Scuba Diver: Der Pooltauchgang – Thorstens Version

Nachdem wir also die Theorie mit Selbststudium unterfüttert hatten, soweit uns das möglich war, machten wir uns erneut auf zur Tauchbasis, wo uns dann unser Tauchlehrer vorgestellt wurde. Nein, es war nicht die Schweizerin. Es war ein „Freelancer“. Im ersten Moment war mir das gar nicht so recht, denn so langsam merkte ich, dass ich nervös wurde. Und etwas wortkarg.

Die erste Hürde, die wir zu überwinden hatten, war die Ausrüstung. Wir mussten etwas finden, das uns passt, ein passender Neoprenanzug, eine Tarierweste, Flossen, Brille… Ich zog an, was man mir reichte und letztlich passte auch irgendwas. Gleichzeitig wurden wir unseren „Kurskollegen“ vorgestellt. Mit Annette und mir sollten noch ein Schweizer und ein Niederländer dabei sein. Der Schweizer hatte allerdings nur das „Discover Scuba Diving“-Paket gebucht, das bedeutete, er würde nicht alle Poollektionen mitmachen und am nächsten Tag nur einen Tauchgang machen, und nur bis fünf Meter Tiefe. Aber fünf Meter, das war ja nichts. Das hatte ich auch schon ohne Tauchausrüstung geschafft. Andererseits, 12 Meter, das war mehr als doppelt so tief…

Der Niederländer hingegen brauchte wohl nur noch einen „Auffrischkurs“, denn er hatte bereits einen Tauchschein. Während wir dann die Ausrüstung anprobierten, bekam ich auf einem Ohr ein Gespräch zwischen dem Niederländer und unserem Tauchlehrer mit, die sich auf englisch darüber unterhielten, dass Annettes Neoprenanzug nicht passte. „She gonna have problems with that“, sagte der Niederländer. „I know“, war die Antwort unseres Tauchlehres, „but she wants it that way.“ Hm, dachte ich mir, Annette wird schon wissen, was sie tut. Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als dass ich mir darum auch noch Gedanken machen konnte.

Sheraton Miramar Resort: Der PoolNach einer Wiederholung des Gelernten in Form von einen Test, wobei sich unter Tauchlehrer ausreichend Zeit nahm, alles mit uns durchzugehen, bis es klar war, wurde unsere Ausrüstung zum Pool gebracht. Ein wirklich komisches Gefühl, diesmal auf der anderen Seite zu stehen, denn nun sahen andere Hotelgäste interessiert zu, was wir denn da taten. Wir fingen also an, unsere Ausrüstung zu richten. Der Tauchlehrer stand uns zur Seite und erklärte den Anfängern geduldig, wie man das richtig macht, wie man die Pressluftflasche am Jacket befestigt, wie die Erste Stufe angeschlossen wird und so weiter. Poseidon sei Dank (oder wer auch immer im Pantheon dafür verantwortlich ist) hatte auch er, so wie seine Kollegin, eine angenehm ruhige Art an sich und erklärte die Dinge mit viel Humor. Das Problem war nur, zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht wirklich richtig darüber lachen. Die Nervosität war bereits viel zu groß. Immerhin sorgte unser Tauchlehrer so auf seine ganz eigene Art dafür, dass sie nicht überhand nahm.

Dann kam die erste neue Erfahrung – Neopren. Man muss kräftig dran ziehen, damit man reinkommt. Wenn man den Anzug endlich anhat und an Land steht, wird einem sehr schnell verdammt warm, vor allem in der Sonne Ägyptens. Sogleich kam die nächste Erfahrung, die ich bisher immer nur beschrieben bekommen hatte und die ich mir so gar nicht vorstellen konnte. Es sei nämlich, hatte man mir immer erzählt, gar nicht so schlimm, im Neoprenanzug ins Wasser zu steigen, wenn es eine gewisse Temperatur hatte. Diese Temperatur musste nicht mal sonderlich hoch sein. Und was soll ich sagen – es ist tatsächlich so. Nun hatte der Pool natürlich trotzdem noch angenehme Temperaturen, aber auch aus anderen Erfahrungen, die ich mittlerweile gemacht habe, kann ich bestätigen: Auch wenn man es nicht glaubt, das Neopren erfüllt seinen Zweck. Selbst wenn es nur 5 Millimeter hat.

Schließlich, ein paar Erklärungen später, kam der große Moment: zum ersten Mal unter Wasser gehen mit dem Regulator. Nun, eigentlich hatte ich sowas ja schon mal gemacht, aber das war zu dem Zeitpunkt etwas mehr als 15 Jahre her. Und die Situation war eine andere – diesmal wusste ich, was ich tat. Ungefähr jedenfalls. So’n bisschen. Trotzdem musste ich konzentriert bleiben, um nicht gewohnheitsmäßig die Luft anzuhalten. Siehe da, es ging. Es dauerte, bis ich mich zurecht gefunden hatte mit der Ausrüstung, oder sagen wir, bis die Ausrüstung nicht immer nur das machte, was sie wollte, sondern ab und an auch mal auf mich hörte. Dann kamen wir zu den spezifischen Übungen.

Der große Vorteil vom Pooltauchgang ist, dass man im Ernstfall schnell an der Oberfläche ist, falls etwas schiefgeht. Aber was soll ich sagen? Es ging nichts schief. Das war mir schon wieder unheimlich. Maske abnehmen, wieder aufsetzen und sie ausblasen – klappte beim ersten Mal. Hä? Regulator aus dem Mund nehmen, fallenlassen, wiederfinden und wieder zurück in den Mund – klappte. Selbst die Übung, bei der man die Maske abnehmen und mindestens eine Minute ohne diese durch den Regulator atmen musste, funktionierte. He, ich bin Anfänger! Ich verlange, Fehler zu machen! Ich will mich blöd anstellen! Okay, letzteres hätte ich vielleicht nicht so laut fordern sollen, denn das kam noch. Tatsächlich war meine Stimmung zum ersten Mal eher positiv. Aber Zweifel blieben. Kleine, niedliche Zweifel. Zweifel, die noch wachsen sollten. Und das schneller, als mir lieb war.

Wir machten die Poollektionen so ausführlich, dass es längst dunkel war, als wir zum letzten Mal aus dem Wasser stiegen. Die letzten Übungen hatten wir im gedimmten Licht der „kleinen“ Poolbeleuchtung durchgeführt. Jetzt, da wir rausgingen und uns des Neoprenanzugs entledigten, schaltete man die großen Unterwasserscheinwerfer ein. Arrgh! Warum jetzt? Warum nicht früher?

Die Bilanz des Tages war durchaus positiv. Der Tauchlehrer war sehr bemüht und manchmal konnte man den Eindruck bekommen, er machte bestimmte Dinge nur, um uns ein Lächeln zu entlocken. Selbst unter Wasser, aber lächeln Sie mal, wenn Sie einen Regulator im Mund haben. Was mich an dem Tag allerdings sehr irritierte, war der Punkt, dass wir dem Tauchlehrer demonstrieren mussten, dass wir in der Lage waren, nicht nur zu schwimmen, sondern das auch noch zehn Minuten ohne Pause. Dabei war schwimmen doch genau das, was ich so konnte. Leichteste Übung! Wie Mark Spitz! Na gut, wie ein in die Jahre gekommener Mark Spitz, der nie an Olympia teilgenommen hatte. Oder sagen wir, wie ein Badewannen-Mark-Spitz. Das trifft’s. Meine Frage, ob es denn was gebracht hätte, wenn ich mein Freischwimmerzeugnis (von 1983 oder so) mitgebracht hätte, wurde seitens des Tauchlehrers abschlägig beschieden. Der Tauchlehrer habe sich, so die Vorschriften, „persönlich“ davon zu überzeugen, dass die Schüler schwimmen können.

Im Dunkeln und der dadurch bedingten aufziehenden Kälte mussten wir uns unserer Sachen entledigen. Also das gleiche wie am Mittag, nur umgekehrt: Raus aus dem Neopren. Hmja. Also, den Reißverschluss kriegte ich auf. Und dann? Keine Chance – ich kam nicht raus (für die Kenner unter den Lesern: Mein Anzug hatte den Reißverschluss vorne). Ich drehte mich zu unserem Tauchlehrer um. „Gibt es da einen Trick?“, fragte ich und hoffte insgeheim, seine Antwort würde nicht lauten: „Nein, da gibt es keinen Trick. Jeder Idiot kommt aus einem Neoprenanzug raus!“ Doch tatsächlich lächelte er mild und meinte: „Ja, da gibt es einen Trick: Lass Dir vom Buddy helfen!“ Da Annette genug mit ihrem Anzug zu kämpfen hatte, sprang der Tauchlehrer kurzfristig in die Rolle des Buddys und zog mir das Neopren von den Schultern. Danach ging es ganz einfach ohne Probleme wie geschmiert zwar auch nur mit viel ziehen und zerren weiter, aber irgendwann war ich den Anzug los.

Nachdem wir wieder trocken waren, ging es direkt zum Abendessen und daran, das Erlebte zu verarbeiten und durch Bücherstudien zu vertiefen. Wir waren jetzt „Buddys“, das hatte ich heute gelernt – Tauchpartner, die auf einander zu achten hatten. Wenn sie nicht gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Ooookaaaay…

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