). Außerdem sollten wir uns mal im Bekanntenkreis umhören, es wäre interssant, wieviel Leute tauchen würden von denen wir das gar nicht wüßten (KENNT er unseren Bekanntenkreis? KEIN Mensch taucht von den Bekannten!). Schließlich mussten wir uns trennen. Am nächsten Tag sollten wir wieder erscheinen, denn leider hatte die Basis kein Kartenlesegerät für die Kreditkarte, so dass wir das bar bezahlen sollten. Und das Geld mussten wir erst einmal besorgen.
Auf dem Rückweg zum Hotelzimmer fiel eine riesige Last von mir. Ich hatte es geschafft! Ich besaß einen Tauchschein! Auch wenn er beschränkt ist, aber immerhin! Ich schwatze mit Thorsten. Auch er war völlig aus dem Häuschen. Trotzdem wunderten wir uns ein bisschen über die Ratschläge unseres TLs. Eigene Ausrüstung? Als Anfänger? Wo dachte der Mann denn hin? Ok, einen Tauchomputer könnte man sich vielleicht gönnen, aber sonst… Und in den heimischen Gewässern tauchen? Nie im Leben! Im Bodensee sowieso nicht, da passiert ja ständig was. Zudem kennen wir keinen TL. Schwimmbad, ja. Das könnte man vielleicht noch organisiert kriegen. Vage machten wir beide Andeutungen, dass man ja eventuell nächstes Jahr irgendwo mal eine Woche hinfliegen könnte, in der man dann “auch” tauchen gehen würde. Ich glaube aber, dass das zu diesem Zeitpunkt eher einfach daher gesagt war. Ohne ernsthaften Hintergrund. Wir waren ja schließlich nicht so hart drauf wie unser Tauchlehrer!
Wir gingen zum Abendessen. Wie sehr wir beide doch in den letzten Tagen angespannt waren, merkten wir erst jetzt. Nach zwei Tagen voller Konzentration und Selbstbeherrschung legten wir sämtliches “gutes Benehmen”, was wir uns in unserer Kindheit antrainiert hatten, ab. Die Kellner waren sicher sehr erstaunt über uns. Wir lachten uns am Tisch kaputt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Über jeden Blödsinn. Und über reale Situationen. Wir hatten eine Kerze auf dem Tisch stehen. Die fing plötzlich an zu flackern und es drohte, ein Flächenbrand auszubrechen. Hat uns das gestört? Nein! Wir haben uns über die Kerze schief gelacht. Und sind aufgestanden, um uns Nachschlag am Büffet zu holen! Ich kam als erste vom Büffet zurück und merkte gleich, dass die Kerze ausgetauscht worden war. Schade eigentlich. Wir waren wirklich albern. Und als wir abends auf unserem Balkon saßen, endete das Gelache nicht. Wir hatten den Eindruck, etwas Tolles getan zu haben. Zwar waren wir uns einig, dass wir sicher keine Hobbytaucher würden, die an jedem Wochenende irgendwo anders unter Wasser sitzen, sondern eher sogenannte “Schön-Wetter-Taucher”, aber das würde uns auch reichen. So im Urlaub mal an ein schönes Riff… mehr braucht der Mensch doch nicht. Und natürlich bei warmen Wasser und guter Sicht.
Wie sehr wir uns täuschten! Oh ja! Das merkten wir erst zwei Tage später… beim Ausflug mit einem Segelboot. Wir hatten eine Schnorcheltour gebucht. Denn das war ja eigentlich unsere Absicht gewesen.
An dem Morgen, als wir zum Schnorcheln gehen wollten, mussten wir noch unseren Tauchschein bezahlen. Unser Hotel hatte einen Geldautomaten, aber leider… konnte man nur 500 ägyptische Pfund auf einmal herauslassen. Das heißt, um das Geld zu holen, mussten wir pro Person 7 Mal an den Automaten! Vor uns war ein Mann, der offenbar auch mehr Geld benötigte. Schließlich drehte er sich entschuldigend um mit den Worten, er müsse Geld für seinen Tauchschein abheben. Wir lachten. Genau das hatten wir ja auch vor. Schließlich hatten wir knapp eine halbe Stunde später unser Geld. Wir gingen zur Tauchschule zurück, um zu bezahlen. Da waren die Taucher. Sie beluden das Boot. Wir setzten uns und warteten auf den “Boss”. Ich ließ meinen Blick schweifen. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, mich beschlich ein wenig das Gefühl des Neides. Mit Abstand betrachtet war das doch wirklich toll im Roten Meer gewesen. Und die alle durften jetzt tauchen. Hätten wir nicht doch lieber den OWD fertig gemacht?
Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als wir dann wirklich zahlen mussten. Oh weh, war das ein Hick Hack. Der Basisleiter musste die Geldscheine zählen. Er machte fast eine Doktorarbeit draus. Aber schließlich war es soweit. Wir bekamen vorläufige Brevets, PADI würde uns unsere endgültigen Brevets dann zuschicken. Jetzt mussten wir uns wirklich trennen. Ich weiß nicht, wie es Thorsten in dem Moment erging. Wir hatten es eilig, denn der Bus, der uns zu dem Segelboot bringen sollte, würde jeden Moment kommen. Aber Zeit, Bedauern zu empfinden, hatte ich allemal noch…






